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19. September 2020

Ruth Bader Ginsburg



Ruth Bader Ginsburg starb heute Nacht. Ein unendlicher Verlust nicht nur für die U.S. und deren gefährdete Demokratie und Justiz. Für mich ist sie nicht nur die herausragende Richterin des Supreme Court und Verfechterin der Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch eine Ikone des trotz körperlicher Einbußen ungebrochenen Alterns.

Die Verbindung Ruth Bader Ginsburgs nach Venedig führt über die Erinnerung an die Gründung des Ghettos von Venedig 1516, wo sie bei der Aufführung des "Kaufmann von Venedig" die Rolle des Richters übernahm. Hier ein Foto aus der Scuola Grande di San Rocco, gefunden auf dem Twitter von Luisella Romeo.


Auf dem YouTube Kanal der U.S. Library of Congress ist die venezianische Inszenierung als Lesung zu sehen. Ruth Bader Ginsburg, Richterin des Supreme Court in der Rolle des Richters bei Shakespare.


"Justice for Shylock: 





Ergänzung 24.9.
ytali. veröffentlichte am 22.9. einen sehr lesenswerten Bericht, eine Hommage an RBG:

Die Recherche nach der RAI-Dokumentation von Felice Cappa "Perché Shylock" brachte folgendes Ergebenis: 
"Shakespeare in and Beyond the Ghetto" mit mehreren weiterführungen Links (wenn auch nicht die gesuchte Doku).


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27. Dezember 2016

Neue Stolpersteine in Venedig

Weg der Stolpersteinaktion am 20.1.2017

Ein Termin für eine Kunstaktion, die die Gliederung meines Kulturkalenders für Venedig sprengt: 


20.1.2017, ab 9:30 Uhr 
auf dem Campo S. Aponal vor dem Haus San Polo 1154 


Auf einem Zug durch die Sestieri San Polo, San Marco, Castello und Cannaregio zum Ghetto werden im Projekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig insgesamt 24 neue Stolpersteine gelegt. Jeder Stolperstein erinnert an ein Opfer des Nationalsozialismus. 
Die Stadt Venedig, das Deutsche Studienzentrum Venedig, die Jüdische Gemeinde Venedig, das Venezianische Institut der Geschichte des Widerstands und das venezianische Büro des Europarats laden Venezianer*innen und Besucher*innen ein, an dieser Manifestation teilzunehmen. Sich zu beteiligen ist aus meiner Sicht mehr als eine Kunstperformance zu beobachten, es ist auch ein persönlicher feierlicher Akt der Erinnerung, der Trauer und des Respekts.

Ich habe bisher 2mal über das Projekt berichtet: 
4.1.2015 Wo denn genau?
6.1.2014 Stolpersteine in Venedig

Auf der Webseite des Istituto veneziano per la storia della Resistenza e della società contemporana IVESER findet man weitere Orte, Projekte und Führungen zur Erinnerung an die Geschichte des italienischen Widerstands gegen den Faschismus und auch einen Plan aller "Luoghi de memoria", Orte der Erinnerung. Außerdem eine Bibliothek und ein Archiv, die man besuchen kann.

Hier noch einmal der Weg und die Adressen des 20.1. im Detail auf Google Maps, veröffentlicht von IVESER.


Wikipedia-Eintrag zu den Stolpersteinen in Venedig und der Lagune.

Campo del Ghetto



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9. August 2016

Jetzt aber! Venedig, die Juden und Europa im Dogenpalast

Aufteilung eines Wohnhauses im Ghetto Nuovo
Alles im grünen Bereich am Dogenpalast bei der Öffnung um 8:30 Uhr am 2.8., ich hoffe weiterhin auf erfolgreiche Vertragsverhandlungen für die MuseumsmitarbeiterInnen, bin aber selbst zu doof, mir auf Anhieb ein korrektes Ticket zu kaufen.  Die Preispolitik ist ein bisschen unübersichtlich und wird deshalb kurz erklärt:

Im 19 €-Ticket (voller Preis) für die "Museen der Piazza San Marco", also Dogenpalast und Museum Correr (in dessen Rundgang das Archäologische Museum und die Monumentalsääle der Biblioteca Marciana inbegriffen sind) sind KEINE Sonderausstellungen enthalten. Gleichzeitig mit dem 19 €-Ticket gekauft, kommt man zum Spottpreis von zusätzlichen 2 € in die Sonderausstellung "Venedig, die Juden und Europa". Separat gekauft, zahlt man für die Sonderausstellung 12 €, aber ich vermute, dass man für diese 12 € auch den regulären Rundgang durch den Dogenpalast absolvieren kann. 

