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3. Mai 2020

Venedig - Termine der Öffnungen unter Covid19


Soziale Isolierung... 



Niemand von uns Venedigfreund*innen kann derzeit die Stadt besuchen. Die Termine, die ich hier notiere, bringen also wenig, außer dass ich eine Situation dokumentiere, die einzigartig ist und hoffentlich auch bleibt.
Und vielleicht gibt es auch ein bisschen Hoffnung, dass Venedig wieder auf die Beine kommt, unter welchen Bedingungen ist bisher noch völlig unklar. 
Langsam und geplant werden jetzt in der Phase 2 erste Wiedereröffnungen greifen. In den Eintrag "24.2. Venice Shutdown" passen diese Informationen nicht, weder inhaltlich noch räumlich. Deshalb gibt es hier eine Linkliste der Wiedereröffnungen. Ergänzungen zum Thema "Shutdown" stehen auch weiterhin unter dem o.g. Link. 

Nachtrag 4.7.: Lesenswerter Artikel "How to travwl in a post-pandemic world - respect, safety, patience".



Etablierte soziale Isolierung....
Pellestrina


Ab hier verlinke ich fortlaufend neue Informationen zur Entwicklung der Wiedereröffnungen in der nächsten Zeit.

Veröffentlicht am 16.5. Alle Regeln in der Region Veneto für die schrittweisen Wiedereröffnungen  der Phase 2.

27.4. bzw. 29.4.
Die Friedhöfe in der Metropolregion Venedig dürfen ab 27.4. täglich von 10-18 Uhr wieder besucht werden. Der Cimitero San Michele in Venedig ab dem 29.4. täglich von 10-15 Uhr. (Siehe auch Label San Michele.)

4.5.
Wiederöffnung der Krankenhäuser, sie seit dem 13.3. keine gewöhnliche Aktivitäten jenseits von Covid19 durchführten. (Das Risiko, Notfallhilfe z. B. für Infarkte aller Art zu benötigen, sollte man allerdings weiter gut kalkulieren. Im äußersten Fall von Venedig zur stationären Behandlung nach Mestre zu müssen grenzt die Überlebenschancen ein. Das Ospedale Civile in Venedig wurde in seinen Dienstleistungen stark beschnitten.) Krankenhausaufnahme nur nach telefonischer Anmeldung, mit Seuchenschutz und ohne Begleitung (außer für Kinder und sehr alte Menschen). (Hier das ganze Regelwerk ab heute.)

4.5. 
Wiederöffnung von öffentlichen Gärten und Parks unter Beachtung der bekannten Distanz-, Masken- und weiteren Hygieneregelungen. (Quelle: La Nuova(Hier das ganze Regelwerk ab heute.)
Siehe auch Eintrag vom 17.12.19 "Weihnachtsüberraschung - Eröffnung der Giardini Reali!".


5.5.
Bibliothek der Stiftung Querini Stampalia: einige Teilbereiche sind ab heute wieder aktiv. 

14.5.
Die Bibliothek der Universität IUAV öffnet schrittweise.

18.5.
Allgemeine Öffnung von Geschäften unter Beachtung der bekannten Distanz-, Masken- und weiteren Hygieneregelungen. Quelle: La Nuova)

18.5. 
Bis zum 17.5. sind italienische Museen und Galerien geschlossen. Dazu die Regeln und Verhaltensregeln
Aktualisierung: Museen können wieder öffnen, aber in Venedig wird von dieser Möglichkeit vorläufig kein Gebrauch gemacht. Die Personalkosten rechnen sich bei der erwartet geringen Zahl von Besucher*innen nicht.
Die Städtischen Museen hoffen, in der 2. Junihälfte unter Auflagen (online-Ticketkauf, festgelegter Parcours u. ä.). Die Öffnung der Staatlichen Museen (Accademia, Ca' d'Oro, Palazzo Grimani, Museum für Orientalische Kunst in der Ca' Pesaro, Archäologisches Museum) ist noch nicht festgelegt, möglicherweise ebenfalls 2. Junihälfte. Palazzo Mocenigo, Casa Goldoni und Naturkundemuseum öffnen nur kurzzeitig für kleine Gruppen nach vorheriger Anmeldung. Guggenheim hofft, in der 1. Junihälfte wieder zu öffnen, während die Pinault-Museen Grassi und Dogana erst im August (parallel zur Architekturbiennale) öffnen werden. (Alle Eröffnungstermine der einzelnen Häuser folgen hier im Kalender.)
Die große Carpaccio-Ausstellung, ab Oktober für den Herbst und Winter geplant, wird auf den Herbst 2021 verschoben.
Die Campanili von S. Marco und S. Giorgio Maggiore können wegen der Enge der Fahrstühle vorläufig nicht besucht werden.
Quelle: La Nuova, 13.5.

18.5.
Die Bibliothek von IVESER öffnet wieder unter Beachtung der bekannten Distanz-, Masken- und weiteren Hygieneregelungen und vorheriger telefonischer Anmeldung.
Die Bibliothek der Fondazione Querini Stampalia steht wieder zur Verfügung freitags 11-18 Uhr und gegen Voranmeldung.

18.5.
Kirchen werden nur für Gottedienste, nicht Besichtigungen, geöffnet, unter Beachtung der bekannten Distanz-, Masken- und weiteren Hygieneregelungen und Körpertemperaturen von Besucher*innen nicht über 37,5 °. Die Kirchentüren stehen offen und werden hygienmäßig nicht auf- und zugemacht. (Quelle: La Nuova)


18.5.
Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti öffnet wieder unter strengster Einhaltung der bekannten Auflagen. Führungen im Palazzo Loredan werden derzeit nicht angeboten.

18.5.
Die beiden verbliebenen Gondelfähren über den Canal Grande, bei S. Sofia zum Rialtomarkt und bei S. Toma nach S. Samuele, sind ab heute wieder in Betrieb.
Vormittags, mit einer Kapazität von nur  6 Personen (Abstände zwischen Personen mit Tape abgeklebt), Handschuhe und Gesichtsschutz obligatorisch.

20.5.
Wiedereröffnung aller städtischen Bibliotheken, Venedig, Inseln, Terra ferma. Regeln für die Nutzung.

22.5.
Die Stätten des FAI (Fondo Ambientale Italiano)- Gebäude und Gärten - können wieder besucht werden, zunächst nach vorheriger Absprache und online-Ticketerwerb. In Venedig ist das das Negozio Olivetti am Markusplatz. am 2.6. sind die Kulturgüter zum Tag der Republik kostenlos geöffnet. Außerdem erhalten an diesem Tag interessierte Mitarbeiter*innen aus Kranken- und Altenpflege eine kostenlose Jahresmitgliedschaft als Dank für ihren Einsatz während der Covid 19-Pandemie. (Eine schöne, nachahmenswerte Idee.)

23.5. 
Wiedereröffnung Museum, Garten etc. der Fondazione Querini Stampalia allerdings bis auf Weiteres nur an Samstagen und Sonntagen und nach Voranmeldung. Querini Stampalia gehört zu den Häusern, die mehr als andere beim Hochwassersturm am 12.11.19 Schaden nahmen und seitdem geschlossen sind. Auch jetzt sind Renovierungen und Restaurierungen im Bibliotheksbestand nicht abgeschlossen. (Bibliothek siehe 5.5.)

23.5.
Anlässslich der Festa della Sensa wurden der Blue Moon Strand auf dem Lido und weitere Strände wieder eröffnet. Ebenso die Ferienorte an den nördlichen Lidi.

24.5. 
Museo Ebraico öffnet zunächst am 24. und 31.5. 10-17:30 Uhr

26.5. 
Wiedereröffnung der Gallerie dell'Accademia.

26.5.
Wiedereröffnung der beiden Ausstellungshäuser der Fondazione Bevilacqua La Masa. Palazetto Tito in Dorsoduro Montag bis Freitag 10-17 Uhr, Galerie an der Piazza San Marco Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr.

