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16. Oktober 2019

Zu Fuß nach San Michele 31.10.-10.11.2019



Brücke nach S. Michele im 19. JH
(Bäume ragen kaum über die Friedhofsmauer!)

Die Votivbrücken von Dorsoduro zur Kirche des Redentore auf der Giudecca im Juli und von der Haltestelle Giglio zur Kirche der Madonna della Salute Mitte November sind eine nie gebrochene Tradition, die immerhin auf Gelöbnissen der Serenissima zur Befreiung von den Pestepidemien 14. und im 17. Jahrhundert beruhen. (Naja, und es gibt seit einigen Jahren auch noch die nichtchristliche Marathonbrücke zwischen der Punta della Dogana und den Giardini Reale über den Canal Grande Ende Oktober...)

Bis zu Beginn der 1950er wurde auch jedes Jahr zum christlichen Fest Allerheiligen und Allerseelen (1./2.11.) eine Brücke von den Fondamente Nove zum Monumentaltor des Friedhofs S. Michele errichtet, damit die Venezianer*innen an diesen Tagen ihre Toten besuchen konnten. Der allgemeine Friedhof war eine neue Errungenschaft für Venedig in der 1. Hälfte des 19. JHs, errichtet nach dem Erlass des napoleonischen Friedhofsgesetzes (nur noch außerhalb der Gemeinden, nicht mehr in Kirchen und auf Kirchhöfen). Alle Verstorbenen der Stadt Venedig müssen seit ca. 200 Jahren auf die Insel, damals gerudert, heute mit dem Bestattungsboot mit vollautomatischer Hebe- und Schwenkeinrichtung für den Sarg. Die Brückentradtion zum Totengedenken wurde mit dem funktionierenden ÖPNV der Vaporetti vor ca. 70 Jahren aufgegeben.

Auf Ratsbeschluss wird in diesem Jahr zum ersten Mal wieder für 10 Tage eine Brücke gebaut, 407 m lang, 15,5 m breit; eine Durchfahrt für Wasserfahrzeuge wie bei den anderen Votivbrücken muss eingerichtet werden, die Arbeiten an der Brücke haben bereits begonnen. 450.000 € wurden dafür eingeplant und da die Kosten immer wieder erwähnt werden aber nirgends von den weiteren Perspektiven dieser Tradition zu lesen ist, schleicht sich ein giftiger Verdacht an, dass dies eine singuläre Veranstaltung sein könnte. 
Der Bürgermeister Brugnaro, bekanntlich nicht gebürtiger Venezianer und darüberhinaus Nicht-Bürger von Venedig legt auffälligen Wert auf die Feststellung, dass die Votivbrücke sein persönlicher lang gehegter Wunsch war. Könnte es sich hier (auch) um einen Vor-Kommunalwahlen-Stunt handeln? Die Bevölkerung, vor allem die mehrheitlichen Alten, freut sich, der Bürgermeister präsentiert sich mit seiner Bürgermeisterschluppe, begleitet von militärischen und kirchlichen Amtsinhabern, den wichtigen Männern eben. Ein Schelm, wer da an Bürgermeisterprestige und die Wahlurne 2020 denkt, aber warten wir Allerheiligen 2020 ab...


Quelle: Twitteraccount Bürgermeister Luigi Brugnaro

Auch wenn die venezianische Bevölkerung schrumpft (und "Gäste" nur in Ausnahmefällen auf der Insel bestattet werden) haben die längst aus der Stadt aufs Festland gezogenen Venezianer*innen weiter ihre Toten auf der Friedhofsinsel. Der Friedhof wurde in den letzten 10 Jahren erweitert und schon an normalen Tagen ist der morgendliche Friedhofsverkehr sehr lebhaft, zum Glück bevor Tourist*innen unterwegs sind. An Allerheiligen und -seelen allerdings sind die Boote der Linien 4.1 und 4.2 trotz Ergänzungsfahrten derart rappelvoll, auch gerade mit betagten und behinderten Passagier*innen und ihren Begleiter*innen extrem vollgestopft, dass die Brücke nicht nur die Wiederbelebung einer schönen Tradition ist, sondern vermutlich auch eine rationelle Entlastung des ÖPNV.

Bisher habe ich wegen der Vaorettiüberlastung bewusst nicht den Friedhofsbesuch am Totenfest empfohlen. Aber nun wird Besucher*innen Venedigs im Herbst durch die Votivbrücke die sehr besondere Erfahrung ermöglicht, über den breiten Kanal auf das schöne ehemalige Hauptportal des Friedhofs zuzuschreiten und über die Hauptalllee eintretend den Friedhof zu erkunden. Ein Geschenk, das auch wir als Gäste dankbar und rücksichtsvoll annehmen dürfen.


WICHTIGE Ergänzung 27.10.19
Nicht nur mein bescheidener Blog hat über diese erneuerte Tradition berichtet, sondern vor allem wurde sie natürlich bekannt über die Marketingmedien der Stadt selber. Entrüstung erhob sich unter den Bürger*innen, dass sogar das besinnliche Totenfest als Tourist*innenattraktion beworben wird. Nicht zu Unrecht. Für mich selbst hatte ich entschieden diesen Hinweis zu veröffentlichen, weil die Brücke ja nicht nur für die beiden Feiertage (in diesem Jahr ein verlängertes Wochenende) eingerichtet wird, sondern ganze 10 Tage. 

Nun wurde klugerweise entschieden, dass von der Eröffnung am 31.10. um 12 Uhr bis einschließlich 3.11. die Brücke nur von Einheimischen und Inhaber*innen einer Dauerkarte Venezia Unica genutzt werden darf
Erst ab dem 4.11. wird sie allgemein dem Publikum zur Verfügung stehen. 
Damit können sich die betroffenen Gemüter hoffentlich wieder beruhigen, und auch die Gäste Venedigs kommen in der 1. Novemberwoche in den Genuss der Votivbrücke ohne die intimen Feiertage zu stören.

