29. April 2012

Venedig Flughafen Marco Polo

Die Reisen Marco Polos waren anstrengend und langwierig, wir können es nachlesen. Die Venezianer ehren ihn mit der Benennung ihres Flughafens, was passender ist und mir besser gefällt als der Name von Politikern, nach denen garantiert in 700 Jahren kein Hahn mehr krähen wird.

Man kann die Benennung des Flughafens Marco Polo aber auch begreifen als entschiedenen Wink mit dem Zaunpfahl: hier ist es anstrengend und es dauert sehr lange...

Ich habe den venezianischen Flughafen schon öfter überfüllt erlebt, sogar, dass ein größerer Truppentransport von italienischen Soldaten in den Irak über die normale Abflughalle abgewickelt wurde und nicht etwa über einen separaten Teil des Flughafens, hintenrum sozusagen.

Samstagmorgen (gestern) war aber der Gipfel, jetzt wird gemeckert und vor allem gewarnt, nicht zu spät zum Abflug aus Venedig aufzukreuzen.

Wer die Abflughalle betritt, steht zunächst vor einer dichten Schlange die von rechts nach links QUER durch den Flughafen führt. Man muss bitten, durchgelassen zu werden und weiss noch nicht, dass es sich um die Schlange handelt, die nach dem Einchecken zur Sicherheitsabfertig führt. Sie geht von Schalter 60 (ganz rechts, an der Cafeteria L'Orto) vorbei am Einlass zu den Gates, führt bis zur Höhe von Schalter 25 um die Imbisstheke herum, geht wieder zurück und wieder vorbei am Einlass zu den Gates. Bei Schalter 31 erreicht sie dann die Serpentine vor den Gates. Bis hierhin dauerte die Schlange 25 Minuten und jetzt werden  Menschen hektisch bis panisch, deren Flug als "now boarding" oder "last call" auf der großen Tafel angezeigt wird.

Zum Glück steht ein Mensch in Uniform an der Seite der Serpentine, der, auf das Problem angesprochen, das Absperrband lupft und direkt an die Spitze zur Sicherheitsabfertigung durchwinkt. Die arbeitet auf  Hochtouren, alle Bänder sind besetzt, zusätzlich leiten junge Frauen mit Tshirtaufschrift "Airport Staff" den Kopf der Schlange individuell weiter, damit hier keine unnötigen Staus entstehen.

Man bemüht sich also durchaus. Trotzdem dauerte ab Anstellen an der Schlange meine persönliche Abfertigungszeit ganze 65 Minuten. Wie machen das Eltern mit (mehreren, besonders kleinen) Kindern?
Wie machen das Reisende, die nicht gut zu Fuss sind? Oder alte Menschen - 65 Minuten vor sich hin stehen?
Die Reisenden liessen das über sich ergehen, niemand wurde ausfällig, niemand lachte, alle tapperten und schwitzten stumpf vor sich hin.
Wie sieht das an einem Augustnachmittag aus? Die Leute fallen um wie die Fliegen?

Das nächste Mal probiere ich den Flughafen Treviso aus. Vielleicht ist das ja eine Alternative.


21. April 2012

Auch nicht geheim: soziale Gärten in Venedig



Kollektivgarten der Initiative Spazzi Verdi auf der Giudecca


Wer offene Augen für die Gärten Venedigs hat stellt fest, dass es neben den gern behaupteten "geheimen" Gärten, die bei Licht besehen wie anderswo auch vor allem die strikt privaten sind, eine ganze Reihe öffentlicher Gärten gibt. (Siehe Eintrag vom 25.10.2008)

Und wenn nicht ganz öffentlich, dann doch teilweise zugänglich, anläßlich der Biennale oder während sommerlicher Öffnungen für das Publikum (siehe Label Garten).

