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13. Januar 2019

Neue Museumspläne für den Fischmarkt am Rialto




Vor 5 Jahren gab es eine kleine kontroverse Medienwelle für und gegen ein Museum der islamischen Kultur in Venedig. Der Vorschlag war, es im Obergeschoss der zwei Gebäude des Fischmarkts am Rialto einzurichten, das seit dem Umzug von Justizbehörden leer steht. Zur Finanzierung des Projekts standen mehrere Golfstaaten an - Kuweit, Qatar, Vereinigte arabische Emirate - die Sache hätte quasi nichts gekostet, trotzdem kam es nicht einmal zum politischen Konsens. 
Der damalige Bürgermeister Giorgio Orsoni (nicht mehr im Amt wegen Korruptionsanklage beim M.O.S.E.-Projekt), war im Hinblick auf die langen historischen Verbindungen Venedigs mit islamischen Ländern, in Krieg und Frieden, in kulturellem Austausch und vor allem im gegenseitigem wirtschaftlichen Nutzen für das Projekt, während der Regionspräsident Luca Zai (Lega) ein Islammuseum "nutzlos" fand. Andererseits - die Finanzierung des Museums islamischer Kultur durch Golfstaaten hätte vermutlich ihren Preis gehabt, wie die Erfahrung lehrt. Wer zahlt, bestimmt die Musik...
Im August 2015 lehnte das italienische Kulturministerium MIBACT auf Basis von Beratungen durch die eingesetzte Kommission, der auch die Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig, Gabriella Belli, angehörte, die Genehmigung des Projekts ab. Begründungen waren u. a. die Präsenz islamischer Kunst in Venedig (vor allem in der Ca' Pesaro, aber auch nachzulesen in einer Veröffentlichung des Archeoclub Venezia nachzulesen) und in anderen größeren europäischen Museen (z. B. Louvre, Victoria und Albert).

Das Thema verschwand von der Bildfläche und tauchte im Frühling 2016 wieder auf, diesmal allerdings als Museumsprojekt zur Geschichte der Stadt Venedig, der Serenissima, und vorgeschlagen von Gabriella Belli, siehe auch oben, Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig. Ein Museum, präsentiert als quasi thematisch unverzichtbare Einstiegsausstellung für Venedigbesucher*innen, an herausragender Position am Canal Grande, inkl. eines Vortragsraumes und einer Terrasse am Wasser, und als 13. der bisherigen 12 städtischen Museen Palazzo Ducale, Museo Correr, Palazzo Fortuny, Torre dell'orologio, Cà Rezzonico, Cà Pesaro, Cà Mocenigo, Casa Goldoni, Museo del Vetro Murano, Museo del Merletto Burano, Museo di Storia Naturale. Eine schöne Erweiterung der venezianischen Museumsperlen!

In der ersten Januarwoche 2019 hat Bürgermeister Brugnaro nun einer modifizierten Version des Projekts zugestimmt. Geplant ist ein "Museo del mercato e del commercio veneziano". 
4000 Unterschriften wurden vom Komitee 'Cittadini Campo Rialto Novo' gesammelt und im Rathaus präsentiert von der Vorsitzenden Gabriella Giaretta (auch Gruppo 25 Aprile), zusammen mit dem Projektentwurf von Donatella Calabi, Luca Molà und (dem Autor u. a. einer aus meiner Sicht empfehlenswerten Venedigeinführung für Beginner*innen) Paolo Morachiello.
Die Markthändler*innen und Fischverkäufer wurden vertreten durch den Architekten Luciano Claut; als einer der möglichen Sponsoren war der Stockfischimporteur Ermanno Tagliapetra dabei, und als Projektbeteiligter der pädagogische Leiter der Hotelfachhochschule Barbarigo Rachele


Die Projektbeteiligung ist geplant als Schulungs- bzw. Trainingsunternehmen für die Studierenden der Hotelfachhochschule. Diese gastronomische Einrichtung soll als Teil des Museums funktionieren (das im Übrigen weitgehend 'virtuell' sein wird, also vermutlich eine der von mir nicht geliebten Multimediashows) unter Kooperation mit den organisierten Händler*innen des Rialto- und Fischmarktes auf non-Profit-Basis. 
Non-Profit-Basis ist natürlich interessant für die Zielgruppe, UNS Tourist*innen mit Muße in Venedig, wenn es bedeutet, dass wir hier in außerordentlicher Umgebung marktfrisch und preisgünstig (!) speisen werden. Mahlzeiten, die von von engagierten und inspirierten jungen Menschen produziert und serviert werden, die man ohne übertriebene Kosten sozusagen beim Sammeln von beruflichen Erfahrungen unterstützen darf. (Man erinnert sich an das non-Profit-Restaurant 'Alla Basilica', das mit gutem Essen und sehr freundlichen Mitarbeiterinnen leider nur sehr kurzlebig war, warum auch immer!)

