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17. September 2020

Dorsoduro Museum Mile




Das Projekt Dorsoduro Museum Mile, eingeführt 2015 und dann, wie viele venezianische Versuche, anscheinend verdämmert, wird wiederbelebt. Das ist sicher der Notwendigkeit zu danken, von den wenigen Besucher*innen mehr in die Museen zu holen. Und bleibt hoffentlich nicht wie viele der Marketingaktionen wieder nach einer Saison Laufzeit auf der Strecke. 

Heute, 18.9.20, geht die Sache an den Start. Beteiligt sind 4 herausragende unter den wunderbaren Museen Venedigs, alle unbedingt auf der Liste seriöser Venedigtourist*innen:

Galerie dell'Accademia, eines der staatlichen Museen des Veneto (Mo 8:15-14 Uhr, Di-So 8:15-19:15 Uhr)

Palazzo Cini, eines der Ausstellungsgebäude der Fondazione Cini (Fr-So 12-20 Uhr)

Peggy Guggenheim Collection (Mi-Mo 10-18 Uhr)

Punta Dogana und Palazzo Grassi, die beiden Ausstellunghäuser der Pinault-Collection (Mi-Mo 10-19 Uhr)


Mit dem Ticketkauf für eines der Häuser gibt es in der Folge Ermäßigungen in den 3 anderen:
die Normalkarte für Guggenheim sinkt von 15 auf 13 €,
Dogana inkl. Grassi von 15 auf 12 €,
Palazzo Cini von 10 auf 7 €,
Accademia von 12 auf 9 €. 

Die 4 Häuser liegen auf dem extrem kurzen Fußweg zwischen den Haltestellen Accademia und Salute. Wer eine kurze Pause von der Distanz und eine dringend eine Dosis Kunst benötigt, ist an der äußersten Westspitze von Dorsoduro gut aufgehoben.

Die ARTRIBUNE schreibt dazu am 29.9.: A Venezia si rilancia il Dorsoduro Museum Mile: quali sono le istituzioni che fanno rete.




Die vielen weiteren ständigen Ausstellungshäuser im Sestiere Dorsoduro (Rezzonico, Pesaro, Prada/Ca'Corner della Regina, Mocenigo, V-A-T, Bevilacqua La Masa...) sind in dieser Aktion nicht enthalten. Macht nichts, das Angebot der 4 Häuser zu nutzen empfiehlt sich unbedingt.



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17. Februar 2019

Lazzaretti in der venezianischen Lagune


Die UNESCO wird im Juli entscheiden, ob Venedig angemessen auf die Forderungen reagiert hat, die den Verbleib von Stadt und Lagune auf der Welterbeliste erlauben, oder ob sie statt dessen auf die Liste der Gefährdeten wandert. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein, mit dem ungelösten Problem der Riesenschiffe im Stadtzentrum, den Bürger*innen, die um ihren Wohn- und Lebensraum kämpfen, aber keinesfalls in einem "Open-Air-Museum" leben wollen, und dem aktuellen Bericht der Stadt an die UNESCO, dessen Selbstgefälligkeit auch bitteren Spott provozierte. 
Mehr zum Thema Veröffentlichtes gibt es auf der Seite der Stadt Venedig, und auch ich habe das alles bisher nur quer gelesen. 

Diverse 'Rettungs'-Bemühungen, halbherzig oder einseitig, lassen vielleicht auf die UNESCO, aber nicht auf Besserung des Hypertourismus in Venedig und der Lagune hoffen, auch nicht auf Ausgleich der Wirtschafts- und Bürgerinteressen. Aber es springt z. B. ein Schnäppchen dabei heraus - in diesem Fall 10 Millionen € vom italienischen Kulturministerium MIBAC für die Insel Lazzaretto Vecchio. Das Geld gibt es für den Abschluss der bisher für 27 Millionen € durchgeführten Bausanierung inklusive archäologischer Grabungen des historischen Gebäudekomplexes (siehe Bericht der Universität IUAV) und die Einrichtung des ersten Museums der Geschichte der Stadt und der Lagune. 

