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6. Oktober 2018

Tintoretto - die große Geburtstagsshow 2018


Sie läuft bereits seit 4 Wochen, die große Tintoretto-Show, und ist riesig, sehr beeindruckend, und entsprechend insgesamt ein bisschen unübersichtlich. 
Das kann daran liegen, dass an der Organisation der Ausstellungen sowohl italienische Institutionen - für den Dogenpalast die städtischen Museen (MUVE), für die Accademia das italienische Ministerium für Kulturgüter und Tourismus (MIBACT), für die Scuola Grande San Marco quasi das Ospedale Civile, also die Region Veneto, zuständig sind, und darüber hinaus die U.S. Partner National Gallery of Art Washington (Kooperation bei der Ausstellung im Dogenpalast) und Save Venice, dessen Beteiligung an der Verantwortung für die Ausstellungen, an allen Begleitbüchern der Tintoretto-Ausstellungen, und die seit Jahrzehnten herausragenden Restaurationsprojekte von Tintorettowerken in Venedig unter dem Link nachzulesen sind. Viele Menschen, viel Bürokratie und ein riesiges Projekt, das hier gestemmt wird.

Wer genug Zeit in Venedig hat, muss wohl kaum überzeugt werden, dieses einzigartige Angebot komplett wahrzunehmen, und schon am 2. Oktober wurden 25.000 Besucher*innen  im Ausstellungsteil des Dogenpalastes gemeldet. Auf lange Zeit wird es eine solche Ansammlung von Tintorettowerken, zusammengetragen aus internationalen Museen und Privatsammlungen, nicht mehr geben, ganz abgesehen von der Tintoretto-Gesamtausstattung, die die Stadt Venedig seit 500 Jahren schmückt. 
Dazu mehr weiter unten und zur Einstimmung ein Trailer des 30minütigen Films, hergestellt von der National Gallery of Art Washington (italienisch mit englischen Untertiteln), der in den beiden Hauptausstellungen zu sehen ist und kostenlos für die Bevölkerung in venezianischen Kinos aufgeführt wurde. Die Zeit, ihn anzusehen, sollte man sich nehmen und entweder im Dogenpalast oder der Accademia einkalkulieren. Nach dem Blogeintrag zum Kölner Tintoretto will ich hier einen kleinen Überblick, keine Bewertung, der venezianischen raumgreifenden Geburtstagsveranstaltung geben.


Teil 1 der beiden Hauptausstellungen "Il Giovane Tintoretto" ist zu sehen in den Gallerie dell' Accademia, deren Website seit geraumer Zeit 'in Arbeit' ist und immer noch nur so halbwegs funktioniert. Damit kann man leben. In den Erdgeschossräumen, die Wechselausstellungen zur Verfügung stehen, wird hier die Entwicklung des jungen Tintoretto gezeigt. 
Werke der Künstlerkollegen wie Tizian, Pordenone, Bonifacio de' Piati, Paris Bordon, Francesco Salviati führen zunächst in die Kunst seiner Zeit ein. Dann folgen Tintorettos Frühwerke, zum Teil in der Kölner Ausstellung gesehen, bis hin zu seinem Durchbruch mit dem Zyklus, den er für die Scuole Grande di San Marco schuf, dessen größter Teil seit der Schließung Scuola hier in der Accademia ausgestellt wird. Der Rundgang endet mit dem "Sklavenwunder", oft in der oberen Etage bewundert, aber nach der Hinführung durch die Ausstellung, die gute Präsentation und Ausleuchtung ist das Bild ein Hammer, vor dem nicht nur ich außer Fassung war. Überwältigend.


Fliegendes Baby, entspannte junge Mutter.
Umgeben von bewegten Heiligen: Jakob, Elisabeth, dem kleinen
Johannes, Zacharias und Caterina von Alexandrien
des jungen Tintoretto 1540. Aus einer privaten Sammlung entliehen.

Dieses erste große Werk des jungen Robusti und die spätere Kooperation mit seinem Sohn Domenico wird in der Ausstellung "Arte, Fede e Medicina nella Venezia di Tintoretto" (Kunst, Glaube und Medizin in Tintorettos Venedig) historisch und künstlerisch gut nachvollziehbar. Diese Ausstellung in der Scuola Grande di San Marco geht in der venezianischen Gesamtshow etwas unter, ist eher 'klein' im Kapitolarsaal der Scuola und der Eintritt ist mit 5 € vergleichsweise bescheiden (wie schön), zeigt aber einen wichtigen Teilaspekt aus dem Leben und Gesamtwerk Tintorettos.  

In der Kappelle des Kapitolarsaals der Scuola hängen bis heute drei Werke des Zyklus, die von der Hand des Sohnes Domenico stammen (S. Marco segnet die Laguneninseln, Der Körper S. Marcos wird zum Schiff getragen, Der Körper S. Marcos wird in Venedig empfangen), und ein wunderbares Altarbild von Palma Giovane. (Ich empfehle die Mitnahme eines Opernguckers/kleinen Fernglases, die Bilder hängen am Originalplatz, da ist eine Sehhilfe für die Details ratsam.) 
Aber vor allem die frühere Hängung des gesamten Zyklus (z. B. des "Sklavenwunders" an der Kopfseite des Saales im fast ganztägigen Gegenlicht!) wird in einem kurzen Film verständlich, ebenso Details zur Entstehung und Bedeutung der Bilder. Der Film ist quasi Teil des Films, der im Dogenpalast und in der Accademia gezeigt wird, hergestellt vom gleichen Team, ist aber nur hier zu sehen.
Dazu muss man allerdings (und darauf wird nirgends hingewiesen) durch die Sala dell'Albergo (mit Reproduktionen des beeindruckenden Bilderzyklus des 'Martyrium S. Marcos' der Bellinis und Mansueti, Originale in der Accademia) bis in ein Hinterzimmerchen vordringen, in dem dieser Film auf italienisch mit englischen Untertexten in Dauervorführung gezeigt wird. Linke Tür hinten in der Sala dell'Albergo, normalerweise verschlossen. Kleiner Film, große Wirkung.
Darüberhinaus ist die Ausstellung im Kapitorlarsaal höchst interessant, einerseits wegen historischer medizinischer Details aber vor allem wegen der ausgestellten Originaldokumente der Scuola, Werksvereinbarungen mit Tintoretto, Rechnungen etc..  

