24. Februar 2017

Biennale 2017 - Nationalpavillons in der Stadt

2013, Elfenbeinküste, Associazione Spiazzi

Mit diesem dritten Teil werden die ersten beiden Blicke zur Kunstbiennale 2017 fortgesetzt:
nach der Vorausschau auf die Ausstellungen in den Giardini und im Arsenale folgen jetzt die nationalen Auftritte im Stadtgebiet. Mit den fortschreitenden Restaurierungen finden mehr Länder dauerhafte Unterkunft in den Arsenalegebäuden und sind nicht mehr auf järlicher Wanderschaft von einer Location zur nächsten - obwohl gerade das ja auch einer der besonderen Reize der Biennale in Venedig ist. 

Aber der Genuss ungeöhnlicher Ausstellungsorte geht nicht verloren: sogenannte collaterale, also Nebenausstellungen der Biennale und andere Auftritte, die nicht das Logo der Biennale im Schild führen dürfen, erhalten uns BesucherInnen die Wanderschaft durch die Gassen und zu manchmal sehr erstaunlichen Ausstellungsräumen. Dazu wird es in Kürze einen vierten und letzten Vorschaueintrag geben.


2011, Kuba, auf San Servolo
Diesmal geht es alphabetisch weiter, enthalten sind
Andorra
Angola
Antigua und Barbuda
Armenien
Azerbaijan
Belarus
Bolivien
Bosnien und Herzegovina
Elfenbeinküste
Grenada
Guatelmala
Iraq
Island
Kasachstan
Kenya
Kiribati
Kuba
Litauen
Luxemburg
Makedonien
Mongolei
Montenegro
Nigeria
Portugal
San Marino
Seychellen
Syrien
Thailand
Ukraine
Zimbabwe
Zypern 

...und nicht für alle gibt es derzeit schon die Neugierde befriedigenden Informationen, aber massenweise abwechslungreiche und spannende Links. Meine Suche nach deutschsprachigen Vorstellungen der vielen Künstler*innen war nicht oft erfolgreich, aber manchmal eben doch.



2011, Moldova, Squero Tramontin bei S. Trovaso
Andorra stellt im Komplex hinter S. Maria della Pieta aus, mehrere Gebäude, die miteinander verbunden bzw. um einen Innenhof angeordnet sind. Über das Ausstellungsprojekt "Murmuri" finde ich leider nichts, über die Künstlerin Eve Ariza  eine Website zum Werk ohne Hinweis auf ihre Biennaleausstellung und ein älterer Blog. Wird ggfs. ergänzt. Haltestelle S. Zaccaria.

Angola ist noch nicht ganz so weit. Der Ausstellungsort ist noch nicht bekannt und es gibt keine Website zum Titel der Ausstellung "Magnetic Memory / Historical Resonance" (beim Googeln gibt es allerdings eine Menge zum Thema Magnetresonanz...). Zum Künstler José António Olivera findet sich unter António Olé immerhin eine Biografie und Interessantes zum Werk.

Antigua und Barbuda haben ihren ersten Biennaleauftritt, Glückwunsch und viel Erfolg!, und zwar im Zentrum Don Orione an den Zattere. Die Ausstellung ist Frank Walter, The Last Universal Man gewidmet und das klingt schon spannend genug. Im Mai erscheint eine Monographie zu Frank Walter. Haltestelle Zattere.

Armenien ist - erfreulicherweise - in diesem Jahr wieder Gast im Palazzo Zenobio, dessen Räume in den letzten Jahren nicht genutzt wurden (wegen der Kunst-Sommerkurse nicht zur Verfügung standen?). Wenn, wurde im ehemaligen Bibliotheksgebäude und im alten Waschhaus des Palazzo ausgestellt. Ich weiss nicht, in welchen Räumen ausgestellt wird, wunderbar wäre natürlich das Hauptgebäude mit dem Ballsaal. Und hoffentlich steht der ungewöhnliche und große Garten während des Sommers Besucher*innen und Nachbarschaft offen. Zweiter Ausstellungsort ist die Kirche der armenischen Gemeinde, Santa Croce degli Armeni, wenige Schritte hinter dem Markusplatz. Ausstellende Künstler sind Jean BoghossianRafael Megall und Miro Persolja. Bisher gibt es keine Website der armenischen Ausstellungen, wird ergänzt. Haltestelle S. Basilio (für den Palazzo Zenobio) und Vallaresso (für die Kirche S. Croce degli Armeni).


2011, Andorra, seltenst geöffnete Kirche S. Samuele
                                                                                                                                                                    Azerbaijan ist auch noch nicht soweit. Wer sich an die letzte Kunstbiennale erinnert: zwei collaterale Ausstellungen gab es in Palazzi am Canal Grande, die nationale Ausstellung im Palazzo Lezze am Campo S. Stefano. Letzteres ist auch 2017 der Fall, mehr ist noch nicht bekannt. Wird ergänzt.  

Die Republik Belarus stellt an der Fondamenta S. Giuseppe aus, ein paar Schritte vom Eingang der Giardini entfernt. Dies ist ein reines Wohnviertel und ich bin gespannt auf die Location. Es werden Werke von Roman Zaslonov, Viktar Labkovich und Sergey Talybov zu sehen sein, mehr ist derzeit nicht zu erfahren. Haltestelle Giardini.

Bolivien nennt seine Ausstellung "Essence", keine Website, Ort bisher nicht bekannt. Aber die Künstler: Sol Mateo der in Berlin lebt, Jannis Markopoulos, dessen Website man leider nicht betreten darf, der auch in Berlin lebt und nicht identisch ist mit dem alten kretischen Komponisten Giannis Markopoulos, und José Ballivián. Noch ein bisschen mysteriös die Sache, aber ist aufgrund der Lage sicher bei den ersten 'externen' Ausstellungen, die ich aufsuchen werde.