29.10. 
Fotos vom Bau der Brücke auf dem Twitterkonto der Comune Venezia.

31.10.
Heute 12 Uhr war es soweit. Ich habe tagesaktuelle Fotos bekommen (herzlichen Dank an Birgit Weichmann). Nach den Eröffnungsfeierlichen und der Verabschiedung der Offiziellen inkl. Militär, Patriarch und Bürgermeister war die Brücke leer und der Gang über den Canal delle Fondamente Nove sicher eine Freude. Morgen ist Feiertag und mehr Betrieb zu erwarten. Ab dem 4.11. ist die Brücke für alle frei.


Quelle Birgit Weichmann

Quelle: Birgit Weichmann

Quelle: Birgit Weichmann



Siehe bisher 6 Blogeinträge zum Friedhof San Michele 
Siehe auch Eintrag auf Venipedia zum Friedhof San Michele (italienisch)


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17. Oktober 2014

Marathonbrücke in Venedig

Schon am Montag startet der Bau der mobilen Marathonbrücke
Venedig hat seit Jahrhunderten zwei berühmte mobile Brücken: die Redentorebrücke und die Salutebrücke.
Die Brücke über den Canale della Giudecca zwischen der Reden-
torekirche auf der Giudecca und der Kirche Santo Spirito in Dorsoduro wird zum Redentorefest am 3. Wochenende im Juli errichtet, die Brücke zum Salutefest am 21. November über den Canal Grande zwischen S. Gregorio in Dorsoduro und der Haltestelle Madonna del Giglio. 


Brücke am Mittwoch halb fertig, erst am Freitagabend wird das Werk vollendet

Hier geht es um die Marathonbrücke. Der Venicemarathon findet seit 1986 statt, seit 1987 am letzten Wochenende im Oktober, dem Ende der Sommerzeit. Sie führt über eine beeindruckende Strecke von der Villa Pisani in Stra entlang der Brenta durch Fiesso d'Artico, Dolo und Mira, vorbei an der Villa Foscari, durch Marghera und Mestre über die Ponte della Libertá ins Centro Storico von Venedig. Dort am Südufer entlang, den Zattere, bis zur Punta Dogana, über die mobile Marathonbrücke zum Ufer von San Marco, entlang der Riva degli Schiavoni zum Ziel an der Riva dei VII Martiri. 


Samstag Nachmittag
Ursprünglich endete der Marathon am Campo S. Agnese zwi-
schen Zattere und Accademia, 1989 bekam ich das, ahnunglos, mit. Erst seitdem die mobile Brücke an der Punta Dogana zum Einsatz kommt, wird auch an der Piazetta und am Dogenpalast vorbei gelaufen und über die letzten Brücken, ächz, an der Riva. 

Die Ausstattung der Brücken an den Zattere und der Riva mit Rampen ist letztlich dem Marathon zu danken. Zunächst nur für den Lauf installiert und danach sofort wieder abgebaut, dann zugunsten von Barrierefreiheit und testweise einige Jahre über den Winter stehen gelassen. Mittlerweile bleiben sie ganzjährig, bekommen ab und zu einen neuen Anstrich und erfreuen Fuß-
kranke und alle, die rollend vorankommen vom Kinderwagen über den Rollstuhl bis zur Sack- und Müllkarre.



Rampe bei S. Spirito
Auch die Marathonbrücke war in den ersten Jahren einge-
schränkt in ihrer Nutzung und stand nur am Sonntag des Laufs den LäuferInnen zur Verfügung. 

Im letzten Oktober wurde die Brücke allerdings schon am Samstag 11:30 Uhr eröffnet und dem Publikum zur Verfügung gestellt, welch ein grandioser Erfolg! Den ganzen Tag wurde der bequeme Weg zwischen Dogana und S. Marco genutzt und zum Abendspaziergang der VenezianerInnen mit Kind, Kegel, Kin-
derwagen und allen diesen venezianischen Minihundchen an der Leine war die Brücke rappelvoll. Vor allem wurden viele alte Menschen in Rollstühlen über die Brücke geschoben, das fand ich sehr rührend, und alle konnten den Sonnenuntergang über dem Canal Grande, die einbrechende Dunkelheit und das langsame Aufleuchten der vielen Lichter entlang der Ufer rundum bewundern.



Letzte Rampe vor dem Ziel
Es war ein diesiger Tag und Abend, Dunst lag über dem Becken von S. Marco, aber eine wunderbar fröhliche Stimmung der SpaziergängerInnen erhöhte den Genuss einer ungewohnten Perspektive "im Bacino" und ohne Frage auch eines poetischen Erlebnisses.


Blick von der Marathonbrücke in den Canal Grande am späten Samstagnachmittag
Wenn in der nächsten Woche wieder die Brücke für den Mara-
thon am Sonntag, 26.10. gebaut wird hoffe ich, dass sie am Samstag wieder fürs Volk, venezianisch und touristisch, geöffnet wird. 

Auch eine Wanderung entlang der innerstädtischen Strecke am Morgen, bevor die ersten LäuferInnen ankommen, ist reizvoll, oder im Laufe des Nachmittags, wenn die sehr Sportlichen und das Hauptfeld durch sind. Im letzten Jahr wurde das Ziel kurz vor den Giardini um 16 Uhr geschlossen. 
Auf diesem Spaziergang (mit Unterbrechungen!) auf der langen Uferstrecke kamen mir übrigens 6 Kreuzfahrtschiffe entgegen und 7 fuhren auswärts. Eines davon mittags rein und abends wieder raus, man kann es kaum glauben. Stopp in Venedig für ein paar Stunden! Aber das ist eine andere Geschichte.


