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16. Oktober 2019

Zu Fuß nach San Michele 31.10.-10.11.2019



Brücke nach S. Michele im 19. JH
(Bäume ragen kaum über die Friedhofsmauer!)

Die Votivbrücken von Dorsoduro zur Kirche des Redentore auf der Giudecca im Juli und von der Haltestelle Giglio zur Kirche der Madonna della Salute Mitte November sind eine nie gebrochene Tradition, die immerhin auf Gelöbnissen der Serenissima zur Befreiung von den Pestepidemien 14. und im 17. Jahrhundert beruhen. (Naja, und es gibt seit einigen Jahren auch noch die nichtchristliche Marathonbrücke zwischen der Punta della Dogana und den Giardini Reale über den Canal Grande Ende Oktober...)

Bis zu Beginn der 1950er wurde auch jedes Jahr zum christlichen Fest Allerheiligen und Allerseelen (1./2.11.) eine Brücke von den Fondamente Nove zum Monumentaltor des Friedhofs S. Michele errichtet, damit die Venezianer*innen an diesen Tagen ihre Toten besuchen konnten. Der allgemeine Friedhof war eine neue Errungenschaft für Venedig in der 1. Hälfte des 19. JHs, errichtet nach dem Erlass des napoleonischen Friedhofsgesetzes (nur noch außerhalb der Gemeinden, nicht mehr in Kirchen und auf Kirchhöfen). Alle Verstorbenen der Stadt Venedig müssen seit ca. 200 Jahren auf die Insel, damals gerudert, heute mit dem Bestattungsboot mit vollautomatischer Hebe- und Schwenkeinrichtung für den Sarg. Die Brückentradtion zum Totengedenken wurde mit dem funktionierenden ÖPNV der Vaporetti vor ca. 70 Jahren aufgegeben.

Auf Ratsbeschluss wird in diesem Jahr zum ersten Mal wieder für 10 Tage eine Brücke gebaut, 407 m lang, 15,5 m breit; eine Durchfahrt für Wasserfahrzeuge wie bei den anderen Votivbrücken muss eingerichtet werden, die Arbeiten an der Brücke haben bereits begonnen. 450.000 € wurden dafür eingeplant und da die Kosten immer wieder erwähnt werden aber nirgends von den weiteren Perspektiven dieser Tradition zu lesen ist, schleicht sich ein giftiger Verdacht an, dass dies eine singuläre Veranstaltung sein könnte. 
Der Bürgermeister Brugnaro, bekanntlich nicht gebürtiger Venezianer und darüberhinaus Nicht-Bürger von Venedig legt auffälligen Wert auf die Feststellung, dass die Votivbrücke sein persönlicher lang gehegter Wunsch war. Könnte es sich hier (auch) um einen Vor-Kommunalwahlen-Stunt handeln? Die Bevölkerung, vor allem die mehrheitlichen Alten, freut sich, der Bürgermeister präsentiert sich mit seiner Bürgermeisterschluppe, begleitet von militärischen und kirchlichen Amtsinhabern, den wichtigen Männern eben. Ein Schelm, wer da an Bürgermeisterprestige und die Wahlurne 2020 denkt, aber warten wir Allerheiligen 2020 ab...


Quelle: Twitteraccount Bürgermeister Luigi Brugnaro

Auch wenn die venezianische Bevölkerung schrumpft (und "Gäste" nur in Ausnahmefällen auf der Insel bestattet werden) haben die längst aus der Stadt aufs Festland gezogenen Venezianer*innen weiter ihre Toten auf der Friedhofsinsel. Der Friedhof wurde in den letzten 10 Jahren erweitert und schon an normalen Tagen ist der morgendliche Friedhofsverkehr sehr lebhaft, zum Glück bevor Tourist*innen unterwegs sind. An Allerheiligen und -seelen allerdings sind die Boote der Linien 4.1 und 4.2 trotz Ergänzungsfahrten derart rappelvoll, auch gerade mit betagten und behinderten Passagier*innen und ihren Begleiter*innen extrem vollgestopft, dass die Brücke nicht nur die Wiederbelebung einer schönen Tradition ist, sondern vermutlich auch eine rationelle Entlastung des ÖPNV.

Bisher habe ich wegen der Vaorettiüberlastung bewusst nicht den Friedhofsbesuch am Totenfest empfohlen. Aber nun wird Besucher*innen Venedigs im Herbst durch die Votivbrücke die sehr besondere Erfahrung ermöglicht, über den breiten Kanal auf das schöne ehemalige Hauptportal des Friedhofs zuzuschreiten und über die Hauptalllee eintretend den Friedhof zu erkunden. Ein Geschenk, das auch wir als Gäste dankbar und rücksichtsvoll annehmen dürfen.