Es gibt im Kapitolarsaal einen Bücherverkaufstisch. Ich empfehle den ausgezeichneten wissenschaftlichen Katalog/Begleitband "Art, Faith and Medicine in Tintoretto's Venice" von Gabriele Matino und Cynthia Klestinec, in englischer Sprache und als italienische Übersetzung, 136 S., jeweils 21 €. Empfehlenswert ist auch die handliche zweisprachige Broschüre "La Scuola Grande di San Marco a Venezia" aus der Reihe "Mirabilia Italiae Guide", 103 S., 10 €. Geschichte der Scuola Grande und Beschreibung des Gebäudes und seiner künstlerischen Ausstattung. Auf dem Markt seit 2017, mir bisher leider nicht bekannt, im www auch auf der Seite des Verlages Franco Cosimo Panini nicht auffindbar. Also eine echte Gelegenheit!    
Jeweils Mittwoch um 15:45 und 16:45 Uhr werden kostenlose Führungen durch die Ausstellung von Experten der Scuola Grande di San Marco angeboten. Eintrittskarte vorausgesetzt, Anmeldung empfehlenswert unter scuolagrandesanmarco@aulss3.veneto.it.
Ein lesenswerter Artikel zu dieser Ausstellung (der Reiseagentur Walks Inside Italy) und Details in italienischer Sprache von der Ausstellungswebsite.


Ehem. Ausgestaltung des Kapitularsaals der
Scuola Grande di San Marco

Teil 2 der beiden Hauptausstellungen "Tintoretto 1519-1594" im Dogenpalast findet vermutlich die meiste Aufmerksamkeit und ist, wie "Der junge Tintoretto" solide kuratiert, mit einem (mich) beeindruckenden Schwerpunkt auf der Arbeitsweise Tintorettos, seiner künstlerischen Entwicklung und natürlich auch Karriere.

Obwohl im Dogenpalast mittlerweile Fotos ohne Blitz erlaubt sind, ist hier knipsen verboten (in der Accademia und Scuola Grande di San Marco darf man), trotzdem konnte ich mir als Gedächtnisstütze ein Foto nicht verkneifen: Die Entführung der Helena von Troja - die brutale Szene ist eine venezianisch-osmanische Seeschlacht, originell konzipiert und aktuell im Zusammenhang mit der Seeschlacht von Lepanto 5 Jahre zuvor.  Ein Wahnsinnsgemälde, zum Glück mit einer Sitzbank davor, um die Szene eingehend zu studieren. Im Ausstellungskatalog unter Fig. 179 zu sehen und in der chronologischen Liste der Exponate (der akribisch und kompetent arbeitenden Susannah Rutherglen) auf S. 257 als "The Abduction of Helen", c. 1576/1577 als möglicher Auftrag des Herzogs von Mantua Guglielmo Gonzaga aufgeführt, inkl. weiterer Details zur Entstehungsgeschichte des Werkes. Ausgeliehen vom Prado, von dessen Seite dieses Foto stammt, denn ich kann schlecht das Ergebnis meiner Übertretung hier veröffentlichen.
Könnte man die Entführung der Helena im Rahmen einer Kampfszene des heutigen nahen Ostens darstellen? Entführung und Missbrauch von Zivilistinnen? Nach der gestrigen Preisverleihung des Friedensnobelpreises an die Jesidin Nadia Murad?  


Ich verlinke hier einige Beiträge des Feuilletons, die z. T.  nicht kostenlos sind:

Weltkunst Tintoretto: Die Zeit steht still, weil der Maler es will
FAZ  Sturz ins tiefste Tintorettorot
SZ    Strahlende Schatten

ZDF Aspekte  Venedig feiert Tintoretto
ARD ttt  Tintoretto
Deutschlandfunk  Jacopo Tintoretto
Apollo  The Triumph of Tintoretto (Artikel von Frederich Ilchmann, Save Venice-Vorsitzender und Ko-Kurator von "Tintoretto 1519-1594")
The Art Newspaper  Tintoretto's 500th anniversary
ytali.  A Venezia tutto il genio di Tintoretto
ArtsLife  Tutto il genio di Tintoretto
La Nuova  Ritrovati i colori di Tintoretto
Artribune  500 volte Tintoretto
Stuttgarter Zeitung  Gemälde wie ein Kinofilm
The Times Every Kind of Picture

Es wundert niemanden, dass sich viele ein Stück von der Geburtagstorte 'Tintoretto 500' abschneiden wollen. Die Eintritte in Accademia (ohne reguläre Ermäßigungsangebote) und Dogenpalast (zusätzliches Extraticket für Tintoretto) sind happig, aber bei Vorlage der Tickets der jeweils anderen Ausstellung geben beide eine Ermäßigung. Und beide Ausstellungen publizieren natürlich eigene Kataloge/Begleitbücher, in den Museumsshop mit einer kleinen Ermäßigung. Von hoher Qualität, hohem Preis und hohem Gewicht (ganz schlecht für Flugreisende). Für Venedigappassionati, die über die Mittel und Sprachkenntnisse verfügen und Platz in Koffer und Bücherregal haben, empfehle ich den Kauf dieser Bücher:

"Il giovane Tintoretto", nur in italienisch, 35 €, in der Ausstellung 30 €
"Tintoretto 1519-1594" italienische und englische Ausgabe, je 53 €, in der Ausstellung 45 €
"Arte, fede e medicina nella Venezia di Tintoretto" italienische und englische Ausgabe, jeweils 21 €, keine Ermäßigung
"Tintoretto à Venezia. Itinerari" italienische und englische Ausgabe, je 15 €, keine Ermäßigung

Das letzte Buch ist der lang angekündigte Führer zu allen Tintorettowerken in Venedig, herausgegeben von Thomas Dalla Costa und den Kuratoren von 'Tintoretto 1519-1594' Frederick Ilchmann und Robert Echols, alle sind in Funktionen bei 'Save Venice' (s. oben).  
Der engagierte kleine Führer "Itinerario tra le chiese veneziane alla scoperta di Tintoretto" der Associazione Chiostro Tintorettiano hat bisher seinen Dienst getan und wird es auch weiterhin. Ist aber schwer zu finden (Verkauf z. B. in Madonna dell' Orto z. B.), ist eine dieser schlecht hergestellten zusammengepappten Broschüren, bei denen die einzelnen Seiten nach kurzem Gebrauch blöderweise einfach herausfallen (alle in diesem Blogeintrag genannten Bücher sind ordentlich stabil geheftete Broschuren!) und die zusätzliche englischsprachige Ausgabe ist schon ein Vorteil. Achtung: einige der Werke, zu denen "Tintoretto in Venice" führt, befinden sich bis Anfang Januar in der Accademia und im Dogenpalast.


Vereinbarung zur kostenlosen Ausgestaltung
der Kappelle der Scuola Grande di San Marco
gegen die Mitgliedschaft in der Scuola

Es gibt weitere Wegweiser, die KOSTENLOS zur Geburtstagsshow und vor allem den Werken führen, die auch danach wie vorher in Venedig zu bewundern sein werden:
Auf der Website der städtischen Museen gibt es einen ausgezeichneten Tintoretto-Online-Wegweiser durch die Stadt, dem man auch entnehmen kann, wann Werke aus Kirchen sich in welchen Ausstellungen (Accademia, Dogenpalast, Folgeausstellung Washington) befinden und deshalb nicht an ihrer eigentlichen Location zu finden sind.