26.5. 
Öffnungszeiten aller Friedhöfe der MetropolregionVenedig: 7:30-18 Uhr, ABER San Michele in Venedig: 8:30-17 Uhr 7 Tage/Woche.

28.5.
Archivio di Stato Venezia ist wieder geöffnet. Besucherzahl ist noch beschränkt, Voranmeldung erforderlich.

28.5.
Fiere, Sagre, Pfarr- und Kirchweihfeste: bisher galten Rundumabsagen. Jetzt gibt es für die Region Veneto neue Verordnungen - ob daraufhin in Venedig die Feste im Juni/Juli/August stattfinden, ist per www kaum zu recherchieren. Infoplakate in der Nähe der betroffenen Nachbarschaft bzw. Parrochia beachten!

1.6.
Friseure, Schönheitssalons, Restaurants unter Beachtung der bekannten Distanz-, Masken- und weiteren Hygieneregelungen.
(Quelle: La Nuova)
Es kann wieder gegondelt werden, voraussichtlich mit nur maximal 4 statt der bisherigen 6 Passagiere, mit Masken für alle auf dem Boot selbstverständlich (vielleicht macht das der Selfiemanie ein Ende?).

1.6.
Ende der Maskenpflicht im Freien, aber nicht in Bars, Restaurants und anderen geschlossenen Orten. Im Freien sollten Masken aber weiterhin getragen werden, wenn der verpflichtende Abstand nicht eingehalten werden kann.

2.6.
Peggy Guggenheim Collection öffnet wieder. Regeln für den Besuch.

3.6.
Öffnung der italienischen Grenzen für Bürger*innen des Schengenbereichs.
Die Öffnung berücksichtigt aus meiner Sicht weniger Fragen gesundheitlicher Sicherheit, Infektionstechnik und Infektionspolitik, Nachhaltigkeit und Zukunftsplanung, sondern ökonomische Aspekte.

3.6. 
Teatro La Fenice ist wieder für Besuche/Besichtigungen geöffnet. Der Preis ist ermäßigt, telefonische Anmeldung am Vortag erforderlich unter +39-041-786672, 10-17 Uhr.

3.6.
Die Basilica dei Frari kann wieder besucht werden unter diesen Bedingungen.

5.6.
CHORUS Venezia nimmt seine kostenlosen Führungen in venezianischen Kirchen wieder auf. Zunächst nur in S. Sebastiano, S. M. Formosa, S. M. dei Miracoli, ab 15.6. in weiteren. (Bedingung wie überall: Mindestabstand, Gesichtsmaske, vor Betreten der Kirchen Hände desinfizieren.)

7.6.
Scuola Grande di San Rocco öffnet wieder. Und: die Scuola Grande di San Rocco hat jetzt auch einen Bookshop im Parterre!

7.6. 
San Marco: die ersten Besucher sind über dem Narthex der Basilica (Webcam) erschienen. Das Partriarchat Venedig informiert über Öffnungen von San Marco, den Kirchen auf Torcello, den Campanili und den Museen seit 5.6.. Keine Warteschlangen derzeit, trotzdem hier der Link für Reservierungen.

10.-30.6.
Museum Fondazione Querini Stampalia ist noch geschlossen, aber per Anmeldung werden kleine Gruppen zu Führungen empfangen. Jeweils Di-Fr 10-17 Uhr. 

13.6.
Wiedereröffnung der Städtischen Museen zunächst nur Sa und So, ab 22.6. in einigen Museen wieder an allen Wochentagen. Ein Teil der MUVE ein Teil der bietet Exklusiveintritt bis Ende Juli an.
Dogenpalast ab 2.7. zusätzlich Do 14.18 Uhr
Eintrittskarten online ab 4.6., es gibt bis 31.7. folgende Ermäßigungen: das Glasmuseum auf Murano und das Spitzenmuseum auf Burano sind eintrittsfrei, Eintritt Dogenpalast für Erwachsene 13 und für Kinder bis 6 Jahren 5,50 €. Verhaltensregeln unter Covid 19 in den Städtischen Museen! 
Nachtrag 14.6.: Schlangen vor dem wiedereröffneten Dogenpalast.

15.6.
Phase 3 der Wiedereröffnung in der Region Veneto tritt in Kraft. Dazu noch der Artikel mit Erläuterung der 'Nuova'. Toi toi toi... 
Den frühzeitigen Öffnungen wurde widersprochen, z. B. von Betreibern von Discotheken und Clubs. Wovon sich der Regierungspräsident des Veneto, Luca Zaia, nicht beeindrucken lässt.
Wer nicht auf eine geplante (oder bedenkenlos spontane) Reise verzichtet, muss wissen, dass er*sie bei einem positiven Covid19-Test für 14 Tage stationär in Quarantäne genommen wird. (Wie weit das auf Familien- oder Reisegruppenmitglieder zutrifft, habe ich nicht erkundet.)
Schon am Pfingstwochenende war Venedig von italienischen Tourist*innen überlaufen, besonders der OPNV unvorbereitet und vom Andrang überfordert. In den sozialen Medien finden sich erstaunliche und absurde Bemühungen, die Stadt endlich wieder vollzukriegen, von Stadtführer*innen bis Blogger*innen.   
"We both marveled (again) about why there were so few actual coronavirus cases in Venice, and why we were not infected, especially because we both had participated to such an extent in Carnevale. Sergio said, "I don't know a single person who had the virus. How can this be? I have a theory. Because we are so used to interacting with visitors all over the world, we have built up our own immunity."
I had arrived at the same conclusion before herd immunity was even a thing. I like to imagine that there is something sacred in the water that flows from the fountains throughout the city, like Venice's own Holy Water. Or maybe there's an ancient immunity embedded in the stones and the marbles, left over from so many centuries of handling the plague. Whatever the reason, as I have said repeatedly, the historic center of Venice was never overwhelmed by COVID-19, with only a handful of cases -- contrary to how the situation was portrayed in the media." (Quelle: Venetian Cat - The Venice Blog)
Ich verstehe die wirtschaftlichen Nöte, aber nicht das Geschwätz von totaler Sicherheit und Schutz, die Gäste in Venedig angeblich erfahren, verbreitet von Bürgermeister bis Caféinhabern. Aber glücklicherweise gibt es heiliges Wasser in der Stadt und jahrhundertealte Pestimmunität in venezianischen Gemäuern!

15.6.
Voraussichtlicher Termin der Wiedereröffnung des Teatro La Fenice. Nein, erst im Juli.

20.6. Wiedereröffnung Palazzo Cini.

25.6. MUVE ein Teil der städtischen Museen bietet Exklusiveintritt bis Ende Juli an.

26.6. Palazzo Grimani öffnet wieder für zunächst 3 Tage die Woche: wechselnd Fr-Sa-So und und Mi-Do-Fr jeweils 10-19 Uhr. Weitere Informationen.

26.6. Führungen auf der Insel S. Giorgio Maggiore werden wieder von der Fondazione Cini angeboten. Vorläufig nur Frei, Sa, So 10-18 Uhr in Gruppen zu max. 15 Personen. Dazu alle Details. Die Führung durch den Park bzw. die Vatikanischen Kapellen findet jetzt als separates Angebot statt, ergänzt durch für jede Kapelle einzeln von Antonio Fresa komponierte Musikstücke. Die können auf dem kleinen Smart-Führungsgerät gehört, aber auch auf das eigene Smartphone heruntergeladen werden.
Mehr zum Musikprojekt Vatican Chapels - soundtrack experience:
https://www.domusweb.it/en/news/gallery/2020/06/19/a-musical-journey-through-the-vatican-chapels-on-the-island-of-san-giorgio.html 
https://www.rockol.it/news-714892/antonio-fresa-esce-vatican-chapels-a-soundtrack-experience
https://www.iodonna.it/lifestyle/viaggi/2020/06/24/vatican-chapels-soundtrack-experience-una-passeggiata-nel-bosco-musicale-e-mistica/
Siehe auch Eintrag vom 28.3.18 "Der Heilige Stuhl und die Architekturbiennale".
Auch das 2019 neu eröffnete San Giorgio Cafe wird wieder geöffnet. 
Insgesamt ist die Insel mit den (hochinteressanten und aus meiner Sicht obligatorischen)Führungen und Café mittlerweile ein relativ teurer Spaß geworden. Andererseits - die Besichtigung der Kirche, der Stanze del Vetro und der meist kostenlosen Ausstellungen in den Säälen entlang des Bacinoufers und in den ehemaligen Klosterräumen eingerechnet, insgesamt ja quasi ein ganztägiger Aufenthalt auf der Insel - dann doch wieder im preiswerten Bereich!   