WICHTIGE Ergänzung 27.10.19
Nicht nur mein bescheidener Blog hat über diese erneuerte Tradition berichtet, sondern vor allem wurde sie natürlich bekannt über die Marketingmedien der Stadt selber. Entrüstung erhob sich unter den Bürger*innen, dass sogar das besinnliche Totenfest als Tourist*innenattraktion beworben wird. Nicht zu Unrecht. Für mich selbst hatte ich entschieden diesen Hinweis zu veröffentlichen, weil die Brücke ja nicht nur für die beiden Feiertage (in diesem Jahr ein verlängertes Wochenende) eingerichtet wird, sondern ganze 10 Tage. 

Nun wurde klugerweise entschieden, dass von der Eröffnung am 31.10. um 12 Uhr bis einschließlich 3.11. die Brücke nur von Einheimischen und Inhaber*innen einer Dauerkarte Venezia Unica genutzt werden darf
Erst ab dem 4.11. wird sie allgemein dem Publikum zur Verfügung stehen. 
Damit können sich die betroffenen Gemüter hoffentlich wieder beruhigen, und auch die Gäste Venedigs kommen in der 1. Novemberwoche in den Genuss der Votivbrücke ohne die intimen Feiertage zu stören.

29.10. 
Fotos vom Bau der Brücke auf dem Twitterkonto der Comune Venezia.

31.10.
Heute 12 Uhr war es soweit. Ich habe tagesaktuelle Fotos bekommen (herzlichen Dank an Birgit Weichmann). Nach den Eröffnungsfeierlichen und der Verabschiedung der Offiziellen inkl. Militär, Patriarch und Bürgermeister war die Brücke leer und der Gang über den Canal delle Fondamente Nove sicher eine Freude. Morgen ist Feiertag und mehr Betrieb zu erwarten. Ab dem 4.11. ist die Brücke für alle frei.


Quelle Birgit Weichmann

Quelle: Birgit Weichmann

Quelle: Birgit Weichmann



Siehe bisher 6 Blogeinträge zum Friedhof San Michele 
Siehe auch Eintrag auf Venipedia zum Friedhof San Michele (italienisch)


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30. August 2019

Karibik in Cannaregio...


"Che bella sei, hai la bocca come un fiore. 
Tu dimmi che questo è il tempo dell'amore"




Wieder einmal ein schönes kleines Video von venezianischen Kanälen des Labels Indiemood. Die Liedermacherin Folkie stammt vom Gardasee, arbeitet an der Veröffentlichung einer Platte und singt über die Karibik und die Liebe. 

Aufnahmen vom Rio Ca' Dolce, an dem sich die Wassertore der alten Gebäude aneinanderreihen. Venezianische Wege, von denen wir Touristen ausgeschlossen sind, und das ist auch gut so.










4. August 2017

Ein kleines Schubidu...


... zum Augustvollmondwochenende entlang des Rio della Misericordia in Cannaregio.






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16. März 2017

Mit Einkaufskarre ins Teatro Italia


Kurz vor Jahresschluss, am 28.12.2016, eröffnete ein neuer Lebensmittelsupermarkt in Venedig und schon wenige Tage später erreichten mich auch die ersten Berichte von Korrespondent*innen (die bekannten Winter-Appassionati!). So begeistert wie überrascht! 

Scheinbar ohne Aufsehen zu erregen (auch nicht meins, als ich im November eine Woche lang täglich den Campiello della Anconetta überquerte) und auch zur Verwunderung von Einwohner*innen wie Bloggerkollegin Cat Bauer  wurde das Teatro Italia in gut einjähriger Arbeit restauriert und konvertiert in einen Despar-Lebensmittelmarkt. Das Gebäude stand jahrelang ungenutzt, zuletzt diente es der Universität Ca' Foscari als Unterrichtsraum.





Das neugotische Juwel, erbaut 1916 (unter Verwendung von Stahlbeton!), ist einer der wenigen Theater- und Kinosääle Italiens, die komplett inklusive aller Innendekorationen erhalten sind. Die vier Eingangsportale und die Kunstschmiedearbeiten der Geländer und Kronleuchter sind von Umberto Bellotto, die Dekoration der Wände und der Decke von Pietro Marussig

Für die Restaurierung verantwortlich zeichnet das Büro Alberto Torsello, das z. B. auch die Scuola Grande della Misericordia so beeindruckend restaurierte. Die vorgeschlagene Zwischendecke in dem hohen Theatersaal genehmigte die Denkmalschutzbehörde nicht, um die Einheit des Gebäudes zu erhalten. Gegen die Nutzung als Supermarkt gab es keine Einwände, auch nicht gegen die mögliche Nutzung der Galerien, die als Mezzanin über dem Zentralraum integriert sind. 