...und zu Beginn der Dämmerung
Meteo Webcam zur Dogana, Verfolgen des Brückenbaus möglich.
Siehe auch Eintrag Termine Sport und Tradition 2014

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27. Mai 2009

Nachrichten von der Brücke

Fotos Rita und Sigi Wischnewski

Schon nach einem Tag neue Nachrichten von Rita und Sigi vom Rio delle Vergini:


"Wir beobachten den Baufortschritt mit Staunen. Heute morgen wurde die Stahlkonstruktion montiert, und abends hat man schon einen Eindruck, wie die Brücke am Ende aussehen wird.

Eine ältere Nachbarin in der Salizada Streta hat uns erzählt, dass da früher schon eine Brücke war.


Saluti
Rita"




Gestern hätte ich ja noch keine Wette abgeschlossen, aber heute vielleicht doch?







(Siehe auch Eintrag vom 1. Mai.)

26. Mai 2009

Biennale Venezia - betrifft Brücke

Foto Rita und Sigi Wischnewski


Im Eintrag vom 1. Mai
hatte ich um ein Foto der neuen Brücke am Rio delle Vergini gebeten.

Rita und Sigi Wischnewski aus Castello haben gestern freundlicherweise ein aktuelles Foto der Baustelle gemailt und mitgeteilt, dass die Arbeiten (erst! schon!) am 11.5. offiziell in Angriff genommen wurden.

Immerhin knapp einen Monat vor der geplanten Eröffnung...


Und kommentieren: "Wenn diese Brücke bis Anfang Juni wirklich fertig wird, verdient sie einen Eintrag ins Guinness Buch. Es sei denn, man hat eine Stahlkonstruktion auf dem Festland vorbereitet und braucht nur noch die Stützpfeiler."

Ich sehe bei dieser schmalen Öffnung in der Mauer auch noch nicht, wie die Brücke am Samstag in einer Woche in Betrieb genommen werden soll. Vielleicht wird es DIE Überraschung der 53. Biennale!


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1. Mai 2009

Mehr über die neue Biennale-Brücke


Die Stadt Venedig hat Informationen zur neuen Biennale-Brücke veröffent-
licht.

(Siehe Eintrag zum Thema vom 25.2.09, Brücken in Arbeit.)



La Giunta comunale, nella seduta odierna, ha approvato, su proposta del sindaco, lo schema di protocollo tra Magistrato alle Acque, Fondazione La Biennale, Comune, per la costruzione e la gestione di un nuovo ponte tra il Giardino delle Vergini nell'Arsenale e l'area di Campo Ruga a Castello, con accesso in Salizada Streta.

Il ponte, lungo 13 metri e largo 1,50, con gradini agevolati e una pendenza del 14%, sarà costruito nella stessa posizione di un antico ponte, demolito nell'Ottocento, e avrà lo scopo - è detto in delibera - di facilitare l'accessibilità del pubblico alle sedi della Biennale (Arsenale e Giardini di Castello), di rendere più funzionale il percorso negli spazi della Biennale interni a
ll'Arsenale, di offrire un collegamento tra le due sedi alternativo all'attuale nell'area urbana di Castello Est; per l'entrata all'Arsenale sarà aperto un varco nelle mura. Progetto architettonico, strutturale, impiantistico sono dell'ing. Enzo Magris, con l'arch. Arianna Laurenzi per il progetto architettonico e con l'ing. Marco Rossetto per il progetto strutturale; coordinatrice del progetto è l'arch. Pina Maugeri.
...

Venezia, 28 aprile 2009 / lp

Vom Campo Ruga über die Salizada Streta führt die neue Brücke durch einen zu schlagenden Durchgang in der Mauer direkt in den Garten der Vergini, an der Stelle einer ehemaligen Brücke, die im 18. Jahrhundert abgerissen wurde. Die Brücke wird 13 m lang und 1,5 m breit und bietet einen zusätzlichen Eingang "hintenrum" und eine bequemere Verbindung der Biennaleausstellungen in den Giardini mit den Ausstellungen im Arsenale. Vermutlich wird diese schöne stille Ecke von Castello während Biennalezeiten dann deutlich lebhafter, und es verstärkt sich mein etwas peinliches Gefühl, im Privatleben der Anwohner herumzulatschen.









Im (leider etwas blässlichen) Screenshot von Live Search sieht man die Stelle der neuen Brücke (Pfeil, bitte Bild vergrößern!), eingekringelt habe ich den einzig erhaltenen Rest des verlorenen Klosters Santa Maria delle Vergini in der Mauer (Eintrag vom 25.2.!). Darüber erkennt man im bisher schon für die Biennale genutzten Teil einzelne Exponate der Biennale von 2005, z. B. das riesige Bambusgerüst des chinesischen Künstlers, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnere.

Besser kann man es hier sehen:

http://maps.live.de/LiveSearch.LocalLive?cp=45.435246358621725~12.357517300901918&scene=10969102&style=b&lvl=2&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


Ein Auszug aus Mary Laven "Virgins of Venice"

(Siehe Buchempfehlung im Eintrag vom 25.2.09)


Die Brücke soll mit der Biennale am 7. Juni eröffnet werden und müßte derzeit im Bau befindlich sein. Für ein Foto zum Veröffentlichen wäre ich dankbar, da ich erst Mitte Juni in Venedig sein werde.


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25. Februar 2009

Brücken in Arbeit

Ponte Donà in der Stahlklammer, August 2008 (rosa dahinter: Palazzo Donà)
Foto unbedingt vergößern!
Die große Brücke Ponte Donà über den Rio dei Gesuiti in Cannaregio zwischen den verschiedenen Anlegestellen der Vaporettostation Fondamente Nove ist schon seit 2007 in Reparatur. Die Brücke wurde von aussen geklammert und die ganze Treppe abgetragen und neu aufgebaut.

Ich übernachte normalerweise in dieser Gegend und habe als begeisterte Baustellenguckerin die Bauarbeiten zur Renovierung und Erhöhung der Fondamente beobachtet und fotografiert.

