Posts mit dem Label Salute werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Salute werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

17. November 2020

Madonna della Salute 2020

 



Die bisherigen Informationen zum Salutefest aus dem Kulturkalender dieses Blogs sind überholt:

"19.-22.11. Fest der Madonna della Salute wurde trotz der aktuellen Covid-Situation genehmigt. Aktuelles dazu. Die Covid-Vorkehrungen wegen der normalerweise riesigen Menschenmassen (in der Kirche und um die Kirche herum sowie in den Gassen die dahin führen) sind natürlich kompliziert. Die Zeitschrift ytali. ruft am 9.11. dazu auf, die Feierlichkeiten wegen zu großer Infektionsgefahr zu stoppen
9.-27.11. ist die Haltestelle Giglio der Linie 1 außer Betrieb, statt dessen gibt es die Vitivbrücke von S. Marco nach Dorsoduro.
(Siehe auch Blogeinträge unter dem Label "Salute".)
Ergänzung 15.11. Derzeit wird eine virtuelle Version der Pilgerfahrt zum Salutefest diskutiert. Rundfunk- und TV-Ausstrahlungen der Gottesdienste sind geplant."



Dies ist in diesem besonderen Jahr der Pandemie die gemeinsame und endgültige Entscheidung von Stadt und Partriarchat über die Gestaltung des Festes, das für Venedig seit 400 Jahren das zweitwichtigeste Fest im Jahreslauf ist. Die wichtigsten Inhalte für die Tage 19.-22.11.2020: 


* Die traditionelle Votivbrücke wird nicht gebaut.
* Der Zugang zu Punta della Salute erfolgt mit strengen Einschränkungen und sorgfältiger Zählung der anwesenden Personen unter strenger Einhaltung der in den derzeit geltenden staatlichen und regionalen Bestimmungen vorgesehenen Regeln zur sozialen Distanzierung. 
* Im gesamten Großbereich der Basilica della Salute werden bei Bedarf Einbahnstraßen eingerichtet, um die Pilgerflüsse zu regulieren und den Zugang zur Basilika vom Donnerstag, den 19. bis Sonntag, den 22. November 2020 zu beschränken. Knöllchenwert für Nichtbefolgen der Polizeianordnungen: 25-500 €. Alle Informationen werden aktualisiert und sind auch auf der Seite  www.comune.venezia.it verfügbar. 
* Der traditionelle Festmarkt für Votivkerzen und Süßigkeiten vor und hinter der Kirche findet nicht statt.
* Außerhalb von Gottesdiensten dürfen nicht mehr als 215 Personen gleichzeitig in der Basilica della Salute anwesend sein. Während der Messen wird die Anzahl der Gläubigen in der sogenannten "großen Rotunde" auf 150 und in der kleinen Rotunde auf 65 begrenzt, die an der Liturgie teilnehmen dürfen.
* Votivkerzen dürfen in der Basilica nicht selbständig angezuzündet werden, sie sollen in die Körbe gelegt werden, die als Votivgeschenk vorbereitet wurden (die Spenden kommen bedürftigen für Familien zu).
* Weitere Variationen des offiziellen Programms werden möglich sein, das ständig unter https://basilicasalutevenezia.it/pellegrinaggio-annuale verfügbar ist.


Details zu den religiösen Feierlichkeiten:  
* Die Feier des Festes der Madonna della Salute findet in diesem Jahr nicht nur in der Basilica statt, sondern im gesamten Gebiet des Patriarchats von Venedig. 
Die Pilgerreise kann somit in der Kirche stattfinden, die dem eigenen Haus am nächsten liegt. In den Pfarreien, Kapellen, Hauptstädten, Unterkünften und Familien finden Gebete zur Madonna della Salute und Gottesdienste vom 19.-22. November statt. Den Gläubigen wird daher empfohlen, zu der Kirche zu pilgern, die sie am leichtesten erreichen könnten.
* Der zentrale Moment des Festes wird wie immer das Hochamt sein, das Patriarch Francesco Moraglia am 21. November um 11 Uhr in der Basilica della Salute leiten wird. Die Feier wird live im Fernsehen über das Antenna 3-Netzwerk und das Facebook-Profil von Gente Veneta übertragen. Am Ende der Liturgie wird der Patriarch das Angelusgebet auf dem Platz vor der Basilika rezitieren, die Weihe der Stadt an die Madonna della Salute erneuern und den päpstlichen Segen geben, während alle Glocken der Kirchen des Patriarchats läuten.
* Am 21. November bleibt die Basilica della Salute von 6 bis 21 Uhr geöffnet. An der zentralen Tür der Basilica del Longhena wird ein besonderes Bild der Ikone der Madonna ausgestellt, das symbolisch alle Gebiete umfasst, von der Pandemie vor vier Jahrhunderten erfasst waren.
Schließlich wird um 19.30 Uhr eine dritte Messe mit der alleinigen Anwesenheit einiger treuer Vertreter der Stadtteile der historischen Stadt gefeiert. 