Die Restaurierungsarbeiten von Fassade, Dach und Innenausstattung wurden von der Firma Stetten ausgeführt. Zum Schutz des Gebäudes gehört der Einsatz ökologischer Systeme, die die Kühlung mit der Heizung verbinden und die Luftfeuchtigkeit trotz der vielen Kühl- und Tiefkühleinheiten konstant halten. 

Ich hatte dank meiner winterlichen Venedig-Abstinenz noch nicht das Vernügen, eine Einkaufskarre durch die ganze Pracht zu schieben. Aber wer jetzt seinen/ihren Frühlingsbesuch in Venedig macht, sollte sich das nicht entgehen lassen. Kostenlose Zugabe zum Warenkorb.


Ergänzung 20.3.


Es hat sich hinter den Kulissen dieses Blogs eine Diskusssion über das Fotografieren im Despar-Markt entwickelt. Die ersten Korrespondent*innenberichte, mit wunderbaren Fotos ausgestattet (nochmals vielen Dank!), warnten vor Veröffentlichung der Fotos wegen des Fotoverbots. Große Verbotsschilder seien am Eingang angebracht. Neueste Berichte, siehe unter 'Kommentare' (und ebenfalls mit informativem Fotoanhang), verkündeten dagegen Fotoerlaubnis.


Heute Nacht gab es eine neue Nachricht, die für mich die Fotofrage entscheidet, ich füge sie an dieser Stelle ein:

Hallo Brigitte!
Vielen Dank für den guten Beitrag über das Teatro Italia. Ich war zwar bei meinem Besuch neulich nicht in den chorus-Kirchen. Aber ich habe dreimal im Teatro Italia eingekauft und dabei zweimal fotografiert. Natürlich sind die Ladeneinbauten störend, aber die Restaurierung ist gut und man kann sich alles in Ruhe ansehen und: fotografieren. Alle sehr nett. Seit 30 Jahren wollte ich mir das ansehen: ganz wunderbar. Dieser wunderbare Misch-Masch aus historistischer Architektur und Jugendstil-Fresken, mit allen möglichen sonstigen Einflüssen, ist auch eine Mischung aus Leichtigkeit und Ernst.

In einer Antwort wird darauf hingewiesen, daß man am Ausgang seinen scontrino scannen muß, damit sich die Schranke öffnet. Das stimmt. Es gibt nämlich auch Selbstbedienungs-Kassen und sie wollen es Dieben nicht zu leicht machen. Hat man nichts gekauft, öffnet einem die "security" von Hand die Schranke. Eben jene security sagte mir zudem, daß die Empore wohl auch weiterhin geschlossen bleiben wird. Die Betreiber hätten (bisher) keine Genehmigung für Publikumsverkehr erhalten - warum auch immer.

Ich schicke dir auch einige Fotos, die ich dort gemacht habe. Da bekommst du vielleicht noch einen besseren Eindruck. Einige Fotos sind schief, was daran liegt, daß ich das Fisheye-Objektiv erst seit letztem Jahr habe. Echt schwieriges Teil. Aber irgendwann lerne ich es.
cordiali saluti,
Andreas


Herzlichen Dank für Information und Fotos, ich wage es also jetzt, Fotos einzufügen, für alle auf dieser Seite gilt das (C) Andreas Götz.




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5. Februar 2017

Lutherjahr - Venedig ist "Reformationsstadt Europas"

Lutherportrait  der Cranach-Werkstatt 
in S. Angelo Custode
Venedig wurde im vergangenen Oktober für das Lutherjahr 2017 mit dem Titel "Reformationsstadt Europas" geehrt. Damit wird auch die Aufmerksamkeit interessierter Tourist*innen auf die beiden protestantischen Kirchen in Venedig gelenkt. Neben den vielen sehr alten und meist künstlerisch reich ausgestatteten katholischen Kirchen und der spezifischen Kultur der griechischen und armenischen Kirchen finden sie, bescheiden und bedauerlicherweise, zwar gezieltes aber weniger allgemeines Interesse. 

Die Rede ist von der evangelisch-lutherischen Kirche S. Angelo Custode und der evangelisch-reformierten Kirche der Waldenser im Palazzo Cavagnis


Eingangshalle der ev.-luth. Kirche S. Angelo Custode

1713 baute Andrea Tirali die Scuola der Bruderschaft S. Angelo Custode errichtet. Nach der Schließung von Kirchen, Klöstern und Bruderschaften am Ende der Republik erwarb der deutsche Kaufmann Sebastian Heinzelmann das Gebäude. Vermutlich auch wegen der günstigen Lage am Rio und Campo dei SS. Apostoli direkt an der Brücke, die zum damaligen deutschsprachigen Hotel Leon Bianco in der Ca' da Mosto führt, quasi um die Ecke zum Fondaco dei Tedeschi, dem Haus der deutschsprachigen Kaufleute. Hier stand den ausländischen Protestanten seit 1657 ein Gebetsraum zur Verfügung, nachdem die Reformation in Venedig schon zu Luthers Lebzeiten angekommen war. (Die katholischen Geschäftsleute hatten ihre deutsche Kirche zwei Schritte weiter, in S. Bartholomeo.) 