Nachbarlicher Blick Richtung Cipriani

Im Herbst 2009 besuchte ich eine kleine Biennale-Ausstellung in einem geriatrischen Zentrum/Altenheim auf der Giudecca. Direkt hinter dem elektronisch öffnenden Eingangstor stand ich zu meiner Überraschung in einem wunderbaren riesigen Garten. Eigentlich einer ländlich-bäuerlichen Enklave mit Gemüse-
feldern (Artischocken vor allem), Pfirsich- und Apfelbäumen, einem gepflegten Weingarten, zwischen der Kirche der Zitelle und dem Hotel Cipriani.


Rückseite der Zitelle-Kirche, in den ehemaligen Konvent-
gebäuden die Dependance des Hotels Bauer


Jetzt habe ich durch einen schönen neuen Venedig-Blog erfahren, dass es sich um einen Kolletivgarten handelt.
Die Initative
Spiazzi Verdi stellt seit Anfang 2008 auf dem Gelände kostenlos Parzellen zur Verfügung, die von Venezia-
nerInnen ohne eigene Gärten in Handarbeit, nach eigenen Wünschen und auf eigene Kosten bearbeitet werden können.


Wenn man die Blogs des amerikanischen Venezianers und der Spiazzi Verdi-Leute liest, macht die Gartenarbeit nicht nur Spaß, sondern trägt neben den buchstäblichen auch soziale und politische Früchte (siehe diverse Links auf dem Spiazzi Verdi-Blog, auch bei geringen italienisch Kenntnissen von Interesse!) und ausserdem zur Integration sehr unterschied-
licher Personen und Gruppen bei.
(Giudecca 54)

(Aus der Sozialarbeit in Deutschland kenne ich die sog. 'Internationalen Gärten', in denen eingewanderten Bürgern Gartenparzellen kostenlos überlassen werden, zum Anbau eigener Feldfrüchte und als möglicher Beitrag gegen menschliche Entwurzelung.)


Größere Kartenansicht

Kollektivgarten Spiazzi Verdi Giudecca

Eine integrative Funktion neben der Freude an der Gartenarbeit haben auch die Orti per anziani, die Gärten für die Alten, in denen in Venedig, aber auch in anderen Städten im Veneto BürgerInnen über 60 auf Antrag Parzellen erhalten können. In Venedig ist dies z. B. die große Gartenanlage am Palazzo Minotto bei der Kirche S. Anzolo Rafael in Dorsoduro. (Dorsoduro 2364, Ponte del Cristo)

Soziale Gärten sind kein Ziel für touristische Besichtigungen, man kann sich dort weder in einen Liegestuhl legen noch selbst mit anpacken. Aber sie sind Teil der jüngeren venezianischen Gartenkultur, die reicher ist als zu erwarten wenn man durch die Steine Venedigs wandert.


Größere Kartenansicht

Orti per anziani auf dem Grundstück des Palazzo Minotto (Vergrößerung anklicken bitte)

In dieser dichtbesiedelten Stadt ohne Vororte und ohne "Schrebergartenkultur" aber vielen jahrhundertealten Mietwohnungen ohne eigene Gärten sind Kolletivgärten eine wunderbare Lösung und ein Glück für die Menschen, die persönlich davon profitieren. Ökolologische Aspekte (wie Permakultur) und pädagogische Mitnahmeeffekte für Kindergärten und Schulklassen muss man eigentlich gar nicht zusätzlich loben. Bravo Venedig.


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14. April 2012

Fahrplan Vaporetti 2012

Seit April ist der Sommerplan der Vaporetti 2012 gültig, und wer ein paar Tage in Venedig plant und mit mehr Fahrten rechnet als einmal den Canal Grande rauf und runter sollte sich den Fahrplan ausdrucken (42 Seiten, aber doppelseitig gedruckt lohnt sich das Mitschleppen des Papiers).