Davon werden BesucherInnen, die 'Venedig, die Juden und Europa' komplett und konzentriert absolviert haben, allerdings kaum Gebrauch machen. Steh- und Aufnahmevermögen sind nach der Ausstellung am Ende und müssen erst ein paar Stündchen restauriert werden.

Ich war vergleichsweise gut auf das Thema vorbereitet durch mehrere Bücher, Internetrecherchen, einen Blogeintrag zum Ghetto und einen weiteren zur Werbung für diese Ausstellung sowie einige Besuche im Ghetto und im Sestiere Cannaregio insgesamt und wurde trotzdem überrascht durch viele neue Informationen. 


Giuseppe Paolini (1609
Plan für die Mülleinsammlung im Ghetto Nuovo
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut - in die Zeit vor dem Ghetto; die Gründung und Erweiterungen des historischen, dreiteiligen Ghettos im Zusammenhang mit den Zuwanderungswellen von Juden aus Nord-, West- und Osteuropa; die Entwicklung der religiösen, intellektuellen und wirtschaftlichen Multikultur der jüdischen Bevölkerung Venedigs; die Auflösung des Ghettos im 18./19. JH und seine Geschichte im 20. JH - und beschränkt sich jeweils auf wenige Details, sozusagen als Beispiele für die Vielfalt jüdisch-venezianischer Kultur in ihrer langen Existenzdauer von 500 Jahren. Trotz oder besser wegen der Beispielhaftigkeit der Themen in den 11 Ausstellungsräumen schürfen die Darstellungen und ihre Begleittexte, Videos, ausgestellten Dokumente, Objekte und Kunstwerke ziemlich tief und entsprechend kann der/die interessierte BesucherIn einsteigen.

Die Ausstellung profitiert natürlich wieder von den Ressourcen der Archive, Bibliotheken und Museen in Venedig wie im letzten Jahr die Ausstellung "Wasser und Nahrung in Venedig" (die weiterhin herausragt und auch jetzt nicht übertroffen wird). Es sind einige Kunstwerke dabei, die man nicht zum ersten Mal bewundern darf, wie z. B. der wunderbare De Barbari-Plan von 1500, der asketische Doge Leonardo Loredan von Carpaccio mit Insel S. Giorgio Maggiore und seinem Zypressenkloster im Hintergrund; aber auch Leihgaben z. B. der Pinacoteca di Brera oder dem Louvre.

Im Nachhinein wundere ich mich, wie viel von all dem Angelesenen der letzten Monate NICHT in der Ausstellung vorkommt, und wie viel ich trotz Vorwissens neu erfahren oder besser verstanden habe. Trotzdem hinterlässt die Ausstellung bei mir das Gefühl einer Ansammlung von Einzelteilen. Jeder Themenbereich ist für sich hochinteressant, aber die Verknüpfungen liegen nicht unbedingt auf der Hand. Die Mosaiksteine, die das Ausstellungskonzept anbietet, müssen ergänzt werden vor allem durch den Besuch des realen Ghettos in Cannaregio. Dort liegen im Jüdischen Museum und seinem Buchladen, in der Führung durch die Synagogen, in der Galerie der Künstlerin Michal Meron, in den Gassen mit Antiquariaten und dem Schuhmacher, in kosheren Lokalen und in Form von Stolpersteinen Verknüpfungen bereit. Wer sich durch die Ausstellung im Dogenpalast gearbeitet hat, muss diese Erfahrung komplettieren, sonst klappt das Mosaik im Kopf nicht. Umgekehrt natürlich auch: wer das Ghetto besucht, sollte das Angebot der Ausstellung bis zum 13.11. unbedingt nutzen. 