Die Kostenplanung sieht 7 Mio. € vor, neben der Ausstattung für die neue Nutzung sind Renovierungen am Gebäude, vor allem der langen schmalen Treppe ins Obergeschoss, erforderlich. Die Finanzierung wird mit (noch zu akquirierenden) Sponsor*innen und städtischen (und sonstigen?) Fördermitteln geplant. Bürgermeister Brugnaro bzw. sein Rat ist bereit, Mittel zur Verfügung zu stellen, da es sich um eine "Initiative von unten handelt, in die Wege geleitet wird von Bürger*innen, die nicht jammern, sondern einen konkreten Vorschlag machen". 
Er hofft natürlich auch auf einen Aufschwung des seit Jahren schrumpfenden Fischmarktes - immer weniger einheimische Kunden, die dafür von immer mehr fotografierend kreativen Tourist*innen genervt sind - "der Fischmarkt könnte im nächsten Jahr schließen, wenn es so weiter geht" (sagt der Bürgermeister).
Er fordert deshalb, dass Museum und vor allem Restauration nicht den Marktzeiten (also vormittags) angepasst sein sollen, sondern die ganztägige Öffnung. Das entspricht, sagt er, den Bedürfnissen des Tourismus, bietet aber auch die Möglichkeit privater Feiern an diesem Ort einzigartiger Lokalität, analog den "Märkten von Barcelona, Hamburg, Padova und Tokyo" (da hängt die Latte ein bisschen hoch, abgesehen von Padua, aber warum nicht). 

Die Direktorin der Stiftung städtischer Museen, Frau Belli, war bei diesem Termin nicht anwesend (vermerkt die Lokalpresse ausdrücklich). Und da ihr nach der Ablehnung des Museums islamischer Kultur, an der sie beteiligt war, vor ca. 3 Jahren sozusagen der "Palazzetto delle Pescherie" in den Schoß fiel und trotz ihrer Idee eines stadthistorischen Museums seitdem weiter leer steht, ist die Frage, ob diese Pläne denn in absehbarer Zeit - oder überhaupt - realisiert werden?

Es bleibt wie immer spannend in Venedig.

Ergänzung 25.12.20
Heute erst gefunden: Progetto Rialto





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23. Februar 2016

29.3.1516 - Ghetto in Venedig



Campo del Ghetto Novo

Per Verordnung des Dogen Leonardo Loredan vom 29.3.1516 wurde der künftige Lebensraum der venezianischen Juden auf einer Insel festgelegt, auf der bis dahin ein Dutzend Kupfer- und Eisengießereien gearbeitet hatten. Das Wort 'Ghetto' erhielt für alle Zeiten eine neue Bedeutung.

"Alle Juden müssen zusammen innerhalb der Hofnachbarschaft der Gießereien in der Pfarrgemeinde San Gerolamo leben; damit sie nachts nicht herumstreunen können, werden an den beiden kleinen Brücken am Rand der alten Gießerei (ghetto vecchio) und der neuen Gießerei (ghetto novo) Tore angebracht, die morgens mit dem Geläut der Marangona geöffnet und um Mitternacht verschlossen werden müssen. Vier christliche Aufseher, die von der Regierung bestimmt und von den Juden bezahlt werden gemäß einem von uns festgelegten Preis, haben diese Tore zu bewachen."

Die Eingrenzung wurde vervollständigt durch zwei hohe Mauern. Wassertore, Türen und Fenster nach außen wurden verschlossen und vermauert. Die Bewachung galt rund um die Uhr, die Juden trugen auch die Kosten von zwei Booten, die ununterbrochen auf den Kanälen rund um die Insel Ghetto kreisten. Schwere Strafen erwarteten Juden, die nachts außerhalb des Ghettos angetroffen wurden. 

Diese Verordnung, zusammen mit regelmäßig neu verhandelten Aufenthaltsgarantien in der Stadt, den Pflichten und Rechten, den Verboten und Freiheiten der Juden und Jüdinnen und der dafür zu entrichtenden Zahlungen war die größte Rechtssicherheit, die Juden in Europa im 16. JH hatten. In Köln beispielsweise war die alte und große Judengemeinde regelmäßig Progromen ausgesetzt und wurde 1424 endgültig ausgewiesen. Erst im 19. JH siedelten sich wieder Juden (wohlgemerkt in Deutz!) an. In Venedig lebte die jüdische Bevölkerung quasi hinter Schloss und Riegel, aber auf Basis von Verträgen. Die waren erpresserisch und ausbeuterisch, aber sie boten Gewähr und Sicherheiten, die Juden in Europa an keinem anderen Ort fanden.


Ghetto novo
500 Jahre Ghetto in Venedig, dieser Fixpunkt jüdischer Geschichte in Europa wird in diesem Jahr begangen. Seit November 2014 wurden Mittel für die Restaurierung der Synagogen und die Neugestaltung des Jüdischen Museums im Ghetto gesammelt.

Über das ganze Jahr 2016 gibt es Kulturangebote des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit jüdisch-venezianischer Geschichte. 

