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22. August 2017

"Themenpark" Venedig





Wir wissen, was ein Themenpark ist.
In einer Ansammlung äußerlich themenspezifischer Architektur sollen wir künstlich hergestellte Abenteuer nacherleben und genormte Erfahrungen machen, Erlebnisse konsumieren, Adrenalin ausschütten. Außerdem hochpreisige Nahrungsmittel und Konsumartikel von eher schlechter Qualität erwerben, möglichst viel davon.
Der Gewinn wird von Besucher*innen individuell unterschiedlich empfunden, für die Betreiber ist er in der Bilanz hoch.  

Sprechen wir von Venedig? Eigentlich nicht, hätte ich bisher gedacht. Obwohl zu den Hauptgefährdungen des Centro Storico durch den Massentourismus 

  • 1. der Gefährdung der Bausubstanz durch 'moto ondoso', also Wellenschlag durch Riesenschiffe und massiv erhöhtes Verkehrsaufkommen insgesamt, und 
  • 2. der Gefahr der Entvölkerung der Stadt durch Konvertierung des Wohnraums in Hotels und Ferienwohnungen - auch als 
  • 3. die kulturelle Bedrohung durch "Disneyfizierung" seit Jahren befürchtet und beklagt wird, habe ich die Disneyfizierung eher als Problem gesehen, dem man zu einem gewissen Grad ausweichen kann. 
Im Großen und Ganzen schienen mir die Auswirkungen der Tourismusindustrie und dessen, was Einheimische und Migrant*innen zu ihrem Lebensunterhalt davon abzuzweigen versuchen, nicht speziell disneyhaft, verglichen mit anderen Orten weltweit, die vom und/oder wegen des Tourismus leben. Die Musikkultur mag gewisse Züge von Themenpark haben, aber die Museumskultur, die Kunst in Kirchen etc. fand ich authentisch. 

Aber in diesem Frühjahr habe ich der Disneyfizierung ins Auge geblickt, wo ich sie am wenigsten erwartet hätte: im Museo Diocesano d'Arte, das dem Patriarchat Venedig untergeordnet ist. Also eigentlich eine ziemlich seriöse Institution, die im Gebäudekomplex von S. Appollonia ihre Sammlung venezianischer Sakralkunst, vor allem aus aufgehobenen Kirchen und Klöstern, zeigt. Und immer wieder zusätzlich kleine Kunstausstellungen (wie z. B.  im letzten Herbst einen frisch restaurierten Bellini) oder Nebenausstellungen der Biennale. Mit der Biennale ("Viva Arte Viva") eröffnete hier "VivaVivaldi", ein Produkt der Firma Emotional Experiences, und ich latschte in den ersten Tagen ahnungslos und mit Gottvertrauen in diese - nein, Ausstellung ist es nicht, Veranstaltung auch nicht - sagen wir mal: in dieses Event.

Der 45-Minuten-Durchlauf beginnt moderat mit einem Audiomaschinchen + Kopfhörern und der Anweisung, sich beim Zuhören mal den Kreuzgang (einzigartiger romanischer Kreuzgang von S. Appollonia) anzusehen und dann, weiter zuhörend, langsam über die (moderne) Treppe in die erste Etage zu begeben. Ton: Kurzreferat der Lebensgeschichte Antonio Vivaldi.  
Danach wird es "PHANTASMAGORISCH". 

Auszüge von Vivaldiwerken, von Cristian Carrara mit modernen Klangarrangements gesampelt, werden in 3 aufeinander folgenden Räumen begleitet zunächst von einfachen Videoprojektionen (der Videokünstler Jean-Francois Touillaud und Gilles Ledos unter Regie von Marco Pozzi), dann von einem Film, in dem eine schöne Frau und ein kleiner rothaariger Junge (il prete rosso!) nachthemdig und barfuß durch Flure und Hallen irren und ein jugendlicher Vivaldi wunderkindmäßig Violine spielt, und dann!! werden informationstechnische Register gezogen: im Hauptraum von S. Appollonia (ehemaliger Kapitelsaal des Primicierio von S. Marco?) wachsen digitale Wälder, Vögel zwischern, Musik jubelt, es bauen sich Wände, Säulen, Gewölbe auf, die Musik braust, Windböen fahren ins Publikum, die Wände fliegen weg, die Gewölbe explodieren, immer wieder, alles ist atemberaubend - und wie in einer Erleuchtung versteht man, was mit "Disneyfizierung" gemeint ist. Es geht nicht um Vivaldi, er ist nur der Aufreißer, sondern um ein schlaues Verfahren (populäre Musik + Video-mapping), das mit einem/einer guten Coder*in preiswert produziert und ohne weitere Sachkenntnis per Knopfdruck jederzeit und fast überall präsentiert werden kann. 
Und bei der Disneyfizierung Venedigs geht es nicht um Venedig, sondern, wie ich seit Jahren in diesem Blog ahne, um das schnelle profitwirksame Pumpen von Menschenmassen durch Stadt, die nur als Aufreißer dient, aus Sicht derer, die davon profitieren. Die Menschen bewegen sich für ein paar Stunden in der Postkarte, im Video Venedig und bekommen ihre Show. Wer vom disneyfizierten Venedig nicht profitiert, hat das Nachsehen und muss eine Nische im System finden, auch die Einheimischen, die sich nicht vertreiben lassen wollen (und die Begeisterten wie wir).
Die visuelle Sensation von VivaVivaldi wirkt beim ersten Mal, klar, aber sie verdirbt den Musikgenuss gründlich und wem Vivaldi schon als Fahrstuhlmusik auf den Zeiger ging, braucht ihn nach dieser Erfahrung für Jahre nicht mehr. 
Ich wankte aus dem EVENT wie ein Kleinkind aus der Geisterbahn. Außer mir war nur ein junges amerikanisches Paar anwesend und ich hätte gerne gefragt, wie sie es fanden - aber mich fragte die Museumsmitarbeiterin, mit der ich bei der Ausstellung des Bellini im November gesprochen hatte, wie ICH es fand. Meine Antwort war von größter Höflichkeit, unser kurzes Gespräch sehr freundlich. 
Soll man den Verantwortlichen im Museum und im Patriarcato Ahnungslosigkeit unterstellen? Ich glaube nicht. Indifferenz in Fragen der Kunst? Geschäftstüchtigkeit? Mangelnden Blick für den drohenden Themenpark? Profitgier? Darüber muss noch nachgedacht werden.