Venezianische Gold-Leder-Tapete, Ende 16./Anf. 17. JH
Genau das sagt dann auch das kleine Begleitbuch, das ich für 14 € im Museumsladen gekauft habe:
"Because the exhibition also addresses the present and the future, it can be seen as an initial survey of the contents of the nascent Jewish Museum (Museo Ebraico) in the Campo di Ghetto. The museum already houses objects, documents, and precious books, but needs to be extended, while the itinerary requires radical redesigning. At the same time the museum has been conceived its visitors to go out and see firsthand the places featured. This approach is based on the theory that the city cannot and must not be "museumified" but, on the contrary, the prime objective of an exhibition like this one, and of the "museum of the city" in general, is to intrigue and stimulate visitors to learn all about the narrated stories by physically exploring the sites and monuments."  
Donatella Calabi, S. 22 f. 
  
Womit ich beim Thema Ausstellungskatalog bin. Immerhin gibt es das hier zitierte Begleitbüchlein, zwar nicht ganz billig für 14 € (144 S., 67 S. meist farbige und meist ganzseitige Abbildungen, 10 Textbeiträge verschiedener AutorInnen), auch in englischer Sprache und erreicht damit endlich mal auch Interessierte, die nicht italienisch sprechen. Soweit löblich und besucherfreundlich.
Der eigentliche Katalog von 536 S. allerdings ist eine Schwarte (pardon, ein Coffee table book), deren Inhalte - wissenschaftliche Aufsätze zur Ausstellung und ziemlich vollständige Abbildung der Exponate, sowie 28 S. Bibliographie - sehr beeindrucken, aber nicht die Buchproduktion. Das Papier ist enorm dick und schwer, die Zeilenabstände meist lächerlich groß, das gebundene Werk ist volumen- und gewichtsmäßig kaum noch transportabel. Mit entsprechendem Material und Layout hätte man die Hälfte, auch bei der Preisgestaltung, einsparen können und das Buch nähme einen annehmbareren Platz in der Bibliothek ein. Den Band gibt es jetzt auf italienisch für 70 € im Museumsshop, ab September auch auf englisch. Er liegt in der Ausstellung auf einer Couch aus, also Gelegenheit, ihn in bequemer Stellung zu prüfen.

Giovanni Andrea dalle Piane (1679-1759)
Vollmond am Sabbath im Ghetto


Ausstellungsbroschüre (4 Seiten PDF)

Der Tagesspiegel 4.9.2016 "500 Jahre Ghetto in Venedig. Die Serenissima und die Juden"




Nachtrag 26.10.2016

In einem längeren Mail vom 24.10.17 hat Wolfgang Wagner sich neben anderen Themen zur Ausstellung geäußert. Mit seiner Erlaubnis (und herzlichem Dank) füge ich seine kurze, aber deutliche Kritik hier ein: 

Vielleicht interessiert Sie noch mein Urteil zur Ausstellung im Dogenpalast. Die Ausstellung zum Ghetto und zu den Juden in Europa fand ich sehr enttäuschend: Einerseits einige aufwändige, gut gemachte und informative interaktive Installationen, zu denen aber jede historische oder soziale Einordnung fehlte, dazu eine unerläuterte Sammlung von Büchern, Dokumenten und Bildern. Keine Gesamtübersicht, keine Hintergrundinformationen (wenn ich nichts übersehen habe). Also: schlecht kuratiert. Da war Ihr Beitrag zum Ghetto wesentlich informativer.


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18. Juni 2016

"Venedig, die Juden und Europa" im Dogenpalast

Vittore Carpaccio 'Predigt des Hl. Stefano', Quelle: Einladungskarte MUVE

Morgen wird die große Ausstellung des 2. Halbjahres 2016 im Dogenpalast eröffnet:




Eine Ausstellung, die man keinesfalls auslassen sollte, wenn man in den nächsten 5 Monaten nach Venedig kommt. Ich empfehle sie wärmstens, ohne sie bisher selbst gesehen zu haben. Denn sie ist wieder ein Werk von Donatella Calabi, die bereits mit der wissenschaftlichen Koordinatorin und Direktorin der 12 städitischen Museen Venedigs, Gabriella Belli, die wunderbare Ausstellung 2015 "Acqua e Cibo a Venezia" im Dogenapartment kuratiert hat.