Bosnien und Herzegovina stellt wieder im Palazzo Malipiero aus (ich vermute, in einer der rückwärtigen kleinen Gebäudeteile, wie schon 2013), das Austellungsprojekt "University of Desaster" wird gefördert von der Republik Serbien und entwickelt in Zusammenarbeit mit den Künstlern Roman Urjanek und Radenko Milak
Die letzte Besitzerin Anna Barnabo, auch des berühmten Gartens, verstarb vor einem knappen Jahr. Zumindest die Kanalseite des Palazzo befindet sich in Renovierung. Aber als Ausstellungsbesucher*in hatte man auch bisher keinen Zugang zum vorderen Teil des Hauses und zum Garten. Haltestelle S. Samuele.


2011, Luxemburg, Ca' del Duca
Elfenbeinküste: Ausstellungsort noch nicht bekannt. Ausstellende Künstler*innen: Joachim Silue, Ouattara Watts, Jems Koko Bi, Joana Choumali, Raimondo Galeano.

Grenada stellt in einem Gebäude mit schönem grünem Innenhof aus, an der Fondamenta Zattere Ai Saloni 417, zwischen der Haltestelle S. Spirito (nur Linie 6) und der Brücke an den Magazini di Sale. Die Ausstellung trägt den Titel "The Bridge" und scheint seit Oktober 2016 zu existieren. Katalog. Performance.

Guatemala hat zwar eine Biennale-Website, aber noch nicht auf 2017 akualisiert. Die Ausstellung "La Marge" hat ihren Sitz im Palazzo Albrizzi in Cannaregio, dem Sitz des Deutsch-Italienischen Kulturinstituts und der dazu gehörigen Sprachschule. Das Haus ist gut gepflegt und sehenswert, viele kennen es als Besucher*innen von Ausstellungen, Konzerten, Carnevalsdiners. Ausstellende Künster*innen sind Cesar Barrio, Lourdes de la Riva, Arturo Monroy, Andrea Prandi, Erminio Tansini, Elsie Wunderlich, El círculo mágico. Haltestelle Ca' d' Oro.

Iraq kommt mit einem hochinteressanten und sehr speziellen Auftritt: "Archaic": 40 Exponate aus dem Nationalmuseum, die großenteils noch nie das Land verlassen haben, werden 8 modernen oder zeitgenössischen Künstler*innen gegenüber gestellt. Dazu die NY Times. Dazu The Guardian.


2011, Bangladesh, Fondazione Gervasutiin Castello,
mittlerweile nach Cannaregio umgezogen
Island, bei der Biennale 2015 mit seiner "Moschee" des Schweizers Christoph Büchel schnell aus dem Verkehr gezogen, lässt mit dem isländischen Künstler Egil Saebjörnsson zwei Trolle aufmarschieren. Das sind nicht die ersten Trolle, die biennalemäßig nach Venedig reisen, schon 2007 waren (angeblich) einige anwesend. Ausgestellt wird im Spazio Punch, in den weiten Räumen der Ex-Brauerei auf der Giudecca. Haltestelle Palanca, dann rechts bis zur Ausschilderung.
Siehe auch "Island groovt" und "Island im Rückblick", Biennale 2009, "Und wieder Island!", Biennale 2011, "SS 'Hangover'", Biennale 2013. Verantwortlich für die kreativen isländischen Auftritte ist das Icelandic Art Center (Liste!).   

Kasachstan: Informationen fehlen bisher, werden ergänzt.

KeniaEin Kickstarterprojekt, das für Kenia antreten sollte (wollte), hat es nicht geschafft.
Nun ist auf der Biennale-Website angekündigt "Another Country", als ausstellende Künstler*innen sind genannt Richard Kimathi, Arlene Wandera, Peterson Kamwathi, Paul OnditiIngrid Mwangi und Robert Hutter. Das scheint eine entschiedene Auswahl einheimischer Künstler*innen zu sein, nachdem das Land kurz vor Biennalebeginn 2015 ausgestiegen war: die kenianische Ausstellung war von italienischen Kurator*innen mit chinesischer Kunst bestückt worden. Vermutlich über Galerien, die für den verkaufssteigernden Biennaleauftritt ihrer Schützlinge angemessen gezahlt hatten. Ausstellungsort für Kenia ist noch nicht bekannt, und ich bin sehr gespannt. 


2013, Kenia in der Polizeikaserne an der Riva Schiavoni
Kiribati stellt sich zum ersten Mal in Venedig vor mit dem schönen alten Spruch "Ars longa, vita brevis" ergänzt durch "Sinking Islands, Unsinkable Art". Ausgestellt wird im Palazzo Bembo an der Rialtobrücke, dessen großartige Fassade trügt: bis auf ein paar Terrazzoböden ist das Haus sozusagen grundüberholt, ein Teil umfunktioniert als Hotel, ein Teil als Ausstellungsräume. Ich bin gespannt. Haltestelle Rialto.

Kuba hatte 'seinen' Biennalesitz jahrelang auf der Insel S. Servolo und zieht jetzt an den Canal Grande, in den Palazzo Loredan dell' Ambasciatore. Dort steht für Ausstellungen der Androne im Wassergeschoss und der kleine Garten mit hohen alten Bäumen zur Verfügung. Das Landtor ist schwer zu finden, wenn nicht gut ausgeschildert. Die schwer männerlastige künstlerische Belegschaft besteht aus Abel BarrosoIván CapoteRoberto DiagoRoberto Fabelo, José Manuel ForsAimée GarcíaReynier Leyva NovoMeira Marrero, José Ángel ToiracCarlos MartielRené PenaMabel PobletWilfredo PyrietoEsterio SeguraJosé Eduardo Yaque und scheint trotzdem sehr spannend zu sein. Haltestelle Ca' Rezzonico und Accademia.

