Posts mit dem Label San Francesco della Vigna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label San Francesco della Vigna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

30. Mai 2011

San Giacomo in Paludo

Vom Canale Scomenzera S. Giacomo


Auf dem Weg nach Burano/Torcello in der Laguna Nord passiert man einige sehr kleine unbewohnte Inseln, die z. T. noch Ruinen oder Reste von Ruinen tragen, ein wild romantischr Anblick. Die meisten dieser Inseln sind ehemalige Klosterinseln.

Wer Giacomo Casanovas Lebensbericht gelesen hat kennt die Geschichten von nächtlichen Verführungsausflügen zu Nonneninseln per Boot. Es gibt seriöse Untersuchungen über venezianische Klöster und Klsterinseln (z. B. Mary Laven: Die Jungfrauen von Venedig; unter Sachbüchern aufgelistet) und lüsternen Tratsch
bis heute (z. B. die Nonnen auf einer Insel in der Laguna Sud, die zu ihrem Vergnügen Vorüberfahrende mit hochgehobenen Röcken auf der Klostermauer stehend schockten).


San Giacomo in Paludo in seiner Blütezeit

Auf ca. 1/3 der Strecke liegt die unbewohnte Insel San Giacomo in Paludo, über die es seit kurzem einen sehr guten Wikipedia-Eintrag mit den wesentlichen historischen Fakten gibt. Früher machte die verfallene Ruine auf der winzigen Insel einen sehr geheimnisvollen Eindruck, in den letzten Jahren wurde dort renoviert. Wegen der immer größer werdenden Werbetafeln hatte ich befürchtet, es entsteht mal wieder ein exklusives Hotel (was aber direkt am Canale Scomenzera S. Giacomo nicht sehr exklusiv gewesen wäre).

Ist auch nicht der Fall, vielmehr läuft hier ein interessantes archäologisches Projekt mit spannenden Ergebnissen und ich vermute, dass mit den riesigen Werbeplakaten diese Arbeit finanziert wird. Wir kennen das ja von Venedig, wo die touristisch am heftigsten besuchten und fotografierten Objekte, z. B um San Marco, mit Werbetafeln gemeuchelt werden.

Giacomo und Francesco Guardi,
San Giacomo in Paludo






San Giacomo in Paludo gehörte offensichtlich zum Netzwerk der Franziskaner Minoriten, die heute noch auf S. Francesco del Deserto leben und die Kirche und das Kloster
S. Francesco della Vigna betreiben, war aber dem Franziskanerkloster Santa Maria dei Frari angegliedert.

Das Kloster begann als einfache Schutzherberge für Pilger und Seeleute, die von schlechtem Wetter überrascht wurden, für weniger als 100 Jahre. Dem folgenden Zisterzienser Nonnenkloster fehlte es bald an Nachwuchs, die Ιnsel diente dann während einer Epidemie im 15. Jahrhundert zur Isolation von Leprakranken und war nach dem Ende der Epidemie eine Zeit lang unbewohnt. Im 17. Jahrhundert übernahmen die Franziskaner, bauten aus und hatten einen Komplex von Klausur, Gästeunterkünften, großem überdachten Bootshaus und einer dreialtarigen Kirche. Im 18. Jahrhundert leerte sich die Insel langsam.

Der Niedergang. Links im Bild auf dem Bootssteg der bettelnde Laienbruder mit dem Klingelbeutel (Vergrößern Bild anklicken) Hier ist auch das große Bootshaus gut zu sehen.

Am Ende lebte und zelebrierte hier nur ein letzter einzelner Priester, schließlich nur noch ein einsamer Laienbettler, der sich mit einem Klingelbeutel am langen Stock (wie in katholischen Kirchen früher üblich) von vorbeifahrenden Reisenden eine Spende angelte.
1810 wurde die Anlage demoliert. Die Grabung seit 2002 gibt neben den schriftlichen und graphischen Berichten Auskunft über die Entwicklung der Besiedelung von S. Giacomo in Paludo.

Im Moment gibt es nur zwei Möglichkeiten die Insel zu besuchen (soviel ich weiß, wohlgemerkt):
man bucht eine Rudertour bei
Venice Kayak oder man besucht die jährliche Veranstaltung Mangiasan. Die für dieses Jahr ist leider gerade vorbei, also bei Interesse ein Termin für den Mai 2012.