Restau-
rierung der rechten Seite des Ponte Donà, März 2007.

Linkes Foto Blick durch den Bauzaun von unten, rechtes Foto Blick durch den Bauzaun von der anderen Seite oben.

Ponte Donà im August 2008:
linkes Foto: die rechte Hälfte der Brücke ist fertig gestellt.
Rechtes Foto: Blick durch den Bauzaun auf die linke Hälfte, die jetzt in Arbeit ist.

Die Fondamente Nove sind neben Piazzale Roma und den Anlegestellen in der Nähe des Markusplatzes der dritte Hauptverkehrspunkt der Stadt. Hier kommen morgens Massen von Schülern an, alle Friedhofsbesucher, Touristen in die Laguna Nord nach Murano, Burano, Torcello, und Reisende vom und zum Flughafen werden hier durchgeschleust. Es gibt hier einen Ruheraum für die Vaporettofahrer der ACTV-Verkehrsbetriebe und zwei Restaurants direkt am Wasser, nicht zu vergessen die beliebte Pizza- und Eisbude an der Ecke der Calle dei Buranelli. Nach vier?? Jahren mit Engpässen und Staus wird diese schöne Ecke Venedigs in diesem Jahr hoffentlich baustellenfrei und in restaurierter Pracht ungehindert nutzbar für den Trubel an den Anlegestellen, Jogger, Friedhofsbesucher...

Die viel begangene Brücke Ponte dell' Accademia sollte laut Vorschlag der Comune Venezia ab 2007 restauriert werden, wofür zwei Jahre Bauzeit und über 2 Millionen Euro nötig gewesen wären. Zu teuer, wie nun entschieden wurde. Im Newsletter von Venice Word war zu lesen, dass es jetzt Pläne der Stadt gäbe, die Brücke neu bauen zu lassen, und zwar "ohne öffentliche Gelder auszugeben", sprich den Ersatz der Brücke sponsern zu lassen. Der Bau soll 4,5 Millionen kosten, die Bauzeit ebenfalls zwei Jahre dauern. Mehr kann ich darüber momentan nicht in Erfahrung bringen und bin entsprechend skeptisch.

Die Renovierung der beiden Brücken auf Torcello kommt dagegen gut voran. Ich verlinke den Blog Allogi Barbaria (des gleichnamigen kleinen Hotels in Castello), der über den Ponte del Diavolo berichtet (Achtung, englische Computerübersetzung!). Die zweite ist die Brücke kurz vor der Piazza, an der Locanda Cipriani. Von Mitte Januar an war der Weg entlang des Kanals noch einmal für 3 Wochen wegen der Gefahren für Fussgänger gesperrt, sollte inzwischen aber wieder begehbar sein.

Anlässlich der 53. Biennale wird demnächst eine neue Brücke gebaut, wie spannend! Sie soll von Castello in das neue Gelände innerhalb des Arsenales, genannt "Padiglione Italia" führen. Der neue Padiglione Italia, der letztes Jahr eröffnet wurde, wird erweitert um das bisher brach liegende Grüngelände Tese delle Vergini. Der neue Eingang ins Arsenale über die neue Brücke wird nach meiner Einschätzung am Rio delle Vergine liegen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass eine neue Brücke von der Insel San Pietro zum Arsenale geschlagen wird.

Unter Live Search Maps ('Venedig' als Suchadresse eingeben, ein direkter Link ist leider nicht möglich) kann man am östlichen Ausgang des Arsenales (unterhalb der beiden Türme) das Gelände gut einsehen, inkl. links davon die chinesichen Exponate der 51. Biennale 2005 auf der Wiese (Vogelperspektive anklicken!)

Die Tese delle Vergini sind Teile des Gartens des ehemaligen Frauenklosters Santa Maria delle Vergini. Vom Kloster selbst existiert nichts mehr ausser einem Bogen mit Madonna, Kind, S. Marco und S. Augustinus sowie einer Tafel von 1557, eingelassen in die Arsenaleaussenmauer (zu sehen s. o. am linken Ende der Arsenalemauer). Es war eines der Klöster, in denen zur Zeiten der Serenissima Upper-Class-Töchter entsorgt wurden, um die Aussteuer zu sparen und so den Familienbesitz zusammenzuhalten.
Es gibt über die Rolle der venezianischen Klöster ein ganz spannendes Buch, das ich wirklich sehr empfehle: "Die Jungfrauen von Venedig. Gebrochene Gelübde - das wahre Leben hinter Klostermauern". Leider ein überflüssig dämlicher Titel der deutschen Übersetzung für ein informatives Buch.



Der frühere Padiglione Italia (bis zur Biennale 2005) in den Giardini wird übrigens umgewidmet und umbenannt in "Padiglione delle Esposizioni" und soll künftig ganzjährig und nicht mehr nur zur Biennalezeiten für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden.

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12. November 2008

Ankerhaken als Glücksbringer?

Warnung an zart Besaitete:
dieser Bericht ist makaber.



Ich bin häufig in der Gegend des Campo Santa Maria Nova, Campo San Canciano bis zur Kirche Santi Apostoli in Cannaregio. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass VenezianerIn-
nen, die die Brücke über den Rio dei Santi Apostoli von San Canciano in Richtung Santi Apostoli überqueren, kurz anhalten und einen Haken berühren. Der Haken, bzw. zw
ei Haken, sind über Kopfhöhe in die Hausecken eingemauert, viel zu hoch, um jemals ein Boot daran festzumachen. Die Berührung ist kein Vorbeistreifen, sondern hat etwas Rituelles.

