20. April 2014

Ostern 2014 in Venedig



Video von Philippe Apatie

Dieses schöne Video aus S. Pietro di Castello ist die eine Seite des österlichen Venedig.

Die andere Seite ist: Venedig ist überfüllt. An diesem langen Osterwochenende, am kommenden langen Wochenende mit dem nationalen Feiertag der Befreiung am 25.4. und dem danach folgenden Wochenende des 1. Mai.

Der Gazzettino titelt "Touristen stürmen Venedig. Schlangen vor den Museen, Transport k.o."
Voce di Venezia schreibt "Venedig gestürmt durch Touristen,  Fortkommen zu Fuß oder per Vaporetto unmöglich".
VeneziaToday: "Venedig bei schönem Osterwetter im Sturm genommen..."

8. April 2014

Riva di S. Biago: SS Belem zu Besuch


Foto: Belem, lizenzfrei bei Wikipedia
Ein schönes altes Segelschiff mit langer Geschichte, jetzt unter französischer Flagge als  "Belem", einstmals im Besitz der Fondazione Cini als "Giorgio Cini", liegt über die Osterferien vom 18. bis 28. April an der Riva di S. Biago (Arsenalebrücke) und lädt zum Besuch ein. Tickets können auch online gekauft werden, siehe link unten.

Führungen gibt es zum Eintrittspreis von 6 € am 19., 20., 21. und 26. April. Am 27. April liegt das Schiff in der Darsena Grande des Arsenale, venezianische BürgerInnen dürfen es kostenlos besichtigen.

Details und Öffnungszeiten


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6. April 2014

San Giorgio Maggiore 2014

Blick vom Campanile S. Giorgio M. zur Giudecca
Die Insel San Giorgio Maggiore bietet anspruchsvolle Kultur mit ihrer (ganztägig) geöffneten Palladiokirche, dem Campanile (kostenpflichtig), Mittagspause von 12:30-14:30 Uhr, den Klosterführungen werktags stündlich ab 10:15 bis 12:15 und 15:15 bis 17:15 Uhr, den Bibliotheken der Fondazione Cini geöffnet werktags von 8:30 bis 16:30 Uhr, den Führungen durch die Fondazione Cini an den Wochenenden (Kosten), den Kunstausstellungen in verschiedenen Räumlichkeiten entlang des Ufers der Marina (in der Regel kostenfrei) und den neuen "Stanze del Vetro" (kostenfrei), die zeitgenössische Glaskunst zeigen. 

Darüber hinaus werden immer wieder Konzerte, Lesungen, Performances der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die im Rahmen von Seminaren, Workshops o.ä. auf der Insel in den ehemaligen Klosterräumen (nicht in der Kirche!) stattfinden. Die Veranstaltungen werden angekündigt auf der Website der Stiftung Cini und in den Schaukästen eingangs der Insel, z. T. auch auf Plakaten in der Stadt. 

Und mit richtig viel Glück hat man während eines Venedig-Aufenthalts sogar die Chance, eine Abendveranstaltung im Teatro Verde im Park der Insel zu erleben,  der Gipfel einer romantischen Sommernacht in Venedig, vermute ich.



Aktuelle Veranstaltungstermine (werden monatlich ergänzt)
Bibliotheken
Wochenendführungen (wichtig: während geschlossener Veranstaltungen am Wochenende werden die Führungen ausgesetzt. Bitte die Termine auf dieser Seite beachten.)
In den Führungen sollten unbedingt die Besichtigung des 'Cenacolo', des Speiselsaals des Klosters, enthalten sein und auch die Terasse, von der das Borges-Labyrinth zu besichti-
gen ist. Man sollte auch nach der 'Sala delle fotografie' fragen, rechts neben dem Speisesaal gelegen, mit einer sehr interessanten Ausstellung über die historische Entwicklung der Insel, vor allem im letzten Jahrhundert. Wird gerne ausge-
lassen, weil sie den Zeitplan der Führung überstrapaziert.

Le Stanze del Vetro 2014

Ergänzung 09.04.2014: Artdaily: Le Stanze del Vetro
 
Weitere Blogeinträge zu San Giorgio Maggiore

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29. März 2014

Vaporetto Fahrpläne Sommer 2014

Ab 1. April 2014 gelten in Venedig die ÖPNV Sommerfahrpläne.



Der Sommer fängt schon mal gut an mit einem 24stündigen Streik des ÖPNV Freitag, 4. April. Der letzte Streik ist nicht lange her, siehe dazu die Hinweise auf Ausweichmöglichkeiten vom 19. März.

