26. August 2007

Kirchen in Venedig

Ich habe in meine Linkliste die Website www.churchesofvenice.co.uk aufgenommen, die auch für den 'fortgeschrittenen' Venedig-Besucher ausgesprochen hilfreich ist. Der Inhaber dieser Website, Jeff Cotton, bittet ausdrücklich um den Hinweis, dass sich diese Site noch im Aufbau befindet und alle aufgelisteten Kirchen mit der Zeit beschrieben werden.
Auch seine Site www.fictionalcities.co.uk hat einen ausführlichen und informativen Venedig-Teil.

19. August 2007

Ponte Calatrava - Rohbau


Die vierte Brücke wurde vor einer Woche im Rohbau installiert. Das 3. Fertigteil, die Mitte, wurde von oben über die beiden Brückenköpfe eingeklinkt - nachdem das Mittelteil wieder in einer spektakulären nächtlichen Aktion durch den Canal Grande zur Baustelle transportiert worden war.

Andreas Götz hat mir wieder beeindruckende Fotos gemailt, die mich mit z. T. ungewöhnlichen Perspektiven und/oder Einbezug der Zuschauer die Stimmung gut nachempfinden lassen. Er lebt ja (zum Teil) in Venedig und hält es mit den Brückengegnern, während ich (aus der Ferne) mich schon auf die erste Brückenüberquerung freue und hoffe, dass der elegante Schwung dieser roten Wirbelsäule künftig die Blicke von der Gewöhnlichkeit des Piazzale Roma ablenken wird.


"Der Transport über den Canal Grande war schon ein ziemliches Ereignis. Die Einfahrt bei der Salute war ziemlich zügig (was für ein effekvolles Foto sorgte) und je enger es wurde desto langsamer wurde es. "






Transport kurz vor Rialto







"Das Ganze beleuchtet und mit hunderten Helfern versehen (Polizia Municipale, Protezione Civile, Polizia di Stato etc..)"





"Leider waren die besten Orte zum Fotografieren abgesperrt (aus "Sicherheitsgründen", will heißen, es gab eine Gegendemonstration, wegen "Geldverschwendung"). Ich war aber zum Schluß ganz zufrieden mit dem Platz, den ich mir erdrängelt habe, auf einem Balken zwischen zwei pali."




An der Herberia (Gemüsemarkt) gegenüber der Hauptpost

















"Insgesamt verlief alles sehr viel schneller als im angekündigten Zeitplan. Es war offensichtlich, daß man auf jeden Fall die Zeiten einhalten wollte und so waren sie großzügig angegeben. "












"Auch die Montage war nach vier Stunden abgeschlossen, angekündigt waren dreißig (damit man vier mal Hochwasser hat). "




















"Aber diese Bilder zeigen sehr gut die Hydraulikstempel, mit denen die Brücke bei Flut auf die provisorischen Auflager gehoben wurde. Jetzt müssen die drei Brückenteile "nur noch" verschweißt werden."
















"Jetzt zeigen sich die Qualitäten der
Brücke, die mir bewußt sind, auch wenn ich aus
urbanistischen Gründen dagegen bin und sie mir zu"unvenezianisch" ist. Ich meine damit nicht, daß ich keine moderne Architektur in Venedig haben will, sondern daß ich mir eine moderne Architektur wünsche, die im Bewußtsein des Ortes gestaltet wird, für den sie entsteht. Jetzt kann man natürlich argumentieren, daß Venedig ja am Piazzale Roma längst zu Ende ist, aber das zählt für mich nicht. Also lassen wir das."








"Bei den Fotos des Rohbaus habe ich mir erlaubt einige der vielen Werbebanner digital abzuändern. Jedes analoge oder digitale Foto ist irgendwo
verändert aber durch meine Eingriffe ist der Dokumentcharakter etwas stärker eingeschränkt. Sie gefallen mir aber so besser.
Cordiali saluti, ciao,
Andreas "


















4. August 2007

Canal Grande - die vierte Brücke

Historisches tut sich in diesen Wochen. Die vierte Brücke über den Canal Grande wird errichtet, nach jahrelangen Differenzen der Beteiligten.

Der Spanier Santiago Calatrava ist der brückenerfahrene Architekt der neuen Kanalüberquerung, seit seinem Bau des Olympstadions in Athen (Foto vom Flug nach Athen im Mai) ist er auch dem Laienpublikum bekannt. Seine Bauten wirken leicht und elegant mit einem kräftigen Schuss Bionik.


Die Planung für die Brücke begann vor über 10 Jahren, der Bau wurde durch Genehmigungs-, Prüf- und sonstige Verfahren, Finanzierungskonflikte sowie diverse Bürgerproteste aus verschiedenen Gründen, z. B. der mangelnden Ausrüstung für die Nutzung durch 'behinderte' Menschen, bisher nicht verwirklicht. Lediglich zwei Brückenköpfe aus Stahl und Beton (Fotos siehe weiter unten) stehen seit Jahren am Knick des Canal Grande zum Piazzale Roma, durch Bauzähne nur schlecht verhüllt.
In den deutschen Medien war von diesem dauerhaften Konflikt in Venedig nichts zu merken, auch im www gab es bis vor kurzem wenige und nur Jahre alte Informationen, abgesehen von z. B. einem etwas reißerischen Bericht des Focus.