Ich habe mich häufig neugierig gefragt, was es damit auf sich haben könnte. Bekannte wussten nichts darüber, einfach jemanden auf der Straße zu fragen kam nicht in Frage. ("Entschuldigen Sie, was machen Sie da und warum?" wäre der Gipfel der touristischen Distanzlosigkeit.) Und ausserdem die Peinlichkeit, freundliche ältere Damen wegen nicht ausreichender Sprachkenntnisse nicht angemessen verstehen und antworten zu können!

Die Antwort fand ich auf der Website www.venessia.com in einem kleinen Beitrag Ancorette portafortuna sempra nei pressi di S. Canciano a Cannaregio.(Bis zum Titel nach unten scrollen)

Die immer Glück bringen
den Ankerhaken in der Nähe von San Canciano seien wohl keine Glücksbringer gewesen für diejenigen, die man früher daran aufgehängt habe, zur Mahnung an die vorüber Gehenden. Von hingerichteten gevierteilten Menschen seien je zwei Viertel an den beiden Haken bei San Canicano, zwei Viertel an einem weiteren Ankerhakenpaar bei den Tolentini (in Sestiere Santa Croce) aufgehängt worden. Das zweite Ankerpaar existiere aber heute nicht mehr.


Eine derart eindeutige Verlautbarung ungewohnt, habe ich zunächst mein Wörterbuch gezückt und festgestellt, dass ich sehr wohl richtig verstanden hatte.
Die Nachfrage bei Vene
dig-Insidern ergab, dass niemand etwas davon gehört hatte, dass in Venedig einst gevierteilt wurde, aber tatsächlich hatte bisher niemand Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Meine Internetrecherche ergab eine Menge merkwürdiger (und wohl z. T. auch merkwürdig motivierter) Seiten, diverses Lehrreiches über die venezianische Justiz und deren Vollzug, und auch Einiges über venezianisches Vierteilen, in der Tat.


Als Beleg verlinke ich eine Seite, die eigentlich Carnevalsritualen in den venezianischen Sestieri gewidmet ist, und deshalb einen akzeptableren Inhaltsschwerpunkt hat.
Zu beachten ist der erste Satz:
La
ut den Justizregistern wurde 1721 ein Angestellter der alten Apotheke am Campo S. Luca enthauptet und gevierteilt...


Ob das Berühren wirklich Glück bringt, ob an dieser Stelle tatsächlich so grausiger Vollzug stattfand, oder ob es sich um eine Legende handelt - wieder Fragen, die man nicht stellen kann...

(Die Ortsbezeichnung Sottoportego del Traghetto bezieht sich auf die alte Ruderfähre von Cannaregio nach Murano, die vor dem Bau der Fondamente Nove hier ihre Anlege hatte.)


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28. Oktober 2008

Jetzt wieder: 13 Brückenrampen in Venedig


Vergangenen Sonntag fand der diesjährige Venice Marathon statt und wie schon im letzten Jahr bleiben bis zum 11. Januar 13 Brückenrampen stehen.

Eine gute Gelegenheit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, sich in den ruhigeren Monaten nach der Herbstsaison und vor dem Karneval auch unabhängiger in Venedig zu bewegen.

Es handelt sich um die Brücken an den Zattere und auf der Spitze von Dorsoduro, sowie entlang des Bacino entlang der Riva dei Schiavoni bis zu den Giardini. Der Besuch u. a. der Peggy Guggenheim Collection oder der Architekturbiennale (diese noch bis 23.22., siehe Eintrag vom 23.9.08) wird dadurch erleichtert.

Auf der städtischen Website gibt es einen genauen Plan.
(Auf den Link am Ende des Textes klicken und herunterladen).

15. September 2008

Seufzerbrücke Sommer 2008




Der Blick vom Ponte della Paglia in Richtung Seufzerbrücke lässt die gezückten Fotoapparate massenweise sinken...





...keine Postkarten-
ansicht!




Ich finde den ungewohnten Anblick toll.






Foto: Wolfgang Ziegler

Ergänzung: zwei Wochen später dient das Gerüst, wie alle Gerüste in Venedig (außer den Ski-
mützchen, die die Türme der Salute bedecken) als Werbeträger. (Siehe Kommentar hier unten von Wolfgang)
. Foto vom 6.9. bei Nacht.



Der Gesamteindruck ist gut sichtbar auf dem letzten Foto des brandaktuellen Venedig-Reiseberichtes von Jeff Cotton.


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12. September 2008

Eröffnet am 11/9/2008, 23:44 Uhr

Endlich in Gebrauch und auf eine hoffentlich lange Lebensdauer und Geschichte:

Ponte della Costituzione am 11. September 2008



9. September 2008

Quarto Ponte - September 2008

Die vierte Brücke hat nun ihren Namen: Ponte della CostituzioneLeider ist es nicht die Ponte della Zirada geworden, die mir am besten gefallen hätte.

Das jahrelange Gezerre um die Brücke findet nun einen angemessen bombastisch/banausigen Schlusspunkt, in dem die Brücke schlicht in Betrieb genommen wird,eine Eröffnung wird es nicht geben. Da hat Herr Calatrava aber Glück gehabt, dass ihn die Venezianer nicht kurzerhand wegen Fehlleistung ins Gefängnis stecken, wie sie das z. B. mit Jacopo Sansovino, Architekt der Libreria an der Piazetta, gemacht haben.

Einige Äußerungen zum Thema:


Südeutsche Zeitung 4.9.08 mit vielen Bildern
BauNetz 28.8.08 mit interessanten Kommentaren
Welt, 6.9.08, Calatrava-zentriert
Telegraph 26.8.08
guardian, 27.8.08
timesonline, 28.8.08
ANSA (it. Nachrichtenagentur) engl., 2.9.08
DDN, 29.8.08



17. Juli 2008

Venedig Quarto Ponte - Juli 2008


Letzten Sonntag, 13.Juli, gab es in Venedig einen schweren Hagelschauer mit Hagelkörnern über 2 cm Durchmesser und heftigem Sturm. Absperrungen, Einzäunungen und Baustellenplanen wurden ein- und abgerissen.









