Posts mit dem Label Palazzo Grimani werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Palazzo Grimani werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

17. November 2016

Palazzo Grimani - das Projekt für Appassionati



Informiamo che da lunedì 17/10, il Museo di Palazzo Grimani apre con i seguenti orari: - venerdì e sabato ore 14-19



Eine kühle Mitteilung des Museo Palazzo Grimani am 19.10. auf Twitter, nachträglich. 
4 Tage zuvor hatte die NUOVA, von mir übersehen, bereits verkündet: "Palazzo Grimani schließt für das Publikum". Sachlich nicht ganz korrekt, gefühlt aber umso mehr.

Der Palazzo Grimani gehört zu meinen persönlichen Kultstätten, seit ich 2002 in der Ausstellung "Venezia! Kunst aus venezianischen Palästen" der Bundeskunsthalle Bonn mit offenem Mund in der Rekonstruktion der grimanischen Tribuna stand. Atemberaubend und ein bisschen klaustro. Unglaublich nach heutigen Maßstäben, dass ein solcher Raum fensterlos gewesen sei! (Dass der römische "Ganymed, vom Adler geraubt" original in einem Turm hängt, vor blauem Himmel mit Rundumsonnenlicht von oben, hatte die BuKuHa nicht rekonstruiert.) 

Leider wurden bei der Neugestaltung des Internetauftrittes der Bundeskunsthalle die Links von älteren Ausstellungen nicht integriert, so dass meine Verlinkungen auf diese Ausstellung nicht mehr funktionieren. Den Katalog zur Ausstellung kann man zum Glück noch gebraucht beziehen: Venezia! Kunst aus venezianischen Palästen.

Im Museo Palazzo Grimani ist die Tribuna bis auf den fliegenden Ganymed leer, der größte Teil der Sammlung befindet sich weiterhin im Archäologischen Museum an der Piazza San Marco. Im www habe ich in englischer Sprache eine Studie gefunden, die gut an die Texte des Ausstellungskatalogs ("Hypothesen zur Rekontruktion der Tribuna im Palazzo Grimani: Die Methodologie"  von Eva Soccal und "Die Restaurarierung der Antiken der Sammlung Grimani" von Marcella de Paoli anschließt: "The Tribuna of the Palazzo Grimani: a 3D survey and virtual representation of the original statuary".  Lesenswert.
Und es gibt auf der Website Meraviglie di Venezia ein virtuelle Rekonstruktion der Tribuna in ihrer ursprünglichen Ausstattung. 



Aber die Tribuna ist nur einer, und nicht der größte, der 14 erstaunlichen Räume der 1. Etage des Palazzo Grimani.

Der Staat Italien hatte 1981 den Palazzo Grimani in völlig verrottetem und gefleddertem Zustand aus privaten Händen gekauft und 25 Jahre lang beispielhaft und auf wissenschaftlicher Basis restauriert. Neben den geringen staatlichen Mitteln wurde die Arbeit vor allem durch Spenden finanziert, Dutzende von Millionen wurden aufgebracht. 
Details zu den Bauarbeiten als Information für die Öffentlichkeiten finden sich auf der Seite der Leitung des Amtes für Archäologie, Kunst und Landschaftspflege für Venedig und die Lagune. Der Bericht beginnt (in italienischer Sprache) mit dem Capitolo I und führt jeweils zum nächsten Capitolo, am Fuss des Textes anzuklicken, bis zum Capitolo 8.

Im Dezember 2008 wurde der Palazzo dem Fachpublikum vorgestellt, während der Weihnachtstage bis Dreikönig waren die Venezianer*innen kostenlos zur Bewunderung der außerordentlichen Restaurierung geladen. Danach durften auch Fremde rein, vorausgesetzt die vorherige online-Vereinbarung eines persönlichen Termins und die Vorlage eines Ausweises. Der Gipfel war die persönliche Einzelführung durch eine der Wisssenschaftler*innen des Museums. 



Mein erster Blogeintrag datiert vom 23.12.2008, (ein Teil der Links funktioniert nach 8 Jahren leider nicht mehr), der zweite Blogeintrag mit dem Bericht meines ersten Besuchs vom 28.6.2009. Beide Einträge sind auch heute noch lesenswert im Hinblick auf die Geschichte und Restaurierungsgeschichte des Palazzos. Und vor allem erschreckt mich selbst nachträglich meine klare Wahrnehmung vor 7 Jahren, wohin es mit diesem Museum gehen würde - ohne Marketing, ohne Vorstellung von Zielgruppen, Museumsdidaktik, Projektverantwortung, aber einer wissenschaftlich-elitären und selbstsicher-beamtigen Selbstwahrnehmung: den Bach runter. Vielmehr den Kanal runter. 

Obwohl ich dann ab Oktober 2011 beim Besuch des Palazzo plus mehrerer Gastausstellungen eigentlich glaubte, dass sich das Projekt langsam auf gutem Wege befand. Auch anlässlich der Canaletto-Ausstellung im folgenden Jahr 2012, die erste, die aus meiner Sicht sehr gut besucht war. Naja, Canaletto, ein Renner eben...!
Insgesamt war im Laufe 2009/2010 die Besucherpolitik entkrampft worden: normaler Eintritt für alle, keine Zwangsbegleitung - aber auch keine kostenlosen hochqualifizierten Führungen mehr (aus betriebswirtschaftlicher Sicht natürlich sinnvoll). Man besichtigte die leeren, kostbar ausgestatteten Räume ohne einem Menschen zu begegnen - egal ob Besucher oder Angestellte.