(Die FAZ am Sonntag hat am 9.6.17 VivaVivaldi besprochen: Vogelstimmen im Mondschein, kostet aber 1 €, den Text herunterzuladen.) 






Eine Vivaldi-Show in S. Appollonia wäre noch kein Themenpark, aber als Nächstes folgte im Juni mit der Ankündigung von "Magister Giotto" in der Scuola Grande della Misericordia ab 13. Juli. 
Wieder keine Ausstellung, keine Veranstaltung, sondern diesmal eine "Erfahrung", an deren Entwicklung viele Fachmenschen mitgearbeitet haben, was der Sache den Anstrich eines wissenschaftlichen Projekts verleiht . Es ist das erste Produkt eines Formats "kultureller Unterhaltung" mit dem Titel "Magister" der Medienfirma Cose Belle d'Italia, dem in den nächsten Jahren 2 weitere zu Canova und Raffael folgen sollen. 

Das Werk und das Leben Giottos wird in Themenkreisen (San Francesco-Fresken in Assisi, Wirkungsorte des Künstlers, Kreuzmalereien, Werke in Florenz, die Cappella degli Scrovegni, die Bilder des Halleyschen Kometen) als hochauflösende Projektionen übergroß in zu diesem Zweck geteilten Räumen des Obergeschosses präsentiert (im Raum von insgesamt 26.000 m3 auf 2 Etagen), es gibt kein Originalwerk Giottos zu sehen. Die Präsentation von 45 Minuten besteht aus Filmen des Regisseurs Luca Mazzieri von 2016 (siehe Trailer unten), also nicht etwa aus 3D-Rekonstruktionen, wie sie heute zur multimedialen Ausstattung vieler Ausstellungen gehören (z. B. von der TU Darmstadt entwickelt). Also eigentlich geht es um einen Kunstdokumentarfilm von 45 Minuten zu überhöhtem Eintrittspreis, der aber immerhin einen Blick in das großartige Gebäude erlaubt, wenn auch auf das Raumerlebnis der riesigen Halle der oberen Etage verzichtet werden muss, durch die Raumteiler. 

Ich habe "Magister Giotto" nicht gesehen, kenne aber die Scuola Grande della Misericordia vor und nach der Renovierung und habe mithilfe der Informationen aus dem www eine Vorstellung, die mir erlaubt, auch hier einen gezielten und offiziellen Schritt in Richtung Disneyfizierung und "Themenpark Venedig" zu sehen. Technisches Massenprodukt mit eher geringem Anspruch in öffentlich reputiertem Gebäude + hohe Eintrittskosten (18 €). 
Das Haus gehört der Stadt Venedig. Die Lokalpresse Venedigs diskutiert mögliche Funktionsvermischungen des Bürgermeisters Brugnaro, des Geschäftsmannes Brugnaro (Vorsitzender der Società Scuola della MisericordiaVenezia) und des Präsidenten Brugnaro des Sportsvereins Reyer, der zuletzt das Gebäude als Basketballhalle nutzte. Kritik betraf auch die Werbung für "Magister Giotto", eine gewerbliche private Veranstaltung, auf der offiziellen Seite der Stadt Venedig

Freund*innen, vor allem eine Kunstvermittlerin, warnen mich vor Arroganz, wenn es um den populären Zugang zu Kunst geht. Aber sind arrangierte Samples plus explodierende Wände wirklich ein Zugang zum allbekannten Vivaldi? Sind riesige Detailaufnahmen in 3-Sekunden-Schnitten wirklich eine Einladung, sich in Giottowerke zu vertiefen? 
Ist eine 45minütige Show ein Zugang zu Kunst oder Musik, wenn sich der Eintrittspreis einem Biennale-Ticket annähert, oder gleichwertig ist einem Piazza-San-Marco-Ticket mit Dogenpalast, Correr etc.? 
Wie oben gesagt, es geht nicht um Kunst. Es geht um ein zu vermarktendes Produkt, dessen Investitionskosten über den Aufreißer Venedig refinanziert und weitere Absatzoptionen getestet werden. Angeblich gibt es bereits japanische Interessenten für die Vermarktung in Tokyo und Kyoto.