.

15. November 2015

Pinacoteca Manfrediniana


Zur passenden Gelegenheit des Salutefestes kann ich freudig berichten, dass ich ENDLICH nach diversen Versuchen während der Venedigaufenthalte dieses Jahres die Tür des Seminario Patriarcale und damit der Pinacoteca Manfrediniana geöffnet vorgefunden habe. Am Samstagnachmittag vor einer Woche, per Zufall. Vor der geöffneten Tür stand ein großes Schild mit den Öffnungszeiten, die kein Mensch raten kann, und das sich bei geschlossener Tür leider im Gebäude befindet:



In Büchern zur Geschichte und Kunstgeschichte Venedigs wird regelmäßig auf das Seminario Patriarchale verwiesen, erbaut wie die Salutekirche von Baldassare Longhena. Hier haben sich einerseits Schätze und Spolien aus offen gelassenen und verschwundenen Kirchen versammelt; andererseits die Kunstsammlung aus dem Nachlass des Marchese Federico Manfredini. (Ich habe einen Blog zu Manfredini mit interessanten Einträgen in italienischer Sprache gefunden.)


Alessandro Allori, 1580: Lucrezia Minerbetti
(als Symbol ihres frühen Todes mit 3 Jahren hält sie eine Schlange in der Hand)
Die Manfredini-Sammlung in 3 Räumen, einer davon 2stöckig, enthält fast ausschließlich sakrale Kunst. Die meisten Namen waren mir bisher nicht bekannt (was nichts heißt), aber es gibt auch Werke von Vivarini, Bellini, Vittorio, Tizian u. a. und eine kleine Madonna mit Kind von Cima da Conegliano, nicht weniger sensibel als ein Werk von Bellini. 
Zusätzlich zu diesen neu gestalteten Räumen kann man im Kreuzgang des Seminario viele Grabplatten und weitere Skulpturen aus z. B. San Matteo und S. Cipriano di Murano, aus dem Kloster der Vergini u. a. bewundern. Das Treppenhaus von Longhena kann man sehen, aber nicht betreten. (Was aber auch an den Vorbereitungen zum Salutefest gelegen haben mag, lange Reihen von Holztischen für Pilgergruppen im Kreuzgang etc..)

Man kann einerseits um eine Führung (in italienischer oder englischer Sprache) bitten, die bei Tripadvisor gelobt werden. Man kann auch um Zugang zu nicht ausgestellten Kunstwerken bitten, wenn man weiss, was man sehen will. Ich war auf diese Option nicht vorbereitet, werde sie aber beim nächsten Besuch nutzen. Die Seminaristen an der Kasse sind sehr freundlich und hilfsbereit. 
Der penibel wissenschaftlich erstellte Katalog (aufgedruckter Preis 21 €, Verkaufspreis 14 €) ist sehr zu empfehlen, schon für den Besuch der Sammlung.
Eintritt: gestaffelt von 1 € für KunststudentInnen bis voller Preis 6 €.
Haltestelle Salute


Grabplatte (1428) aus dem zerstörten Kloster der Vergini
(jetzt als Giardino delle Vergini Teil des Biennalegeländes des Arsenale)