Dem Museum Palazzo Grimani bliebt die Bekanntheit versagt, die ein Familienpalazzo in direkter Nachbarschaft in wenigen Jahrzehnten gewinnen konnte: das Haus Querini Stampalia mit Bibliothek, Museum, Kulturveranstaltungen, Museumsshop- und Bar, Garten (nicht unerwähnt zu lassen die Interventionen des Architekten Carlo Scarpa). 
Ich denke, es wurde seitens der Verantwortlichen einfach nicht tief genug Luft geholt - eine geplante Aufbauphase von vielleicht 20 Jahren im Hinblick auf unterstützende Finanzen, zielgruppenorientiertes und vernetztes Marketing mit entsprechender Werbung, Kooperationen mit den Museen der Stadt Venedig (Dogenpalast, Archäologisches Museum etc.) und den lokalen Stiftungen (Cini allen voran, aber auch kleineren wie z. B. Levi), Bibliotheken und und Hochschulen - damit der Atem lang und sicher genug gewesen wäre.  

Nach den ersten großen Ausstellungen 2011 und 2012 wurden kurzzeitige kleine Ausstellungen des verantwortlichen Polo Museale Veneziano von frisch renovierten Einzelausstellungsstücken angeboten. Sie wurden ergänzt durch kostenlose Konzertreihen, Vortragsreihen, Führungen. 
Die Hinweise dazu erhielt ich nicht durch Einladungen per Newsletter, sondern auf Twitter - und wie leicht gehen Tweets ungesehen durch! Anhand der Tweets suchte ich mir die Ankündigungen dann auf der Website des Palazzo Grimani, um sie in den Kulturkalender meines Blogs einzutragen. Sie kamen mal extrem kurzfristig, mal gar nicht, mal funktierte die Website nicht, dann aber wieder doch - irgendwann merkte ich, dass man die Website 1 x öffnen, 1 x schließen, noch 1 x öffnen muss, um auf einer Programmankündigung zu landen. Man dankte mir für meinen Hinweis auf das Problem, korrigierte die Programmierung der Seite aber nicht. Kompetenz und Zuverlässigkeit in der Anwendung von Social Media mangelhaft. 



Insgesamt war und ist die öffentlichkeitswirksame Werbung aus meiner Sicht minimal und schlecht. Teilnehmer*innen dieser interessanten Angebote von hoher Qualität waren Bildungsbürger*innen, betagte venezianische Intellektuelle, die ihre Einladungen vermutlich über das Ateneo Veneto erhielten. Wunderbar, reicht aber natürlich nicht.

Im Laufe der Jahre wurden nicht nur inhaltliche Angebote nicht angemessen eingesetzt. Die Infrastruktur wurde ergänzt: der Kassenraum mit einem Bookshop ausgestattet - winzig. Es wurde eine wirklich coole Bar (quasi farblos!) eingerichtet (außerhalb des Eintrittskartenbereiches) - und nach ein paar Monaten sang- un klanglos wieder geschlossen. Noch heute pappt das Papier innen an den Glaswänden.
Es wurden Toiletten installiert, ein bisschen unter der Wasserebene, neben einem der beiden Wassertore - wer studieren möchte, wie eine Stadt im Wasser von unten aufgeweicht wird, gehe heute in diese Toiletten und sehe sich die Wände an.
Und sogar der banale Faktor der Lage des Museo Palazzo Grimani trug zum Misserfolg bei: das Gebäude steht mit 2 Seiten in Kanälen, mit 2 Seiten angebaut an Nachbarhäuser. Es gibt keine Fassade außer dem Landportal (und dem darüberliegenden 2stöckigen schmalen Stück Hauswand) zu dem eine schmale Sackgasse führt. Sie zweigt von der Ruga Giuffa ab und nichts könnte Passant*innen auf die Idee bringen, dass sich hinter diesem Portal ein enormer Palast von unerhörter Restaurierungsqualität versteckt. 

So ein Pech. Hier haben wir diesen herausragenden Palazzo, vielleicht die qualifizierteste Restaurierung in ganz Venedig. Darüber hinaus vielleicht der am authentischsten erhaltene Museumspalast in ganz Venedig, da man ihn, einmal leer gefleddert, nicht durch Ergänzungen in Form von Einbauten, nachträglicher Möblierung mit Stücken fremder Herkunft, nachträglicher Ausstattung mit Kunstwerken aus fremden Sammlungen etc. aufgepeppt hat. Wir wissen ja alle, dass das in allen anderen Palazzi der Fall ist (z. T. weil Ausstellungen eben ihr Nutzungszweck ist)  - Rezzonico, Pesaro, Mocenigo, Correr, Querini Stampalia und sogar Dogenpalast, um nur die bekanntesten und besuchtesten zu nennen. 
Dieses Haus ist pur. Aus Ruinen gerettet, wissenschaftlich restauriert, durch wenige antike Stücke aus der originalen archäologischen Sammlung der Familie Grimani in großer Zurückhaltung bereichert. Und durch ganz wenige zusätzliche Einzelstücke von besonderem historischen Wert wie der "Nuda" von Giorgione, die man von der Fassade des Fondaco dei Tedeschi rettete.
Mittlerweile ist auch die Restaurierung der 2. Etage, inklusive ihrem separaten Treppenhaus, weit vorangeschritten, während der Kunstbiennale 2015 wurden alle restaurierten Räume für die Ausstellung "Frontiers Reimagined" genutzt. Die Arbeit geht weiter.