Nun aber, mit äußert kurzfristiger Ankündung auf der Website der Comune Venezia, wird zur Tat geschritten, in den beiden Nächten des letzten Juliwochenendes sollten die Anschlussstücke der beiden Brückenköpfe angeliefert und installiert werden.

Andreas Götz hat in dieser Woche Fotos gemailt und dazu Erläuterungen geschrieben:


Brückenkopf mit gut
sichtbaren langen Zapfen, die die Brücke auch etwas größeren Verände-
rungen im Untergrund anpassen sollen.












Brückenkopf mit neuem Zwischenmodul





Man kann gut die rote Unterkonstruktion der Stufen sehen, die rechts uns links über die Brücke führen, in der Mitte der Bereich der künftigen Rampe für die rollende Brückenüberquerung (Kinderwagen, Rollstühle, Transportkarren etc.).
Am schmalen grauen Streifen am Rand soll wohl die 'Ovovia', die Kabinenbahn, befestigt werden.


Unterkonstruktion der Stufen


Beide Anschlüsse fertig installiert











Auf meine Frage, wie die "Ovovia" funktionieren soll, die ich mir mit den bisherigen geringen Informationen wie eine Art Seilbahn vorstelle, schreibt Andreas Götz:

"Ich habe zwar mal ein schlechtes Foto vom Projekt der Ovovia gesehen, aber Genaues weiss ich nicht. Es sind wohl glaeserne Kapseln, die auf einer Schiene hin und her fahren. Damit man sie mit einem Rollstuhl benutzen kann muessten sie ziemlich gross sein. Gedacht ist das Ganze wohl so, dass die Menschen, die schlecht zu Fuss sind, die ovovia benutzen und die Rollstuhlfahrer die mittlere Rampe. Wobei die Rampe fuer Rollis ohne Hilfe mit Sicherheit sehr gefaehrlich sein wird. Zudem duerfte die Bruecke bei groesserem Andrang zur Qual werden, wenn man es nicht von Anfang an schafft, strickt Rechtsverkehr einzufuehren. Mit der Rampe in der Mitte sind die Stufenbereiche relativ schmal."


Morgen, Dienstag 7.8. erfolgt laut Website der Comune Venezia die Anlieferung des Mittelteils der Brücke, wieder wird der Canal Grande gesperrt sein und der ÖPNV um die Stadt herumgeleitet werden. Ab 22:30 Uhr soll im Internet mit zwei Webcams die Aktion zu verfolgen sein. Und am Wochenende wird dann die 4. Überbrückung des Canal Grande beendet.

Dieses historische Ereignis wird wohl so schnell nicht wieder geboten werden, wer in Venedig ist, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen und ich bin schon sehr gespannt, Anfang September die Brücke zu besichtigen, nachdem ich seit Jahren bei jedem Besuch nur seufzend die beiden Baustellen bewundernd durfte...

YouTube-Video des Transportes vom 7./8.07

Mittlerweile gab es eine Pressemitteilung des Büros Calatrava, das entschieden auf Details des Brückendesigns (Materialien, Beleuchtung etc. ) eingeht, aber kein Wort über die 'Ovovia' verliert, die doch ein wichtiger Punkt in den Dissenzen um die Brücke in den letzten war. Zusammen mit einer älteren Pressemitteilung vom Mai hinterläßt diese Art der Öffentlichkeitsarbeit bei mir einen etwas merkwürdigen Eindruck.


Nichtdestotrotz, der mittlere Teil der Brücke wurde inwischen (gestern 11.8.) eingefügt, eröffnet werden soll die Brücke im Dezember.

5. Mai 2007

San Giorgio dei Greci - die Kirche der Griechen in Venedig




Der schiefste Turm der Stadt, seit Jahren unter Kontrolle von elektronischen Messgeräten und in diesem Frühling renoviert, gehört zu S. Giorgio dei Greci. Dramatisch schräg nach links gebeugt sieht man ihn von der Riva degli Schiavioni und von der Marina der S. Giorgio-Insel gegenüber, die Kirche liegt eher versteckt in der '2. Reihe'.
Man findet sie, wenn man rechts der 'Vivaldi-Kirche' S. Maria della Visitazione die Calle della Pietà nimmt, an der Salizzada dei Greci links, an der Calle della Madonna wieder links und dann VOR! der Brücke Ponte dei Greci scharf links einbiegt. Wenn man den wunderbar grünen stillen Innenhof des Ensembles von Kirche und ehemaligen Bruderschaftsgebäuden betritt, scheint der Trubel der Riva degli Schiavoni meilenweit entfernt.


Der Bau der Kirche wurde erst nach
wiederholten Anläufen der griechischen Gemeinde und mit deren eigenen Mitteln (im wesentlichen der in Venedig lebenden und arbeitenden griechischen Intellek-
tuellen, Künstler, Söldner zur See und wirtschaftlich besonders erfolgreichen Drucker) von 1539-
1573 erbaut. Zu diesem Zeitpunkt waren die wechselhaften Beziehungen Venedigs zu Byzanz durch die ottomanische Eroberung 1453 bereits beendet.
Venedig hatte zu diesem Fall seinen schlimmen eigenen Teil beigesteuert durch die Eroberung Konstantinopels mithilfe des Kreuzzuges 1204 unter Anführung des Dogen Enrico Dandolo.