29.6. Die Bibliotheken der Fondazione Cini öffnen wieder, Mo-fr 10-16 Uhr, Voranmeldung über OPAC, nicht mehr als jeweils 10 Bücher. Obligatorisch: Gesichtsmaske, Temperaturmessung und Händedesinfektion in der Bibliothek.

1.7.
Der ehemalige Fondaco dei Tedeschi (der Luxus Megastore T-Fondaco) öffnet wieder. Siehe auch Eintrag vom 14.11.16 "Fondaco dei Tedeschi - Einsichten, Aussichten".

1.7.
Venice Kayak bietet wieder die Kayakkurse in der Lagune an.

5.7. 
Teatro La Fenice öffnet nach einem größeren Umbau. Dazu auch Artikel der Repubblica 17.6.20 und Arte Sky 30.6.20 und ANSA 2.7. und Tagesspiegel 5.7.

10.7.
V-A-C Foundation  öffnet ab heute wieder. mit einem Kooperationsangebot über die Stadt Venedig an venezianische Institutionen, künstlerische und soziale Initiativen, Künstler*innen, Literat*innen, Handwerker*innen etc., sich in den Räumen von V-A-C zu präsentieren: "Porte aperte alla città". Projektvorschläge sollen bis 20.7. eingereicht werden.

11.7.
Die Pinault-Häuser Palazzo Grassi und Dogana und das Teatrino beim Palazzo Grassi eröffnen wieder. Die aktuellen Ausstellungen und Aktivitäten. Achtung: Öffnung jeweils nur Fr-Sa-So 10-19 Uhr.

11.7.
Casa Tre Oci öffnet wieder. Im Juli und August ist der Eintritt ermäßigt.

14.7. 
Teatro La Fenice hat auch die Konzertveranstaltungen wieder aufgenommen.

16.7.
Galleria Franchetti Ca' d'Oro öffnet heute wieder. Öffnungszeiten beachten.

31.7.
Städtische Museen (MUVE) erweitern ihre Öffnungszeiten.

1.8.
Museo Correr (eines der MUVE-Häuser) öffnet wieder die Räume der 1. Etage.

4.8. 
Metropolitano.it Musei Civici di Venezia verso il ritorno alla normalià

4.9.
Casa Goldoni.
11.9.
Ca' Pesaro (eines der städtischen Museen) öffnet wieder, und zwar Fr-Sa-So 11-17 Uhr. 



Quelle: Metropolitana.it 30.3.20

Wer Venedig liebt und den bisherigen touristischen Mißbrauch kennt, versteht eigentlich beim Anblick der Bilder und Filme des leeren Venedig und seiner menschenleeren Schönheit, dass die Stadt nicht nur von Kreuzfahrtschiffe und Tagesbustouren verschont bleiben sollte, sondern von uns allen. Ich für mein Teil denke noch mehr als bisher schon darüber nach, ob ich mich künftig aus der Zerstörung der Schönheit und aus der sozialen Verarmung der Stadt heraushalten soll.



Einträge zur Situation Covid 19 in Venedig:


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14. Januar 2020

Massen und Maßnahmen

Karte der Sensoren des neuen Personenzählsystems
(und Darstellung der 'Massentrampelpfade"!)

Es ist soweit! Oder ist es nur mal wieder soweit?

Die Massen sollen gezählt, geleitet, verteilt werden - und demnächst sogar besteuert. Keine neuen Sachen, denn die Stadt Venedig experimentiert seit Jahren an Carnevale, Redentore, Regata Storica, Silvester etc. wie die Menschenflüsse  gezählt und bei Bedarf umgeleitet werden können. Oder zumindest ist dauernd die Rede davon.

2018 z. B. sollte die Zählung mit Lasertechnik, Sensoren und Software von Hitachi stattfinden. Die zusätzliche Idee der Drehkreuze am Piazzale Roma, beim Bahnhof und am Eingang zur Piazza, großer Aufreger vor allem für die Einheimischen, waren ein Schuss in den Ofen und wurden in diesem Jahr (zunächst) wieder abgeschafft. Die veröffentlichten Zählergebnisse blieben rund, in der Regel täglich 100.000 Tagesgäste. Kann also auch mit der Zählerei nicht so gut geklappt haben.

Nun soll Karneval ein neues Zählsystem in die "Generalprobe" gehen mit 34 Sensoren (Personenzählsensoren und Sensoren zu Erfassung von Strömungen), die derzeit in den inneren Stadtbereichen, auch an einigen stark frequentieren Vaporettoanlegern, installiert werden. Die erfassten Daten werden vom städtischen IT-Unternehmen Venis in die Daten der Mobilfunknetze integriert, um eine verlässliche Schätzung der sich in der Stadt bewegenden Touristenmassen in Echtzeit zu erhalten.

Leider scheint es mit dem Lesen und Auswerten der Dateien laut Auskunft der Tourismusreferentin Mar noch zu hapern, die Software und die Datenübertragung an das neu eingerichtete Auswertungswertungszentrum auf dem Tronchetto sind noch in der Testphase. 4 Wochen vor Karneval, zu dem das System an den Start gehen soll. Dafür soll es diesmal ein wunderbar schnelles Zählsystem sein mit Aufnahmen, die laut 2 verschiedenen Lokalzeitungen alle 5 Sekunden bzw. alle 25 Hundertstelsekunden stattfinden sollen (verstehe ich nicht...). 

Die Steuerung von Menschenströmen, immer wieder erfolglos angekündigt, soll nun endlich möglich werden, weil "dank der Geschwindigkeit der Datenkommunikation" erkennbar ist, wie schnell und wie dicht sich z. B. eine Menschengruppe bewegt und von A nach B kommt, wodurch Staus verhindert und alternative Routen vorgegeben werden könnten. (Laut Frau Mar könnte sich das System theoretisch auch für Hochwasserwarnungen einsetzen lassen.) Das Personenzählsystem schließe Gesichtserkennung und Übergriffe auf Mobiltelefone aus (im Gegensatz zu bisherigen Versuchen), aber natürlich gibt es in Venedig die üblichen Kameras zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit
Alles wie gehabt: das System verspricht frühzeitige Erkennung von Personenansammlungen und ihre zeitnahe Umleitung. Wie die Praxis genau funktioniert, bleibt auch diesmal vorsichtshalber ein Geheimnis - falls es wieder nicht klappt?

Allerdings ist das Sensorenprojekt eingebunden in das Maßnahmenpaket, das mit der UNESCO zu Minderung des Tourismusdrucks vereinbart wurde, erhält entsprechende Förderung und ist mit anderen Maßnahmen Voraussetzung für den Welterbestatus Venedigs. Deshalb auch großer Medienauftrieb - man zeigt Aktivität, wenn auch im x. Anlauf und bisher ohne Gewissheit, dass die Sache funktioniert. Wir werden sehen, ob es nur wieder mal Zeit für einen venezianischen Presseautritt war.




Tronchetto: Parkhäuser, Busparkplätze, Anleger, Kontrollzentrum. (Die Großrestaurants für chinesische Reisegruppen wurden ausgegliedert.)



