7. Dezember 2014

Geschenke für VenedigliebhaberInnen


Weihnachtsfeier und Weihnachtsmarkt unter der Gefängnismauer
am Rio terà dei pensieri am 11. und 18. Dezember.
Wenige Schritte und Brücken vom Piazzale entfernt.
Siehe auch letzter Geschenketipp ganz unten 
Geschenke machen und bekommen ist immer eine Freude, unabhängig von Jahreszeiten und Terminen. Geschenke machen und bekommen sind auch eine Freude jenseits von materiellem Konsum und Wert. Auf die Beziehung zwischen Schenkenden und Beschenkten, die richtige Idee und den passenden Zusam-
menhang kommt es an.

Man kann einer Venedig-Appassionata die Haustier- oder Gartenbetreuung schenken, während sie eine Woche in Venedig glücklich ist. Kostet nix, bedeutet ihr aber vielleicht sehr viel! Man kann während eines Biennalebesuchs Ausstellungsprospek-
te und -Infoblätter, -folder, -flyer einsammeln und einem Venedigliebhaber und Freund von Gegenwartskunst mitbringen oder aus Venedig als Päckchen schicken. Das zeigt: man hat fast ununterbrochen an ihn gedacht. Die Idee zählt.


Das vorausgesetzt, folgen ein paar Vorschläge und Geschenk-
ideen, mit denen VenedigliebhaberInnen beglückt werden können. Auf materieller Basis, aber das Interesse an Venedig im Fokus und origineller als das neueste Werk von Donna Leon, das bereits im Bücherschrank steht.



Wer zwischen dem 9. und 19.12. in Venedig ist, hat die gute Gelegenheit, sehr stark herabgesetzte Bücher aus dem Verlag des Istituto Veneto di Science, Lettere ed Arti einzukaufen und zu verschenken. Das Institut bietet einen Sonderverkauf von Veröffentlichungen der letzten Jahre, reduziert um bis zu 90 %. Es handelt sich um wissenschaftliche Bücher vor allem zur Geschichte Venedigs. Ich habe dort schon wunderbare Schnäppchen im Originalpreis um die 100 € für 20 € und weniger glücklich abgeschleppt. Wenn denn das Thema passt! (Der Umfang des Einkaufs will bedacht sein im Hinblick auf das Koffergewicht bei Flugreisenden.) 
Palazzo Loredan, Campo Santo Stefano, 9.-19.12.2014, Montag bis Freitag 9:30 bis 12:30 Uhr; Samstag 13., Sonntag 14. und Freitag 19.12. 9:30-17:00 Uhr. Informationen unter 0412407711


Wer Zeit und Mittel hat, Venedig öfter zu besuchen, freut sich vielleicht über Mitgliedschaften venezianischer Museen, die jeweils für ein Jahr gelten.

Für LiebhaberInnen der Kunst des 20. Jahrhunderts  gibt es die Museums-Mitgliedskarte für die Guggenheim-Sammlung schon ab 39 € (und noch mehr Auswahl für Paare, Familien, Guggen-
heim New York/Bilbao etc.). Damit verschenkt man auch den unbegrenzten Besuch des wunderschönen Guggenheim-Gartens am Canal Grande.


Die MUVE-Friend-Card zum Preis von 45 €/ermäßigt 25 € erlaubt den kostenlosen Besuch der Dauerausstellungen in 11 städt-
ischen Museen Venedigs. Zu den Eröffnungen von Sonderaus-
stellungen wird man wie auch zu Sonderführungen kostenlos eingeladen (schriftlich durch Email), ansonsten muss Eintritt für Sonderausstellungen gezahlt werden. Diese Museen sind enthalten: 

  • Museo Correr
  • Palazzo Ducale
  • Museo Archeologico Nazionale
  • Sale Monumentali della Biblioteca Nazionale Marciana
  • Ca' Rezzonico - Museo del Settecento Veneziano
  • Casa di Carlo Goldoni
  • Museo di Palazzo Mocenigo e Centro Studi di Storia del Tessuto e del Costume
  • Ca' Pesaro - Galleria Internazionale d'Arte Moderna + Museo d'Arte Orientale
  • Museo del Vetro di Murano
  • Museo del Merletto di Burano
  • Museo di Storia Naturale

Buchempfehlungen (ich möchte betonen, dass der Hinweis auf Amazon nicht bedeutet, dass man das Buch nur bei diesem Lieferanten kaufen kann. Auch der/die lokale Buchhandel kann die vorgeschlagenen Bücher jederzeit schnell besorgen.)

Der alle anderen Bücher übertreffende Verkaufsrenner 2013 der Buchhandlung La Toletta (der Name bedeutet 'Plänkchen', und verweist auf die früheste Form venezianischer Brücken - eine Planke auf Pfosten zum Nachbarn rüber. Der Rio della Toletta führt an der Buchhandlung entlang) und vermutlich auch 2014  ist "Guida ai giardini di Venezia" von Mariagrazia Dammico und Gabriele Kostas. Nicht nur als Führer vor Ort, sondern auch für Reisende im Lesesessel ein Erlebnis. Inzwischen auch in englisch erhältlich, "A Guide to the Gardens of Venice". Das Loblied auf das Buch spare ich mir an dieser Stelle, es ist nachlesbar im Eintrag vom 20.4.2013.
Eine Liste der Bücher, veröffentlicht vom WIGWAM Club der sich um den Erhalt historischer Gärten in Venedig bemüht, enthält vielleicht weitere interessante Empfehlungen.





