14. September 2014

Canale contorta St. Angelo - keine Lösung für die Lagune

Einladung, sich einzumischen


Laguna Sud bei Pellestrina
Der Kreuzfahrtsommer in Venedig geht in 4 Wochen zu Ende. Der Dauer-Feinstaubsmog der Kreuzfahrtriesen über der Stadt wird sich dann für den Winter verflüchtigen, und nach dem Regierungsentscheid vom Herbst 2013 war zunächst für den Frühling 2015 Hoffnung auf verdünnten Qualm berechtigt. (Tagesschau 6.11.2013 Die Giganten müssen draußen bleiben).

Der Journalist Dirk Schümer, der seit Jahren in Venedig lebt, beschrieb in der FAZ vom 17.11.2013 eindeutig die Erfahrungen des Kreuzfahrtsommers 2013: Der Kreuzzug. Zu früh gehofft, denn im Frühling hob das Verwaltungsgericht Venedig den Ent-
scheid aus Rom wieder auf, da er keine Alternativen zum Status quo aufzeige. (
Standard 19.3.14 Doch keine Einschränkung für Kreuzfahrtschiffe).
In diesem Sommer lief bis zum Ende des Dramas der Costa Concordia das Kreuzfahrtbusiness as usual, siehe Eintrag vom 27.6., inklusive Links zum Aufruf großer Namen aus der Film-
industrie, die sich im Juli dankenswerterweise und öffentlich-
keitswirksam in das Thema einmischten. Während der Gerichts-
entscheid Venedigs aufgehoben und die Prüfung der Ausbau-
möglichkeit des canale 
contorta St. Angelo, beschlossen am 12. August, als Alternativroute für die Kreuzfahrtschiffe, fast gleichzeitig in die Weltöffentlichkeit gespült wurde. Wobei sich deutschsprachige Medien, bis auf wenige Ausnahmen, nicht in der ersten Reihe der Informanten präsentierten.

Ossietzky 17.8.2014 Die Schiffsschlacht um Venedig
SZ 22.8.2014 Schlammschleudern
Stuttgarter Zeitung 25.8.2014 Alte Probleme in neuen Kanälen

Diesen Kanal in der Laguna sud für die Passage der Kreuzfahrt-
riesen massiv in die Tiefe (von jetzt 2,4 auf 10,5 m) und Breite (bis zu 200 m) auszubauen, sehen venezianische BürgerInnen und UmweltexpertInnen als verstärkte Bedrohung des gefähr-
deten Gleichgewichts der gesamten Lagune und der Stadt.
Der Protest der Bürgergruppen NoGrandiNaviSalviamoVenezia sowie Gruppo 25 aprile  formier-
te sich sofort zu diesem Thema unter dem neuen Kernsatz "Venezia è laguna", öffentliche Personen Venedigs und kritische BloggerInnen wie Veneziablog und I'm not making this up schließen sich an und ich folge ihrem Beispiel. 

Die Maximalforderung der Gruppen ist, die Riesenschiffe ganz aus der Lagune zu halten und eine Stazione marittima in der Adria vor den Lidi zu bauen. 

Hier noch einmal fett der Link zur 



Ich habe die englische Übersetzung des italienischen Originaltextes übersetzt, damit im Zweifelsfall jede/r weiss, was hier unterschrieben werden kann. Eine Begründung ist nicht erforderlich, ebenso wenig eine Spende, außer man wünscht das so.

"Der Ausbau der neuen Kanalabzweigung "Contorta" würde den wichtigsten Industrie- und Handelskanal "canal dei petroli" ins Zentrum der Stadt Venedig leiten. Der natürliche Schutz der La-
gune würde verringert und der Druck durch die vereinten Was-
sermassen durch die beiden größten Laguneneingänge, von Lido und Malamocco, erhöht. Unumkehrbare Konsequenzen wie noch häufigere Hochwasser, beschleunigter Verfall der Bausubstanz und Beeinträchtigung der Artenvielfalt und natürlichen Wider-
standsfähigkeit der Lagune wären die Folge. Wir wenden uns gegen die Ausbaggerung des Contorta Kanals, weil er Venedig und die Lagune schädigen würde. Wir verlangen die sofortige Rücknahme dieses Plans und die Prüfung und den Vergleich aller alternativen Vorschläge zur Führung des Kreuzschifffahrts-
verkehrs.
Wir betonen unsere Überzeugung, dass die Stadt Venedig zu-
ständig ist für eine Entscheidung, die ihre eigene Zukunft direkt betrifft und ihre Repräsentanten nicht länger wie unerwünschte Zuschauer behandelt werden dürfen."
Laguna sud bei Pellestrina
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7. September 2014

Planet Solar auf La Certosa


Reise der Planet Solar durch den Golf von Korinth...


Das sehr beeindruckende Solarschiff Planet Solar, das größte der Welt, hat Donnerstag das Ziel seiner diesjährigen Sommerforschungsreise erreicht, Venedig.

Es liegt für den Winter bis Mai 2015 in der Marina von La Certosa und sucht eine/n neuen EignerIn. Eine vielleicht einmalige Gelegenheit, einen Blick auf dieses außergewöhnliche Schiff zu werfen. 
In Zusammenarbeit mit Vento di Venezia werden Veranstaltun-
gen und möglicherweise auch Besichtigungen angeboten. Siehe auch Eintrag auf dem Venedig-Blog L'acqua bassa in Venedig.