Weitere Programmpunkte (Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte...) sind in Planung bzw. Vorbereitung, Termine werden hier im Laufe des Jahres folgend ergänzt.


In der Schola Spagnola

26.2.:
Universität Ca' Foscari 1./2.3. Internationale Tagung The Ghetto Reconsidered. Minority and Ethnic Quarters in Texts and Images. Programm.

Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Venedig 1.3., 22.3., 12.4., 26.4. jeweils 17 Uhr: Niggun, canto, Kantate. Begegnungen zum Thema musikalische Beziehungen zwischen jüdischer und christlichlicher Welt 12.-19. JH. Ort: Ev.-L. Kirche Sant'Angelo Custode am Campo Santi Apostoli. Haltestelle Ca' d'Oro oder Fondamente Nove. 

29.2.:

3.4.:
Eröffnung der Ausstellung naiver Malerei "Das Ghetto von Venedig: 500 Jahre Geschichte und Alltag" der Künstlerin Michal Meron, die im Ghetto und in Israel lebt. Die Künstlerin ist oft in der Ausstellung anwesend und spricht deutsch. Wer Kindern das Leben im historischen Ghetto näher bringen will, ist hier richtig, durch die vitale und fröhliche Atmosphäre der Kunstwerke. Der Katalog liegt in 4 Sprachen für 10 € vor, ist umfassend und auch ein originelles Geschenk/Mitbringsel aus Venedig.

7.4.-6.7. Wien, Winterpalais Ausstellung "Treasures of the Jewisch Ghetto of Venice restaured by Venetian Heritage"

26.5.-25.9. "Divided Waters" Ausstellung zur Erinnerung an den 500. Jahrestages des Jüdischen Ghetto Venedig im Palazzo Fontana (Details zum Palazzo Fontana siehe Eintrag vom 21.6.2015). Ich habe die Ausstellung besucht, sie besteht aus wenigen beeindruckenden zeitgenössischen Exponaten und Sakralgegenständen in 3 Räumen. Eine Künstlerin und und 2 Kuratoren waren anwesend und sehr interessiert an Gesprächen mit Besucherinnen. Siehe auch FB-Seite des Veranstalters OTT (Citizens of the Text). Haltestelle Ca' d'Oro.


19.6.-13.11. Dogenpalast Ausstellung Venedig, die Juden und Europa
Siehe dazu auch den neuen Eintrag vom 18.6. Ausstellungseröffnung 'Venedig, die Juden und Europa'

ab 1.7. Neue Führung "Kultur und koshere Leckereien": Besuch des Ghettomuseums, der Roten Bank, der Synagogen auf einem Gang durch das Ghetto mit abschließender Mahlzeit, sprich Verkostung kosherer Leckereien im Ristorante Ghimel Garden. Dauer 3,5 Stunden, Preis 55 €/Erw., 35 € Kinder unter 12. In engl. und ital. Sprache. Anmeldung erforderlich, die Tour findet zum jeweils genannten Termin statt ab 5 angemeldeten TeilnehmerInnen. Anmeldung bis Freitag vor dem angebotenen Termin.

Hier ein kurzer beeindruckender Blick in die Synagogen:






10.7.  19:30 Uhr Universität IUAV: Ein Ghetto in Venedig 1516. Das erste? Das letzte? Vortrag von Umberto Fortis und Dario Calimani in ital. Sprache. Ort: Cotonificio, Nr. 6 auf dem Plan, Aula Gradoni 2. Etage. Haltestelle S. Basilio. Eintritt frei. 

12.7.  9:30-18 Uhr Universität Ca' Foscari- Princeton University - Ghetto 500  "The Ghetto as Global Metaphor" internationales Symposium. Ca' Dolfin, Aula Magna Silvio Trentin. Teilnahme frei, Anmeldung erforderlich. Haltestelle S. Tomà, Zattere und Accademia
Dazu ein Bericht:
5.8. Blog 'seductivevenice': Global Metaphor


25.7. 19 Uhr "Notes from the Ghetto" Konzert zum Erinnerung der Gründung des jüdischen Ghettos vor 500 Jahren. Insel San Servolo, Auditorium der Internationalen Universität. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter 041 2719545. Linie 20, Haltestelle S. Servolo.


26.8.-8.1.2017 Fotoausstellungen René Burri. Utopia/Ferdinando Scianna. Il Ghetto di Venezia 500 anni dopo in der Casa Tre Oci. Mehr dazu. Mehr dazu.
Haltestelle Zitelle.

28.7. 15:00-18:30 Uhr Biblioteca Marciana: Venedig und das jüdische Buch. Symposion internationaler Expertinnen in englischer Sprache. Eintritt, auch für Gäste, frei. Bibliothekseingang an der Piazzetta 13A.

21.10. 20:00 Uhr Scuola Grande di San Rocco:  "Voci dal Ghetto - I 500 anni del Ghetto di Venezia" Stimmen aus dem Ghetto - Konzert des Ex Novo Ensembles mit Werken von Meyerbee, Krejn, Golijov. Haltestelle S. Tomà.