Wir wissen, dass sich der weltweite Boom von "Kreuzfahrten" als direkte Folge der U.S. Fernsehserie "Love Boat" (und dem internationalen Verkauf des "Formats", in deutscher Produktion als "Traumschiff") ab den 80er Jahren entwickelt hat. Venedig ist einer der Orte der Kreuzfahrtshows geworden. Sollen die in Venedig erfundenen "Kunstformate" à la Vivaldi und Giotto die künftige Kunstpräsentation und -wahrnehmung vorgeben? Mit dem entsprechenden "Zugang" und vor entschlossenen Gewinnaus- und -absichten droht Unsägliches. 

Artribune schreibt am 19.8. Tutto Giotto, ma senza Giotto





Hat die Disneyfizierung einen weiteren offiziellen Fuß in der Tür zum Themenpark? Ich glaube schon. 
Palazzo Grassi und Dogana zeigen "Treasures from the Wreck of the Unbelievable" von Damien Hirst - eigens für Venedig produziert, alle Exponate in 3facher Ausfertigung, für den Kunstmarkt. 

Ich füge hier ohne weiteren Kommentar einen Auszug aus dem Kulturkalender des Blogs an: Unmengen Fotos und interessante Medienkommentare des Frühlings und Sommers. Tendenz: war wohl nix. Man kann vielleicht doch nicht alles verkaufen im Aufreißer Venedig. 

23.2. Ein heutiger Text dazu aus dem Guardian.
10.3. Vorschau auf die Hirst-Ausstellungen
26.3. nochmal der Guardian
7.4. übermorgen Eröffnung für das Publikum - die Medien sind seit vorgestern in den "Depths of Bling"ArtnewspaperRealClearLifeGuardianTelegraphNY TimesArtLystArtNetNews
9.4.: MonopolZeit (eine Notiz ohne Informationswert und Verfasser), Deutsche Welle
10.4.: Deutsche WelleTagesanzeigerZitate aus dem englischsprachigen Feuilleton
11.4. Blouin ArtinfoArtlyst
15.4. Economist
16.4. nochmal Guardian
19.4. Artnet News mit Interessantem zum Thema Hirst und Kunstmarkt.
24.4. ArtnetNews (der 3. Artikel). 
25.4. Chicago Suntimes. Das deutschsprachige Feuilleton ist nicht weiter interessiert oder ist das Schweigen schon als Kritik zu verstehen oder vielleicht doch als Provinzialität? 
8.5.: pulse.ng - hat Damien Hirst Kunst aus Ife kopiert?
15.6. Tagesspiegel. (Das deutschsprachige Feuilleton lebt noch.)
6.7. Pambazuka News - eine afrikanische Stimme, nochmals zum Thema Plagiat
12.7. ArtNetNews zur venezianischen Verkaufsschau von Hirst
10.8. Hyperallergic ein wunderbarer Verriss ("brash and un-compelling")
13.8. Monopol äußert sich auch (abwinkend), nach immerhin 4 Monaten.



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19. Januar 2017

Jubiläum



Im Januar 2007 bat ich meinen privaten Berater in Kommunikations- und informationstechnischen Fragen, mich mal zu Nutzungsoptionen von Social Media für meine beruflichen Zwecke rundum zu informieren. Social Media waren das große Thema und professionelle Optimierung immer gut. 

Ich bekam keine Erklärungen, sondern die Aufforderung, ALLES auszuprobieren. Social Media seien nur Werkzeuge, jede*r müsse eigene Nutzungsweisen und -möglichkeiten für sich herausfinden und zwar selbsttätig. Und dann entscheiden, ob, wie und in welchem Umfang jedes einzelne Medium ür seine jeweiligen Zwecke geeignet seien. 

Habe ich so gemacht. Die Versuchsreihen waren viel Arbeit, nebenbei, privat, aber nach einem halben Jahr war klar, welche Angebote ich für meine Berufstätigkeit nützen würde. Bloggen war ausprobiert, wurde aber aussortiert. 
"Fang einen  Blog an. Such dir ein Thema, das du spannend findest, in dem du dich auskennst und was zu sagen hast, sonst bleibst du nicht dabei. Jede Woche ein Eintrag, diszipliniert, glaubwürdig, mindestens ein halbes Jahr. Dann weisst du, ob das was ist oder nicht." Hatte der private Berater gesagt. Es war was, aber nicht für den beruflichen Bedarf. 

Dem schlichten ersten Eintrag am 21.1.2007 folgten anweisungsgemäß wöchentliche Blogs. Recherchen zu Themen und Kontakte zu Bloggern, Autor*innen und anderen Expert*innen entwickelten sich schnell. Nach dem Probehalbjahr war der Blog ein schönes kleines Privatprojektchen, das Spaß machte und aus meiner Sicht unter jedem Radar im großen www flog. 

Nach 10 Jahren und über 550 Einträgen macht es immer noch Spaß. Viele Texte verlieren ihre Aktualität, viele Links ihren Anschluss und sind damit irreparabler Schrott, aber manche Einträge haben über die Jahre ihren Informationsgehalt und ihre Lesbarkeit erhalten, manches Foto hat Dokumentationswert. Und ich fliege nicht mehr unter dem Radar. Es gibt einfach zu wenige deutschsprachige Blogs zu Venedig - aber jede Menge italienische, englische, französische. Jeder Reiseführer empfiehlt mittlerweile "Unterwegs in Venedig", Reiseseiten von Tages- oder Wochenzeitungen auch mal.