Das gilt auch für den Stadtratsbeschluss vom 23.12.19, die Summe von 10.000.000 € für die Verbesserung des Tourismusmanagements auszugeben. Zu vestehen ist darunter aus meiner Sicht die Erleichterung der Massenanreisemöglichkeiten nach Venedig. 
Wesentliche Inhalte sind:
  • eine elektronisches Infotafel-Leitsystem auf dem Tronchetto, 
  • ein "beleuchteter Boulevard" zwischen Marghera und Mestre
  • eine neue Verkehrsausschilderung zwischen Mestre und Venedig
  • die Verbesserung der Infrastruktur des Tronchetto: Anlegeplätze, Toiletten, Busparkplätze
  • die Neugestaltung des informationsbüros für Tourist*innen
  • weitere Investitionen in die Radwege um Venedig
  • eine App zur Verkehrsleitung der Besucher*innen
  • die Einführung des Eintrittsgeldes ab 2020. 
Das alles dauert natürlich seine Zeit, aber gerade die Strukturverbesserungen des Tronchetto dienen dem Tagestourismus, über dessen negative Auswirkungen neben den kurzzeitigen Aufenthalten der Kreuzfahrtschiffe in Venedig eigentlich am meisten gejammert wird. Der Rein-Raus-Tourismus. Mordi e fuggi.


Womit wir bei den Maßnahmen bezüglich der Massen nun beim Thema des "Contributo di accesso" sind, das ist jetzt die offizielle Bezeichnung, ZUTRITTSBEITRAG. 
Schneller als im Eintrag "Ein vorhersehbarer Flop" vom 27.7.19 erwartet, wurde mittlerweile der wirklich und wahrhaftige Einführungstermin des Zutrittsbeitrags zum 1.7.2020 festgelegt. (Ich sage schon mal: warten wir es ab.)

Im Stadtratsprotokoll vom 9.10.19 lobt der Haushaltsreferent Michele Zuin zunächst die "monatelange unentwegte und akribische Arbeit der Verwaltung, des Wirtschafts- und Finanzministeriums und Trägern der Personenbeförderung, die nun die volle Betriebsfähigkeit des innovativen Systems des Zutrittsbeitrags für Venedig ermöglichen wird." Nicht, wie ursprünglich geplant, externe Verkehrsträger sollen das Geld einsammeln, sondern es "wurden Entscheidungen getroffen, die eine Reihe von Änderungen der o. g. Regelung möglich machen. Zentral ist die Erweiterung der Einzugsberechtigten des Zutrittsbeitrags und der korrekten Erfüllung ihrer Aufgaben gegenüber den einzelnen Reisenden und von Seiten der Stadt Venedig." Wer also genau? 
Ein "angemessener Zeitraum für die Entwicklung eines funktionalen Zugangssystems, besonders auch im Hinblick auf Ausnahmefälle wie Bewohner der Altstadt und regelmäßige nicht-touristische Besucher" wurde nach vielen Arbeitstreffen mit Fachmenschen, besonders IT-Leuten und Administrativen, festgelegt, also bis zum 1.7.2020.

Aufgaben bis zu diesem Termin:

  • IT-Programm/System für Gutscheine, die von der Zahlung des Zutrittsbeitrags befreien;
  • IT-Programm/System für die online-Zahlung - Kreditkarten, Paypal, Banküberweisung;
  • adäquates Vertriebsnetz in der Metropolregion Venedig und den angrenzenden Provinzen;
  • Entwicklung und Aufbau des Vertriebsnetzwerks von Verkaufstechnologie;
  • Kommunikationskampagne für Benutzer*innen;
  • Informationssysteme an Zugangapunkten (Flughafen, Bahnhöfe);
  • Freigabesystem für Betreiber von Hotelreservierungen und zur Information ihrer Nutzer*innen;
  • Informationssystem zur Stadt Venedig und ihres nachhaltigen Tourismus;
  • Versuchsperiode aller Entwicklungen.


Das Ziel einer vollelektronischen Buchung soll im Jahr 2022 erreicht sein. 2020 wird zunächst eine niedrige Preisstaffelung und fortgesetzte Überprüfung der Systeme gelten.

Am 24.10. beschloss und veröffentlichte der Stadtrat die Vorlage zum Zutrittsbeitrag, seitdem mach die Information ihre übliche internationale Medienrunde.

Spiegel: Venedig kassiert ab Juli Eintritt.


Ergänzung 24.3.2020
Der Start des "Zutrittsbeitrags" wird um 1 Jahr verschoben. Bürgermeister Brugnaro sagt, da der Tourismus durch den Coronavirus-Notfall beseitigt wurde, "haben wir ihn ein Jahr verschoben - sagte er - weil er anachronistisch werden würde".






27. Juli 2019

Ein vorhersehbarer FLOP


Festa della Sensa 2019

Das venezianisches Eintrittsgeld hat sich bis auf irgendwann erledigt. Die riesige aufgeregte Medienwelle, die Anfang des Jahres nach Ankündigung der Eintrittsgebühr ab Mai 2019 um den Planeten rollte, stellt sich als überflüssig heraus.

Siehe unten reinkopiert (ohne Fotos) den Eintrag "Eintrittsgeld für mordi e fuggi" vom 6.1.2019.

Denn in der Ratssitzung am 24.7. informierte der Haushaltsreferent Michele Zuin den Stadtrat formell, dass der geplante und mehrfach verschobene Start der Eintrittseinnahmen (vom Mai 2019 auf September, dann vom September auf Beginn 2020) nach seinem Verständnis "eine pure Utopie" sei. Die unabgesprochene Planung von Bürgermeister und Rat, die Eintrittgsgebühren durch die Träger des Reiseverkehrs - Bahnen, Busse, Reisebüros, Kreuzfahrtschiffe etc. - abkassieren und an das Rathaus abführen zu lassen, liesse sich nicht verwirklichen. 

Siehe "La Nuova" vom 25.7.19: "L'imposta di sbarco è un flop: tutto da rifare"

Zuin beklagte den Planungspfusch auf höchster Ebene und den daraus resultierenden Schlamassel. Die Methode, Eintrittsgelderfür eine kleine Insel wie Capri von einer einzigen Bootsfähre einsammeln zu lassen, liesse sich nicht auf die komplexe Situation des venezianischen Tagestourismus übertragen. Eine Befragung unter Beförderungsunternehmen (Bericht des städtischen Beraters Emanuele Rosteghin) hatte ergeben, dass die sich das Abkassieren ihrer Gäste nicht vorschreiben lassen, bzw. die bisherigen bei der Regionalverwaltung eingegangenen Beschwerden und Widersprüche machen dringend den Rückmarsch erforderlich.  

Die Sache müsse komplett neu konzipiert und initiiert werden, ohne Inanspruchnahme der Beförderungsunternehmen. Die aktuelle Idee dazu ist, die Eintrittsgebühr ausschließlich im Voraus über VENEZIA UNICA buchen zu lassen. Auf diesem Weg sei allerdings massenweise Schummelei nicht zu verhindern, zu aufwändig wäre die Kontrolle der "Eintrittskarten", die ohnehin nur als Stichproben geleistet werden könne.
Das Problem der Freistellung von Eintrittsgeld für Bewohner*innen, in Venedig Studierenden oder Beschäftigten etc. ist bisher ohnehin nicht gelöst. 


Bisher hat die Stadt Venedig anscheinend darauf verzichtet, die Weltpresse auf den neuesten Stand zu bringen. Den Spott über ihre unausgereifte, aber umso großspurigere Ankündigung von Anfang Januar würden Bürgermeister und Stadt sich sicher gern ersparen. Aber Großspurigkeit und Realitätsferne teilen sie mit Inhabern weit höherer Ämter. Vielleicht klappt es ja mit Hilfe einiger Expert*innen und in ein paar Jahren mit dem venezianischen Eintrittsgeld. Um die Regelung und Eingrenzung des Hypertourismus geht es ja ohnehin nicht, siehe Eintrag vom 6.1.19 hier unten.



