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13. Januar 2019

Neue Museumspläne für den Fischmarkt am Rialto




Vor 5 Jahren gab es eine kleine kontroverse Medienwelle für und gegen ein Museum der islamischen Kultur in Venedig. Der Vorschlag war, es im Obergeschoss der zwei Gebäude des Fischmarkts am Rialto einzurichten, das seit dem Umzug von Justizbehörden leer steht. Zur Finanzierung des Projekts standen mehrere Golfstaaten an - Kuweit, Qatar, Vereinigte arabische Emirate - die Sache hätte quasi nichts gekostet, trotzdem kam es nicht einmal zum politischen Konsens. 
Der damalige Bürgermeister Giorgio Orsoni (nicht mehr im Amt wegen Korruptionsanklage beim M.O.S.E.-Projekt), war im Hinblick auf die langen historischen Verbindungen Venedigs mit islamischen Ländern, in Krieg und Frieden, in kulturellem Austausch und vor allem im gegenseitigem wirtschaftlichen Nutzen für das Projekt, während der Regionspräsident Luca Zai (Lega) ein Islammuseum "nutzlos" fand. Andererseits - die Finanzierung des Museums islamischer Kultur durch Golfstaaten hätte vermutlich ihren Preis gehabt, wie die Erfahrung lehrt. Wer zahlt, bestimmt die Musik...
Im August 2015 lehnte das italienische Kulturministerium MIBACT auf Basis von Beratungen durch die eingesetzte Kommission, der auch die Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig, Gabriella Belli, angehörte, die Genehmigung des Projekts ab. Begründungen waren u. a. die Präsenz islamischer Kunst in Venedig (vor allem in der Ca' Pesaro, aber auch nachzulesen in einer Veröffentlichung des Archeoclub Venezia nachzulesen) und in anderen größeren europäischen Museen (z. B. Louvre, Victoria und Albert).

Das Thema verschwand von der Bildfläche und tauchte im Frühling 2016 wieder auf, diesmal allerdings als Museumsprojekt zur Geschichte der Stadt Venedig, der Serenissima, und vorgeschlagen von Gabriella Belli, siehe auch oben, Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig. Ein Museum, präsentiert als quasi thematisch unverzichtbare Einstiegsausstellung für Venedigbesucher*innen, an herausragender Position am Canal Grande, inkl. eines Vortragsraumes und einer Terrasse am Wasser, und als 13. der bisherigen 12 städtischen Museen Palazzo Ducale, Museo Correr, Palazzo Fortuny, Torre dell'orologio, Cà Rezzonico, Cà Pesaro, Cà Mocenigo, Casa Goldoni, Museo del Vetro Murano, Museo del Merletto Burano, Museo di Storia Naturale. Eine schöne Erweiterung der venezianischen Museumsperlen!

In der ersten Januarwoche 2019 hat Bürgermeister Brugnaro nun einer modifizierten Version des Projekts zugestimmt. Geplant ist ein "Museo del mercato e del commercio veneziano". 
4000 Unterschriften wurden vom Komitee 'Cittadini Campo Rialto Novo' gesammelt und im Rathaus präsentiert von der Vorsitzenden Gabriella Giaretta (auch Gruppo 25 Aprile), zusammen mit dem Projektentwurf von Donatella Calabi, Luca Molà und (dem Autor u. a. einer aus meiner Sicht empfehlenswerten Venedigeinführung für Beginner*innen) Paolo Morachiello.
Die Markthändler*innen und Fischverkäufer wurden vertreten durch den Architekten Luciano Claut; als einer der möglichen Sponsoren war der Stockfischimporteur Ermanno Tagliapetra dabei, und als Projektbeteiligter der pädagogische Leiter der Hotelfachhochschule Barbarigo Rachele


Die Projektbeteiligung ist geplant als Schulungs- bzw. Trainingsunternehmen für die Studierenden der Hotelfachhochschule. Diese gastronomische Einrichtung soll als Teil des Museums funktionieren (das im Übrigen weitgehend 'virtuell' sein wird, also vermutlich eine der von mir nicht geliebten Multimediashows) unter Kooperation mit den organisierten Händler*innen des Rialto- und Fischmarktes auf non-Profit-Basis. 
Non-Profit-Basis ist natürlich interessant für die Zielgruppe, UNS Tourist*innen mit Muße in Venedig, wenn es bedeutet, dass wir hier in außerordentlicher Umgebung marktfrisch und preisgünstig (!) speisen werden. Mahlzeiten, die von von engagierten und inspirierten jungen Menschen produziert und serviert werden, die man ohne übertriebene Kosten sozusagen beim Sammeln von beruflichen Erfahrungen unterstützen darf. (Man erinnert sich an das non-Profit-Restaurant 'Alla Basilica', das mit gutem Essen und sehr freundlichen Mitarbeiterinnen leider nur sehr kurzlebig war, warum auch immer!)