Die ehemalige Scuola des Heiligen Schutzengels ist eine Wende in der Geschichte der evangelische Gemeinde, in der bis heute deutsch gesprochen wird und deren Zugewandtheit und Gastfreundlichkeit ich nur rühmen kann, und zwar von einzelnen Gemeindemitgliedern bis zum Pfarrer. Rühmenswert sind auch die Offenheit in den Beziehungen zur Kommune Venedig, anderen Kirchen und Glaubensgemenschaften und der Präsentation von kulturellen Veranstaltungen (nächste: Sonntag 5. März, 17 Uhr, Mestoso Brass aus Detmold) bis hin zu z. B. einem schönen Projekt der Kunstbiennale 2011, inklusive eigenem Pressebericht. Mich beeindruckt das sehr.


Die evangelische Gemeinde bei der Performance von Passage 2011
als Bootsträger*innen
Die Schutzengelskulptur über dem Haupteingang ist ein Werk des aus Rheine stammenden Künstlers Heinrich Meyring (siehe S. 6 der verlinkten Diss.). Die Wände der Eingangshalle, ehemaliger Versammlungsraum der Scuola, tragen alte Grabdenkmäler der Gemeinde. Die Protestanten*innen Venedigs wurden seit 1719 auf der kleinen Klosterinsel S. Cristoforo della Pace bestattet. Als S. Michele mit S. Cristoforo zur Friedhofsinsel vereint wurde, erhielten Evangelische und Orthodoxe ihre jeweils abgetrennten Sonderbereiche. 

Im oberen Stockwerk, dem Gebetsraum der ehemaligen Scuola, befindet sich der Kirchenraum, unkatholisch schlicht aber beeindruckend gestaltet mit einem Altarbild des Engels Raffael mit der Madonna von Sebastiano Ricci, einem kleinformatigen aber virilen 'Erlöser' von Tizian (ein Geschenk aus dem Fondaco dei Tedeschi) und einem sehr kleinen Lutherportrait aus der Cranach-Werkstatt

Im Sommer 2012 drohte der Einsturz der Decke, vermutlich in Folge der starken Erdbeben in der Emilia Romagna. Die Renovierung war (für venezianische Verhältnisse ruckzuck) im folgenden Jahr erledigt, die Kirche konnte wiedereröffnet werden.

Für Besucher*innen geöffnet Di 11-13, Sa 16-19. Es halten sich Gemeindemitglieder in der Halle und in der Kirche auf, die sehr freundlich auf Fragen eingehen. Gottesdiensttermine finden sich im Gemeindebrief, den man auf der Website als PDF herunterladen kann.


Kirchenraum S. Angelo Custode


Der Palazzo Cavagnis liegt etwas versteckt auf dem Weg zwischen S. Maria Formosa und SS. Giovanni e Paolo. Er ist ein Kulturzentrum der evangelisch-reformierten Kirche der Waldenser Italiens. Die Kirche ist eindrucksvoll in ihrer fast völlig schmucklosen Bescheidenheit. (Schlicht auch ihr Internetauftritt). Es gibt allerdings in regelmässigen Intervallen kostenlose Kulturveranstaltungen mit Schwerpunkt Musik (auf das ich in der Regel im Kulturkalender hinweise) und das Gästehaus, das seit ein paar Jahren günstige Übernachtungen anbietet (enthalten auch im Eintrag 'Wohnen in Klöstern, Wohnheimen, Stiftungen'). 

Ich selbst habe das Gästehaus noch nicht getestet und bisher auch keine Information von Korrespondent*innen. Die Kirche im Parterre des Palazzo ist als solche nicht von außen zu erkennen; als Nicht-Gast kann man an der Rezeption bitten, die Kirche besichtigen zu dürfen. Was auf sehr freundliche Art erlaubt wird. Auf der Website findet man die Gottesdiensttermine.


Evangelisch-reformierte Kirche im Palazzo Cavagnis


Reformationsstädte Europas
Wikipedia: Reformationsstadt Europas
Luther 2017
Europäischer Stationenweg 2017 dazu Ausstellung in S. Angelo Custode 21.1.2017

Ergänzung 31.3.: 
Kulturprogramm im 1. Halbjahr 2017 der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde.

24.4.-26.5. Lichtkunstinstallation  des Künstlers Philipp Geist in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Programm siehe unten (per Klick vergrößern).