Eintrittsgeld für mordi e fuggi.  Eintrag vom 6.1.2019

Nach dem EU-politischen Theater um den italienischen Haushalt und nach jahrelangen 'diplomatischen Manövern' der Stadt Venedig hat wenige Tage nach dem Senat auch die Abgeordnetenkammer am (sage und schreibe!) am 28.12.2018 die 'Landungssteuer' - tassa di sbarco - als Teil des Haushalts 2019 verabschiedet. Damit darf die Stadt Venedig (wie auch die Inseln Capri, Giglio und Elba) von Tagestourist*innen ein Eintrittsgeld von 2.50 bis 10 € erheben.

In Venedig nennt man Tagestourist*innen "mordi e fuggi" - also "beiss rein und hau ab". Ein schönes und zutreffendes Bild für den Rein-Raus-Tourismus, wenn man wieder mal eine deutsche Familie auf Tagestour vom Campingplatz in Punta Sabbioni die Stullen auf Brückenstufen in Venedig auspacken sieht. Die Meldung der neuen Steuer wurde in internationalen Medien mit Einverständnis und Zweifeln kommentiert.


Um den Ticketpreis in Relation zu anderen venezianischen Preisen zu setzen, sind hier ein paar Beispiele:
20 € Dogenpalast voller Eintritt; Sonderausstellungen im Dogenapartment, z. B. Tintoretto kosten extra.
(Die folgenden Museen bieten unterschiedliche Reduktionen für sehr diverse Personengruppen an, erheben aber auch z. T. Zusatzgebühren für z. B. Onlinebuchungen)
10 € Ca' Rezzonico
10 € Palazzo Fortuny
15 € Accademia
12,50 € Ca' d'Oro15 € Guggenheim Collection15 € (jeweils) Palazzo Grassi + Punta Dogana
3 € CHORUS-Kirchen einzeln, Sammelticket für alle 12 €
8 € Scuola Grande di San Marco13 € Führung durch den Komplex der Fondazione Cini, ehemaliges Kloster S. Giorgio Maggiore (ohne Kirche)
11,50 € 1 Espresso + 1 kleines Glas Leitungswasser in einem der 4 Cafés am Markusplatz (Stand der Information ist vielleicht überholt: von 2017)
2,50 € 1 Espresso + 1 Croissant 400 m und eine Brücke jenseits des Markusplatzes


Die Entscheidung hat laut Lokalpresse 2 Zielsetzungen:
"...portare all'incremento del gettito dagli accessi alla città, il contributo di sbarco sarà versato a prescindere dal pernottamento in strutture ricettive e (...) conseguire un effetto selettivo e moderare l'accesso delle cosiddette grandi navi alla zona lagunare", also: "...zu erhöhten Einnahmen aus dem Zugang zur Stadt zu führen, da die Landegebühr unabhängig von der Unterbringung in Hotels gezahlt wird und (...), um einen selektiven Effekt zu erzielen und den Zugang der sogenannten großen Schiffe zum Lagunengebiet zu mäßigen".

Dass die meisten internationalen Medien daraus schließen, dass damit die BESUCHER*INNENZAHLEN "in Schach gehalten", kontrolliert bzw. sogar verringert werden sollen, könnten, siehe z. B.


ist allerdings erstaunlich. Denn das hat niemand gesagt. Falsch ist auch die Behauptung, dass "Venedig seit Jahren gegen die Besuchermassen kämpft" - es ist (leider nur) eine Minderheit der venezianischen Bevölkerung (z. B. die Bürgerinitiativen Grupo 25 Aprile oder No Grandi Navi), die das tun.
Venedig, also die Verwaltung der Stadt, der Bürgermeister, die Tourismusindustrie und die gesamte Hydra der tourismusabhängigen Wirtschaft kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um die Erhöhung der Besucherzahlen, den weiteren Bau von Hotels auf dem Festland sowie exklusiven Luxusresorts auf Laguneninseln, die weitere Umwandlung alter Gebäude im Centro Storico zur auschließlichen Nutzung durch die Tourismusindustrie (Hotels und Show-"Museen"), sowie den weiteren Zugang großer 'Kreuzfahrt'schiffe in die Lagune.


Es geht um Geld. Profite. Dafür ist nicht nur das Luxussegment zuständig, sondern auch die Masse, die täglich über die Adria reinkommt, ein paar Stunden durch die Gassen wandert, Venedig-Souvenirs einkauft und zum Abendessen aufs Schiffs zurückkehrt. Und die Masse asiatischer Busrundreisetourist*innen, die eine Führung über den Markusplatz inklusive bekommt, danach im asiatischen Airportluxusverkauf des Fondaco dei Tedeschi sein Geld lässt und in einer eigens eingerichteten Restauranthalle auf dem Tronchetto, neben den Parkplätzen, speist (inklusive? Möglicherweise, weiss ich nicht).
Das sind, und natürlich weitere, die Zielgruppen der neuen Landungssteuer, und welches Tourismusunternehmen bis hin zum Anbieter von Fahrradreisen wird ernsthaft erwägen, Venedig von seiner Tour zu streichen? Wegen eines Eintrittspreises, der einer einzigen Kircheneintrittskarte vergleichbar ist, oder billiger als ein Espresso auf dem Markusplatz? Lächerlich.

Die Landungssteuer kommt allerdings viel zu spät, ist zu billig, und lässt halbherzig die Tourismusindustrie davon kommen. Trotzdem: sinnvoll ist sie allemal. Zu ihrer Verwendung gibt es von den Medien die zweite ahnungslose Falschmeldung, sie diene dem "Erhalt Venedigs". Laut Bürgermeister Brugnaro soll sie konkret als Beitrag zur Stadtreinigung verwendet werden, die bisher mit Steuermitteln bezahlt wird. Als Stadtverantwortlicher muss er es wissen, und als Inhaber der Zeitarbeitsfirma Umana, die auch die Grupo Veritas mit billigen Arbeitskräften versorgt, auch. Zu hoffen ist auf die Realisierung dieser Behauptung, und dass die Männer und Frauen, die den täglichen Abfall der Besucher*innen entsorgen, jeden Tag morgens vor 7 Uhr den Markusplatz fegen und nach den Feierlichkeiten der Neujahrsnacht die Riva noch vor 4 Uhr besenrein übergeben haben, künftig nicht mehr nur von den Steuern der Venezianer*innen bezahlt werden.


Die 3 Probleme, die nach dem Haushaltsbeschluss anstehen, sind
1. ab wann und wie viel?
2. wie wird die Kohle eingesammelt?
3. wie werden die Einheimischen und die Massen Pendler*innen von der Zahlung ausgenommen, außerdem die Menschen, deren Ziele das Krankenhaus, das Gericht o.ä. sind, und die Besucher*innen jenseits von touristisch motivierten Anlässen, z. B. Eltern von Studierenden, Familien von Strafgefangenen, religiöser Anlässe etc.?

1. wurde vom städtischen Wirtschaftsreferenten Michele Zuin im Neujahrsinterview beantwortet: alle Tarife müssen vor dem 28.2. entschieden sein, um noch 2019 in Kraft zu treten. Für das Top-Event des Carnevale ist es zu spät, aber für den Termin Ostern könnten die notwendigsten Formalitäten für die Landungssteuer erledigt sein. Könnten. Wir werden sehen.

2. scheint einfach zu sein: wird den Tourismusunternehmen aufs Auge gedrückt. Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug. Von denen auf die Reisekosten addiert und an die Stadt Venedig weitergeleitet. Ob dazu im Vorfeld des Gesetzes Absprachen getroffen wurden, erfährt man nicht. Wie es mit Einzelreisenden im Detail funktionieren soll, auch nicht.
Für Zugreisende gibt es laut Zuin die Idee, die Zahlung der Steuer ausschließlich online anzubieten, gegen Beleg zur Vorlage bei Kontrollen und ggfs. beim Fahrkartenkauf am Schalter. 