Website Planet Solar
Website Clean Tecnica
Die Planet Solar auf AIS-Schiffspositionen




...und im Hafen von Nauplio


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3. September 2014

Eine Gondel in Amsterdam

Rijkmuseum Amsterdam
Hendrik Cornelisz Vroom 1566-1640
Rückkehr der 2. ostindischen Expedition
Ein kleiner Wochenendabstecher nach Amsterdam bringt die unerwartete Erfahrung: Das Verkehrskonzept 'Wasser' kann in der Praxis sehr verschiedene Formen annehmen.

Venezianische Kanäle bzw. rii sind vollwertige und stark fre-
quentierte Personen- und Lastenverkehrswege. Privatverkehr, ÖPNV, Wirtschaftsverkehr. Sie dienen dem Transport all dessen, was sonst auf Straßen bewegt wird. Brücken werden ausschließlich von FußgängerInnen benutzt.

  
Amsterdam hat vollwertige Straßen für den Personen- und Lastenverkehr, der sich in Venedig auf dem Wasser abspielt. Brücken werden von allen VerkehrsteilnehmerInnen, zu Fuß und auf egal wie vielen Rädern, benutzt. Und die Kanäle bzw. Grachten? Es gibt Transportboote, die ich aber nach einem knappen Wochenende nicht definieren kann. Flache Stadt-
rundfahrtboote für TouristInnen, mit und ohne Verdeck. Fest liegende Hausboote. Und dann: jede Menge Partyboote! An einem Freitag im August folgt zur Feierabendzeit ein Partyboot dem andern, offen, in allen Größen, mit oder ohne Musik, mit Bierfäßchen und Chips, Sektkühlern und Häppchen, Rotwein-
gläsern, Baguette & Käse, die Passagiere in Freizeitklamotten. Aber auch geschlossene Boote mit gedeckten Tischen, Kerzen, Blumenschmuck, Kellnern, aufgebrezelten Fahrgästen. Man hat den Eindruck, Amsterdam entspannt am liebsten im Boot.


Alles unvorstellbar in Venedig. Dort gibt es mit dem Verkehrs-
mittel Boot einmal im Jahr Party auf dem Wasser, dann aber richtig, jedes Wasserfahrzeug kommt zum Einsatz, wer keines hat, stellt Tische vors Haus und feiert an den Ufern. (Ich spreche vom Redentorefest und war noch nie dabei.) Hausboote wie in Amsterdam sind auf Venedigs engen und viel befahrenen Kanälen undenkbar, auch in der Lagune und an den Inseln habe ich noch kein Hausboot gesehen (die kleinen mobilen Touristenhausbooten sind kein Thema).  


In Venedig rauscht der Verkehr durch die Kanäle, in den Gas-
sen jenseits der rappelvollen touristischen Schwerpunkte bewegt man sich eher entspannt. In Amsterdam herrscht städtischer Straßenverkehr, die Grachten bieten die beschau-
lichere Art der Fortbewegung. 





Soviel zum Thema Wasser-
verkehr   als Vor-
rede zu einer vermutlich venezia-
nischen Gondel in Amsterdam. Gefunden auf dem Bild (siehe ganz oben), das die Rückkehr von 4 Schiffen der 2. Ostindienexpedition unter Kapitän Jacob Cornelisz van Neck am 19.7.1599 zeigt. Die Ostindienexpeditionen waren der Beginn der Niederländischen Ostindien Kompanie, deren wirtschaftlicher Erfolg auch beitrug zum wirtschaftlichen Niedergang Venedigs. Aber das ist ein anderes Thema.




Die amsterdamer Bevölkerung empfängt auf diesem Bild die Rückkehrer aus "Ostindien", Riesenauflauf von Ruder- und Segelbooten im Hafen, jedes voller Menschen, die um die 4 Handelsschiffe wimmeln. 
"Van Neck brachte fast eine Million Pfund Pfeffer und Nelken zurück, zusätzlich ein halbes Schiff voller Muskatnüsse, Zimt und Muskatblüte. Ein Gewinn von 400 %. Die Reisenden wur-
den ekstatisch in Amsterdam empfangen und in einer Parade begleitet von einer Trompetenkapelle durch die Stadt geführt, während alle Kirchenglocken läuteten." (Wikipedia, s.  Link o.)



Mitten unter ihnen eine einzelne Gondel mit Felze, die gerudert wird von einem stehenden Gondolier und einem zweiten sitzenden Ruderer. Nur wenige Menschen sitzen in der Gondel und ich stelle mir vor: hier sitzt der "venezianische Gesandte" in Amsterdam mit seiner Begleitung. Einer dieser Männer, auf die man in der europäischen Geschichte überall stößt, sei es Alvise Contarini beim Westfälischen Frieden, die lange Liste venezianischer Gesandter im Heiligen Römischen Reich oder die noch längere derjenigen in Konstantinopel

Natürlich nimmt er in seiner Präsentationsgondel an diesem historischen Ereignis teil, das Risiko der  wagemutigen See-
fahrer und der Kaufleute Amsterdams hat sich ausgezahlt, ein Bombenerfolg. Er als Venezianer ist da Experte, und er muss vor allem einen Bericht an die Serenissima liefern, einen dispaccio. Dieses Ereignis, die Öffnung der Ostindienroute, die Konkurrenz der niederländischen Handelskonvois, kann aus venezianischer Sicht kaum überbewertet werden. Also ist er dabei, ob er will oder muss.