Gerade neu erschienen ist ein kleines Buch der britischen Autorin Jan Morris, die im Laufe ihres Lebens auch einige Venedigbücher veröffentlicht hat. "Ciao, Carpaccio!" ist eine wunderbare Hommage an den Maler und sein Werk, und, wie Jan Morris in einem Interview  (zu lesen und zu hören) sagt, ihre definitiv letzte Veröffentlichung vor ihrem Buch, das posthum erscheinen wird. Das nenne ich eine Empfehlung! Das Buch ist englisch, handlich, also keine kiloschwere Schwarte und auch im Bett lesbar, und die Widergabe der Carpacciobilder von sehr guter Qualität. 




Nicht von 2014, sondern von 1986 ist ein Venedig-Roman (der zum Ärger englischsprachiger FreundInnen immer noch nicht in ihre Sprache übersetzt wurde), der mir sehr gefällt: "Der Lieb-
haber ohne festen Wohnsitz" des italienischen Autorenpaars Carlo Fruttero und Franco Lucentini. Die beiden schreiben intel-
ligente und gut recherchierte Krimis, fesselnde und geschwätz-
freie Unterhaltung. Mr. Silvera, der Protagonist ohne festen Wohnsitz, ist eine literarische Figur, die mir kurz zuvor in einem anderen Buch unter anderem Namen begegnet war, weshalb ich ihn auf den ersten Seiten schon erkannte und hocherfreut während der ganzen Lektüre wusste, worum es hier geht - und die Sache blieb trotzdem spannend bis zur letzten Seite. 





Ein Klassiker, den ich schon mehrfach verschenkt habe, der für inzwischen geringes Geld spannend die Geschichte der venezia-
nischen Stadtentwicklung vermittelt, ist 
 "Venedig - Von der Kunst, eine Stadt im Wasser zu bauen" des leider im letzten Jahr verstorbenen deutschen Kunsthistorikers Norbert Huse. Die wichtigste Lektüre für Menschen, die das Stadium der Reisefüh-
rer hinter sich gelassen haben und sich von TouristInnen zu VenedigliebhaberInnen weiterentwickeln wollen.






Beim Kauf von Posters und Kunstdrucken in Venedig ist der unbeschädigte Transport immer ein bisschen schwierig. Online shops sind keine schlechte Lösung, das Problem zu umgehen und bieten vielleicht zusätzliche und interessante Motive. Z. B. bei Alinari Shop, den ich per Zufall fand und zum Stöbern empfehle. In der italienischen Version gibt weitere Angebote.



Ein tolles Buch und sicher ein willkommenes Geschenk für fort-
geschrittene VenedigfreundInnen, die sich in der Kunstge-
schichte der Stadt schon etwas auskennen, ist "Venezia! Kunst aus venezianischen Palästen". (Nur noch gebraucht auf dem Markt, aber wenigstens das.) Es handelt sich um den Katalog einer Ausstellung in der Bundeskunsthalle zur Geschichte von Kunstsammlungen in Venedig, die vor 12 Jahren in meiner Stadt Bonn stattfand, die ich im Herbst und Winter 2002/2003 immer wieder besuchte. Ihr war ein 'Studiolo' angegliedert, eine Biblio-
thek mit Fachbüchern zum Thema Venedig. Die Bücher stehen z. T. bis heute in der Bibliothek der BuKuHa zur Verfügung, die öffentlich und kostenfrei ist, und die ich VenedigfreundInnen sehr ans Herz lege, inkl. der Sammlung aller Biennale-Kataloge.
Rezension des Buches auf arthistoricum.net.





Es gibt diverse Venedig-Comics in diversen Sprachen, nicht Jedermanns Sache, aber geschätzt von Comic-Liebhabern. Z. B. Philippe Francq "Venedig sehen" oder die Reihe "Giacomo C." von Jean Dufaux, "Der weiße Drache" von Eric Puech, die "Louis la Guigne" Serie von Frank Giroud, "Forget me not" von Kenji Tsuruta, die Reihe "Les suites venetiennes" von Eric Warnauts - mittlerweile zu harten Liehaberpreisen, und die beliebte und bekannte Reihe über Corto Maltese von Hugo Pratt (siehe auch Blogeintrag vom 8.3.2012), 




2014 neu erschienen und eigentlich schon als Graphic Novel einzustufen ist der "Geisterseher" von Dacia Palmerino und Andrea Grosso Ciponte, nach Friedrich Schillers "Geisterseher". Ohne das Original zu kennen versteht man den Comic nicht, aber er ist eine interessante Version und ein schön gestaltetes Buch.