In den historischen Entwicklungsjahren war das Veneto und damit das künftige Venedig als Teil von Westrom an Ostrom übergangen und wurde Teil des byzantinischen Kaiserreiches, als Exarchat am westlichen Rand. Byzantinische Architektur und
Kultur ist bis heute nachzuvollziehen z. B. in einigen Kirchen (siehe Torcello), in den alten Teilen von einzelnen Palästen entlang des Canal Grande (siehe Foto Ca da Mosto) und in Museen (z. B. Museo Correr).

Das sich langsam entwickelnde Venedig wurde aus der Ferne mittels Statthaltern, den Vorläufern der Dogen, verwaltet. Es diente politisch aus byzantinischer Sicht als Puffer nach Westen, handelte auch Verträge mit den Karolingern aus, mit dem Ziel, das deutsche Kaiserreich auf Abstand und Venedig den Rücken frei zu halten und damit auch Byzanz/Konstantinopel.

Während Venedig sich politisch un
d wirtschaftlich etablierte, stand Emanzipation von der "Mutter" auf der Agenda, Handel wurde zum Schwerpunkt der Beziehungen zwischen Venedig und Konstantinopel.
Griechen lebten und arbeiteten in Venedig als Handwerker, Künstler, in der Seefahrt, als Intellektuelle mit reichem historischen Hintergrund. Venedig führte ein ganzes Handelsviertel in Konstantinopel mit einer großen Zahl venezianischer Kaufleute, die sich dort niedergelassen hatten, und einer entsprechenden Infrastruktur, die den Handel im östlichen Mittelmeer und weit über das Schwarze Meer und über die Seidenstrasse hinaus ermöglichte.

Der Überfall des Kreuzzuges 1204, die Massaker und Plünderungen, und die darauf folgende Aufteilung des byzantinischen Kaiserreiches unter die führenden Kreuzzugsteilnehmer waren ein erschütternder historischer Einschnitt ohne Beispiel. Venezianische Kolonien entstanden in der Ägäis und auf der Peloponnes, ganz Kreta wurde venezianisch, erhielt seinen eigenen von Venedig gesandten Dogen, Großen Rat und eine Aufteilung in Sestiere wie die Serenissima selbst. Die Insel wurde durch von Venedig ausgewählten Auswanderern kolonisiert, die ein Lehen auf dem Land und eine Handvoll einheimische Leibeigene zur dessen Bearbeitung erhielten. Sie mussten im Gegenzug sich und einen weiteren Ritter ausrüsten, d. h. mit Waffen, Rüstung und Pferd und waren verpflichtet, in einer der "Burgen" (heute die regionalen Hauptstädte Kretas) zu residieren, um jederzeit dem Dogen zur Verteidigung zur Verfügung zu stehen. Vor allem die Kolonialisierung Kretas durch Venedig ab 1204 lieferte Vorbild und Erfahrungswerte für alle weiteren Kolonisierungen, die in den kommenden Jahrhunderten ab der Besatzung der Amerikas ab 1492 stattfinden sollten.

Das lateinische Konstantinopel wurde 1453 endgültig von den Osmanen erorbert, nachdem die erbetene Unterstützung durch Venedig ausgeblieben war, und Tausende von Venezianern und Griechen flüchteten nach Vened
ig, eine Bewegung nach Westen, die sich mit dem Fall kolonisierter Inseln wie Zypern und Kreta und der Siedlungen in der Morea (Peloponnes) fortsetzte. Die griechische Bevölkerung in Venedig wuchs an Zahl und Wohlstand, und vervollständigte also Mitte des 16. Jahrhunderts ihre eigene Kirchen, Schule und Sozialversorgung.

Das war allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem Venedig bereits klar zur EHEMALIGEN Weltmacht abgesunken war und der Reichtum der Stadt sich nicht mehr durch umfassenden Handel, sondern durch eine umfassende Blüte der Künste darstellte. Die Griechen verpflichteten für ihreBauten zwei der besten Architekten ihrer Zeit (Longhena, Lombardo) und für die Aus
schmückung der Kirche die berühmtesten (kretischen) Ikonenmaler (Damaskinos u. a., deren Ikonen im Museum neben der Kirche zu bewundern sind.

Longhena-Fassade des Istituto Elleniko. Eingang zur Bibliothek (im Parterre) und zum Ikonenmuseum (1. Etage)


Das Griechische Institut für Byzantinische und Postbyzantinische Studien bietet neben der Bibliothek Studien- und Fördermöglichkeiten für Fachwissenschaftler, die aus aller Welt kommen. Es erfährt Förderung durch verschiedene griechische Stiftungen, vor allem die Alexander Onassis Stiftung und die Stavros Niarchos Stiftung.
Es befindet sich in der ehemaligen Scuola der Griechen links von der Kirche San Giorgio. Im Gebäude rechts der Kirche hat die Verwaltung der gr.-orthodoxen Kirche in Italien ihren Sitz, sowie der gr.-orth. Bischof für Italien.