Donatella Calabi ist ehemalige Lehrstuhlinhaberin für Stadtbau-
geschichte der Universität IUAV, hat an weiteren europäischen Hochschulen unterrichtet und hat zuletzt im März 2016 "Il ghetto di Venezia, 500 anni del recinto degli ebrei" veröffentlicht. TV5Monde stellte das Buch mit einem Interview der Autorin vor. 


Das Deutsche Studienzentrum in Venedig stellt ebenfalls das Buch und die Autorin in einer öffentlichen Lesung am 27.6. um 18 Uhr im Palazzo Barbarigo della Terrazza vor. Haltestelle S. Tomà.

Librairie Mollat, die große alte Buchhandlung in Bordeaux, hat einen sehenswerten kleinen Film veröffentlicht, in dem Donatella Calabi auf französisch durch das venezianische Ghetto führt. (Besser zu verstehen als die englischsprachigen Führungen im Ghetto, denen man sprachlich leider kaum folgen kann - sorry, muss so gesagt werden. Bei der italienischen Betonung englischer Wörter hat man als Nicht-MuttersprachlerIn des Englischen oder Italienischen kaum eine Chance.)





Italia Art Magazin hat heute eine erste Besprechung der Ausstellung veröffentlicht. Weitere Links zu Besprechungen werde ich hier anfügen.

19.6.: Deutschlandfunk Venedig, die Juden und Europa

19.6.: Lettera Artribune Venezia gli ebrei e l'Europa 1516-2016 

19.6.: ArtDaily "Venice, Jews and Europe 1516-2016" open at Doge's palace at Venice

24.6.: Tablet "Celebrating 500 Years of Jewish History in a Venetian Palace"

26.6.: Eintrag zur Ausstellung in "Venipedia". Eine Version in engl. Sprache soll folgen.

29.9.: Bauwelt "Zwei Quadratmeter pro Kopf"

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Öffnungszeiten, Preise etc. im Link oben; bitte die Sonderöffnungszeiten während des Sommers nicht übersehen (Frei-Sa-So bis 23 Uhr) und bei Gelegenheit auch den freien Museumseintritt am 1. Sonntag jeden Monats nutzen.


Siehe auch Eintrag vom 23.2. zu 500 Jahren Ghetto in Venedig



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23. Februar 2016

29.3.1516 - Ghetto in Venedig



Campo del Ghetto Novo

Per Verordnung des Dogen Leonardo Loredan vom 29.3.1516 wurde der künftige Lebensraum der venezianischen Juden auf einer Insel festgelegt, auf der bis dahin ein Dutzend Kupfer- und Eisengießereien gearbeitet hatten. Das Wort 'Ghetto' erhielt für alle Zeiten eine neue Bedeutung.

"Alle Juden müssen zusammen innerhalb der Hofnachbarschaft der Gießereien in der Pfarrgemeinde San Gerolamo leben; damit sie nachts nicht herumstreunen können, werden an den beiden kleinen Brücken am Rand der alten Gießerei (ghetto vecchio) und der neuen Gießerei (ghetto novo) Tore angebracht, die morgens mit dem Geläut der Marangona geöffnet und um Mitternacht verschlossen werden müssen. Vier christliche Aufseher, die von der Regierung bestimmt und von den Juden bezahlt werden gemäß einem von uns festgelegten Preis, haben diese Tore zu bewachen."

Die Eingrenzung wurde vervollständigt durch zwei hohe Mauern. Wassertore, Türen und Fenster nach außen wurden verschlossen und vermauert. Die Bewachung galt rund um die Uhr, die Juden trugen auch die Kosten von zwei Booten, die ununterbrochen auf den Kanälen rund um die Insel Ghetto kreisten. Schwere Strafen erwarteten Juden, die nachts außerhalb des Ghettos angetroffen wurden. 

Diese Verordnung, zusammen mit regelmäßig neu verhandelten Aufenthaltsgarantien in der Stadt, den Pflichten und Rechten, den Verboten und Freiheiten der Juden und Jüdinnen und der dafür zu entrichtenden Zahlungen war die größte Rechtssicherheit, die Juden in Europa im 16. JH hatten. In Köln beispielsweise war die alte und große Judengemeinde regelmäßig Progromen ausgesetzt und wurde 1424 endgültig ausgewiesen. Erst im 19. JH siedelten sich wieder Juden (wohlgemerkt in Deutz!) an. In Venedig lebte die jüdische Bevölkerung quasi hinter Schloss und Riegel, aber auf Basis von Verträgen. Die waren erpresserisch und ausbeuterisch, aber sie boten Gewähr und Sicherheiten, die Juden in Europa an keinem anderen Ort fanden.