Venezia Unica hat ebenfalls einen Tintoretto-Führer, sortiert nach den Sestieri, online gestellt.

Bei der Venedig-Reiseplanung ist auch ein Blick auf die Website von CHORUS zu empfehlen, hier werden öfter kostenlose Führungen angekündigt, die auch Tintoretto-Kirchen betreffen können (hier die Termine vom 19.10-9.11.).

Und wer eine der drei Ausstellungen besucht, findet dort als praktischen Service Blöcke, etwas größer als Din A 3, von denen man sich eine Seite abreissen kann: Vorderseite Stadtplan mit 30 durchnummerierten Standorten von Tintoretto-Werken (wer sich in Venedig nicht auskennt, braucht zusätzlich einen exakten Stadtplan) und der vaproettotechnischen Anbindung fast aller Locations; auf der Rückseite (hier wäre auf die gewünschte Sprache zu achten, wahlweise italienisch und englisch) die durchnummerierte Auflistung der Werke, die an den einzelnen Standorten zu sehen sind. Zusätzliche Informationen zu Öffnungszeiten (wichtig vor allem bei den Kirchen!), derzeitigen Führungsangeboten an den Standorten und Informationen, welche der Einzelwerke ggfs. 'unterwegs' in den Ausstellungen sind. 

Dieser Druck ist das Praktischste, was sich jemand ausdenken konnte und tut für regelmäßige Venedigbesucher*innen, wenn nachträglich ordentlich mit Plastikfolie präpariert (Copyshop), jahre- wenn nicht jahrzehntelang einen sicher hoch geschätzten Dienst. Eine freundliche nachhaltige Wirkung des Geburtstagsparty-giveaways.  


Tintorettos Unterzeichnung des o. g. Vertrages
(man beachte das wunderbare geschöpfte Papier)



Ergänzung 28.10.
Parallel zu den Tintoretto-Ausstellungen zeigt die Ca' d'Oro vom 20.10.-7.1.2019 "Contemporary Dialogues with Tintoretto" mit Werken von 12 Gegenwartskünstler*innen. Solche Begegnungen finde ich selber immer sehr spannend und inspirierend. Mehr dazu, inklusive einigen Bildern. 

Ergänzung 7.11.
8.-9.-10.11. Dogenpalast, Salone del Piovego "Studientage im Tintorettojahr" (in italienischer Sprache) des italienischen Kulturministeriums. Leider mal wieder eine sehr kurzfristige Information, aber für Interessierte sicher ein hohinteressantes Angebot unter Beteiligung aller wichtiger Fachkräfte des Tintorettojahrs, mit Vorträgen und geführten Besichtigungen. Weitere InformationenProgramm. Für den 8. und 9.11. ist eine Anmeldung erforderlich, ansonsten ist die Beteiligung an den Studientagen frei und kostenlos.


Ergänzung 13.11.
20.11.-14.12. werden in der Accademia Führungen durch 'Il Giovane Tintoretto' angeboten, in italienischer Sprache durch Kunstwissenschaftler*innen und Kurator*innen der Ausstellung; im Entrittspreis enthalten ohne Zusatzkosten:


Incontri attorno alla mostra Il giovane Tintoretto
In occasione della mostra Il giovane Tintoretto (fino al 6 gennaio 2019), le Gallerie dell’Accademia di Venezia presentano un ciclo di incontri con importanti studiosi, storici dell’arte e dello spettacolo in dialogo con le curatrici, volto ad approfondire temi e aspetti legati alla formazione e all’opera di Tintoretto.
Tutti gli incontri a ingresso libero saranno preceduti da una visita guidata, inclusa nel costo del biglietto d’ingresso, ad eccezione del racconto di Luca Scarlini che procederà attraverso le sale delle Gallerie.

Chiuderà la rassegna un brindisi, in occasione delle festività natalizie, con la degustazione di prodotti della Distilleria Bortolo Nardini 1779.


Programma
Giovedì 20. 11
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Incontro con: Stefania Mason, docente di Storia dell’arte moderna all’Università di Udine
Tintoretto “veneziano”. L’uomo, l’artista e il suo pubblico nella Venezia del Cinquecento

Viene ripercorsa la biografia di Tintoretto, unico autentico veneziano tra i pittori del suo tempo, nel vivace contesto sociale, economico e culturale in cui si trova a operare, seguendo la sfida continua del figlio del tintore, orgoglioso di tale origine. Si tenta di ricostruire la sua fisionomia di uomo: dal giovane competitivo alla ricerca di un proprio spazio in città, al padre di una numerosa famiglia da mantenere, all’artista sempre più ambizioso, alle relazioni con i circoli intellettuali e ai rapporti sociali  utili alla carriera, alla politica disinvolta dei prezzi, alla creazione di una grande bottega.

***
Giovedì 29. 11
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Incontro con: Melania Mazzucco, scrittrice
Tintoretto un personaggio “letterario”
Melania Mazzucco ha dedicato anni di studi e ricerche a delineare la fisionomia di Tintoretto, passando dall'indagine appassionata della verità storica alla libera interpretazione dei fatti e alla dimensione fantastica dei personaggi,  presentando un artista complesso - un artista ambizioso e discusso, scorretto e devoto, colto e popolare, eccentrico e conformista, incalzato da un perenne furore creativo. In un dialogo continuo e attraverso un confronto serrato con le sue opere, Melania Mazzucco ricostruisce minuziosamente la vita del "più terribile cervello che abbia avuto mai la pittura". 
***
Venerdì 30.11
Ore 16.30 Incontro con: Luca Scarlini, saggista, drammaturgo e scrittore
Una vita da romanzo: Tintoretto raccontato
Una narrazione su Tintoretto che procederà attraverso le sale della Galleria dell'Accademia, soffermandosi su diverse opere del percorso espositivo. Tintoretto è stato raccontato da scrittori, romanzieri e narratori di tutto il mondo, giovane, maturo e anziano secondo le penne di  Maurice Barrès. Theodor Fontane, Iris Murdoch, Thomas Bernhard, Neri Pozza, Melania Mazzucco e numerosi altri. Un artista che suscita trame narrative, spunti di riflessione, derivazioni poetiche, folgorazioni di senso. 
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Giovedì 6.12 
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 incontro con: Vittoria Romani, co-curatrice della mostra, docente di Storia dell'arte moderna all’Università di Padova
Il percorso del giovane Tintoretto

Vittoria Romani, co-curatrice della mostra Il Giovane Tintoretto ci guida in un viaggio nella cultura figurativa veneziana durante gli anni dell’affermazione di Jacopo Tintoretto alla ricerca di un percorso di formazione molto sperimentale, condotto all’insegna del dialogo tra le arti.

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Venerdì 14.12
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Brindisi di Natale con: Distilleria Nardini 1779

Dopo la visita guidata in mostra il pubblico è invitato a una degustazione prodotti Distilleria Bortolo Nardini in occasione delle festività natalizie.