Litauen zeigt unter dem Titel "R" Werke von Zilvinas Landsbergas in der ehemaligen Bruderschaftshaus delle Sante Stimmate neben San Francesco de la Vigna, später Scuola San Pasquale Bayon. Bereits zum zeiten Mal: ein schönes Bruderschaftsgebäude aus dem Jahr 1603, das nur selten für Ausstellungen geöffnet wird. 


2011, Litauen, Eingangshalle der Scuola S. Pasquale
neben S. Francesco della Vigna
Luxemburg hat seinen Sitz wie immer im Wassergeschoss der Ca' del Duca, in der bauhistorisch nicht mehr viel zu sehen ist, eine ganz kleine freskenschmückte Säule vielleicht. Zu sehen gibt es eine Einzelausstellung "Thank you so much for the flowers" von Mike Bourscheid, könnte witzig sein. Und, ebenfalls wie immer, die schöne Treppe, die in den Canal Grande ragt, auf der man während eines Sitzpäuschens beobachten kann, wie der Verkehr fließt. Buchstäblich. Haltestelle S. Samuele und Accademia.

Makedonien stellt unter dem Titel "Red Carnival" ein Konzept Künstlers Tome Adzievski aus. Zentrale Objekte sind Teil eines James-Bond-Film und quasi als Skulptur der BMW aus dem Film. Lassen wir uns überraschen. Leider ist den Informationen nicht der Ausstellungsort zu entnehmen...!

Die Mongolei war viele Jahre Teil der jedes Mal sehr beeindruckenden Gruppenausstellung "Zentralasien". Seit 2015 präsentiert sich das Land alleine, jetzt mit dem Projekt "Lost in Heaven". Die beteiligten Künstler*innen sind Chimeddorj Shagdarjav, Enkhtaivan Ochirbat, Munkhbolor Ganbold, Bolortuvshin Jargalsaikhan und Davaajargal Tsaschikher. Austellungsort ist das Ufer der Sette Martiri in der Nähe der Vaporettohaltestelle Giardini. Haltestelle Giardini.

Montenegro stellt wieder im Hinterhaus des Palazzo Malipiero aus. Vor 10 Jahren waren die Räume noch so krumm, dass einem schwindlig wurde, mittlerweile wurden Fussböden und Wände begradigt, Butzenscheiben eingebaut. (Weiteres unter Bosnien Herzegowina). Ivana Radovanovic und Adin Rastoder präsentieren ihr Projekt Covjek - Uomo - Human. Haltestelle S. Samuele.


2011, Cypern, Hof des Hinterhauses Palazzo Malipiero
Nigeria freut sich am 29.1. in einem Artikel des Guardian auf seinen ersten Biennale-Auftritt in Venedig. Ort ist die Via Garibaldi 1814 (Art Space) gegenüber dem Garibaldi-Denkmal und der Allee, die zu den Giardini führt, in anderer Richtung zum Arsenale. Ideal. Peju Alatise, Victor Ehikhamenor, Qudus Onikedu, Wana Udobang sind die Künstler*innen für Nigeria. Haltestelle Arsenale und Giardini.

Portugal wird vertreten von José Pedro Croft, sein Projekt heisst "Medida Incerta" - Unsichere Maßnahme. Ich finde bisher keine Details darüber. Als Ausstellungsort wird bisher nur 'Giudecce' angegeben, das wird sicher spätestens im Mai noch klarer.

San Marino kooperierte bei der Kunstbiennale 2015 in einem "Friendship Project" mit China (in den Kreuzgängen von S. Stefano). Für 2017 und 2019 wurden Friendship Projects mit Russland bzw. den USA angekündigt. Obwohl auf der Website der Biennale aufgeführt, sind keine Details zu finden (auch nicht auf der Staatsseite von San Marino). Geduld.

Die Ausstellung der Seychellen wird wieder von Seychelles Artprojects Foundation organisiert oder unterstützt, die bisher noch keine Details für 2017 veröffentlicht hat. Abwarten also.

Auch für Syrien, das wieder auf S. Servolo ausstellt, finde ich noch keine Details außer dem Titel der Veranstaltung: "Everybody admires Palmyra's Greatness". So ist es, und unter den gegenwärtigen Bedingungen hat die Gegenwartskunst wohl nur marginale Chancen in Syrien.

Thailand nennt seinen Biennaleauftritt "Krung Thep Bangkok" und ich vermute, es geht um den Namen der Hauptstadt Krung Thep Maha Nakhon. Gezeigt wird eine Einzelausstellung des Münchner Künstlers Somboon Hormtientong in der Terrassenbar Paradiso am Ufer der Giardini.


2013, Ukraine im Palazzo Loredan
Die Ukraine zeigt zentral das ein Werk aus dem Jahr 2014 des Fotographen Boris Mikhailov aus unter dem Titel "Parlament". Ausstellungsort ist Cannaregio 1345/D beim Campo S. Leonardo, spontan fällt mir nichts zu diesem Gebäude ein. Überraschung! Haltestelle S. Marcuola und Guglie.

Zimbabwe nimmt zum 4. Mal an der Biennale teil, jedesmal in der gleichen Location im Istituto S. M. della Pietà (Fahrstuhl!) und jedesmal hat mich die Kunst aus Zimbabwe überwältigt. Welche Themen, welche Kunstformen und Materialien auch immer, die Kraft der meisten dieser Künstler*innen ist aus meiner Sicht überzeugend. Das diesjährige Thema "Deconstructing Boundaries: Exploring Ideas of Belonging" macht sofort neugierig, und wieder sind mehrere Künstler*innen beteiligt: Sylvester Mubayi und mehr zu ihm, Charles Bhebe, Dana Whabira und Admire Kamudzengerere. Nach 4 Besuchen: ich empfehle Zimbabwe! Haltestelle S. Zaccaria.