Vespri d'Arte 2015/2016
Anlässlich des katholischen Jubeljahres Oktober 2015 bis September 2016 zur päpstlichen Bulle Misericordiae Vultus bietet das Seminario Patriarchale an allen Sonntagen um 15:30 einstündige kostenfreie Orgelvespern in der Salutekirche an. Thema ist jeweils eine musikalische Einleitung zu einem Kunstwerk, das sich in der Pinacoteca Manfrediniana befindet und zu dem es im Anschluss um 16:30 Uhr eine Führung zum ermäßigten Preis von 3 € gibt. 
6.12.15: Giovanni Lanfranca, Immacolata
3.1.16:   Maestro dei mesi di Ferrara, Adorazione dei magi
14.2.16: Carlo Dolci, Maria allatta Gesù
6.3.16:   Domenico Puligo, Deposione di Christo dalla croce
3.4.16:   Conrad Laib, Dormitio Virginis
1.5.16:   Tizian, La discesa dello Spirito Santo...
5.6.16:   Seguace dei Carracci, Giovanni Battista...
3.7.16:   Scuola del Reni, Madonna col Bambino...
7.8.16:   Tizian, Davide e Golia
11.9.16: Tizian, Abramo sacrifica Isaaca


Kreuzgang des Seminario Patriarchale, Baldassare Longhena


.

10. November 2015

2015 - Venedigs Feier der Madonna della Salute...


... beginnt in den nächsten Tagen und zieht sich mit Pilgergruppen, massenweise Gottesdiensten von frühmorgens bis spät in die Nacht und dem Höhepunkt: Bau der Pontonbrücke vom Giglio-Ufer in San Marco nach Dorsoduro und Wallfahrt der VenezianerInnen. 
Die Madonna in der Salutekirche wurde 1669 bei der Übergabe Candias (heutiges Iraklion, Kreta) an die osmanischen Truppen mit nach Venedig evakuiert (siehe Eintrag vom 28.3.2009: Die Mesopandítissa in Santa Maria Salute).

Die VenezianerInnen sehen das als 'ihr' Fest, und es hat auch bis auf den wunderbaren Süssigkeitenmarkt (köstliche sizilianische Mandelplätzchen für den Weihnachtstisch!) hinter der Kirche, die Kerzenverkaufsstände davor und vielleicht noch die 'pittoreske' Segnung der Boote am Sonntag, 15.11. um 10:45 Uhr wenig Touristisches. Der Einzug des Patriarchen mit Gefolge in die Salutekirche zur Hauptfeier am 21.11. geht völlig im Gedränge der LokalmedienvertreterInnen und Gläubigen unter.

Also: Salute allerseits und einen gesunden Winter!

Siehe auch Label Salute.

.

15. November 2014

Festa della Salute 2014

Einzug des Patriarchen zum Hauptfeier am 21.11.
In der kommenden Woche findet das Fest Santa Maria della Salute statt, in Erinnerung an die große Pestepidemie des Jahres 1630. Dazu gibt es bereits einige Einträge aus anderen Jahren und leider bin ich, Liebhaberin von heißen fettigen Fritelle mit Zitronenzucker auf dem Zuckerzeugmarkt hinter der Salute, nicht dabei.

Hier gibt nur 2 praktische Hinweise.

Programm des Patriarcato die Venezia zum kirchlichen Fest und zu den Öffnungszeiten der Basilica della Salute.