Seitdem ich durch die Ausstellungen in den "Stanze del vetro" auf S. Giorgio Maggiore in die zeitgenössische Glaskunst eingeführt wurde, entwickle auch ich ein Auge dafür, wie viele vor mir. Ich habe nach einer Website gesucht, die außerdem auch klassische Glaskunst und auch für durchschnittliche Budgets anbietet und habe "Murano Glass Wonders" gefunden. Es gibt sicher noch andere mit anderer Auswahl und hochpreisi-
gen Angeboten, das geht ja schnell in die Tausende. Auch das Angebot des Museumsshops der Stanze del Vetro ist interessant (wie im Prinzip die meisten Museumsshops, bei denen man auch online bestellen kann).



Wer Venedig liebt, wird sicher auch den Film "In Memoria di me" genießen, der komplett in den Räumen und Kreuzgängen von S. Giorgio Maggiore spielt. Vor allem im Dormitorium, das heute die Manica Lunga Bibliothek der Fondazione Cini ist. (Siehe auch Eintrag 'Eine Bibliothek in Venedig') vom 19.7.2010.) 
Es gibt ihn als DVD-Original in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln Er beschreibt die Anpassungsphase eines jungen Mannes im Kloster nach seiner Entscheidung, sein eher ausschweifendes Leben aufzugeben und Priester zu werden. (Basis des Films ist das Buch "Der vollkommene Jesuit" von Furio Monicelli von 1960, das NICHT in Venedig spielt, aber eine interessante Lektüre ist, nach den Rätseln, die der Film leider unbeantwortet lässt.)



Ich will noch einmal hinweisen auf ein Buch (genau genommen 2 im Schuber), das sich um die gegenwärtige Situation der Stadt Venedig als Sammelpunkt verschiedenster Arten von Reisenden, insbesondere MigrantInnen dreht: "Migropolis" von Wolfgang Scheppe & Studierenden der IUAV. Wer sich nicht nur für die Historie Venedigs und die ehemalige weltpolitische Rolle der Stadt interessiert, findet hier eine hochinteressante Studie der venezianischen Universität IUAV. 

Siehe Blogeinträge vom 30.10.09 und 15.12.09.  (Der Preis der Bücher ist inzwischen erwartungsgemäß gestiegen.)




Nach den harten Realitäten der Gegenwart schlage ich noch einen Klassiker vor, der unbedingt in den Bücherschrank aller Venedig-Appassionati gehört: "Leben in Venedig" von William Dean Howells. Er lebte als Botschafter der USA im kleinen Palazzo Falier am Canal Grande zwischen Accademiabrücke und San Samuele/Palazzo Grassi mit offenen Augen und Aufmerk-
samkeit auch gegenüber MitbewohnerInnen und Nachbarschaft. Es gibt keine aktuelle Neuausgabe, aber supergünstige gebrauchte, superinteressant zu lesen, wahrhaftig, amüsant, ein wunderbarer informativer Bericht über das Leben in Venedig in der 2. Hälfte des 19. JHs. 
(In meinem gebraucht gekauften Exemplar fand ich eine Geburtstagskarte an eine/n unbekannte/n EmpfängerIn: "Diese Karte gilt als Kunstaktie und berechtigt zum Tausch für eine venezianische Landschaft aus der Hand des Unterzeichnenden, einzulösen bis zum 30.6.1988." Eine Überraschung, so schön, aber leider zu spät, der bekannte Künstler aus der DDR lebt mittlerweile in Spanien, ach ja.)



Weitere Buchtipps gibt es unter meinem Bloglabel Buchempfehlungen oder auch persönlich unter ebbonn@googlemail.com.



Heißer letzter Geschenketipp an dieser Stelle ist der neue Onlineverkauf von Malefatte - Produkten aus den beiden venezianischen Gefängnissen (für Männer und Frauen). unter der Websiteadresse http://www.rioteradeipensieri.org/en/ gibt es ein schönes großes Angebot von Taschen und Naturkosmetika (und anderen) und ich würde hoffen, dass Bestellungen auch noch bis Weihnachten ankommen, wenn alle Beteiligten - BestellerInnen und VersenderInnen - ein bisschen Gas geben. 
Siehe dazu auch Einträge: Rio terà dei pensieri vom 20.7.2011 & Ergänzungen; Tasche aus Venedig vom 2.5.2012.


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19. November 2014

Venezianische Freundschaft - 2. Eintrag




Im Rahmen des Filmfestivals zeigt ARTE heute abend  um 20:15 Uhr den Film Venezianische Freundschaft, den ich ein einem Eintrag vom 8.12.2013  empfohlen habe. Da der Film vor einem Jahr nur in Programmkinos lief, ist dies eine gute Gelegenheit...

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16. November 2014

Ein Juwel! Archäologisches Museum Patras



Grabdenkmal des Gladiators Trypheros, schwer bewaffnet als Secutor (Verfolger). Zu seiner Rechten steht sein Sohn Alexandros, der das Monument für seinen Vater errichten ließ. Er hält eine Palme in seiner linken Hand und einen Kranz in der rechten. Links repräsentieren 11 Kränze die Siege des Gladiators.
Patras, 2.-3. JH u. Zeitrechnung

Ich schiebe diesen Eintrag ein, der natürlich mit Venedig überhaupt nichts zu tun hat. Aber der Mensch reist erstens nicht nur nach Venedig, und zweitens: wenn man schon blogt und so begeistert ist wie in diesem Fall, darf man den Hinweis auf dieses ziemlich neue hervorragende Museum niemandem vorenthalten.