Die Schließung des Palazzo bis auf Freitag und Samstag 14-19 Uhr galt seit 4 Wochen, dem 17. Oktober. Die gute Nachricht kommt jetzt: seit dem 7. November wurden die gekürzten Öffnungszeiten wieder zurück genommen



Dopo un breve periodo di chiusura, da oggi martedi 8/11 riapre al pubblico con un nuovo orario:

Montag geschlossen
Dienstag bis Samstag: 8:15-19:15 Uhr
Sonntag: 14-19 Uhr
Kasse schließt um 18:30 Uhr

Und es kommt noch eine gute Nachricht: ab dem 18.11., jeweils 16:30 Uhr, werden die kostenlosen Führungen an Freitagen wieder aufgenommen. Im Eintrittspreis enthalten, in italienischer Sprache von den hochqualifizierten Mitarbeiter*innen des Palazzo Grimani angeboten. 

Liebe Tourist*innen, liebe Leute mit Interesse und/oder Fachkenntnissen in Kunstgeschichte, Geschichte, Restaurationswesen, Archäologie, Architektur, liebe Profis, Wissenschaftler*innen und Venedig-Appassionati, da haben wir aber alle noch mal Glück gehabt. Und wissen jetzt, wohin uns unser nächster Besuch in Venedig unabdingbar und immer wieder führt. Wir und unser mangelndes Interesse können nicht noch mal als Ausrede dafür herhalten, dass uns die Tür zu einem unvergleichlichen Schatz vor der Nase zugeknallt wird. 





Ergänzung 13.5.2020
Ich habe einen Film der Oberen Behörde für Archäologie, Kunst und Landschaft gefunden mit Aufnahmen des Palazzo Grimani der Jahre 1969-1968. Ich verlinke ihn hier als eher ungewöhnliche Information. 
Der Zustand des Innenhofes in diesem Film erinnert mich sehr an den (spätgotischen, nicht römischen) Palazzo Donà Giovanelli, dessen Innenräume seit langer Zeit leerstehen und der Hof bis vor einigen Jahren einem Steinmetz als Werkstatt und Ausstellungsraum diente. Er hatte jedoch nicht das Glück, Museum zu werden sondern wurde zum Verkauf im Luxushotelsegment angeboten. Vom Gruppo Barletta gekauft, war die Eröffnung des Rosewood Venice für 2020 vorgesehen und auf 2022 verschoben.


.

4. November 2015

Biennale 2015 zum Letzten

"Country"
Vor Toresschluss in weniger als 3 Wochen habe ich noch ein paar Empfehlungen. Viele Nebenausstellungen sind schon zu, es ist gut zu prüfen, ob man aktuelle Pläne und Listen verwendet bei der Planung der Runden durch die Stadt. Ein paar Angebote sind weit vom Schuss, riskieren übersehen zu werden und sollen deshalb hier besonders empfohlen sein.


"Country"
Als erstes: Country, eine Nebenausstellung der Gervasuti Foundation, die jahrelang in dem schönen heruntergekommen Handwerkerhof am Ende der Via Garibaldi ausstellte. Sie hat eine neue ziemlich wilde Location am Ende der Fondamente Nove, im Bereich der Tankstelle links in der Calle lunga Santa. Catarina 4998. Die Ausstellung besteht aus mich sehr beeindruckenden ethnographischen Tondokumenten, Graphiken und persönlichen Gegenständen vor allem aus dem sozialen Umfeld von Frauen-Müttern-Großmüttern australischer Aborigines und berührt im rohen Umfeld dieser Räume umso mehr.


Santa Catarina "An Archeologist's Collection"
Direkt um die Ecke, in der ehemaligen Klosterkirche Santa Catarina, ist "An Archeologist's Collection" von Grisha Bruskin zu sehen. Im März hatte ich schon die Ausstellung "Alefbet" dieses Künstlers empfohlen. Die Kirche ist Teil einer Schule und seit langem außer Gebrauch, zeitweise waren hier Klassencontainer untergebracht, jetzt jedenfalls ist im stockdunklen Kirchenschiff eine historisch-politische Grabung installiert. Wieder einmal eine interessante Nutzung einer dekonsektrierten Kirche! Fondamenta Santa Catarina 4941.


"Food is God"
Noch ein paar Meter weiter, bis zur Fondamenta Zen 4924, im Palazzo Zen, wird als Nebenausstellung der Expo 2015 "Food is God" gezeigt. Es geht um Design von Speisetischen und -gedecken, ein Thema, das mich nicht im Mindesten interessiert. Aber einmal drin, konnte ich mich weder der Ästhetik der Exponate noch der Appetitlichkeit der dazugehörigen Filme entziehen. Nicht mein Thema, aber ein Rausch. Reines Glück, dass ich nicht hungrig war. Es sind außerdem schöne Werkzeuge der Lebensmittel- und Essensherstellung zu sehen, und die Sache ist eine tolle Übung für FotografInnen, extrem ästhetische unbewegliche Motive aufzunehmen.