Was aber wirklich unschätzbar ist, sind die Antworten auf meine Arbeit und die Kontakte, die beim Bloggen entstehen. Die Freundlichkeit und die Aufmerksamkeit von Korrespondent*innen treffen mich immer wieder überraschend. Die Anfragen zu venezianischen Details von Menschen, die ein Buch oder eine Examensarbeit (Architektur, Geschichte, sogar Philologie!) schreiben und meiner Expertise trauen, sind so eine schöne Herausforderung. Die gemeinsame Leidenschaft für Venedig schenkte wunderbare und unerwartete Begegnungen und Erfahrungen, schuf in 10 Jahren spannende Kooperationen, ja sogar dauerhafte Freundschaften, auch über diverse Arten von Grenzen hinweg  und hinüber. 

Ich bin für all das dankbarer, als ich ausdrücken kann. Das rettet mich bisher aus meinen Venedigkrisen, wenn mir die Zukunft der schönsten Stadt mal wieder unrettbar erscheint. Herzlichen Dank allen, die auf ihre Weise 10 Jahre mit diesem Blog und mir unterwegs in Venedig waren.





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14. Juli 2016

Santa Maria della Misericordia

Kirchenraum, vor einer Goethe-Veranstaltung
Nach fast genau einem Jahr war ich am 28.5.2016 wieder in der ehemaligen Kirche Santa Maria della Misercordia. Die beiden Besuche am 9. und 14.5.2015 hatten einen längeren Blogeintrag ('Kunst oder echtes Leben? Die "Moschee" in Venedig') mit Ergänzungen zur Folge. 
Die Frage, was nun aus dieser eigentlich funktionsfähigen Moschee wird, wurde mir von kompetenter Seite schnell beantwortet: jeweils sofort nach Biennaleschluss im November müssen die Pavillons geräumt und der nachfolgenden Crew quasi 'besenrein' übergeben werden - es sind ja nur 5-6 Monate Zeit für die Installation der nächsten Ausstellung. 

Für die Architekturbiennale wurde S. M. della Misericordia als 'Dependance' des deutschen Pavillons angemietet für Performance- und Bildungsveranstaltungen des Goethe-Instituts in der letzten Mai- und der dritten Oktoberwoche. Gute Gelegenheit, wieder einen Blick hineinzuwerfen. Und endlich heute einen Blogeintrag zu schreiben, da aus gegebenem Anlass, mal wieder eine venezianische Hochzeit, die Kirche unerwartete Medienaufmerksamkeit erleben darf. 


Hauptaltar
Der erste Klosterbau auf dieser Insel Valverde am Nordrand Venedigs inmitten von Salzwiesen und Röhricht entstand in der Mitte des 10. JHs und hiess Santa Maria della Valverde Madre di Misericordia, daher die beiden bis heute benutzten zwei Bezeichnungen S. M. della Misericordia und S. M. Valverde - aber VenezianerInnen nennen sie ausschließlich 'L'abbazia' (Betonung auf dem i). Obwohl Venedig voller Klöster und Ex-Klöster ist, ist 'L'Abbazia' ein eindeutiger Begriff. 
Die ansässigen Orden wechselten, Augustiner, Dominikaner, Serviten; auch die Anzahl der Bewohner (Pestepidemien!); die Kirche wurde mehrfach erneuert, das Kloster erweitert, und während die angrenzenden Inseln bevölkert und die Fondamente Nove in die Lagune gebaut wurden, blieb das Kloster in seinen weitläufigen Gärten einsam und sein Nordufer unberührt - bis heute, davon abgesehen, dass die Sacca della Misercordia mittlerweise eine Marina ist.

Mit Beginn des 14. JH. wurde an der Westseite des Campo dell'Abbazia die Scuola della Santa Maria della Valverde Madre di Misericordia von der Bruderschaft der Misericordia gegründet, später Scuola vecchia genannt, die zusätzlich zur Bruderschaftsinfrastruktur, also Versammlungs- und Gebetsräume etc., ein Hospiz für mittellose Frauen und einen Friedhof (zur Linken der Kirche) einrichtete. 

Die Geschichte der Scuola della Misericordia und ihres Wohlstands dank wohlhabender Mitglieder geht weiter mit dem Bau der riesigen Scuola Grande della Misericordia, die hier nicht unbedingt dazu gehört Nachzulesen unter 'Scuola Grande della Misericordia in neuem Glanz'; 'Ein Palladio...'; 'Scuola Grande della Misericordia'. 


Dach und beschriftetes Gebälk
Die ehemaligen Gärten der Scuola und des Klosters sind weitgehend erhalten, sehr gepflegt aber leider nicht öffentlich. Sie liegen hinter hohen Mauern an der Sacca della Misericordia und sind zum größten Teil Lager und Restaurationswerkstatt für Skulpturen etc. der städtischen Museen Venedigs. Der zugängliche Teil ist die Kooperative "Laguna Fiorita", Pflanzen, Gartenbedarf, Gewächshäuser... wo VenezianerInnen im Centro Storica ihren Pflanzenbedarf per Boot decken können.  