Die Gondel sieht nicht aus wie eine heutige Gondel. Sie ist breiter und kürzer, Bug und Heck unterscheiden sich deutlich von der zeitgenössischen Gondel. Aber das dargestellte Boot stammt aus dem 16. Jahrhundert. (Siehe Eintrag "Eine wunderschöne Gondel" vom 7.7.2012.)
Vielleicht ist auch der Maler Vroom von der Darstellung dieses Boots überfordert, wenn überhaupt, gehört eine Gondola ja nicht zum täglichen Anblick auf den Grachten Amsterdams. 

Das denke ich mir beim Betrachten des großen Bildes von Hendrik Cornelisz Vrooms. Kann aber auch ganz anders sein, weshalb ich Andreas Götz, Experte in venezianschen Booten, frage. Über den Export venezianischer Gondeln im 16. Jahrhundert ist ihm nichts bekannt. Der Bootsbau sei bis ins 19. Jahrhundert immer sehr regional und an die Besonderheiten des jeweiligen Ortes angepasst gewesen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass man in einer internationalen Stadt wie Amsterdam eine Gondel präsentierte, präsentieren wollte. Oder Wert darauf legte, auf einem imageorientierten Bild eine Gondel zu präsentieren. Auch wenn man vielleicht gar keine hatte... 

Heute jedenfalls, sagt Andreas Götz, fährt eine original venezianische Gondel in Amsterdam.

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27. August 2014

Venedig 2014 - Kulturtermine im Herbst und Winter

Anschluss an die Kulturtermine des ersten Halbjahres 2014 - z. T. sind sie noch gültig bis Saison- oder Jahresende.

Die Liste wird laufend ergänzt.


Alle Fotos: Reste des venezianischen Kultursommers 2014

Einige venezianische Museen nehmen teil am Google Art Projekt: ist man fußsskrank, will in Ruhe besichtigen, keinesfalls im Pulk und/oder Details ranzoomen? Hier zum Beispiel: Dogenpalast, Ca' PesaroMuseo Correr,  Ca' Rezzonico.



Veranstaltungen im Rahmen der Architekturbiennale bis Ende November.
Siehe auch Bloglabel Biennale 2014

Ab 15.8. Filme in der Architekturbiennale. Gezeigt werden 22 Filme in voller Länge, die als Teil der Monditalia in kurzen Ausschnitten als Dauerschleife gezeigt werden. Gelegenheit, in außergewöhnlicher Umgebung herausragende, teilweise alte oder selten gezeigte Filme zu geniessen. Jeweils 16 oder 17 Uhr, in den Corderie des Arsenale.




Ausstellungen und Museen

Seit Januar 2014, verlängert bis 15.2.2015 Dogenpalast, Geschichte und Geschichten von Dogen und Dogaressen 

5.6.-23.11. Fondazione Querini Stampalia, Sonderausstellung über den venezianischen Architekten Carlo Scarpa "The Mark of Carlo Scarpa"

14.6.-30.11. Ca' Rezzonico Porzellan aus der Sammlung Marino Nani Mocenigo

12.7.-26.10. S. Marta (ehemalige Kirche) Night of Wonders, Ausstellung zum Horrorkonzert von Pink Floyd im Becken vor S. Marco am 15.7. 1989. Nicht, dass ich diese Ausstellung für wichtig hielte, sondern vielmehr ist der Innenausbau der entkernten Kirche wirklich interessant und sehenswert. (Siehe auch Eintrag vom 25.10.2009.) Gelegenheit zur Besichtigung unbedingt nutzen! (Haltestelle der Linien 4 und 5 S. Marta.)

7.9., Sonntag freier Eintritt im Archäologischen Museum und in den Prunkräumen der Biblioteca Marciana. Eingang nicht über das Museo Correr, sondern über die Tür Piazza S. Marco 17

13.9.-8.12. Casa Tre Oci, 2 Fotoausstellungen: Venezia si difende, zum 1. Weltkrieg in Venedig; und Lewis Hine - Building a Nation

14.9.-11.1.2015 Le Stanze del Vetro, Tommaso Buzzi at Veneni. Alle Glaskunst-Ausstellungen auf S. Giorgio Maggiore haben mich bisher sehr beeindruckt. Eintritt frei.

3.10.-8.3.2015 Palazzo Fortuny Winterausstellung: Luisa Casati

15.10.-2.11. Naturkundemuseum am Canal Grande, Abissi - Wettbewerb Unterwasserfotografie 

31.5.-4.1.2015 Ca' Pesaro am Canal Grande,  From Rauschenberg bis Jeff Koons  
21.11.-7.12., Ca' Pesaro am Canal Grande, Museum Calling Artist - Gianluca & Massimiliano De serio

28.8.-28.9. Lido und Isola di San Servolo, OPEN, jährliche Ausstellung zeitgenössischer Skulpturen im öffentlichen Raum

10.-14.9., Sacca Fisola, Festival delle Arti Giudecca

20.9.-19.1.2015 Peggy Guggenheim Collection am Canal Grande, AZIMUT/H. Continuity and Newness, weitere Guggenheim-Termine im Herbst/Winter
 
5.12.-15.3.2015, Museo Correr am Markusplatz, The Poetry of Light. Zeichnungen aus der National Gallery Washington 



Musik und Theater

Konzerte im Palazetto Bru Zane 27. und 28.9. Programm und Buchung; 2., 10., 16., 17., 25. und 2.10.; 15. und 27.11., 11.12.; 25.1.2015; 10. und 16.2.2015; 7.3.2015

Teatro La Fenice, Spielplan 2014/2015
Für Kurzentschlossene besteht die Möglichkeit, sich morgens an der Theaterkarte auf die Liste setzen zu lassen, um kurz vor der Vorstellung eine zurückgegebene Karte zu erwerben. Was auch finanziell ein Schnäppchen sein kann.