Zypern, das viele Jahre im Palazzo Malipiero ausstellte, sitzt in diesem Jahr im schlichten Spiazzi, an der Brücke, die von S. Martino nach Westen (links) führt. Der Künstler Polys Peslikas zeigt in einer Einzelausstellung "The Future of Colour". Haltestelle Arsenale und S. Zaccaria.

An diesem Eintrag wird wegen der vielen Lücken weitergearbeitet.


2011, Zimbabwe, Misheck Masamru, Istituto S. M. della Pietà


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11. Februar 2017

Carnevale in Venedig 2017




Ich habe ein Karnevalsmail bekommen:
Hallo Brigitte, 
ich weiß, dass du als Bonnerin den Carnevale di Venezia eher mit Zurückhaltung siehst, wollte Dich aber trotzdem darauf hinweisen, dass das kulturelle Programm wieder Besonderheiten wie Führungen durchs Stadtarchiv, kostenlose tägliche Führungen durch Peggy Guggenheier im Teatro Malibran birgt. Vielleicht wäre der Hinweis darauf einen Beitrag in deinem Blog wert, da viele Reisende dieses alljährliche vielseitige Programm abseits der Veranstaltungen auf dem Markusplatz gar nicht kennen. 2013 habe ich so zB den Palazzo Pisani in einer italienischen Führung erkunden können und war in einem kostenlosen Alkan-Konzert des Pianisten Vincenzo Maltempo im Palazzetto Bru Zane. Ein ganz großartiges und einmaliges Angebot!

Liebe Grüße, K...

K. hat natürlich recht, mit dem großartigen Angebot wie mit der Vermutung, dass die meisten Jecken auf dem Markusplatz nicht wissen, was sonst noch in der schönsten Stadt vor sich geht, auch im Carnevale. Und ich weiss natürlich, dass ich in meiner Karnevalsabstinenz da einiges verpasse. Siehe auch Eintrag "Carnevale 2016", und da besonders den verlinkten Artikel von Dirk Schümer vom 7.2.2016. 
Da ich weiterhin keine Karnevalsexpertin mehr werde, folgt also auch in diesem Jahr eine unkommentierte Liste aus teils Gesamtprogrammen, teils Details, die ich persönlich spannend finden würde, wenn ich denn in Venedig wäre. Eine Führung im Stadt-, auch nicht im Staatsarchiv habe ich nicht gefunden. Wird ergänzt, falls doch noch.
Ergänzungen, Erfahrungen, Empfehlungen werden über die Kommentarfunktion oder als Mail erfreut angenommen und weiter verbreitet.




Offizielles Gesamtprogramm 2017
sortiert nach Veranstaltungsdatum

Kinderkarneval der Biennale di Venezia
Komplettes Programm als PDF (36 Seiten!)
Videos (Ergänzung 25.2.)

Kinderkarneval in den Städtischen Museen

12.2. Dogenpalast und 25.-28.2. im Museum Palazzo Mocenigo

28.2. Kinderkarneval in Malamocco, Porgramm siehe Plakat




11.-28.2. San Lio: Ausstellung "Vestire lo spazio". Stoffe, Farben, Düfte im Kirchenrau. Mit kostenlosem Führungsprogramm.

11.-28.2. Carnevale in der Peggy Guggenheim Collection. Programm und Angebote.

12.2. 11-11:45 Uhr Karnevalszug der venezianischen Ruderclubs ab Dogana durch den Canal Grande zum Canale di Cannaregio.  

14.-28.2. Teatro GoldoniProgramm für die Karnevalswochen.

18.2. "Musikalischer Weg" mit rumänischen Alphörnern zu drei Kultur- bzw. Bildungsinstitutionen Venedigs. Start um 12:30 Uhr im rumänischen Kulturinstitut, Campo S. Fosca; um 13:30 Uhr in den Kreuzgängen von S. Salvador (Telecom Future Center di Venezia) und 14:30 Uhr im Ateneo Veneto in der ehemaligen Scuola S. Fantin. Drei interessante Gebäude, ein schöner Mittagsspaziergan durchs Stadtzentrum. 

18.-27.2. Carnevale auf der Insel Burano. Gesamtprogramm auf englisch und auf italienisch (nicht ganz identisch).

18-28.2. Ausstellung der Bürgerinitiative 'Poveglia per tutti' im Palazzo delle Prigioni 'L'isola di Poveglia'. Gelegenheit, als Tourist*in ein bisschen mehr von deren Anstrengungen zu erfahren.



18.-28.2. Fondazione Querini Stampalia: Programm während des Carnevale.

18.-28.2. jeweils 10-13 Uhr, Archivio di Stato (Staatsarchiv neben der Frari Kirche): Ausstellung Karten und Kostüme, kostenlose Führungen.

19.2. 11:20 Uhr Ca' Giustinian:  "Die venezianischen Gärten - ein musikalisches Puzzle", Annette Schlünz. Uraufführung durch die Komponistin im Rahmen des Kinderkarnevals der Biennale. Eine Veranstaltung des Deutschen Studienzentrums Venedig.

19.2. 9:30 Uhr Karnevalszug der venezianischen Ruderclubs durch den Canal Grande von S. Marcuola zur Ca' Giustiniani (Sitz der Biennale , wo man auf der Uferterasse der Bar 'L'ombra del leone' seinen Morgenexpresso geniessen kann) und 10:30-10:50 Regatta zurück nach S. Marcuola.

23.-26.2. Romeo e Giulietta. Aufführung mit Publikumsbeteiligung durch die Räume des wunderbaren Palazzo Grimani. Eine Inszenierung des Teatro Stabile del Veneto Verona zum 500. Todestag William Shakespeares 2016. 

23.-26.2. Dogenpalast: Sonderöffnung täglich bis 22:00 Uhr. Ermäßigter Eintritt für Besucher*innen im Karnevalskostüm.

23.2. 20:00 Uhr Scuola Grande di San Giovanni Evangelista "Votez pour moi!. Politisches Lied mit der Gruppe La Clique de Lunaisiens. Eine Veranstaltung des Palazzetto Bru Zane.