Ergänzung 23.11.
Päpstliche Exkommunikationsbulle gegen Martin Luther am 31.10. an der Tür von S. Angelo Custode



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27. Dezember 2016

Neue Stolpersteine in Venedig

Weg der Stolpersteinaktion am 20.1.2017

Ein Termin für eine Kunstaktion, die die Gliederung meines Kulturkalenders für Venedig sprengt: 


20.1.2017, ab 9:30 Uhr 
auf dem Campo S. Aponal vor dem Haus San Polo 1154 


Auf einem Zug durch die Sestieri San Polo, San Marco, Castello und Cannaregio zum Ghetto werden im Projekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig insgesamt 24 neue Stolpersteine gelegt. Jeder Stolperstein erinnert an ein Opfer des Nationalsozialismus. 
Die Stadt Venedig, das Deutsche Studienzentrum Venedig, die Jüdische Gemeinde Venedig, das Venezianische Institut der Geschichte des Widerstands und das venezianische Büro des Europarats laden Venezianer*innen und Besucher*innen ein, an dieser Manifestation teilzunehmen. Sich zu beteiligen ist aus meiner Sicht mehr als eine Kunstperformance zu beobachten, es ist auch ein persönlicher feierlicher Akt der Erinnerung, der Trauer und des Respekts.

Ich habe bisher 2mal über das Projekt berichtet: 
4.1.2015 Wo denn genau?
6.1.2014 Stolpersteine in Venedig

Auf der Webseite des Istituto veneziano per la storia della Resistenza e della società contemporana IVESER findet man weitere Orte, Projekte und Führungen zur Erinnerung an die Geschichte des italienischen Widerstands gegen den Faschismus und auch einen Plan aller "Luoghi de memoria", Orte der Erinnerung. Außerdem eine Bibliothek und ein Archiv, die man besuchen kann.

Hier noch einmal der Weg und die Adressen des 20.1. im Detail auf Google Maps, veröffentlicht von IVESER.


Wikipedia-Eintrag zu den Stolpersteinen in Venedig und der Lagune.

Campo del Ghetto



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14. Juli 2016

Santa Maria della Misericordia

Kirchenraum, vor einer Goethe-Veranstaltung
Nach fast genau einem Jahr war ich am 28.5.2016 wieder in der ehemaligen Kirche Santa Maria della Misercordia. Die beiden Besuche am 9. und 14.5.2015 hatten einen längeren Blogeintrag ('Kunst oder echtes Leben? Die "Moschee" in Venedig') mit Ergänzungen zur Folge. 
Die Frage, was nun aus dieser eigentlich funktionsfähigen Moschee wird, wurde mir von kompetenter Seite schnell beantwortet: jeweils sofort nach Biennaleschluss im November müssen die Pavillons geräumt und der nachfolgenden Crew quasi 'besenrein' übergeben werden - es sind ja nur 5-6 Monate Zeit für die Installation der nächsten Ausstellung. 

Für die Architekturbiennale wurde S. M. della Misericordia als 'Dependance' des deutschen Pavillons angemietet für Performance- und Bildungsveranstaltungen des Goethe-Instituts in der letzten Mai- und der dritten Oktoberwoche. Gute Gelegenheit, wieder einen Blick hineinzuwerfen. Und endlich heute einen Blogeintrag zu schreiben, da aus gegebenem Anlass, mal wieder eine venezianische Hochzeit, die Kirche unerwartete Medienaufmerksamkeit erleben darf. 


Hauptaltar
Der erste Klosterbau auf dieser Insel Valverde am Nordrand Venedigs inmitten von Salzwiesen und Röhricht entstand in der Mitte des 10. JHs und hiess Santa Maria della Valverde Madre di Misericordia, daher die beiden bis heute benutzten zwei Bezeichnungen S. M. della Misericordia und S. M. Valverde - aber VenezianerInnen nennen sie ausschließlich 'L'abbazia' (Betonung auf dem i). Obwohl Venedig voller Klöster und Ex-Klöster ist, ist 'L'Abbazia' ein eindeutiger Begriff. 
Die ansässigen Orden wechselten, Augustiner, Dominikaner, Serviten; auch die Anzahl der Bewohner (Pestepidemien!); die Kirche wurde mehrfach erneuert, das Kloster erweitert, und während die angrenzenden Inseln bevölkert und die Fondamente Nove in die Lagune gebaut wurden, blieb das Kloster in seinen weitläufigen Gärten einsam und sein Nordufer unberührt - bis heute, davon abgesehen, dass die Sacca della Misercordia mittlerweise eine Marina ist.

Mit Beginn des 14. JH. wurde an der Westseite des Campo dell'Abbazia die Scuola della Santa Maria della Valverde Madre di Misericordia von der Bruderschaft der Misericordia gegründet, später Scuola vecchia genannt, die zusätzlich zur Bruderschaftsinfrastruktur, also Versammlungs- und Gebetsräume etc., ein Hospiz für mittellose Frauen und einen Friedhof (zur Linken der Kirche) einrichtete. 