Die Gebäude, auch der schattige Sottoportego, sind entlang des Rio della Sensa zu sehen, die Gärten leider nur durch wenige Gitter. Auf dem Campo zu bewundern: eines der wenigen erhaltenen Beispiele der ersten Ziegelpflasterung Venedigs im Fischgrätmuster (wie auch nicht weit davon auf dem Campo Madonna dell' Orto). Und ein wunderschöner Brunnenkopf (vera da pozzo) aus dem 13. JH mit den Reliefs von Mönchen an 3 Seiten, das Aussehen der 4. Seite lässt einen früheren Anbau vermuten. Wenn hier nicht geheiratet oder um Moscheen bzw. Kunst gestritten wird, ist dies ein wunderbar still und authentisch erhaltener Ort.


Fassade und 'gequetschte' linke Seite
Zu dem auch die schöne dreiteilige barocke Kirchenfassade mit ihrer gequetschten linke Ecke gehört, erneuert 1650 von Clemente Moli, Schüler Berninis und Mitarbeiter Longhenas (ebenfalls gequetscht: eine Tür zum dahinter liegenden Garten, immer standhaft verschlossen). Neben das Kirchenportal hat Moli allegorische Skulpturen der Beständigkeit und der Barmherzigkeit gestellt, darüber eine Büste von Gaspare Moro, der die Fassade bezahlte. Das Relief am rechten Nebengebäude, eine byzantinisch betende Madonna mit Kind, wird dem 13. JH zugerechnet.

Die Kirche selbst ist nach ihrer Schließung im 19. JH, dem Verkauf inkl. des Campanile an aufeinander folgende Privatpersonen, der Nutzung als Lagerraum bzw. für Wetter- und Sternenbeobachtungen, und der Dekonsekration 1973 unter dem Patriarchen Albino Luciani, ziemlich frei von sakraler Kunst. Mit dem großen Kunstausverkauf Venedigs 1868-1882 verschwanden nicht nur die großen Altarbilder, sondern auch alle Kunstwerke, die aus bereits früher geschlossenen Kirchen hier untergebracht worden waren: aus S. Matteo di Murano, S. Elena, S. Maria dell' Arsenale, S. Maria Maggiore - Werke von Cima da Conegliano, Francesco Ribera, Palma Giovane, Padovanino, Hans Holbein, Alessandro Longhi, Giovambattista Tiepolo und anderen. Geblieben ist das Grabmal von Alvise Malipiero (mit dem schönen Hahnenlogo) an der linken Wand; die Mosaike an Stelle einiger früherer Tafelbilder hat man in der 2. Hälfte des 19. JHs neu eingefügt, als die Kirche zuletzt restauriert und einige Jahre wieder genutzt wurde. 

Beeindruckend ist der Fries hoch oben unter dem Dach, das selbst aus schlichten Kassetten besteht und über die ganze Fläche goldene Sterne auf blauem Grund zeigt. (Einige Kirchen in ehemaligen venezianischen Festungen auf der Peloponnes haben einen ähnlich zauberhaften blau-goldenen Sternenhimmel.) Schön ist auch die geschnitzte Empore auf Marmorsäulen an der Innenwand der Fassade.   


Innenseite, Empore
Nachdem der längst nicht mehr sakrale Kirchenraum, immer noch Privatbesitz, vor der Moschee-Installation von einem verlotterten in einen nutzbaren und präsentablen Zustand versetzt wurde, steht er - wie viele restaurierte Gebäude oder Sääle in Venedig - zur Miete für Events unter dem Stichwort "kulturelle Verwertung". Wohlgemerkt: sieht aus wie eine Kirche, ist aber eine Ex- wie viele andere in Venedig.


Nächste Besuchsmöglichkeit von S. M. della Misericordia bzw. Valverde bwz. l'Abbbazia und ein spannendes Projekt als Nebenveranstaltung der Architekturbiennale: The Veddel Embassy. 18.-22.10., Di-Fr 12-15 und 18-22 Uhr des Goethe Instituts Italien n Kooperation mit dem Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und dem Evangelisch Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost. Eintritt frei.


Venipedia Campo dell' Abbazia mit einem guten Lageplan. Haltestelle Madonna dell' Orto und Ca' d'Oro.

Rundumführender Fries unter dem Dach



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14. Juni 2016

Scuola Grande della Misericordia in neuem Glanz

Fresco der Veronese Schule oberer Saal

Die Restaurierung der Scuola Grande della Misericordia ist abgeschlossen. Es gibt eine neue Website und seit Ende April steht das Gebäude der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ich habe nach 3 Besuchen von Ausstellungen in den Jahren 2009 und 2011 nun Ende Mai das Vorher mit dem Nachher verglichen: begeistert. Wenn auch nicht ganz restlos. 