Andreas Götz nutzte die unerwartete Gelegenheit, Fotos von der Calatrava-Brücke zu machen und mailt sie mir aus Venedig zu.










Danke, sehr beeindruckt!









7. Juli 2008

Venedig Quarto Ponte - Juni 2008


Ich habe keine Neuigkeiten über die vierte Brücke (Calatrava) über den Canal Grande.














Es gibt wohl keinen neue
n Termin für die Eröffnung. Und es gibt wohl auch noch keine Entscheidung über den Vorschlag des Bürgermeisters Cacciari, die Brücke 'Ponte della Zirada' zu nennen, entsprechend der alten Ortsbezeichnung des Knicks des Canal Grande. Und den Piazzale Roma 'Campo della Zirada'. Nach dem auch die Kirche (und das frühere Kloster) Sant'Andrea de Zirada (venezianisch für Girata, Drehung) benannt sind.


Aber ich habe ein paar neue Fotos,
die ze
igen, dass
an
der Brücke gearbeitet wird, dass alle Glasstufen
installiert wurden
(canal-grande-wasser-grün),
die Handläufe noch nicht

ganz fertig sind und die
Ovovia, die Kabine für
Nicht-Fussgänger,
zumindest noch nicht
unter der Brücke hängt.





Wie ich schon öfter geschrieben habe:
Es bleibt spannend!















2. Februar 2008

Canal Grande - Neues von den Brückenarbeiten

Per Email von Andreas Götz erreichen mich Neuigkeiten über die Arbeiten an der 4. Brücke, die sich ja schon weit länger als geplant hinziehen:

Im "gasetin" stand vor ca drei Wochen, daß die 300 trapezförmigen
Stufen aus vier Schichten von je 10 mm dickem Glas gefertigt werden. Die Oberfläche soll so bearbeitet sein, daß man nicht rutscht. Es werden insgesamt 56 Tonnen Glas gebraucht, davon 39 für die Stufen und 17 für die Brüstungen.

In den Foren wird gemutmaßt, daß die Arbeiten auch deshalb nicht mit
Hochdruck vorangetrieben werden, weil die Brücke auch nach der Fertigstellung evtl. noch nicht zu benutzen ist.

Das große
Klinkergebäude der Eisenbahn wurde vor einiger Zeit u.a. an Benetton verkauft. Dort soll nach umfangreichen Umbauten ein Geschäftszentrum entstehen (die Vereine und gemeinnützigen Organisationen mußten bereits ausziehen). Für die Dauer der Umbauten ist die Fondamenta vermutlich nicht zu benutzen.

Daher wird die comune vermutlich eher auf
Gründlichkeit bei den Arbeiten an der Brücke setzen denn auf Schnelligkeit.

Gründlichkeit vor Schnelligkeit ist ja eine vernünftige und sicher die nachhaltigere Entscheidung. Also weiter Geduld und Spannung...


25. Dezember 2007

Il Quarto Ponte

Neuigkeiten erreichen mich per Email.
Am 30. November gab 'Il Gazzettino' die verzögerte Eröffnung der Calatrava-Brücke bekannt, um 5 Monate (eigentlich vorgesehen war Jahresende 2007, dann Januar...). Grund: Probleme mit dem Glas, das montiert wird.

Ausführlichere Nachricht am 3. Dezember: die vor einigen Wochen durchgeführten Belastungstests wurden positiv gegutachtet. "Es gab nur einen Bedenkenträger, der meinte, wenn sich alle auf der Brücke auf eine Seite stellen, könnte die seitliche Neigung der Brücke (ca. 7 cm) zu einer Panik führen." (Ich denke, der Mann könnte notfalls getröstet werden.)
Die Zugseile, die bisher zur Absicherung unter der Brücke angebracht waren, wurden mittlerweile entfernt.
Es bleibt aber bei einer deutlichen Verzögerung, da für den Zuschnitt aller einzelnen Glasstufen und die Installation und Genehmigung der Ovovia (Kabinenbahn für rollende Passanten) jeweils noch 120 Tage Verlängerung beantragt wurden. Mit der Eröffnung bis Ostern wird es also nichts.



Um das Interesse an der Sache zu fördern hat in den Medien, besonders durch einen Vorschlagswettbewerb des 'Gazzettino', aber auch im Web eine breite Diskussion der Namensgebung eingesetzt. Die täglich neuen Vorschläge sind phantasiereich von 'Lenin' bzw. 'Stalinbrücke' und 'Brücke der Tränen' bis langweilig 'Brücke Piazzale Roma'.
Bürgermeister Cacciari schlug Ponte della Zirada' vor, (Zirada = venezianisch für Girata, alte Ortsbezeichnung der Kanalbiegung in der Gegend von S. Andrea. Der Name wurde bereits für den Platz vorgeschlagen, der dann in den 30er Jahren Piazzale Roma benannt wurde.). Dieser Vorschlag wurde am 4.12. in der Namensfindungskommission abgeschmettert.

Namensfavoriten sind die beiden Heiligen rechts und links des Canal Grande: das ehemalige Kloster (heute Hotel) Santa Chiara und Santa Lucia, nach der der Bahnhof benannt ist, an dessen Stelle vormals eine S. Lucia-Kirche von Palladio stand.

Rückseite des
Hotels
Santa Chiara,
von der ich annehme, dass es sich
um Reste des ehemaligen Klosters handelt.

Damit wir wissen, wovon die Rede ist, zitiere ich Albert Christian Sellner: Immerwährender Heiligenkalender, Zweitausendeins 1998; S. 444-447 (Chiara) und 696 f. (Lucia). Text für junge Kinder nicht geeignet!