Gegen Voranmeldung und einen Beitrag von 30 € fährt man am 3. Samstag im Mai von Murano nach S. Giacomo und zurück, nimmt an der Veranstaltung zum jeweiligen öklogischen Thema, den Besichtungen und den Verkostungen zum Gesunden Essen teil.



VAS-Projekt San Giacomo in Paludo

In die Laguna Nord mit Linea N ab Fondamente Nove. Murano-Mazzorbo-Burano.



.

23. Oktober 2010

San Fancesco della Vigna...


...hat die einzige Palladio-Fassade von dreien in Venedig, die in ihren Proportionen aus der Nähe gut anzusehen ist - sie ist einerseits 'klein' genug, andererseits gibt es Platz einige Schritte rückwärts zu gehen, ohne ins Wasser zu fallen. Die beiden großen Palladiokirchen San Giorgio und Redentore sind ja eigentlich optisch nur vom Wasser aus zu erfassen.

Wer dann allerdings erwartet auch ein überwältigend palladianisches Kircheninneres vorzufinden, ein Gesamtkonzept, geplante Licht- und Schattenwirkungen usw., hat sich geirrt. Eher scheinen sich hier eine gute Handvoll qualifizierter Seitenkapellen zufällig getroffen und sich gemeinsam untergestellt zu haben, Hauptsache Dach!


Hinterer Kreuzgang, links zu Zeiten der Cavalieri di San Marco (Schild im mittleren Bogen) 2008, rechts Mai 2010











A. Vittorio, SS Rocco, Sebastian, Antonio Abate
Der einschiffige Kirchenraum wirkt kahl, die Apsis besteht aus verhängten Fenstern und einer Art Triumphbogen als Hochaltar (immerhin von Longhena), der Blick fällt durch, nicht darauf. Trotzdem ist dies eine Kirche die einen sorgfältigen Blick wert ist, geduldiges und neugieriges Schlendern von einem der Solitäre zum anderen, auch in mehreren Besuchen (ich in vielen, über die Jahre).
Umso mehr als das Gebäude immer einladend weit offen ist, Haupt- und Seitentür, kein Eintritt erhoben und man immer von Blumenduft und leisen Orgelkonzerten von der CD empfangen wird. Hier kriegt man den Empfang, den man sich in vielen venezianischen Kirchen wünschen würde. Ich weiß nicht, ob diese Freundlichkeit (auch) daran liegt, dass San Francesco aus der Sicht der Wimmelpfade weit draussen liegt, und diese ruhige Ecke Venedigs auf den Karten der "Ein Wochenende in Venedig"-Führer und der Zeitungsartikel "36-Stunden-in-Venedig" schon mal gar nicht erscheint.


Madonna in byzantinischem Stil (Odigitria) in der Fassadenrückseite

Die Seitenkapellen sind zum Teil sehr beeindruckend, wie auf der linken Seite die von Alessandro Vittoria, mit den Heiligen Rocco und Sebastiano in ihrer jeweils typischen Körperhaltung, dazwischen den Heiligen Antonio, der die Sinnlichkeit im Zaum hält. Oder die Capella Sagredo - ein Taum in weißem Marmor mit dem Grab des Heiligen Gerardo Sagredo (die Familie Sagredo hatte ihren großen Palazzo früher in der Nachbarschaft, geblieben ist einzig der große freistehende Torbogen auf dem Weg zur Vaporettostation Celestia).Pietro Lombardo, Altar der Capella Badoer-Giustiniani

Oder links neben der Apsis die Capella Badoer-Giustiniani, eines der kostbaren venezianischen Meisterwerke der Lombardi, auf die man immer wieder in den Kirchen Castellos und Cannaregios trifft.
Oder auf der rechten Seite die Familienkapellen und -grablegen der Contarini und der Bragadin. Und natürlich das bezaubernde Madonnenbild von Antonio da Negroponte, direkt am Seiteneingang. Negroponte ist der venezianische Name der griechischen Insel Evia (deutsch Euböa) und soweit ich weiß, gibt es keine weiteren Werke dieses Griechen.
Und die Sacra conversazione von Bellini in der Sakristei und viele weitere Kunstwerke und G
rabdenkmäler, die aus dem fehlenden künstlerischen Gesamtkonzept insgesamt dann doch mehr als die Summe der Einzelteile machen.