Theatro Marinoni (Ex-ospedale al mare auf dem Lido) Septemberprogramm
(siehe auch Eintrag vom 28.7.2012)

6.9., 20:00 Uhr, Kirche San Salvador, Hommage an Caterina Corner, Königin von Zypern. Konzert am Vorabend der Regata Storica. Werke von Vivaldi, Pergolesi, Porpora. Eintritt frei

8.9. 20:00 Uhr, Teatro La Fenice, Konzert zu Ehren des 90. Geburtstags von Luigi Nono

10.-14.9., Sacca Fisola, Festival delle Arti Giudecca
11.9., 17 Uhr, Villa Hériot, "Pueblo que canta, non morirá" Lieder von Kireg und Widerstand mit Margot Galante Garrone. Ein Konzert im Rahmen des Festival delle Arti Giudecca. Eintritt frei.

11.-23.9. Scuola Grande di San Giovanni Evangelista: Feierlichkeiten, Gottesdienste, Konzerte anlässlich der Feier der Kreuzeserhöhung in verschiedenen Lokaliatäten (siehe auch unter "Tradition"

14., 21., 27.9. Festival Galuppi 2014 Konzertpogramm (Torcello, Frari, Fenice)

20./21.9. und 3.-12.10. Biennale die Venezia, Festival Internazionale della Musica Contemporanea



Führungen und Workshops

Führungen in den Prunkräumen der Bibliotheka Marciana

Führungen im Palazetto Bru Zane - ich habe bei der ArtNight an einer Hausführung teilgenommen, sehr empfehlenswert!  

Führungen im Teatro La Fenice - ebenfalls sehr empfehlenswert, Karten können auch spontan an der Theaterkasse gekauft werden.

Führungen in der Ca' Fosari Universität (Siehe auch Eintrag vom 3.2.2013)

30.8. Naturschutzgebiet Ca'Roman, 20:00-22:30 Uhr, Zwischen Kröten und Fledermäusen, Führung auch für Kinder geeignet, Anmeldung erforderlich

Sept. 2014-Mai 2015 Termine der Führungen im Palazzo Loredan (Campo S. Stefano) Bericht Eintrag vom 17.3.13

10.-21.9. Festival delle Ville Venete, Programm.  Nicht in Venedig, sondern Kulturveranstaltungen verschiedenster Art: Führungen, Vorträge, Konzerte etc. in Villen des Veneto. 

16.9., 14:00-18:30 Uhr, zweite Kulturerbeführung im Arsenale. Schriftlichliche Anmeldung unbedingt erforderlich, da nur 40 Personen teilnehmen können.
(Siehe auch Eintrag vom 5.7.14 zur ersten Kulturerbeführung im Arsenale.

20.9. Europäischer Tag des Kulturerbes, Offene Tür im Arsenale. Programm

26.9. Villa Hériot, 10:30 und 17:00 Uhr Führungen im Rahmen von Venetonight
26.9. Universität Ca' Foscari, Programm Venetonight

27./28.9. Isole in Rete - Festival della Laguna Veneta, Inseln im Netz, der zweite Termin in diesem Jahr mit kostengünstigem Transport (3 €/Tag), breitem Angebot von Besichtigungen und  Führungen auf den Inseln der Laguna Nord (die Programme sind heute, 31.8., noch nicht online, aber sicher bald) und Verpflegungsmöglichkeiten für verschiedene Budgets. Sehr zu empfehlen. (Siehe auch Eintrag 'Isole in Rete' Mai 2014 und ältere Einträge zur Laguna Nord)




Tradition und Folklore

7.9. Regata Storica außerdem:  Programm und Tickets 

14.9. Scuola Grande di San Giovanni Evangelista Fest der Kreuzeserhöhung, feierliche Prozession mit der Reliquie des "Wahren Kreuzes"
16:00-17:30 Uhr Basilica dei Frari: Kreuzesanbetungsfeier, 17:30 Prozession von der Frari zu Scuola Grande di S. Giovanni


4./5.10. Stadtteilfest "GATARIGOLE" auf dem schönen Campo S. Giacomo dell'Orio. Musik, Kunst, Poetry Slam, Kinder. 

11.10. Festa del Mosto auf Sant'Erasmo mit Essen, Musik, Regatta, Kinderprogramm, Verkauf von Gemüse etc., zu erreichen mit Linie 13 von Fondamente Nove. Das ist der Termin, aber bisher noch kein Hinweis im Internet. Im letzten Oktober wurde die Festa wegen Dauerregens am geplanten Termin um eine Woche verschoben.

21.11. Festa della Salute, lange Öffnung der Kirche bis spät in die Nacht auch in den Tagen davor. Feierlicher Gottesdienst mit Patriarch am 21.11.; nicht verpassen: köstliche Fritelle mit Zitronenzucker auf dem Süssigkeitenmarkt hinter der Kirche. (Die in diesem Video aber nicht vorkommen.)

1.12.-6.1.2015 Inverno veneziano. Ist nach Einstellung des Weihnachtsmarktes ein kleines Angebot in der Zeit zum Jahresende. Schlittschuhlaufen auf dem Campo S. Polo ist z. B. enthalten und Sylvester auf dem Markusplatz. Das Programm ist noch nicht veröffentlicht. 