27.2. Museum Torcello: Karnevalsermäßigung für alle Besucher. Ein wunderbarer Vorschlag, sich dem Massenrummel im Centro Storico zu entziehen.




Auf der Piazza San Marco präsentieren sich wieder Handwerker- und Kunsthandwerker*innen in Buden, die den früheren Marktständen der Feiertagsmärkte auf der Piazza nachempfunden sind (siehe unten). Da ich nicht selbst berichten kann, empfehle ich, den differenzierten Bericht im venezia blog vom Carnevale 2016 zu lesen. 

Sonderlinien während des Karnevals im Vaporettoverkehr
Fahrpläne
Routenplan
Zugverbindungen vom Festland zum Bahnhof Venedig S. Lucia





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10. Februar 2017

5. Februar 2017

Lutherjahr - Venedig ist "Reformationsstadt Europas"

Lutherportrait  der Cranach-Werkstatt 
in S. Angelo Custode
Venedig wurde im vergangenen Oktober für das Lutherjahr 2017 mit dem Titel "Reformationsstadt Europas" geehrt. Damit wird auch die Aufmerksamkeit interessierter Tourist*innen auf die beiden protestantischen Kirchen in Venedig gelenkt. Neben den vielen sehr alten und meist künstlerisch reich ausgestatteten katholischen Kirchen und der spezifischen Kultur der griechischen und armenischen Kirchen finden sie, bescheiden und bedauerlicherweise, zwar gezieltes aber weniger allgemeines Interesse. 

Die Rede ist von der evangelisch-lutherischen Kirche S. Angelo Custode und der evangelisch-reformierten Kirche der Waldenser im Palazzo Cavagnis


Eingangshalle der ev.-luth. Kirche S. Angelo Custode

1713 baute Andrea Tirali die Scuola der Bruderschaft S. Angelo Custode errichtet. Nach der Schließung von Kirchen, Klöstern und Bruderschaften am Ende der Republik erwarb der deutsche Kaufmann Sebastian Heinzelmann das Gebäude. Vermutlich auch wegen der günstigen Lage am Rio und Campo dei SS. Apostoli direkt an der Brücke, die zum damaligen deutschsprachigen Hotel Leon Bianco in der Ca' da Mosto führt, quasi um die Ecke zum Fondaco dei Tedeschi, dem Haus der deutschsprachigen Kaufleute. Hier stand den ausländischen Protestanten seit 1657 ein Gebetsraum zur Verfügung, nachdem die Reformation in Venedig schon zu Luthers Lebzeiten angekommen war. (Die katholischen Geschäftsleute hatten ihre deutsche Kirche zwei Schritte weiter, in S. Bartholomeo.) 

Die ehemalige Scuola des Heiligen Schutzengels ist eine Wende in der Geschichte der evangelische Gemeinde, in der bis heute deutsch gesprochen wird und deren Zugewandtheit und Gastfreundlichkeit ich nur rühmen kann, und zwar von einzelnen Gemeindemitgliedern bis zum Pfarrer. Rühmenswert sind auch die Offenheit in den Beziehungen zur Kommune Venedig, anderen Kirchen und Glaubensgemenschaften und der Präsentation von kulturellen Veranstaltungen (nächste: Sonntag 5. März, 17 Uhr, Mestoso Brass aus Detmold) bis hin zu z. B. einem schönen Projekt der Kunstbiennale 2011, inklusive eigenem Pressebericht. Mich beeindruckt das sehr.


Die evangelische Gemeinde bei der Performance von Passage 2011
als Bootsträger*innen
Die Schutzengelskulptur über dem Haupteingang ist ein Werk des aus Rheine stammenden Künstlers Heinrich Meyring (siehe S. 6 der verlinkten Diss.). Die Wände der Eingangshalle, ehemaliger Versammlungsraum der Scuola, tragen alte Grabdenkmäler der Gemeinde. Die Protestanten*innen Venedigs wurden seit 1719 auf der kleinen Klosterinsel S. Cristoforo della Pace bestattet. Als S. Michele mit S. Cristoforo zur Friedhofsinsel vereint wurde, erhielten Evangelische und Orthodoxe ihre jeweils abgetrennten Sonderbereiche. 

Im oberen Stockwerk, dem Gebetsraum der ehemaligen Scuola, befindet sich der Kirchenraum, unkatholisch schlicht aber beeindruckend gestaltet mit einem Altarbild des Engels Raffael mit der Madonna von Sebastiano Ricci, einem kleinformatigen aber virilen 'Erlöser' von Tizian (ein Geschenk aus dem Fondaco dei Tedeschi) und einem sehr kleinen Lutherportrait aus der Cranach-Werkstatt

Im Sommer 2012 drohte der Einsturz der Decke, vermutlich in Folge der starken Erdbeben in der Emilia Romagna. Die Renovierung war (für venezianische Verhältnisse ruckzuck) im folgenden Jahr erledigt, die Kirche konnte wiedereröffnet werden.

Für Besucher*innen geöffnet Di 11-13, Sa 16-19. Es halten sich Gemeindemitglieder in der Halle und in der Kirche auf, die sehr freundlich auf Fragen eingehen. Gottesdiensttermine finden sich im Gemeindebrief, den man auf der Website als PDF herunterladen kann.


Kirchenraum S. Angelo Custode


Der Palazzo Cavagnis liegt etwas versteckt auf dem Weg zwischen S. Maria Formosa und SS. Giovanni e Paolo. Er ist ein Kulturzentrum der evangelisch-reformierten Kirche der Waldenser Italiens. Die Kirche ist eindrucksvoll in ihrer fast völlig schmucklosen Bescheidenheit. (Schlicht auch ihr Internetauftritt). Es gibt allerdings in regelmässigen Intervallen kostenlose Kulturveranstaltungen mit Schwerpunkt Musik (auf das ich in der Regel im Kulturkalender hinweise) und das Gästehaus, das seit ein paar Jahren günstige Übernachtungen anbietet (enthalten auch im Eintrag 'Wohnen in Klöstern, Wohnheimen, Stiftungen'). 

