16. November 2018

Zeit der Geschenke...



...ist wieder da und zeigt sich an den derzeit vielen Besuchen des Eintrags "Geschenke für VenedigliebhaberInnen" von 2014.

Ich habe den Eintrag überprüft und finde ihn immer noch gültig. Zu korrigieren ist nur der Link zur Peggy Guggenheim Collection und dem Verkauf von Jahrestickets

Ich habe wenige weitere Empfehlungen.
Nur gültig für dieses Jahr ist der Online-Verkauf von Malefatte 23.-26.11. mit deutlich ermäßigten Preisen.
Auf die Kooperative der venezianischen Gefängnisse habe ich mehrfach hingewiesen, zuerst im Eintrag "Rio terà dei Pensieri" von 2011. Außerdem: aktuelle Liste der Geschäfte in Venedig (und anderswo), in denen Malefatteprodukte zu kaufen sind.  

Empfehlen möchte ich den Online-Shop von Venice in Peril. Das ist die britische der Organisationen, die sich nach dem Großen Hochwasser von 1966 gründeten um die Restauration beschädigter historischer Gebäude und Kunstwerke zu finanzieren. Hier findet man online Geschenke für Freund*innen Venedigs, die mehr als Konsum sind. Und wer gar keinen Konsum braucht, kann mit einer Spende im Namen der/des zu Beschenkenden vielleicht eine sehr spezielle Freude machen.  

Kein Shop, aber Vorschläge für Restaurationssponsoring findet man bei einer weiteren (der amerikanischen) Organisation, "Save Venice", in allen Preislagen. Wie schön, bei Venedigbesuchen das Objekt immer wieder zu besuchen, dessen Erhalt man mitfinanziert hat! Andere Leute werden Pate eines Leguans oder Marabus im örtlichen Zoo...

Eine Buchempfehlung zum Thema Venedig ging durch viele Feuilletons, zu recht: "Venedig" Jiro Taniguchi; auf deutsch erschienen 2017.
Deutschlandfunk Kultur
Comic Das Magazin für Comic-Kultur
FAZ
Ich habe das wunderschöne Buch direkt nach seinem Erscheinen 2014 im Espace Vuitton in Venedig gesehen, mittlerweile gab es Übersetzungen in weitere Sprachen. In einigen venezianischen Museumsbookshops auch auf deutsch erhältlich, aber natürlich in jedem Buchladen bestell- und lieferbar.

Ein Buch, das ich bereits 2014 empfohlen habe, "Architekturführer Venedig", gibt es mittlerweile in 5 Sprachen und verdient deshalb eine weitere Empfehlung. Für alle, die Venedigfreund*innen anderer Sprachen mit einem außergewöhnlichen Venedig-Führer beglücken wollen. Ebenfalls in venezianischen Museumsshops und Buchhandlungen erhältlich, wie auch hierzulande online oder im Buchhandel.

Wer nix kaufen kann oder will, kann trotzdem eine*n Venedigfreund*in mit einem ungewöhnlichen Geschenk überraschen: der Onlineversion der Graphic Novel "Casanova in Paris". Die Kapitel 1 und 6 stehen kostenlos zur Verfügung, die weiteren Kapitel kann man mit einer "Mitgliedschaft" in Höhe von wahlweise 5, 10 oder 20  £ ein Jahr lang lesen. Den Text gibts in diversen Sprachen,  original in englisch; die Übersetzungen leiden leider unter den typischen online-Schwächen. Trotzdem - die Geber*innen zeigen, dass sie  geschenkemäßig kreativ sind! Weitere Informationen zum Verlag auf Twitter.

Einen Stadtplan von Venedig hat jede*r von uns in der Tasche. Zum letzten Geburtstag habe ich einen neuen bekommen, der wirklich mal in die Kategorie "pfiffiges Produkt" fällt: "Crumpled City". Das Material ist nicht Papier oder dicke bedruckte wasserfeste Folie, sondern das dünne weiße Zeug, aus dem Schutzanzüge hergestellt sind. Je mehr man es krumpelt, desto weicher wird es und man kann die Karte tatsächlich wie ein Papiertaschentuch ungefaltet in die Jackentasche stopfen. Weitere Tests verliefen erfolgreich: wasserfest, abriebfest, einschränken würde ich die Verwendung von Whiteboardstiften - sie lassen sich zwar abwaschen, aber je nach Farbintensität der Stifte bleiben Schatten der Markierungen auf der Karte zurück. Generell, aber besonders für nasse Tage ein idealer Begleiter in Venedig.