Sommerfahrplan öffentlicher Wassertransport Venedig 2012


Der Linienplan ist in allen Reiseführern enthalten und auf vielen Stadtplänen, die kostenlos verteilt werden, hier ist er trotzdem, ebenfalls aktuell gültig seit April 2012.

Linienplan Vaporetti in Venedig und der Lagune 2012


Website der venezianischen Verkehrsbetriebe ACTV (Preise, Bedingungen etc.)

Online-Kauf von Fahrkarten und diversen Eintrittskarten (man spart sich Zeitaufwand und nerviges Schlangestehen, ausser bei Tickets die abgeholt werden müssen)

Das im Winter angekündigte Vaporetto d'Arte, das ab 25.4. für stolze 22 € die Kunstadressen entlang des Canal Grande bis zu den Giardini verbinden soll, erscheint derzeit nirgends. Nicht im Online-Kauf von Tickets, nicht in den Event-Kalendern.

Bisherige Blogeinträge unter dem Label ÖPNV 


Ergänzung am 4.11.2012:

Winterfahrplan 2012/2013, öffentlicher Wassertransport ab 5.11.2012
kurze Zusammenfassung der Änderungen von Sommer- zu Winterfahrplan

und: die Haltestellen am Canal Grande/Piazzale Roma, nämlich Scomenzera, Parisi und S. Chiara sind ab 5.11. neu belegt (nach Abschluss von längeren Bauarbeiten). Die vorübergehende Ersatzhaltestelle S. Andrea wird geschlossen.
Die Rundfahrtlinien 4.1/2 und 5.1/2 wurden ergänzt um die Linie 3, die ohne Umschweife von hier nach und durch Murano fährt und zurück. Der Schlenker der Linie 4 nach und durch Murano fällt weg.


außerdem: Bus- und Tramlinien im urbanen Netz

Ergänzung am 1.12.2012:

Ab heute bis 29.23.2013 fährt die Linie 9 von Burano nach Torcello nicht vom Landungsplatz A, sondern vom C. Siehe Plan.

Für Hochwasser hat ACTV einen Plan für den angepassten Verkehr, also Schließungen von Linien und Haltestellen. Wer sich der italienischen Sprache nicht bedienen kann findet sicher trotzdem Hilfe oder verhält sich zur Not so wie die Einheimischen. Fusspassagen mit Hilfe von Hochwasserstegen sind vorgesehen laut Plan der Stadt Venedig.

(Aber grundsätzlich ist bei Sorge wegen Hochwasser zu bedenken, dass es sich im Wesentlichen um Flut handelt, die nur ein paar Stunden dauert und wieder abebbt. Dem kann man seine Pläne anpassen und die besonders tief gelegenen Orte, z. B. den Markusplatz oder den Rialto, für diese kurze Zeit meiden.)


Ergänzung am 3.2.2013:

Sonderfahrpläne ACTV und Sonderzüge TRENITALIA  im Eintrag Carnevale 2013


Fortsetzung Sommerfahrpläne 2013


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6. April 2012

CHORUS - 16 Kirchen in Venedig

CHORUS-Kirche S. Sebastiano, Eingangsportal

CHORUS
ist die Vereinigung von 16 venezia-
nischen Kirchen zum Zweck der Erhebung von Eintritts-
geldern.




Mir ist seit über 10 Jahren schleierhaft wieso gerade diese 16 Kirchen? Und nicht andere? Oder alle? Denn die Mehrheit der Kirchen Venedings sind eintrittsfrei. Sofern sie nicht dauerhaft geschlossen sind. Und es gibt mindestens zwei weitere Kirchen, die ebenfalls Eintritt nehmen, aber nicht CHORUS angehören (Santi Giovanni e Paolo/Zanipolo und Santa Maria Assunta auf Torcello, wobei die letztere als Sonderfall zu sehen ist, da quasi ein reines Museum. Gottesdienste finden in der benachbarten Santa Fosca statt.)