9.11. Fondazione Cini auf S. Giorgio Maggiore: Abschlusskonzert des 2tägigen Chorchoachings zu weiblicher jüdischer Sakralmusik in Italien 1600-1630. Detailinformationen folgen. 

12./13.12. Fondazione Ugo e Olga Levi: "Affrancati del Ghetto". Internationale Tagung 'Befreite aus dem Ghetto. Geistliche Musik des Judentums in Italien zwischen Emanzipation und Anpassung von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg'. Haltestelle S. Samuele und Accademia.

In der Schola Grande Tedesca

Weiterer Lesestoff zum Thema (wird ebenfalls ergänzt)

Venedig.jc-r.net: Das Ghetto

Deutschlandfunk: 500 Jahre Ghetto. Durch das venezeianische Cannaregio

World Crunch: The First Ghetto. Lost Beauty in Venice's Jewish Quarter

Beyond the Ghetto Jüdische Kulturthemen und -termine in Venedig


3.3.:
The Jewish Chronicle online: Venice the first ghetto
The Jerusalem Post: 'Shylock' on stage in Venice

8.3.:
Henning Klüver: Verwinkelte Gänge

9.3.: 
28.3.:

8.4.:
Jewish Venice. Website zum jüdischen Leben in Venedig. Ich habe kürzlich zum ersten Mal (!) im Restaurant Gam Gam gegessen und war begeistert. Köstlichkeiten zu ganz normalen Preisen, Speisezimmeratmosphäre, sehr freundliche MitarbeiterInnen. Sehr empfehlenswert. (Ein Eingang an der Fondamenta Pescaria, ein Eingang links hinter dem Ghettotor, am Canale di Cannaregio.) 

7.4.: 
Die Zeit: Mittendrin ausgeschlossen

10.4.:
Die Zeit: Das erste Ghetto. 16 mittelmäßige Fotos. 

11.4.:
Bürgermeister Brugnaro und Rabbi Bahbout unterschrieben heute eine 5 Jahre gültige Vereinbarung zum Sabbat. Ganz Venedig gilt als "ein Haus".

25.5.: 
Financial Times: Survivor's story: Venetian Ghetto's last witness to Auschwitz

15.6.:
Deutschlandfunk: Das erste jüdische Ghetto

18.6.:
The Economist: The Venetian Ghetto - Hidden Secrets

Nr. 8 2016 Judaica Europeana: The Venice Ghetto: 500 years



4.9.:
Der Tagesspiegel: Die Serenissima und die Juden 


10.10.:
Heute im www gefunden: ein Spendenaufruf des World Monuments Fund zugunsten der Restaurierung von Fenstern in venezianischen Synagogen


13.11.:
ABC online: How Venice's Jews made the world's first ghetto a cosmopolitan community

17.11.:
Chabad.org.news: 500 years of Jewish Ghetto in Venice' Focus of Oxford Seminar

18.11.:
Forward: In the Ghetto: From Renaissance Venice to Chicago, Post-Trump

04.08.2017:
Ein später Nachtrag, aber ein interessanter Artikel zum Thema, den die NY Times heute bringt: Shylock and Othello in the Time of Xenophobia.


Pfandleihhaus unter den Arkaden

Bücherempfehlungen

Riccardo Calimani ist der Autor, der wohl die meisten Bücher zum Thema veröffentlicht hat. In deutscher Übersetzung gibt es die spannende "Geschichte der Juden in der Löwenrepublik" unter dem Titel "Die Kaufleute von Venedig". Unbedingt zu empfehlen. 

 


Ein leichter und doch spannender, melancholischer Roman, nicht wirklich Krimi, nicht wirklich historischer Roman, aber mit einer geheimnisvollen Hauptperson, ist "Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz" des wunderbaren Autorenpaares Fruttero und Lucentini.

 