Basilica della Salute (Venezia)
* Mercoledì 19 novembrealle ore 12.30, è fissata l’apertura del ponte votivo sul Canal Grande alla presenza delle autorità cittadine; le messe in basilica sono previste alle ore 10 - 11 - 15 - 16 (alle 16.45 rosario e canto delle litanie);
Giovedì 20 novembre la basilica della Salute rimane aperta dalle ore 8.00 alle 21.00 e le messe saranno celebrate alle ore 8.30 - 10 - 11 - 12 - 15 - 16 - 17 - 18; alle ore 14.30 ci sarà la solenne apertura del pellegrinaggio cittadino, alle 19.00 il rosario e il canto delle litanie mentre intorno alle ore 20.00 culminerà in basilica il pellegrinaggio diocesano dei giovani guidato dal Patriarca e proveniente, attraverso il ponte votivo, da S. Marco;
* Venerdì 21 novembre -giornata della festa liturgica della Madonna della Salute - la basilica rimane aperta ininterrottamente dalle ore 5.50 alle 22.15 e le messe si susseguiranno ad ogni ora dalle 6.00 alle 20.00. Alle ore 10.00 si svolge, in particolare, la solenne concelebrazione eucaristica presieduta dal Patriarca mons. Francesco Moraglia; alle ore 22.00 è, infine, prevista la celebrazione della compieta (preghiera della sera);
* Sabato 22 novembre le messe sono previste alle ore 9.30 - 11 - 12 - 15 - 16 - 17.30 (alle 16.45 rosario e canto delle litanie; alle 18.30 vespri e adorazione eucaristica);
Domenica 23 novembre le messe si terranno alle ore 9 - 10 - 11 - 12 - 15 - 16 - 17.30 (alle 16.45 rosario e canto delle litanie; alle 18.30 vespri e adorazione eucaristica);
* Lunedì 24 novembre, infine, alle ore 11.00 ci sarà il pellegrinaggio dei familiari del clero e la S. Messa in suffragio dell’ex rettore del Seminario mons. Giuliano Bertoli nell’anniversario della morte; nel pomeriggio la messa è prevista alle ore 16.

Und aufgrund der Wasserstände in den letzten Tagen der Link zur Website der Comune Venezia mit den Informationen zu den Wasserstandsvorhersagen und der Lage der Hochwasserstege. Hier kann man die App zum Hochwasseralarm herunterladen.


Jaaa! - Fritelle!
(c) Aldebaran



.

13. November 2011

Fest der Madonna della Salute

... hat kirchentechnisch schon begonnen, gestern.

Ich verlinke hier die Website des Priesterseminars, der man alle Termine entnehmen kann.

Und nicht vergessen: leckere Fritelle essen an den Buden auf dem Rio terrà dei Catecumeni!

Siehe auch Eintrag vom 3.11.2009 Festa della Salute
und vom 28.3.2009 Koloniale Mitbringsel 2 - die Mesopandítissa in Santa Maria della Salute






.

5. September 2010

Feuer in Venedig

In der Nacht zum 3o. August brach ein Feuer aus im Priesterseminar zwischen Salute und Dogana, das derzeit renoviert wird.
Bericht Gazzettino.
Videos

Es scheint bis auf einen erheblichen Wasserschaden an Tizians "David und Goliath", in der Sakristei der Salute, gerade mal glimpflich abgelaufen zu sein. Der Brand des Fenice wird erinnert.

Ich allerdings erinnere mich an den Brand des Molino Stucky, den ich fassungslos und geschockt vom Zattere-Ufer beobachtet habe und die armseligen Bemühungen der Feuerwehr.
Man muss dankbar sein für jeden Erfolg der Feuerwehr in dieser gefährdeten Stadt.

.

3. November 2009

La Festa della Salute


Pontonbrücke zur Festa della Salute 1980
Privatfoto, gekauft auf dem Flohmarkt in der Via Garibaldi

Am übernächsten Wochenende wird in Venedig wieder das Ende der Postepidemie von 1630 gefeiert, in der der Madonna della Salute gewidmeten Kirche.


Das Festprogramm 2008 dürfte 2009 identisch sein



Die Madonna Mesopan-
ditissa
wurde aus der
Kolonie Candia (Kreta) mitsamt den kretischen Venezianern vor den osmanischen Eroberern 1669 evakuiert und erreichte Venedig am 21.11.1670. Sie fand ihre neue Heimat in der damals noch nicht vollendeten Kirche von Baldassare Longhena und bei diesem Feiertag blieb es dann, jährlich, bis heute.

Wer den erstaunlichen Kircheninnenraum, die Sakristei mit ihrer großartigen Gemäldesammlung und die Ikone in Ruhe besichtigen will, muss an der Festa della Salute wegbleiben.


Die zweiteilige Brücke reist an

Denn dann herrscht von frühmorgens bis spät in die Nacht ein Gedränge wie das ganze Jahr nicht. Gottesdienst im Stundenrhythmus. Dicht besteckte Kerzentische, vor denen Menschenschlangen warten, um ihre teils meterlangen Kerzen anzuzünden, die nur kurz darauf von Kirchendienern gelöscht und in große Kisten (zum Recycling) entsorgt werden. Ein geradezu hektischer Kreislauf, der schon an den Verkaufständen draussen auf der Fondamenta beginnt.