Ikone im Ikonenmuseum vom Typ "Allheilige des Leidens". In der typischen Darstellung halten Kind und Mutter sich an den Händen, während das Kind den Kopf von der Mutter ab- und seinen künftigen Aufgaben zuwendet, dargestellt durch zwei Engel.





23. April 2007

Die traditionellen Feiern und Sportereignisse des Sommers in Venedig



hier wird auch im Winter trainiert für die bevorstehende Saison...


Eine kleine Zusammenstellung interessanter Termine des Sommers in Venedig. Erhöhtes Menschenaufkommen, knappe Hotelzimmer und (Tages)- Saisonpreise müssen einkalkuliert werden. Die meisten Termine sind auch für Kinder interessant.


25.April

62. Tag der Befreiung mit einer militärischen Zeremonie auf dem Markusplatz um 9:30 Uhr und anderen Gedenkfeiern an verschiedenen Orten in der Stadt, z. B. im Ghetto.
und Tag des Stadtpatrons San Marco, der anscheinend nicht sonderlich gefeiert wird, zumindest finde ich in den üblichen Quellen keine Agenda dazu. Der Eingang für Gottesdienste in der Basilica di San Marco ist das Portal an der Nordseite. Dort ist sicher auch ein Aushang zu finden, falls es weitere religiöse Patronatsfeierlichkeiten geben sollte.

6. Mai
Regata di Mestre, 16:00 Uhr

27. Mai
Wettkampf der Alten Seerepubliken, der in diesem Jahr in Venedig abgehalten wird
und gleichzeitig (leider) die Vogalonga dieses Jahres (siehe auch Sport in Venedig)



28. Mai
Fest der Sensa, das alte Fest der Vermählung des Dogen mit dem Meer, heute immer noch mit diversen religiösen Zeremonien, einer Schiffsprozession zum Lido und Regatten im Tagesverlauf.
(Fotos hier oben und unten: Andreas Götz)



10. Juni bis 21. November
Kunstbiennale in den Giardini, im Arsenale und überall in diversen Lokalitäten der Stadt (ausgeschildert): jedes Jahr wieder die Möglichkeit, neben spannenden und enttäuschenden Kunsterfahrungen Häuser und Paläste von innen zu sehen, die ansonsten dem Touristen verschlossen sind...

2. Juni
Regata di Sant' Erasmo, 16:30, 17:15, 18:00 Uhr


12. Juni
Regata di Santi Giovanni e Paolo, 17:00, 17:45 Uhr


1. Juli
Regata di Murano, 16:30, 17:15, 18:00 Uhr

8. Juli
Regata di Malamocco, 17:15, 18:00Uhr

14./15. Juli

Redentore, das Dankesfest zur Erinnerung an das Ende der Pestepidemie in den
1570er Jahren. Ganz Venedig ist auf den Beinen zu Gottesdienst, gemeinsamem Picknick in Booten im ehemaligen Hafenbecken vor dem Dogenpalast und abendlichem großen Feuerwerk über dem Wasser.
Am 15. Juli Regata-Wettkämpfe um 16:00, 16:45, 17:30 Uhr


5. August
Regata di Pellestrina, 16:30, 17:15, 18:00 Uhr

29. August bis 8. September
Filmfestspiele

2. September
Regata Storica

16. September
Regata di Burano zum Sommerabschluss: 15:30, 16:15, 17:00 Uhr

28. Oktober
Venice Marathon


15. April 2007

Venedig mit Kindern V


Kunst jenseits von Museen - gesehen im Universitäts-
viertel in Dorso-
duro



Letzter Teil der Reihe "Venedig mit Kindern" mit den Punkten

4. 2-4 Museen
5. 2-3 Inseln
6. 1-2 mal raus aus der Stadt


4. 2-4 Museen
Bedeutet: Museen, die man nicht besucht, um (auch) einen Palazzo von innen zu sehen, sondern wegen ihres Inhaltes.

Ich empfehle für den Besuch mit Kindern das Museo Correr an der Piazza di San Marco (Eingang an der Schmalsseite gegenüber der Basilika), das Museo Storico Navale (am Arsenale), das Museo di Storia Naturale und, für nicht mehr kleine Kinder, die Guggenheim-Foundation, jeweils am Canal Grande.
Zugabe: 1 mal Briefmarken kaufen in der Zentralpost!


Das Museo Correr ist eine interessante und lehrreiche Mischung von historischen Informationen über Politik- und Stadtentwicklung, Handelsbeziehungen und Conquista im Mittelmeer die bis zu Einzelheiten führt wie z. B. dem Ablauf von Denunziation und von Dogenwahlen, schönen und informativen Beispielen venezianischen Handwerks und diversen Volksbelustigungen wie Menschenpyramiden und Tierjagden auf den Plätzen der Stadt. Das angegliederte archäologische Museum ist Erwachsene interessant, für Kinder aber klare Langeweile.

