Posts mit dem Label Madonna dell'Orto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Madonna dell'Orto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

7. Juni 2015

Sotheby's im Kreuzgang Madonna dell'Orto


Im Kreuzgang neben der Kirche Madonna dell'Orto stellt wäh-
rend der ganzen Laufzeit der Biennale Sotheby's die Künstlerin Emily Young aus. Natürlich ist das eine Verkaufsausstellung, die Preisliste jenseits des durchschnittlichen Budgets ist bei der freundlichen Dame am Eingang erhältlich; für bescheideneres Geld sind Bildbände mit Werken der Künstlerin vorrätig. Falls man überhaupt Geld ausgeben möchte.


Die Problem- und Politiklastigkeit der diesjährigen Biennale wird von der Kritik allgemein festgestellt, teils beklagt, (von mir bestätigt und begrüßt), diese Nebenausstellung öffnet einerseits den normalerweise verschlossenen Raum des Kreuzgangs und erfreut andererseits mit rein ästhetischer Kunst, politik- und problemfrei. Darf und muss auch sein. Die Skulpturen Emily Youngs ('From rock muse to stone sculptor') aus ausgesucht schönen Steinen, deren Struktur in den Entwurf ein- und über-
geht, sind im Entwurf und in der Bearbeitung eine Augenweide. 


In der Einladung zu "Call and Response" kann man die Arbeit gut nachvollziehen, gleichzeitig ist dies der Gesamtkatalog  der Ausstellung, what you see is what you get. Es kommt hinzu die einzigartige Atmosphäre des Kreuzgangs, die Ruhe dieses Raums am Rande der nördlichen Lagune, der Duft der Zitronen-
bäume und die kontemplative Stille, der man sich hier hingeben kann solange man möchte. 


Unbedingt einen Besuch wert!
Haltestelle Madonna dell'Orto 4-er und 5-er Linien.  

Siehe auch Label Madonna dell'Orto



Ich begleite und führe zu Nationenausstellungen und Nebenausstellungen in interessanten Gebäuden in der Stadt. Auch themen- oder personenorientierte Begleitungen können auf Anfrage abgestimmt werden über einen Klick ganz oben rechts in der dunkelgrünen Spalte.

.

3. Oktober 2014

Festival venezianischer Gärten 2014

Ummauerter Garten an der Scuola della Misericordia
3 Tage offline unterwegs - erst gestern Abend erreicht mich deshalb die Einladung zum Festival venezianischer Gärten 2014, das heute beginnt und übers Wochenende stattfindet.

Programm und Anmeldungsdetails

Da die Gärten für Venedig-LiebhaberInnen höchst interessant sind, und die Besichtigungsangebote des WIGWAM CLUB GIARDINI STORICI VENEZIA so rar und kostbar, die Führungen hochinteressant und -qualifiziert, packe ich diesen Termin nicht nur in die Liste der kulturellen Herbsttermine, sondern mache einen separaten Eintrag. In der Hoffnung, dass trotz der Kurzfristigkeit möglichst viele Appassionati venezianischer Gärten über den Hinweis stolpern und das Angebot wahrnehmen können. 

Alle Führungen finden im Sestiere Cannaregio statt, kosten einen Teilnahmebeitrag (5-8 €) sind in der TeilnehmerInnenzahl begrenzt, Anmeldungen sind deshalb unerlässlich. Tel. 0039-388-4593091, 0039-328-8416748, giardini.storici.venezia@gmail.com  Sie finden auch bei Regen statt. Man sollte 15 Minuten vor Führungsbeginn am Treffpunkt sein. 

Heute, Freitag 3. Oktober: 
Garten und Kloster der alten Scuola della Misericordia, Führungen und 14:30 und 15:30, Treffpunkt auf dem Campo dell'Abbazia 

- Gärten des Palazzo Contarini dal Zaffo in Cannagregio: Garten des SeniorInnenheims Piccola Casa della Divina Provvidenza Cottolengo und der Casa Cardinal Piazza. Eine Führung um 17:30, inkl. Probieren von Giuggiole, Trauben, Granatäpfeln.

Morgen, Samstag 4. Oktober:
- Garten des Palazzo Grimani ai Servi im Stil des 15. Jahrhunderts. (Kenne ich nicht, muss aber hier sein.) Führungen mit Treffen der Besitzerfamilie um 10:00 und 11:00 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo S. Fosca (s. Link oben).

- Garten des Palazzo Rizzo-Patarol, heute ein Luxushotel, und Garten des Palazzo Arrigoni. Führungen mit "Feier des Baums", Celtis australis, italienisch bagaloro oder spaccassassi, um 14:30 und 16:00 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo Madonna dell'Orto. 