Nicht vergessen: jeden 1. Sonntag im Monat
freier Eintritt in staatlichen Museen!


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19. August 2014

La Certosa - die Insel der Bauzäune

Klosterruine La Certosa
Im Juni machte ich wieder eine Runde über die Insel La Certosa, die ich nach dem Tornado am 6. Juni 2012 nicht mehr besucht hatte. Mit ausgesprochen gemischten Gefühlen.

In meinem ersten Eintrag über La Certosa vom September 2010 ging es ausschließlich um das damals neue Projekt "Urban Park 2015". Dieses Projekt scheint erledigt. Schöne Best-Practice-Idee, wahrscheinlich einige Projektmittel kassiert, Ergebnis ist und bleibt bisher das mit Photovoltaik betriebene Servicehaus für die Marina mit Sanitäranlagen, Wasch- und Trockenmaschinen etc.. Der hochfliegende Plan von energetisch autarker Insel, Wiederbelebung alter Techno-
logien, Wasserspeicherung, Abwasserbehandlung etc., siehe alter Eintrag, fand keine weitere Realisierung, mit meiner hoffnungsfrohen Einschätzung noch 2012 lag ich völlig daneben. 



Begehbare Kunstinstallation von OperaBosco,
Verflechtung von lebendem Rohr mit totem Holz 
Auch auf der "Parco della Certosa"-Website der Stadt Venedig und Vento di Venezia sieht man: über Juni 2011 gehen Berich-
te nicht hinaus. Wurden die Öko-Pläne ausgetauscht gegen eine pragmatischere (und gewinnsichernde) Nutzung? Das war ein ganzes Jahr vor den Verwüstungen durch den Tornado. 


Von 2011 gibt es einen Projektwerbefilm:

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Die Schäden des 12.6.2012 waren öffentlich gut zu besich-
tigen im Vergleich des Updates von Googlemaps von 2013 und der älteren Vor-Tornado-Karte von Bingmaps. Man erkennt die Waldschäden und eindeutig den entwurzelten Baum im ehema-
ligen Klosterhof bei Google, bei Bing steht er noch in voller Pracht. Im April 2012 hatte ich noch ein Filmchen aufgenom-
men und mich dabei unter den tief hängenden Ästen dieses Baums durchgequetscht. Die Zerstörung 2 Monate später war unvorhersehbar, aber aus heutiger Sicht und im Ergebnis vielleicht gar nicht so unwillkommen. Damals war ich schon der Laienmeinung, dass die Ruinen kaum zu retten seien, aber die Naturgewalt kann man im Falle von Kritik am folgenden Total-
abriss ganz praktisch vorschieben. Eintrag vom 19.6.2012, mein Bericht über La Certosa im April 2012.


Das Video von 2013 unten zeigt die Schäden, vor allem den Verlust hoher alter Bäume deutlich. Zu sehen sind aber auch militärische Ruinen aus der Zeit der österreichischen Besatz-
ung, ein erster Schutthaufen und die armseligen nackten Reste der Klosterruine, die vor dem weiteren Abriss von der Umklammerung des Dickichts befreit wurde.




Im Juni 2014 also stand ich dann doch einigermaßen fassungs-
los vor Bauzäunen, die die gesamte nördliche Hälfte der Insel plus den Westen der südlichen Häfte möglichst blickdicht abschirmen sollen (was natürlich nicht gelingt). Bagger und Räumgeräte sind ohnehin zu groß und zu laut, um sie zu ver-
stecken. Die Gebäude im Osten der südlichen Hälfte haben keinen Schaden genommen bis auf den Wasserturm, der früher neben dem Hotel stand, jetzt nicht mehr. Die Mitte der Insel scheint wie rasiert, auch vom Wasser aus kann man die hohe Schutthalde und die gerodeten Flächen sehen, beide wachsen seit Monaten, habe ich mir sagen lassen.


Mirabellen
Ich stärke mich im Hotelgarten mit einem Cappuccino und einem Croissant (die in Venedig Brioche heißen und in der Bar des Certosa Hotels einzigartig zart sind, ein Wölkchen aus Blätterteig!) und starte dann die Inselrunde.

Die Marina ist weiter gewachsen. Es liegen hier mittlerweile nicht nur große Segelyachten, sondern auch sehr große Motoryachten, und der Laden scheint voll zu sein. Im hinteren Bereich der Liegeplätze gibt es neue Sanitärgebäude, eine Kindersegelschule und Fahrräder für die Fahrt zum Restaurant. Entlang des Kanals zur Insel Le Vignole sieht alles aus wie zuvor, keine Waldschäden, aber als ich rechts abbiege zur Düne im Zentrum der Nordhälfte, die früher von hohen Bäumen eingefasst war, ist der Wald buchstäblich leer gefegt. Statt dessen große Stapel von klein gemachtem Holz und überall wieder Nachgewachsenes. Es ist ein wunderbarer Morgen auf dieser kleinen Insel in nächster Nähe Venedigs, große und laute Vogelkonversation, interessante Vegetation im Kleinen, Proviant im Angebot in Form von etwas unreifen Reineclauden und einer Art Mirabellen (überreif und eigentlich zu früh), Sonne scheint warm, Eidechsen flitzen, die Baumaschinen sind hier nicht zu hören. Hier soll künftig ein kleines Stück Wald erhalten werden, aber man wird es wohl nicht mit dem früheren Dschungel der Certosa vergleichen können.