"Food is God"
Diese 3 Ausstellungen erreicht man in wenigen Minuten von der Haltestelle Fondamente Nove. Ebenfalls von hier ist man schnell am Palazzo Pisani zwischen den Kirchen Miracoli und SS. Giovanni e Paolo, am Ponte delle Erbe. Im obersten Stock liegt (mit sehr schönen Rundblick auf die Nachbarschaft) der Pavillon von Kroatien "The Third Degree. Studies on Shivering". Die Ausstellung ist es wert, vier Etagen hochzuklettern, mit Installationen, Objekten, Filmen, Gedichten. Zum Beispiel:
Then
the picture was taken
where the mountain ridges
surround the resort
at the relaxed side
The picture was taken
of the red Sky
descending
One man said to another:
no gunfire is heard
it is hard to hear anything
the mountain is too high.
I keep the future in the freezer
preserved in the shape
of ice cubes
until the first hot day
I'll keep it there
No gunfire heard.
The sunset was great
The picture was taken
of an ice cube
melting

"The Third Degree. Studies on Shivering"
Vom Palazzo Pisani sind es nur 3 Brücken zum Campo Santa Maria Formosa und von dort nur 1 Brücke zum Palazzo Grimani, den ich jährlich mindestens einmal besuche und unermüdlich empfehle, und trotzdem bin ich immer allein in den wunderbar restaurierten Räumen des 1. Piano nobile. Die Restaurierung wurde seit der Eröffnung 2008 weiter vervollständigt, die wenigen mobilen Ausstellungsstücke (Antiken aus der Sammlung von Giovanni Grimani) werden schon mal umgestellt, aber es sind die prächtige Ausstattung des Palastes, die Marmorportale, die Wand- und Deckengestaltung, die Fußböden, die aus Schimmel und Verrottung gerettet und restauriert wurden und mich begeistern.
(Eintritt 4 €, durch den Bookshop und dann das großartigeTreppenhaus hinten links in die 1. Etage.)


Raumportale im 1. Piano nobile Palazzo Grimani
Ich wusste, dass die Arbeiten auch im 2. Piano nobile vor sich gingen, aber in diesem Jahr gibt es dort die erste Ausstellung, deshalb der Hinweis in diesem Blogeintrag. 

Die Ausstellung "Frontiers Reimagined" ist kostenlos und zu erreichen durch das Treppenhaus vorne links. Schon im Innenhof sind einige Gonginstallationen zu sehen, aber nicht zu hören. Die VenezianerInnen sind geduldig, aber bei den akustischen Begleiterscheinungen der Biennale hört regelmäßig der Spaß auf. Dafür gongt es lieblich und irgendwie interaktiv in der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Tagore Foundation sehr verschiedene spannende Exponate von Gegenwartskunst zeigt und außerdem den Blick schenkt auf die umgebenden Dächer. Und ausserdem wieder: phantastische Leistungen des Restaurierungsteams, vor allem wunderbare Deckenausschmückungen. Bisher erst 2 Flügel der Etage, die Arbeit an den beiden anderen Seiten lässt hoffen. 


Chun Kwang Young "Aggregation 15"
Wer das ehemalige Kloster San Gregorio noch nicht besuchen konnte (nur geöffnet zu seltenen Ausstellungsterminen), hat wieder einmal eine Chance, und ich empfehle, sie wahrzunehmen. Auch wegen der Ausstellung "Marni" die zwar einerseits Marketing für ein Modelabel betreibt, aber andererseits ganz witzig ist und zeigt, wie Kreativität auf einer einfachen, fröhlichen Ebene glücklich machen kann. Auch wegen des 'vorübergehenden' Restaurants "Gusto in Abbazia" das für die Dauer der Biennale hier eingerichtet wurde, im Eckzimmer zum Canal Grande und zur Salute hin. Ist nicht mein persönliches Budget, verleiht aber den bunten Farben der Ausstellung und ihrem begleitenden Meeresrauschen noch einen dritten Sinnesreiz: es duftet gut nach Essen. Und es ist allemal eine ungewöhnliche (und vielleicht nicht zu wiederholende) Lokalität und ein besonderer Rahmen, in Venedig zu speisen. 

Aber man sollte das ehemalige Kloster auch gesehen haben wegen seines schönen Kreuzgangs, wegen einiger schöner Restaurierungsdetails (und eines sehr überflüssigen - der Altana auf der Dachinnenseite, pffff!) und wegen des außergewöhnlichen Blickes auf die Salutekirche und die Mündung des Canal Grande.
Haltestelle Salute.


"Marni" Ex-Abbazia San Gregorio

Kleiner Exkurs in die Giardini, Zentralgebäude, in die "Arena". Wer einmal dort durchläuft (und es herrscht den ganzen Tag reger Durchgangsverkehr), und es passiert gerade nichts, könnte falsche Schlüsse ziehen. Es passiert hier nämlich sehr viel, nach einem festen Programm. Zu Beginn der Biennale lag es gedruckt aus, jetzt gibt nirgendwo mehr ein Blatt Papier. Das Programm steht im www. Auch das jeweilige Tagesprogramm (Datum auswählbar) kann man aufrufen. Weiter kann man  Informationen anklicken über die einzelnen Programmpunkte, deren Aufführungstermine mit Uhrzeiten, sehr wichtig. Als Beispiel hier der Link zu Worksongs, eine musikalische Performance mit 1-2 KünstlerInnen, die ich sehr empfehle, mehrfach gehört/gesehen. Das Werk ist bei jeder Aufführung das gleiche, wird aber durch die SEHR unterschiedlichen ausführenden KünstlerInnen zu jeweils neuen Kunsterlebnissen. Wenn man die Wahl hat, lohnt es sich, wegen dieser 40minütigen Veranstaltung den Besuch der Giardini auf DoFrSaSo zu legen. 


Lisa R. Harris singt "Work Song"


Die Informationen zum jeweiligen Tagesprogramm laufen auch auf einem Monitor im ersten runden Raum des Zentralgebäudes, links oben an der Wand.
Alle diese Veranstaltungen sind im Biennaleeintritt enthalten.