Informazioni: 

Visita Guidata gratuita compresa nel biglietto di ingresso
Incontro o aperitivo ad ingresso libero
Si consiglia la prenotazione a info@civitatrevenezie.it fino a esaurimento posti disponibili

www.mostratintoretto.it



Ergänzung 19.11.
Artikel in Artnet news zu internationalen Tintoretto 500-Ausstellungen "A Haunting Virtuoso of the Renaissance, Tintoretto's Personal Side Has Remained a Mistery"

Ergänzung 20.11.
Ein sehr lesenswerter Artikel der NYT vom 15.11.: 3 Days, 150 Paintings: A Whirlwind Tintoretto Tour

Ergänzung 21.11.
Der 2. Band der Tintoretto-Myzelien von Erasmus Weddigen ist für Anfang Dezember angekündigt und kann vorbestellt werden (oder im Buchhandel gekauft, wenn er da ist): 
Jacomo Tentor F. Myzelien II zur Tintoretto-Forschung; Rückblicke, Einblicke, Exkurse, Exkursionen.
(Empfehlung für den 1. Band im Eintrag "2018 ist Tintoretto 500" vom 30.12.2017)






Ergänzung 1.12.
Die Scuola Grande di San Rocco hat nach der Lichtinstallation in der Eingangshalle des Jahres 2011 aus Anlass des Geburtstags eine neue Beleuchtung im Kapitelsaal installieren lassen. Was für eine gute Idee. Die Beleuchtung war sowohl für die großen Leinwände Tintorettos wie auch die Schnitzeren immer etwas funzelig, wenn man sich auch nach einer Weile an die Lichtverhältnisse gewöhnte. Sponsor der Lichtpracht ist iGuzzini, die auch schon andere Kunstwerke beleuchtet haben.

Ergänzung 29.12.
Ein neuer Tintoretto-Dokufilm: "Tintoretto - Ein Rebell inn Venedig". In italienischen Kinos am 25., 26., 27.2.2019. Mehr dazu.

Ergänzung 2.4.2021
Eine neue Broschüre zu Tintoretto-Werken in Venedig ist herausgekommen, online zu lesen. Da gibt es weitere Artikel zum Thema. Herausgeber scheint das Ateneo Veneto zu sein.



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23. Februar 2018

Führungen in die Orsola-Werkstatt

Vittore Carpaccio Ursula-Zyklus. Die Ankunft in Köln
Quelle: WikiCommons

Mitten in den Restaurationsarbeiten an den 9 großen Leinwänden des Ursula-Zyklus Vittore Carpaccios bietet die Accademia in Zusammenarbeit mit SAVE VENICE vom 21.2. bis 21.3. Führungen in die Werkstatt an. 
Eine großartige Idee! Ein Juwel der Sammlungen der Accademia! 
Wann schon hat man die Gelegenheit, Restaurator*innen über die Schulter zu schauen, und falls überhaupt, nur durch die Ritzen der Sichtschutzwände wie z. B. zuletzt bei den Restaurierungen  von Altarbildern in S. Giorgio Maggiore. 

Jetzt aber gibt es den ganz offiziellen Blick auf die Arbeit an Carpaccios Werken am bekannten Ausstellungsort selbst, Saal XXI in der 1. Etage, inklusive fachlicher Erläuterungen auf italienisch bzw. englisch und sogar der Möglichkeit des Dialogs mit verantwortlichen Konservator*innen. 

Zu einzelnen Terminen gibt es zusätzlich Dokumentarfilme zu sehen:
Carpaccio von Roberto Longhi (1947)
Venice: Theme and Variations von James Ivory (1957)
La Leggenda di Sant' Orsola von Luciano Emmer (1948).





Die Termine der Führungen im Saal XXI und der Filmvorführungen

mercoledì 21 febbraio
Visite al Cantiere (sala XXI): 11.00-11.45 visita guidata – in italiano 15.00-15.45 visita guidata – in inglese

mercoledì 28 febbraio
Visite al Cantiere (sala XXI): 11.00-11.45 visita guidata – in italiano 15.00-15.45 visita guidata – in inglese

mercoledì 7 marzo
Visite al Cantiere (sala XXI): 11.00-11.45 visita guidata – in inglese 17.00-17.45 visita guidata – in italiano 17.45-18.30 visita guidata – in italiano
18.30 - 19.00 Proiezioni (Sala XXIII):
Roberto Longhi, Carpaccio, 1947. Durata 12 minuti (italiano)
Luciano Emmer, La Leggenda di Sant’Orsola, 1948. Durata 11 minuti (italiano)

mercoledì 14 marzo
Visite al Cantiere (sala XXI): 11.00-11.45 visita guidata – in inglese 17.00-17.45 visita guidata – in italiano 17.45-18.30 visita guidata - in italiano
18.30 - 19.00 Proiezioni (Sala XXIII):
Roberto Longhi, Carpaccio, 1947. Durata 12 minuti (italiano)
Luciano Emmer, La Leggenda di Sant’Orsola, 1948. Durata 11 minuti (italiano)

mercoledì 21 marzo
Visite al Cantiere (sala XXI): 11.00-11.45 visita guidata – in inglese 17.00-17.45 visita guidata – in italiano 17.45-18.30 visita guidata – in italiano
18.30 - 19.00 Proiezioni (Sala XXIII):
James Ivory, Venice: Theme and Variations, 1957. Durata 28 minuti (inglese)

Hier nochmal übersichtlich das Führungs- und Filmangebot.


Dauer ca. 45 Minuten, an jeder Führung können 30 Personen teilnehmen.
Anmeldung ist unabdingbar unter  infogallerie.venezia@beniculturali.it.
Telefonische Anfragen unter +39 041 5222247.


Für Besucher*innen der Accademia ist an den genannten Tagen die Führung im Eintritt enthalten. Ohne Ticket kostet die Teilnahme an der Führung 3,- €.

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30. Dezember 2017

2018 ist Tintoretto 500 - erst mal Köln

Selbstprotrait 1547
(Foto: Vangelis Tsoumenis)

2018 ist das internationale Tintoretto 500 - Jahr, und da wegen eines schlecht leserlichen und deshalb interpretationsfähigen Dokuments nicht klar ist, ob Jacopo Robusti Jahrgang 1518 oder 1519 ist, kann sich das Jahr auch etwas hinziehen.

Tatsächlich haben die Feierlichkeiten ja bereits ein Jahr vor dem Geburtstag begonnen, und zwar am 6.10.2017 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum mit der Ausstellung "A Star was Born", die noch einen Monat zu sehen ist und dann in Paris weiter den Meister feiern wird. Auch, bzw. gerade für Venedigfreund*innen, die viele Werke Tintorettos mehr als einmal bewunderten in S. Giorgio Maggiore, San Silvestro, S. Marcuola, S. Trovaso, im Redentore, in der Madonna dell'Orto, um nur einige der 21 venezianischen Tintoretto-Kirchen zu nennen, ganz zu schweigen von S. Rocco und der Scuola Grande San Rocco, will ich diese Ausstellung wärmstens empfehlen. Genauer: man darf sie nicht verpassen.