Neben einem funktionellen Stadtplan ist wohl das zweitwichtigste Utensil für Venedigbesuche ein Taschenfernglas. Unverzichtbar, um Details an weit entfernten Altartafeln, Fresken an hohen Wänden und Decken, architektonische Details an Hausfassaden, Kirchturmspitzen etc. angemessen sehen zu können. Nur mit einem Taschenfernglas kann man Christus in S. Giovanni in Bragora in die blauen Augen sehen, oder die Details der Propheten in der Kassettendecke von S. M. dei Miracoli. Seit 20 Jahren verwende ich ein Sonderangebot von Fielmann, das knapp 20 € kostete, kaum Gewicht in die Schultertasche bringt und für meine Zwecke voll ausreicht. Wer noch keines hat oder Venedigliebhaber*innen kennt, die bisher darauf verzichten, findet eine breite Auswahl kleiner Taschenferngläser oder z. B. ein günstiges in guter Qualität.

Ein Blick in die Einträge unter dem Label Buchempfehlungen ist bei der Geschenkesuche hilfreich - viel Erfolg beim Schenken!

(Wie immer beruhen Empfehlungen ausschließlich auf meiner persönlichen Bewertung und nicht auf 'Influencer'-Boni oder Ähnlichem.)







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12. November 2018

Aurora Terza Colonna

Piazetta September 2018

Nach dem letzten Eintrag zur Archäologie der Baustellen an der Piazza und den Giardini Reali bleiben wir noch einen Moment bei der Archäologie. Denn der schöne Titel dieses Textes bezieht sich auf ein weiteres archäologisches Projekt am Ufer des Bacino. Die dritte Säule, la terza colonna. Die man gerne ans Licht der Morgenröte heben würde... wenn man sie denn findet.

Die beiden Säulen am Ufer der Piazzetta gehören unverzichtbar zum Gesamtpanorama des Bacino S. Marco und den Wahrzeichen der Stadt Venedig. Sie tragen die beiden Heiligen Venedigs. Rechts auf rotem Granit der erste Stadtheilige San Theódoros (venezianisch Tòdaro), ein orthodoxer Soldatenheiliger aus den byzantinischen Anfängen Venedigs, der auf dem besiegten Drachen steht, siehe auch Eintrag vom 11.11.16 "Neue Restaurierungs-Cam: der Tòdaro". Links auf grauem Granit der Patron der Serenissima Repubblica und jetzt der Stadt Venedig, San Marco, bzw. sein Symbol, der Markuslöwe

Die beiden Granitmonolithe landeten im 12. JH in Venedig, vermutlich in der Amtszeit des Dogen Domenico Michiel. Es gibt keine Dokumente über die Ankunft dieser Säulen und deshalb ist bis heute strittig, woher sie kamen - aus Konstantinopel oder aus dem sog. Heiligen Land, das zu diesem Zeitpunkt bereits von zwei Kreuzzügen überfallen und geplündert worden war. Venedig war an diesen Kreuzzügen nur auf privatwirtschaftlicher Ebene beteiligt, vor allem in der maritimen Versorgungstechnik mit Materialien, die vor und nach den Eroberungen gebraucht wurden, z. B. Holz für Belagerungen und als Baumaterial. Konstantinopel und sein Umfeld wurde erst mit dem 4. Kreuzzug 1204 ausgeraubt, an dem die Venezianer allerdings führend teilnahmen. In Konstantinopel hätte man im 12. JH für die Säulen bezahlen müssen - in Palästina konnte man sie "nehmen", weshalb ich diese Vermutung für wahrscheinlicher halte. 
Umso mehr, als es sich um DREI Säulen gehandelt haben soll, wie Francesco Sansovino ca. 350 Jahre später diese Überlieferung zum ersten Mal schriftlich dokumentiert. Für den Transport seien drei Schiffe eingesetzt worden, und eine der drei Säulen sei beim Versuch, sie an Land zu schaffen, ins Wasser gefallen. Es gab keine Möglichkeit, den schweren Granit dieses Formats wieder rauszufischen, ebenso wenig war es technisch möglich, die beiden anderen Riesendinger an Land hinzustellen, weshalb sie zunächst einige Jahrzehnte am Ufer liegen blieben. 