Die beiden Lazzaretto-Inseln, Vecchio als Isolations- und Sterbeort für Pestkranke, Nuovo als Quarantänestation für Personen und Waren ankommender Schiffe, deren Befall von Pest nicht eindeutig außer Frage stand, sind heute die beiden authentischen Inseln, die kommerziell-touristisch garantiert nicht in Frage stehen. Auch weil der Besuch nicht jederzeit möglich ist (siehe weiter unten) und weil sie von nicht-touristischen venezianischen Einrichtungen gepflegt werden. Mit dem entstehenden neuen archäologischen Nationalmuseum auf Lazzaretto Vecchio wird sich das hoffentlich nicht allzusehr ändern. 




Auf der riesigen bebauten Grundfläche gibt es genügend Platz, die lange Geschichte von Stadt und Lagune mit Exponaten darzustellen. Außerdem sollen zeitlich befristete Ausstellungen oder Aktivitäten stattfinden, wie bereits erstmals während der Kunstbiennale 2015, als neben dem Pavillon der Niederlande in den Giardini die ganze Insel Lazzaretto Vecchio mit Werken zum Thema "Natur Mater" für die Einzelausstellung von Herman de Vries genutzt wurde. Eine damals einzigartige Biennaleerfahrung inklusive Bootsfahrt über die Lagune.  


Eines der Exponate befindet sich seit dem Herbst 2018 schon auf der Insel:
eine vera da pozzo, ein Brunnenkopf, seit 50 Jahren verschollen und wiedergefunden.


Der Archeoclub Venezia, der mit Ehrenamtlichen die samstäglichen Führungen auf Lazzaretto Nuovo und in den letzten 5 Jahren die monatlichen Führungen auf Lazzaretto Vecchio, jeweils vom März bis September, kostenlos anbietet, hatte immer um Spenden für das geplante Historische Museum auf Lazzaretto Vecchio gebeten und für seine Pläne geworben. Die nicht wenige Einheimische und Besucher*innen, auch ich, für ein Traumprojekt in den Sternen hielten. Umso besser, wenn die engagierten Mühen jetzt belohnt werden mit Staatsknete und das Museum vielleicht doch in absehbarer Zeit entsteht.



Mit diesen Plänen wird ganz klar auf die Gunst der UNESCO gezielt, denn man hofft, durch die kulturelle Aufwertung einiger weniger Inseln (im Gegensatz zur steigenden Zahl der exklusiven Resort-Inseln - längst überholt ist der Eintrag vom 9.11.2013: Venezianische Inselperspektiven) das Kulturerbemarketing zu stärken. Und darüberhinaus hofft man, wofür seit Jahren geworben wird, einen Teil der Massen aus der Stadt in die Lagune zu locken, was bisher hauptsächlich bei den 3 wichtigsten Inseln der Laguna Nord klappt.


Hier sind zum Nachlesen die bisherigen Einträge zu den beiden Lazzaretti mit interessanten Details und Links:

11.10.2016  Die venezianischen Lazzarette
21.10.2015 Saisonende auf den venezianischen Lazzaretten
25.3.2012 Lazzaretto Nuovo ab 1. April
28.2.2010 Lazzaretto Nuovo


Im Lazzaretto Vecchio gibt es während der Bauphase einige außerordentliche Führungen (Termine füge ich unten unter den Ergänzungen ein). Danach wird wohl die bisher während der Führungen angekündigte kurze Brücke vom Nordufer des Lido zum Südtor des Lazzaretto fertig sein und Besucher*innen müssen nicht mehr per Boot ins neue Museum übergesetzt werden.

Das Führungsprogramm an Samstagen auf Lazzaretto Nuovo wird wohl wie immer im März beginnen. Das Sommerprogramm, auch das erfolgreiche jährliche archäologische Grabungs-Sommercamp-Programm für Jugendliche wird hier nachgereicht, sobald es veröffentlicht ist. 






Ergänzung 8.3.2019

Die zweijährig erscheinende wissenschaftliche Zeitschrift "Rassegna di Archeologia" - Berichte über regionale archäologische Forschungsergebnisse des Veneto und der oberen Adria - wird zum 15. Mal veröffentlicht. Die Berichte werden in Zusammenarbeit von Archeoclub, Kulturministerium und Stiftung Querini Stampalia am 14., 21., 28.3, und 4.4. jeweils um 17:30 Uhr vorgestellt  in der Fondazione Querini Stampalia, Programm siehe Link. 

Die Veranstaltung am 21.3. stellt die neue Publikation zu den Inschriften (Graffiti) im Lazzaretto Vecchio vor. Mehr dazu von der Website der Lazzaretti.
(Die Autorin hat bereits zu den Graffiti im Lazzaretto Nuovo eine ausgezeichnete Studie veröffentlicht: Francesca Malagnini: Il Lazzaretto Nuovo di Venezia. Le scritture parietali, das auf der letzten Rassegna di Archeologia im März 2017 vorgestellt wurde.)