Denn hier gibt es Tintoretto auf Augenhöhe. Mit der Nasenspitze fast an der Leinwand kann jedes Detail, jeder Pinselstrich geprüft und nachvollzogen werden. Mit nacktem Auge ohne Operngucker, der ja bei den weit entfernten riesigen Leinwänden Tintorettos an venezianischen Kirchenwänden und Altären unerlässlich ist, kann man Gesamteindruck und Kleinstteiliges auf sich wirken lassen. Perfekt ausgeleuchtet hängt hier das Frühwerk Tintorettos und ist also unbeschwert vom seltsamen Medium unhandlicher Spiegel wie in der lichtgedimmten Scuola Grande di San Rocco zu genießen. In hochinteressanten "Dialogen" (wie das der Museumssprech regulär nennt) mit Zeitgenossen, Vorgängern, Kollegen, Kindern, Werkstattmitarbeitern. 

Die Ausstellung wird medienmäßig mit lauten Adjektiven ("spektakulär") bedacht, aber eigentlich lädt sie zur Kontemplation ein, zum genauen Hinschauen, zur bewußten Wahrnehmung des kleineren Formats, das Jakopo Robusti in jungen Jahren übte in seiner Werkstatt bei S. Cassian auf der 'schäl Sick' des Canal Grande. Die Riesenformate, die nie in Ausstellungen, sondern immer nur in situ zu sehen sein werden, konnten er und seine Familienmitglieder/Werkstattmitarbeiter erst in der Werkstatt an der Fodamenta dei Mori (und der heutigen Calle Tintoretto) bei der Madonna dell'Orto verwirklichen. 

Ich verlinke hier lokale/regionale/überregionale Berichte sehr unterschiedlicher journalistischer und fachlicher Qualität und sortiere auch Textschwurbel (z. B. der ZEIT) nicht aus oder die hyperaktive Selbstinszenierung der WDR-Reporterin. Insgesamt enthalten die Berichte Kommentare, Informationen, Erläuterungen und viele Fotos, die ein gutes Bild dieser Ausstellung vermitteln, die sicher bemerkenswert zum Gesamteindruck des Tintorettojahrs beiträgt. Oder besser: zum Gesamteindruck, auf den wir hoffen und auf den wir gepannt sind. 

NRW-Tourismus   Tintoretto - A Star Was Born
SWR2   Der malende Subunternehmer
Kölnische Rundschau   Tintoretto in Köln
WDR   Tintoretto in Köln
WDR   Brodelnde Kunstszene: Tintoretto-Ausstellung in Köln
Koeln.de  Wallraf-Richartz-Museum zeigt Werke von Tintoretto
Welt   Epen für die große Leinwand
ZEIT  Himmel, Erde, Kunst
Westdeutsche Zeitung   Der junge Tintoretto als Star von Venedig
Aachener Zeitung   "Ein Wilder, ein Revoluzzer"
Stuttgarter Nachrichten   Der Anti-Tizian
General-Anzeiger Bonn   Wallraf-Richartz-Museum zeigt spektakuläre Tintoretto-Schau
Die Rheinische Kulturraumverdichtung   "Der unheimlichste Kopf der Malerei"
FAZ   Alles in Bewegung
Südwest Presse   Wallraf-Richartz zeigt Tintoretto, den Netzwerker
Osnabrücker Zeitung   Köln zeigt Malergenie als Shootingstar
Art in Words   Tintoretto - A Star Was Born
WA   Das Frühwerk Tintorettos im Kölner Wallraf-Richartz-Museum
Retrospektiven   'Tintoretto -A Star Was Born' im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Köln-Magazin   Tintoretto-Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum
rheinische Art   Der dreiste Maler
Kunstwelten   'Tintoretto - A Star Was Born' im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Royal Collection Trust   The Young Tintoretto at Wallraf-Richartz-Museum (Cologne)
Badische Zeitung   Tintoretto in Köln zu sehen
Boesner Kunstportal   Kometenhafter Aufstieg
Deutschlandfunk   Religion im Werk Tintorettos
BlouinArtinfo   Jacopo Tintoretto at Wallraf-Richartz-Museum, Cologne


© Vangelis Tsoumenis


Die vorläufige VORschau der weiteren Sonderveranstaltungen, soweit ich bisher Daten zusammentragen konnte:

Die Scuola Grande San Marco, Besitzerin mehrerer Werke Tintorettos, plant für 2018 eine Sonderausstellung unter dem Titel 'Kunst, Glaube und Gesundheit im Venedig Tintorettos'. Genauere Daten sind mir noch nicht bekannt, aber allein aufgrund des Titels gehe ich davon aus, dass die venezianische Medizinhistorikerin Nelli-Elena Vanzan Marchini an der Erarbeitung zumindest beteiligt ist. Der Name ist eine Empfehlung.

Die Accademia plant eine Sonderausstellung zu Jugendwerken Tintorettos aus ihrem Besitz. Bisher noch keine konkreten Daten, werden nachgeliefert als Ergänzungen zu diesem Eintrag.

Geplant ist für 2018 die Veröffentlichung eines neuen Führers zu Tintorettos in Kirchen, Museen und Scuole Venedigs. 

8.9.-6.1.2019 ist die Hauptausstellung "Tintoretto 500" im Dogenpalast zu sehen (der ja ohnehin voller Tintoretti steckt) in Zusammenarbeit mit der Accademia und der National Gallery Washington. 50 Gemälde und über ein Dutzend Zeichnungen aus Tintorettos gesamter Schaffenszeit werden zusammengetragen, es wird staunenswerterweise einen zweisprachigen Katalog geben (natürlich wegen der Kooperation mit Washington, aber vielleicht regt das ja in Venedig zu weiteren zweisprachigen Katalogen an).  
dazu:
7.12.17 VeneziaToday Una ponte tra Venezia e Washington...
8.12.17 Artribune Tintoretto superstar...
8.12. La Nuova Tintoretto festeggia 500 anni a Venezia

Diese Ausstellung wandert aus dem Dogenpalast weiter nach Washington und ist vom 3.3.-30.6.2019  in der National Gallery zu sehen. Gleichzeitig gibt es dort "Drawing in Tintoretto's Venice" (zuvor im Morgan Library Museum 12.10.-6.1.2019) und vom 3.3.-26.5. "Venetian Prints in the Time of Tintoretto". Für einige von uns sind das sicher auch Optionen. 