3. scheint noch das größte Problem zu sein. Klar formuliert wird von den Verantwortlichen, dass Bewohner*innen Venedigs und der Region (und Weitere...) vom Eintrittsgeld ausgenommen sein müssen. Auch hier müssen die Regeln zur Umsetzung bis zum 28.2. festgelegt werden. Ein Arbeitstreffen der Betroffenen (Ministerien, Stadtverwaltung, Regionalverwaltung, Präfektur) ist für den 31.1. einberufen. Ob diese Aufgabe in so kurzer Zeit zu bewältigen ist, wird sich zeigen, sagt die venezianische Presse. Und zitiert die Stadtverwaltung:
"Le cose più semplici si faranno adesso, già in questo 2019, e le altre si studieranno poi" - Die einfachen Sachen werden gleich erledigt, noch 2019, die anderen werden danach näher betrachtet.
Na da verkneife ich mir doch jeden Spott und wünsche bestes Gelingen in Sinne der anderen Seite der Betroffenen - der hoffentlich nicht zahlungspflichtigen Bevölkerungsgruppen.


Den künftigen Tagesbesucher*innen, soweit sie auf diesem Blog landen, erlaube ich mir, einen Rat zu geben.
Es gibt Menschen in aller Welt, die, vielleicht zum ersten Mal noch bevor sie lesen konnten, die traumschönen Bilder der Stadt Venedig, ihrer Kanäle, Brücken, Lagune und Inseln gesehen haben. In Bildbänden, Boulevardblättern, im Fernsehen, Kino, in der Werbung der Tourismusindustrie. Und die deshalb Venedig gesehen haben wollen, nein, müssen, bevor die Stadt 'untergeht'. Und sei es nur ein Tag, einmal! Wer hätte dafür nicht grundsätzlich Verständnis.
Aber Venedig ist nicht sichtbar in einem Tag. Sozusagen. Man sieht nur das, was man von Bildern kennt. Auch 2 Tage reichen nicht. (Ach die Anfragen, was man in 2 Tagen Venedig - 1 vor und 1 nach der 'Kreuzfahrt' (!) - in Venedig "unternehmen" könnte!)
Ein Tag Venedig ist wie auf der Straße Angela Merkel sehen. Ein Blick mit der Erkenntnis "Angela Merkel sieht genauso aus wie im Fernsehen!" Aha. Und Venedig auch. Hat man was davon?
Bilder, die man seit Jahren kennt, werden in der Realität nicht real, sondern irreal. Fragt man Menschen am ersten Tag in Venedig, sind sie irritiert und fühlen sich "wie im Film". Es braucht Zeit, die Klischees loszulassen und eine eigene authentische Wahrnehmung Venedigs aufzubauen. Die sich dann aus vielen Mosaiksteinen der eigenen sinnlichen Erfahrungen und ihrer Verarbeitung zusammensetzt. Wer dafür die Zeit nicht hat, sollte sich das Geld sparen. Wer das Interesse daran nicht hat, sollte sich ein Ziel suchen, das seinen*ihren Interessen besser entspricht. Wer mit seinem Venedigbesuch angeben will, sollte sich das schenken - Venedig ist ein Krethi-und-Plethi-Trip geworden, ein Ballermann der Kulturstädte, mit Luxusabteilung.
Aber auch eine Art kultureller Heimat für die, die in vielen Jahren auf verschiedenste Weisen die Stadt erfahren und kennen gelernt haben, die Venedig bewundern und lieben und die deshalb immer wieder kommen.
Ich wünsche mir, dass die mordi-e-fuggi-Steuer ein Reinfall wird, weil ein Tagesbesuch in Venedig einfach zu wenig ist und sich das vielleicht endlich mal herumspricht. 

Bleibt weg! Kommt nicht nach Venedig! Keinesfalls für einen Moment, einen Tag mordi e fuggi. Vermutlich ein vergeblicher Wunsch. 


Das Thema Eintrittsgeld hat einige (bisher englischsprachige) Medienbeiträge ausgelöst, die z. T. auch kritische und nachdenkliche Töne zur Situation Venedigs liefern.
Nicht alle Meinungen teile ich, oder teile ich nicht nur, und nicht alle Informationen sind korrekt recherchiert oder widergegeben. Aber bei genügend Interesse am Thema sind sie lesenswert:



Ergänzung 20.1.
Keine offizielle Pressemitteilung, sondern nur ein Interview mit Bürgermeister Brugnaro anlässlich einer der vielen Anlässe, an denen er gerne edienfreundlich ist:
Die Landungssteuer wird ab Mai erhoben, zunächst wird die Entscheidung befristet auf 3 Jahre. Der dazu erforderliche Beschluss der Stadt erfolgt in den ersten Februartagen, danach die Bestätigung durch den Rat, und tritt nach 60 Tagen in Kraft. Theoretisch sind dadurch 40 Mio. € zu erwarten, obwohl noch keine Entscheidung über die Höhe der gestaffelten Beträge gefallen ist, seine eigene Vorstellung liegt zwischen 2 und 5 €. Von den 20 Mio. Besucher*innen 2018 waren 2/3 Tagestourist*innen, die von der Neuregelung betroffen sind.
Eine Studie zu rechtlichen Details ist in Arbeit, auch wegen der zu erwartenden Einsprüche. Einsprüche wohl auch datenschutzrechtlicher Art im Hinblick auf den neu eingerichteten, ab dem Frühjahr arbeitenden "Control room" auf dem Tronchetto, der zunächst mit Mitteln des Venedigabkommens finanziert wird und die Basis der künftigen Kontrolle und Leitung der Personenflüsse ist.
Absprachen mit den Verkehrsträgern wie Bahn, Schiffs- und Busunternehmen wurden im Vorfeld nicht getroffen und müssen noch erarbeitet werden. Ziel der Landungssteuer und Steuerungsmaßnahmen sei nicht, die Zahl der ankommenden Tourist*innen zu verringern, sondern die Spitzen mehrerer zusätzlicher Hundertausender Personen an speziellen Terminen wie Carnevale, Ostern, Redentore, Regata Storica und Brückenwochenenden zu kontrollieren. Dazu soll bis 2021 die obligatorische Voranmeldung für den Besuch der Stadt und der Inseln realisiert werden, mit deren Hilfe die Überfüllung (quasi wie z. B. in einem Sportstadion) verhindert werden soll. Eintrittsermäßigungen soll es dann für Anmeldungen an 'ruhigeren' Tagen geben. 

Ergänzung 4.7.2019
Man denkt "...hab ichs nicht gleich..." aber man sagt es höflicherweise nicht. Deshalb habe ich mir einen Hinweis verkniffen, als der Einführungstermin für das Eintrittgeld vom Mai 2019 auf den September verschoben wurde.
Aber jetzt melde ich doch, dass die Sache nicht vor 2020 in Gang kommt. Die Schwierigkeit besteht wohl darin, dass sich die Tourismusindustrie nicht so einfach in Haftung nehmen lässt für das Einsammeln des Eintrittsgeld, und schon gar ohne vorherige Absprachen, siehe letzter Absatz oben. Siehe auch Kurztext der Süddeutschen. Lassen wir uns an Neujahr überraschen... 

Festa della Sensa 2019


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6. Januar 2019

Eintrittsgeld für mordi e fuggi


Nach dem EU-politischen Theater um den italienischen Haushalt und nach jahrelangen 'diplomatischen Manövern' der Stadt Venedig hat wenige Tage nach dem Senat auch die Abgeordnetenkammer am (sage und schreibe!) am 28.12.2018 die 'Landungssteuer' - tassa di sbarco - als Teil des Haushalts 2019 verabschiedet. Damit darf die Stadt Venedig (wie auch die Inseln Capri, Giglio und Elba) von Tagestourist*innen ein Eintrittsgeld von 2.50 bis 10 € erheben.
In Venedig nennt man Tagestourist*innen "mordi e fuggi" - also "beiss rein und hau ab". Ein schönes und zutreffendes Bild für den Rein-Raus-Tourismus, wenn man wieder mal eine deutsche Familie auf Tagestour vom Campingplatz in Punta Sabbioni die Stullen auf Brückenstufen in Venedig auspacken sieht. Die Meldung der neuen Steuer wurde in internationalen Medien mit Einverständnis und Zweifeln kommentiert.