Eingangsbereich, Aufhängung des Laufstegs
Denn leider liegt es nicht zentral, sondern buchstäblich jwd - janz weit draußen. An der Nationalstraße Patras-Athen (Νεα Εθνικη οδος) 38-40Also ungefähr auf halber Strecke zwischen dem Stadtzentrum und der Rio-Antirio-Brücke in einer Art Ge-
werbegebiet, wo man kein Museum erwartet, wo es beim Vorbei-
fahren in Richtung Patras auf der linken Seite trotz spektakulärer Architektur kaum ins Auge fällt. Werbung gibt es praktisch nicht, die Website des mittlerweile 5 Jahre alten Museums existiert immer noch nur als Beta-Version und nur in griechischer Spra-
che, und auch die Seite des K
ulturministeriums geht äußerst sparsam um mit Informationen. Ohne dringende Empfehlung von kompetenter Seite in Korinth wäre mir dieses Juwel eines Museums entgangen. 


Luxuriöses Bad eines Wohnhauses wohlhabender Römer (Maizonos Str.) aus gebrannten Lehmziegeln, verkleidet mit mehrfahrbigem Marmor. Das Wasser floss über einen Treppenwasserfall in die Wanne.
In Patras existieren neben den öffentlichen Bädern auch Privatbäder wie das hier ausgestellte.
Gebaut von Theofanis Bobotis ohne rechte Winkel im Grundriss, wenn ich das richtig sehe. 3 große Ausstellungssääle ohne Tageslicht mit einer wunderbaren Lichtgestaltung - je einem Thema gewidmet: Privatleben, öffentliches Leben, Sepulkral-
kultur. Übersichtlicher gehts nicht. 

Der Rundbau enthält im Parterre die Rezeption, Sanitär- und Sitzungsräume, im 1. Stock einen Studien- und Arbeitsraum mit im großen Kreis angeordneten Rechnern. Quer durch das ganze Gebäude führt im 1. Stock ein Laufsteg über die Ausstellungs-
räume hin, der neben dem Gesamteindruck der Architektur vor allem eine zusätzliche Perspektive auf die außergewöhnlichen Mosaike erlaubt. Eine herausragende Idee! 



Haushaltswerkzeuge verschiedener Epochen:
1. Steinaxt mit Loch für den Holzgriff. Prähistorisch, helladisch, 3. Jtsd. v. u. Z.

2. Schneidewerkzeug aus Stein. Prähisotrisch, helladisch, 3. Jtsd. v. u. Z.

3. Steißstößel zum Mahlen von Getreide, Samen, Nüssen; zwischen den Beinen zu halten. 

Hellenistische oder römische Periode

4. Würfelförmiges Werkzeug zum Zerstoßen und Zermahlen. Römische Periode

5. Stößel in Form eines Fingers zum Mahlen von Pigmenten oder pharmazeutischer Substanzen.
2.-3. JH u. Z.
6. 3 Nadeln, 2 aus Bronze, 1 aus Knochen. Hellenistische oder römische Periode
7. Bronzenadel mit Zacken an beiden Enden. Vermutlich benutzt zum Reparieren von Netzen oder als medizinisches Instrument. Römische Periode
8. Fischhaken, Bronze, römische Periode
9. Spindelhaken, Bronze, wurde auf die Spindelspitze gesetzt, damit sich das Garn nicht abwickeln konnte. Römische Periode  
Die Übersichtlichkeit der Ausstellung ist eine bewundernswerte kuratorische Glanzleistung, die umso mehr schätzt, wer die vielen lokalen griechischen Museen kennt, in denen in Regalen von Glasvitrinen chronologisch sortiert Massen von kleinen Pött-
chen, Tonlämpchen, Becherchen stehen, deren Unterschiede Laien wie ich gar nicht erkennen und wertschätzen können und die das ernsthafte Interesse schnell nivellieren und die Konzent-
ration dahinsinken lassen. Hier gibt es Pöttchen in ihrer Entwick-
lung von mykenisch über hellenistisch etc. bis römisch in vergleichsweise so geringer Zahl, dass man sie sofort als Beispiel begreift. 

Die Exponate sind auf exzellente Weise thematisch so zusam-
mengestellt, dass ein historischer Überblick und die Entwicklung der Region Patras möglich ist. Die Bewegung in den großen (und leider wenig besuchten) Räumen wird nicht eingeschränkt und so auch der Überblick über die teils riesigen, teils kleinen und sehr differenzierten Exponate erlaubt. 



2 wiederhergestellte Arbeitsräume einer Villa Rustica; Anlage zum Treten von Weintrauben und Auffangen des Traubensaftes. Römische Periode.
Im Hintergurnd Statuen und Büsten aus der hellenistischen Periode
Die Begleittexte der Austellung in griechischer und sogar eng-
lischer Sprache (!) erklären, stellen Zusammenhänge her, bieten Details wie z. B. die exakten Fundorte von Exponaten. 
Die Mit-
arbeiterInnen des Museums führen keine lauten Privatgespräche (die Geißel griechischer Provinzmuseen!) sind höflich (im Gegensatz zum überheblichen, autoritären WärterInnenpack im Archäologischen Nationalmuseum in Athen!), eine Rezeptionistin beantwortet Fragen kompetent und mehrsprachig, auch auf deutsch. Man hat definitiv keinen Grund zur Frustration in diesem Museum, es ist wahrlich eine Freude. 