Zur Kunstbiennale 2019 wird das Werk "Engel verkündet der Hl. Katharina von Alexandria ihr Martyrium" aus dem ehemaligen Besitz von David Bowie nach Venedig zurückkehren. Tintoretto malte das Altarbild zwischen 1560 und 1570 für die Kirche S. Geminiano am Markusplatz, die 1807 für den Bau des Napoleonpalastes abgerissen wurde.

Zu den Werken Tintorettos, die fest in Venedig installiert sind, gibt es im Laufe dieses Jahres qualifizierte Führungen. Das erste Angebot kommt von Venezia Arte, je eine monatliche Führung in italienischer Sprache in der Scuola Grande di San Rocco, Anmeldung erforderlich, Kosten 12 €.  Mehr folgt.     



Eine Empfehlung für Venedigbesucher*innen mit künstlerischen Ambitionen ist die Werkstatt neben Tintorettos Haus an der Fondamente dei Mori, in dem er mit seiner Familie lebte (und auch starb). Es gibt Möglichkeiten der Beteiligung wie Kunstkurse bei einem sehr freundlichen Team. 
(Siehe auch Eintrag vom 14.1.2010 "Bei Tintoretto".)



Der Katalog zur Kölner Ausstellung ist schön und wie immer empfiehlt es sich, ein halbes Jahr zu warten und dann bei Bedarf im antiquarischen Versand fürs Bücherregal 50 % (oder so) ermäßigt zu kaufen.




Für Tintoretto-Einsteiger*innen ist die beste deutschsprachige Empfehlung die kompakte, kompetente Broschüre "Tintoretto" von Roland Krischel (Kurator der Kölner Ausstellung). 



Für die intensivere Beschäftigung mit dem Hauptwerk Tintorettos in der Scuola Grandi di San Rocco empfehle ich die Dissertation von Astrid Zenkert "Tintoretto in der Scuola di San Rocco". Vom Format und Gewicht her nicht geeignet, nach Venedig geschleppt zu werden - vor und nach dem Besuch der Scuola zu lesen. Das Buch gibt es derzeit preisgünstig bei Fröhlich und Kaufmann.  



Für Fortgeschrittene mit angemessenem Budget empfehle ich die Sammlung von Texten zur Tintorettoforschung von Erasmus Weddigen, die auch ich  u. a. zur Zeit beackere:



(Ich merke wiederholt an, dass die Amazon-Links keine Werbung nur für dieses Unternehmen sind, obwohl mir durch Bestellungen über diese Links jeweils ein kleiner Betrag zufließt. Ich verwende sie, weil sie die wichtigsten Informationen beinhalten: ISBN, Preis, Angebote gebrauchter Exemplare. Ansonsten gibt es den lokalen Buchhandel, lokale Antiquariate, und leistungsfähige große online-Antiquariate wie Booklooker und Abebooks.)

Wenn man den Autor Erasmus Weddigen googelt, finden sich eine spannende Website zu seiner Tintoretto-Arbeit und diverse Texte zu Tintoretto auch als kostenpflichtige PDFs auf entsprechenden Seiten im Internet.
Ich habe auch kostenlose Texte und Studien zu Jacopo Tintoretto im Internet gefunden - Lesestoff für mich und andere Interessierte:
➤1901 Henry Thode Tintoretto. Kritische Studien über des Meisters Werke 
➤1995 Friedrich Polleroß: Bemerkungen zur venezianischen Portraitmalerei anlässlich der Tintoretto-Ausstellungen in Venedig und Wien
➤Kritische Berichte 4/02 Die Grenzen des Sichtbaren. Gespräch mit Victor Stoichita über Licht und Schatten in Tintorettos Abendmahl in S. Giorgio Maggiore


Weitere Einträge und Berichte zu Jacopo Tintoretto und Veranstaltungen in Venedig folgen, allerdings eher in der 2. Jahreshälfte 2018.


Selbstportrait 1588


Auch dazu: 
Tintoretto - die große Geburtstagsshow 2018 vom 6.10.2018


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3. März 2014

Scuola di Sant' Orsola


Die ehemalige kleine Scuola di Sant' Orsola, die Vittore Carpaccio mit dem Bilderzyklus der Hl. Ursula (heute in der Accademia, Saal 21) ausstattete, wird in Kunstreiseführern als "nicht erhaltener Anbau an SS. Giovanni e Paolo" aufgeführt. Wenn überhaupt!

Im Oktober 2013 habe ich ein bisschen zu Carpaccio recherchiert, die Neugier führte von einem Buch zum näch-
sten, mehr Informationen werfen mehr Fragen auf, ich werde ungeplant schlauer und bekomme Antworten auf Fragen, die ich ursprünglich gar nicht stellte. Das Gebäude der Scuola di Sant' Orsola erweist sich für mich überraschend als erhalten.


Viele Gebäude in Venedig sind in über 1000 Jahren entstanden, haben sich verändert oder sind verschwunden. Aber vor allem sind viele Gebäude erhalten aus dieser langen Zeit, in unter-
schiedlichen Qualitäten und in über die Jahrhunderte wech-
selnden Verwendungen. Gerade im letzten Jahrhundert fand ja ein umfangreicher Wechsel in der Nutzung von großen Strukturen statt, der sich fortsetzt und verstärken wird. Paläste werden einerseits erhalten als Museen (z. B. Grimani) oder Ausstellungsräume (z. B. Corner della Regina), oder als Hotels überall in der Stadt, auch ehemalige Industrieanlagen (z. B. Molino Stucky), Inselklöster (z. B. S. Clemente),  aber andererseits eben ungeniert verkauft an italienische Konzerne, international vernetzt, denen der Sinn nicht nach Denkmal-
pflege, sondern Gewinn steht, siehe z. B. der Fondaco dei Tedeschi).


Da ist die Hütte, angebaut an SS. Giovanni e Paolo, zum Glück außen vor und nicht in Gefahr, ein Spekulationsobjekt zu wer-
den! Und obwohl nicht viel zu sehen ist, und sowieso nur von der Rückseite, denn die Vorderseite am Campo SS. Giovanni e Paolo hat mittlerweilde einen querstehenden Anbau, ist sie interessant füt einen Blogeintrag. 


Gegründet wurde diese "Bruderschaft zur Verehrung der Hl. Ursula" am 15.7.1300 und unter den Schutz der Heiligen Dominik, Petrus Märtyrer und Ursula gestellt. Ihr Zweck war weder die Vereinigung einer Berufsgruppe, noch die einer ethnischen Minderheit (Carpaccio gestaltete ja auch die Bruderschaftshäuser der Dalmatiner und der Albaner), noch die einer speziellen Caritas, sie diente einfach nur der nachbar-
schaftlich-sozialen und religiösen Zusammengehörigkeit. Die erste Mariegola, also das Statut der Bruderschaft, erlaubt die Mitgliedschaft von Bürgern und Adeligen, Männern und Frauen auf der Basis, dass es laut der Hl Schrift  "gut und freundlich ist zusammen zu leben und demütig in der Liebe Gottes". 