Die Kostenplanung sieht 7 Mio. € vor, neben der Ausstattung für die neue Nutzung sind Renovierungen am Gebäude, vor allem der langen schmalen Treppe ins Obergeschoss, erforderlich. Die Finanzierung wird mit (noch zu akquirierenden) Sponsor*innen und städtischen (und sonstigen?) Fördermitteln geplant. Bürgermeister Brugnaro bzw. sein Rat ist bereit, Mittel zur Verfügung zu stellen, da es sich um eine "Initiative von unten handelt, in die Wege geleitet wird von Bürger*innen, die nicht jammern, sondern einen konkreten Vorschlag machen". 
Er hofft natürlich auch auf einen Aufschwung des seit Jahren schrumpfenden Fischmarktes - immer weniger einheimische Kunden, die dafür von immer mehr fotografierend kreativen Tourist*innen genervt sind - "der Fischmarkt könnte im nächsten Jahr schließen, wenn es so weiter geht" (sagt der Bürgermeister).
Er fordert deshalb, dass Museum und vor allem Restauration nicht den Marktzeiten (also vormittags) angepasst sein sollen, sondern die ganztägige Öffnung. Das entspricht, sagt er, den Bedürfnissen des Tourismus, bietet aber auch die Möglichkeit privater Feiern an diesem Ort einzigartiger Lokalität, analog den "Märkten von Barcelona, Hamburg, Padova und Tokyo" (da hängt die Latte ein bisschen hoch, abgesehen von Padua, aber warum nicht). 

Die Direktorin der Stiftung städtischer Museen, Frau Belli, war bei diesem Termin nicht anwesend (vermerkt die Lokalpresse ausdrücklich). Und da ihr nach der Ablehnung des Museums islamischer Kultur, an der sie beteiligt war, vor ca. 3 Jahren sozusagen der "Palazzetto delle Pescherie" in den Schoß fiel und trotz ihrer Idee eines stadthistorischen Museums seitdem weiter leer steht, ist die Frage, ob diese Pläne denn in absehbarer Zeit - oder überhaupt - realisiert werden?

Es bleibt wie immer spannend in Venedig.

Ergänzung 25.12.20
Heute erst gefunden: Progetto Rialto





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14. November 2016

Fondaco dei Tedeschi - Ansichten, Aussichten

November 2016
Am 1. Oktober wurde der Fondaco dei Tedeschi als T-Fondaco neu eröffnet. (Dazu mein Blogeintrag vom 21.8. + Ergänzungen bis 26.10.)
Erst in der 1. Novemberwoche war ich für Begleitungen und eine
Konferenz wieder in Venedig. 


August 2008
Und wie dann so oft in dieser Stadt: Zeitplanung wird eng, es bleibt nur eine Mittagspause für den Fondaco. Also mit der Linie 2 von S. Giorgio M. zu den Zattere, von da zu Fuss zur Accademia, von da wieder mit der Linie 2 bis Rialto (das Gleiche ein Stunde später zurück, mit 2 gegrillten Genoveser Brötchen vom Rialto in den Manteltaschen, mein Mittagessen) und rein in den Fondaco. Wo mich beim Eintritt in die multiparfumduftende Glitzerwelt die ersten Takte der Mondscheinsonate empfangen, ein Lieblingsstück meiner Kindheit. Herz öffnet sich unweigerlich - und klappt wieder zu, als sich der dazugehörige fette elektronische Klangteppich ausbreitet. In der Folge ist für jeden Genregeschmack was dabei, präsent und unüberhörbar. Kaum bin ich drin, reicht es mir eigentlich auch schon, vor allem die aggressive Okkupation von Ohren und Nase.  


Verkäufer*innen in leeren Markenläden
Ansonsten im Parterre: der Brunnenkopf wurde von der Mitte des Innenraums an den Rand verschoben; der schöne Ziegelfussboden ersetzt durch farbigen Hochglanz in riesigen Streifen; Teppiche, sprich staunenswerte Proben von alten Rubelli-Mustern, hängen über die Brüstungen der Etagen. Der Blick im Raum nach oben ist vertraut, aber das Raster des Glasdaches ist plump geworden. Ein kleiner Rundgang durch die Geschäfte zeigt zum ersten Mal die enorme Größe der Struktur - man kannte ja nur das Volumen des glasdeckten Hofes und die Postschalter. Nicht zu erkennen ist, ob die Raumaufteilung neu ist bzw. an welchen Vorgaben aus welcher Zeit sie sich orientiert, die beiden Treppenhäuser jedenfalls sitzen an der alten Stelle. 

Was die Rolltreppe betrifft: auch ich hatte Schlimmeres erwartet. Auf den OMA-Fotos des leeren Gebäudes beeindruckt sie, jetzt in der Luxusumgebung nicht mehr, eher irritiert ihre Banalität. Wer braucht eigentlich noch ein derart unpraktisches Dingens, wenn der Denkmalschutz kaum interessiert und es elektronische Fahrstühle gibt? Rem Koolhaas mit seinem Rolltreppentick!




Die niedergelassenen Geschäfte hier im Flughafen-DutyFree-Ambiente sind nicht mein Budget und nicht meine Freizeitbeschäftigung, die vielen unterbeschäftigten VerkäuferInnen lassen es auch nicht ratsam erscheinen, sich auszuliefern - davon abgesehen, dass ich nur eine Mittagspause habe. Also mit dem Fahrstuhl in die 4. Etage auf die hochgelobte Dachterrasse. Vom Fahrstuhl kommend, gibt es am Ende des Flurs einen Counter, an dem kostenlose Eintrittszettel mit Zeitaufdruck verteilt werden. Bei wenigen Besucher*innen fällt dieses Ritual aus und man geht einfach durch. Bei vielen Besucher*innen fällt spätestens jetzt die Warteschlange an.  
Ein güldener Tunnel führt in den spiegelglitzernden Raum mit dem Boden aus Milchglas (oder welchem Industriematerial?) über dem Innenhof, der sich zur Terrasse öffnet. 80 Eintrittszettel werden von 3 Verantwortlichen zählend wieder eingesammelt (kann man so machen - oder auch anders), und 80 Personen aufs Dach eingeladen. Nach ca. 10 Minuten (ich bin mir nicht sicher, denn die Aussicht lässt tatsächlich den Blick auf die Uhr vergessen) werden sie höflich auf 2 letzte Minuten hingewiesen und danach von der Terrasse gebeten. Bei wenigen Besucher*innen entfällt auch dieses Ritual (man bleibt, solange man möchte), und bei sehr vielen Besucher*innen wird vielleicht schneller gewechselt, weiss ich nicht.