12. AUGUST HL. CLARA VON ASSISI Gründerin des Clarissenordens, 1194—1253
Die Jungfrau aus vornehmer Familie hörte eine Predigt des hl. Franziskus und beschloß auf der Stelle, allen irdischen Eitelkeiten zu entsagen. Bei einem persönlichen Zusammentreffen erkannte der Heilige in ihr eine Gleichgesinnte. Er forderte sie auf, ein Bußkleid anzuziehen und in Assisi für die Armen betteln zu gehen. Clara verließ daraufhin nachts heimlich das Elternhaus. Franziskus selbst schnitt ihr die Haare ab, legte ihr ein sackartiges Gewand an, das mit einem Strick gegürtet war, und führte sie in das KIoster der Benediktinerinnen.
Die Empörung ihrer Familie über diesen Schritt steigerte sich zu blanker Wut, als ihr die 14jährige Schwester Agnes ins Kloster folgte. Unter dem Kommando ihres Oheims Monaldo rückte eine Gruppe von Verwandten an, welche die noch unmündige Agnes mit Gewalt zurückholen wollte. Doch Claras Gebet war stärker. Das Mädchen wurde in den Händen der Entführer so schwer, daß sie es nicht mehr tragen konnten. Franziskus brachte die beiden Jungfrauen bald darauf nach San Damiano, und damit entstand das erste franziskanische Frauenkloster.
Obwohl Clara die letzten drei Jahrzehnte ihres Lebens fast ausschließlich auf dem Krankenlager zubringen mußte, wuchs die Gemeinschaft unter ihrer Führung rasch an und zog viele junge Frauen gerade auch aus begüterten Familien an. 1228 gab es in Italien schon 23 dieser neuen Klöster. Der entscheidende Unterschied der Clarissen zu anderen Orden wurde die Liebe zur Armut.
Ein Leben lang mußte die Gründerin darum kämpfen, denn im Vatikan wollte man die Nonnen auch in schlechten Zeiten versorgt wissen und bestand darauf, daß das Kloster selbst Eigentum besitzen müsse. Erst zwei Tage vor ihrem Tod setzte Clara durch, daß der Papst das Ordensprivileg bestätigte: Niemand dürfe die Clarissen zwingen, Eigentum anzunehmen.
Die strengen Regeln des Ordens wurden aber stets von der Oberin überboten, was ihre eigene Person an langte. Sie trug abwechselnd zwei Bußgürtel auf der blanken Haut; der eine bestand aus verknotetem Roßhaar, andere aus Schweinsleder, in dem noch kurzgeschorene Borsten steckten. Diese stachen ihr ins Fleisch und riefen eiternde Schwären hervor. Wenn diese zu gefährlich wurden, nahm Clara wieder den anderen Gürtel, bis die wunde Haut sich ein wenig erholt hatte. Der hl. Franziskus persönlich mußte ihr verbieten, auf der bloßen Erde zu schlafen und ganze Tage nichts zu essen.
Claras Wirkung auf Menschen war außerordentlich, manchmal auch in unvermuteter Weise. Damals wurde Italien von marodierenden Sarazenen geplagt, die eigentlich im Dienste Kaiser Friedrichs II. standen, aber ihre Stellung zu Plünderung und Notzucht ausnutzten. Eine Schar dieser brutalen Söldner hatte sich zusammengetan, um des Nachts an den Nonnen von San Damiano ihre gewohnten Greuel zu verüben. Sie kletterten die Mauern empor und schauten schon durch die Fenster, während die Schwestern in Panik zu ihrer kranken Oberin stürzten. Diese ließ sich auf einer Bahre mit der Monstranz in der Hand zur Pforte tragen, und plötzlich ergriff ein geheimnisvoller Schrecken die Soldaten und trieb sie in die Flucht.
Am letzten Weihnachten vor ihrem Tod erlebte die sterbenskranke Äbtissin in einer Art übernatürlicher Television die Christmette in Assisi in allen Einzelheiten, weshalb sie 700 Jahre später von Pius XII. zur Patronin des Fernsehens ernannt wurde.
Darstellungen: als Clarissin in schwarzem oder braunem Wollgewand und mit Kreuz, Lilie, Regelbuch oder Äbtissinnenstab; mit Monstranz oder brennender Lampe.
Patronin: von Assisi; der Glaser, Glasmaler, Stricker, Vergolder, Wäscherin-In; gegen Augenleiden und Blindheit, Fieber; des Fernsehens.

13. DEZEMBER HL. LUCIA Jungfrau und Märtyrerin, + um 303
Die schöne Jungfrau Lucia war bei den Jünglingen von Syracus begehrt wie keine andere. Sie aber wies alle ab. Einer jedoch tat sich besonders hervor. Er machte ihr ihre schönen Augen zum Vorwurf, in die er sich auf den Tod verliebt habe. Da riß sich Lucia die Augen aus und sandte sie ihm auf einem Teller. Bestürzt ließ er von seiner Werbung ab; Lucia aber erhielt von der Muttergottes ein noch viel schöneres Augenpaar.
Als ihre Eltern sie schließlich doch verlobten, verschenkte sie ihr Gut unter die Armen und verminderte dadurch ihre Mitgift. Der Bräutigam erzürnte darüber und verklagte sie bei einem Richter. Dieser lud sie vor und forderte sie als erstes auf, den Göttern zu opfern. Da sie sich weigerte, verurteilte er sie zur öffentlichen Schändung in einem Freudenhaus. Die Kraft des Hl. Geistes machte Lucia aber mit einem Mal so schwer, daß weder die vereinten Kräfte von tausend Männern noch ein Ochsengespann sie vom Fleck bewegen konnten. Da der Richter Zauberei vermutete, ließ er sie mit Urin begießen, denn man glaubte, dadurch den Bann lösen zu können. Aber es half nichts. Lucia blieb wie angewurzelt. Nun versuchte man sie mit Pech und Schwefel anzuzünden, aber das Feuer fügte ihr nicht den geringsten Schaden zu. Da stießen sie ihr endlich ein Schwert in die Kehle.
Darstellung: mit vier Ochsen; mit Halswunde und Schwert; mit Buch; mit Augen auf einem Teller; in Kessel über Feuer; mit Lampe; mit Palme und Schwert; mit Doppelkreuz.
Patronin: von Mantua, Syrakus, Toledo, Venedig; der Bauern, der reuigen Dirnen, Glaser, Kutscher, Messerschmiede, Notare, Pedelle, Sattler, Schiffer und Seefahrer, Schneider, Schreiber, Türhüter, Weber; des Augenlichts; gegen Blindheit (auch im geistigen Sinn) und Augenkrankheiten; gegen Armut.