Ich selbst habe das Gästehaus noch nicht getestet und bisher auch keine Information von Korrespondent*innen. Die Kirche im Parterre des Palazzo ist als solche nicht von außen zu erkennen; als Nicht-Gast kann man an der Rezeption bitten, die Kirche besichtigen zu dürfen. Was auf sehr freundliche Art erlaubt wird. Auf der Website findet man die Gottesdiensttermine.


Evangelisch-reformierte Kirche im Palazzo Cavagnis


Reformationsstädte Europas
Wikipedia: Reformationsstadt Europas
Luther 2017
Europäischer Stationenweg 2017 dazu Ausstellung in S. Angelo Custode 21.1.2017


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29. Januar 2017

Zwischendurch kurz... ein CHORUS-Pass


Eine Korrespondentin kommt gerade aus Venedig zurück mit einem fast ungenutzten CHORUS-Pass, den sie verschenkt. Eine Kirche ist abgehakt. Der Pass ist noch gültig bis einschließlich 26. Feburar, also fast 4 Wochen. 

Wer in dieser Zeit nach Venedig fährt und Verwendung hat, melde sich bitte per Mail und mit Postadresse bei mirebbonn@googlemail.com - ich leite das Mail weiter. Eine Freundlichkeit zwischen Venedig- Appassionati... mittlerweile erledigt.


CHORUS-Kirche Santissimo Redentore


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19. Januar 2017

Jubiläum



Im Januar 2007 bat ich meinen privaten Berater in Kommunikations- und informationstechnischen Fragen, mich mal zu Nutzungsoptionen von Social Media für meine beruflichen Zwecke rundum zu informieren. Social Media waren das große Thema und professionelle Optimierung immer gut. 

Ich bekam keine Erklärungen, sondern die Aufforderung, ALLES auszuprobieren. Social Media seien nur Werkzeuge, jede*r müsse eigene Nutzungsweisen und -möglichkeiten für sich herausfinden und zwar selbsttätig. Und dann entscheiden, ob, wie und in welchem Umfang jedes einzelne Medium ür seine jeweiligen Zwecke geeignet seien. 

Habe ich so gemacht. Die Versuchsreihen waren viel Arbeit, nebenbei, privat, aber nach einem halben Jahr war klar, welche Angebote ich für meine Berufstätigkeit nützen würde. Bloggen war ausprobiert, wurde aber aussortiert. 
"Fang einen  Blog an. Such dir ein Thema, das du spannend findest, in dem du dich auskennst und was zu sagen hast, sonst bleibst du nicht dabei. Jede Woche ein Eintrag, diszipliniert, glaubwürdig, mindestens ein halbes Jahr. Dann weisst du, ob das was ist oder nicht." Hatte der private Berater gesagt. Es war was, aber nicht für den beruflichen Bedarf. 

Dem schlichten ersten Eintrag am 21.1.2007 folgten anweisungsgemäß wöchentliche Blogs. Recherchen zu Themen und Kontakte zu Bloggern, Autor*innen und anderen Expert*innen entwickelten sich schnell. Nach dem Probehalbjahr war der Blog ein schönes kleines Privatprojektchen, das Spaß machte und aus meiner Sicht unter jedem Radar im großen www flog. 

Nach 10 Jahren und über 550 Einträgen macht es immer noch Spaß. Viele Texte verlieren ihre Aktualität, viele Links ihren Anschluss und sind damit irreparabler Schrott, aber manche Einträge haben über die Jahre ihren Informationsgehalt und ihre Lesbarkeit erhalten, manches Foto hat Dokumentationswert. Und ich fliege nicht mehr unter dem Radar. Es gibt einfach zu wenige deutschsprachige Blogs zu Venedig - aber jede Menge italienische, englische, französische. Jeder Reiseführer empfiehlt mittlerweile "Unterwegs in Venedig", Reiseseiten von Tages- oder Wochenzeitungen auch mal.

Was aber wirklich unschätzbar ist, sind die Antworten auf meine Arbeit und die Kontakte, die beim Bloggen entstehen. Die Freundlichkeit und die Aufmerksamkeit von Korrespondent*innen treffen mich immer wieder überraschend. Die Anfragen zu venezianischen Details von Menschen, die ein Buch oder eine Examensarbeit (Architektur, Geschichte, sogar Philologie!) schreiben und meiner Expertise trauen, sind so eine schöne Herausforderung. Die gemeinsame Leidenschaft für Venedig schenkte wunderbare und unerwartete Begegnungen und Erfahrungen, schuf in 10 Jahren spannende Kooperationen, ja sogar dauerhafte Freundschaften, auch über diverse Arten von Grenzen hinweg  und hinüber. 

Ich bin für all das dankbarer, als ich ausdrücken kann. Das rettet mich bisher aus meinen Venedigkrisen, wenn mir die Zukunft der schönsten Stadt mal wieder unrettbar erscheint. Herzlichen Dank allen, die auf ihre Weise 10 Jahre mit diesem Blog und mir unterwegs in Venedig waren.





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15. Januar 2017

Erster Blick zur Biennale 2017 - ARSENALE

Alle Fotos dieses Eintrags: Biennaleausstellungen
im Arsenale 2011/2013

Die Ausstellungen auf dem Biennalegelände der Giardini sind gut zu überblicken: nationale Präsentationen in den nationalen Pavillons (die auch beeindruckende Beispiele nationaler Selbstdarstellungsarchitektur des 20. JH sind) und die internationale Präsentation der jeweiligen künstlerischen Biennaleleitung (2017 Christine Macel "Viva Arte Viva") im Zentralgebäude. Im Zentralgebäude befinden sich außerdem die Bibliothek und das Archiv der Biennale, der Buchladen, Unterrichtsräume für Gruppen und ggfs. ein Forum.