Fahrpläne Vaporetti inkl. Fahrpläne der Autofähren Tronchetto-Lido S. Nicolò und zurück sowie der Buslinien auf dem Lido ab Vaporetto-Anlege Santa Maria Elisabette, kurz SME (PDF 25 Seiten, Fahrpläne erhält man an den wichtigsten Haltestellen, z. B. am Tronchetto oder am Piazzale Roma, man kann sich aber auch den Plan ausdrucken.)
Neu eingeführt werden zum 1.4. auf einigen Linien zwei verschiedene Servicequalitäten, der Basis-Service und der "weiche" Service. Betroffen sind die Stadtumrundungslinien  "Giracitta", vor allem die Linien 4.1/2 und 5.1/2, die immer häufiger von Reisegruppen benutzt werden, deren Dienstleister die bequemeren Gruppentaxis einsparen wollen. Die Vaporetti sind dann natürlich mehr als vollgestopft. Angepasster Fahrplan der Giracitta-Linien. Und angepasst an die Giracitta-Änderungen die Buslinien auf dem Lido. Erfreulich ist die Verlängerung der Fahrten in den späteren Abend, schlecht die Ausdünnung des Taktes. Aber jede/r erfahrene OPNV-NutzerIn kennt die Marketingsprüche, die eine Anpassung an die Kundenbedürfnisse versprechen, in Wahrheit aber nicht den Service, sondern die Kostenstrukturen verbessern sollen. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, wenn das Gegenteil der Fall sein sollte.


Fahrpläne der Bus- und Tramverbindungen zwischen Venedig und dem Festland

Linienplan Venedig und Laguneninseln  (Geduld, PDF dauert ein bisschen)


Quelle dieser Informationen: www.actv.it
Blog-Eintrag IMOB=Venezia Unica vom 25.8.2013


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22. März 2014

Narren im Veneto

Ein Online-"Refenderum" mit dem Ziel der Unabhängigkeit des Veneto von Italien und der Wiedergeburt der Republik Venedig fand in dieser Woche statt unter nur geringer medialer Aufmerksamkeit. Die dann auch unter dem Stern des Krim-Referendums noch matter war und mit anderen Unabhängigkeitsbedarfen in Europa geteilt werden musste.

Im wohlhabenden Norden Italiens gibt es diese nationalistische Abgrenzungsbewegung schon länger, sie ist rechtspopulär und bezweckt die Entsolidarisierung gegenüber den ärmeren Landesteilen, dem italienischen Staat, den MitbürgerInnen. 

Ich verlinke einige Berichte zum Thema:

Neue Zürcher Zeitung, 17.3.: Ruf nach Unabhängigkeit
The Guardian, 17.3.: Venice goes against Rome...
Global News, 17.3.: Europe's other referendum?
Stimme Russlands, 17.3.: Venedig stimmt über Unabhängigkeit von Italien ab
Stern, 18.3.: Venedig ist nicht die Krim
NachDenkSeiten, 19.3.: Online-Referendum in Veneto: Ende der Solidarität 
Corriere del Veneto, 21.3.: In mille dichiarano l'indipendenza...
Mail online, 21.3.: Venice votes to split from Italy...
Neue Zürcher Zeitung, 22.3.: Zwei Millionen für Unabhängigkeit
Spiegel online, 22.3.: Test-Referendum: Venezianer stimmen für Loslösung von Italien

Es gilt das schöne Zitat "Jeder hat das Recht, einen Narren aus sich zu machen." (aus dem Film 'Harold and Maude' von Hal Ashby). Vielleicht sollten wir hier in Bonn und Köln aus der derzeitigen Föderation austreten und uns irgendwie wieder dem Römischen Reich anschließen, ist ja noch nicht soo lange her. Und uns narrenmäßig mit dem Veneto zusammentun, ganzjährig.

Ergänzung 03.04.2014:

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15. März 2014

19.3. Streik des ÖPNV

Dieser Plan ist der Ausdruck des PDFs unter dem Link 'Tagesfahrplan',
unten, der sich allerdings extrem langsam aufbaut.

Der 24-Stunden-Streik findet landesweit statt. Der Transport zu und von den Arbeitsplätzen morgens und nachmittags ist sichergestellt, ebenso die Anbindung der Inseln. TouristInnen sollten einen Fusswegetag einlegen und für die Fahrt zum Flughafen die Dienste von Alilaguna, Wassertaxis und Taxis (ab Piazzale Roma, auf Bestellung auch S. Basilio) in Anspruch nehmen. 

Tagsüber gibt es in größeren Abständen Verbindungen der Linie 2 von S. Zaccharia zu den Inseln S. Giorgio Maggiore und Giudecca (bis Zitelle) und zurück sowie von Zattere nach Palanca  und zurück. Zur Vermeidung unkalkulierbarer Warte-
zeiten sollte man sich trotzdem am Mittwoch auf seine Füsse verlassen.