Ghetto novo
500 Jahre Ghetto in Venedig, dieser Fixpunkt jüdischer Geschichte in Europa wird in diesem Jahr begangen. Seit November 2014 wurden Mittel für die Restaurierung der Synagogen und die Neugestaltung des Jüdischen Museums im Ghetto gesammelt.

Über das ganze Jahr 2016 gibt es Kulturangebote des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit jüdisch-venezianischer Geschichte. 

Weitere Programmpunkte (Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte...) sind in Planung bzw. Vorbereitung, Termine werden hier im Laufe des Jahres folgend ergänzt.


In der Schola Spagnola

26.2.:
Universität Ca' Foscari 1./2.3. Internationale Tagung The Ghetto Reconsidered. Minority and Ethnic Quarters in Texts and Images. Programm.

Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Venedig 1.3., 22.3., 12.4., 26.4. jeweils 17 Uhr: Niggun, canto, Kantate. Begegnungen zum Thema musikalische Beziehungen zwischen jüdischer und christlichlicher Welt 12.-19. JH. Ort: Ev.-L. Kirche Sant'Angelo Custode am Campo Santi Apostoli. Haltestelle Ca' d'Oro oder Fondamente Nove. 

29.2.:

3.4.:
Eröffnung der Ausstellung naiver Malerei "Das Ghetto von Venedig: 500 Jahre Geschichte und Alltag" der Künstlerin Michal Meron, die im Ghetto und in Israel lebt. Die Künstlerin ist oft in der Ausstellung anwesend und spricht deutsch. Wer Kindern das Leben im historischen Ghetto näher bringen will, ist hier richtig, durch die vitale und fröhliche Atmosphäre der Kunstwerke. Der Katalog liegt in 4 Sprachen für 10 € vor, ist umfassend und auch ein originelles Geschenk/Mitbringsel aus Venedig.

7.4.-6.7. Wien, Winterpalais Ausstellung "Treasures of the Jewisch Ghetto of Venice restaured by Venetian Heritage"

26.5.-25.9. "Divided Waters" Ausstellung zur Erinnerung an den 500. Jahrestages des Jüdischen Ghetto Venedig im Palazzo Fontana (Details zum Palazzo Fontana siehe Eintrag vom 21.6.2015). Ich habe die Ausstellung besucht, sie besteht aus wenigen beeindruckenden zeitgenössischen Exponaten und Sakralgegenständen in 3 Räumen. Eine Künstlerin und und 2 Kuratoren waren anwesend und sehr interessiert an Gesprächen mit Besucherinnen. Siehe auch FB-Seite des Veranstalters OTT (Citizens of the Text). Haltestelle Ca' d'Oro.


19.6.-13.11. Dogenpalast Ausstellung Venedig, die Juden und Europa
Siehe dazu auch den neuen Eintrag vom 18.6. Ausstellungseröffnung 'Venedig, die Juden und Europa'

ab 1.7. Neue Führung "Kultur und koshere Leckereien": Besuch des Ghettomuseums, der Roten Bank, der Synagogen auf einem Gang durch das Ghetto mit abschließender Mahlzeit, sprich Verkostung kosherer Leckereien im Ristorante Ghimel Garden. Dauer 3,5 Stunden, Preis 55 €/Erw., 35 € Kinder unter 12. In engl. und ital. Sprache. Anmeldung erforderlich, die Tour findet zum jeweils genannten Termin statt ab 5 angemeldeten TeilnehmerInnen. Anmeldung bis Freitag vor dem angebotenen Termin.

Hier ein kurzer beeindruckender Blick in die Synagogen:






10.7.  19:30 Uhr Universität IUAV: Ein Ghetto in Venedig 1516. Das erste? Das letzte? Vortrag von Umberto Fortis und Dario Calimani in ital. Sprache. Ort: Cotonificio, Nr. 6 auf dem Plan, Aula Gradoni 2. Etage. Haltestelle S. Basilio. Eintritt frei. 