Das Museo Storica Navale gehört zur Marine und damit zum
Verteidigungsministerium. Vielleicht ist es deshalb das preiswerteste Museum in Venedig, und natürlich sind die Exponate stark militärisch geprägt.
Da sind Eltern gefragt, die den Zusammenhang zwischen (damals) globalisiertem Handel und den Kriegen zwischen den konkurrierenden Parteien, Kolonialismus und Ausbeutung der Kolonien und aus alldem folgenden unglaublichen Reichtum als Erbteil
dieser wunderbaren Stadt erklären können. Aber dieses Thema lässt sich in Venedig ohnehin nicht umgehen, wenn man mit pfiffigen Kindern reist.
Im Museum der Geschichte der Seefahrt finden sich also eine Menge Informationen über die Entwicklung der Seefahrt im Allgemeinen und der venezianischen Seefahrt im Speziellen, die Funktion des historischen Arsenales und die Arbeit und Arbeitsbedingungen darin sowie seine Zerstörung durch Napoleon; über die Kolonien in Adria und
Ägäis, die ich persönlich interessant finde und die auch Kindern viel über die historische Entwicklung der Republik Venedig verständlich vermitteln können. Die Sääle mit den eher langweiligen moderneren Selbstdarstellungsbemühungen der Marine kann man zügig durchqueren oder links liegen lassen.
(Fotos: Originalstich Plan und Ansicht der Hafenstadt Koroni, Peloponnes (links); Plan und Relief der Festung und Hauptstadt Candia, Kreta (rechts).)


Das Museo di Storia Naturale empfehle ich 'blind', denn trotz Einhaltung der Öffnungszeiten habe ich noch keinen Eintritt gefunden. Immer geschlossen! Aber die Restaurierung ist beendet und das Ding muss zu knacken sein. Ich denke, es bietet einen guten Einstieg für die Beschäftigung mit den ökologischen Problemen und Aufgaben Venedigs und der Lagune, die ja viele Kinder wesentlich spannender und wichtiger finden als ihre Eltern. (Weitere Vorschäge zum Thema Ökologie folgen.)
Es befindet sich im ehemaligen türkischen Handelshaus, das aber bei seiner Restaurierung (besser Wiederaufbau) stark ver
ändert wurde. Da ich es nicht von innen gesehen habe, kann ich bisher nichts darüber sagen.

Die Peggy-Guggenheim-Collection besteht weitestgehend aus nicht gegenständlicher Kunst des 20. Jahrhunderts, die in wunderbar hellen frischen Räumen (und teilweise im Untergeschoss auch nicht ganz so weitläufig), präsentiert wird. Dazu kommt der schöne Garten mit altem Baumbestand (angeblich einer der größten Gärten Venedigs) und modernen Kunstwerken, mit den Gräbern Peggy Guggenheims und ihrer Hunde und dem Gruß von Yoko Ono an Peggy in Form eines Olivenbäumchens, und die wunderbare Terasse zum Canal Grande. Der Besuch dieses Museums ist der inspirierende Genuss eines Gesamtkunstwerkes, der vielleicht manchem Ki
nd eine unvergessliche Einladung in die nicht gegenständliche Kunst vermittelt.

Die Zentralpost an der Rialtobrücke war das Handelshaus der deutschsprachigen Kaufleute und das Zentrum und der Dreh- und Angelpunkt des Handels zwischen (Süd-)Deutschland und Venedig, der als einziger nicht übers Meer abgewickelt wurde. Die deutschen Kaufleute mussten hier ihre Waren lagern, verzollen und verkaufen und hotelmäßig wohnen. Umgekehrt kauften sie dort venezianische (d. h. "global" nach Venedig importierte) Waren und exportierten sie (wiederum verzollt) in ihre deutschen Städte. Auch Albrecht Dürer lebte hier Anfang des 16. Jahrhunderts (siehe Beitrag vom 17.3.07).
Die Größe des Gebäudes kann man von der Brücke oder vom Vaporetto aus bewundern, der überwältigende Eindruck trifft einen aber nur innen! In der Mitte steht noch der Pozzo, der Boden besteht
noch aus dem alten Ziegelpflaster, und es ist kein Problem, in die 1. Etage zu gehen und die Sache auch von oben zu besichtigen. Man kann sich sehr gut ausmalen, wie hier 'Handel und Wandel' stattfand. Ich finde, dies ist ein authentischer Blick in die Geschichte Venedigs und eine überzeugende öffentliche Nutzung des Gebäudes, deshalb sollten die Briefmarken hier und nicht am Kiosk gekauft werden.


5. 2-3 Inseln

Die Stadt Venedig mit Türmen, Palästen, Museen und Kirchen ist nur die halbe Miete, wenn nicht zum Gesamteindruck die einzigartige historische und ökologische Einbettung der Stadt ins Wasser, in die Lagune, dazu kommt.

Für den Besuch mit Kindern schlage ic
h ausdrücklich NICHT Murano vor. Die Insel liegt zwar nur 10 Minuten von den Fondamente Nove entfernt und bietet sich für einen Kurzausflug an, ist aber ein insgesamt abschreckender Ort puren Konsums. So bezaubernd die alte und moderne Glaskunst zum Teil ist, so trostlos ist die Aneinanderreihung von Glas'boutiquen' und Schnellabfütterungstrattorien und das Bewußtsein des wirtschaftlichen Zweckes, den man als Tourist zu erfüllen hat.