"Glas"boden über dem Innenhof, Aufgang zur Terrasse
Die Aussicht an der Rialtobiegung des Canal Grande ist atemberaubend. Es gibt ja schon einige Aussichtspunkte in Venedig, vor allem die Campanili von S. Marco und S. Giorgio M., aber auch die niedrigere Scala del Bovolo und das Treppenhaus des Palazzo Pisani, die aber schöne Blicke in die Nachbarschaften erlauben. Auch aus Dachgeschossen hoher Palazzi, z. B. Rezzonico und Dogenpalast, kann man das Auge wandern lassen. Aber die Einheit von freiem Blick in alle Richtungen ohne Dach über dem Kopf und freier Bewegung auf dem Dach selbst sind eine außerordentliche Erfahrung. Es ist das Altana-Gefühl. Venedig ist voll von diesen schlichten, über den Dächern schwebenden Holzaufbauten, von denen man einige von unten sieht, ihre große Menge und Vielgestaltigkeit aber erst von oben. Der Männerbereich der Serenissima lag im Geschäftsleben auf der Wasserebene, einer der abgegrenzten Frauenbereiche über den Dächern (das schöne Klischee des Haare blondierens auf der Altana). Mit Rufkommunikation von Dach zu Dach. Aber dieses Gebäude war nie ein Privathaus und es hatte keine Altana. Hier lebten und arbeiteten Geschäftsmänner zusammen.


Rialtobrücke von oben
Deshalb und gleichzeitig empfinde ich die Dachterrasse als Symbol aller Niederlagen des venezianischen Denkmalschutzes. Sie ist nun da, und wir genießen den Ausblick, aber sie hätte nicht sein dürfen. Sie dient nicht dem Erhalt, nicht der Verschönerung und nicht einer notwendig gewordenen Nutzung des Gebäudes, sie dient dem Gewinn ihrer Besitzer*innen. Sie ist nun da, weil sie gegen Gesetze und mit möglicherweise unlauteren Argumenten durchgesetzt wurde. Und, da stimme ich der Meinung von Wolfgang Wagener zu (siehe Kommentar  26.10.), sie wird über kurz oder lang auch nicht mehr der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. 
Sie wird für Events solventer imageorientierter Mieter zu buchen sein und, kommt der Frühling, z. B. für romantische 'Proposals' und Hochzeiten indischer oder amerikanischer Töchter genutzt werden. Intim zu zweit oder im kleineren Rahmen von 50-100 Gästen, versteht sich. (Für Größeres mietet man die ebenfalls frisch renovierte Scuola Grande della Misericordia.) Nicht ohne Grund gibt es den Goldtunnel und weiteren befremdlichen Überwältungsglamour in den Räumen unter dem Dach. Die aber auch für internationale Präsentationen und Events weniger persönlicher Art aus den Kreisen von LVMH gut geeignet sind. Für eine 1-2tägige Veranstaltung gibt es dann eine einwöchige Sperre für die Öffentlichkeit und die Gelegenheiten, aufs Dach zu kommen, werden rar und rarer...


Aussicht mit Kreuzfahrtschiff
Bei meinem Mittagspausenschnellbesuch habe ich vergessen, einen Blick auf die Sanitäranlagen zu werfen. Marmor und Spiegel? Vielleicht japanische Elektronik in den Toiletten? Sprühen und föhnen? 

Außerdem hatte ich keine Zeit für die derzeitige Ausstellung (bis 15.1.) "Memoria dell' acqua" des venezianischen Künstlers Fabrizio Plessi. Er ist VenedigbesucherInnen bekannt durch regelmäßige Ausstellungen. Wirklich schade.
Dafür sass nach der Mittagspause der Künstler persönlich auf dem freien Stuhl neben mir in der Nachhaltigkeits-Konferenz der Fondazione Cini. Hoppla! Aber nur eine Stunde, denn als venezianische Celebrity musste er weiter zu Uraufführung der Oper Aquagrande im Fenice.



Am 20.11. (Uhrzeit noch nicht bekannt gegeben) findet das erste Konzert im Innenhof des T-Fondaco statt: ein Solidaritätskonzert des Pianisten und Komponisten Michael Nyman, der den musikalischen Teil der Ausstellung "Memoria dell'acqua" verantwortet. Eintritt frei, Spenden zugunsten der Erdbebenopfer in Mittelitalien werden erwartet. 

Vera da pozzo im Hof, Rolltreppe diskret


Interessant und von heute, 14.11. 
South China Morning Post:  DFS chief on its new Venice store and why Hong Kong luxury sales boom is over

Die Bauwelt hat in ihrer neuen Ausgabe vom 15.11. eine ergänzte Bildstrecke veröffentlicht.