Hinter dem Brückchen über den Kanal lag grau und traurig der Campo di Ghetto Nuovo wie eine große auskratzte Pfanne. Wir setzten uns auf eine Bank, und David küsste mich leicht und erzählte mir, dass zu den vielen Verboten, denen die Juden unterlagen, auch jenes gehörte, mit christlichen Frauen, selbst wenn sie Prostituierte waren, Unzucht zu treiben.
"Und die Strafe?"
"Je nach Schwere des Skandals."
"Aber wir beide, zum Beispiel?"
"Eine Edelfrau? Nun, ihr Ehemann hätte sie für eine Weile ins Kloster geschickt."
"Wie langweilig! Und du?"
"Sechs Monate oder ein Jahr Gefängnis, plus ich weiss nicht wieviel Zechinen Bußgeld."
Fußball spielende Kinder liefen schnell und kreischend wie bunte Möwen zwischen den kahlen Bäumen hin und her. David hob einen roten Handzettel von der Erde auf, der einen Ausverkauf von Taschen und Koffern in der Rialtogegend ankündigte. So ungefähr, sagte er, sahen die Quittungen der Geldverleiher des Ghettos aus, rot oder grün oder gelb. Arme Venezianer füllten jeden Tag den Platz und brachten ihre kleinen Gold- und Silbersachen zu den drei Pfandbanken - dahinten, unter dem langen Laubengang -, dann kehrten sie mit jenen bunten Zetteln, die ihnen die jüdischen Blutsauger ausgestellt hatten, wieder nach Hause zurück. Doch die jüdischen Blutsauger hatten nicht die geringste Lust, die Blutsauger zu spielen, sie machten dabei Verluste, flehten ständig die Regierung an, sie von dieser undankbaren und ruinösen Aufgabe zu entbinden. Doch die Regierung lehnte immer wieder ab, die Darlehen an die Armen waren ein soziales Problem, und das sollten die Juden lösen, auch mit Verlust. Wenn nicht, dann keine Aufenthaltserlaubnis, keine Verlängerung des "Führungszeugnisses".
"Eine Art Erpressung."
"Eine Art Steuer."
"Ja konnten sie denn auch aus Venedig jederzeit weggejagt werden?"
"Ja, aber es gab ein Mindestmass an Rücksicht, nämlich eine gewisse Kündigungsfrist."
"Wie gütig."
Ich sah David Stufe für Stufe die enge Treppe bis zum siebten Stock eines jener hohen Häusern hinaufsteigen und mir (ich war zum jüdischen Glauben übergetreten) mitteilen, dass es zu Ende war, dass sie uns fortjagten, dass wir unsere wenigen Habseligkeiten, seinen brüchigen Koffer nehmen und gehen mussten. Aber wohin? Wer weiss. In die Welt hinaus. Nach Korfu, nach Saloniki, nach Negroponte, wohin es uns eben verschlug. Aber das war doch grauenhaft, es gab keine Sicherheit, es gab keine Zukunft, es gab keine Dauer, das war kein Leben...
"Aber das war doch kein Leben!" sagte ich.
"Ah", sagte Mr. Silvera.
Er sah mich mit einem Ausdruck an, dessen Traurigkeit mir unerträglich vorkam, und nach einem Augenblick ließ er den roten Zettel zwischen die Erdnussschalen und das trockene Laub auf die Erde fallen.
"Ah", wiederholte er und sah mich nicht mehr an.

Zitat "Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz"  Carolo Fruttero und Franco Lucentini, verschiedene deutschspr. Ausgaben. Originalausgabe 1986 "L'amante senza fissa dimora".


Arkaden der ehemaligen Pfandleihäuser, Ghetto novo
Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch des Museumsshops im Ghettomuseum, das eine sehr große Auswahl von Judaica bereit hält, mehr als ich je gesehen habe. Auch in deutscher Sprache natürlich und vor allem sehr viele Kinderbücher. 

Eine Korrespondentin empfiehlt mir nach der Lektüre dieses Eintrag ein Buch, das sie eher als Jugendbuch einschätzt, das ihr aber sehr gefiel: Shylocks Tochter von Mirjam Pressler. Ich kenne das Buch noch nicht, gebe die Empfehlung hiermit weiter.





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4. November 2015

Biennale 2015 zum Letzten

"Country"
Vor Toresschluss in weniger als 3 Wochen habe ich noch ein paar Empfehlungen. Viele Nebenausstellungen sind schon zu, es ist gut zu prüfen, ob man aktuelle Pläne und Listen verwendet bei der Planung der Runden durch die Stadt. Ein paar Angebote sind weit vom Schuss, riskieren übersehen zu werden und sollen deshalb hier besonders empfohlen sein.


"Country"
Als erstes: Country, eine Nebenausstellung der Gervasuti Foundation, die jahrelang in dem schönen heruntergekommen Handwerkerhof am Ende der Via Garibaldi ausstellte. Sie hat eine neue ziemlich wilde Location am Ende der Fondamente Nove, im Bereich der Tankstelle links in der Calle lunga Santa. Catarina 4998. Die Ausstellung besteht aus mich sehr beeindruckenden ethnographischen Tondokumenten, Graphiken und persönlichen Gegenständen vor allem aus dem sozialen Umfeld von Frauen-Müttern-Großmüttern australischer Aborigines und berührt im rohen Umfeld dieser Räume umso mehr.


Santa Catarina "An Archeologist's Collection"
Direkt um die Ecke, in der ehemaligen Klosterkirche Santa Catarina, ist "An Archeologist's Collection" von Grisha Bruskin zu sehen. Im März hatte ich schon die Ausstellung "Alefbet" dieses Künstlers empfohlen. Die Kirche ist Teil einer Schule und seit langem außer Gebrauch, zeitweise waren hier Klassencontainer untergebracht, jetzt jedenfalls ist im stockdunklen Kirchenschiff eine historisch-politische Grabung installiert. Wieder einmal eine interessante Nutzung einer dekonsektrierten Kirche! Fondamenta Santa Catarina 4941.