Überall an den Gebäuden des Campo S. Francesco: das Symbol der Franziskaner Ein Konzept gab es ursprünglich schon, von Sansovino, das die ehemalige Kapelle für den Heiligen Francesco im Weingarten ersetzen sollte. Man muss sich das wohl so vorstellen, dass die Franziskaner von der Insel S. Francesco del deserto in der Lagune 'nomadisierten' und in Venedig auf Betteltouren gingen, und in dieser franziskanischen Inselkapelle am unbewohnten nördlichen Rand Venedigs bei Bedarf übernachteten. (Was die Basis der Legende des hier übernachtenden und träumenden S. Marco sein mag, irgend woher muss die Idee ja stammen.)

Die Präsenz des Minoritenordens ist hier im Weingarten belegt seit 1232. 1253 gibt es eine testamentarisch belegte Schenkung des Grundstücks von Marco Ziani an die Minoritenbrüder. In der Entwicklung dieser Ecke von Castello kamen dann im 15. und 16. Jahrhundert weiter ins Spiel die Grimani (Antonio und Domenico), (siehe auch Eintrag Palazzo Grimani), der Doge Andrea Gritti und Zweige der Familien Badoer und Bragadin, und eben der Architekt Jacopo Sansovino, der nach dem Sacco di Roma seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Venedig wählte und u. a. die Bibliotheca Marciana baute. Eine andere Geschichte.

Am 15.8.1534 legte der Doge Andrea Gritti den Grundstein für den Neubau der Minoriten nach dem Plan Sansovinos, der aber im Verlauf des Baus verändert wurde aus diversen Gründen bau- und verwaltungstechnischer, aber auch religiös-theologischer Art. Der große Einmischer war der Minoritenbruder Francesco Zorzi, der schon sehr jung in dieses Kloster eintrat, Zeit hatte sich zu bilden und kabbalistische, hermetische, neuplatonische und andere Aspekte in die Architektur einbrachte, die meine Vertiefung in das Thema weit überschreiten. Wen es näher interessiert: in der Kirche wird seit letztem Frühjahr ein Buch (italienisch, preisgünstig) verkauft, das dieses Thema breiter behandelt. (Silvano Onda: La chiesa di San Francesco della vigna e il convento dei frati minori; Storia, arte, architettura.)

Früherer Kirchhof S. Francesco, jetzt Bolzplatz neben dem Campanile

Im Hinterhof der Kirche, neben dem Campanile, wo sich früher der Friedhof befand und jetzt ein Basketball- und Bolzplatz wie hinter einigen venezianischen Kirchen, gibt es jedenfalls bis heute ein Hüttchen, das die Ur-Kapelle symbolisieren soll (Calle del cimitero, an der Kreuzung kurz vor dem Sagredo-Torbogen nach links abbiegen und durch die kleine Holztür gehen. Sie ist tagsüber nicht verschlossen, damit die Kinder rein können.)

Vorderer Kreuzgang an einem Nebelmorgen
Aber mit der Kir
che ist es ja längst nicht getan, ich habe schon über die wunderbaren Kreuzgänge von San Francesco della Vigna und ihre kontemplative Atmosphäre berichtet. Daran hat sich in den letzten Jahren auch nichts geändert.
Im vorderen Kreuzgang wurden allerdings im letzten Jahr die Bodengrabmäler an der Seite zur Kirche und zum hinterem Kreuzgang geöffnet. Es wurde recht
geheimnisvoll hinter Gerüsten und Planen gebuddelt und diskutiert, an anderen Tagen wieder die Deckel geschlossen und ordentlich versiegelt. Ich habe (leider) nicht gewagt, in die Baustelle zu trampeln und die Arbeiter und die Archäologin (vermute ich mal) zu befragen.