Erst der Doge Sebastiono Ziani, der das Gelände westlich und südlich von San Marco, damals ungepflastert und teils Gemüsegarten der Nonnen von S. Zaccaria, teils  Befestigung des Dogenpalastes und Hafenanlage, als Piazza und Piazzetta stadtplanerisch gestalten liess, fand im Architekten Nicolò Barattiero den fähigen Mann, der die beiden Säulen an der heutigen Stelle aufrichten konnte. (Ich habe einen italienischen Text gelesen, der das Verfahren beschreibt, aber ihn nicht wirklich kapiert. Beteiligt waren lange dicke Seile (aus dem Arsenale) und viel Wasser, um Reibungstemperaturen niedrig zu halten.) Die Sockel wurden dekoriert mit heute kaum noch erkennbaren Darstellungen venezianischer Handwerker. Als Lohn für seine Arbeit erhielt Barattiero auf seinen Wunsch die Genehmigung, Glücksspiele auf den Sockelstufen der Säulen zu betreiben (und bis hin zu Canaletto und Guardi sieht man die Darstellung von Spielern unter den Säulen). 
Erst zu Beginn des 14. JH wurden die beiden Heiligen auf den Säulen installiert (und damit sind alle Fotomontagen, auf denen die im 12. JH  'verlorene' 3. Säule mit einer Statue auf ihrem Kapitell zu sehen ist, Quark per se).



Von Glücksspielen abgesehen unterlag der Bereich zwischen den Säulen bald einem Tabu unter der Bevölkerung, denn die finalen öffentlichen Exekutionen von Kapitalstrafen, die zuvor an anderen Uferstellen stattfanden (vor S. Giorgio Maggiore und bei S. Giovanni in Bragora) wurden ans Ufer der Piazzetta zwischen die Säulen verlegt. Kapitalstrafen waren in Venedig (wie anderswo im Mittelalter) eine ritualisierte zeitaufwändige Prozedur, die in der Regel am Tatort des Verbrechens begann mit Abtrennen der rechten Hand und anschließender Präsentation des Delinquenten, mit der Hand um den Hals gehängt, per Boot und mit einem Ausrufer durch die gesamte Länge des Canal Grande bis zum 'Palco', dem Gerüst, das für jede Hinrichtung zwischen den beiden Säulen aufgebaut wurde.  (Auf dem de' Barbari Stadtplan von 1500 ist die Stelle zwischen den Säulen, ohne Gerüst, gut sichtbar markiert.) Venezianer*innen vermeiden bis heute, zwischen den Säulen durchzugehen. Auch bei der Führung im Ateneo Veneto bzw. der Scuola Grande di San Fantin fand der Abschlussvortrag des Rundgangs nicht etwa zwischen den Säulen, sondern mit einer schnellen Handbewegung "...bleiben wir doch hier stehen..." links der San-Marco-Säule statt. 
Trotzdem ist der Bereich zwischen den Säulen wie um die Säulen herum immer rappelvoll, dafür sorgen dankenswerterweise wir Tourist*innen, denn wir übertreffen die Zahl der Einheimischen ja bei weitem und wissen in der Regel wenig von historischen Details. 


Piazzetta und Piazza, De' Barbari 1500
Zwischen den Säulen,  De' Barbari 1500

Die dritte Säule, la terza colonna, liegt nach über 800 Jahren Überlieferung im Schlamm, ist bisher eine schöne Legende und verlangt nach Beweisen. Es wurde im trüben Wasser des Bacino getaucht, es wurde mit Satellitenaufnahmen nach Objekten mit spezifischer Dichte gesucht. Seit einiger Zeit werden Suchaktionen mit Spezialkameras und/oder Computertechnik angekündigt:

Laut La Nuova vom 29.6.2016 wird die 3. Säule in 7 m Tiefe vermutet.
Laut La Nuova 20.12.2016 sollen die Untersuchungen im Februar beginnen.
Laut Nuova am 27.7.2017 sollen die Untersuchungen im September beginnen und ein Fernsehbericht vom April 2017 nennt Details wie Kosten von 350 Mio €, die komplett von Sponsoren übernommen werden.
Im Januar 2018 verdichten sich die Medienmeldungen, unter anderem bei Venezia Today 29.1.2018 dank einer Einladung des Ateneo Veneto zur Projektvorstellung Aurora Terza Colonna.