Brücke ist gebaut, es folgen die Feinheiten wie der Belag

Aber wer an der Seite von fast ganz Venedig ein ziemlich rummeliges Kirchenfest miterleben will, ist am 21.11. an der richtigen Stelle.
Durch die Ga
ssen von Dorsoduro traben Schulklassen tagsüber, Gruppen von Jugendlichen abends lautstark und schrill Richtung Dorsoduro.
Die Venezianerinnen starten
in die Pelzsaison bei sehr moderaten Temperaturen und leichtem Nebel.
Der Bischof (bzw. der Patriarch) zieht mit großem Männergefolge in langen Spitzengewändern aus dem Seminario Patriarcale in die Salute nebenan, um die Festmesse zu lesen. Aufgenommen von mehreren Fernsehteams auf der Kirchentreppe, zu sehen abends i
n den Lokalnachrichten.
Ruderklubs aus Venedig und vom Festland drängeln um
die besten Plätze für die Boote, während die Vaporettohaltestelle Salute vorübergehend aus dem Verkehr ist.


Brücke in Gebrauch bereits am 19.11., aber noch nicht rappelvoll wie am 21.11.

Dafür wurde schon zwei Tage vo
rher die Brücke von S. Maria Giglio zur gegenüber liegenden Kanalseite installiert, aus zwei Bauteilen, die mit einem Kranboot geliefert wurden. Die Traghettoanlege wird für ein paar Tage nicht gebraucht. Die Brücke ist so hoch, dass die Vaporetti passieren können, und obwohl große Schilder das zügige Überqueren anordnen, bleibt man gerne oben stehen, um von dort den Auftrieb um die Salute zu beobachten, der auch wirklich sehenswert ist.

Fritellestand, daneben Schoko-
laden-
berge


In der Gasse rechts hinter
der Salute gibt es Stand an Stand die ganze Herrlichkeit winterlicher Kalorienbomben:
von einfachen Sachen wie Zuckerstangen über riesige Schokoladetafeln mit ganzen Nüssen zu den wunderbarsten Mandelnplätzchen deines Lebens. Die auf den ersten Blick aussehen wie simple Makronen, aber schmecken wie feinstes Marzipan, und die sich in Keksdosen oder Küchenplas
tikdosen bis zum Ende des Winters aufbewahren lassen. Sie sind nicht billig, aber jeden Cent wert und ich empfehle, von den vielen verschiedenen Sorten keine auszulassen und eine große Tüte als Winterproviant mitzuschleppen.

Die süsse Verführung hinter der Salute

Aber DIE Köstlichkeit des Salutefestes sind die fetten, frisch ausgebackenen heißen Fritelle, die mit Zucker und Zitronenschalenabrieb bestreut werden (oder, und da hört für mich der Spass auf, mit einem Esslöffel Schokocreme beklatscht und zusammengeklappt wie ein Leberwurstbrot).

Fritellestände gab es früher in Venedig überall in der Stadt, dazu gibt es einen schönen Text auf der Website der Romanschriftstellerin Michelle Lovric. Im Winter gibt es in vielen Bäckereien Venedigs immer noch Fritelle wie anderswo Berliner oder Pfannkuchen, aber eben keine frischen, auf der Straße heiß aus Fettpfanne auf die Hand. Dazu muss man zum Salutefest kommen.

Boote der Ruderclubs auf dem Weg zur Salute

Absgesehen vom Rummel um die Salute ist Venedig Ende November ruhiger, die Museen leerer, und ein letzter Kurzbesuch der Biennale schenkt noch einmal einen neuen Eindruck: Giardini und Arsenale im morgendlichen Dunst und nachmittäglichen Nebel ohne Sonnenuntergang, Besucher in Schals, Jacken und Stiefeln statt schulterfrei und in Sandalen. Ein schöner Anfang des Abschieds vom Jahr.

http://www.comune.venezia.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/136

Peggy Guggenheim Collection: Special während der Salute-Festwoche

.