Archiportale berichtet am 16.12. über das neu eröffnete "AMO" Restaurant im Innenhof des Fondaco dei Tedeschi. Moodie auf englisch. Das mag gefallen, muss aber nicht.

23.1.17 Interview des DFS-Journals (der Fondaco gehört zur DFS Group) ist mit dem Innenarchitekt des Fondaco dei Tedeschi Jamie Fobert.

Die NZZ äußert sich in einem gebührenden 4-Monats-Abstand am 26.1.17: Venezianische Demaskierung.



Ergänzung 5.2.17
Auszug aus meinem 'Kulturkalender' für das 1. Halbjahr 2017:

10.2. 21:00 Uhr Fondaco dei Tedeschi: Jazz Fabrizio Bosso.Programm und TicketsReinhören

Zwei Wochen nach diesem Eintrag wurde das Gesamtprogramm der Veranstaltungen im 'T Fondaco' bis einschließlich Juni veröffentlicht. Das scheint mit Autor*innenlesungen und viel Jazz ein richtig interessantes Angebot zu sein, noch dazu kostenlos. Auf den ersten Blick ist nicht immer klar, worum es bei den einzelnen Veranstaltungen geht, also habe ich ein bisschen recherchiert:


Ergänzung 7.2.17
Korrespondentin Aldebaran teilt regelmäßig ihre Sicht auf Venedig in Kommentaren mit, diesmal in einem Mail um Fotos anhängen zu können. Ich füge Schreiben und Fotos hier ein - herzlichen Dank wie immer!



...ich war inzwischen in Venedig und habe mir natürlich sofort am ersten Tag den neuen Fondaco dei Tedeschi angesehen. Obwohl ich alle Deine Bedenken teile, war der Besuch dennoch grandios. Ich mag diese Mischung aus Alt und Neu, wenngleich ich diesen Luxus für mich nicht brauche und auch glaube, dass ein solcher Einkaufstempel nicht nach Venedig passt. Ob die vielen gut aussehenden Damen und Herren des Verkaufs und der Security, die ja in Massen auftreten, sich auf Dauer ihre Beschäftigungsverhältnisse erhalten können, wge ich zu bezweifeln. Irgendwie hat das Ganze etwas Irreales an sich.

Die Aussicht von der Terrasse ist super. Der große Vorteil liegt wohl darin, dass man in etwa auf dem Niveau der Dächer steht und die zahlreichen Türme auf diese Weise herausragen, auch die kleineren. Diese gehen immer unter, wenn man von weiter oben nach unten sieht. Schade, dass die Aufenthaltsdauer beschränkt ist. Allerdings hatte ich bei einem anderen Besuch an einem Morgen, an dem sich kaum Interessenten fanden, weder Wartezeit noch zeitliche Beschränkung. Vielleicht sollte man diese Zeit nutzen.

Ich war 3x im Fondaco, einmal morgens, einmal abends und einmal, als es geschneit hatte, kam ich nicht auf die Terrasse, habe aber aus den Fenstern der einzuelnen Geschäfte gut raus sehen können. Man war sehr freundlich und hat mir Tipps gegeben, von wo aus ich am besten fotografieren könnte.
Die roten Treppen sind für mich ein wahrer Leckerbissen, ich mag solche farblichen Arrangements. Ich hänge ein paar z.Tl. verändere Bilder an, die mir Spaß gemacht haben.
Ich schicke die mail, weil ich im Blog keine Bilder anhängen kann. Ich habe ein bisschen mit den Treppen rumgespielt. 




Ergänzung 23.4.17:
Mehr zur neuen Ausstellung - "Waterbones" des Künstlers Loris Cecchini - , die vom 7.4.-27.11.17 läuft. Kostenlos.

Ergänzung 10.06.19:
Einfach schnell vorbeischauen geht nicht mehr. Aufs Dach kommt man jetzt nur noch per Voranmeldung und bei Vorlage der ausgedruckten Einladung. Siehe dazu "Auf, auf, die Sicht von oben genießen" meines Blogger-Kollegen von L'acqua bassa in Venedig vom 1.6.19.



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21. August 2016

Fondaco dei Tedeschi spielt demnächst auf dieser Bühne

März 2016
Am 30. September soll der neue Luxusmarkt DFS (Mieter des Betreiberkonzerns lvmh) im Fondaco dei Tedeschi eröffnet werden. Die Information ist über 2 Monate alt, sie wurde nicht wiederholt und nicht dementiert, aber meine Hand ins Feuer legen würde ich für die Richtigkeit nicht. Vielleicht wird es auch Oktober...

Ich hüte mich in den letzten Monaten, den Fuss in die Nähe des Baustellenkessels am Rialto setzen. Neben der Renovierung des Fondaco dei Tedeschi (siehe auch Einträge zum Label Fondaco dei Tedeschi) wird auch der Palazzo dei Camerlenghi in diesem Jahr wieder nutzbar sein; die Rialtobrücke selbst (siehe auch Einträge Label Rialto) soll 2017 fertig gestellt werden.  Bis auf Weiteres fahre ich also daran vorbei und nutze je nach Bedarf die Haltestellen Ca' d'Oro, Rialto Mercato, S. Silvestro oder S. Angelo. 