Die Geschichte der Scuola della Misericordia und ihres Wohlstands dank wohlhabender Mitglieder geht weiter mit dem Bau der riesigen Scuola Grande della Misericordia, die hier nicht unbedingt dazu gehört Nachzulesen unter 'Scuola Grande della Misericordia in neuem Glanz'; 'Ein Palladio...'; 'Scuola Grande della Misericordia'. 


Dach und beschriftetes Gebälk
Die ehemaligen Gärten der Scuola und des Klosters sind weitgehend erhalten, sehr gepflegt aber leider nicht öffentlich. Sie liegen hinter hohen Mauern an der Sacca della Misericordia und sind zum größten Teil Lager und Restaurationswerkstatt für Skulpturen etc. der städtischen Museen Venedigs. Der zugängliche Teil ist die Kooperative "Laguna Fiorita", Pflanzen, Gartenbedarf, Gewächshäuser... wo VenezianerInnen im Centro Storica ihren Pflanzenbedarf per Boot decken können.  

Die Gebäude, auch der schattige Sottoportego, sind entlang des Rio della Sensa zu sehen, die Gärten leider nur durch wenige Gitter. Auf dem Campo zu bewundern: eines der wenigen erhaltenen Beispiele der ersten Ziegelpflasterung Venedigs im Fischgrätmuster (wie auch nicht weit davon auf dem Campo Madonna dell' Orto). Und ein wunderschöner Brunnenkopf (vera da pozzo) aus dem 13. JH mit den Reliefs von Mönchen an 3 Seiten, das Aussehen der 4. Seite lässt einen früheren Anbau vermuten. Wenn hier nicht geheiratet oder um Moscheen bzw. Kunst gestritten wird, ist dies ein wunderbar still und authentisch erhaltener Ort.


Fassade und 'gequetschte' linke Seite
Zu dem auch die schöne dreiteilige barocke Kirchenfassade mit ihrer gequetschten linke Ecke gehört, erneuert 1650 von Clemente Moli, Schüler Berninis und Mitarbeiter Longhenas (ebenfalls gequetscht: eine Tür zum dahinter liegenden Garten, immer standhaft verschlossen). Neben das Kirchenportal hat Moli allegorische Skulpturen der Beständigkeit und der Barmherzigkeit gestellt, darüber eine Büste von Gaspare Moro, der die Fassade bezahlte. Das Relief am rechten Nebengebäude, eine byzantinisch betende Madonna mit Kind, wird dem 13. JH zugerechnet.

Die Kirche selbst ist nach ihrer Schließung im 19. JH, dem Verkauf inkl. des Campanile an aufeinander folgende Privatpersonen, der Nutzung als Lagerraum bzw. für Wetter- und Sternenbeobachtungen, und der Dekonsekration 1973 unter dem Patriarchen Albino Luciani, ziemlich frei von sakraler Kunst. Mit dem großen Kunstausverkauf Venedigs 1868-1882 verschwanden nicht nur die großen Altarbilder, sondern auch alle Kunstwerke, die aus bereits früher geschlossenen Kirchen hier untergebracht worden waren: aus S. Matteo di Murano, S. Elena, S. Maria dell' Arsenale, S. Maria Maggiore - Werke von Cima da Conegliano, Francesco Ribera, Palma Giovane, Padovanino, Hans Holbein, Alessandro Longhi, Giovambattista Tiepolo und anderen. Geblieben ist das Grabmal von Alvise Malipiero (mit dem schönen Hahnenlogo) an der linken Wand; die Mosaike an Stelle einiger früherer Tafelbilder hat man in der 2. Hälfte des 19. JHs neu eingefügt, als die Kirche zuletzt restauriert und einige Jahre wieder genutzt wurde. 

Beeindruckend ist der Fries hoch oben unter dem Dach, das selbst aus schlichten Kassetten besteht und über die ganze Fläche goldene Sterne auf blauem Grund zeigt. (Einige Kirchen in ehemaligen venezianischen Festungen auf der Peloponnes haben einen ähnlich zauberhaften blau-goldenen Sternenhimmel.) Schön ist auch die geschnitzte Empore auf Marmorsäulen an der Innenwand der Fassade.   


Innenseite, Empore
Nachdem der längst nicht mehr sakrale Kirchenraum, immer noch Privatbesitz, vor der Moschee-Installation von einem verlotterten in einen nutzbaren und präsentablen Zustand versetzt wurde, steht er - wie viele restaurierte Gebäude oder Sääle in Venedig - zur Miete für Events unter dem Stichwort "kulturelle Verwertung". Wohlgemerkt: sieht aus wie eine Kirche, ist aber eine Ex- wie viele andere in Venedig.


Nächste Besuchsmöglichkeit von S. M. della Misericordia bzw. Valverde bwz. l'Abbbazia und ein spannendes Projekt als Nebenveranstaltung der Architekturbiennale: The Veddel Embassy. 18.-22.10., Di-Fr 12-15 und 18-22 Uhr des Goethe Instituts Italien n Kooperation mit dem Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und dem Evangelisch Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost. Eintritt frei.