Zunächst nutzten die Mitglieder wohl SS. Giovanni e Paolo, die Kirche, die die Dominikaner neben ihrem bereits existierenden Kloster ab Mitte des 13. Jahrhunderts bauten (siehe erster Link oben). Nach sieben Jahren errichteten sie auf dem dama-
ligen Friedhof der Dominikaner, der von einer Kirchhofsmauer entlang der heutigen Salizzada SS. Giovanni e Paolo geschützt war, ihren Anbau an die Kirche, quasi als externe Fortsetzung der fünf Apsisräume, sozusagen Nummer sechs. 


Es gab "Pacht"vereinbarungen mit den Dominikanern, die häu-
figer zu Differenzen führten und z. T. das Eingreifen der Sig-
noria und der apostolischen Nuntiatur erforderlich machten, weshalb ab 1488 auch ein Kontingent von 10 Mönchen Mitglie-
der der Scuola werden durften. In diesem Jahr, die Scuola existierte immerhin schon fast 200 Jahre, erlaubte die Bruderschaftskasse eine Investition in die Verschönerung und Vittore Carpaccio erhielt den Auftrag, auf 9 Leinwänden Leben und Tod der Hl. Ursula darzustellen. 


Die erste Lieferung, "Die Ankunft in Köln", ist das erste signierte und datierte (1490) Werk Carpaccios überhaupt. 1490 war Carpaccio vielleicht noch relativ preiswert, allerdings keineswegs mehr jung oder unerfahren. Man kann auch nicht annehmen, dass die Brüder und Schwestern einen unbekann-
ten Künstler für die langfristige Dekoration ihrer Scuola auswählten. 

Der Auftrag Ursula war 1496 abgeschlossen. (Nicht alle 9 Bilder sind datiert, könnten also auch danach noch fertig gestellt worden sein, wie auch der Ursula-Zyklus nicht der einzige Auftrag war, an dem Carpaccio in diesem Zeitraum arbeitete.) 

100 Jahre später, 1592, erhielten die Brüder und Schwestern ein Geschenk aus Köln - zwei der (angeblich) 11.000 Jung-
frauen aus Ursulas Gefolge, die dort ermordet und seit (angeblich) 1000 Jahren bewahrt wurden, kamen als Reliquien-
stiftung, bzw. ihre Schädel. Ein solcher Schatz verstärkte mittelfristig den Verehrungs- und Pilgerverkehr, das Gebäude der Scuola sollte schon knapp 50 Jahre später restauriert und vergrößert werden. 


Rekonstruktion Scuola Sant't Orsola, Südseite, vor der Erweiterung


Die Scuola des 14. Jahrhundert war klein mit einer überdach-
ten Vorhalle, wie sie heute noch an S. Giacometto di Rialto zu sehen ist. Davon abgesehen, dass sie auf dem Kirchhof der Dominikaner lag, gab es in der Vorhalle und im kapellenartigen Raum der Scuola Grablegen bedeutender Mitglieder, vor allem der Familie Loredan, die über Jahrhunderte die Scuola förderte. 

An der äußeren Längsseite (Südseite) befestigt war zu dama-
liger Zeit auch der Sarkopharg, in dem Giovanni Bellini bestat-
tet war. (Der Sarkopharg gehörte ursprünglich der florentiner Familie Abbati, die das Medici-Wappen führte: sechs Bälle im Silberfeld. Die Abbati lebten im 14. Jahrhhundert in Venedig. Fra Giotto Abbati stiftete laut Sansovino die Kirche Sant' Antonio di Castello.) Bellinis Sarkopharg trug das Medici-Abbati-Wappen.     


Für die Baumaßnahme wurden die Carpaccio-Leinwände zwischen 1637 und 1647 ausgelagert, die Scuola verbreitert,  fünf Fenster eingelassen, eine Apsis für einen Altar angebaut, das Dach erhöht. Das ist das Ergebnis, aber genau genommen wurde das Originalgebäude völlig durch die neue Struktur ersetzt. 

Es gab verschiedene Bemühungen im 20. Jahrhundert (vor allem Molmenti/Ludwig) den Innenraum der Scuola zu diesem Zeitpunkt zu rekonsturieren. Sehr beeindruckt bin ich von den Ergebnisse der Universität Heidelberg.
Felix Thürlemann: Der Ursula-Zyklus von Vittore Carpaccio  (die weiteren Menüpunkte an der rechten Seite bitte nicht übersehen!
 
Weitere 100 Jahre später, 1752, wurden die Leinwände neu aufgezogen, restauriert und versiegelt und auf beiden Seiten der Apsis Türen eingebaut, um den Pilgerverkehr in dem kleinen Raum besser zu leiten. Man kann die vermauerten Rundbogen dieser Türen auf den Fotos sehen, die ich im Oktober 2013 gemacht habe. 
Knapp 50 Jahre später, 1797, folgte das Ende der Serenissima, weitere 10 Jahre später, am 16.5.1806, das Ende der Scuola di Sant' Orsola, im Rahmen der napoleonischen Säkularisierungen. Die Leinwände Carpaccios wurden von SS. Giovanni e Paolo aufbewahrt und 1812-1828 in die Accademia überführt, die Schäden wurden nach und nach repariert und die Bilder zum ersten Mal ausgestellt. 1921-23 erfolgte erneut eine Reinigung und endgültige Platzierung im Saal 21.

Heute ist von der ehemaligen Scuola di Sant' Orsola vor allem noch die Apsis zu sehen, weil rechts und links Kirche und Nachbarhaus angrenzen. Man hat den Eindruck eines ärmli-
chen aber bewohnten Hauses in renovierungsbedürftigem Zustand. Im Gegensatz zu der original erhaltenen Scuola degli Schiavoni (der Dalmatiner, Link siehe oben), ist dies keinesfalls ein Ort, der je wieder ein Carpacciowerk aufnehmen kann. Aber ein respektwürdiges Gebäude, das zu seiner Zeit seinen Anteil der venezianischen Kultur trug. 






9. Februar 2014

Bessarions Staurothek in der Accademia



Die Accademia ohne Baukräne wirkt, nach so vielen Jahren der Restaurierung, ein bisschen nackt und lockt sicher viele, die noch nie oder schon lange nicht mehr drin waren. Sie ist ein Museum, das (trotz der neuen noch leeren Räume) manche/n überforderdert aber jede/n BesucherIn überwältigt  mit seiner Masse herausragender venezianischer Kunstwerke. Wer wankend den letzten Raum des Rundgangs erreicht, wird endgültig niedergestreckt von der absolut wunderbaren "Darstellung der Jungfrau im Tempel" Tizians, hier seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an ihrem Originalplatz.