Eine kleine, herausragende Ausstellung möchte ich noch besonders empfehlen, die nichts mit der Biennale zu tun hat, aber auch am Stichtag 22.11. endet:
"GARDENAL" in der Fondazione Bevilacqua La Masa am Markusplatz. Ganz hinten links in der Ecke, wenn man mit dem Rücken zur Basilika S. Marco steht. Neuere abstrakte Werke des Künstlers Luigi Gardenal aus Mestre, die (in den Parterreräumen) von der Laguna Sud inspiriert sind, dessen Umgang mit Farbe umwerfend ist. Die Bilder in der oberen Etage berichten von den Asienreisen Cardenals, sie sind weniger venezianisch, aber nicht weniger beeindruckend. 
Eintritt frei.


Eines der kleinen Formate: Rosso Laguna, 2013
Luigi Gardenal

Wer noch nicht die obere Etage des Palazzo Loredan am Campo S. Stefano mit einer Führung besuchen konnte, hat jetzt die Möglichkeit, auch wenn leider nicht der große Saal in die Ausstellung von Portugal einbezogen ist. In den Bibliotheksräumen zeigt Joao Louro die sitespezifische Installation "I Will Be Your Mirror - Poems and Problems", die wunderbar - kontemplativ und beunruhigend zugleich - in ihr Umfeld passt. 
Der Titel bezieht sich auf ein Stück von Velvet Underground aus den 60er Jahren und es ist schade, dass es nirgends einen kleinen Monitor gibt, auf dem das Stück vorgestellt wird, deshalb hier bitte (auf die oberste Zeile klicken, um in die YouTube-Ansicht zu gelangen):






Die letzte Empfehlung für diese Biennale soll der Pavillon Azerbaijan im Palazzo Garzoni Mora sein. Meines Wissens zum ersten Mal findet eine Ausstellung unmittelbar nach einer großen Renovierung/Restaurierung statt, anstelle der üblichen Vermietung VOR den Renovierungsarbeiten (um nur 2 Bespiele zu nennen: Papadopoli und Soranzo van Axel). Hat sicher auch mit dem Marketing für den anstehenden Verkauf von 8 Apartments im Haus zu tun; zu sehen sind aber nur 2 Etagen der Wohnungen zum Canal Grande, ein kleiner Teil des Eingangsbereiches und eines der Nebentreppenhäuser (die Prachttreppe steht für die 10tausende Füsse der Biennalegäste nicht zur Verfügung). Die Renovierung scheint meiner Laienmeinung von unterschiedlicher Qualität zu sein, aber es sind schöne Balkendecken, Stuck, Freskos zu sehen und natürlich atemberaubende Ausblicke auf die nachbarlichen Dachgärten und den Canal Grande bis hin zu den derzeitigen Baustellen am Rialto. 


Laura Ford "Penguins"
Der Auftritt von Azerbaijan in Venedig ist wieder üppig, berichtet habe ich am 17.7. über "The Union of Fire and Water" im Palazzo Barbaro, nicht berichtet über "Beyond the Line" im kleinen Palazzo Lezze am Campo S. Stefano, wo 8 azerbaijanische Künstler ausstellen. Im Palazzo Garzoni finden sich unter dem Titel "Vita Vitale" 29 (!) internationale KünstlerInnen zusammen, unter ihnen auch 2 Frauen aus Azerbaijan. Verbindendes Thema ist die Umwelt, dazu arbeiten heute viele KünstlerInnen, während vor 20 Jahren für ein deutsches Projekt "Art d'Eco", an dem ich mitarbeitete, nur wenige Überzeugte zu finden waren. Das Publikum war damals hoch interessiert, der Markt und die Kritik rümpften noch die Nasen. Auf dieser erfreulich politischen Biennale gehören Umweltthemen zum Standard, nicht zu den Randerscheinungen. 
Auch nicht zu den Randerscheinungen gehört der Kauf eines Biennaleauftritts für EinzelkünstlerInnen über Galerien und KuratorInnen in Gruppenausstellungen und sogar Nationalpavillons. Es gab im Vorfeld einigen Ärger und Skandälchen und im laufenden Betrieb den Rückzug von einzelnen nationalen Auftritten und vorzeitige Schließungen; kritisiert werden (vor allem etablierte italienische) KuratorInnen wegen der Platzierung von (vor allem chinesischen) KünstlerInnen zum Zwecke der Erhöhung ihres Marktwertes in Asien; Namen von KuratorInnen, KünstlerInnen und betroffenen Nationen wurden in diesem Jahr z. T. offen genannt, bzw. man bekannte sich freimütig dazu

Hintergründe hin oder her - die Exponate im Palazzo Garzoni sind sowohl schlichten Geistes als auch witzig, dramatisch und interessant, die Ausstellung war und ist noch ein paar Tage ein Publikumsrenner. Obwohl man sich eine (großzügig ausgelegte) Mittagspause gönnt, die vielleicht schon manche/n BesucherIn vor verschlossener Tür in enger Gasse veranlasst hat, auf die Besichtigung zu verzichten.
Öffnungszeiten 10-13:30, 14-17:30 Uhr (letzter Einlass)
Haltestellen S. Samuele (Linie 2) und S. Angelo (Linie 1)


Stephanie Quayle "Jenga"


25. April 2015

Wunder Venedigs

Tribuna im Palazzo Grimani

Vor 10 Tagen wurde eine neue Website ins www gestellt, die ich herausragend finde. 



Geboten werden faszinierende Kamerafahrten durch einen Teil der Gebäude und Kunstsammlungen der Basilika S. Marco, Dogenpalast, Palazzo Grimani und Möglichkeiten, einzelne Kunstwerke genauer anzusehen. Geeignet sowohl als Vorbe-
reitung einer kunst- und geschichtsorientierten Venedigreise, als auch nachträglich die Dinge in Ruhe und im Detail anzusehen. Aber auch für alle, die die Warteschlangen dieses Sommers nicht durchstehen oder lange nach einem Venedigbesuch ihr Erlebnis noch einmal nachvollziehen möchten. 