Die Veranstaltung am 14.3. dreht sich um das in Gründung befindliche Archäologische Nationalmuseum Venedigs und der Lagune, das auf Lazzaretto Vecchio eingerichtet wird. Die Sache geht voran, sehr spannend. Eintritt frei ohne Anmeldung. Informationen über Archeoclub +39041-2444011, info@archeove.com.

Ergänzung 19.3.2019
Die ersten Termine für außerordentliche Führungen im Lazzaretto vecchio sind der 14.4. und der 12.5., Anmeldung erforderlich. Formular für den 14.4. (unter scegli orario' den gewünschten Termin eingeben) und für den 12.5.; die Führungen sind kostenlos, aber eine Spende für das neue Nationalmuseum wird erwartet. Anfahrt mit den Vaporetti 1, 5.1.,5.2 nach Lido-S.M. Elisabetta, von dort zu Fuß 20 Minuten zur Riva Corinto oder mit den Bussen A, B, C Richtung Malamocco.

Ergänzung 6.4.2019
Die Führungen auf Lazzaretto Nuovo beginnen  am 7.4. Alle Details unter dem Link.
NEU: ein Wanderpfad durch die Barena, die die Insel umgiebt. Wer einmal auf Lazzaretto Nuova war und dort die Aussicht über die Salzwiesen genießen konnte, hat sich das sicher schon gewünscht. Die kurze Wanderung ist jetzt in der Führung jetzt enthalten.




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13. Januar 2019

Neue Museumspläne für den Fischmarkt am Rialto




Vor 5 Jahren gab es eine kleine kontroverse Medienwelle für und gegen ein Museum der islamischen Kultur in Venedig. Der Vorschlag war, es im Obergeschoss der zwei Gebäude des Fischmarkts am Rialto einzurichten, das seit dem Umzug von Justizbehörden leer steht. Zur Finanzierung des Projekts standen mehrere Golfstaaten an - Kuweit, Qatar, Vereinigte arabische Emirate - die Sache hätte quasi nichts gekostet, trotzdem kam es nicht einmal zum politischen Konsens. 
Der damalige Bürgermeister Giorgio Orsoni (nicht mehr im Amt wegen Korruptionsanklage beim M.O.S.E.-Projekt), war im Hinblick auf die langen historischen Verbindungen Venedigs mit islamischen Ländern, in Krieg und Frieden, in kulturellem Austausch und vor allem im gegenseitigem wirtschaftlichen Nutzen für das Projekt, während der Regionspräsident Luca Zai (Lega) ein Islammuseum "nutzlos" fand. Andererseits - die Finanzierung des Museums islamischer Kultur durch Golfstaaten hätte vermutlich ihren Preis gehabt, wie die Erfahrung lehrt. Wer zahlt, bestimmt die Musik...
Im August 2015 lehnte das italienische Kulturministerium MIBACT auf Basis von Beratungen durch die eingesetzte Kommission, der auch die Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig, Gabriella Belli, angehörte, die Genehmigung des Projekts ab. Begründungen waren u. a. die Präsenz islamischer Kunst in Venedig (vor allem in der Ca' Pesaro, aber auch nachzulesen in einer Veröffentlichung des Archeoclub Venezia nachzulesen) und in anderen größeren europäischen Museen (z. B. Louvre, Victoria und Albert).

Das Thema verschwand von der Bildfläche und tauchte im Frühling 2016 wieder auf, diesmal allerdings als Museumsprojekt zur Geschichte der Stadt Venedig, der Serenissima, und vorgeschlagen von Gabriella Belli, siehe auch oben, Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig. Ein Museum, präsentiert als quasi thematisch unverzichtbare Einstiegsausstellung für Venedigbesucher*innen, an herausragender Position am Canal Grande, inkl. eines Vortragsraumes und einer Terrasse am Wasser, und als 13. der bisherigen 12 städtischen Museen Palazzo Ducale, Museo Correr, Palazzo Fortuny, Torre dell'orologio, Cà Rezzonico, Cà Pesaro, Cà Mocenigo, Casa Goldoni, Museo del Vetro Murano, Museo del Merletto Burano, Museo di Storia Naturale. Eine schöne Erweiterung der venezianischen Museumsperlen!

