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11. April 2019

TBA21 öffnet San Lorenzo

San Lorenzo 2013
Dieser Eintrag liegt seit 3 Wochen herum. Einem sehr zögerlichen WLAN in 3 kleinen Hotels unterwegs in Süditalien ist das zu verdanken. Aber vor dem nächsten ausführlichen Eintrag zu den kollateralen und synchronen Sommerereignissen in Venedig will ich doch noch ausdrücklich auf die Eröffnung des dauerhaften oder zumindest langfristigen Ocean Space der TBA21-Academy in San Lorenzo hinweisen.

Vom 24.3. bis 29.9. gibt es das Eröffnungsprojekt der Künstlerin Joan Jonas. Ihre Arbeit an "Moving Off the Land II" stellt sie vor unter den Menüpunkten 'Joan Jonas Trailer', 'Joan Jonas Text', und 'Ocean Archive Trailer' (alle ansehen!).
TBA21 und TBA21-Academy, Gründungen von Francesca Thyssen-Bornemisza (von Habsburg) stellen das Gesamtprojekt Ocean Space in seiner aktuellen Phase in ihrer Pressemitteilung vor.

Bei meinem ersten Eintrag "San Lorenzo" vom 2.12.2012 war noch nicht abzusehen, was folgen würde. Der Vertrag Mexicos mit der Biennale di Venezia über 9 Jahre ab 2012 zur Restaurierung der Kirche gegen ihre Nutzung als Ausstellungsraum funktionierte noch im Jahr 2013  (siehe "Ariel Guzik", "A Farmer in the Citiy" und die leider wenig beachteten, interssanten Zeitraffer vimeos 1 und 2). Schon im Jahr 2014 bezog Mexico dann seinen neuen dauerhaften Pavillon in den Artiglerie des Arsenale. 

Ab 2015 gab es erste Berichte der Lokalpresse über Verhandlungen zwischen TBA21, Frau von Habsburg, und der Stadt Venedig zur möglichen Kooperation, die sich während zweier Jahre verdichteten, nachzulesen im Eintrag "Neue Arbeiten an San Lorenzo" vom 10.6.2017. Und ich gebe gerne damit an, dass ich als erste am 11.11.2017 mit dem Eintrag "Neues von San Lorenzo" Details über die Planungen der TBA21-Academy berichten konnte. 


San Lorenzo 2013

Nach meinen Erfahrungen mit venezianischer Projektentwicklung ist "Ocean Space" in atemberaubendem Tempo entstanden. Wer glaubt hier jenseits von fest etablierten Strukturen wie z. B. Biennalen oder dem Kirchenjahr schon an Zeitpläne? Und es ist fast ein Wunder, dass eine riesige Kirche, über 100 Jahre fast ungenutzt, jetzt wieder zugänglich und in zukunftsorientierter Nutzung ist.  Wie ich mich freu!

Ich bin sehr gespannt auf die Ausstellung und darauf, den Status von S. Lorenzo zu sehen. Das Dach wurde erneuert, die archäologischen Arbeiten beendet und die Grabung, sprich die Riesenlöcher im Boden, ist zu. Wenn die Ausstellung "Moving Off the Land II" am 29.9. schließt, wird die Restaurierung und die Neugestaltung der Kirche über Herbst 19/Frühling 20 fortgesetzt. Dauert nach Planung insgesamt 2 Jahre, beauftragt ist der spanische Architekt Andrés Jaque, der eine Reihe flexibler Plattformen einsetzen will, um den riesigen vertikalen Kirchenraum zu nutzen. Mit Hilfe dieser modularen Strukturen sind Bedarfsräume für Installation, Workshops und wissenschaftliche Arbeit integrierbar. 