Werke von OperaBosco
Krokodile am Strand
Die Umwelt-Künstlergruppe OperaBosco hat hier Anfang Juni eine dauerhafte Ausstellung installiert "nasce e rinasce", deren Exponate natürlich im Lauf der Zeit verrotten werden, die aber jetzt noch frisch und ihre Arbeitstechniken gut erkennbar sind. Ich sitze eine Weile im Halbschatten am Strand zwischen den Krokodilen, nachdem ich herausfinde, dass auch hier, am Tor der Mauer, die Nord- und Südhälfte der Insel trennt, der Bau-
zaun zwar nicht wirklich blickdicht ist, aber unbefugtes Betre-
ten der Riesenbaustelle wirksam verhindert. Und damit auch die komplette Umrundung der Insel. Ich wandere also zurück durchs Gehölz zur anderen Seite des Bauzauns, suche Guck-
löcher und sehe dann aus einiger Entfernung die letzten Reste der Klosterruine, es kann sich nur noch um Tage handeln, bis hier alles endgültig platt ist. 


Ebenfalls aus dem Juni stammt ein neues Werbefilmchen, siehe unten, mit einer 3-D-Darstellung des Karthäuserklosters. Nach vollendetem Abriss der Anlage kann man sie nun im www bewundern. Die Information, dass "der zentrale Klosterhof" bereits in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Veranlassung von Prinz Carl von Preußen abgebaut und im Park von Schloss Glienicke wieder aufgebaut wurde, ist mir neu. Das werde ich mir beim nächsten Besuch in Berlin ansehen. 



Der Steinhaufen, der einmal die Klosterruine war, bleibt in diesem Film unkommentiert, ebenso wie die Geröllhalde der bereits abgerissenen Gebäude, die auf der Googlemaps-Einspielung zu sehen ist.

Die Bauzäune tragen Planen, auf denen die "Wiederbelebung" und künftige Nutzung der Insel erläutert werden. Von einem Bürgerbeteiligungsverfahren ist das weit entfernt, aber immer-
hin etwas Information. Erstaunlich finde ich, dass hier der Abbau von unterschiedlich kontaminierten Böden (Folge der militärischen Nutzung) angekündigt wird. Im ursprünglichen Plan von "Urban Park 2015" war keine Rede von kontaminierten Böden, trotz des hohen ökologischen Anspruchs. Das lädt zu Spekulationen ein, die ich mir lieber verkneife. 


Sagen wir bis auf Weiteres mal: das Leben geht weiter. Für den Sommer 2014 wurde ein 10tägiges Freiwilligencamp auf der Insel ausgeschrieben (ob es stattfand, weiß ich nicht), für Aufgaben in der Umweltsanierung und Umweltbildung. Es be-
darf sicher mehr als eines Camps auf der Wiese der kleinen Umweltbildungsstätte der Certosa, die bisher Ziel von Klas-
senausflügen ist.

Seit diesem Sommer kann man solar angetriebene Boote in der Marina mieten. Das würde mir gefallen, faul mit Sonnenenergie durch die Lagune gondeln. Es sind Schritte zur "Wiederbele-
bung" der Insel zu einer neuen, erweiterten touristischen Nutzung. Denn bei allen Beteuerungen, die neuen Strukturen der Certosa dienten auch der Lebensqualität der veneziani-
schen Bevölkerung, läuft die Sache letztendlich auf eine wei-
tere touristische Zielgruppe hinaus, die der auf dem Wasser mobilen. Und natürlich nicht mit kleinem Budget, wenn auch nicht ausdrücklich in der Luxuskategorie wie z. B. S. Clemente in der südlichen Lagune. 



Plane am Bauzaun
Aber die Venezianer haben La Certosa eigentlich schon abge-
schrieben. Ältere VenezianerInnen berichten nostalgisch von sonntäglichen Familienausflügen, auch als Freundesgruppen oder Paare, per Boot auf die verlassene Certosa. Mit Pick-
nicks, Strand- und "Dschungel"leben. Damit sei es schon lange vorbei, und mit den neuen Planungen erwartet niemand mehr einen bürgerfreundlichen Inselpark. Eher das Gegenteil davon.


Warten wir ab, was sich in den nächsten 10 Jahren entwick-
elt. Am 27. September tritt SKA-J (meine venezianische Lieblingsband!) im Rahmen der Feiern zum 30jährigen Bandju-
biläum auf der Certosa auf, Skardy vs. Furio. Das ist doch schon mal EIN freundlicher Blick in die nahe Zukunft. 





9. August 2014

Wenn das Gerüst fällt...

Fondaco dei Tedeschi - derzeit noch hinter Gerüst und Plane mit Fassadenaufdruck
... gibts schon mal eine Überraschung. Ich hoffe das Beste aber erwarte das Schlimmste für den Tag, an dem das Gerüst des Fondaco dei Tedeschi niedergeht. Und es wird nichts zu verheimlichen sein, denn es wird ja ein "Kaufhaus" im weite-
sten Sinne, wir dürfen alle rein. 


Ich zeige hier Fotos von 4 Fassaden, deren Renovierung gerade abgeschlossen wurde und hinter die wir leider nicht sehen dürfen. Die mich, offen gestanden, nicht umhauen, aber das war auch sicher nicht beabsichtigt. Vermutlich sind die Restriktionen der Bau- oder Denkmalbehörden in Venedig streng, wenn auch vielleicht nicht unumgänglich, wenn man das mal so sagen darf. Aber ein bisschen weniger schlicht bzw. mutiger dürften die BesitzerInnen und Verantwortlichen schon sein. 