Über Venipedia TV wird die Präsentation des Projekts am 30.1.2018 ins www gestellt und wer italienisch kann und eine Stunde Zeit hat, kann sich trotz der unprofessionellen Filmqualität (Mikro nicht an die Kamera angeschlossen, die projizierten Charts nicht sichtbar) diesen Film ansehen, den ich hier der Vollständigkeit halber verlinke. Der große Saal des Ateneo Veneto war bis auf den letzten Platz besetzt, wie man sehen kann. Auf dem Podium saßen neben Vertreter*innen von Venipedia, des Ateneo Veneto, der oberen Behörde für Archäologie Friaul Venedig auch die Projektmitarbeiter*innen Marco Bortoletto (Archäologe), Barbara Chiozzotto (tomografische Untersuchungen) und die künstlerischen Mitarbeiter Nicola Baratto und Yannis Mouravas. Interessant ist der Beitrag von Marco Bortoletto ab Minute 40, der die bisherigen restaurativen Eingriffe im Bereich der Piazza wie Basis des Campanile, Erhöhung des Ufers, Uhrturm etc. schildert und die archäologischen und historischen Kenntnisse, die daraus gewonnen werden konnten. Und er stellt die dem Auditorium bekannten Überlieferungen, sprich Legenden, dem archäologischen und durch Dokumente gesicherten Wissen über die Geschichte der Piazza und der sie umgebenden Gebäude gegenüber. Leider spricht er ab Minute 50 im Stehen und mit einem Handmikrofon, und damit ist es leider ziemlich vorbei mit der ohnehin schlechten Verständlichkeit. Schade. 

Untersucht werden soll der Bereich des Molo ab der Linie Dogenpalast und über das Ufer hinaus in gleicher Tiefe (also vor allem das Becken, in dem die Gondole stationiert sind), in der Breite von der Biblioteca Marciana bis zum Rio della Canonica, der zwischen Dogenpalast und Gefängnis unter dem Ponte die Paglia und der Seufzerbrücke fließt. Das ist eine große Wasserfläche plus eine heute bebaute bzw. befestigte Fläche (von insgesamt 7.000 m2), die im 12. JH vor den städtebaulichen Maßnahmen des Dogen Sebastiano Ziani zum Teil noch zum Hafenbecken gehörten, was aber mangels Dokumenten bisher nicht zu belegen ist. 
Von den Untersuchungen mit Tomografie und anderen elektronischen Hilfsmitteln erhofft man sich valide archäologische Erkenntnisse über diesen Zeitraum venezianischer Geschichte. Ob man dabei wirklich eine dritte Säule entdeckt, wird sich zeigen. Dass man sie nach der Dokumentation heben würde, möchte ich persönlich nicht hoffen. Der Schlamm ist, falls dem so ist, ihr Platz seit 800 Jahren, wozu sollte sie im Jahr 2018 am Ufer des kulturellen Welterbes Venedig und Lagune dienen? Als Werbepfeiler für eine gigantische Rolex?

Für die Projektfinanzierung stehen die Musso Holding, Save Innovations, und zwei weitere Namen, die ich mit Suchmaschinen nicht finde: Ilcorest und Morgan. 
Im Herbst (Oktober?) soll das Suchprojekt starten, aber Terminankündigungen gab es bisher ja diverse. Die letzten Medienberichte sind immer noch Vorankündigungen, wie der geschwätzige Text von Atlas Obscura vom 7.3.18 und der kurze, aber seriöse Beitrag von ANSA.it am 22.6.18, sowie eine gute Zusammenfassung des aktuellen Stands im Mai von venezia.italiani.it und ein weiterer TV-Bericht vom 17.7.18

Sind wir also gespannt auf die Forschungsergebnisse. Berichte, die irgendwann veröffentlicht werden sollten, werden hier als Nachträge angefügt.


Molo der Piazzetta März 2018



Nachtrag 13.11.
Schneller als gedacht kommt der erste Nachtrag: der Corriere delle Alpi verlinkt ein Video von 2017 mit dem Zusatz "al via le ricerce", auf dem Weg. Könnte bedeuten, dass die Untersuchungen gerade beginnen/begonnen haben. 



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30. Oktober 2018

Kleine Zwischenmeldung zu den Baustellen




Um die Berichte zu diesen Baustellen geht es, vor 1 Jahr geschrieben:

5.11.2017 Baustellen in Venedig - Giardini Reali
9.11.2017 Die nächste Baustelle - Piazza S. Marco

Nicht, dass sich in einem Jahr sichtbar viel getan hätte! Es geht alles seinen venezianischen Gang. Aber zum Glück fanden sich, wie zu erwarten, an beiden Baustellen archäologische Aufgaben, die erstmal in Ruhe abgearbeitet werden müssen. 