Arch. Museo Correr
Jugendlicher; kleinasiatische Werkstatt 80-50 v. u. Z.
Stiftung von Iacopo Contarini 1714
Und: mit dem roten Button oben rechts kann die Seite bewertet werden, denn sie gehört zu den 28 Projekten, die im Rahmen von Europa Nostra, der Bürgerbewegung für das kulturelle Erbe Europas, in diesem Jahr online vorgestellt werden. Ein gutes Marketinginstrument, das BürgerInnen interessante Kulturerbe-
projekte vorstellt.


Die Bewertung ist ein bisschen umständlich: man MUSS 3 Projekte auswählen. Zunächst ein Projekt anklicken, dann auf der Seite nach unten scrollen und auf 'next vote' klicken, dann das nächste Projekt anklicken, wieder nach unten und 'next vote' anklicken, dann das Ganze ein drittes Mal, dann kann man 'complete' anklicken, es erscheint ein Fenster zur Angabe von Namen & Emailadresse (jeder darf nur 1 mal voten, insgesamt). Dann bekommt man ein Email, das man bestätigen muss. Damit ist der Wahlgang abgeschlossen und man kann erleichtert zum Rest des Tages übergehen. 

'La Nuda' von Giorgone
ehem. Außenwand Fondaco dei Tedeschi, jetzt Palazzo Grimani

Ergänzung 11.6.2015
Venedig ist unter den Preisträgern von Europa Nostra in der Sparte 'Research and Digitization.


.

31. August 2013

Es ist soweit - Fondaco dei Tedeschi

Fondaco dei Tedeschi eingerüstet, mit einer Spitzenbordüre der Morgensonne, Juli 2013*

Ende Juni sah ich im Vorbeifahren auf dem Canal Grande die Gerüste, die am Wassertor des Fondaco dei Tedeschi ange-
liefert wurden. Seit Mitte Juli ist das Gebäude eingerüstet. Dieser Anblick wird uns wohl einige Jahre erhalten bleiben (laut Plan 2017), und was uns dann überraschen wird... im Moment bin ich pessimistisch, dass sich die gemeinsamen Interessen des Käufers (Benetton Group), des Architekten (Rem Kolhaas/ Büro OMA) und der alten Eigentümerin (Stadt Venedig) doch durchsetzen.

Die 'Bauwelt' hat in der Ausgabe 19/2012 über diese Dreieinig-
keit geschrieben: United Colors im Fondaco. Eine von vielen kritischen Fachstimmen.


(Siehe auch Eintrag vom 5.1.2010 mit ein paar historischen Informationen und  zuletzt vom 22.12.2012 ).

August 2013, noch vor der Morgensonne*
Zum Glück hat der Nationalausschuss für Architektur im Mai die von ihm als ahistorisch bzw. antihistorisch definierten Vorschläge des Büros OMA gestoppt und die Ausführung verhindert
- Teilabriss des Daches für eine Dachterasse zum Canal G.
- zwei Rolltreppen im Innenhof
- Maueröffnungen zum Einbau neuer Eingänge
- Schwimmdock als Bar-Café auf dem Canal G.
Und es muss alternative Pläne geben, die statt dessen ge-
nehmigt wurden und bekannt sind. Ich weiss allerdings nichts darüber. Die künftige Nutzung wird in den Medien thematisiert, da das Gebäude mittlerweile dem Kaufhaus La Rinascente gehört, aber weiter verkauft werden soll (im Gespräch sind z. B. Galeries Lafayette). 


Giorgione, La Nuda, ursprünglich Fassade des  Fondaco dei Tedeschi

Immerhin sind wir nicht gezwungen, uns jah-
relang Werbebanner an der Fassade anzuseh-
en. Sein polarisierendes Marketing hat Benetton lange eingestellt, aber auch ein blauhaariges Model als späte Nach-
folgerin der "Nuda" von Giorgone, die gerettet und restauriert im Palazzo Grimani zu bewundern ist, wäre eine Zumutung als täglicher Anblick.




Mit dem Namen Benetton verbunden ist ein interessantes "collateral event" der Kunstbiennale, eine Ausstellung in der Fondazione Querini Stampalia die vor 3 Tagen eröffnet wurde: Imago Mundi.
Es ist das Ruhestandsprojekt des früheren Benetton-Chefs Luciano Benetton. Wir alle wissen, dass Benetton seinen Reichtum u. a. von Frauen und Kindern in Billigproduktions-
stätten der "3. Welt" erarbeiten lässt. Woran auch eine tolle Kulturstiftung nichts ändert, die Eliten fördert und die Rich-
tung der Umverteilung beibehält: von unten nach oben. Aber ich gönne auch einem alten Kapitalisten ein schönes Alters-
projekt, wenn das seiner persönlichen Selbstverwirklichung und Lebensvollendung  dient. Wenn er auch seine Wirkung überschätzt "Was nicht mit Geld erreicht werden kann, erreicht die Kunst..." (Interview).

Luciano Benetton hat damit nun doch das 'collateral event' geschaffen, das bei der Kunstbiennale 2011 scheiterte und ich bin sehr gespannt, mir die Ausstellung im Herbst anzusehen.