Fußbodenmosaik einer römischen Stadtvilla in Patras. Im Zentrum das Haupt der Gorgo Medusa, die den Blick abwendet, um den Betrachter nicht zur versteinern. 2. JH. u. Z.
Und ist die Präsentation und das Umfeld perfekt, sind die Exponate selbst überwältigend. Der Reichtum und der Zustand der Funde, die ja quasi aus der untersten Schicht der ganzen reichen Geschichte der Stadt Patras stammen, ist einzigartig. Über dem, was hier an archäologischer Arbeit gezeigt wird, spielte sich ja noch die ganze mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte der Stadt ab, mit Erdbeben, Bränden, Kriegszer-
störungen, zuletzt während des griechischen Befreiungskrieges gegen die Osmanen 1821-27. Danach war Patras auf seinen Hügeln am Meer praktisch völlig vernichtet. Unter den Schichten der Jahrhunderte fand und findet man bis heute die ältesten Zeugnisse der multikulturellen patraischen Kultur, von denen hier die prähistorischen bis römischen zu bewundern sind. 



Installation eines Mosaiks, die man vom Laufsteg aus gut besichtigen kann. Dahinter Teile einer Villa Urban bzw. der Mosaikfußböden, ins Museum transferiert.
Wer mit dem Bus unterwegs ist, sollte sich nicht die Mühe des lokalen ÖPNV machen, sondern kurzerhand ein Taxi nehmen (ab KTEL-Busbahnhof ca. 5 €) und für den Rückweg die freundlichen Damen am Empfang des Museums bitten, eines zu bestellen (5 Minuten Wartezeit). Die typisch griechischen Öffnungszeiten von 8-15 Uhr gelten natürlich auch hier, ein Trauerspiel, und Montag geschlossen. Kein Museumscafé, für den Hungerfall kann man einen Müsliriegel einpacken, Trinkwasser gibt es kostenlos mit Pappbechern aus einer Anlage vor dem Sanitärbereich. 


Bestattungsschmuck eines kleinen Mädchens. Aus Ton geformte Blüten, Gold.
Hellenistische Periode
Das Archäologische Museum in Patras verdient es, so gezielt besucht zu werden wie das Akropolismuseum in Athen (mit dem ein ganz anderer Werbeaufwand getrieben wird). Wer wäre nicht von den herausragenden römischen Mosaiken überwältigt? Selbst wer nur auf der Durchfahrt zur Fähre in Kyllini ist, sollte mindestens eine 2-Stunden-Pause einplanen, links rüber auf den riesigen Parkplatz ziehen und sich in die wunderbare Arbeit der patraischen ArchäologInnen und die spannende Geschichte der Region fallen lassen.
  
Laufsteg über den Ausstellungsräumen, Tageslichtquelle im Eingangsbereich

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15. November 2014

Festa della Salute 2015

Einzug des Patriarchen zum Hauptfeier am 21.11.
In der kommenden Woche findet das Fest Santa Maria della Salute statt, in Erinnerung an die große Pestepidemie des Jahres 1630. Dazu gibt es bereits einige Einträge aus anderen Jahren und leider bin ich, Liebhaberin von heißen fettigen Fritelle mit Zitronenzucker auf dem Zuckerzeugmarkt hinter der Salute, nicht dabei.

Hier gibt nur 2 praktische Hinweise.

Programm des Patriarcato die Venezia zum kirchlichen Fest und zu den Öffnungszeiten der Basilica della Salute.


Basilica della Salute (Venezia)
* Mercoledì 19 novembrealle ore 12.30, è fissata l’apertura del ponte votivo sul Canal Grande alla presenza delle autorità cittadine; le messe in basilica sono previste alle ore 10 - 11 - 15 - 16 (alle 16.45 rosario e canto delle litanie);
Giovedì 20 novembre la basilica della Salute rimane aperta dalle ore 8.00 alle 21.00 e le messe saranno celebrate alle ore 8.30 - 10 - 11 - 12 - 15 - 16 - 17 - 18; alle ore 14.30 ci sarà la solenne apertura del pellegrinaggio cittadino, alle 19.00 il rosario e il canto delle litanie mentre intorno alle ore 20.00 culminerà in basilica il pellegrinaggio diocesano dei giovani guidato dal Patriarca e proveniente, attraverso il ponte votivo, da S. Marco;
* Venerdì 21 novembre -giornata della festa liturgica della Madonna della Salute - la basilica rimane aperta ininterrottamente dalle ore 5.50 alle 22.15 e le messe si susseguiranno ad ogni ora dalle 6.00 alle 20.00. Alle ore 10.00 si svolge, in particolare, la solenne concelebrazione eucaristica presieduta dal Patriarca mons. Francesco Moraglia; alle ore 22.00 è, infine, prevista la celebrazione della compieta (preghiera della sera);
* Sabato 22 novembre le messe sono previste alle ore 9.30 - 11 - 12 - 15 - 16 - 17.30 (alle 16.45 rosario e canto delle litanie; alle 18.30 vespri e adorazione eucaristica);
Domenica 23 novembre le messe si terranno alle ore 9 - 10 - 11 - 12 - 15 - 16 - 17.30 (alle 16.45 rosario e canto delle litanie; alle 18.30 vespri e adorazione eucaristica);
* Lunedì 24 novembre, infine, alle ore 11.00 ci sarà il pellegrinaggio dei familiari del clero e la S. Messa in suffragio dell’ex rettore del Seminario mons. Giuliano Bertoli nell’anniversario della morte; nel pomeriggio la messa è prevista alle ore 16.