Ich finde keine gemeinsamen Nenner, die auf diese 16 Kirchen und nicht auch auf andere zuträfen. Jede ist auf ihre besondere Art absolut besuchenswert. Jede hat ihre Geschichte und Kunstschätze. Vermutlich liegt die Lösung des Rätsels irgendwo irgendwann in der Geschichte der Vermarktung Venedigs bzw. des Fundraisings begraben.

CHORUS-Kirche S. Maria dei Miracoli

Der Normalpreis für den Besuch einer einzelnen Kirche ist 3,- €, was beim Besuch aller Kirchen nicht wirklich bescheidene 48,- € wären, aber es gibt den CHORUS-Pass für 10,- gültig für den einmaligen Besuch aller 16 Kirchen und ein Jahr. Man wird beim Kauf eines Einzeltickets IMMER gefragt, ob man nicht lieber einen CHORUS-Pass haben möchte. Sehr günstig offensicht-
lich, aber in der Praxis entpuppt sich das als eine sc
höne Marketingidee, denn diese 16 Kirchen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Bei einem Aufenthalt von 3-5 Tagen ist das viel Rennerei und Logistik, wenn man auch noch andere Aktivitäten plant.
Auf der anderen Seite: schon wenn man 4 Kirchen "im Vorbeigehen" besucht, hat man einen Preisnachlass erzielt.
WENN man denn
immer schön aufpasst und mitbekommt, dass man vor einer CHORUS-Kirche steht, für die man den Eintritt schon entrichtet hat.

CHORUS-Kirche S. Pietro di Castello (Rückseite)
Vor zehn Jahren noch bekam man mit dem CHORUS-
Pass ein labbriges Informationsblättchen, das die Kirchen nicht sehr hilfreich auflistete, im letzten Jahr fand ich zum ersten Mal in einer der Kirchen ein festes Hochglanzfaltblatt, das (neben der Werbung zur Finanzierung der Druckkosten) auf einem ordentlichen Stadtplan die CHORUS-Kirchen gut kenntlich macht sowie Museen, Scuole und weitere Kirchen.



CHORUS-Kirche S. Maria Gloriosa dei Frari, Kreuzgang
Die Website, auch noch neu und ein echter Fortschritt, könnte der Vor- und Nachbereitung besser dienen, wenn sie ewas detaillierter programmiert wäre.

Unter dem Menüpunkt "
churches" gibt es Kurztexte und Fotos zu den einzelnen Kirchen, unter dem Menüpunkt "artisti e opere" (denn ab hier geht es in italienischer Sprache weiter) kann man Kunstwerke aufrufen per Eingabe der Kirche, des Jahrhunderts, des Kunsttyps. Das Ergebnis ist eine Beschreibung des Standortes leider ohne Eintrag auf dem eingeblendeten Plan der Kirche und des Kunstwerks leider ohne Foto. Leute! Nutzerfreundlich ist anders.

Unter "itinerari consigliati" werden die Kirchen nach den 6 Sestiere sortiert, auch in englischer Sprache, was wirklich hilfreich ist, wenn jemand die CHORUS-Kirchen möglichst komplett abarbeiten möchte.


CHORUS-Kirche Madonna dell'Orto, Rückseite

Grundsätzlich finde ich es richtig, dass wir Touristen uns am Erhalt der venezianischen Kunstschätze beteiligen. Auch die Kirchen sollen ihre Kostbarkeiten nicht kostenlos herzeigen, Marketingmätzchen hin oder her.

Das CHORUS-System hat außerdem den Vorteil, dass diese Kirchen zuverlässig geöffnet (!) sind, was das Letzte ist, das man von vielen der Nicht-CHORUS-Kirchen behaupten kann. In der Regel Montag - Samstag, 10-17 Uhr, Ausnahmen unter hours.