Ich habe wie die meisten von uns das Ergebnis der Umgestaltung zum 'Department Store' (also schlicht das alte Wort 'Kaufhaus'; was ist aus dem Begriff 'Mall' geworden, der einem - plop - aus dem Mund fällt?) bisher nicht mit eigenen Augen gesehen. Dafür erstmal Links für diesen Eintrag gesammelt, denn ohne eigene Anschauung sollte man vorsichtig sein mit Geschmacksäußerungen. Dank der Website des ausführenden Büros OMA und der Ende Mai gestarteten Medienkampgagne gibt es genügend neue Bilder, die offensichtlich zusammen mit einem Pressetext (der gleiche wie auf der Website?) in die Welt gepustet wurden. Sie landeten etwa gleichzeitig in Tages-, Wochen-, und vor allem Fach- und Hochglanzblättern bzw. -netzseiten und die Ergebnisse sind quasi identisch. Überall die gleichen Fotos, überall die gleichen Textbausteine bzw. Stichwörter. 


Markuslöwe über dem Hauptportal des Fondaco dei Tedeschi

Unvollständige Sammlung von Beispielen:
Kann es sein, dass nicht einmal die Fachpublikationen die Chance zu einer kritischen Recherche und Stellungnahme nutzen, sondern ohne Ambitionen frei Haus gelieferte Pressetexte und Fotos veröffentlichen? Ist die Medienkampagne so überzeugend, ist das Büro OMA so einflussreich? Wiegt die Kosteneinsparung schwerer als der redaktionelle Standpunkt?

Es gab aber auch einige Beiträge (und ich habe alle Texte der hier veröffentlichten Links gelesen), die sich nicht allein auf den fertigen Text und den professionellen Eindruck der gelieferten Fotos zu verlassen schienen: 

März 2016

Der Beitrag des Deutschlandradios ist ein Jahre alter Artikel aus dem Archiv, versehen mit einem neuen Datum und ohne aktuellen Bezug. Also bitte!

Der Beitrag von ArchDaily bringt als einziger ein Interview mit einem der verantwortlichen Architekten (Ippolito Pestellini Laparelli), bei dem mich die sachkundigen und kritischen Fragen des Autors Vladimir Gintoff deutlich mehr beeindrucken als die Einlassungen des Interviewten. Denn der liefert wieder die bekannten Textbausteine, die vorgeformten Medienhäppchen, die sprachliche Selbstdarstellung des Architekturbüros OMA. Trotzdem ist das Interview wirklich erhellend, ich empfehle sehr, ihn zu lesen; es beleuchtet außerdem, was an den scheinbar eigenständigeren Beiträgen der AutorInnen in Frame, BauNetz, SZ und FAZ selbst gedacht und was auch nur übernommen wurde. 

Und ich finde: diese Beiträge drücken sich um einen kritischen Standpunkt herum, indem sie den von OMA behaupteten permanenten Wandel durch immer neue bauliche Veränderungen, das sogenannte "Palimpsest", zu einseitig überdenken. Denn dieser 'permanente Wandel' ist das Feigenblatt der Rechtfertigung vor den italienischen Denkmalschutzgesetzen. Und die deutschsprachige quasi akademische Diskussion des angeblich objektiven Mangels von authentischen Strukturen, der jahrhundertelangen permanenten baulichen Eingriffe, der deshalb paradoxen Legalität des Denkmalstatus ist ein Reinfall aufs Marketingkonzept.

Dass die erneuten (und aus dem Interview von ArchDaily zu lesen: nicht revidierbaren) baulichen Eingriffe - trotz Denkmalstatus des Fondaco dei Tedeschi! - die einzig denkbare Bestätigung der historischen wechselnden Bauzustände eines 500 Jahre alten Gebäudes sei, kann man aus meiner Sicht nicht ernsthaft als denkmalorientieres architektonisches Konzept verkaufen, denn welches Gebäude in Venedig wurde in den letzten 1000 Jahren nicht wiederholt verändert, abgerissen, halb abgerissen, der Gotik, Renaissance, dem Barock angepasst, neu gebaut, umgenutzt, aufgestockt, verbrannt, erweitert, verschönert, konvertiert, längerfristig nicht genutzt, aus Ruinen wieder hochgezogen? 

Ganz Venedig ist so gesehen ein 'Palimpsest'. Für mich ist das allerdings kein zulässiger Begriff im Zusammenhang mit einer anderhalbtausendjährigen Stadtentwicklung. Eine sehr schlichte Metapher statt Geschichtsbewusstsein und Respekt vor dem historischen Erbe! 

 Bauentwicklung Rialto 950 bis jetzt  (auf YouTube aufrufen per Klick auf den Text oben links)
Dank an K. H. für den Hinweis auf Venice Time Machine.

Nun, angesichts von 500 Jahren Fondaco dei Tedeschi: auch sein derzeitiger "historischer Bauzustand" wird eines Tages Geschichte sein, es werden neue bauliche Eingriffe kommen. Schon Form und Farbe der Rolltreppen, Ausdruck eines vorübergehenden Geschmacks, werden in wenigen Jahren nicht mehr 'luxuriös' wirken. Für die Dauer der Nutzung als Warenhaus muss im Gewinninteresse der Verkehr im Gebäude beschleunigt werden, gut, und die Dachterasse, angekündigt als offen und frei zugänglich für alle, ist der im Moment wunderbarste Kundenköder in das Gebäude, den man sich denken kann. 