Und aufgrund der Wasserstände in den letzten Tagen der Link zur Website der Comune Venezia mit den Informationen zu den Wasserstandsvorhersagen und der Lage der Hochwasserstege. Hier kann man die App zum Hochwasseralarm herunterladen.

Jaaa! - Fritelle!
(c) Aldebaran



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8. November 2014

Torcello - ein Film?




Mein erster Eintrag zu Torcello stammt aus dem März 2007. Damals lebten 14 Einwohner auf der Insel. Es folgten im Laufe der Jahre einige weitere Einträge unter dem Label Torcello. Die Einwohnerzahl schwankte um einzelne Personen, jetzt sind es wohl 10. 

Die Stadt Venedig bot 2013 das ehemalige Inselschulgebäude zum Verkauf, was daraus wurde, weiß ich nicht. 
Lotto n. 8: Ex scuola elementare di Torcello (clicca per visionare la scheda immobiliare) (2.17 MB)

fabbricato novecentesco ubicato nell’Isola del Torcello edificato su due piani di cui l’ultimo mansardato, con cortile circostante completamente recintato con muretto, identificato al Catasto Fabbricati, Sezione Burano, Foglio 25, particella 187 sub 2, 3 e 4.Destinazione nello strumento urbanistico vigente: Nr – Novecentesche integrate nel contesto; giardino è in fase di definizione la destinazione urbanistica dell’unità edilizia precedentemente non rilevata e la riconfigurazione degli spazi scoperti classificati come “giardino”

Der von Paolo Andrich vor Jahren vorgeschlagene Besucher-
rundpfad um die Insel ließ sich nicht verwirklichen, die berech-
tigten Bedenken einiger EinwohnerInnen konnten nicht aus dem Weg geräumt werden. Und da der tägliche Besucherstrom nicht geringer wird, kann es auf dem einzigen Pfad der Insel schon mal voll werden. 


Neben wiederholten Besuchen in der Casa d'Artista (Lucio Andrich) hatte ich einmal das Glück, die Ausgrabung der Grund-
mauern der Kirche S. Giovanni zu besichtigen, zu der man normalerweise nur als MieterIn des Anwesens S. Giovanni Evangelista di Torcello mit großem Garten und Pool Zutritt hat, das weit jenseits eines normalen Budgets liegt. So interessant die Grabung ist, und ein Rundweg gewesen wäre, die Piazza von Torcello mit dem historischen Gebäudeensemble von Assunta, S. Fosca und Museum ist überwältigend genug, man muss nicht in die Privatsphäre der wenigen BewohnerInnen eindringen. Und bei dem Andrang, der natürlich den/die einzelne/n BesucherIn und gleichzeitig die alten Gebäude stresst, stellt sich schon die Frage nach schonenderen Wegen der Besichtigung. Vielleicht auch detaillierter, subtiler, auch in Form einer künstlerischen Bearbeitung? 


Über die Crowd Sourcing Seite von Eppela bemüht sich Flamingo Art Media um die Finanzierung des Filmprojekts Habitat Torcello. Was nicht einfach zu sein scheint. Ich habe Erfahrung mit online Spenden und mit online Mikrokrediten (beides sind Beispiele). Mit Projektfinanzierung per Crowd Sourcing kenne ich mich nicht aus, aber einen gut gemachten Film über Torcello würde ich gerne sehen. 
Die drei jungen Filmenacher Andrea Baesso, Gianmaria Spavento und Christian Palazzo kenne ich nicht, aber Paolo Andrich, der auf dem Korbstuhl sitzend über die Lagune blickt  und im Off spricht. Er ist seit über 10 Jahren Einwohner auf Torcello, aktiv in ökologischen, wissenschaftlichen, lokal- und regionalpolitischen Projekten und bekannt in den entsprechen-
den Kreisen Venedigs. Sicher ein gutes Aushängeschild für dieses Filmprojekt.



Aktuell:
3 Studientage zu den Ergebnissen der jahrelangen archäologischen Grabung und Forschung auf Torcello inkl. der Vorstellung der zweibändigen Publikation "Torcello Scavata"; 12., 13. und 17.11.2014. Information, Links zu Anmeldung und Programm


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3. November 2014

Grandi Navi - anderswo

Schreck beim Frühstück. Der erste Tender zum Hafen ist schon unterwegs.
Heute beim Frühstück, 8:10 Uhr: langsam schiebt sich von rechts ein bekannter Anblick ins Fenster des Hotel Aktaion. Lange Reihen von kleinen Balkons, in mehreren Etagen übereinander. Ein Hotel unterwegs. Oh nein. Nicht auch noch hier. 