Übermorgen, Sonntag 5. Oktober
- Besuch zweier ummauerter Privatgärten: Garten am Ponte Chiodo und Garten der Casa Bellinato. Führungen um 10:00 und 11:30 Uhr, Treffpunkt auf dem Campo della Misericordia.

- Geführter Spaziergang zum frei wachsenden Grün rund um die Nachbarschaft der Misericordia und Garten der Fondazione Wilmotte. 14:00 Uhr Treffpunkt Campo dei Mori.

- Garten des Ex-Palazzo Tiepolo am Ufer der Laguna Nord mit Klarinettenbegleitung. Führungen um 15:00 und 16:00 Uhr, Treffpunkt Campo della Misericordia.

- Führung im Kreuzgang und Garten Madonna dell'Orto, mit angeleiteter Wandermeditation. 17:30 -19:00 Uhr, Treffpunkt Campo der Madonna dell'Orto. 

(Links zu den einzelnen Terminen sind nicht von WIGWAM vorgegeben, sondern als zusätzlich Information von mir eingefügt.)


Garten am Rio di S. Catarina i


29. Februar 2012

Ein Palladio...! Scuola dei Mercanti

Scuola dei Mercanti, Biennale 2011


Ein Zufallsfund.


Bei einer Google-Recherche stolperte ich über eine Magi
ster-
arbeit, die auf einen Bau von Andrea Palladio hinweist, den ich bisher noch nirgends erwähnt fand, nicht in Literatur (auch nicht Palladio-L.), Internet, Reiseführern.

(Rachel D. Erwin, The Scuola Dei Mercanti: Social Networking and Marital Mobility in Sixteenth-Century Venice. Georgia State University 2010. http://digitalarchive.gsu.edu/art_design_theses/65)


Madonna della Misericordia, 15. Jahrhundert über dem Palladio-Portal des 16. Jahrhunderts





Die Hin
terlassenschaften Palladios in Venedig sind ja quasi an einer Hand aufzuzählen: die Kirchen San Giorgio Maggiore und Il Reden-
tore
, die Fassaden von San Francesco della Vigna, den Zitelle und San Pietro di Castello, sowie ein
Rest des ehemaligen Carita-Klosters innerhalb des Accademia-Gebäudekomplexes. Wer mehr Palladio will, muss aufs Festland fahren. (Siehe auch frühere Einträge: Palladio)
Die Scuola dei Mercanti steht am Campo della Madonna dell'Orto und wird erstens von der beeindruckenden Kirchen-
fassade überstrahlt und deshalb vielleicht nicht würdigend genug wahrgenommen. Zweitens wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass das ein Palladio sein könnte, keine 'typischen' Strukturen, ke
ine Andeutungen von Antike, sondern eher ein Beispiel für Zurückgenommenheit. Die Proportionen und Maße allerdings doch sehr palladio: ausgewogen und auf einander bezogen.

Versamm-

lungsraum im Erdgeschoss
8 Säulen,
hinten links Treppen-
aufgang zum Ober-
geschoss
Biennale 2009



Die Website der Pfarrgemeinde Madonna dell' Orto weist darauf hin, dass Palladio an der "Erneuerung der Scuola 1570 mitgearbeitet" habe, aber Rachel D. Erwin belegt darüber hinaus in ihrer Arbeit (S. 3, Anm. 3), dass Palladio für Planung und Bauüberwachung verantwortlich war.

Bis zum Jahr 1570 war die Scuola dei Mercanti, eine 'piccola scuola', auf ihrer heutigen Grundfläche ein
einstöckiger Bau in dem die Bruderschaft der Mercanti gemeinsame Gebete und Treffen abhielt und ansonsten der Kirche der Orto nebenan sehr verbunden war.

Obergeschoss, Kassettendecke, Biennale 2011

Nachdem die Bruder-
schaften von San Rocco und San Teodoro von 'kleinen' zu 'großen' Bruderschaften aufgewertet wurden, strebten auch die Mercanti 1570 den sozialen Aufstieg an, und zwar durch die Vereinigung mit der Scuola Grande della Misericordia, ein paar hundert Meter östlich liegend. Für die diese F
usion zwar sozial nicht gleichwertig, aber finanziell die Rettung war, denn man hatte sich mit dem Neubau der Scuola Grande della Misericordia sehr übernommen. Das Geld war alle, die Baustelle ruhte. Die Bruderschaft der Misericordia war darüberhinaus in den Ruf der Protzerei geraten, sehr peinlich in Venedig.

Die Mercanti konnten erhebliche Mittel in die Fusion einbringen und bewie
sen dies auch, indem sie den berühmten Palladio anheuerten um ihr bisheriges kleines Bruderschaftshaus in den Zustand einer scuola grande zu versetzen: acht neue Säulen im Versammlungsraum, darauf eine zusätzliche Etage für feierliche Versammlungen mit einer wunderbaren Kassettendecke, die Integration eines Albergo und eine schöne Treppe zwischen den beiden Stockwerken.