Der Körper der armen Lucia (oder etwas, was ihn darstellen soll) wurde beim Bahnhofsbau umgesiedelt nach S. Geremia. Eine besonders anrührende Darstellung Lucias von Tiepolo befindet sich in der Capella Corner in der Kirche SS. Apostoli in Canareggio (ganz vorne unten im Bild das Tellerchen mit den Augen beachten! Habe ich dreimal übersehen, hingerissen von der Schönheit Lucias).

Man darf hoffen, dass rechtzeitig noch jemand einen genialen Geistesblitz hat, damit Venedig im Jahr 2008 einen der Tradition angemessenen Namen findet und trotzdem nicht auf diesen beiden "Brückenheiligen" aus dem 4. bzw. 13. Jahrhundert sitzen bleibt, finde ich...

3. November 2007

Venedig barrierefrei...

... zumindest vorübergehend.

Rampe an den Zattere

Wer schon immer mal seinen gehbehinderten Freund oder seine Oma nach Venedig schleppen wollte und wegen der vielen rampenlosen Treppen darauf verzichtet hat, sollte jetzt zur Tat schreiten.

Seit dem Venicemarathon am letzten Wochenende bis zum 6. Januar 2008 sind einige Bereiche der Stadt barrierefrei. Die Rampen, die für die MarathonläuferInnen eingerichtet wurden, sind nicht wie sonst direkt wieder entfernt worden sondern bleiben bis zum Epiphaniefest installiert.

Rampe an der Ecke Via Garibaldi


Gesamtplan
Hellgelbe Bereiche: sind (laut Legende) generell barrierefrei
Dunkelgelbe Bereiche: sind vorübergehend barrierefrei
Grüne Punkte: vorübergehende Brückenrampen.



Unter den Links sind die Pläne zu finden:

Bereich Dorsoduro
Bereich um den Markusplatz
Bereich Biennale Gelände



19. August 2007

Ponte Calatrava - Rohbau


Die vierte Brücke wurde vor einer Woche im Rohbau installiert. Das 3. Fertigteil, die Mitte, wurde von oben über die beiden Brückenköpfe eingeklinkt - nachdem das Mittelteil wieder in einer spektakulären nächtlichen Aktion durch den Canal Grande zur Baustelle transportiert worden war.

Andreas Götz hat mir wieder beeindruckende Fotos gemailt, die mich mit z. T. ungewöhnlichen Perspektiven und/oder Einbezug der Zuschauer die Stimmung gut nachempfinden lassen. Er lebt ja (zum Teil) in Venedig und hält es mit den Brückengegnern, während ich (aus der Ferne) mich schon auf die erste Brückenüberquerung freue und hoffe, dass der elegante Schwung dieser roten Wirbelsäule künftig die Blicke von der Gewöhnlichkeit des Piazzale Roma ablenken wird.


"Der Transport über den Canal Grande war schon ein ziemliches Ereignis. Die Einfahrt bei der Salute war ziemlich zügig (was für ein effekvolles Foto sorgte) und je enger es wurde desto langsamer wurde es. "






Transport kurz vor Rialto







"Das Ganze beleuchtet und mit hunderten Helfern versehen (Polizia Municipale, Protezione Civile, Polizia di Stato etc..)"





"Leider waren die besten Orte zum Fotografieren abgesperrt (aus "Sicherheitsgründen", will heißen, es gab eine Gegendemonstration, wegen "Geldverschwendung"). Ich war aber zum Schluß ganz zufrieden mit dem Platz, den ich mir erdrängelt habe, auf einem Balken zwischen zwei pali."




An der Herberia (Gemüsemarkt) gegenüber der Hauptpost

















"Insgesamt verlief alles sehr viel schneller als im angekündigten Zeitplan. Es war offensichtlich, daß man auf jeden Fall die Zeiten einhalten wollte und so waren sie großzügig angegeben. "












"Auch die Montage war nach vier Stunden abgeschlossen, angekündigt waren dreißig (damit man vier mal Hochwasser hat). "




















"Aber diese Bilder zeigen sehr gut die Hydraulikstempel, mit denen die Brücke bei Flut auf die provisorischen Auflager gehoben wurde. Jetzt müssen die drei Brückenteile "nur noch" verschweißt werden."
















"Jetzt zeigen sich die Qualitäten der
Brücke, die mir bewußt sind, auch wenn ich aus
urbanistischen Gründen dagegen bin und sie mir zu"unvenezianisch" ist. Ich meine damit nicht, daß ich keine moderne Architektur in Venedig haben will, sondern daß ich mir eine moderne Architektur wünsche, die im Bewußtsein des Ortes gestaltet wird, für den sie entsteht. Jetzt kann man natürlich argumentieren, daß Venedig ja am Piazzale Roma längst zu Ende ist, aber das zählt für mich nicht. Also lassen wir das."








"Bei den Fotos des Rohbaus habe ich mir erlaubt einige der vielen Werbebanner digital abzuändern. Jedes analoge oder digitale Foto ist irgendwo
verändert aber durch meine Eingriffe ist der Dokumentcharakter etwas stärker eingeschränkt. Sie gefallen mir aber so besser.
Cordiali saluti, ciao,
Andreas "