Es gab  interessierte Medienreaktionen im Vorfeld und auf die Eröffnung (siehe ein paar unten). Das deutschprachige Feuilleton ist mal wieder nicht dabei, einzige Anmerkung, die ich gefunden habe: ein Tweet von Petra C. Schaefer vom Deutschen Studienzentrum Venedig

13.12.18 NYT Opening in Venice: New Space Highlighting Ocean Preservation
12.3.19   Artnews Current Affairs: To Save the Ailing Oceans,
TBA21-Academy Turns to Art and Science

15.3.19   DonneCultura Arte a Venezia - Nuova Apertura TBA21 
23.3.19   Ytali Venezia accoglie l'Oceano
23.3.19   Artribune TBA21-Academy apre Ocean Space
26.3.19   Luxos Ocean Space - The Wisdom of Science Unites
with the Magic of Art

26.3.19   ArtnetNews The New Ocean Center in Venice
Puts Art and Science at the Center of a Growing Concern: Rising Sea Levels

29.4.19   Artribune I racconti dagli oceani di Joan Jonas

Eintritt frei. Für die Performances in den Previewtagen der Biennale muss man sich anmelden. Gesamtprogramm der Previewtage.


Ergänzung 17.10.19:
Hyperallergic Artist Help Scientists Map the Climate Crisis

Ergänzung 19.9.2020


San Lorenzo 2013


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11. November 2017

Neues von San Lorenzo

Dritter Baustelleneintrag in Folge! 

Und obwohl es rein äußerlich keine Veränderung gibt an der Baustelle von S. Lorenzo seit meinem Eintrag vom 10.6. 'Neue Arbeiten an San Lorenzo', siehe Foto unten, geht es innerlich  hoch her, wie ich gestern erfahren habe.

San Lorenzo 21.10.2017

In meiner Stadt findet derzeit die 23. UNO-Klimakonferenz (COP 23) statt. Eine riesige 2wöchige Veranstaltung mit 25.000 Teilnehmer*innen und unzähligen Terminen, zu denen nur Akkreditierte zu Zutritt haben, und wenigen Angeboten, die öffentlich sind. Ich habe gestern an der öffentlichen ganztägigen Konferenz "Open Ocean Space X COP 23" der TBA21 (Thyssen Bornemisza Art 21) teilgenommen. 

Die Konferenz wurde von der TBA21 Academy gestaltet unter Beteiligung der TBA21 Gründerin Francesca von Habsburg, dem Leiter der TBA21 Academy Markus Reymann und einer Reihe internationaler Aktivist*innen und Künstler*innen. Im Laufe des Tages gab es mehrere hoch interessante Diskussionspanels und in der letzten Stunde eine Session mit 6 Filmen von TBA21-Künstler*innen unter dem Titel "The Impossibility of an Island". Der Film "Deep Weather" von Ursula Biemann war dabei, der mich bereits 2013 als Teil des Biennaleauftritts der Malediven tief beeindruckt hat. 
(Weitere interessante filmische Dokumente der Arbeit der Stiftung TBA21 seit 2002 sind auf der Website zu finden.)


Einer der Impulsfilme zur Einleitung von Diskussionsrunden


Ich hatte im Vorfeld der Konferenz in einem Mail um ein kurzes Gespräch mit Francesca von Habsburg über das Projekt in San Lorenzo gebeten (wer würde nicht versuchen, eine solche Gelegenheit zu nutzen!) und keine Antwort erhalten - naja, erwartungsgemäß.

Die Überraschung traf mich deshalb ganz unerwartet, als sie zwischen der letzten Diskussionsrunde und der Filmsession das neue Projekt ihrer Stiftung in Venedig verkündete: World Ocean Space Venice in San Lorenzo als, wenn ich das richtig verstanden habe, Niederlassung der TBA21 Academy.

Es folgen Fotos, die ich mit meinem Handy (dessen Kameraqualität keine Priorität hat) von den Projektionen gemacht habe. Also qualitativ schlechte Fotos, aber interessant.





Vorstellung des Projekts, selbst die Diskussionsgruppe guckt überrascht, 
wie auch das Publikum.
V.l.n.r.; Markus Reymann, Anne-Marie Melster, Lisa Rave,
Litia Kirwin, Mark Spalding, Francesca von Habsburg




In der Klosterkirche aus dem 16./17. JH, die ja längs in zwei riesige Hallen geteilt ist mit dem Altar zwischen den beiden Hälften, werden mit der Restaurierung Räume geschaffen für Kunstinstallationen und Kunstausstellungen, Geräusch- und Vergrößerungsinstallationen, Performances, Filmvorführungen, Bildungs- und Forschungsangebote der Academy und ihr Archiv.