Aber wer weiss, wer oder was nach unserer Zeit kommt;  in 50, 100 oder 150 Jahren dort seinen Raum hat? Eine große europäische, mehrsprachige integrativ-kooperative Universität? Die zentrale europäische Verwaltungsbehörde für Einwanderung oder die Stelle zu Beobachtung und Koordination internationaler Bevölkerungsbewegungen? Im Moment sieht es eher danach aus, als würde in den nächsten 50 Jahren jedes Bett in Venedig ein Gästebett und die Stadt das Traumziel für asiatische Reisegruppen bzw. wohlhabende Familien, mit entsprechenden Versorgungs- und Servicestrukturen. (Auch bei der Rekrutierung für Verkaufs- und BeratungsmitarbeiterInnen für den Fondaco dei Tedeschi gehörte Mehrsprachigkeit zum Profil, neben englisch bevorzugt mandarin, russisch, japanisch, koreanisch.) 
Ich wünsche mir: keine Luxusbude, die kein/e VenezianerIn zum Leben braucht. Und die TouristInnen finden das Warenangebot im neuen Fondaco dei Tedeschi in jedem asiatischen Duty Free Shop. Für die Nutzung eines alten Gebäudes im Interesse der jeweils lebenden und arbeitenden Menschen genügt seine sorgfältige Instandhaltung inklusive aller historischen baulichen Veränderungen zum Besseren oder Schlechteren. Ich hoffe sehr, in 150 Jahren hat Venedig (sprich die Bürgerschaft) genug Humor, um über die OMA Umgestaltung nachträglich zu lachen, und ist so gefestigt in jeder Hinsicht, dass es auf "Transformationen" gegen seine eigenen Interessen entspannt verzichten kann.   

Nachdem schon vor Monaten das Aussengerüst abgebaut wurde, und ein still gehegter Wunschtraum augenscheinlich nicht in Erfüllung ging, kann ich ihn ja jetzt einräumen (im anderen Fall wäre "...genau das hatte ich mir vorgestellt...!" zu prahlerisch gewesen, um damit nachträglich rauszurücken):


Wäre es nicht eine Überlegung wert gewesen, die Süd- und Westfassade wie beim Wiederaufbau mit Malereien zu gestalten? Hat niemand daran gedacht? Nach dem Brand von 1505 beeilte sich bekanntlich die Serenissima, den Handelshof der deutschsprachigen Kaufleute schnell wieder aufzubauen. Schon 1508 war das neue Haus voll funktionsfähig. Zur Wahl sowohl Arbeitszeit sparender wie auch maßvoller Mittel gehörten nicht Verkleidungen aus istrischem Stein oder Marmor, sondern eben Fresken, deren kurze Lebensdauer in der venezianischen Salzluft bewusst in Kauf genommen wurde. Der junge Giorgione und der noch jüngere Tizian übernahmen den Job, ersterer die Südseite zum Canal Grande, letzterer die Westseite zur Gasse mit dem Haupteingang. 


Canaletto, Fondaco dei Tedeschi (Detail)
Auf dem Werk des 18. JHs sind die Fresken Giorgiones
an der Canal Grande-Seite noch schwach sichtbar.

Giorgio Vasari schreibt in seinen Künstlerbiographien ('Lebensläufe der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten') bei der Biographie Giorgiones: 


"Im Jahre 1504 brach zu Venedig im Lagerhaus der Deutschen am Ponte del Rialto ein furchtbares Feuer aus, das jenes und alle Waren zum großen Schaden der Kaufleute zerstörte. Die Signoria von Venedig gab den Befehl, dass man es neu erbaue; es wurde mit bequemeren Wohnungen, mit größerer Würde und Pracht und schöner schleunigst erbaut. Giorgione, da dessen Ruf immer mehr gestiegen war, wurde dabei zu Rate gezogen und erhielt von dem Bauverweser den Auftrag, es in bunten Farben in Fresko zu bemalen, ganz nach eigenem Gefallen, wenn er nur sein Talent dabei kundgebe und an diesem schönsten und am meisten gesehenen Ort der Stadt ein hervorragendes Werk ausführe. Er legte Hand daran und malte, als Beweis seiner Kunst, lauter Phantasiegestalten; und tatsächlich findet man weder eine Folgerichtigkeit von Bildern, noch einzelne Begebenheiten aus dem Leben berühmter Personen des Altertums oder der neueren Zeit; ich für meinen Teil habe es nie verstehen können und auch auf meine Frage nach der Darstellung niemand gefunden, der es verstanden hätte. Denn hier ist ein Mann, dort eine Frau in verschiedenartigen Stellungen; neben dem einen sieht man ein Löwenhaupt, nebem dem anderen einen Engel, dem Cupido ähnlich, aber man weiss nicht, was es sein soll. Über dem Hauptportal nach der Merzeria zu ist eine Frau sitzend abgebildet, zu ihren Füßen ein Riesenhaupt, fast nach Art einer Judith; sie hebt den Kopf mit dem Schwerte empor und spricht zu einem Deutschen, der weiter nach unten steht. Weshalb diese Figur hier dargestellt ist, konnte ich nicht deuten, wenn er nicht eine Germania machen wollte. Im Ganzen erkennt man sehr wohl, dass die Figuren gut beisammen sind und dass Giorgione immer besser wurde, Köpfe und einzelne Teile der Gestalten sind gut gezeichnet und sehr lebendig koloriert, auch mühte er sich überall, die lebendigen Dinge gut aufs Korn zu nehmen ohne irgendwelche Nachahmung einer Manier. Dieses Werk ist in Venedig berühmt, nicht minder wegen der Malereien Giorgiones, als wegen der Bequemlichkeit des Warenlagers und seines öffentlichen Nutzens."