Streikinformation ACTV
Tagesfahrplan am 24-Studen-Streiktag

Links zu aktuellen regulären Fahrplänen bis 31.3., zum 1. April werde ich die neuen Fahrpläne auf  den Blog stellen. 

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3. März 2014

Scuola di Sant' Orsola


Die ehemalige kleine Scuola di Sant' Orsola, die Vittore Carpaccio mit dem Bilderzyklus der Hl. Ursula (heute in der Accademia, Saal 21) ausstattete, wird in Kunstreiseführern als "nicht erhaltener Anbau an SS. Giovanni e Paolo" aufgeführt. Wenn überhaupt!

Im Oktober 2013 habe ich ein bisschen zu Carpaccio recherchiert, die Neugier führte von einem Buch zum näch-
sten, mehr Informationen werfen mehr Fragen auf, ich werde ungeplant schlauer und bekomme Antworten auf Fragen, die ich ursprünglich gar nicht stellte. Das Gebäude der Scuola di Sant' Orsola erweist sich für mich überraschend als erhalten.


Viele Gebäude in Venedig sind in über 1000 Jahren entstanden, haben sich verändert oder sind verschwunden. Aber vor allem sind viele Gebäude erhalten aus dieser langen Zeit, in unter-
schiedlichen Qualitäten und in über die Jahrhunderte wech-
selnden Verwendungen. Gerade im letzten Jahrhundert fand ja ein umfangreicher Wechsel in der Nutzung von großen Strukturen statt, der sich fortsetzt und verstärken wird. Paläste werden einerseits erhalten als Museen (z. B. Grimani) oder Ausstellungsräume (z. B. Corner della Regina), oder als Hotels überall in der Stadt, auch ehemalige Industrieanlagen (z. B. Molino Stucky), Inselklöster (z. B. S. Clemente),  aber andererseits eben ungeniert verkauft an italienische Konzerne, international vernetzt, denen der Sinn nicht nach Denkmal-
pflege, sondern Gewinn steht, siehe z. B. der Fondaco dei Tedeschi).


Da ist die Hütte, angebaut an SS. Giovanni e Paolo, zum Glück außen vor und nicht in Gefahr, ein Spekulationsobjekt zu wer-
den! Und obwohl nicht viel zu sehen ist, und sowieso nur von der Rückseite, denn die Vorderseite am Campo SS. Giovanni e Paolo hat mittlerweilde einen querstehenden Anbau, ist sie interessant füt einen Blogeintrag. 


Gegründet wurde diese "Bruderschaft zur Verehrung der Hl. Ursula" am 15.7.1300 und unter den Schutz der Heiligen Dominik, Petrus Märtyrer und Ursula gestellt. Ihr Zweck war weder die Vereinigung einer Berufsgruppe, noch die einer ethnischen Minderheit (Carpaccio gestaltete ja auch die Bruderschaftshäuser der Dalmatiner und der Albaner), noch die einer speziellen Caritas, sie diente einfach nur der nachbar-
schaftlich-sozialen und religiösen Zusammengehörigkeit. Die erste Mariegola, also das Statut der Bruderschaft, erlaubt die Mitgliedschaft von Bürgern und Adeligen, Männern und Frauen auf der Basis, dass es laut der Hl Schrift  "gut und freundlich ist zusammen zu leben und demütig in der Liebe Gottes". 



Zunächst nutzten die Mitglieder wohl SS. Giovanni e Paolo, die Kirche, die die Dominikaner neben ihrem bereits existierenden Kloster ab Mitte des 13. Jahrhunderts bauten (siehe erster Link oben). Nach sieben Jahren errichteten sie auf dem dama-
ligen Friedhof der Dominikaner, der von einer Kirchhofsmauer entlang der heutigen Salizzada SS. Giovanni e Paolo geschützt war, ihren Anbau an die Kirche, quasi als externe Fortsetzung der fünf Apsisräume, sozusagen Nummer sechs. 


Es gab "Pacht"vereinbarungen mit den Dominikanern, die häu-
figer zu Differenzen führten und z. T. das Eingreifen der Sig-
noria und der apostolischen Nuntiatur erforderlich machten, weshalb ab 1488 auch ein Kontingent von 10 Mönchen Mitglie-
der der Scuola werden durften. In diesem Jahr, die Scuola existierte immerhin schon fast 200 Jahre, erlaubte die Bruderschaftskasse eine Investition in die Verschönerung und Vittore Carpaccio erhielt den Auftrag, auf 9 Leinwänden Leben und Tod der Hl. Ursula darzustellen. 


Die erste Lieferung, "Die Ankunft in Köln", ist das erste signierte und datierte (1490) Werk Carpaccios überhaupt. 1490 war Carpaccio vielleicht noch relativ preiswert, allerdings keineswegs mehr jung oder unerfahren. Man kann auch nicht annehmen, dass die Brüder und Schwestern einen unbekann-
ten Künstler für die langfristige Dekoration ihrer Scuola auswählten. 