Nach dem Ende der Konferenz erfuhr ich noch unter Anderem, dass die Archäologie abgeschlossen sei (während der letzten Biennale-Ausstellung Mexikos klafften im Boden noch die riesigen Grabungslöcher), also Boden zu, auch das Dach dicht, an dem im Mai gearbeitet wurde, und die Arbeiten an der Zentralhalle begonnen hätten. 

Mit dem Abschluss der Arbeiten rechnet man in ca. 1,5 Jahren, der Start des World Ocean Space Venice könnte demnach im Sommer 2019 stattfinden. Wenn alles nach Plan läuft, was zu hoffen und wünschen ist. Und dann lassen wir uns von Frau Habsburg mit dem Ergebnis überraschen. 



Ergänzung 27.5.2018
Anlässlich der Eröffnung der TBA21-Ausstellung der Architekturbiennale kündigte Francesca von Habsburg offiziell die Eröffnung von San Lorenzo im Sommer 2019 an
Siehe dazu auch The Art Newspaper vom 1.6.2018.

Ergänzung 15.12. 2018
Die New York Times berichtet am 13.12. als erste Tageszeitung über die Renovierung von S. Lorenzo durch TBA21 - bzw. die Eröffnung der TBA21-Academy am 23.3.2019
Dazu die Pressemitteilung.




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10. Juni 2017

Neue Arbeiten an San Lorenzo

Campo und Kirche San Lorenze Mitte Mai 2017

Gute Nachricht aus der Abteilung Kirchenrestauration:
an San Lorenzo wird wieder gearbeitet!


Die Information in meinem Eintrag vom Dezember 2012, dass Mexico sich mit einem 9jährigen Vertrag zur Restaurierung und gleichzeitigen Nutzung als Ausstellungsraum für Kunst- und Architekturbiennalen verpflichtet hat, war leider schnell überholt.
2013 bespielte Mexico die vordere Hälfte von San Lorenzo zum letzten Mal mit der wunderbaren digitalen Toninstallation "Cordiox" von Ariel Guzik. (Die Arbeit vieler Menschen während vieler Tage - theoretisch zählbar an der wandernden Sonne im Raum - kann man auf diesem Vimeo bewundern. Allerdings geht es dabei um den Aufbau der gesamten Ausstellungsinstallation, was eine interessante Sache ist, aber leider gehört das Tonerlebnis nicht dazu.)
Seit 2014 gibt es einen festen mexikanischen Ausstellungsraum im Arsenale. Einen Kommentar zu diesem Vorgang habe ich nicht gefunden. Aber im September 2015 eine Notiz im Gazzettino, dass die Stiftung Thyssen Bornemisza in Person von Francesca Habsburg einen Vertrag mit der Stadt Venedig verhandele. Also eine weitere Kunststiftung mit festem Sitz in Venedig. Die Kirche wird der Stiftung für 9 Jahre überlassen, Gegenleistung ist die Restaurierung (1.200000 €) bzw. Konvertierung zur Nutzung für Kulturveranstaltungen (Ausstellungen, Konzerte etc.).



Fast 2 Jahre lang habe ich die Sache mit Kontrollwanderungen nach San Lorenzo im Auge behalten, erfolglos, wie auch parallele Medienbeobachtung online (wie immer mit dämlichen Fehlern wie z. B. 'San-Lorenzo-Palast' oder falschen Fotos), siehe einige Beispiele:

Il Gazzettino 9.9.2015 L'ex chiesa di San Lorenza andra alla prestigiosa Thyssen Bornemisza, la Fondazione 
Handelsblatt 11.11.15 Francesca Habsburg nach Zürich oder Venedig?
Die Presse 12.12.15 Francesca Habsburgs Tauchgänge 
Artnet 1.4.16 Mega Collector to Inaugurate 'Oceans' Pavilion' in Venice 
Artribune 3.4.16 Un nuovo padiglione alla Biennale Arte die Venezia di 2017 
Die Zeit 3.10.16 Mit Kunst die Meere retten
La Nuova 24.1.17 La Thyssen nell' ex chiesa di San Lorenzo 
FADmagazine 8.5.17 Francesca con Habsburg's TBA21 to launch new art space at the 16th century Church of the San Lorenzo Venice