Mietshaus S. Basilio, Dez. 2006
Das große alte Miets-
haus an der Halte-
stelle San Basilio fiel mir seit Jahren auf, weil es äußerlich einen brutal herun-
tergekommenen Eindruck machte. 


Es war von einer verwilderten Schön-
heit mit seinen dun-
kelgrünen Fenster-
läden in weißen Steineinfassungen und dem gescheckten abgeblätterten Putz in verschiedensten Ockertönen. Soviel Charakter kann man nur bewundern, aber meine Phantasien, wie eine Renovierung dem Erhalt des Hauses
und der Schönheit dienen könne, führten leider zu keinem Ergebnis. 


11. Oktober 2013

25. Oktober 2013
Als im letzten Oktober das Gerüst aufgestellt wurde, war ich hochgespannt und musste dann im Juni leider feststellen, dass die Fach-
leute auch nicht schlauer waren als ich. 

Juni 2014

LANGWEILIG! Chance vertan! Na gut, die wunderbare Struktur der Fassade, der Rhythmus der Fensteröffnungen kommen weiterhin zur Geltung. Aber weiß?! In Venedig? Vielleicht, weil das sonst niemand hat...? Untenrum ist es noch nicht fertig, und im Juni waren gerade die beiden Seiten und die Rückseite eingerüstet, aber was soll da noch kommen. Die Farbe und die Rahmung der Fenster - vorbei! Schönheit besiegt von Schniegeligkeit. Ach!





Scuola del SS. Crocifisso oder di S. Marcula,
alle Fotos Juni 2011, klicken zum Vergrößern
Juli 2013

Die alte Scuola del Santissimo Crocifisso hinter  der Kirche San Marcuola ist offensichtlich seit vielen Jahren geschlossen. Wobei man nie weiß, ob bei verrammelten Haupteingängen sich nicht hinter Nebeneingängen doch was tut. Aber es gab in den letzten 10 Jahren zumindest nie eine Ausstellung oder dergleichen. Im Internet findet sich nicht viel, siehe Link oben. An der rechten Ecke befindet sich ein kleines Denkmal mit der Jahreszahl 1668, das ist ein Jahr, bevor Venedig die Insel Candia (Kreta) endgültig an die Osmanen verlor, nach beispielloser 25jähriger Belagerung der Hauptstadt Candia, heute Iraklion. 





Scuola del SS. Crocifisso ge- und verputzt, alle 3 Fotos vom  Juni 2014
Das Gebäude ist stabil und nicht heruntergekommen. Ich fand es im Juli 2013 eingerüstet und es wurde offensichtlich be-
scheiden renoviert. Aufgrund des Anstrichs ist jetzt (für mich) erkennbar, dass es mit einigen Nachbargebäuden ein Ensemble bildet. Deshalb fiel mir auch jetzt erst auf, dass es auch mit dem dahinter stehenden Haus über einen Durchgang auf dem 1. Stock verbunden ist. Es steht zu hoffen, dass das Gebäude wieder genutzt wird (und ich es bald von innen sehen kann). 



Ca' da Mosto, Mai 2006
Dass die Renovierung der Ca' da Mosto am Canal Grande in Arbeit genommen war, merkte ich im Juni 2013 mehr oder weniger zufällig und schrieb einen Eintrag darüber im September


Ca' da Mosto, Oktober 2013
 Und schon scheint die Sache fertig zu sein, zumindest wenn man per Vaporetto geschwind daran vorbei geschippert wird. Ist dann aber doch nicht so, eher ein bisschen vorne hui und hinten pfui. Oder es dauert halt noch, bis der Sottoportego fertig ist, die Rückseite und die Etagen, und überhaupt das Haus wieder genutzt werden kann, wenn es denn wieder ge-
nutzt werden soll.
Man weiss es einfach nicht...weiß ist das Stichwort, auch hier ist der Anstrich weiß oder weißlich, seltsamerweise, oder sitzt gerade jemand im Denkmalschutz, der/die auf weiß steht? 


Ca' da Mosto Juni 2014
Tja. Schön geworden, sieht proper aus, die Friese, Patere, Wappen und Reliefs wurden verschont vom weiß und ver-
mutlich auf dem neuesten Stand der Wissenschaft dauerhaft stabilisiert, was man nicht hoch genug schätzen kann. Jeder kann jetzt auch mit einem Blick sehen, dass das Haus ursprünglich aus 2 Etagen bestand, wie alle frühen veneto-byzantinischen Wohn- und Handelshäuser entlang des Canal Grande. Die beiden oberen Etagen wurden nachträglich aufgesetzt, und zwar in verschiedenen Jahrhunderten, das wird durch die Renovierung ehrbar-sichtbar. Schade finde ich auch hier, dass die Rahmung der Fenster als gestaltende Struktur wegfällt. Und bin gespannt, wie es weitergeht mit der Ca' da Mosto.




Palazzo Soranzo van Axel, Vorder- und Hinterbau, Juni 2009, kurz vor dem Baugerüst
Das Gerüst ist runter beim Palazzo Soranzo van Axel, aber auch im 5. Jahr des Umbaus und Verkaufs in Einzelappart-
ments ist die Sache nicht abgeschlossen, der Baukran steht und arbeitet noch. Im August 2008 schrieb ich einen Eintrag, nachdem ich dieses großartige Haus 2007 besuchen konnte. 2009 stand das Gerüst. Bei jedem Besuch in Venedig habe ich seitdem nachgesehen, was man eben so sehen kann, auf jeden Fall war die Baustelle immer aktiv. 
Oktober 2013
Juli 2011

Im Juni hat mein altes Adlerauge jetzt die Überraschung erspäht: ein winziger Rest eines bunten Freskos unter dem gotischen Fenster des Eingangsturms! Das ist ein Ding. Im Haus selbst gibt es teilweise Stuck, aber ich kann mich nicht erinnern, Fresken gesehen zu haben. Und nun aussen. Ich stelle mir den gesamten Palazzo außen bunt bemalt vor, vor allem die beiden Innenhöfe! Was für eine Pracht wäre das gewesen!