"Food is God"
Noch ein paar Meter weiter, bis zur Fondamenta Zen 4924, im Palazzo Zen, wird als Nebenausstellung der Expo 2015 "Food is God" gezeigt. Es geht um Design von Speisetischen und -gedecken, ein Thema, das mich nicht im Mindesten interessiert. Aber einmal drin, konnte ich mich weder der Ästhetik der Exponate noch der Appetitlichkeit der dazugehörigen Filme entziehen. Nicht mein Thema, aber ein Rausch. Reines Glück, dass ich nicht hungrig war. Es sind außerdem schöne Werkzeuge der Lebensmittel- und Essensherstellung zu sehen, und die Sache ist eine tolle Übung für FotografInnen, extrem ästhetische unbewegliche Motive aufzunehmen.


"Food is God"
Diese 3 Ausstellungen erreicht man in wenigen Minuten von der Haltestelle Fondamente Nove. Ebenfalls von hier ist man schnell am Palazzo Pisani zwischen den Kirchen Miracoli und SS. Giovanni e Paolo, am Ponte delle Erbe. Im obersten Stock liegt (mit sehr schönen Rundblick auf die Nachbarschaft) der Pavillon von Kroatien "The Third Degree. Studies on Shivering". Die Ausstellung ist es wert, vier Etagen hochzuklettern, mit Installationen, Objekten, Filmen, Gedichten. Zum Beispiel:
Then
the picture was taken
where the mountain ridges
surround the resort
at the relaxed side
The picture was taken
of the red Sky
descending
One man said to another:
no gunfire is heard
it is hard to hear anything
the mountain is too high.
I keep the future in the freezer
preserved in the shape
of ice cubes
until the first hot day
I'll keep it there
No gunfire heard.
The sunset was great
The picture was taken
of an ice cube
melting

"The Third Degree. Studies on Shivering"
Vom Palazzo Pisani sind es nur 3 Brücken zum Campo Santa Maria Formosa und von dort nur 1 Brücke zum Palazzo Grimani, den ich jährlich mindestens einmal besuche und unermüdlich empfehle, und trotzdem bin ich immer allein in den wunderbar restaurierten Räumen des 1. Piano nobile. Die Restaurierung wurde seit der Eröffnung 2008 weiter vervollständigt, die wenigen mobilen Ausstellungsstücke (Antiken aus der Sammlung von Giovanni Grimani) werden schon mal umgestellt, aber es sind die prächtige Ausstattung des Palastes, die Marmorportale, die Wand- und Deckengestaltung, die Fußböden, die aus Schimmel und Verrottung gerettet und restauriert wurden und mich begeistern.
(Eintritt 4 €, durch den Bookshop und dann das großartigeTreppenhaus hinten links in die 1. Etage.)


Raumportale im 1. Piano nobile Palazzo Grimani
Ich wusste, dass die Arbeiten auch im 2. Piano nobile vor sich gingen, aber in diesem Jahr gibt es dort die erste Ausstellung, deshalb der Hinweis in diesem Blogeintrag. 

Die Ausstellung "Frontiers Reimagined" ist kostenlos und zu erreichen durch das Treppenhaus vorne links. Schon im Innenhof sind einige Gonginstallationen zu sehen, aber nicht zu hören. Die VenezianerInnen sind geduldig, aber bei den akustischen Begleiterscheinungen der Biennale hört regelmäßig der Spaß auf. Dafür gongt es lieblich und irgendwie interaktiv in der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Tagore Foundation sehr verschiedene spannende Exponate von Gegenwartskunst zeigt und außerdem den Blick schenkt auf die umgebenden Dächer. Und ausserdem wieder: phantastische Leistungen des Restaurierungsteams, vor allem wunderbare Deckenausschmückungen. Bisher erst 2 Flügel der Etage, die Arbeit an den beiden anderen Seiten lässt hoffen. 


Chun Kwang Young "Aggregation 15"
Wer das ehemalige Kloster San Gregorio noch nicht besuchen konnte (nur geöffnet zu seltenen Ausstellungsterminen), hat wieder einmal eine Chance, und ich empfehle, sie wahrzunehmen. Auch wegen der Ausstellung "Marni" die zwar einerseits Marketing für ein Modelabel betreibt, aber andererseits ganz witzig ist und zeigt, wie Kreativität auf einer einfachen, fröhlichen Ebene glücklich machen kann. Auch wegen des 'vorübergehenden' Restaurants "Gusto in Abbazia" das für die Dauer der Biennale hier eingerichtet wurde, im Eckzimmer zum Canal Grande und zur Salute hin. Ist nicht mein persönliches Budget, verleiht aber den bunten Farben der Ausstellung und ihrem begleitenden Meeresrauschen noch einen dritten Sinnesreiz: es duftet gut nach Essen. Und es ist allemal eine ungewöhnliche (und vielleicht nicht zu wiederholende) Lokalität und ein besonderer Rahmen, in Venedig zu speisen. 