Ziegelboden linkes Seitenschiff, 2011

Nordwestecke: alter Boden, darüber neuer Bodenbelag 2016

Ich hatte durch die Medienberichte  eine Vorstellung, was auf mich zukommt: 

Il Gazzettino (erstaunlicherweise datiert 12.6.2015, was eigentlich nicht sein kann): Scuola Misericordia,  conclusi i lavori: "Connubio tra tecnologia e restauro"

La Nuova (10.3.): Riapre la Misericordia deomenica i primi visitatori

Venezia Today (10.3.): Conclusi il restauro, riapre la Scuola Grande della Misericordia a Venezia

Venezia Radio TV (22.4.): La Misericordia rinasce dalle sue ceneri, sabato l'apertura

La Nuova (25.4.): La Misericordia apre nel segno del basket

La Nuova (30.4.): La Misericordia: le foto di oggi e quelli di ieri, la festa per il "Più bello palazzetto del mondo"

und ein kleiner Trailer des Films "La  palestra  più bella del mondo" von Carlo D'Alpaos, der öfters erwähnt wird... 


Parterrehalle 2011


Parterrehalle 2016

...war aber dann doch wirklich angedonnert, mitten in der Pracht zu stehen, vor allem im Glanz des Fußbodens, dessen Material ich nicht auf Anhieb einordnen konnte. Es scheint sich um Metallplatten (!) zu handeln, ca. 2 mm dick. (Angefasst, gekratzt, geklopft, mit den Materialproben der Ausstellung verglichen. Metall. Wie ist das mit dem Gewicht? Wie reagiert das auf Erdbeben?) 
Ich finde den geradezu magischen Schimmer des Materials im Obergeschoss und im Treppenhaus (beides vorher Beton) großartig. Im Parterre allerdings, wo noch der schöne Ziegelboden lag, hätte das aus meiner Sicht nicht sein müssen, sollen, genau genommen nicht sein dürfen. An der Südwestecke meine ich zu erkennen, dass die Metallplatten auf die Ziegel gelegt wurden und hoffe also, dass der alte Zustand wieder herstellbar wäre. Wenn man vielleicht eines Tages den eleganten und pflegeleichten Metallboden satt hat. 


Graffitto Joss Weber 2011

Graffitto Joss Weber 2016

Die Säulen der unteren Halle wurden schön restauriert, auch die 'privaten' Graffitti des 19. JH an den Ost- und Nordwänden wurden erhalten. Zerstörte Stuckteile an der Decke wurden nicht ersetzt, sondern als Fehlendes in die Restaurierung einbezogen. Der enorme Riss in der Nordwand ist gemäß state of the art des Restaurationshandwerks sehr schön geschlossen. In der Westwand sind Details zu sehen, die ich vorher nicht kannte: ein kleines Innenfenster zum Beispiel.
ABER: an der Stelle des früheren Altars an der Nordwand der Parterrehalle wurde ohne Not ein Durchbruch für eine Glastür mit Windfang gemacht. Die Tür sieht vom Eingang her winzig klein aus, und wenn man davor steht, erlaubt sie einen schönen Blick auf den Campo, die alte Misericordia und die Kirche S. M. Valverde. Aber braucht man das? Nein, also warum macht man das? Auf der Website wird die Tür als "der neue Eingang" bezeichnet, also buchstäblich 'hintenrum'. Unsinnig, wenn es vornerum eine ordentliche funktionierende Eingangstür gibt.



Riss in der Nordwand 2011

Riss in der Nordwand 2016


Riss in der Nordwand 2016

Auf der Westseite des Gebäudes wurde ein Servicebereich mit allem Zipp und Zapp integriert: Sanitärräume ganz in Marmor auf beiden Etagen; ein kleiner Fahrstuhl zum eigentlichen großen Fahrstuhl zur oberen Etage (dessen langsame Bewegung nicht spürbar ist); anscheinend eine Bar, auf jeden Fall Bewirtungs- und Technikinfrastruktur. 
Überhaupt, die Lichttechnik, vom Feinsten. Die hätte Herr Donnersmarck vielleicht gerne gehabt, als er hier im Parterreraum die Ballszene seines "Tourist" drehte. In die Handläufe des überraschend prächtigen, säulen- und skulpturengeschmückten Treppenhauses (ich kannte es praktisch nur als Baustellentreppenhaus - Beton, Weichholzgeländer, Verschalung) sind Leuchtröhren integriert, die vom Metallbelag der Stufen reflektiert werden - ahhh! 


Treppe rauf 2009

Treppe rauf 2016
Treppe runter 2009


Treppe runter 2016

Auf der oberen Etage angekommen, wird man vom Anblick des riesigen hellen Raums (ohne Säulen) mit den Fresken der Veronesewerkstatt oder -schule überwältigt. Und nachträglich immer wieder von der Vorstellung, dass dies eine Sporthalle war, SpielerInnen, Fans, alles. Und von der Bewunderung für die Leistung Sansovinos - sein Bibliotheksdach der Marciana kam zwar runter, aber dieses extrembelastete Gebäude steht! 


Fresco im oberen Saal 2011


dasselbe Fresco im oberen Saal 2016

Die neue Treppe, die außerhalb des Gebäudes auf der Nordwestecke angefügt wurde, ist neben ihrer Funktionalität ein Kunstwerk für sich. Eine Skulptur aus rotrostigem Metall, ich weiss leider nicht, wer sie entworfen hat. 


Terrasse Nordwest 2009, auf der 2015 die neue Außentreppe landen wird

Obere Hälfte der Außentreppe, Eingang zum Obergeschoss 2016

Zur Zeit bis 27.6. wird in der unteren Halle eine sehr interessante Ausstellung "Designing the Complexity" zur Renovierung-Restaurierung des Gebäudes gezeigt. Materialien etc., unbedingt interessant für LaiInnen, für Fachleute sicher ein detaillierter Blick. Eintritt frei.