Der hintere Kreuzgang war einige Jahre dem Publikum verschlossen und von den Cavalieri di San Marco genutzt, jetzt ist der Kreuzgang wieder zugänglich und geschniegelt, und in den Gebäuden sit
zt die Bibliothek und das Archiv der Franziskaner (siehe dazu den Film am Ende des Eintrags).
Denkmal für eine Bombe des 1. Weltkriegs am Seiteneingang

Die Cavalieri di San Marco haben ihren Sitz jetzt zwischen Kirche und ehemaliger Scuola delle sante stimmate am Campo della Fraternità. Die kleinen Reliefs von zwei gekreuzten Armen, die überall an der Kirche und in ihrer Umgebung zu sehen sind, sind das "Logo" der Franziskaner, das den (mit dem Ärmel eines Habits) bekleideten Arm eines Franziskaners und den nackten Arm des gekreuzigten Christus in Verbindung zeigt. Die ehemalige Scuola ist das weiße Gebäude rechts vom Seiteneingang von S. Francesco, und trägt im Obergeschoss schlecht leserlich den Namen "delle sante stimmate" (der heiligen Stigmata), die Kennzeichen sowohl des Christus als auch des Heiligen Francesco sind.
Gebäude der ehemaligen Scuola delle sante Stimmate, aussen und Ergeschoßraum, linker Treppenaufgang ins Obergeschoß




Anläßlich von
'Brunetti'-Dreharbeiten im Mai fand ich sie zum ersten Mal offen und warf einen kurzen Blick hinein: Parterre ein Versammlungs-/Gebetsraum und zwei Treppen rechts und links ins Obergeschoß, wo sich vermutlich, wie in allen venezianischen Scuole, ein zweiter prunkvollerer Versammlungsraum befindet.Grabplatte im vorderen Kreuzgang
J. C. Rößler bezeichnet in seiner Darstellung des Campo S. Francesco als Ensemble die Scuola anders, ich habe nicht recherchiert warum. Der Gesamtaspekt dieses Campo mit allen Gebäuden ist wichtig, ein einzelnes Detail mag sich irgendwann genauer klären. Klar ist: ich würde dieser schönen Ecke Venedigs wünschen, dass sie interessierte Besucher findet, die nicht im Stundenrhythmus Höhepunkte abhaken, sondern die Zeit und Offenheit haben, den Geist des Ortes zu erleben.


Weitere Fotos in meinem Blog
http://venedig.jc-r.net/kirchen/san-francesco-della-vigna.htm http://en.wikipedia.org/wiki/San_Francesco_della_Vignahttp://www.museumplanet.com/thumbnails.php/venice/vig




.

16. Mai 2010

Mai in Venedig - Bräute und Filmcrews


Bootsanlegestelle am Palazzo Gritti zu
Normalzeiten

(Ring im Pflaster)
und die Requisite "Polizeianleger" für die Dreharbeiten zu den deutschen Brunetti-TV-Filmen




Wobei Bräute und Filmcrews nichts miteinander zu tun haben, ausser, dass beiden im Stadtbild zur Zeit nicht auszuweichen ist.

Die Bräute stehen immer noch vorwiegend auf dem Markusplatz, obwohl dort wegen der vielen Baugerüste kaum ein fotogenes Plätzchen zu finden ist und es dank Fütterungsverbot fast keine Tauben gibt, das traditionelle Foto der weißen Braut, umflattert von einer Wolke der Symbole romantischer Liebe, also nicht mehr gelingt.

Sie stehen aber auch auf der Treppe zur Salute, auf der Brücke vor der Miracoli-Kirche, auf dem Molo am Dogenpalast...
Der heftige Maiwind bauscht die Röcke und weht die Schleier in die falsche Richtung, ganz ungünstig fürs Foto, die Fachkraft mit der Kamera fummelt und dirigiert.
Es gibt natürlich auch dazu gehörige Bräutigame, die aber nicht weiter auffallen, da sie nicht bonbonnierenmäßig aufgebrezelt sind und auch weniger Haut zeigen.
Das Hochzeitsbusiness (googeln unter 'Wedding in Venice' oder 'Heiraten in Venedig') läßt keine Phantasie unberücksichtigt, sei es in Fragen der Kirche (und Religionszugehörigkeit), der angemessenen Location für das einzigartige, wenn schon nicht einmalige, Ereignis (Palazzo? Insel? Schiff?), der festlichen Ausgestaltung und selbstverständlich der Kosten.
Die Co
mune Venezia bietet standesamtliche Heiraten an. Ich empfehle Venedigbesuche grundsätzlich ohne Eheschließung, statt dessen so oft wie möglich.
Dreharbeiten eines italienischen Teams vor der Scuola Grande S. Marco in Castello

Das zahlreiche Aufkommen von Filmcrews im Freien kann ich mir beim wechselhaften Maiwetter nicht so recht erklären. Unterbrechungen und hektisches Abdecken von Material, Catering usw., z. B. auf Lastkähnen am Rio San Trovaso und um S. Trovaso herum, bei plötzlichen Regengüssen sind die Folge. Die Crewmitlieder verschwinden in der nächsten Bar, um einen Kaffee (und einen Grappa gegen die Feuchtigkeit) zu nehmen. Wie die einheimischen und touristischen Zaungäste.