Was wiederum nicht heißt, dass alle Kirchen vor und nach den CHORUS-Öffnungszeiten geschlossen sind, denn bis auf San Stae sind sie normal im Dienst und Funktion einer Pfarr-
gemeinde. Dann allerdings gibt es keine Öffnungsgarantie, aber man darf kostenlos beten und sich noch einmal das eine oder andere Detail ansehen.




CHORUS-Kirche S. Maria dei Miracoli

Eigene Websites von CHORUS-Kirchen mit Öffnungs- bzw. Gottesdienstzeiten:

Santa Maria Formosa
Santa Maria dei Miracoli
Madonna dellOrto
Santa Maria Gloriosa dei Frari
Sant'Alvise





31. März 2012

Du bist Venedig (6x Venedig)

Am Donnerstag lief der Dokumentarfilm '6 x Venedig' von Carlo Mazzacurati an, gedreht 2009, gezeigt auf der Mostra del Cinema in Venedig 2010 außer Konkurrenz. Ich vermute, der späte Start ist zurückzuführen auf Schwierigkeiten einen deutschen Filmverleih zu finden.


SEI VENEZIA from argonautifilm on Vimeo.

Die Produktion wurde gefördert von Consorzio Nuova Venezia und ist trotzdem nicht nur Tourismusmarketing, denn reprä-
sentiert wird Venedig nicht durch Politiker, Wirtschaftsver-
treter oder alten Adel (von denen sich bei solchen Gelegen-
heiten gerne einer bescheidener als der andere darstellt) sondern von normalen Bürgern.
Die in aller echten Bescheidenheit erfreut die Chance ihrer "15 Minuten Berühmtheit" wahrnehmen.


Ein Rentner, der nach einer einjährigen Ausbildung ehren-
amtlich die Arbeit des Archivio di Stato Venezia unterstützt und im ehemaligen Frari-Kloster mit seinen schönen Kreuzgängen und Tonnengewölben arbeitet, hochzufrieden mit seinen Aufgaben und als Teil eines Teams. (Siehe
Teaser 1)

Eine junge Zimmerfrau im Hotel Danieli, die auf rührende Weise ihren Auftritt auch dazu nutzt, ihrem jung verstorbenen Bruder ein Denkmal zu setzen.

Ernesto Canal, Ingenieur und autodidaktischer Archäologe, der sich als engagierter Bürger und in Zusammenarbeit mit den venezianischen Denkmalbehörden unendliche Verdienste um die Archäologie der Lagune erworben hat.

Carlo Memo, Maler abstrakter Kunst, der schon aus zwei Dokumentarfilmen des deutschen Filmenmachers Christian Rischert als Protagonist ('Il Diavolo' und 'Venedig - die Inseln der Glückseligen...') bekannt ist. Der stoisch die Dummheit und das Analphabetentum, wie er sagt, der Buranelli erträgt, die ihn und seine Arbeit alles andere als wertschätzen. (Siehe Teaser 3)

Ramiro, der aus einer zerfallenen proletarischen Familie in Castello stammend im Heim groß wurde und eine rasante und gefährliche Jugend als Dieb und Einbrecher hinlegte ("Geld und Frauen..."), mit Höhepunkten und Abstürzen, von denen er mit nostalgischen Anflügen und pseudo-verlegenem Lachen berichtet.

Und Massimo, ein Junge aus der "Bronx" wie er das südliche Ende der Giudecca nennt, der Sacca Fisola, wo die Kinder heute noch im Sommer von den Brücken ins Wasser springen und der bewundernd erzählt, wie sich seine Eltern verliebt ansehen. Die wirkliche und ewige Liebe.

Sechs wunderbare Geschichten, wahres Kino, für meinen Geschmack mehr Nahaufnahmen und schneller geschnitten als nötig, aber auch mit schönen ruhigen Kamerafahrten durch die Lagune und durch Castello. Gekrönt von der Filmmusik der griechischen Komponistin Eleni Karaindrou, die seit 1984 mit ihrer Musik die Werke des am 24.1.2012 tragisch und unersetzlich ums Leben gekommenen griechischen Meister-
regisseurs
Theo Angelopoulos begleitet hat.
Im
Teaser 2 kann man ein schönes kleines Beispiel ihrer Kompositionen hören, schwebend, mit minimalem Einsatz von Instrumenten.