Burano (im Bild unten Mitte) und
Mazzorbo, verbunden durch eine Brücke. Rechts oben die Südspitze Torcellos.

Ein bißchen anders ist das auf Burano, wo zwar in den Gassen der 'ersten Reihe'
auch sehr geschäftstüchtig Fastfood und Spitzen verkauft (keineswegs hergestellt) werden, aber in den Seitengassen flattern vor den überall offen stehenden Haustüren lustig bunte Tücher als Sichtschutz. Noch mehr Stimmung bringt die unglaubliche Farbenpracht der buranellischen Fischerhäuschen, die mit Sicherheit jedes Kind animieren, so wie der herrlich schiefe Turm der (sehenswerten) Kirche. Weniger vielfarbig ist die Nachbarinsel Mazzorbo, über eine Holzbrücke erreichbar, aber immerhin grün und geeignet für ein Rennen entlang des Ufers und ein entspanntes, ruhiges und preiswertes Mittagessen in der Trattoria mit Garten direkt an der Vaporettostation Mazzorbo.
(Burano ist zu erreichen mit Linie N von der Station Fondamente N
ove. Von Burano erreicht man vom 2. Anleger der Bootsstation mit einem Anschlussboot die Insel Torcello, die nur wenige 100 m entfernt liegt.)

Ganz anders und konsumferner geht es auf Sant' Erasmo her. Sie ist zusammen
mit der davor liegenden Insel Vignole (von Venedig aus gesehen) seit alten Zeiten der Gemüsegarten Venedigs, nach einem Besuch werden Kindern beim Gang über den Rialto-Gemüsemarkt die Schilder auffallen, die auf die Herkunft der Lebensmittel von diesen beiden Inseln hinweisen. Wer am ersten Vaporetto-Halt 'Capannone' aussteigt, kann nach rechts abbiegend in ca. 15 Minuten durch die Felder zur Torre Massimiliana spazieren, ein niedriger, dicker Rundturm, Teil der alten Befestigungen, zuletzt von den Österreichern verwendet und sehr schön restauriert. Dort gebotene Ausstellungen lokaler Kunst oder zu lokalen Öko-Themen sind Fr/Sa/So ganztags geöffnet, während der Woche meistens geschlossen. Ein paar Meter weiter gibt es einen schattiger Biergarten am Strand, an dem Kinder sich nicht langweilen und leicht im Auge zu behalten sind. (Siehe Sport in Venedig II)
An der Gruppenherberge 'Il Lato Azzurro' auf dem Weg zur Torre Massimiliana (und am zweiten Vaporetto-Halt 'Chiesa') kann man Fährräder ausleihen. Eine Radtour quer über die Insel (hier ein Vorschlag von
von 'Il Lato Azzurro') durch die Felder, die Straßen muss man allenfalls mit bäuerlichem Traktorverkehr teilen. Hier lässt sich sinnfällig erleben, dass der alte Organismus Venedig aus Stadt, Wasser und Inseln besteht und keines seiner Teile verzichtbar ist.

Als dritte Insel schlage ich Pellestrina vor, da hier als Gegensatz zum städtischen
Leben Venedigs und dem bäuerlichen Leben auf Vignole/Sant'Erasmo hier das Inselleben mit dem offenen Meer einerseits und der Fischerei in der Lagune andererseits beobachtet werden kann. (Beschreibung und Verkehrsverbindung bereits bei Sport in Venedig II).
Pellestrina hat neben einem Sportzentrum, zu dem Kinder vom Canal Grande mit Boot und Schiff fahren, einige Dörfer,
vor allem S. Pietro mit einem Fischereihafen, in dem auch schon mal ein Fang bewundert werden kann (frühmorgens oder abends). Außerdem gibt die langen Murazzi, gebaut im 18. Jahrhundert zum Schutz Venedigs vor dem Meer, die beim großen Hochwasser 1966 z. T. nicht Stand halten konnten und hinter denen sich lange Wellenbrecher und schöne Strände verbergen. Auch ein Besuch auf dem Ca'Roman kann sich anschließen. Dazu überquert man einen steinernen Damm (Verlängerung der Murazzi und betritt dann eine bewaldete Düne, die unter Naturschutz steht. Es gibt einen schönen großen Strand, am dem sich im Sommer Familien tummeln, im Frühling ist er allerdings während der Brutzeit der dort lebenden Vögel gesperrt.

Murazzo zwischen Pellestrina und Ca'Roman. Links Laguna, rechts Adria





Mit den Inseln Burano/Mazzorbo (und evtl. mit größeren Kindern Torcello), Sant' Erasmo/Vignole, alle fünf in der Laguna Nord, und Pellestrina in der Laguna Sud wird ein kleiner Eindruck von der großen Ausdehnung der Lagune und damit
Gesamtvenedigs vermittelt. Wobei natürlich die monströsen Industrieanlagen von Marghera immer mit im Bild sind, die in der Laguna Sud liegen, die man aber sogar von Torcello aus sehen kann. Womit uns nicht die historische, sondern die heutige Globalisierung und der Welthandel mit seinen Profitinteressen eingeholt hat, die wir unseren Kindern erklären müssen und deren Folgen nicht nur Venedig und die Lagune betreffen.