Künftig sollen hier regelmäßig Ausstellungen und andere Veranstaltungen stattfinden. Informationen dazu finden sich unter News auf der Website, aber auch im Kulturkalender auf diesem Blog. Auch ohne Ausstellung im Gebäude ist es ab dem 1.7. Frei-Sa-So von 10-18 Uhr für das Publikum geöffnet und in aller seiner Pracht zu besichtigen. (Über Eintrittskosten ist mir bisher nichts bekannt.)


Säulen und Skulpturen am Treppenabsatz oben

Die Restaurierung des Gebäudes wurde finanziert, wie man in den italienischen Medienberichten oben lesen kann, mit Privatmitteln von ca. 10 Mio € des Unternehmers Luigi Brugnaro, derzeitiger Bürgermeister Venedigs, Inhaber der Zeitarbeitsfirma Humana und Inhaber/Vorsitzender des Sportvereins Reyer, des ehemaligen Nutzers der Palestra Misericordia. Für die nächsten 40 Jahren hat er, Brugnaro, die Konzession für den Betrieb der Scuola Grande della Misericordia. 


Bisherige Einträge mit Bezug zur Misericordia bei 'Unterwegs in Venedig':

27.07.2009   Scuola Grande della Misericordia
25.09.2011   Mehr eintrittsfreie Biennale
16.10.2011   Biennale und mehr im Oktober
29.02.2012   Ein Palladio! Scuola dei Mercanti 
07.03.2015   Hüllen und enthüllen

Außentreppe Nordwest Mai 2015


Nachtrag 24.12.:
Ein Korrespondent führt per Mail diesen Eintrag weiter, ich danke herzlich, auch für die Erlaubnis, seinen Text zu veröffentlichen:

Die wenigstens zeitweilige Zugänglichkeit der Scuola Grande della Misericordia offenbart das Genie Sansovinos: endlich versteht man die merkwürdigen Versprünge im Backsteinmauerwerk an den Außenwänden. Das Erdgeschoss ist innen architektonisch nämlich geradeso instrumentiert wie das Äußere in beiden Geschossen hätte sein sollen, Innen und Außen korrespondieren miteinander, der Geist der Hochrenaissance scheint hier auf und es wird einem bewusst, wie wichtig der Einfluss Roms auf die Baukunst Venedigs ist, trotz der behanrrenden Tendenzen in der Lagune. 
Dem zugewanderten Sansovino gelingt hier eine eigenständige Interpretation der ja etwas nüchternen Bauaufgabe "Scuola", einer venezianischen Sonderform, die sonst - d. h. um 1500 und noch später - ganz auf den Glanz oder den künstlerischen Reichtum der Ausstattung und nach Außen auf eine Schaufassade setzt.
(GF) 


Nachtrag 12.5.2020
Fund im www: "Die schönste Sporthalle der Welt"






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7. März 2015

Hüllen und enthüllen

Die blaue Verschleierung der Scuola Grande della Misericordia

Ich habe einen kurzen Besuch in der ruhigen Zeit nach Karneval in Venedig gemacht - es war kühl und feucht, die Vaporetti waren ungewohnt leer, dafür wimmelte die Riva vormittags von großen asiatischen Reisegruppen, die zu Fuß unterwegs waren. 

Was mir erfreulich auffiel: die Hüllenpolitik bei der längerfristigen Renovierung von Gebäuden scheint sich grundsätzlich geändert zu haben. Wer erinnert sich nicht an die Planen, die viele Jahre die Fassaden von Dogenpalast, Biblioteca Marciana, Prokurazien, Palazzi am Canal Grande im Auftrag von Bul---, Rol--- etc. entstellten. An den Ärger über Fotos, die nicht die Seufzerbrücke zeigten, sondern Werbung. Angeblich notwendige Einnahmequellen zur Finanzierung der Restaurierungen. Hat ja niemand geglaubt. Wie viele Proteste von enttäuschten Touristen und empörten Kunst- und ArchitekturhistorikerInnen sind wohl an die Verantwortlichen gerichtet worden! Jahrelang schien das erfolglos zu sein.

Bis die ersten Hüllen am Canal Grande keine Werbung mehr, sondern eine graphische Darstellung des verhüllten Gebäudes zeigten. Als die Renovierung des Dogenpalastes beendet war und die Riesenplanen verschwanden, wurde erfreulicherweise auch an der großen Baustelle des Fondaco dei Tedeschi keine Werbung des Bauherren angebracht, sondern eine Art Faksimile der Fassade. Derzeit ist auf Kanalseite das Gerüst bereits wieder teilweise enthüllt. Je nach Helligkeit bzw. Lichteinfall könnte man das fast übersehen.


S. Maria di Nazareth am Bahnhof - unvermietete Werbefläche?
Die Kirchen S. Maria di Nazareth (Scalzi) und S. Maria della Pietà sind derzeit eingerüstet und hinter ähnlichen Fassadenfaksimiles verschwunden. Es scheint, dass man die Option für eine Werbefläche freihalten wollte, zumindest legt eine große freie Fläche den Gedanken nahe. Hat sich kein Konsumlabel mehr gefunden, das einen Imageverlust riskieren will durch Verschandelung der Schönheit Venedigs? Verzichten die GebäudeeignerInnen auf die Vermietung der Werbeflächen, die das Stadtbild und ihren Ruf temporär beschädigen? Das wäre ein erfreulicher Lernprozess. 