Ausserdem wurden für die Ausstattung der Innenräume mit Bilderzyklen Künstler gewählt, die einerseits dem Ruf des Architekten entsprachen, andererseits die Verbindung zur Kunst der Orto Kirche herstellten: die Tintorettos, Veronese (soweit erhalten, heute in der Accademia).

Obergeschoss, Kassettendecke und verstellter Treppenabgang
Biennale 2011

Alles von bester Qualität bei gleichzeiti-
gem Verzicht auf jeden Anschein von Protz, mit dem sich die Kolle-
gen der Misericordia bereits unmöglich gemacht hatten, keine sansovinischen
Detail-
freudigkeiten wie an ihrem bis heute nicht vollendeten Gebäude, sondern zurückhalten-
de Bescheidenheit. Weshalb man der Scuola dei Mercanti den Palladio eben nicht ansieht, man muss es wissen.

Die Scuola wird bis heute für Veranstaltungen der Pfarrgemeinde genutzt (siehe Website oben und den Aushang am Gebäude), außerdem fanden 2009 und 2011 Biennale-Ausstellungen auf beiden Etagen statt. Mit ein bisschen Timing kann man das Gebäude also besichtigen.

Der begehrte Aufstieg der Mercanti zur Scuola grande passierte letztlich nicht die Bürokratie der Serenissima, man blieb 'klein'. Die Scuola grande della Misericordia hat trotzdem abgesahnt, dafür gibt es archivarische Belege. Nach 400 Jahren kann man darüber die Schulter zucken.



.

25. Juni 2011

Kreuzgang Madonna dell'Orto


Hier ein weiterer Hinweis auf eine sehr spezielle Ausstellung an einem sehr speziellen Ort, für die keine Werbung gemacht wird. (Und nicht der letzte, da ich zwangsläufig über solche Dinge stolpere, solange ich noch in Venedig bin.)




Anscheinend gehen die Veranstalter davon aus, dass Venedigbesucher
mit Überblick ohnehin an der Kirche Madonna dell'Orto aufschlagen und dann schon von selbst aufmerksam werden auf die Ausstellung "In Ricordo di Jan Krugier", die derzeit und noch bis 31.7. im Kreuzgang gezeigt wird.

Die Kirche ist speziell, weil sie die Pfarrkirche der Tintoretto-Familie war und ihre Grablege ist, und einige Werke Tintorettos hier hängen (siehe auch meinen Eintrag vom 14.1.2010).

Der Kreuzgang ist speziell, weil ich ihn in 10 Jahren geduldiger Immerwiederbesuche noch NIE offen gefunden habe, und nicht nur ich. Zwar war die Tür schon mal angelehnt, jemand ging rein oder raus, aber alle freundlichen Versuche produzierten nur Kopfschütteln oder Fingerwackeln, nichts ging.

Deshalb blieb mir fast das Herz stehen, als ich (eigentlich wegen einer Ausstellung in der gegenüberliegenden Scuola anmarschiert) gestern morgen die Tür weit offen und darüber ein Ausstellungsbanner hängend fand.

Der Kreuzgang ist im Bestzustand, das was man in der deutschen Sprache als "gepflegt" bezeichnet, der Pozzo mit dem erhaltenen Regenwassersammelbecken so sauber, als diente er immer noch der Trinkwassergewinnung.

Die Ausstellung ist bewundernswert auf den Ort abgestimmt, mit strengen, klaren Skulpturen und weitgehend abstrakten Bildern, deren Farben sich bis auf zwei Ausnahmen kaum von ihrer Umgebung abheben. Für mich verstärken sie die Ruhe dieses Ortes und laden zur Kontemplation, nach Stimmung vielleicht sogar Meditation, ein.


Da hat sich jemand was gedacht und es ist ihm/ihr aus meiner Sicht ein perfektes "Gesamtkunstwerk" gelungen. Ich empfehle diese Ausstellung ganz überzeugt und bedaure nur, dass sie nur bis Ende Juli läuft (ich habe extra nachgefragt, ob es eine Verlängerung geben würde, nein!), man sollte sich diese schöne Erfahrung keinesfalls entgehen lassen.