Eine kleine Flucht nach Venedig, für anderthalb Stündchen. Der Originaltitel ist "Sei Venezia", den man angelehnt an die 6 VertreterInnen Venedigs im Film natürlich in "6 x Venedig" übertragen kann, aber "sei" ist auch die 2. Person Singular von sein, also "Du bist Venedig". Allemal schöner als "Wir sind Papst".

Nicht verpassen, hier sind die aktuellenOrte und Termine.





Ergänzung am 07.10.2102: Den Film gibt es erfreulicherweise seit Beginn des Monats aus als DVD zu kaufen:

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25. März 2012

Lazzaretto Nuovo ab 1. April


Bild: lazzarettonuovo.com
Vom 1. April bis Ende Oktober öffnet die Insel Lazzaretto Nuovo wieder für geführte Besuche an Samstagen und Sonntagen. Wunderbar! Unbedingt hinfahren!

Man meldet sich telefonisch
(0412444011) oder per Mail
(info-at-lazarettonuovo.com) an, nimmt die Linie 52 bis Fondamente nove und steigt um auf die Linie 13 und zwar per Abfahrt 9:25 oder 16:05 Uhr. Die Führungen dauern nach meiner Erfahrung unterschiedlich, auch abhängig davon, wie tief man als BesucherIn interessiert ist in die Geschichte des Lazzaretto einzusteigen.

Herbstmorgen auf Lazzaretto Nuovo
Es gibt bereits einen
Eintrag über die Insel mit näheren Beschreibungen vom Herbst 2010 und zum Saisonende 2011 war ich wieder dort, diesmal als einzige Besucherin.
Am Freitag
hing stundenlang ein Bombengewitter über der Lagune, das so plötzlich kam, dass ich es nicht mehr schaffte, gegen den Sturm die Aussenfenster zur nördlichen Lagune in meiner Ferienmietwohnung nach innen zuzuziehen. Ich stand fast 2 Stunden und hielt die Innenfenster fest, die von Sturm und Regengüssen nach innen gedrückt wurden. Das Regenwasser sprudelte förmlich unter dem Fensterrahmen hervor (einer dieser 'was-mache-ich hier-eigentlich' Momente...).

Exponat der 'Pest' Ausstellung 2011

In der Folge hatten alle Angemeldeten die Führung auf Lazzaretto Nuovo am Samstag-
morgen telefonisch abgesagt, nur ich stand wettergehärtet auf der Matte und wurde belohnt mit einem wunderbar frischen, völlig stillen Herbstmorgen im weichen Licht einer frühmilden Sonne sowie mit einer sehr sympathischen ju
ngen Ehrenamtlerin, die mich führte. Eigentlich war es ein schöner Spaziergang durch nasses Gras und alte Gebäude, zwei sich fremde Frauen mit Interesse an gleichen Themen tauschten unterschiedliches Wissen und gegenseitige Sympathie.

Die jährlich wechselnde Ausstellung im großen Lagerhaus (tezon grande) war der Pest gewidmet, den Methoden der Desinfektion (oder was man sich als wirksam desinfizierend so vorstellte im 16., 17., 18. Jahrhundert), den Behandlungs-
methoden und dem Behandlungspersonal, und letztlich den Opfern, die man bei den archäologischen Grabungen auf der Insel fan
d und und wissenschaftlich untersuchte. Sehr professionell gemachte Ausstellung, sehr interessante Exponate, und eben direkt hier am Fundort, sehr spannend.