Ich bin in Gytheio, Mani, Griechenland. Endpunkt einer kleinen Peloponnes-Rundreise zu einigen fränkischen/venezianischen (chronologisch) Burgen und Grabungen. Hier will ich noch ein paar Tage abhängen. 

Es gibt ja einige griechische Häfen, die sich sehr der Kreuz-
fahrtindustrie anbiedern, in der Hoffnung eine zusätzliche touristische Einnahmequelle anzuzapfen, und zu spät merken, dass nichts hängen bleibt: KreuzfahrerInnen essen und schlafen auf dem Schiff. Sie kaufen allenfalls lokal Bijouterie oder Alkohol ein (konnte ich heute beobachten) oder Pelze (wie ich vor 1 Woche auf Zakynthos hörte, haben Pelzgeschäfte eröffnet, seitdem Nachfrage durch russische Kreuzfahrtpassagiere besteht).


Um in die Kreuzfahrtrouten einbezogen zu werden, lässt man Häfen mit EU-Mitteln ausbauen (der hiesige laut Baustellen-
schild in Höhe von über 22 Mio. aus dem 2007-2013 Regionalförderungsprogramm). Noch muss heute das große Schiff draussen ankern, der Hafen liegt seit geraumer Zeit voller Betonbaumaterial. Der Hafenausbau dauert Jahre.


Die 6-Mann-Vorhut richtet den Landeplatz für die Passagiere ein

Die Passagiere werden mit Tendern in den kleinen Hafen gefahren, zuvor schickt das Schiff 6 Leute an Land, die mit 2 Zeltdächern, Absperrungen und Flaggen mit dem Unterneh-
menslogo die Landstelle einrichten. 6 Busse sind bereits vorgefahren, 6 Reiseleiterinnen mit engen Hosen, langen Schüttelhaaren und Klemmbrettern aufmarschiert. Die Busse werden in ca. 1,5 Stunden abfahren und einen Teil der Passagiere exkursionsmäßig durch die Mani karren, vermutlich nach Aeropolis, 25 km entfernt, bzw. nach Mystras, 45 km, und Monembasia, 68 km. (Die Richtung erkenne ich daran, ob ein Bus unter meinem Balkon durchfährt oder vorher abbiegt.) Die Busse werden zwischen 14:30 und 15 Uhr wieder zurück sein, für die Besichtigungen bleiben also ca. 3 Stunden. Mehr wollen die meisten Gäste vermutlich gar nicht. 


Eine sehr große Anzahl von Schiffspassagieren jeden Alters, vieler Sprachen, mit Gehhilfen, Rollstühlen und in Trage-
gestellen, unterschiedlich sportlich ambitioniert angesichts der extrem steilen und hohen Treppen statt Straßen in Gytheio stellt für 5 Stunden die Montagsroutine im Städtchen auf die Probe. Erschwerend kommt eine (vielleicht auch mehrere?) Klassenfahrt griechischer Halbwüchsiger hinzu, die sich altersgemäß verhalten und einen schönen Kontrapunkt zu den extrem schluffenden, besichtigenden KreuzfahrerInnen bilden.


Lange Warteschlangen in der Nachmittagssonne zur Rückfahrt aufs Schiff
Das Schiff holt um 16:30 Uhr seinen Anker wieder ein, inte-
ressant mit meinem Opernguckerchen vom Hotelbalkon zu beobachten. Wer da wohl was gesehen hat, frage ich mich, in Mystras und Monembasia kann man tagelang unterwegs sein, aber selbst in Venedig wird ja der Kreuzfahrtrhythmus von ein paar Stündchen durchgezogen, also auch hier. Die Zeit fürs Schlangestehen zum Ausbooten und wieder Zurückbooten scheint kein Thema zu sein, das wäre der zweite Punkt, der mir unentschuldbar auf die Nerven ginge. (Der erste wäre: alle rein ins Hotel, dann werden die Türen abgeschlossen und keine/r darf mehr raus, wann er/sie möchte. Deshalb steht Punkt 2 sowieso nicht zur Debatte und ist die Kreuzfahrtidee an mich grundsätzlich verschwendet.) 


Das Hotel Aktaion empfehle ich. Es hat die Atmosphäre, die man heutzutage "retro" nennt, bequeme Betten und ausschließlich Zimmer zum Meer, freundlichen Service, günstige Preise, die Hafenbaustelle macht wenig Lärm (ich kann nur für derzeit sprechen). 
Das Städtchen Gytheio, ein beliebter Sommerort mit Stränden, vielen Tavernen und Bars hat auch sonst alles was der Mensch braucht, inklusive einer Wäscherei, wo man seine Klamotten einen Tag später frisch wieder abholen kann. 
Ein Kreuzfahrtschiff kommt laut Aktaion-Rezeptionistin 1 mal pro Woche vorbei. Das ist deutlich weniger als in Venedig. Herzliche Grüße an die NoGrandiNavi - Bewegung.