Der Auftrag Ursula war 1496 abgeschlossen. (Nicht alle 9 Bilder sind datiert, könnten also auch danach noch fertig gestellt worden sein, wie auch der Ursula-Zyklus nicht der einzige Auftrag war, an dem Carpaccio in diesem Zeitraum arbeitete.) 

100 Jahre später, 1592, erhielten die Brüder und Schwestern ein Geschenk aus Köln - zwei der (angeblich) 11.000 Jung-
frauen aus Ursulas Gefolge, die dort ermordet und seit (angeblich) 1000 Jahren bewahrt wurden, kamen als Reliquien-
stiftung, bzw. ihre Schädel. Ein solcher Schatz verstärkte mittelfristig den Verehrungs- und Pilgerverkehr, das Gebäude der Scuola sollte schon knapp 50 Jahre später restauriert und vergrößert werden. 


Rekonstruktion Scuola Sant't Orsola, Südseite, vor der Erweiterung


Die Scuola des 14. Jahrhundert war klein mit einer überdach-
ten Vorhalle, wie sie heute noch an S. Giacometto di Rialto zu sehen ist. Davon abgesehen, dass sie auf dem Kirchhof der Dominikaner lag, gab es in der Vorhalle und im kapellenartigen Raum der Scuola Grablegen bedeutender Mitglieder, vor allem der Familie Loredan, die über Jahrhunderte die Scuola förderte. 

An der äußeren Längsseite (Südseite) befestigt war zu dama-
liger Zeit auch der Sarkopharg, in dem Giovanni Bellini bestat-
tet war. (Der Sarkopharg gehörte ursprünglich der florentiner Familie Abbati, die das Medici-Wappen führte: sechs Bälle im Silberfeld. Die Abbati lebten im 14. Jahrhhundert in Venedig. Fra Giotto Abbati stiftete laut Sansovino die Kirche Sant' Antonio di Castello.) Bellinis Sarkopharg trug das Medici-Abbati-Wappen.     


Für die Baumaßnahme wurden die Carpaccio-Leinwände zwischen 1637 und 1647 ausgelagert, die Scuola verbreitert,  fünf Fenster eingelassen, eine Apsis für einen Altar angebaut, das Dach erhöht. Das ist das Ergebnis, aber genau genommen wurde das Originalgebäude völlig durch die neue Struktur ersetzt. 

Es gab verschiedene Bemühungen im 20. Jahrhundert (vor allem Molmenti/Ludwig) den Innenraum der Scuola zu diesem Zeitpunkt zu rekonsturieren. Sehr beeindruckt bin ich von den Ergebnisse der Universität Heidelberg.
Panoramaschwenk durch die Scuola Matthias Andrzejewski
Mehr Details: Felix Thürlemann
Kompletter Link: http://www.litwiss.uni-konstanz.de/fachgruppen/kunstwissenschaft/forschung/der-ursula-zyklus-von-vittore-carpaccio-il-ciclo-di-sant-orsola-di-vittore-carpaccio/

Weitere 100 Jahre später, 1752, wurden die Leinwände neu aufgezogen, restauriert und versiegelt und auf beiden Seiten der Apsis Türen eingebaut, um den Pilgerverkehr in dem kleinen Raum besser zu leiten. Man kann die vermauerten Rundbogen dieser Türen auf den Fotos sehen, die ich im Oktober 2013 gemacht habe. 
Knapp 50 Jahre später, 1797, folgte das Ende der Serenissima, weitere 10 Jahre später, am 16.5.1806, das Ende der Scuola di Sant' Orsola, im Rahmen der napoleonischen Säkularisierungen. Die Leinwände Carpaccios wurden von SS. Giovanni e Paolo aufbewahrt und 1812-1828 in die Accademia überführt, die Schäden wurden nach und nach repariert und die Bilder zum ersten Mal ausgestellt. 1921-23 erfolgte erneut eine Reinigung und endgültige Platzierung im Saal 21.

Heute ist von der ehemaligen Scuola di Sant' Orsola vor allem noch die Apsis zu sehen, weil rechts und links Kirche und Nachbarhaus angrenzen. Man hat den Eindruck eines ärmli-
chen aber bewohnten Hauses in renovierungsbedürftigem Zustand. Im Gegensatz zu der original erhaltenen Scuola degli Schiavoni (der Dalmatiner, Link siehe oben), ist dies keinesfalls ein Ort, der je wieder ein Carpacciowerk aufnehmen kann. Aber ein respektwürdiges Gebäude, das zu seiner Zeit seinen Anteil der venezianischen Kultur trug.