Die Sache ging schnell, das Gebäude hatte ein farbenfrohes, festliches Aussehen, die auftraggebende Signoria profitierte nicht nur bei den günstigen Kosten, sondern auch vom Image der beiden aufstrebenden Künstler. Junge wilde Künstler gefördert, großartige marketingwirksame Kunst am Rialto platziert, wichtige Wirtschaftpartner nachhaltig und großzügig beeindruckt!

Ach! Wie leicht hätte man auch jetzt zwei 20jährige, erfahrene und künstlerisch herausragende Mural-Künstler finden können. Was für eine Pracht wäre es gewesen, zwischen den Fensterreihen lebendige, zeitgenössische Kunstwerke zu sehen, bunt! Im Gegensatz zum öden Weiß, das sich immer weiter auf frisch restaurierten Gebäuden in Venedig ausbreitet. 

Egal, was sie gemacht hätten"...ganz nach eigenem Gefallen, wenn er nur sein Talent dabei kundgebe und an diesem schönsten und am meisten gesehenen Ort der Stadt ein hervorragendes Werk ausführe.

Sagt Vasari, sage ich. 


Mai 2016,  Dachterrasse fertig



Ein schöner und interessanter Artikel aus dem Umfeld des Themas und der Neuen Zürcher Zeitung:
László F. Földényi: Imagination einer Begegnung - Albrecht Dürer und Georgione in Venedig



Nachschlag: Eröffnung am 1.10. 9:30 Uhr

Dazu schreiben:

"Masken und Violinen" - ist das Ironie? "La modernità arriva a Venezia" MUSS sarkastisch sein, oder? Merkt die Autorin des Artikels der NY Times "In Venice, Duty-Free Shopping...", wie entlarvend ihr Artikel ist, aus anderer Perspektive gesehen? Der Moodie Davitt Report ist ein Business-to-Business Informationsmedium und reproduziert ungerührt die DFS-Marketingpoesie. Damit muss es jetzt auch mal gut sein mit der Werbung für den Laden, aus der die meisten Inhalte dieser Artikel bestehen. Sollte noch Kritisches im www auftauchen, wird es nachgereicht. Ebenso meine persönliche Meinung im November, falls ich das Bedürfnis haben sollte. 

Die erste der angekündigten Kulturveranstaltungen ist zur Eröffnung die Ausstellung "Memoria dell' acqua" des venezianischen Künstlers Fabrizio Plessi. Er ist VenedigbesucherInnen bekannt durch regelmäßige Ausstellungen, aber auch z. B. in diesem Sommer in Recklinghausen. Die Ausstellung läuft bis 15.1.2017.



Nachtrag 26.10.2016

Wolfgang Wagener hat per Mail am 24.10.17 seine Eindrücke per Mail gechickt und mir erlaubt, sie zu veröffentlichen. Damit sie nicht im Kommentarbereich übersehen werden, füge ich seinen Text innerhalb des Blogeintrags ein und danke nochmals herzlich für den Bericht:



Der Fondaco hat mich durchaus begeistert. Und zwar wegen des – wie Sie so schön geschrieben haben – „Kundenköders“: der Dachterrasse. Und vielleicht auch, weil ich Schlimmeres befürchtet hatte. Vor diesem Hintergrund finde ich den Bau nicht sehr verunstaltet. So, wie man oft über das Gedränge in den Gassen der Stadt hinwegsehen muss, kann ich problemlos die Luxuswaren ignorieren, und mit etwas Mühe auch die penetrante Dudel-Berieselung (die ist wirklich unpassend). 

Die Rolltreppen finde ich nicht extrem aufdringlich – es hätte wesentlich schlimmer kommen können. Allerdings sind sie auch nichts Besonderes, eher schon Jugendstil – damit meine ich den Stil aus meiner Jugend, also den 50er und 60er Jahren, wo solche Hölzer auch schon in Mode waren, wie sie hier verwendet wurden. Also zeitlos bieder. Dagegen sind die Treppenhäuser schön schlicht – vielleicht in der ursprünglichen Form?

Die Aussicht von der Dachterrasse ist allerdings grandios. Und kostenlos. Und noch ist es nicht sehr voll. Es wird darauf hingewiesen, dass die Terrasse maximal 80 Personen trägt und man sich daher mit Wartezeit anmelden muss, doch bei drei Anläufen in der letzten Woche hätte ich nur einmal (mittags) 15 Minuten warten müssen. Am Sonntag davor standen allerdings kurze Schlangen vor den Eingängen zum Fondaco – vielleicht wegen der Terrasse. 
Aber dafür lässt die großzügige Warendekoration auch Raum für den offenen Zugang zu den Fenstern auf der Kanalseite. Da kann ich auch über einige Geschmacklosigkeiten (goldene Wände im Dachgeschoss) hinwegsehen.

Ob die Dachterrasse tatsächlich ein Kundenköder sein soll oder kann, wage ich zu bezweifeln. Denn das Sortiment richtet sich offensichtlich nur an Scheichs und russische Oligarchen (Schuhe für 900 €, Weine für 1.000 und 2.000 € usw.). Ich habe dementsprechend oberhalb des Erdgeschosses (wo immerhin die Sonnebrillen-Abteilung umlagert war) kaum Kunden, sehr viele Verkäuferinnen und Verkäufer und ansonsten nur Touristen gesehen. Ich befürchte aber, dass der freie Zugang zu Dach und Fenstern irgendwann eingeschränkt wird. Denn es wird sicher Probleme geben, wenn die Damen aus dem Geldadel Edel-Pumps anprobieren und sich zwischen ihnen kurzbehoste US-Touristen und japanische Reisegruppen mit Fotoapparaten (und deutsche Touristen wie ich) zu den Fenstern drängen, um ein Foto zu machen, und sich gleichzeitig vor den Eingängen die Warteschlangen für die Dachterrasse drängen. Aber momentan ist sie (noch fast) ein (Geheim-)Tipp, ein Ruhepunkt hoch über dem Gewimmel um Rialto. Bis die Terrasse in den ersten Reiseführern auftaucht...