Aber man sollte das ehemalige Kloster auch gesehen haben wegen seines schönen Kreuzgangs, wegen einiger schöner Restaurierungsdetails (und eines sehr überflüssigen - der Altana auf der Dachinnenseite, pffff!) und wegen des außergewöhnlichen Blickes auf die Salutekirche und die Mündung des Canal Grande.
Haltestelle Salute.


"Marni" Ex-Abbazia San Gregorio

Kleiner Exkurs in die Giardini, Zentralgebäude, in die "Arena". Wer einmal dort durchläuft (und es herrscht den ganzen Tag reger Durchgangsverkehr), und es passiert gerade nichts, könnte falsche Schlüsse ziehen. Es passiert hier nämlich sehr viel, nach einem festen Programm. Zu Beginn der Biennale lag es gedruckt aus, jetzt gibt nirgendwo mehr ein Blatt Papier. Das Programm steht im www. Auch das jeweilige Tagesprogramm (Datum auswählbar) kann man aufrufen. Weiter kann man  Informationen anklicken über die einzelnen Programmpunkte, deren Aufführungstermine mit Uhrzeiten, sehr wichtig. Als Beispiel hier der Link zu Worksongs, eine musikalische Performance mit 1-2 KünstlerInnen, die ich sehr empfehle, mehrfach gehört/gesehen. Das Werk ist bei jeder Aufführung das gleiche, wird aber durch die SEHR unterschiedlichen ausführenden KünstlerInnen zu jeweils neuen Kunsterlebnissen. Wenn man die Wahl hat, lohnt es sich, wegen dieser 40minütigen Veranstaltung den Besuch der Giardini auf DoFrSaSo zu legen. 


Lisa R. Harris singt "Work Song"


Die Informationen zum jeweiligen Tagesprogramm laufen auch auf einem Monitor im ersten runden Raum des Zentralgebäudes, links oben an der Wand.
Alle diese Veranstaltungen sind im Biennaleeintritt enthalten.



Eine kleine, herausragende Ausstellung möchte ich noch besonders empfehlen, die nichts mit der Biennale zu tun hat, aber auch am Stichtag 22.11. endet:
"GARDENAL" in der Fondazione Bevilacqua La Masa am Markusplatz. Ganz hinten links in der Ecke, wenn man mit dem Rücken zur Basilika S. Marco steht. Neuere abstrakte Werke des Künstlers Luigi Gardenal aus Mestre, die (in den Parterreräumen) von der Laguna Sud inspiriert sind, dessen Umgang mit Farbe umwerfend ist. Die Bilder in der oberen Etage berichten von den Asienreisen Cardenals, sie sind weniger venezianisch, aber nicht weniger beeindruckend. 
Eintritt frei.


Eines der kleinen Formate: Rosso Laguna, 2013
Luigi Gardenal

Wer noch nicht die obere Etage des Palazzo Loredan am Campo S. Stefano mit einer Führung besuchen konnte, hat jetzt die Möglichkeit, auch wenn leider nicht der große Saal in die Ausstellung von Portugal einbezogen ist. In den Bibliotheksräumen zeigt Joao Louro die sitespezifische Installation "I Will Be Your Mirror - Poems and Problems", die wunderbar - kontemplativ und beunruhigend zugleich - in ihr Umfeld passt. 
Der Titel bezieht sich auf ein Stück von Velvet Underground aus den 60er Jahren und es ist schade, dass es nirgends einen kleinen Monitor gibt, auf dem das Stück vorgestellt wird, deshalb hier bitte (auf die oberste Zeile klicken, um in die YouTube-Ansicht zu gelangen):






Die letzte Empfehlung für diese Biennale soll der Pavillon Azerbaijan im Palazzo Garzoni Mora sein. Meines Wissens zum ersten Mal findet eine Ausstellung unmittelbar nach einer großen Renovierung/Restaurierung statt, anstelle der üblichen Vermietung VOR den Renovierungsarbeiten (um nur 2 Bespiele zu nennen: Papadopoli und Soranzo van Axel). Hat sicher auch mit dem Marketing für den anstehenden Verkauf von 8 Apartments im Haus zu tun; zu sehen sind aber nur 2 Etagen der Wohnungen zum Canal Grande, ein kleiner Teil des Eingangsbereiches und eines der Nebentreppenhäuser (die Prachttreppe steht für die 10tausende Füsse der Biennalegäste nicht zur Verfügung). Die Renovierung scheint meiner Laienmeinung von unterschiedlicher Qualität zu sein, aber es sind schöne Balkendecken, Stuck, Freskos zu sehen und natürlich atemberaubende Ausblicke auf die nachbarlichen Dachgärten und den Canal Grande bis hin zu den derzeitigen Baustellen am Rialto. 