Um den Ticketpreis in Relation zu anderen venezianischen Preisen zu setzen, sind hier ein paar Beispiele:
20 € Dogenpalast voller Eintritt; Sonderausstellungen im Dogenapartment, z. B. Tintoretto kosten extra.
(Die folgenden Museen bieten unterschiedliche Reduktionen für sehr diverse Personengruppen an, erheben aber auch z. T. Zusatzgebühren für z. B. Onlinebuchungen)

10 € Ca' Rezzonico 
10 € Palazzo Fortuny 
15 € Accademia 
12,50 € Ca' d'Oro
15 € Guggenheim Collection
15 € (jeweils) Palazzo Grassi + Punta Dogana 
3 € CHORUS-Kirchen einzeln, Sammelticket für alle 12 €
8 € Scuola Grande di San Marco
13 € Führung durch den Komplex der Fondazione Cini, ehemaliges Kloster S. Giorgio Maggiore (ohne Kirche)
11,50 € 1 Espresso + 1 kleines Glas Leitungswasser in einem der 4 Cafés am Markusplatz (Stand der Information ist vielleicht überholt: von 2017)
2,50 € 1 Espresso + 1 Croissant 400 m und eine Brücke jenseits des Markusplatzes



Die Entscheidung hat laut Lokalpresse 2 Zielsetzungen:
"...portare all'incremento del gettito dagli accessi alla città, il contributo di sbarco sarà versato a prescindere dal pernottamento in strutture ricettive e (...) conseguire un effetto selettivo e moderare l'accesso delle cosiddette grandi navi alla zona lagunare", also: "...zu erhöhten Einnahmen aus dem Zugang zur Stadt zu führen, da die Landegebühr unabhängig von der Unterbringung in Hotels gezahlt wird und (...), um einen selektiven Effekt zu erzielen und den Zugang der sogenannten großen Schiffe zum Lagunengebiet zu mäßigen".

Dass die meisten internationalen Medien daraus schließen, dass damit die BESUCHER*INNENZAHLEN "in Schach gehalten", kontrolliert bzw. sogar verringert werden sollen, könnten, siehe z. B.

Tagesschau Eintritt gegen den Besucheransturm
FAZ Venedig darf Eintrittsgeld von Touristen verlangen
WDR Venedig fordert "Eintrittgeld" für Touristen

ist allerdings erstaunlich. Denn das hat niemand gesagt. Falsch ist auch die Behauptung, dass "Venedig seit Jahren gegen die Besuchermassen kämpft" - es ist (leider nur) eine Minderheit der venezianischen Bevölkerung (z. B. die Bürgerinitiativen Grupo 25 Aprile oder No Grandi Navi), die das tun. 
Venedig, also die Verwaltung der Stadt, der Bürgermeister, die Tourismusindustrie und die gesamte Hydra der tourismusabhängigen Wirtschaft kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um die Erhöhung der Besucherzahlen, den weiteren Bau von Hotels auf dem Festland sowie exklusiven Luxusresorts auf Laguneninseln, die weitere Umwandlung alter Gebäude im Centro Storico zur auschließlichen Nutzung durch die Tourismusindustrie (Hotels und Show-"Museen"), sowie den weiteren Zugang großer 'Kreuzfahrt'schiffe in die Lagune. 

Es geht um Geld. Profite. Dafür ist nicht nur das Luxussegment zuständig, sondern auch die Masse, die täglich über die Adria reinkommt, ein paar Stunden durch die Gassen wandert, Venedig-Souvenirs einkauft und zum Abendessen aufs Schiffs zurückkehrt. Und die Masse asiatischer Busrundreisetourist*innen, die eine Führung über den Markusplatz inklusive bekommt, danach im asiatischen Airportluxusverkauf des Fondaco dei Tedeschi sein Geld lässt und in einer eigens eingerichteten Restauranthalle auf dem Tronchetto, neben den Parkplätzen, speist (inklusive? Möglicherweise, weiss ich nicht). 
Das sind, und natürlich weitere, die Zielgruppen der neuen Landungssteuer, und welches Tourismusunternehmen bis hin zum Anbieter von Fahrradreisen wird ernsthaft erwägen, Venedig von seiner Tour zu streichen? Wegen eines Eintrittspreises, der einer einzigen Kircheneintrittskarte vergleichbar ist, oder billiger als ein Espresso auf dem Markusplatz? Lächerlich.


Die Landungssteuer kommt allerdings viel zu spät, ist zu billig, und lässt halbherzig die Tourismusindustrie davon kommen. Trotzdem: sinnvoll ist sie allemal. Zu ihrer Verwendung gibt es von den Medien die zweite ahnungslose Falschmeldung, sie diene dem "Erhalt Venedigs". Laut Bürgermeister Brugnaro soll sie konkret als Beitrag zur Stadtreinigung verwendet werden, die bisher mit Steuermitteln bezahlt wird. Als Stadtverantwortlicher muss er es wissen, und als Inhaber der Zeitarbeitsfirma Umana, die auch die Grupo Veritas mit billigen Arbeitskräften versorgt, auch. Zu hoffen ist auf die Realisierung dieser Behauptung, und dass die Männer und Frauen, die den täglichen Abfall der Besucher*innen entsorgen, jeden Tag morgens vor 7 Uhr den Markusplatz fegen und nach den Feierlichkeiten der Neujahrsnacht die Riva noch vor 4 Uhr besenrein übergeben haben, künftig nicht mehr nur von den Steuern der Venezianer*innen bezahlt werden.

Die 3 Probleme, die nach dem Haushaltsbeschluss anstehen, sind
1. ab wann und wie viel?
2. wie wird die Kohle eingesammelt?
3. wie werden die Einheimischen und die Massen Pendler*innen von der Zahlung ausgenommen, außerdem die Menschen, deren Ziele das Krankenhaus, das Gericht o.ä. sind, und die Besucher*innen jenseits von touristisch motivierten Anlässen, z. B. Eltern von Studierenden, Familien von Strafgefangenen, religiöser Anlässe etc.?

1. wurde vom städtischen Wirtschaftsreferenten Michele Zuin im Neujahrsinterview beantwortet: alle Tarife müssen vor dem 28.2. entschieden sein, um noch 2019 in Kraft zu treten. Für das Top-Event des Carnevale ist es zu spät, aber für den Termin Ostern könnten die notwendigsten Formalitäten für die Landungssteuer erledigt sein. Könnten. Wir werden sehen.

2. scheint einfach zu sein: wird den Tourismusunternehmen aufs Auge gedrückt. Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug. Von denen auf die Reisekosten addiert und an die Stadt Venedig weitergeleitet. Ob dazu im Vorfeld des Gesetzes Absprachen getroffen wurden, erfährt man nicht. Wie es mit Einzelreisenden im Detail funktionieren soll, auch nicht.
Für Zugreisende gibt es laut Zuin die Idee, die Zahlung der Steuer ausschließlich online anzubieten, gegen Beleg zur Vorlage bei Kontrollen und ggfs. beim Fahrkartenkauf am Schalter. 