28. März 2009

Koloniale Mitbringsel 2 - die Mesopandítissa in Santa Maria della Salute


Venedigs zweite "nicht von (Menschen-)
hand gemachte", sprich "vom Hl. Lukas gemach-
te", ist die
Mesopandítissa in der Salute Kirche.

Sie ist nicht "schwarz", wie gerne behauptet wird, sondern einfach alt, wie auch die Nikopió in San Marco (siehe vorherigen Eintrag).
Auch sie stammt ursprünglich aus Konstantinoupolis und wurde während des Bilderstreits und vor der Eroberung der Stadt durch die Kreuzfahrer nach Kreta, damals Chandaka, gerettet. Sie wurde dort, wie die Odigítria in Konstantinoupolis, die zentral verehrte Ikone und hatte ihren Sitz in der Hauptkirche Agios Titus, in Wohngemeinschaft mit den Reliquien eben dieses Heiligen.


Ihr Name ist nicht so sinnfällig wie der der Nikopió/Siegbringerin. Im Prinzip tragen viele orthodoxe Marienikonen einen persönlichen Namen wie du und ich, und die, die keinen Eigennamen haben, gehören zu einer inhaltlichen "Gattung", der man sie zuordnen kann. (Die Mesopandítissa ist eine Odigítria, eine Wegweiserin.) Auf der Website der Pfarrgemeinde im heutigen Iraklion, zu der sie ursprünglich gehörte, wird der Name pragmatisch definiert als "Die zwischen Lichtmess und Fastenbeginn (ihren Feiertag hat)". Älter ist die Übertragung "Die zwischen den Parteien Vermittelnde, die Mediatorin". Die Wunderwirkung der Ikone der Mesopandítissa liegt nicht im Militärischen , wie die der Nikopió, sondern in der Aussöhnung Verfeindeter, mit legendären Belegen.
Besonders während des heiklen Agios-Minas-Aufstandes 1264 der anfänglich permanent gegen die venezianische Kolonisierung rebellierenden Kreter kam es zum Friedensschluss durch die aktive Intervention der Ikone.


Die Venezianer übernahmen die Verehrung der Kreter für die Ikone, deren dienstägliche und feiertägliche Prozessionen (die den Riten in Konstantinopel entsprachen) ausgedehnt wurden. Die Ikone wurde nicht mehr nur zwischen den orthodoxen Kirchen paradiert, sondern vor allem auch zu den lateinischen Kirchen und Klöstern innerhalb der Befestigungsmauern der Hauptstadt Candia.
Zur Teilnahme verpflichtet war nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der orthodoxe und der lateinische Klerus (letzterer sogar bei Strafandrohung). Die Prozession der Ikone wurde so zum wöchentlichen Hauptevent in Candia und wichtigen sozialen und religiösen Bindeglied zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Venezianer - Kreter. Die Mesopandítissa spielte sozusagen die Rolle der Garantin kolonialen Friedens und Harmonie auf der Insel Candia.


Als die Venezianer unter Francesco Morosini (siehe auch Eintrag vom 20.4.2008) nach langer Belagerung durch die Osmanen Candia 1669 aufgeben mussten und die Insel damit komplett in Feindeshände fiel, wurde die Mesopandítissa neben Menschen, Archiven und anderen Werten als Bestandteil des kolonialen Erbes nach Venedig gerettet. Ihre neue Kirche wartete bereits, Santa Maria della Salute.
Sie blieb und bleibt in Venedig, als Versicherung gegen die Pest, während die ebenfalls "geretteten" Reliquien des Hl. Titus immerhin 1966 zurück reisen durften.

Die Ikone wird, wie die Nikopió von San Marco, nicht mehr herumgeschleppt. Statt dessen kommt jährlich am 21. November die ganze Stadt - Bevölkerung, Honorationen, Ruderclubs, der Patriarch... zu Besuch, man hängt ihr ihren gesamten Gold- und Silberschmuck um, eine Brücke wird für drei Tage über den Canal Grande gebaut. (Siehe auch Eintrag vom 12.1.2008).

Ein verbindendes Fest,
ein ziemlicher Rummel. Aber vielleicht war das nicht viel anders, früher auf Kreta.


.