Im Arsenale allerdings laufen die Dinge etwas durcheinander. Die Corderie, auch Tana genannt, also die laaange ehemalige Reeperbahn des Arsenale, zeigt großenteils weitere Werke und Künstler*innen, die von der Biennaleleitung zur Teilnahme ausgewählt und eingeladen wurden. Aber AUCH nationale Ausstellungen. Weitere Gebäude wurden seit einer Dekade renoviert und für Ausstellungszwecke hergerichtet (Sale d'armi, Artiglierie, Isolotto etc.). Hier finden immer mehr Nationenausstellungen einen Platz, der auf dem offiziellen Biennalegelände natürlich zentraler und günstiger ist als ein in der Stadt angemietetes Gebäude. 
Ein Theater wurde eingerichtet. Der Garten der Vergini wurde 2009 Teil des Biennalegeländes. Auch das gegenüberliegende Ufer des Arsenale novissimo steht mit den riesigen Tese (Hallen) und dem renovierten Turm an der Porta Nuova für Ausstellungen von Nationen wie auch 'eventi collaterali', Nebenveranstaltungen, zur Verfügung. Wer nur gelegentlich die Biennale in Venedig besucht, hatte in den letzten Jahren oft Gelegenheit, sich über die Ausbreitung der Kunst im Arsenale zu wundern. 



Wer also nach dem Besuch der Giardini, wo auf jedem Haus draufsteht wer oder was drin ist, im Arsenale aufschlägt, hat die erfreuliche Wahl: einen Zug durch die Ausstellungen machen, Eindrücke sammeln, sich beeindrucken lassen. Oder mit dem Katalog in der Hand, oder zumindest dem kostenlosen Faltblatt, nachprüfen und sich vergewissern, was hier zu sehen und zu erfahren ist. Oder sich auf eine Mischung von beidem einstellen.
In diesem Eintrag ist die Rede von den nationalen Ausstellungen von
Tuvalu
Chile
Albanien
Singapore
Neuseeland
Georgien
Türkei
Slovenien
Italien
Südafrika
Malta
Lettland
Estland

Philippinen
Vereinigte Arabische Emirate
Argentinien
Pavillon IILa (Istituto Italo-Latino Americano
Irland




Tuvalu stellt zum 3. Mal aus und zwar zum 3. Mal den gleichen Künstler Vincent J. F. Huang (siehe Eintrag 2013 - 6. Absatz und 2015 - 12. Absatz). Darüberhinaus vertrat Huang die Insel Tuvalu auf dem UNO Klimagipfel 2012. Das Projekt dieses Jahres nennt er "The Global Interactive Program", natürlich geht es um den Klimawandel, von dessen Folgen Tuvalu wie auch Venedig in vorderster Front betroffen ist. Mangels weiterer Informationen ist mir das Konzept etwas rätselhaft ("online- und offline-Projekte?). Spannend.

Chile zeigt ein anthropologisch orientiertes Projekt des Künstlers Bernardo Oryazún mit dem Titel "Werken". Im Fokus steht das südamerikanische Volk der Mapuche, ihre bildende Kunst und Sprache. 

Im Pavillon Albaniens gibt es unter dem Titel "Occurence in Present Tense" Malerei des Künstlers Leonard Qylafi. Die Entscheidung für ihn stieß auf Proteste der ungarischen Kunstszene. 

Ein Konflikt belastet auch den Auftritt Singapores. Der Künstler Zai Kuning, die Kuratorin June Yap und der Projektleiter Neo Kim Seng haben sich verkracht, die beiden letzteren schieden aus dem Team aus. Zai Kunings bringt maritime Skulpturen, 'Geisterboote' des malaysischen Archipels, nach Venedig, und trotz der personellen Querelen steht die Planung.



Neuseeland wanderte bisher mit seinen Ausstellungen durch die halbe Stadt, stellte in diversen tollen Palazzi am Canal Grande aus oder z. B. in der (immer geschlossenen) Kirche S. M. Maddalena. Jetzt hat man endlich einen eigenen Raum im Arsenale, im Isolotto nahe beim großen Kran. Die Ausstellung der Künstlerin Lisa Reihana enthält auch ihr Panoramavideo "In Pursuit of Venus" und neue Fotoarbeiten.

Georgien hat seinen Pavillon in den Sale d'armi und wird repräsentiert durch den in Berlin lebenden Vajiko Chachkhiani. Förderpreis zum Rubenspreis der Stadt Siegen und ein aktueller Atelierbesuch.

Der Pavillon der Türkei stellt Werke von Cevdet Erek aus (der nebenbei auch Schlagzeuger von Nekropsi ist, reinhörn, hat definitiv was!). Die Informationen unter diesen Links stammen aus der Zeit vor dem Putsch in der Türkei und wurden anscheinend nicht von plötzlichen Veränderungen betroffen, obwohl auf der Website der Istanbuler Foundation for Culture and Arts, IKSV, noch keine Details für die Biennale 2017 zu finden sind.

Slovenien wird von der Künstler Nika Autor repräsentiert. Ein kleines Bisschen mehr.



Die Hallen des italienischen Pavillons im Arsenale will die in New York lebende Kuratorin Cecilia Alemani mit nur 3 Künstler*innen füllen: Giorgio Andreotta Caló (Skulpturen), Roberto Cuoghi (Skulpturen), Adelita Husni-Bey (Performances, Experimente). Mehr dazu auf italienisch in der Artribune
Trotz der großartigen Riesendinger von Robert Cuoghi, vor denen wir schon 2013 mit offenen Mündern im Arsenale standen, und möglichen raumgreifenden Performances konzipiert von Adelita Husni-Bey, frage ich mich doch, wie das gehen kann und bin gespannt auf die Arbeit der Kuratorin. 
(Der letzte Satz im Artikel der New York Times sollte nicht untergehen: "An earlier version of this article referred incorrectly to the Biennale. It is an exhibition, not an art fair where works are for sale, and thus it does not draw 'high sales'." Haha, das nenne ich einen unbeabsichtigten Kracher.)
Ergänzung zum Pavillon Italien am 24.2.