S. Maria della Pietà an der Riva - unvermietete Werbefläche?
Noch nicht kapiert hat man es im Falle der potthässlichen Einrüstung + Bauzaun von SS. Giovanni e Paolo, eigentlich einer der schönen und volkstümlichen Plätze der Stadt. Seit ca. 2 Jahren ein scheußlicher Anblick und für einen Aufenthalt im Straßencafé nicht mehr geeignet.


Campo SS. Giovanni e Paolo, Juni 2014. Sieht mittlerweile noch wüster aus
Dagegen sind die blauen Schleier der Scuola Grande della Misericordia zauberhaft. Das Riesengebäude, das man von den Türmen von S. Marco und S. Giorgio Maggiore oder von der Laguna Nord über die Stadt ragen sieht, himmelblau eingehüllt, hat Christo-Qualität, auch wenn das nicht beabsichtigt ist. Besonders an diesen blauen Frühlingstagen.


Vom Rio dei Gesuiti
Vom Ponte Seriman
Von der Fondamenta S. Caterina
Während ich mich entlang des Rio di S. Caterina näherte, enthüllten Bauarbeiter das Gerüst an der Gebäuderückseite, einer nach dem anderen fielen die langen blauen Schleier schwebend und lautlos wie in einer Inszenierung. Bis ich dann vor der Verhüllung der Misericordia stand. Das ist momentan, was man in Bayern vermutlich ein mords blaues Trumm nennen würde. 



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3. Oktober 2014

Festival venezianischer Gärten 2014

Ummauerter Garten an der Scuola della Misericordia
3 Tage offline unterwegs - erst gestern Abend erreicht mich deshalb die Einladung zum Festival venezianischer Gärten 2014, das heute beginnt und übers Wochenende stattfindet.

Programm und Anmeldungsdetails

Da die Gärten für Venedig-LiebhaberInnen höchst interessant sind, und die Besichtigungsangebote des WIGWAM CLUB GIARDINI STORICI VENEZIA so rar und kostbar, die Führungen hochinteressant und -qualifiziert, packe ich diesen Termin nicht nur in die Liste der kulturellen Herbsttermine, sondern mache einen separaten Eintrag. In der Hoffnung, dass trotz der Kurzfristigkeit möglichst viele Appassionati venezianischer Gärten über den Hinweis stolpern und das Angebot wahrnehmen können. 

Alle Führungen finden im Sestiere Cannaregio statt, kosten einen Teilnahmebeitrag (5-8 €) sind in der TeilnehmerInnenzahl begrenzt, Anmeldungen sind deshalb unerlässlich. Tel. 0039-388-4593091, 0039-328-8416748, giardini.storici.venezia@gmail.com  Sie finden auch bei Regen statt. Man sollte 15 Minuten vor Führungsbeginn am Treffpunkt sein. 

Heute, Freitag 3. Oktober: 
Garten und Kloster der alten Scuola della Misericordia, Führungen und 14:30 und 15:30, Treffpunkt auf dem Campo dell'Abbazia 

- Gärten des Palazzo Contarini dal Zaffo in Cannagregio: Garten des SeniorInnenheims Piccola Casa della Divina Provvidenza Cottolengo und der Casa Cardinal Piazza. Eine Führung um 17:30, inkl. Probieren von Giuggiole, Trauben, Granatäpfeln.

Morgen, Samstag 4. Oktober:
- Garten des Palazzo Grimani ai Servi im Stil des 15. Jahrhunderts. (Kenne ich nicht, muss aber hier sein.) Führungen mit Treffen der Besitzerfamilie um 10:00 und 11:00 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo S. Fosca (s. Link oben).

- Garten des Palazzo Rizzo-Patarol, heute ein Luxushotel, und Garten des Palazzo Arrigoni. Führungen mit "Feier des Baums", Celtis australis, italienisch bagaloro oder spaccassassi, um 14:30 und 16:00 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo Madonna dell'Orto. 

Übermorgen, Sonntag 5. Oktober
- Besuch zweier ummauerter Privatgärten: Garten am Ponte Chiodo und Garten der Casa Bellinato. Führungen um 10:00 und 11:30 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo della Misericordia.

- Geführter Spaziergang zum frei wachsenden Grün rund um die Nachbarschaft der Misericordia und Garten der Fondazione Wilmotte. 14:00 Uhr Treffpunkt Campo dei Mori.

- Garten des Ex-Palazzo Tiepolo am Ufer der Laguna Nord mit Klarinettenbegleitung. Führungen um 15:00 und 16:00 Uhr, Treffpunkt Campo della Misericordia.

- Führung im Kreuzgang und Garten Madonna dell'Orto, mit angeleiteter Wandermeditation. 17:30 -19:00 Uhr, Treffpunkt Campo der Madonna dell'Orto. 

(Links zu den einzelnen Terminen sind nicht von WIGWAM vorgegeben, sondern als zusätzlich Information von mir eingefügt.)


Garten am Rio di S. Catarina i