Aber jetzt im Mai war das Baugerüst an San Lorenzo schon von weitem zu sehen, genauer vom Vaporetto auf dem Canale delle fondamente nove. Diesmal war die Kontrollwanderung erfolgreich, siehe Fotos. Ein Gerüst mit Aufzug und allem Zip und Zap sowie erheblichem Männergeschrei und weiterem Baustellenlärm, der so dazu gehört. 
Allerdings habe ich keine Informationen, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden und das Gebäude eröffnet wird. Im Bericht des Gazzettino vom 9.9.15 ist die Rede von einigen Jahren Restaurierungsdauer.

Egal. Lasst die Vorfreude ein paar Jährchen dauern und uns dann vom Ergebnis überraschen, und auch von der Kunst der Umweltprojekte, die Frau Habsburg uns dann zeigen wird.





Siehe auch den nächsten Eintrag zum Thema vom 11.11.2017: Neues von San Lorenzo.



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2. Dezember 2012

San Lorenzo

Iacopo de Barbari, 1500, Detail: Klosterkomplex von S. Lorenzo
San Lorenzo ist seit vielen Jahren kompromisslos geschlossen, was die Neugierde von VenedigfreundInnen besonders anheizt. Wie oft habe ich vorbeigeschaut, "nur für den Fall, dass..." und wieder nur den stillen Campo gefunden, belebt von alten Damen, die im jetzigen Altenheim 'Residenza S. Lorenzo' leben und in ihren Rollstühlen in die Sonne geschoben werden oder sich die Sitzbänke mit den Katzen vom Katzenheim auf den Stufen von S. Lorenzo teilen. Und nun wird die Kirche, man muss wirklich sagen wunderbarerweise, wieder zugänglich als Biennale-Ausstellungsort des Staates Mexico. Neun Jahre wird der Bau renoviert und kann jeden Sommer während Biennalezeiten besucht werden, Kunst jeweils von Juni bis November, Architektur von August bis November.

Der Auszug aus dem Stich von Iacopo de Barbari zeigt einen Klosterkomplex, der 1500 schon sehr alt war: erster Bau im 7. Jahrhundert, im 9. Jahrhundert Benediktinerinnenkloster, mit einem reichen Nachlass bedacht im Testament des Bischofs Orso 853, abgebrannt 1105, neu errichtet 1140 unter der Äbtissin Angela, Schwester des Dogen Domenico Michiel, danach mehrfach renoviert bis zu einem weiteren Neubau unter der Äbtissin Paola Priuli


Dieser Neubau von 1592 - 1602 erscheint natürlich nicht auf dem Plan von de Barbari, deshalb muss eine Bing-Karte weiterhelfen, siehe oben, mit dem Campo S. Lorenzo, mehreren Innenhöfen bzw. Kreuzgängen und rechts dem Kirchendach. Er wurde ausgeführt von Simone Sorella (Architekt u. a. auch des - heute schiefen - Glockenturms von S. Giorgio dei Greci, am gleichen Ufer, ein paar hundert Meter weiter südlich, und Vollender des Palladio-Baus S. Giorgio Maggiore, nach dessen Tod). Die Fassadenausstattung zum Campo wurde nie begonnen.

Andreas Götz schreibt mir dazu unter Bezug auf den Venedig-Führer des Touring-Club Italia, Stand 1984:

Im Norden des Campo befindet sich noch hinter einer Fassade von 1852 ein ehemaliger Kreuzgangarm, hinter dem sich noch drei Kreuzgänge befinden sollen, davon der größte spätgotisch. Ursprünglich soll der Campo laut TCI selbst ein Kreuzgang gewesen sein, durch einen Flügel zum Kanal hin abgeschlossen. Die Pflasterung von 1747 und der achteckige Pozzo würden davon zeugen. Ein ziemlich stattlicher Komplex also, Benediktinerinnen halt. Wenn der Campo aber Kreuzgang war, so war der Teil der Kirche zum Campo der Nonnenbereich (müßte man mal überprüfen), der Zugang für die Laien war dann vermutlich über die Fondamenta San Giorgio. Wäre dann auch eine Erklärung, warum die Benediktinerinnen es nicht so eilig hatten mit der Fassade.
Es gab eine Brücke von der Nordseite des Klosters über den Rio di San Giovanni Laterano, die unter einem Sottoportego hindurch auf den Campiello di S. Giustina detto delle Barbarie führte. Das kann man auf Stadtplänen anhand der beiden abgebrochenen Gassen (ohne Brücke dazwischen) erkennen. Ich habe aber auch gelesen (wo? wann? weiß nicht mehr), dass die Brücke abgebrochen wurde zum Schutz der Bewohnerinnen (oder: zur Verhinderung von Freizügigkeiten der Bewohnerinnen).