WWD 29.8.2013 Luciano Benetton's Art Projekt


Die Stadt Venedig hat übrigens soeben eine neue Liste von Immobilien veröffentlicht, die zum Verkauf stehen:
http://www.comune.venezia.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/66700
Im Vergleich zum Fondaco dei Tedeschi oder Ca'Corner della Regina, 2012 verkauft an Prada, oder den Verkauf des halben Lido an die EstCapital eher bescheidenere Objekte.


*Die Fotos der Rialtobrücke mit dem Fondaco dei tedeschi im Hintergrund habe ich geklaut von der Webcam am Rathaus der Stadt Venedig. Hier kann man alle Webcams aufrufen. Sie werden ca. stündlich auf der kommunalen Website aktualisiert.



Siehe auch Eintrag vom 21.8.2016 


.

10. Juni 2012

Termine 2012/5 - mehr Kultur im Sommer 2012 in Venedig

'Paliotto' in der Sakristei der S. M. Assunta in Malamocco

Damit die beiden Einträge zu Kulturterminen vom Jahresanfang ( Musik, Theater, Ausstellungen  und Traditionelle & religiöse Feste), mehrfach ergänzt, nicht ganz überschwappen, gibt es eine sommerliche Auffrischung, bunt gemischt.

Die Festa Sant'Antonio findet in der aktuellen Woche bis 16.6. statt, rund um San Francesco della Vigna, mit täglichem Programm. Vaporettohaltestelle Celestia, deshalb leicht zu erreichen, auch wenn es in der allerletzten Ecke von Venedig zu sein scheint.

Programn der Festa S. Pietro di Castello 24.6. - 1.7.

Das Madonnenfest in Malamocco findet am 2. Wochenende im Juli statt, siehe dazu auch den Malamocco-Eintrag  vom August 2011. Ich war kürzlich wieder in Malamocco und wurde eigens darauf hingewiesen und eingeladen. Die Dorfbewohner sind stolz auf ihr Fest, und es gibt die seltene Gelegenheit, in der Sakristei die dort aufbewahrte Holzpala von Anfang 1400 zu bewundern. Der "Paliotto" von Paolo delle Masegne zeigt die Assunta umgeben von 12 Heiligen (auch meine Nachfrage: Heilige, nicht Apostel) und den segnenden Christus.Er soll eines der herausragenden Kunstwerke dieser Zeit des ganzen Veneto sein.
Die in der Prozession präsentierte Madonna wird nur für diese Gelegenheit angezogen und aufgebrezelt, normalerweise ist sie eine schlichte bunt bemalte Holzstatue am ersten Altar rechts wenn man in die Kirche kommt.

Ausstellungen, die noch bis in den Juli laufen:

Casa dei Tre Oci
Die Casa dei Tre Oci auf der Giudec-
ca, vor einem Jahr im Herbst wieder eröffnet, ist ein span-
nendes Gebäude mit optischen Bezügen zum Dogenpalast gegenüber, wohlduftend nach frischem Holz durch Parkett in allen Räumen und einem sehr schönen Holztreppenhaus, mit insgesamt gelungener Renovierung  und einem rasanten Blick auf das Bacino/die Dogana/das ganze Gebäudeensemble um den Dogenpalast herum. Die aktuelle Fotoausstellung mit ausschließlich Werken von Elliot Erwitt gefällt mir sehr gut, z. T. sehr witzig, ist aber NICHT kostenlos, sondern der Eintritt beträgt 8 €. Ist aber in Ordnung aus meiner Sicht, da die Neugier auf das Haus mit befriedigt wird und der fotogene Blick über das Bacino im Preis enthalten ist.

Im Museo Palazzo Fortuny laufen noch die beiden Ausstellungen des Frühlings. Die Wachsportraitsausstellung fand ich sehr beeindruckend, auch die ausliegenden Bücher zum Thema, die man nicht übersehen sollte. Die Ausstellung der Modewerke von Diana Vreeland, eigentlich nicht mein Ding, war dann aber doch nicht ohne, vor allem die alten Originale von Designern und Kostümbildnern der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (ein wildes 'Kopfkleid' von Jean Cocteau!).
Derzeit wird das Dachgeschoß umgebaut, ich bin gespannt, und nach einer 3monatigen Ausstellung im Herbst ist ab Dezember die Wagner-Fortuny-Ausstellung an der Reihe.

Aktuelle Ausstellungen der Guggenheim Foundation bis Mitte September.

Die Ausstellungen der Pinault-Foundation im Palazzo Grassi und in der Dogana (laufen 2 Jahre jeweils von Biennale zu Biennale) habe ich mir jetzt beide wieder angesehen, eigentlich vor allem wegen der Einzelausstellung von Urs Fischer im Palazzo Grassi. Und fand wieder höchst ärgerlich, bei Pinault den Status quo des weltweiten KunstMARKTES zu erleben, nicht mehr. Die hier vorgeführte Reduzierung der Bedeutung von Kunst auf ihren Marktwert ist mir unappetitlich, in beiden Häusern, und das ahnungslose, arrogante aber elegante Personal geht mir auf den Zeiger. Keine Empfehlung von meiner Seite.

Wachsportraits im Palazzo Fortuny
Im Museo Correr gibt es die Ausstellung zur Geschichte der Insel San Michele (vor ihrer Umwidmung zur Friedhofsinsel). Ich hätte sie gerne gesehen, auch, weil es um den bisherigen und weiter geplanten Ausbau des venezianischen Friedhofs durch David Chipperfield geht, aber die Schlange stand bis zum ersten Treppenabsatz herunter (!) und so eine vollgestopfte Ausstellung tue ich mir nicht an. Es mag daran gelegen haben, dass es der 2. Juni und ein Feiertag war.