3. scheint noch das größte Problem zu sein. Klar formuliert wird von den Verantwortlichen, dass Bewohner*innen Venedigs und der Region (und Weitere...) vom Eintrittsgeld ausgenommen sein müssen. Auch hier müssen die Regeln zur Umsetzung bis zum 28.2. festgelegt werden. Ein Arbeitstreffen der Betroffenen (Ministerien, Stadtverwaltung, Regionalverwaltung, Präfektur) ist für den 31.1. einberufen. Ob diese Aufgabe in so kurzer Zeit zu bewältigen ist, wird sich zeigen, sagt die venezianische Presse. Und zitiert die Stadtverwaltung:
"Le cose più semplici si faranno adesso, già in questo 2019, e le altre si studieranno poi" - Die einfachen Sachen werden gleich erledigt, noch 2019, die anderen werden danach näher betrachtet.  
Na da verkneife ich mir doch jeden Spott und wünsche bestes Gelingen in Sinne der anderen Seite der Betroffenen - der hoffentlich nicht zahlungspflichtigen Bevölkerungsgruppen.


Den künftigen Tagesbesucher*innen, soweit sie auf diesem Blog landen, erlaube ich mir, einen Rat zu geben.

Es gibt Menschen in aller Welt, die, vielleicht zum ersten Mal noch bevor sie lesen konnten, die traumschönen Bilder der Stadt Venedig, ihrer Kanäle, Brücken, Lagune und Inseln gesehen haben. In Bildbänden, Boulevardblättern, im Fernsehen, Kino, in der Werbung der Tourismusindustrie. Und die deshalb Venedig gesehen haben wollen, nein, müssen, bevor die Stadt 'untergeht'. Und sei es nur ein Tag, einmal! Wer hätte dafür nicht grundsätzlich Verständnis. 
Aber Venedig ist nicht sichtbar in einem Tag. Sozusagen. Man sieht nur das, was man von Bildern kennt. Auch 2 Tage reichen nicht. (Ach die Anfragen, was man in 2 Tagen Venedig - 1 vor und 1 nach der 'Kreuzfahrt' (!) - in Venedig "unternehmen" könnte!) 
Ein Tag Venedig ist wie auf der Straße Angela Merkel sehen. Ein Blick mit der Erkenntnis "Angela Merkel sieht genauso aus wie im Fernsehen!" Aha. Und Venedig auch. Hat man was davon?
Bilder, die man seit Jahren kennt, werden in der Realität nicht real, sondern irreal. Fragt man Menschen am ersten Tag in Venedig, sind sie irritiert und fühlen sich "wie im Film". Es braucht Zeit, die Klischees loszulassen und eine eigene authentische Wahrnehmung Venedigs aufzubauen. Die sich dann aus vielen Mosaiksteinen der eigenen sinnlichen Erfahrungen und ihrer Verarbeitung zusammensetzt. Wer dafür die Zeit nicht hat, sollte sich das Geld sparen. Wer das Interesse daran nicht hat, sollte sich ein Ziel suchen, das seinen*ihren Interessen besser entspricht. Wer mit seinem Venedigbesuch angeben will, sollte sich das schenken - Venedig ist ein Krethi-und-Plethi-Trip geworden, ein Ballermann der Kulturstädte, mit Luxusabteilung.
Aber auch eine Art kultureller Heimat für die, die in vielen Jahren auf verschiedenste Weisen die Stadt erfahren und kennen gelernt haben, die Venedig bewundern und lieben und die deshalb immer wieder kommen.

Ich wünsche mir, dass die mordi-e-fuggi-Steuer ein Reinfall wird, weil ein Tagesbesuch in Venedig einfach zu wenig ist und sich das vielleicht endlich mal herumspricht. 
Bleibt weg! Kommt nicht nach Venedig! Keinesfalls für einen Moment, einen Tag mordi e fuggi. Vermutlich ein vergeblicher Wunsch. 






Das Thema Eintrittsgeld hat einige (bisher englischsprachige) Medienbeiträge ausgelöst, die z. T.  auch kritische und nachdenkliche Töne zur Situation Venedigs liefern.
Nicht alle Meinungen teile ich, oder teile ich nicht nur, und nicht alle Informationen sind korrekt recherchiert oder widergegeben. Aber bei genügend Interesse am Thema sind sie lesenswert:


10.1. iNews Why Venice should resign its Unesco World Heritage status
6.1. Guardian The death of Venice?
6.1. Sunday Times  Will new fees turn Venice into a theme park?
4.1. Telegraph Hit-and-run da-trippers are killing Venice - and a 10 €-tax won't save it
2.1. artnet news In Response to Exploding Visitor Numbers, Venice Will Now Start Charging Tourists an Entrance Fee
2.1. Apollo Is it too late to save Venice?
2.1. Daily Times Venice to charge da trippers up to $ 11 to visit
1.1. Dubrovnik Times Could Dubrovnik follow in Venice's footsteps and introduce a ticketing system?
1.1. Epoch Times Venice to Start Charging Day-Trip Tourists With Entrance Fees
1.1. Irish Times Venice to charge day-trippers up tp 10 € to enter city
31.12. Washington Post Venice to charge day-trippers for access to city center
31.12. BBC News Venice to charge tourist entry fee for short stays



Ergänzung 20.1.
Keine offizielle Pressemitteilung, sondern nur ein Interview mit Bürgermeister Brugnaro anlässlich einer der vielen Anlässe, an denen er gerne edienfreundlich ist:

Die Landungssteuer wird ab Mai erhoben, zunächst wird die Entscheidung befristet auf 3 Jahre. Der dazu erforderliche Beschluss der Stadt erfolgt in den ersten Februartagen, danach die Bestätigung durch den Rat, und tritt nach 60 Tagen in Kraft. Theoretisch sind dadurch 40 Mio. € zu erwarten, obwohl noch keine Entscheidung über die Höhe der gestaffelten Beträge gefallen ist, seine eigene Vorstellung liegt zwischen 2 und 5 €. Von den 20 Mio. Besucher*innen 2018 waren 2/3 Tagestourist*innen, die von der Neuregelung betroffen sind. 

Eine Studie zu rechtlichen Details ist in Arbeit, auch wegen der zu erwartenden Einsprüche. Einsprüche wohl auch datenschutzrechtlicher Art im Hinblick auf den neu eingerichteten, ab dem Frühjahr arbeitenden "Control room" auf dem Tronchetto, der zunächst mit Mitteln des Venedigabkommens finanziert wird und die Basis der künftigen Kontrolle und Leitung der Personenflüsse ist.  

Absprachen mit den Verkehrsträgern wie Bahn, Schiffs- und Busunternehmen wurden im Vorfeld nicht getroffen und müssen noch erarbeitet werden. Ziel der Landungssteuer und Steuerungsmaßnahmen sei nicht, die Zahl der ankommenden Tourist*innen zu verringern, sondern die Spitzen mehrerer zusätzlicher Hundertausender Personen an speziellen Terminen wie Carnevale, Ostern, Redentore, Regata Storica und Brückenwochenenden zu kontrollieren. Dazu soll bis 2021 die obligatorische Voranmeldung für den Besuch der Stadt und der Inseln realisiert werden, mit deren Hilfe die Überfüllung (quasi wie z. B. in einem Sportstadion) verhindert werden soll. Eintrittsermäßigungen soll es dann für Anmeldungen an 'ruhigeren' Tagen geben.  


Ergänzung 4.7.2019
Man denkt "...hab ichs nicht gleich..." aber man sagt es höflicherweise nicht. Deshalb habe ich mir einen Hinweis verkniffen, als der Einführungstermin für das Eintrittgeld vom Mai 2019 auf den September verschoben wurde.
Aber jetzt melde ich doch, dass die Sache nicht vor 2020 in Gang kommt. Die Schwierigkeit besteht wohl darin, dass sich die Tourismusindustrie nicht so einfach in Haftung nehmen lässt für das Einsammeln des Eintrittsgeld, und schon gar ohne vorherige Absprachen, siehe letzter Absatz oben. Siehe auch  Kurztext der Süddeutschen. Lassen wir uns an Neujahr überraschen... 

Ergänzung 24.3.

Der Start der Eintrittsgebühr, vorgesehen ab dem 1.7.2020, wird um 1 Jahr verschoben. 



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