Wir wissen ja von Darstellungen des 15. und 16. Jahrhunderts, dass (in der Salzluft leicht verderbende) Fresken zum Außen-
schmuck venezianischer Häuser gehörten (z. B. Bellinis "Wunder der Kreuzesreliquie"), wir wissen, dass die jungen Maler Tizian und Giorgione den Fondaco dei Tedeschi mit Außenfresken schmückten, von denen Reste in der Ca' d'Oro und im Palazzo Grimani aufbewahrt werden. Und vereinzelte Reste sind im Stadtbild erhalten, z. B. im Hof der Ca'Foscari, z. B. an einem Gebäude gegenüber von S. Stae am Canal Grande. Sie sind blass, aber man kann sie gut sehen, wenn man mit dem Vaporetto daran vorbei fährt. Aber dieses Fizzelchen Fresko war vor der Renovierung nicht zu sehen, von mir jedenfalls nicht. 



Auch der Palazzo Soranza van Axel ist verdächtig blass, vielleicht wird Venedig im Laufe der Restaurierungen des 21. Jahrhunderts immer weißer? Das werde ich kaum erleben, aber über die Fertigstellung des Soranzo van Axel werde ich hoffentlich bald berichten können. 


Frescorest unter dem Fenster


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3. August 2014

Werkbund - Ausstellung im Palazzo Tron

Modell GRAFT
In einem Beitrag zur Architekturbiennale klagte eine Bloggerin, sie hätte "Modelle" vermisst. Sind vielleicht wirklich nicht mehr der Mainstream, aber z. B. die Griechen und Ungarn haben sehr hübsche im Angebot; die Modelle der Parlamentsgebäude, die Österreich an die Wände gepappt hat, sind vermutlich nicht gemeint. 

Tolle Modelle zu besichtigen gab es in der leider bereits beendeten Ausstellung "This is modern" des Deutschen Werkbunds im Palazzo Tron, einer der Sitze der Universität IUAV, Fakultät für Architektur. 25 deutsche Architekturbüros waren um Vorschläge für einen neuen Nationenpavillon für Deutschland gebeten worden.

Das Nationenkonzept der Biennale wird im Kunstbereich seit längerem kontrovers diskutiert. Die Selbstdarstellung Deutschlands durch die Architektur des Pavillons Germania weckt geradezu Leidenschaften. Aus meiner Sicht gehört Architektur zur Kulturgeschichte und ist damit auch ein wich-
tiges Medium der historischen Orientierung und politischen Auseinandersetzung. Teile deutscher Geschichte noch im 21. Jahrhundert zu verschweigen, vertuschen, leugnen und im Falle von Architektur abzureißen ist natürlich indiskutabel. Unabhängig davon über einen Neubau nachzudenken (Australien baut gerade neu, warum, weiß ich nicht. Der alte Pavillon mit dem "Keller"raum gefiel mir gut.) und Ergebnisse zu präsentieren ist legitim und das Ergebnis hat zum Teil überrascht, war auf jeden Fall eine spannende Ausstellung. 



Blick aus dem Wassertor der Ca'Tron auf das Apartment Richard Wagners 
Der Besuch der Ca'Tron und ihres Gartens (aus dem man mehr machen könnte) als Uni-Gebäude ist eigentlich auch ohne Ausstellung möglich. Der Aufbau der Modelle im geräumigen Androne genau gegenüber dem Seitentrakt der Ca'Vendramin-Calergi, bei weit geöffnetem Wassertor, war allerdings schon sehr beeindruckend. Hier gab es Modelle satt und detaillierte Beschreibungen der Planung - keine Computermonitore, keine Videowände.
In einem der Seitenräume konnte man Veröffentlichungen des Werkbundes (und Ausstellungsplakate etc.) erwerben, sich mit freundlichen jungen RepräsentantInnen unterhalten; außerdem gab es jede Menge Werbematerial, Imagebroschüren etc. von Sponsorfirmen kostenlos. 

Ein Teil der Vorschläge beruht auf Neubauten, die ich schon erstaunlich finde (z. B. die palladianische Inspiration von Uwe Schröder oder der Hammer von GRAFT, die dezentere, klare Struktur von A&P, der Bunker von Kleihues). Die meisten Wettbewerber arbeiten mit dem alten Gebäude und lassen sich z. T. schöne Sachen einfallen (wie die Treppen- und Dachidee von Grüntuch, die Säulen von Dudler, Säulen & Dach von Patzschke


Mein Favorit von hps, tschoban, voss
Mein Favorit ist die geniale Idee von nps tschoban voss: Entkernung des alten Pavillons und Entfernung des Daches sowie dschungelmäßige Innenbepflanzung der "Ruine". Schrä-
ger Aufsatz einer gläsernen Schachtel für die Ausstellungen + gläserner Altana, die beide einen grandiosen Blick über das San-Marco-Becken und die Inseln erlauben. Das würde ich schon gerne erleben.


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