12.7.  9:30-18 Uhr Universität Ca' Foscari- Princeton University - Ghetto 500  "The Ghetto as Global Metaphor" internationales Symposium. Ca' Dolfin, Aula Magna Silvio Trentin. Teilnahme frei, Anmeldung erforderlich. Haltestelle S. Tomà, Zattere und Accademia
Dazu ein Bericht:
5.8. Blog 'seductivevenice': Global Metaphor


25.7. 19 Uhr "Notes from the Ghetto" Konzert zum Erinnerung der Gründung des jüdischen Ghettos vor 500 Jahren. Insel San Servolo, Auditorium der Internationalen Universität. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter 041 2719545. Linie 20, Haltestelle S. Servolo.


26.8.-8.1.2017 Fotoausstellungen René Burri. Utopia/Ferdinando Scianna. Il Ghetto di Venezia 500 anni dopo in der Casa Tre Oci. Mehr dazu. Mehr dazu.
Haltestelle Zitelle.

28.7. 15:00-18:30 Uhr Biblioteca Marciana: Venedig und das jüdische Buch. Symposion internationaler Expertinnen in englischer Sprache. Eintritt, auch für Gäste, frei. Bibliothekseingang an der Piazzetta 13A.

21.10. 20:00 Uhr Scuola Grande di San Rocco:  "Voci dal Ghetto - I 500 anni del Ghetto di Venezia" Stimmen aus dem Ghetto - Konzert des Ex Novo Ensembles mit Werken von Meyerbee, Krejn, Golijov. Haltestelle S. Tomà.

9.11. Fondazione Cini auf S. Giorgio Maggiore: Abschlusskonzert des 2tägigen Chorchoachings zu weiblicher jüdischer Sakralmusik in Italien 1600-1630. Detailinformationen folgen. 

12./13.12. Fondazione Ugo e Olga Levi: "Affrancati del Ghetto". Internationale Tagung 'Befreite aus dem Ghetto. Geistliche Musik des Judentums in Italien zwischen Emanzipation und Anpassung von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg'. Haltestelle S. Samuele und Accademia.

In der Schola Grande Tedesca

Weiterer Lesestoff zum Thema (wird ebenfalls ergänzt)

Venedig.jc-r.net: Das Ghetto

Deutschlandfunk: 500 Jahre Ghetto. Durch das venezeianische Cannaregio

World Crunch: The First Ghetto. Lost Beauty in Venice's Jewish Quarter

Beyond the Ghetto Jüdische Kulturthemen und -termine in Venedig


3.3.:
The Jewish Chronicle online: Venice the first ghetto
The Jerusalem Post: 'Shylock' on stage in Venice

8.3.:
Henning Klüver: Verwinkelte Gänge

9.3.: 
28.3.:

8.4.:
Jewish Venice. Website zum jüdischen Leben in Venedig. Ich habe kürzlich zum ersten Mal (!) im Restaurant Gam Gam gegessen und war begeistert. Köstlichkeiten zu ganz normalen Preisen, Speisezimmeratmosphäre, sehr freundliche MitarbeiterInnen. Sehr empfehlenswert. (Ein Eingang an der Fondamenta Pescaria, ein Eingang links hinter dem Ghettotor, am Canale di Cannaregio.) 

7.4.: 
Die Zeit: Mittendrin ausgeschlossen

10.4.:
Die Zeit: Das erste Ghetto. 16 mittelmäßige Fotos. 

11.4.:
Bürgermeister Brugnaro und Rabbi Bahbout unterschrieben heute eine 5 Jahre gültige Vereinbarung zum Sabbat. Ganz Venedig gilt als "ein Haus".

25.5.: 
Financial Times: Survivor's story: Venetian Ghetto's last witness to Auschwitz

15.6.:
Deutschlandfunk: Das erste jüdische Ghetto

18.6.:
The Economist: The Venetian Ghetto - Hidden Secrets

Nr. 8 2016 Judaica Europeana: The Venice Ghetto: 500 years



4.9.:
Der Tagesspiegel: Die Serenissima und die Juden 


10.10.:
Heute im www gefunden: ein Spendenaufruf des World Monuments Fund zugunsten der Restaurierung von Fenstern in venezianischen Synagogen


13.11.:
ABC online: How Venice's Jews made the world's first ghetto a cosmopolitan community

17.11.:
Chabad.org.news: 500 years of Jewish Ghetto in Venice' Focus of Oxford Seminar

18.11.:
Forward: In the Ghetto: From Renaissance Venice to Chicago, Post-Trump

04.08.2017:
Ein später Nachtrag, aber ein interessanter Artikel zum Thema, den die NY Times heute bringt: Shylock and Othello in the Time of Xenophobia.