Weiter mit dem Thema:

Fondaco dei Tedeschi - Ansichten, Aussichten vom 14.11.2016


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25. Juni 2015

Venedigs zentrale Baustelle - der Rialto


Nach einer schlaflosen Nacht Anfang Mai war ich morgens um 7 Uhr am Rialto, Baustellen gucken, solange dort noch Ruhe herrscht. Die versammelten Einrüstungen von Brücke, Fondaco dei Tedeschi und Palazzo dei Camerlenghi müssen einen selt-
samen Eindruck machen auf  Menschen, die zum ersten Mal hier vorbeikommen. Eine riesige Christo-Aktion vielleicht?!




Zwischen all den Gerüsten und Hüllen kam ich mir vor wie in den Kulissen einer Bühne: im doppelten Sinne aus dem Raum ge-
rückt. Hier geht es um Sponsoring: die Restaurierung der Brücke wird mit Vertrag vom Dezember 2012, Baustart März 2015, vom Modelabel Diesel finanziert, Kosten 5 Mio €. Ebenso die Restau-
rierung der Fassaden und des Daches des Palazzo dei Camerlenghi während der nächsten 2 Jahre, Kosten 2 Mio €. Diesel gehört zur OTB-Holding von Renzo Rosso, wie auch das Modelabel Marni, das eine interessante Nebenausstellung "Becoming Marni" der Biennale im ehemaligen Kloster S. Grego-
rio sponsort, für die an der Baustelle Rialtobrücke ein großes Banner wirbt. 




Auf der anderen Kanalseite geht es ums Geld verdienen und hier ist die Sache schon etwas weiter gediehen. Siehe Label 'Fondaco dei Tedeschi'. Vorgestern gab es eine Pressemitteilung, die die Eröffnung des Kaufhauses für Mitte 2016 ankündigt.  

Man muss nicht diesen ganzen Text lesen, der in Begriffen mit "...Luxus..." schwelgt und "Weltreisende" als Zielgruppe defi-
niert, die in top-end-hotels absteigend als künftige high-spen-
ding-visitors erwartet werden. Interessant finde ich die für mich neue Information, dass der Fondaco dei Tedeschi dem Konzern LVMH gehört, dem Branchenführer Luxusgüter weltweit, und nicht etwa "Bennetton", das in den Medien schon mal harmlos als "Familienbetrieb" rüberkommt, haha. Und innerhalb des Konzerns LVMH ist er Teil der asiatischen Luxuseinzelhandels-
kette DFS Galleria, die mit dem Fondaco dei Tedeschi in den europäischen Markt einsteigt. Überlegungen, in Europa mit London, Paris oder Mailand zu starten seien verworfen worden, denn "Venice is a melting pot of visiting nationalities, from Europeans to Americans to Asians  and Middle East visitors. This is dedicated to travellers of the world, and all of them are interesting for us. We have the entire planet here."

AfrikanerInnen sind in dieser Liste nicht enthalten, sie haben in Venedig bekanntlich andere Funktionen als high-spending-visitors.

















Es gibt noch keine Details zur Neugestaltung, vor allem keine aktuellen Fotos, und der Schrecken der zwei Rolltreppen im Innenhof, ursprünglich in der Planung für den Umbau enthalten, droht immer noch bis zum Beweis des Gegenteils. Mitgeteilt wird, dass es mehrere Eingänge von der Seite des Canal Grande geben wird, im Erdgeschoss Geschäfte mit Produkten (Geschen-
ken) italienischer Herstellung und ein Café, im 1. Obergeschoss Damenmoden und -accessoires, im 2. Obergeschoss Herrenmo-
de, Uhren und Schmuck, im 3. Obergeschoss Luxusschuhe, Düf-
te und Kosmetik: ein Geschäft, wie es bisher in der Stadt nicht vorhanden ist. Liebe Güte. Als gäbe es keinen Luxus in dieser Stadt - aber die Läden sind wahrscheinlich bisher zu popelig für die Weltreisenden. Das 4. Obergeschoss soll als "öffentlicher Raum" mit regelmäßigen Veranstaltungen zur Verfügung stehen, was immer genau das heißen wird, und Raum für eine Aussichts-
terrasse haben.




Selbstverständlich ist die Rede von der einmaligen Chance, die-
ses Gebäude wertschätzend wieder dem Handel zuzuführen, Strukturen zu erhalten etc., nach den Kämpfen von Denkmal-
schutz und Bürgerinitiativen im Vorfeld wird sich herausstellen, wie viel davon tatsächlich gemeint ist und realisiert wird. In einem Jahr werden wir sehen. Und in zwei haben wir den Rialto hoffentlich wieder hüllenfrei.



Siehe auch Eintrag vom 7.3.2015 Hüllen und Enthüllen




Siehe auch Eintrag vom 21.8.2016 



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