Auf allen Inseln gilt: Mückenschutzmittel anwenden oder langarmige/beinige Kleidung tragen!!!

6. 1-2 mal raus aus der Stadt

Raus aus der Stadt kann man sehr gut mit den beschrie-
benen Insel-
besuchen.

Man kann es auch, in dem mal einfach mal die größeren Boote besteigt, die ArbeiterInnen/SchülerInnen von den Inseln und Chioggia zur Arbeit und in die Schulen bringen. Das Boot von/nach Chioggia fährt morgens und abends (zurück mit dem ACTV-Boot nach Pellerstrina, weiter mit dem Bus, wie beschrieben), das Schülerboot von/zu den Inseln morgens und mittags an der Riva degli Schiavoni (zurück mit den Linien N oder 13), beide Boote sind groß und haben Obergeschosse und Sonnendecks auf denen Kinder sich bewegen können. Abfahrtzeiten erfährt man an den Haltestellen.

Für "raus aus der Stadt" möchte ich auch ein paar Themenausflüge vorschlagen,
die je nach Interesse der Kinder in der Reisegemeinschaft die Erfahrung 'Venedig' vertiefen können.
1. Angebot ökologischer Ausflüge
2. Angebot Schnellkurs venezianisches Rudern
3. Angebot Kajakfahren in der Lagune
4. Angebot archäologischer Ausflug Lazaretto Novo
und nochmal
5. Besuch im Haus der Umwelt





8. April 2007

Venedig mit Kindern IV

Um Kindern einen Eindruck von der Pracht, Vielfalt und langen Geschichte der Republik Venedig aber auch dem Schicksal und der Vergänglichkeit Ihrer Bemühungen und Bewohner zu vermitteln, sollte man versuchen, je nach Alter der Kinder und Dauer des Aufenthalts in der Stadt eine möglichst bunte, abwechslungreiche und umfassende Tour zu planen.
Deren Umsetzung ist eine andere Frage, denn ich persönlich habe noch nie in Venedig alle Pläne durchführen können (Renovierung, Mittagspause, oder einfach Tür zu), aber immer Ungeplantes oder mehrfach vergeblich Geplantes überraschend erlebt.
Neben der wichtigen Beobachtung des venezianischen Alltagslebens ist die Devise: grober Wunschplan und überraschen lassen, was dabei rauskommt!

Grober Besuchs-Wunschplan
1. 1-2 Türme
2. 2-4 Palazzi

3. 3-5 Kirchen
4. 2-4 Museen
5. 2-3 Inseln
6. 1-2 mal raus aus der Stadt

Das klingt nach 'Schema F', führt aber insgesamt zur oben erwähnten bunten, abwechslungsreichen und umfassenden Tour.


1. 1-2 Türme
Nahe liegend ist der Campanile auf der Piazza di San Marco. Man kann ihn auch noch abends spät besuchen, d. h. außer im Hochsommer auch im Dunkeln (!), und ansonsten ganztags, ohne Mittagspause.

Was beim Campanile von San Giorgio Maggiore nicht der Fall ist. Wegen der zweistündigen Mittagspause habe ich es noch nie nach oben geschafft, irendwann klappt es in aller Frühe, hoffe ich.

Der Uhrturm auf der Piazza di San Marco ist für Kinder wahrscheinlich
verführerisch, macht von der Höhe aber nicht viel her und die Zeit- und Sprachvorgaben sind sehr eng, ein typischer Fall von 'es ergibt sich im Vorbeigehen oder gar nicht'. (Siehe Post vom 28. Januar).
Sollte man unter den Punkten 5. oder 6. nach Torcello kommen, ist der dortige Campanile wegen der Aussicht über die Laguna Nord unverzichtbar.


2. 2-4 Palazzi
Die den Touristen zugänglichen Palazzi
haben in der Regel Museumsfunktion, aber nicht jedes Museum im Palazzo vermittelt einen Eindruck der Wohnkultur wohlhabender venezianischer Kaufleute oder Adeliger früherer Zeiten.
Dazu am meisten geeignet scheinen mir von denen, die ich bisher besucht habe:
der Palazzo Mocenigo bei S. Stae, die Ca' Rezzonico,(rechts) der Palazzo Fortuny und die
Stiftung Querini-Stampalia.

In den beiden ersten lässt sich sehr schön die horizontale Dreiteilung eines
Palastes sehen und erklären: im Parterre der große Andron (aus dem griechischen, 'Männerraum') mit kleinen Nebenräumen rechts und links als 'Garage' für Gondeln und 'Stauraum' für Waren etc., und die große Treppe, die in das Piano Nobile im 1. Stock führt. Dort mit analogem Aufbau der große Saal Portego (Empfangssalon über die ganze Länge des Gebäudes mit Fenstern zum Kanal) mit wiederum Nebenräumen links und rechts mit verschiedenen Funktionen. Je nach Bauepoche gibt es niedrige Zwischenetagen (Mezzanin) und/oder darüber folgen weitere Etagen (die älteren Häuser haben nur zwei Etagen).