Venipedia Campo dell' Abbazia mit einem guten Lageplan. Haltestelle Madonna dell' Orto und Ca' d'Oro.

Rundumführender Fries unter dem Dach



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14. Juni 2016

Scuola Grande della Misericordia in neuem Glanz

Fresco der Veronese Schule oberer Saal

Die Restaurierung der Scuola Grande della Misericordia ist abgeschlossen. Es gibt eine neue Website und seit Ende April steht das Gebäude der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ich habe nach 3 Besuchen von Ausstellungen in den Jahren 2009 und 2011 nun Ende Mai das Vorher mit dem Nachher verglichen: begeistert. Wenn auch nicht ganz restlos. 


Ziegelboden linkes Seitenschiff, 2011

Nordwestecke: alter Boden, darüber neuer Bodenbelag 2016

Ich hatte durch die Medienberichte  eine Vorstellung, was auf mich zukommt: 

Il Gazzettino (erstaunlicherweise datiert 12.6.2015, was eigentlich nicht sein kann): Scuola Misericordia,  conclusi i lavori: "Connubio tra tecnologia e restauro"

La Nuova (10.3.): Riapre la Misericordia deomenica i primi visitatori

Venezia Today (10.3.): Conclusi il restauro, riapre la Scuola Grande della Misericordia a Venezia

Venezia Radio TV (22.4.): La Misericordia rinasce dalle sue ceneri, sabato l'apertura

La Nuova (25.4.): La Misericordia apre nel segno del basket

La Nuova (30.4.): La Misericordia: le foto di oggi e quelli di ieri, la festa per il "Più bello palazzetto del mondo"

und ein kleiner Trailer des Films "La  palestra  più bella del mondo" von Carlo D'Alpaos, der öfters erwähnt wird... 


Parterrehalle 2011


Parterrehalle 2016

...war aber dann doch wirklich angedonnert, mitten in der Pracht zu stehen, vor allem im Glanz des Fußbodens, dessen Material ich nicht auf Anhieb einordnen konnte. Es scheint sich um Metallplatten (!) zu handeln, ca. 2 mm dick. (Angefasst, gekratzt, geklopft, mit den Materialproben der Ausstellung verglichen. Metall. Wie ist das mit dem Gewicht? Wie reagiert das auf Erdbeben?) 
Ich finde den geradezu magischen Schimmer des Materials im Obergeschoss und im Treppenhaus (beides vorher Beton) großartig. Im Parterre allerdings, wo noch der schöne Ziegelboden lag, hätte das aus meiner Sicht nicht sein müssen, sollen, genau genommen nicht sein dürfen. An der Südwestecke meine ich zu erkennen, dass die Metallplatten auf die Ziegel gelegt wurden und hoffe also, dass der alte Zustand wieder herstellbar wäre. Wenn man vielleicht eines Tages den eleganten und pflegeleichten Metallboden satt hat. 


Graffitto Joss Weber 2011

Graffitto Joss Weber 2016

Die Säulen der unteren Halle wurden schön restauriert, auch die 'privaten' Graffitti des 19. JH an den Ost- und Nordwänden wurden erhalten. Zerstörte Stuckteile an der Decke wurden nicht ersetzt, sondern als Fehlendes in die Restaurierung einbezogen. Der enorme Riss in der Nordwand ist gemäß state of the art des Restaurationshandwerks sehr schön geschlossen. In der Westwand sind Details zu sehen, die ich vorher nicht kannte: ein kleines Innenfenster zum Beispiel.
ABER: an der Stelle des früheren Altars an der Nordwand der Parterrehalle wurde ohne Not ein Durchbruch für eine Glastür mit Windfang gemacht. Die Tür sieht vom Eingang her winzig klein aus, und wenn man davor steht, erlaubt sie einen schönen Blick auf den Campo, die alte Misericordia und die Kirche S. M. Valverde. Aber braucht man das? Nein, also warum macht man das? Auf der Website wird die Tür als "der neue Eingang" bezeichnet, also buchstäblich 'hintenrum'. Unsinnig, wenn es vornerum eine ordentliche funktionierende Eingangstür gibt.