Das (übrigens italienische) Team von San Trovaso verur
sacht zwei Tage später anhaltenden Stau an der Brücke zur Scuola San Marco am Campo SS. Giovanni e Paolo, über die eine Gruppe Paparazzi immer wieder laut schreiend auf den Campo läuft. Die Venezianer stehen geduldig mit Kindern, Hundchen, Einkaufskarren und warten, dass zwischendurch mal kurz die Brücke freigegeben wird. Die Menge der Zuschauer wird allerdings immer größer, gespeist vor allem auch durch Krankenhausbesucher, die keine Lust auf den Umweg über die Mendicanti-Brücke haben.
Hinweisschild für Passanten bei den Dreharbeiten zu "The Tourist"

Weniger chaotisch geht es zu beim Team des 'Tourist', Hollywod-Projekt des deutschen Regisseurs Donnersmarck, von dem schon seit Monaten tratschmäßig die Rede ist. Da wird der Drehort rigoros rundum abgeriegelt, was in der ruhigen Ecke der Misericordia noch geht, wo im riesigen Gebäude der Scuola Grande ein Ball gedreht wird. Aber beim Markt am Rialto, wo man immerhin noch den fischmarktfreien Montag zum Dreh in der Pescaria nutzt, oder zwischen Bahnhof und Ponte della Costituzione mit permanentem Durchgangsverkehr wird die Sache schon schwieriger.
Dafür sieht man auch schon mal (vom Vaporetto aus) Berühmtheiten (es 'starren' Jolie und Depp in diesem Film, die begleitet von ihren Familien in Venedig sind und großes Medientheater hervorrufen). Die Crew trägt uniformiert schwarze Overal
ls und Funkgeräte, was leicht martialisch aussieht, und insgesamt hat man ein bißchen den Gout von Wichtigkeit und Selbstdarstellung.

Dreharbeiten eines Commissario Brunetti - TV-Films am Palazzo Gritti in Castello. Darsteller des Vianello (Mitte) und Brunetti (rechts, mit Zigarette)

Dafür geht es bei der deutschen Produktion eines neuen 'Brunetti'-Fernseh-
films sehr entspannt
zu.

Das Material lagert regens
icher in der Kirche San Francesco della Vigna, das Catering steht trocken bei den überdachten Kreuzgängen des Klosters. Die Crew ist locker, die Schauspieler stehen auch noch auf dem Campo San Francesco herum, wenn Sie schon mit der Arbeit fertig und umgezogen sind. Dazwischen wimmeln und gucken neben wenigen Touristen die Castellani, die das ja kennen, auch hier mit Kindern, Hundchen und Einkaufswagen und werden von einem freundlichen jungen Mann gebeten, mal kurz aus dem Weg zu gehen - Daumen hoch, Ruhe, Aufnahme vor der 'Questura' - danach fliegt wieder ein Ball durch die Szene.

Auf die Ergebnisse kann man gespannt sein. Die Dreharbeiten zum Buena Vista - "Casanova" 2005 führten zu tagelangen Absperrungen auf der Piazza und auf der Piazzetta sogar wochenlang. Schilder an der Sperrgerüsten informierten, dass man mit Passieren (nicht Betreten!) des abgesperrten Geländes auf die Rechte am eigenen Bild und Ton, die aufgenommen werden könnten, für 3000 Jahre zu verzichten hätte. Ebenso an den anderen Locations wie Palazzo Soranzo van Axel oder der Calle Berlendis. Und heraus kam dabei einer der dämlichsten Filme, die ich je gesehen habe.
(Eine Sammlung der Filme, die in Venedig spielen, findet sich übrigens bei Fictional Cities.Ich teile nicht alle Meinungen des Autors.)

.