Pfandleihhaus unter den Arkaden

Bücherempfehlungen

Riccardo Calimani ist der Autor, der wohl die meisten Bücher zum Thema veröffentlicht hat. In deutscher Übersetzung gibt es die spannende "Geschichte der Juden in der Löwenrepublik" unter dem Titel "Die Kaufleute von Venedig". Unbedingt zu empfehlen. 

 


Ein leichter und doch spannender, melancholischer Roman, nicht wirklich Krimi, nicht wirklich historischer Roman, aber mit einer geheimnisvollen Hauptperson, ist "Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz" des wunderbaren Autorenpaares Fruttero und Lucentini.

 


Hinter dem Brückchen über den Kanal lag grau und traurig der Campo di Ghetto Nuovo wie eine große auskratzte Pfanne. Wir setzten uns auf eine Bank, und David küsste mich leicht und erzählte mir, dass zu den vielen Verboten, denen die Juden unterlagen, auch jenes gehörte, mit christlichen Frauen, selbst wenn sie Prostituierte waren, Unzucht zu treiben.
"Und die Strafe?"
"Je nach Schwere des Skandals."
"Aber wir beide, zum Beispiel?"
"Eine Edelfrau? Nun, ihr Ehemann hätte sie für eine Weile ins Kloster geschickt."
"Wie langweilig! Und du?"
"Sechs Monate oder ein Jahr Gefängnis, plus ich weiss nicht wieviel Zechinen Bußgeld."
Fußball spielende Kinder liefen schnell und kreischend wie bunte Möwen zwischen den kahlen Bäumen hin und her. David hob einen roten Handzettel von der Erde auf, der einen Ausverkauf von Taschen und Koffern in der Rialtogegend ankündigte. So ungefähr, sagte er, sahen die Quittungen der Geldverleiher des Ghettos aus, rot oder grün oder gelb. Arme Venezianer füllten jeden Tag den Platz und brachten ihre kleinen Gold- und Silbersachen zu den drei Pfandbanken - dahinten, unter dem langen Laubengang -, dann kehrten sie mit jenen bunten Zetteln, die ihnen die jüdischen Blutsauger ausgestellt hatten, wieder nach Hause zurück. Doch die jüdischen Blutsauger hatten nicht die geringste Lust, die Blutsauger zu spielen, sie machten dabei Verluste, flehten ständig die Regierung an, sie von dieser undankbaren und ruinösen Aufgabe zu entbinden. Doch die Regierung lehnte immer wieder ab, die Darlehen an die Armen waren ein soziales Problem, und das sollten die Juden lösen, auch mit Verlust. Wenn nicht, dann keine Aufenthaltserlaubnis, keine Verlängerung des "Führungszeugnisses".
"Eine Art Erpressung."
"Eine Art Steuer."
"Ja konnten sie denn auch aus Venedig jederzeit weggejagt werden?"
"Ja, aber es gab ein Mindestmass an Rücksicht, nämlich eine gewisse Kündigungsfrist."
"Wie gütig."
Ich sah David Stufe für Stufe die enge Treppe bis zum siebten Stock eines jener hohen Häusern hinaufsteigen und mir (ich war zum jüdischen Glauben übergetreten) mitteilen, dass es zu Ende war, dass sie uns fortjagten, dass wir unsere wenigen Habseligkeiten, seinen brüchigen Koffer nehmen und gehen mussten. Aber wohin? Wer weiss. In die Welt hinaus. Nach Korfu, nach Saloniki, nach Negroponte, wohin es uns eben verschlug. Aber das war doch grauenhaft, es gab keine Sicherheit, es gab keine Zukunft, es gab keine Dauer, das war kein Leben...
"Aber das war doch kein Leben!" sagte ich.
"Ah", sagte Mr. Silvera.
Er sah mich mit einem Ausdruck an, dessen Traurigkeit mir unerträglich vorkam, und nach einem Augenblick ließ er den roten Zettel zwischen die Erdnussschalen und das trockene Laub auf die Erde fallen.
"Ah", wiederholte er und sah mich nicht mehr an.