Auch von außen kann man den inneren Aufbau des Palazzo gut erkennen: beim symmetrischen Palazzo der Andron mit Wassereingang in der Mitte und Fenstern rechts und links (bzw. bei Häusern für zwei Familien zwei Wassereingängen rechts und links). Im Obergeschoss der Portego mit einer großen (Bogen-) Fenstergruppe in der Mitte, meist eingerahmt, und einzelnen Fenstern oder kleineren Fenstergruppen rechts und links (links, Palazzo Mastelli in Cannaregio, mit zwei Obergeschossen, kein Mezzanin). Aber auch bei asymmetrischen Fassaden kann man gut auf das Innere eines Palazzo schliessen, dar auch dann in der Regel die Dreiteilung einer Etage bewahrt (z. B. Ca' d'Oro am Canal Grande).

In diesen vier genannten Palästen gibt es teilweise noch Original-Möbel (die nicht immer aus diesem Haus stammen müssen) und Original-Innenarchitektur (z. B. bei Mocenigo eingebaute Bibliotheksschränke, bei Rezzonico eine Apotheke) und Innenhöfe (bei Fortuny mit einer schönen Treppe in den Garten, bei Querini-Stampalia eine beeindruckende Neugestaltung des Architekten Carlo Scarpa). In allen vier Häusern gibt es Original-Kunstsammlungen und
Sammlungen, die aus anderen Palazzi im Rahmen von Sammlungsauflösungen übernommen wurden.

Die Vielfalt der Museumsfunktionen der vier Häuser reicht von alten Stoffen und Kleidungstücken bei Mocenigo und modernen kunstvollen Stoffen und Moden des letzten Jahrhunderts bei Fortuny über historische Darstellungen der Serenissima und ihrer Geschichte bei Mocenigo und Querini-Stampalia (wo auch kostenlose Führungen angeboten werden) bis zu einer reichen
Sammlung der Kunst des 18. Jahrhunderts bei Rezzonico (hier hängen die beiden einzigen Canaletto-Werke, die es in der Stadt noch geben soll).

Zum Aufbau der venezianischen Palazzi und ihren ehemaligen Kunstsammlungen bitte die Website der Bundeskunsthalle Bonn besuchen und dort wie folgt weiterklicken:
Ausstellungen, Ausstellungsrückschau, 27.9.2002-12-1-2003: Venezia! Kunst aus venezianischen Palästen.

Ein direkter Link ist seitens der BKH nicht möglich.
16.04.07: Doch ein Direktlink dank des Kommentars von Helfried.


3. 3-5 Kirchen
Da gibt es nun die Riesenauswahl! Im Prinzip kann man mit Kindern in jede Kirche gehen, einfach um 10 Minuten die Füsse auszuruhen, die Stille und angenehme Temperatur zu genießen und sich überraschen zu lassen, was es alles zu sehen gibt.

Aber für die gezielte Besichtigung schlage ich vor:
San Zaccaria, Santa Maria della Salute,eine der beiden großen Kirchen Frari und Zanipolo und die Miracoli (siehe Cannargio I).

San Zaccaria wegen der Architektur insgesamt, des Altarbildes von Bellini auf der linken Seite ('Sacra Conversazione' mit dem zart gehobenen Fuss des Babys Jesus über der Hand seiner Mutter) und wegen der Sakristei auf der rechten Seite (extra Eintritt, zu zahlen bei dem kleinen Tisch, der vor der Tür steht) mit beeidruckendem Wandbildern und geschnitztem Chorgestühl. Dieser Raum ist in der Morgensonne besonders überwältigend beleuchtet durch die großen Fenster aus gelbem Glas.
Durch den Nebenraum gelangt man in einen Gebäude-
teil, der noch zur Vorgänger-
kirche aus byzanti-
nischer Zeit gehört, insbesondere über eine enge Treppe in eine unterirdische dreischiffige Krypta, in der Grundwasser steht, das man auf Steinplatten überquert. Feucht und schummrig und einmalig in
Venedig!
(Foto ohne Blitz. Kind und Frau kann in der Krypta stehen, Mann je nach Größe schon mal nicht.)


Santa Maria della Salute schlage ich vor wegen ihrer ungewöhnlichen Architektur, Innengestaltung und exponierten Lage, verbunden mit ihrer erzählenswerten Gründungsgeschichte als Dankopfer für das Ende einer Pestepidemie.

Eine der beiden großen Kirchen sollte man mit Kindern sehen wegen der vielen
Dogengräber (vor allem in Zanipolo) (rechts), der außergewöhnlichen Kunstschätze (vor allem in der Frari) der schönen Seitenaltäre und weiterer unerschöpflicher Entdeckungen, z. B. einem Dogenthron und dem Fuss der hl. Katharina (Zanipolo) oder dem Grab des höchstgeschätzten Claudio Monteverdi und der in der Wand steckenden Granate aus dem 1.Weltkrieg (Frari).

Diese fünf Kirchen liegen zentral und sind gut zu erreichen (Reiseführer!).

San Zaccaria und Salute haben auf jeden Fall über Mittag geschlossen, die Miracoli, Frari und Zanipolo gehören zur Vereinigung 'Chorus' (siehe Cannaregio I) und sind über Mittag geöffnet, da jemand im Kassenhäuschen
sitzt.