Zusätzliche Konzertprogramme des Sommers

Monteverdi und Vivaldi Festival 2012 (Konzerteintritt 20,- bzw. 10,- für Studierende)
2. Orgelfestival Gaetano Callido, 2012 (kostenlos), in der Kirche der Carmini, in S. Trovaso und in Sant'Elena (das ist nun wirklich ganz weit draußen...)
Konzerte des Konservatoriums Marcello Achtung! bei den Konzerten 12.,15., 19. und 27.6. wird vor der Veranstaltung eine Führung durch den berühmten Palazzo Pisani angeboten, in dem sich das Konservatorium befindet. Eine seltene Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte. (Konzerteintritt: 20,- bzw. 5,- für Studierende)

Keinesfalls verpassen: die 2. Artnight am 23.6.! Die erste Artnight 2011 war wunderbar, ich habe es sehr genossen, die lange helle Mittsommernacht von Angebot zu Angebot, offener Tür zu Kunstevent durch ganz Venedig zu wandern.



Ergänzungen

15.06: Sportlich-kulturelle Sommerangebote auf dem Lido und auf Pellestrina Juni-September Lidi in Festa 2012 (Programm zum Herunterladen)

29.06: Neue Sommeröffnung des Palazzo Ca'Corner della Regina! Das Haus wurde im letzten Winter von der Fondazione Prada gekauft. Die Sommerausstellung 2011 war die erste und endete Anfang Oktober. Die diesjährige Ausstellung läuft vom 6.7. bis 25.11. Nach der Erfahrung 2011 empfehle ich den Besuch sehr.

30.06.: die kaiserlichen Sääle im Museo Correr (sprich die Kaiserin-Sissi-Räume) werden nach langer Renovierung wieder eröffnet, am 10. Juli

04.07: Palazzo Grimani - Ausstellung ab 13. Juli aus dem Archiv des venezianischen Circolo Fotografico La Gondola.

10.07: Venezia Jazz Festival 2012 30.7.-3.8. Ärgerlich: Gilberto Gil in einer venezianischen Sommernacht im Fenice, festgetackert auf einem der kleinen Stühlchen statt hüftenschwingend auf einem Campo open air! Das ist eine unverständlich dämliche Idee des Tourveranstalters.

20.07.-05.08: Venice Sherwood Festival im Parco San Giuliano auf der Mestre-Seite der Ponte della Libertà

28.07.: Musikalischer abendlicher Bootsausflug auf dem Canal Grande "Serata a Remi" (Ruderabend) ab 10:30 Uhr, Campo S. Vio (zwischen Accademia und Guggenheim)
Plan der Begleitung zu Fuß für NichtruderInnen bitte anklicken unter "View map of programmed stops"

29.08.-29.11.: Ausstellung Carlo Scarpa - Venini 1932-1947,  Fondazione Cini auf der Insel S. Giorgio Maggiore.

.

15. Mai 2012

Canaletto im Palazzo Grimani

Der Palazzo Grimani zeigt derzeit bis zum 1. Juli eine sehr schöne Ausstellung,  Canaletto
'Il Quaderno Veneziano'


Basierend auf dem "vene-
zianischen Heft", seinem Skizzenbuch, und beein-
druckenden Beispielen für die Ausar-
beitung der Skizzen bis hin zu den endgültigen großen Gemälden. 
Die wurden aus diversen internationalen Museen und Privatsammlungen herbeigeschafft und es ist eine wirkliche Freude, in Venedig viele und differenzierte Werke Canalettos zu sehen. 
Meines Wissens gibt es normalerweise nur drei in seiner Stadt - zwei in der Ca' Rezzonico und eines im Museo Correr, und man muss auch immer damit rechnen, dass sie auf Reisen und nicht zu sehen sind.

Es gibt eine Camera obscura zum Ausprobieren (außerhalb der abgedunkelten Ausstellungen, in einem hellen Raum des Palazzo Grimani) und mehrere zum Ansehen aus seinem persönlichen Gebrauch.

Detail der Deckenbemalung im Apollo-Raum

Außerdem eine sehr interessante Dokumentation über die Perspektiven der Skizzen zu den Gebäuden entlang des Canal Grande.
(Leider keine Photos aus der abgedunkelten Ausstellung und keine Erlaubnis des Verlages erhalten, Seiten aus dem Skizzenbuch Canalettos/Ausstellungskatalog hier zu reproduzieren.)

Die Ausstellung ist übersichtlich, will heißen weder riesig noch überladen. Was angenehm ist nach den drei parallelen Ausstellungen im letzten Sommer/Herbst, die den ganzen piano nobile des Palazzo gut ausfüllten. Bis auf den Apollo-Raum und den Raum mit dem Hieronymus-Bosch-Triptychon war alles vollgepackt.
 
Marmorportal
Die Canaletto-Ausstellung erstreckt sich auf den großen Saal im piano nobile und die Räume links und rechts der Treppe, die hinauf führt. 

Alle anderen Räume des Palazzo sind im Normal-
zustand, d. h. leer bis auf wenige Skulpturen, weshalb Fresken und Wandmalereien, marmorne Portale, Kamine und Fußböden besonders eingehend und ohne zuviel Drumherum bewundert werden können. 


Man sollte nach dem Besuch der Canaletto-Ausstellung deshalb unbedingt die Runde durch die ganze Etage machen und sich nicht von den leeren Räumen irritieren lassen. 
Die Restauration dieser ehemals völlig verrotteten Räume ist eine bewunderswerte Leistung, die mich bei jedem neuen Besuch einfach hinreißt.


Kassettendecke