Exponat der 'Pest' Ausstellung 2011

Die som-
merlichen Grabungs-
kurse f
ür Schüler-
Innen, Student-
Innen und sonstige Freiwillige unter Anleitung von Archäologen galten der Freilegung der ehemaligen Bäckerei der Insel. Die Arbeit geht ohnehin langsam wenn sorgfältig gemacht, noch langsamer mit Ehrenamtlern, und niemand hat den Ehrgeiz, möglichst schnell die ganze Insel abzugraben.


Detail der Sommergrabung 2011: 'Forno'



Es werden auch 2012 wieder
Grabungs-
camps
speziell für junge Menschen, aber auch Kurse für archäolo-
gisch lei-
denschaftliche erwachsene Laien angeboten. Unter anderem werden die Arbeiten am 'forno', der Bäckerei fortgesetzt. Neben der Dauerausstellung im ehemaligen Pulverlager an der Nordostecke der Insel gibt es wieder eine archäologische Ausstellung im großen Lagerhaus. Es ist die Ausstellung 'Amphoren', die erstmalig 2008 mit großem
Erfolg gezeigt wurde.

Wer mehr als nur ein paar Tage in Venedig hat und übers Wochenende da sein kann, sollte sich diesen Ausflug in Raum und Zeit der Lagune nicht entgehen lassen.
Und wer Zeit hat, an einer Grabung teilzunehmen, sei meines aufrichtig empfundenen Neides sicher.


Östliche Außenmauer und ehemaliges
Pulverlager




Informationen in deutscher Sprache


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17. März 2012

Versorgung in Venedig

Feuer am frühen Morgen

In der Ferienmiet-
wohnung mit Kanälen und Bootsparkplätzen an zwei Seiten wache ich auf durch Blaulicht im Schlafzimmer. Rennende Feuerwehr-
männer, Schläuche, Löschgerät, Qualm, die Motorjacht auf dem vermietete
n Parkplatz vor dem Haus brennt. Irgendwie von innen, Flammen sind nicht zu sehen, aber wie kann mitten in der Woche Feuer entstehen auf einem Boot, das nur am Wochenende genutzt wird?

Die Feuerwehrleute öffnen das Verdeck, einer geht mit Atemmaske, Löschrucksack und Taschenlampe in die dunkle Tiefe des Bootes, noch mehr Qualm, die Polster und Möbel werden rausgeschafft, alles in der funzeligen Beleuchtung der venezianischen Straßenlaterne.


Brand gelöscht, Kaffee getrunken, es bleibt, den Besitzer zu informieren und eine hoffentlich gute Versicherung


Und perfekt zu beobachten von meinem Zuschauerplatz in der 1. Etage hinter geschlossenem Fenster. Denn der Geruch kommt giftig. Natürlich guckt das ganze Haus, und die Nachbarin im Paterre reicht ein Tablett mit Espresso und Keksen aus dem Fenster auf die Fondamenta, zur Ermutigung der Jungs. Die sind bester Stimmung als klar ist, dass nichts mehr passieren kann, die Testosteronwelle steigt munter bis an mein Fenster, solche Erfolgserlebnisse im Job sind eine feine Sache. Die Polizei wird herbeigefunkt, 10 Männer diskutieren auf der Fondamenta, trinken neuen Kaffee, die Sonne geht auf.


Das ist fast ein Jahr her, fiel mir aber jetzt wieder ein durch eine neue Reihe (?) von englischsprachigen Kurzfilmen auf YouTube, die den Alltag der städtischen Versorgung Venedigs dokumentieren, gedreht in diesem Winter. Es geht um Notärzte, Feuerwehr, Müllentsorgung, Bestattung, all der normale lebenswichtige Kram, der in Venedig venezianisch-speziell ist und deshalb spannend für Nicht-Venezianer.

Bisher gibt es zwei Teile, sehr interessant und gut gemacht finde ich und verlinke sie, in der Hoffnung, dass der angekündigte 3. Teil auch bald auftaucht.