Mexico hat für seine Ausstellung Carlos Amorales gewählt, er präsentiert das Projekt "Life in the Creases" (Leben mit Falten? Leben in Knitterfalten?). Mehr ist noch nicht zu erfahren, aber mehr zum Künstler.

Den Pavillon Südafrika in den Sale d'armi (Obergeschoss, unbehinderter Zugang mit Lift und Rolltreppe von Rem Koolhaas) teilen sich Candice Breitz und Mohau Modisakeng. Lesenswerter Artikel dazu aus TimesLive vom 10.1.2017.

Malta hat sich 17 Jahre nicht an der Biennale beteiligt. Nicht nur der EU-Vorsitz 2017 ist also bemerkenswert, sondern auch die Rückkehr nach Venedig. Raphael Vella und Bettina Hutschek konzipieren gemeinsam die Ausstellung "Homo Melitensis". Videos von Bettina Hutschek. Veröffentlichungen von Raphael Vella (Kunsterziehung).

Latvia, Lettland zeigt "Structures of Worries", Gefüge der Sorgen, von Mikelis Fisers. Auf seiner Website wird allerdings "What Can Go Wrong" angekündigt, in lettisch, und deshalb kann ich nicht nachprüfen, was hier unter Umständen falsch läuft. Video Mikelis Fisers, lettisch.



Argentiniens Pavillon im Parterre der Sale d'armi wird von der Künstlerin Claudia Fontes gestaltet.

Estland zeigt ebenfalls eine Einzelkünstlerin, Katja Novitskova, mit ihrem Projekt "If only you could see what I've seen with youre eyes".

Die Philippinen landen mit ihrem 3. Auftritt in Venedig (1964, dann erst wieder 2015 beeindruckend im Palazzo Mora) im Arsenale. Lani Maestro und Manuel Ocampo beziehen sich in ihrem gemeinsamen Projekt auf ein Schlüsselwerk der philippinischen Literatur, Noli me tangere von José Rizal.

Die Vereinigten Arabischen Emirate in den Sale d'armi stellen wieder eine Gruppe von Künstler*innen aus, nicht ganz so zahlreich wie die Gruppe der Biennale 2015, als der Pavillon sehr vollgestopft und unabgestimmt wirkte. Das hat das Kuratorium anscheinend selbst bemerkt (diesjähriger Kurator: Hammad Nasar), diesmal also nur 5 Teilnehmer*innen: Nujoom AlghanemSara Al Haddad, Vikram Divecha, Lantian Xie, Mohamed Yousif, Thema der Ausstellung: "Rock, Paper, Scissors: Positions in Play".
Das Praktikumsangebot des VAE-Pavillons erwähne ich wieder, es scheint, zumindest von außen gesehen, ein pfiffiges System, jungen Leuten in größerer Zahl differenztierte Arbeits- und Auslandserfahrungen zu ermöglichen. 

Zur Ausstellung Argentiniens  gibt es noch sehr wenig Information im www. Es stellt außerdem eine Künstlerin aus, über die genauso wenig zu finden ist: Claudia Fontes. Da muss man sich wohl noch ein wenig gedulden.

Auch zum Pavillon des Istituto Italo-Latino Americano (IILA) in direkter Nachbarschaft im Arsenale findet sich bisher nur ein Aufruf an Künstler*innen und Kurator*innen

In der gleichen Nachbarschaft stellt Irland aus, das früher auch zu den durch diverse Palazzi wandernden Teilnehmerländern gehörte. Die Künstlerin Jesse Jones arbeitet mit verschiedenen Medien, schwerpunktmässig Film, und scheint für Venedig mit der Schauspielerin Olwen Fouéré eine performative (feministische?) Präsentation zu planen. Mehr zu Olwen Fouéré.





Auch im Arsenale stehen noch die Informationen zu diversen nationalen Ausstellungen aus. Werden nachgeliefert, hier unten:

24.1. Kroatien zeigt unter dem Titel "Horizon of Expectations" Werke von Tina Gverovic und Marko Tadic.

13.2. Kosovo wird vertreten durch den Künstler Sisley Xhafa.

26.2. Der "Heilige Stuhl", also der Vatikan, seit 2013 mit einem festen Ausstellungsraum in den Sale d'Armi, setzt in diesem Jahr aus. Die Herren arbeiten schon an ihrem ersten Architekturauftritt bei der Biennale 2018.  

26.2. Die Volksrepublik China, deren großer Ausstellungsraum lange vollgestellt war mit rußigen Industriekesseln, ist seit der letzten Kunstbiennale eine leere Halle, die auch kaum noch nach Brand und Ruß riecht. Schade, das hatte was. Im diesjährigen Projekt "Continuum - Generation by Generation" stellen 4 Künstler*innenn aus, alle Details im Link oben. Die Ausstellung setzt sich im Freien des Arsenalegeländes fort (möglicherweise) bis in den Giardino delle Vergini.

26.2. Mexico, das nach beeindruckenden Ausstellungen z. B. im Palazzo Soranzo van Axel und in S. Lorenzo einen festen Ausstellungsplatz im Arsenale gebucht hat, zeigt "Life in the Creases" - Leben in den Falten - Arbeiten von Carlos Amorales. "Black Cloud" von Carlos Amorales.


Siehe auch Eintrag vom 13.1.2017: 
Erster Blick auf die Biennale 2017 - GIARDINI
und 24.2.: Nationalpavillons in der Stadt.






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