Zur ökologischen Vertiefung des Themas: Mehr Klimaschutz im Seeverkehr

9 Stunden zwischen rein und raus sind vorbei
 

17. Oktober 2014

Marathonbrücke in Venedig

Schon am Montag startet der Bau der mobilen Marathonbrücke
Venedig hat seit Jahrhunderten zwei berühmte mobile Brücken: die Redentorebrücke und die Salutebrücke.
Die Brücke über den Canale della Giudecca zwischen der Reden-
torekirche auf der Giudecca und der Kirche Santo Spirito in Dorsoduro wird zum Redentorefest am 3. Wochenende im Juli errichtet, die Brücke zum Salutefest am 21. November über den Canal Grande zwischen S. Gregorio in Dorsoduro und der Haltestelle Madonna del Giglio. 


Brücke am Mittwoch halb fertig, erst am Freitagabend wird das Werk vollendet

Hier geht es um die Marathonbrücke. Der Venicemarathon findet seit 1986 statt, seit 1987 am letzten Wochenende im Oktober, dem Ende der Sommerzeit. Sie führt über eine beeindruckende Strecke von der Villa Pisani in Stra entlang der Brenta durch Fiesso d'Artico, Dolo und Mira, vorbei an der Villa Foscari, durch Marghera und Mestre über die Ponte della Libertá ins Centro Storico von Venedig. Dort am Südufer entlang, den Zattere, bis zur Punta Dogana, über die mobile Marathonbrücke zum Ufer von San Marco, entlang der Riva degli Schiavoni zum Ziel an der Riva dei VII Martiri. 


Samstag Nachmittag
Ursprünglich endete der Marathon am Campo S. Agnese zwi-
schen Zattere und Accademia, 1989 bekam ich das, ahnunglos, mit. Erst seitdem die mobile Brücke an der Punta Dogana zum Einsatz kommt, wird auch an der Piazetta und am Dogenpalast vorbei gelaufen und über die letzten Brücken, ächz, an der Riva. 

Die Ausstattung der Brücken an den Zattere und der Riva mit Rampen ist letztlich dem Marathon zu danken. Zunächst nur für den Lauf installiert und danach sofort wieder abgebaut, dann zugunsten von Barrierefreiheit und testweise einige Jahre über den Winter stehen gelassen. Mittlerweile bleiben sie ganzjährig, bekommen ab und zu einen neuen Anstrich und erfreuen Fuß-
kranke und alle, die rollend vorankommen vom Kinderwagen über den Rollstuhl bis zur Sack- und Müllkarre.



Rampe bei S. Spirito
Auch die Marathonbrücke war in den ersten Jahren einge-
schränkt in ihrer Nutzung und stand nur am Sonntag des Laufs den LäuferInnen zur Verfügung. 

Im letzten Oktober wurde die Brücke allerdings schon am Samstag 11:30 Uhr eröffnet und dem Publikum zur Verfügung gestellt, welch ein grandioser Erfolg! Den ganzen Tag wurde der bequeme Weg zwischen Dogana und S. Marco genutzt und zum Abendspaziergang der VenezianerInnen mit Kind, Kegel, Kin-
derwagen und allen diesen venezianischen Minihundchen an der Leine war die Brücke rappelvoll. Vor allem wurden viele alte Menschen in Rollstühlen über die Brücke geschoben, das fand ich sehr rührend, und alle konnten den Sonnenuntergang über dem Canal Grande, die einbrechende Dunkelheit und das langsame Aufleuchten der vielen Lichter entlang der Ufer rundum bewundern.



Letzte Rampe vor dem Ziel
Es war ein diesiger Tag und Abend, Dunst lag über dem Becken von S. Marco, aber eine wunderbar fröhliche Stimmung der SpaziergängerInnen erhöhte den Genuss einer ungewohnten Perspektive "im Bacino" und ohne Frage auch eines poetischen Erlebnisses.


Blick von der Marathonbrücke in den Canal Grande am späten Samstagnachmittag
Wenn in der nächsten Woche wieder die Brücke für den Mara-
thon am Sonntag, 26.10. gebaut wird hoffe ich, dass sie am Samstag wieder fürs Volk, venezianisch und touristisch, geöffnet wird. 

Auch eine Wanderung entlang der innerstädtischen Strecke am Morgen, bevor die ersten LäuferInnen ankommen, ist reizvoll, oder im Laufe des Nachmittags, wenn die sehr Sportlichen und das Hauptfeld durch sind. Im letzten Jahr wurde das Ziel kurz vor den Giardini um 16 Uhr geschlossen. 
Auf diesem Spaziergang (mit Unterbrechungen!) auf der langen Uferstrecke kamen mir übrigens 6 Kreuzfahrtschiffe entgegen und 7 fuhren auswärts. Eines davon mittags rein und abends wieder raus, man kann es kaum glauben. Stopp in Venedig für ein paar Stunden! Aber das ist eine andere Geschichte.


...und zu Beginn der Dämmerung
Meteo Webcam zur Dogana, Verfolgen des Brückenbaus möglich.
Siehe auch Eintrag Termine Sport und Tradition 2014

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