In der ersten Januarwoche 2019 hat Bürgermeister Brugnaro nun einer modifizierten Version des Projekts zugestimmt. Geplant ist ein "Museo del mercato e del commercio veneziano". 
4000 Unterschriften wurden vom Komitee 'Cittadini Campo Rialto Novo' gesammelt und im Rathaus präsentiert von der Vorsitzenden Gabriella Giaretta (auch Gruppo 25 Aprile), zusammen mit dem Projektentwurf von Donatella Calabi, Luca Molà und (dem Autor u. a. einer aus meiner Sicht empfehlenswerten Venedigeinführung für Beginner*innen) Paolo Morachiello.
Die Markthändler*innen und Fischverkäufer wurden vertreten durch den Architekten Luciano Claut; als einer der möglichen Sponsoren war der Stockfischimporteur Ermanno Tagliapetra dabei, und als Projektbeteiligter der pädagogische Leiter der Hotelfachhochschule Barbarigo Rachele


Die Projektbeteiligung ist geplant als Schulungs- bzw. Trainingsunternehmen für die Studierenden der Hotelfachhochschule. Diese gastronomische Einrichtung soll als Teil des Museums funktionieren (das im Übrigen weitgehend 'virtuell' sein wird, also vermutlich eine der von mir nicht geliebten Multimediashows) unter Kooperation mit den organisierten Händler*innen des Rialto- und Fischmarktes auf non-Profit-Basis. 
Non-Profit-Basis ist natürlich interessant für die Zielgruppe, UNS Tourist*innen mit Muße in Venedig, wenn es bedeutet, dass wir hier in außerordentlicher Umgebung marktfrisch und preisgünstig (!) speisen werden. Mahlzeiten, die von von engagierten und inspirierten jungen Menschen produziert und serviert werden, die man ohne übertriebene Kosten sozusagen beim Sammeln von beruflichen Erfahrungen unterstützen darf. (Man erinnert sich an das non-Profit-Restaurant 'Alla Basilica', das mit gutem Essen und sehr freundlichen Mitarbeiterinnen leider nur sehr kurzlebig war, warum auch immer!)

Die Kostenplanung sieht 7 Mio. € vor, neben der Ausstattung für die neue Nutzung sind Renovierungen am Gebäude, vor allem der langen schmalen Treppe ins Obergeschoss, erforderlich. Die Finanzierung wird mit (noch zu akquirierenden) Sponsor*innen und städtischen (und sonstigen?) Fördermitteln geplant. Bürgermeister Brugnaro bzw. sein Rat ist bereit, Mittel zur Verfügung zu stellen, da es sich um eine "Initiative von unten handelt, in die Wege geleitet wird von Bürger*innen, die nicht jammern, sondern einen konkreten Vorschlag machen". 
Er hofft natürlich auch auf einen Aufschwung des seit Jahren schrumpfenden Fischmarktes - immer weniger einheimische Kunden, die dafür von immer mehr fotografierend kreativen Tourist*innen genervt sind - "der Fischmarkt könnte im nächsten Jahr schließen, wenn es so weiter geht" (sagt der Bürgermeister).
Er fordert deshalb, dass Museum und vor allem Restauration nicht den Marktzeiten (also vormittags) angepasst sein sollen, sondern die ganztägige Öffnung. Das entspricht, sagt er, den Bedürfnissen des Tourismus, bietet aber auch die Möglichkeit privater Feiern an diesem Ort einzigartiger Lokalität, analog den "Märkten von Barcelona, Hamburg, Padova und Tokyo" (da hängt die Latte ein bisschen hoch, abgesehen von Padua, aber warum nicht). 

Die Direktorin der Stiftung städtischer Museen, Frau Belli, war bei diesem Termin nicht anwesend (vermerkt die Lokalpresse ausdrücklich). Und da ihr nach der Ablehnung des Museums islamischer Kultur, an der sie beteiligt war, vor ca. 3 Jahren sozusagen der "Palazzetto delle Pescherie" in den Schoß fiel und trotz ihrer Idee eines stadthistorischen Museums seitdem weiter leer steht, ist die Frage, ob diese Pläne denn in absehbarer Zeit - oder überhaupt - realisiert werden?

Es bleibt wie immer spannend in Venedig.

Ergänzung 25.12.20
Heute erst gefunden: Progetto Rialto





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