Zitat "Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz"  Carolo Fruttero und Franco Lucentini, verschiedene deutschspr. Ausgaben. Originalausgabe 1986 "L'amante senza fissa dimora".


Arkaden der ehemaligen Pfandleihäuser, Ghetto novo
Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch des Museumsshops im Ghettomuseum, das eine sehr große Auswahl von Judaica bereit hält, mehr als ich je gesehen habe. Auch in deutscher Sprache natürlich und vor allem sehr viele Kinderbücher. 

Eine Korrespondentin empfiehlt mir nach der Lektüre dieses Eintrag ein Buch, das sie eher als Jugendbuch einschätzt, das ihr aber sehr gefiel: Shylocks Tochter von Mirjam Pressler. Ich kenne das Buch noch nicht, gebe die Empfehlung hiermit weiter.





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4. Januar 2015

Wo denn genau? Stolpersteine im Ghetto


Vor einem Jahr legte Günter Demnig in Venedig Stolpersteine, darauf hatte ich im Eintrag vom 6.1.2014 hingewiesen. Und habe, nebenbei gesagt, in der Folge einige freundliche Mails und den ersten und bisher einzigen bösartigen Kommentar eingefangen, der in der Maske bildungsbürgerlicher Sprache unfassbare Aggressivität formulierte. Ich habe den Kommentar nicht veröffentlicht. Wie ich niemand in meine Wohnung ließe der käme, um zu randalieren, akzeptiere ich auf meinem Blog keine ideologische Randale.

Ich bekomme aber auch immer wieder mal Mails, in denen ich nach der Lage der Stolpersteine gefragt werde. Hier also die Steine, die ich beim Besuch im Juni gefunden habe. Ich hatte den Eindruck, dass die Steine kaum wahrgenommen werden, weder als Mahnmal, noch als Kunstwerke. Kein Wunder, wer guckt in Venedig schon auf den Weg, es gibt genug anderes zu sehen, und gerade im Ghetto geht der Blick eher staunend nach oben, als dass er, wie in anderen Stadtteilen, auf Schaufensterhöhe bleibt.

Allerdings hatte meine Pflasterknipserei immer Grüppchen von Neugierigen zur Folge, die sich ansehen wollten, was denn da am Boden so interessant sei, und dann um einen Stolperstein herum standen. In der typischen Haltung, mit leicht vorgebeugtem Oberkörper und nach unten gesenktem Kopf. 
Um besser sehen zu können. Kann man aber auch wahrnehmen als respektvolle Verneigung. 


Campo di ghetto nuovo, vor der Casa di Riposo (siehe unten)


Ghetto vecchio, gegenüber der Grundschule (siehe unten)


Links der Grundschule, Corte d. scala matt (siehe unten)


Hier gibt es noch mehr Informationen zum Thema und weitere Links: 
http://resistenza.eu/stolpersteine-venedig/

Nachtrag 17.1.2015:
Das Istituto veneziano per la storia della Resistenza e della società contemperaneo (Iveser) hat einen Google Maps - Lageplan veröffentlicht.

Nachtrag 10.4.2016:
Artikel zu italienischen Stolpersteinen des Blogs DreamDiscoverItalia

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6. Januar 2014

Stolpersteine in Venedig

Am  Sonntag, 12.1. um 11 Uhr werden auf dem Campo des Ghetto Nuovo Stolpersteine zur Erinnerung an die verschleppten und ermordeten Juden und Jüdinnen Venedigs gesetzt. Die Zeremonie wird von Günter Demnig durchgeführt, dem Initiator der Kunstaktion Stolpersteine.

http://en.wikipedia.org/wiki/Stolperstein





Ergänzung 12.1.2014
Bericht der jüdischen Gemeinde Venedig



 Einer der Stolpersteine, die am 12.1. im Ghetto gesetz wurden.

(C) B. und P. A. 
Herzlichen Dank für das Foto.


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