Laura Ford "Penguins"
Der Auftritt von Azerbaijan in Venedig ist wieder üppig, berichtet habe ich am 17.7. über "The Union of Fire and Water" im Palazzo Barbaro, nicht berichtet über "Beyond the Line" im kleinen Palazzo Lezze am Campo S. Stefano, wo 8 azerbaijanische Künstler ausstellen. Im Palazzo Garzoni finden sich unter dem Titel "Vita Vitale" 29 (!) internationale KünstlerInnen zusammen, unter ihnen auch 2 Frauen aus Azerbaijan. Verbindendes Thema ist die Umwelt, dazu arbeiten heute viele KünstlerInnen, während vor 20 Jahren für ein deutsches Projekt "Art d'Eco", an dem ich mitarbeitete, nur wenige Überzeugte zu finden waren. Das Publikum war damals hoch interessiert, der Markt und die Kritik rümpften noch die Nasen. Auf dieser erfreulich politischen Biennale gehören Umweltthemen zum Standard, nicht zu den Randerscheinungen. 
Auch nicht zu den Randerscheinungen gehört der Kauf eines Biennaleauftritts für EinzelkünstlerInnen über Galerien und KuratorInnen in Gruppenausstellungen und sogar Nationalpavillons. Es gab im Vorfeld einigen Ärger und Skandälchen und im laufenden Betrieb den Rückzug von einzelnen nationalen Auftritten und vorzeitige Schließungen; kritisiert werden (vor allem etablierte italienische) KuratorInnen wegen der Platzierung von (vor allem chinesischen) KünstlerInnen zum Zwecke der Erhöhung ihres Marktwertes in Asien; Namen von KuratorInnen, KünstlerInnen und betroffenen Nationen wurden in diesem Jahr z. T. offen genannt, bzw. man bekannte sich freimütig dazu

Hintergründe hin oder her - die Exponate im Palazzo Garzoni sind sowohl schlichten Geistes als auch witzig, dramatisch und interessant, die Ausstellung war und ist noch ein paar Tage ein Publikumsrenner. Obwohl man sich eine (großzügig ausgelegte) Mittagspause gönnt, die vielleicht schon manche/n BesucherIn vor verschlossener Tür in enger Gasse veranlasst hat, auf die Besichtigung zu verzichten.
Öffnungszeiten 10-13:30, 14-17:30 Uhr (letzter Einlass)
Haltestellen S. Samuele (Linie 2) und S. Angelo (Linie 1)


Stephanie Quayle "Jenga"


1. November 2015

Kurzer Tipp zum Mittagstisch

Ergänzung Oktober 2017

Das Restaurant existiert nicht mehr. Bereits im September fiel mir im Vorbeigehen auf, dass es nicht geöffnet war. Check im Oktober ergab: vorbei - warum auch immer...




Normalerweise gebe ich keine Restauranttipps - ich kann nur meinen eigenen Geschmack abdecken, den ich nicht für repräsentativ halte. 

Ich bin dieser Woche allerdings einem persönlichen Tipp von kompetenter Seite gefolgt, der Autorin des Nr. 1 deutschsprachigen Taschenbuchreiseführers (Reise Know-How, CityTrip Venedig, Dr. Birgit Weichmann. ) und hier habe ich Lob zu verteilen: superzentrales Lokal, extrem günstiger Menüpreis, gute und solide Küche, sehr freundliches Personal, Zeitaufwand vom Rein- bis gesättigt Rausgehen 1 Stunde: 

Alla Basilica.

Erste Gasse links nach den Prigioni an der Riva degli Schiavoni (Calle Albanesi, dort ist es ein etwas unscheinbarer (aber rollstuhlfähiger) Eingang auf der linken Seite. Das Gebäude gehört zum ehemaligen Kloster Sant'Apollonia (und damit der "Kirche"), war wohl ursprünglich ein Speiseangebot für PilgerInnen und arbeitet, glaube ich, immer noch auf non- oder wenig-Profit-Basis (deshalb so günstig). Ohne Reservierung gibt es um 12 Uhr keine Chance auf einen Tisch, aber zur 2. Runde, ab ca. 13:30 Uhr, klappt es schon eher. (Bei mir beim 2. Versuch.) Abendessen gibt es nur für Gruppen nach vorheriger Bestellung.

Das Menü mit verschiedenen Vor-, Hauptspeisen und Beilagen zum festen Preis von 14 € bietet frisch und sehr gut Zubereites (keine Mikrowelle, keinen verbrannten Fisch...!) zum Sattwerden. Getränke und Extras wie Dessert werden extra berechnet (Flasche Wasser 1,50 €). Es gibt eine kleine Extrakarte mit einem veganen Menü zum gleichen Preis.
Als Alleinreisende wurde ich von den beiden KellnerInnen fast fürsorglich platziert und bedient.

Der Speiseraum ist einfach gestaltet und ein bisschen laut (gut gelaunte Reisegruppen, denen lange Tische zusammen geschoben werden). Aber er dient ja auch nicht stundenlangem Speisen, sondern der mittaglichen Stärkung aktiver TouristInnen. Es gibt saubere Sanitätsräume, je 1 Damen-, Herren- und rollstuhlfähiger Raum.

Meine Empfehlung.
(Und ein bisschen Werbung für die freundliche Autorin des kompetenten, präzisen Reiseführers!)






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