Hinweis zum titelgebenden Jan Krugier

Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr, Eintritt frei, Vaporetto Madonna dell'Orto, Linien 42/52


Achtung:
verlängert bis 31.10.2011

14. Januar 2010

Bei Tintoretto


Der Teil des Sestiere Cannaregio nördlich des Rio della Sensa wirkt angenehm großräumig, verglichen mit den ältesten Teilen Venedigs wie Rialto und San Marco. Die Gassen, Rii (nicht Kanäle) und Ufer sind bequem und breit für die eher wenigen Verkehrsteilnehmer, es gibt einheimisches, nicht tourismusorientiertes Geschäfts- und Handwerksleben, einsehbare Gärten oder zumindest viel blühendes Gebüsch, das malerisch über Backsteinmauern hängt. Nur sechs Brücken führen über den Rio della Sensa und verbinden dieses geruhsame Viertel mit dem Rest von Venedig. Touristen finden den Weg trotzdem, da die Kirche Madonna dell'Orto in jedem Reiseführer steht, zu Recht.


Campanile Madonna dell'Orto

Madonna dell'Orto war die Pfarrkirche Tintorettos, er und viele seiner Familienmitglieder sind hier bestattet, und viele seiner Werke sind zu bewundern. Für Tintoretto-Pilgerer ist diese Kirche, neben der Scuola Grande di San Rocco, unverzichtbar.

Es ist besonders die "Vorstellung der Jungfrau im Tempel", ein Höhepunkt seines Schaffens, die man in aller Stille betrachten kann (hier zu sehen auf der Website
Churchesofvenice). Wobei die rätselhafte um nicht zu sagen unmögliche Platzierung des Obelisken zwischen Kind und Priester am Kopf der Treppe auffällt. Wieso setzt Tintoretto den Obelisken so, dass er die beiden Protagonisten des Bildes optisch gnadenlos von einander trennt? Nur, damit er überhaupt auf dem Bild ist?

Denn der Obelisk taucht als in der Renaissance geläufiges Symbol für Wiedergeburt, ewiges Leben etc. (in der Folge ägyptischer Phallus- und Ewigkeitssymbolik die die Römer toll fanden) in diversen venezianischen Darstellungen des Themas auf (z. B. die berühmte "Presentazione della vergine" von Tizian in der Accademia und die eines mir unbekannten Malers in der Kirche San Zaccaria, rechts neben der Sacra Conversazione von Bellini). Aber eben nicht im Mittelpunkt des Geschehens wie bei Tintoretto.

Der Obelisk wurde wohl von
Sebastiano Serlio in einer 'Presentazione' eingeführt in seinen Erklärungen zur Perspektive in seinem Architekturbuch 2. Band. Er war als Teil der Gesamtsymbolik bei diesem Thema wichtig genug, dass er sogar in theaterähnlichen religiösen Darstellungen ('Repraesentatio figurata') mitspielte. (Was mich an einen Weihnachtsfilm mit Emma Thompson erinnert, in dem Hummer und Frösche im Krippenspiel auftreten...)

Zurück zum Thema Tintoretto! Ich finde Archive eine spannende Sache und habe im Internet eine Archivseite mit dem Vertrag für die Gestaltung der Orgeltüren, nämlich das Bild der "Presentazione", gefunden.

Zwei der Druckerinnen bei der ArbeitTintorettos Wohnhaus steht um die Ecke an der Fondamenta dei Mori, es sind nur ein paar Schritte. Vor ein paar Jahren sah ich eines frühen Morgens eine sehr alte gekrümmte Frau die Balkonpflanzen gießen, das Haus wird also (oder wurde damals noch) normal bewohnt, wie schön.
Das Wohnhaus war der Teil eines Werkstatthofs, der vorne an die Fondamenta grenzte und sich mit diversen Gebäuden und einem Innenhof weit na
ch hinten zog.

Im Nachbarhaus fiel mir letztes Jahr (wieder früh morgens) im Parterre eine Druckerwerkstatt "Bottega del Tintoretto" auf.
Hier arbeiten drei junge freundliche Frauen, die sich von reingeschneiten BesucherInnen nicht stören lassen. Während ich mich dort aufhielt, kamen mehrere ausländische, in Venedig lebende Künstler vorbei, die mit der Werkstatt zusammen arbeiten un
d zum Teil auch dort ihre Werke anbieten/ausstellen.

Zigarettenpause in der Druckerei

Die Druckerei sieht sich in der venezia-
nischen Maler- und Kunst-
hand-
werker-
tradition und bietet
neben der Werkstatt Kurse für künstlerische Techniken an, u. a. Zeichnen, traditionelle Drucktechniken, Aquarellieren, Tonmodellieren... Die Kurse laufen 5 Tage und kosteten 2009 360 € inkl. Arbeitsmaterial und Mittagessen. Italienisch- oder Englischkenntnisse und Anmeldung sind erforderlich (die Website ist z. Z. zweisprachig).
Wer die Zeit und das Geld hat, an einem Kurs in der Tintoretto-Nachbarschaft teilzunehmen, kann sicher mehr lernen und erfahren als die Anwendung künstlerischer Arbeitstechniken.


.