Riss in der Nordwand 2011

Riss in der Nordwand 2016


Riss in der Nordwand 2016

Auf der Westseite des Gebäudes wurde ein Servicebereich mit allem Zipp und Zapp integriert: Sanitärräume ganz in Marmor auf beiden Etagen; ein kleiner Fahrstuhl zum eigentlichen großen Fahrstuhl zur oberen Etage (dessen langsame Bewegung nicht spürbar ist); anscheinend eine Bar, auf jeden Fall Bewirtungs- und Technikinfrastruktur. 
Überhaupt, die Lichttechnik, vom Feinsten. Die hätte Herr Donnersmarck vielleicht gerne gehabt, als er hier im Parterreraum die Ballszene seines "Tourist" drehte. In die Handläufe des überraschend prächtigen, säulen- und skulpturengeschmückten Treppenhauses (ich kannte es praktisch nur als Baustellentreppenhaus - Beton, Weichholzgeländer, Verschalung) sind Leuchtröhren integriert, die vom Metallbelag der Stufen reflektiert werden - ahhh! 


Treppe rauf 2009

Treppe rauf 2016
Treppe runter 2009


Treppe runter 2016

Auf der oberen Etage angekommen, wird man vom Anblick des riesigen hellen Raums (ohne Säulen) mit den Fresken der Veronesewerkstatt oder -schule überwältigt. Und nachträglich immer wieder von der Vorstellung, dass dies eine Sporthalle war, SpielerInnen, Fans, alles. Und von der Bewunderung für die Leistung Sansovinos - sein Bibliotheksdach der Marciana kam zwar runter, aber dieses extrembelastete Gebäude steht! 


Fresco im oberen Saal 2011


dasselbe Fresco im oberen Saal 2016

Die neue Treppe, die außerhalb des Gebäudes auf der Nordwestecke angefügt wurde, ist neben ihrer Funktionalität ein Kunstwerk für sich. Eine Skulptur aus rotrostigem Metall, ich weiss leider nicht, wer sie entworfen hat. 


Terrasse Nordwest 2009, auf der 2015 die neue Außentreppe landen wird

Obere Hälfte der Außentreppe, Eingang zum Obergeschoss 2016

Zur Zeit bis 27.6. wird in der unteren Halle eine sehr interessante Ausstellung "Designing the Complexity" zur Renovierung-Restaurierung des Gebäudes gezeigt. Materialien etc., unbedingt interessant für LaiInnen, für Fachleute sicher ein detaillierter Blick. Eintritt frei.

Künftig sollen hier regelmäßig Ausstellungen und andere Veranstaltungen stattfinden. Informationen dazu finden sich unter News auf der Website, aber auch im Kulturkalender auf diesem Blog. Auch ohne Ausstellung im Gebäude ist es ab dem 1.7. Frei-Sa-So von 10-18 Uhr für das Publikum geöffnet und in aller seiner Pracht zu besichtigen. (Über Eintrittskosten ist mir bisher nichts bekannt.)


Säulen und Skulpturen am Treppenabsatz oben

Die Restaurierung des Gebäudes wurde finanziert, wie man in den italienischen Medienberichten oben lesen kann, mit Privatmitteln von ca. 10 Mio € des Unternehmers Luigi Brugnaro, derzeitiger Bürgermeister Venedigs, Inhaber der Zeitarbeitsfirma Humana und Inhaber/Vorsitzender des Sportvereins Reyer, des ehemaligen Nutzers der Palestra Misericordia. Für die nächsten 40 Jahren hat er, Brugnaro, die Konzession für den Betrieb der Scuola Grande della Misericordia. 


Bisherige Einträge mit Bezug zur Misericordia bei 'Unterwegs in Venedig':

27.07.2009   Scuola Grande della Misericordia
25.09.2011   Mehr eintrittsfreie Biennale
16.10.2011   Biennale und mehr im Oktober
29.02.2012   Ein Palladio! Scuola dei Mercanti 
07.03.2015   Hüllen und enthüllen

Außentreppe Nordwest Mai 2015


Nachtrag 24.12.:
Ein Korrespondent führt per Mail diesen Eintrag weiter, ich danke herzlich, auch für die Erlaubnis, seinen Text zu veröffentlichen:

Die wenigstens zeitweilige Zugänglichkeit der Scuola Grande della Misericordia offenbart das Genie Sansovinos: endlich versteht man die merkwürdigen Versprünge im Backsteinmauerwerk an den Außenwänden. Das Erdgeschoss ist innen architektonisch nämlich geradeso instrumentiert wie das Äußere in beiden Geschossen hätte sein sollen, Innen und Außen korrespondieren miteinander, der Geist der Hochrenaissance scheint hier auf und es wird einem bewusst, wie wichtig der Einfluss Roms auf die Baukunst Venedigs ist, trotz der behanrrenden Tendenzen in der Lagune. 
Dem zugewanderten Sansovino gelingt hier eine eigenständige Interpretation der ja etwas nüchternen Bauaufgabe "Scuola", einer venezianischen Sonderform, die sonst - d. h. um 1500 und noch später - ganz auf den Glanz oder den künstlerischen Reichtum der Ausstattung und nach Außen auf eine Schaufassade setzt.
(GF) 


Nachtrag 12.5.2020
Fund im www: "Die schönste Sporthalle der Welt"






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