Nach diesem letzten Eindruck strebt man ins Treppenhaus und übersieht eine venezianische Kostbarkeit ersten Ranges, auf die ich hinweisen will, denn ich hatte das große Glück, sie zwei Tage lang detailliert kennenzulernen.
Ohne dass ich bei meiner Planung schon davon wußte, fand während meines Oktoberaufenthalts 2013 in Venedig eine Studienveranstaltung statt, die mein Rahmenthema, die Verbindungen der Serenissima mit Byzanz und ihren Kolonien im östlichen Mittelmeehr, ganz wunderbar traf. Die Staurothek des Bessarion war im Labor in Florenz über zwei Jahre lang wissenschaftlich untersucht worden und die Ergebnisse wurden von den Beteiligten sowie internationalen Fachwissen-
schaftlerInnen vorgestellt. 



Eine Staurothek (griechisch: σταυρος = Kreuz, θηκη = Behälter) ist ein Behältnis für eine Kreuzreliquie. Hier in der Accademia finden sich einige Darstellungen von Vittore Carpaccio und Gentile Bellini zu einer berühmten Kreuzreliquie, die der Scuola grande di S. Giovanni Evangelista, die die Scuola im 14. Jahrhundert erhielt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Staurothek hier in der Nische gegenüber Tizians "Jungfrau" im Herbergsraum der ehemaligen Scuola grande della Carità wurde eben dieser Bruderschaft, die als erste venezianische Scuola 1268 gegründet und als erste als "scuola grande" bezeichnet wurde, geschenkt, im 15. Jahrhundert, genau 1463.

Und zwar von Basilius Bessarion, 1408-1472, griechischer Humanist und Philosoph, maßgeblich beteiligt an den Bemühungen des Konzils von Florenz 1439 um die Überwindung der Trennung der orthodoxen und lateinischen christlichen Kirchen. Leider erfolglos, womit auch die Rettung des byznantischen Kaiserreiches ausfiel und Konstantinopel 1453 endgültig von den Osmanen erorbert wurde. Papst Eugen IV ernannte ihn beeindruckt von seinem Einsatz zum lateinischen Kardinal, was seinen Ruf als Bischof der orthodoxen Kirche ruinierte, aber die Basis seiner Karriere als Kirchenmann, Wissenschaftler und Philosoph in Rom wurde. Zweimal wurde er NICHT zum Papst gewählt wegen seiner NICHT lateinischen Vorgeschichte, aber die Serenissima nahm ihn ehrenhalber in den Adel auf.
Er förderte in der Drucker- und Verlegerstadt Venedig die Veröffentlichung der Werke klassischer griechischer Philoso-
phen und damit die Bildung des gesamten Abendlandes. Er vermachte Venedig seine riesige Sammlung (annähernd 1000 Werke) griechischer und lateinischer Handschriften, Drucke und Dokumente, die Basis der 1468 gegründeten Biblioteca Marciana, die einzige heute noch an der Piazzetta existierende Institution der Serenissima Repubblica. 


Weitere Links zu Basilio Bessarione:
http://surprisedbytime.blogspot.de/2010/01/bessarions-nazi.html
http://nauplion.net/CP-BESSARION-portraits.html
http://idlespeculations-terryprest.blogspot.de/2006/11/cardinal-bessarion.html

Und der Scuola della Carità schenkte er diese byzantinische Staurothek, die ihm selbst, wie die Gravuren auf dem Kreuz der Staurothek ergaben, ursprünglich geschenkt wurde von der Nichte des Kaisers, Eirini Palaiologina. Nach Jahrhunderten der Verehrung wurde die Stavrothek, aus religiöser Sicht sicher der kostbarste Besitz der Scuola, mit dem Ende der Serenissima Opfer der allgemeinen Verramschung und landete in der Hofburg in Wien. Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts zurück gegeben und 2010 nach 250 Jahren zum ersten Mal wieder geöffnet. Die WissenschaftlerInnen wussten nicht, in welchem Zustand sie das Kunstwerk vorfinden würden.


Widmungstext an den Seiten des Kreuzes in der Stavrothek

Die Ergebnisse wurden an den beiden Studientagen in einem beeindruckenden Programm in allen Aspekten ihrer Unter-
suchungen dargestellt, von WissenschaftlerInnen, die selbst an der Arbeit beteiligt waren und KunsthistorikerInnen und ByzantinistInnen, die begleitende und weiterführende Forschungen präsentierten.


Das Exponat, nach der Restaurierung eine glitzernde Pracht, zeigt sich in seiner kleinen Vitrine rechts neben der Treppe, die in den Raum 24 hinunter führt, in sozusagen drei Teilen:
  • die geöffnete Vorderseite mit emaillierten Darstellungen aus der Passion Christi (zu lesen von links oben nach unten, dann rechts oben nach unten, dann unten quer die Darstellung der Grablegung), zwei Erzengeln, dem Kreuz in der Mitte (herausnehmbar, an der Oberseite mit feinstem Goldfiligran verziert (klicken auf den Flyer oben links) und an den Seiten mit der Stiftungsgravur der Palaiologina versehen), und vier Kristallfenstern. Die beiden oberen enthalten kurze Stäbchen vom Holz des "wahren Kreuzes", die beiden unteren dunkelblaue Stücke aus grob gewebtem Stoff, dem 'Kleid von Jesus Christus'.
  • Zu sehen über einen Spiegel ist die Rückseite der Staurothek mit der darauf befestigten Widmung des Kardinals Bessarion an die Scuola della Carità.
  • Rechts daneben der Deckel mit der Kreuzigungsdar-
    stellung , den man mithilfe von Schienen rechts und links über die Reliquien schieben und damit die Staurothek verschließen kann.
     
Erläuterungen dazu finden sich auch neben der Vitrine.


Deckel und gespiegelte Rückseite der Stavrothek (schwer zu fotografieren wegen der Reflektion des Spotlights)


Das Deutsche Studienzentrum in Venedig, das, auch über die Professoren Peter Schreiner und Holger Klein maß-
geblich an den Studientagen zu Bessarions Stavrothek beteiligt war, hat eine Vormittagssitzung der Vorträge ins Internet gestellt. Sie fand statt im Palazzo Franchetti (an der Accademiabrücke), der für Filmaufnahmen von Veranstaltungen ausgerüstet ist. Die drei weiteren Vorlesungen/Diskussionen in der Accademia und dem Istituto Ellenico wurden leider nicht aufgenommen.


http://youtu.be/a8YWVZmzTq8
Beiträge von Antonio Rigo (Universität Ca' Foscari Venedig, Gianfranco Fiaccadori (Universität Mailand), Bissera Pentcheva (Universität Stanford)
http://youtu.be/GUmwqD6kfb0
Beiträge von Anna Pizzati, Valeria Poletto (Gallerie dell'Accademia), Marco Collareta (Universität Pisa)
http://youtu.be/EOz1ThbBIMs
Caroline Campbell  (National Gallery London), Ebe Antetomaso (Accademia Nazionale dei Lincei, Rom)
http://youtu.be/OpZS3ATiDxg  Abschlussdiskussion




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