Das Gebäude ist einzigartig in Venedig durch seine zwei Schiffe die "sozusagen quer" (Alvise Zorzi) stehen: das vordere Schiff war der Raum für das Volk, vor dem doppelseitigen Hauptaltar, einem Meisterwerk von Girolamo Campagna (1615-18), und hinter dem Hauptaltar und schmiedeisernen Gitterwänden, das gleich große, reich gestaltete Schiff für die Nonnen, eingerichtet mit viel Gold, Chorgestühl, einem großen Paradiesgemälde von Girolamo Pilotti (1628). Im vorderen Schiff wurden rechts und links des Haupteingangs im Laufe der Jahre je 3 Seitenaltäre auf Initiative verschiedener Äbtissinen eingerichtet. Links der Reliquenaltar für S. Barbaro, mit einer Altartafel von von Jacopo Palma giov. "Der enthauptete S. Barbaro wird von Engeln in den Himmel getragen"); dann der Altar der Assunta für die Gräber des Bischofs Costantino Sozomeno und der Musiker Franceso Cavalli und Giuseppe Zarlino (+1590); der dritte Altar, gestiftet von der Familie Da Mosto, für S. Giovanni mit einem Tafelbild von Pietro Mera "Taufe Christi". Rechts des Haupteingangs ein Altar für S. Marco von der Familie De Grigis, mit einem Altarbild "Die Krönung der Jungfrau mit den Hl. Agostino und Lorenzo" von Flaminio Florian; dann ein Altar für S. Paolo, Bischof von Konstantinopel und Märtyrer, mit dem Tafelbild von Domenico Tintoretto "Martyrium S. Paolo"; der dritte ein Kreuzigungsaltar, gestiftet vom Patrizier Andrea Minotto 1618-21, Tafelbild von Jacopo Palma giov..

Bei der Schließung 1810 des Klosters wurde sein Gesamtwert auf 19.638,18 venetische Lire festgelegt (was immer das heißt, ich habe diese Zahl aus "Venezia scomparsa" von Alvise Zorzi, siehe Bücherliste Sachbücher). Allein das verarbeitete Gold wurde auf 2.516 Lire geschätzt, für Zorzi der Beleg für den enormen Reichtum des Klosters. 

S. Lorenzo und das benachbarte S. Zaccaria waren die beiden wichtigsten und reichsten Klöster für Oberschichtfrauen. Hier wurden Töchter und Witwen aus Patrizierfamilien in angemessenem Rahmen versorgt, die vor allem aus ökonomischen Gründen nicht verheiratet (oder wieder verheiratet) werden sollten/konnten. Sie sollten weiter Wohlstand, Status, Bildung ihres vorherigen Lebens genießen können, inklusive Bedienung (durch Laienschwestern), und materiellem Luxus wie Kleidung, Einrichtung ihrer privaten Räume im Kloster etc., aber kein Faktor in der Erbfolge ihrer reichen Familie sein. (Siehe das mehrfach von mir empfohlene Buch von Mary Laven, Bücherliste Sachbücher).

Massen von Putten in den Wanddekorationen
1810 wurden die Kunst-
schätze der Kir-
che/ des Klosters teilweise für Vene-
dig ge-
rettet durch Kauf (der Pfarrer Don Vincenzo Ballarin von S. Pietro in Volta, Pellestrina, kaufte z. B. am 7.8.1810 eine silberne Monstranz zum Preis von 508,017 venetischen Lire; am 10.7. ging eine der Orgeln für 140 lire an das Seminario Patriarcale neben der Salute, heute noch erhalten in San Cipriano auf Murano.) oder Aufteilung an verschiedene Kirchen im Stadtgebiet, oder an ganz andere Orte (Milano, Wien)
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Menschliche Überreste aus Altären und Gräbern wurden durch den Reliquiensammler Gaetano Gresler gekauft und weiterverkauft  nach Dignano in Istrien, noch heute ein fleissig besuchter Wallfahrtsort katholischer ChristInnen. Aber zu diesem Punkt variieren die (unerheblichen) Informationen bzw. Gerüchte.




S. Lorenzo wurde ab 1866 als Lager verwendet, im 1. Weltkrieg beschädigt und laut Touring-Führer Italia 1958 und 1967-70 restauriert. Viel kann bei so kurzen Arbeitszeiten aus meiner Sicht nicht gemacht worden sein, vielleicht Untersuchungen zum Status des Gebäudes.

Einen großen Moment gab es für S. Lorenzo während der Biennale 1984 mit der Uraufführung des Prometeo von Luigi Nono. Eine Reihe von Fotos aus dem Innenraum der Kirche kann man im Archivio Luigi Nono, einsehen (aber nicht straflos kopieren).

Ich habe ein Tagebuch der letzten Vorbereitungswochen des Komponisten Hans Peter Haller zu dieser Aufführung im www gefunden, sehr lesenswert, das über die musikalische Arbeit hinaus Erläuterungen zum Gebäude, zur Akkustik etc. bietet und mit dem Foto C. eine Vorstellung zum Innenraum der Kirche 1984.

(Hier gibt es eine Hörprobe zum Prometeo, aber keine Aufnahme aus S. Lorenzo.)


Der venezianische Maler Gabriel Bella (1733-99) hat im Museum der Fondazione Querini-Stampalia  mit "Einkleidung einer venezianischen Adeligen in San Lorenzo" ein anschauliches Bild hinterlassen, das mir erst jetzt, nachdem ich die Kirche endlich innen sehen konnte, einen Eindruck vermittelt: man sieht vom Hauptportal auf den Hauptaltar, vor dem die Einkleidung einer adeligen Nonne vollzogen wird. Priester und Verwandschaft vor dem Altar, zahlreiche Gäste im Chorgestühl, eingeladen zum gesellschaftlichen Ereignis der Einkleidung, vergleichbar einer Hochzeit. An den kunstvoll geschmiedeten Trenngittern sieht man vage die Nonnen, die aus Ihrer Kirchenhälfte hinter dem Hauptaltar die Zeremonie verfolgen.

In einem anderen Gemälde ist ein Teil des Klosters von San Lorenzo dargestellt: Gentile Bellinis "Wunder der Kreuzesreliquie bei San Lorenzo" (bitte Bild anklicken zur Vergrößerung). Die Scuola grande di San Giovanni evangelista veranstaltet eine Prozession nach San Lorenzo, auf der die Reliquie des Wahren Kreuzes aus dem Besitz der Bruderschaft mitgeführt wird. Sie fällt von der Brücke in den Rio di S. Lorenzo, wie auch immer, vielleicht im Gedränge und Geschubse. Das Wunder besteht wohl darin, dass das Reliquiar im trüben Wasser gefunden und herausgefischt wird... das Gebäude hinter der Brücke rechts gehört zum Komplex S. Lorenzo.

Die Information, Marco Polo sei 1324 in S. Lorenzo begraben, möglicherweise nach S. Sebastiano verlegt und dann verloren worden kann man laut A. Zorzi wohl so verstehen: auf der linken Seite von S. Lorenzo gab es nach der Überlieferung seit 1007 eine Capella S. Sebastiano (vielleicht die kleine rundliche Struktur auf dem Barbari-Plan?), in der sich diverse Grablegen (und auch einige Reliquien lokaler Heiliger) befanden. Unter anderem eine Grablege der Familie Polo, von deren Grabstein es eine Zeichnung von Cigogna gibt. Grabsteine aus der Kapelle wurden im 19. Jahrhundert noch in S. Martino gesehen, existieren dort aber nicht mehr. Vermutlich.


Grabstein Familie Polo in S. Lorenzo, Capella S. Sebastiano