Unter den Procuratie Vecchie wurden im Rahmen der derzeitigen Arbeiten (Restaurierungen kann man es wohl nicht nennen, vielleicht Neugestaltung) beim Wiederaufbau der ehemaligen Bar "Eden" mittelalterliche Mauerreste gefunden, in denen die Archäolog*innen Reste der ganz alten Procuratie aus dem 12. JH sehen. Das Gebäude brannte 1512 ab und wurde ab 1514-1538 neu errichtet, der Name des Architekten ist lt. Wolfgang Wolter ("Der Markusplatz in Venedig") nicht bekannt. Die Mauerreste, naja Mäuerchen, wurden beim Verlegen neuer Abwasserleitungen entdeckt, ihre Lage (nicht in Linie mit dem Bau der 'neuen' Procuratie Vecchie), entspricht dem Grundriss des mittelalterlichen Vorgängerbaus. Sehr spannend, einmalige Gelegenheit, einen wissenschaftlichen Blick auf den Markusplatz des 12. JH zu werfen und zu dokumentieren - die Untersuchung dauert an und die Fertigstellung des Riesenbaus der Procuratie Vecchie ist nicht absehbar. Für interessierte Besucher*innen leider keine Besichtigungsmöglichkeit. 

Unter den Königlichen Gärten wurden Teile der Grundmauern der alten Kornspeicher (Granai di terranova) gefunden, errichtet 1341-43, was niemanden wundert, denn sie wurden ja vor erst vor 200 Jahren (1807) abgerissen. Reste der Mauern verblieben, wurden mit Erde aufgeschüttet und verschwanden unter der Bepflanzung, jetzt wird der Fund sorgfältig archäologisch aufgearbeitet und solange ruhen die Arbeiten zur Gestaltung des neuen Gartens.

Diese Baustelle kann gut, aber nicht ganz eingesehen werden von den südlichen Ausstellungsstellungsräumen der Fondazione Bevilacqua La Masa (siehe Fotos) und zwar kostenlos, und perfekt überblickt von den Südfenstern der oberen Etagen des Museo Correr gegen Eintrittskarte. 
Es wurde ein Artbonus ausgeschrieben, damit sich die Bürgerschaft (und nicht-venezianische Freund*innen Venedigs) an den Kosten beteiligen können. Wir kennen das schon von der Finanzierung der neuen Nase Richard Wagners

Die Pläne, den neuen Garten 2018 zu eröffnen, wurden auf Frühling 2019 geändert, im Moment ist die Rede eher vom Sommer 2019. Wie weit das gestrige Hochwasser, das in der Baustelle stand (und vielleicht weitere im Laufe des Winters), die Fertigstellung weiter verzögert, werden wir sehen. Der Projektplan für den neuen Garten steht im Internet (die Seiten nach unten blättern) und dient der Vorfreude auf den Tag der Eröffnung des erneuerten Garten und die hoffentlich vielen bequemen Sitzplätze (ohne 11,50 € für einen Espresso zu zahlen wie auf der Piazza). Un auf das sicher sensationellen Gefühl, vom Garten über die Zugbrücke und unter den Neuen Procuratien durch mitten auf der Piazza landen.





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28. Oktober 2018

Hochwasser - Scirocco - Schlechtwetterwarnung

Ausnahmsweise kopiere ich einen Auszug aus der Fahrplanseite hier als Blogeintrag:  

29./30.10.
Wegen des Sciroccos ist seit heute Abend eine Schlechtwetterwarnung/Hochwasserwarnung im gesamten Gebiet Venedigs mit weitergehenden Folgen in Kraft. 
Alle Bildungseinrichtungen (Kindergärten bis Universitäten) sind für 2 Tage geschlossen und damit der Schulbootsverkehr eingestellt. Alle Voraustermine des Ospedale Civile in Venedig sind verschoben. Städtische Museen sind vorläufig am 29.10. geschlossen, ebenso das Spielcasino im Palazzo Vendramin Calergi. Die CHORUS-Führungen am 29.10. sind abgesagt.
Privater Bootsverkehr im Canal Grande von Murano ist untersagt. Ausfälle im Wasserverkehr sind zu erwarten, bei ACTV, evtl. auch Alilaguna und Taxis.

Bisher werden für Montag 14 Uhr 150 cm Hochwasser und für Dienstag 12:30 Uhr 140 cm ohne deutliche Unterbrechung der Flut  erwartet.

Wer sich in Venedig aufhält, erfährt über die App Water on the Venice Floor Details über das Hochwasser an seinem jeweiligen Standort. Über die App der Verkehrsbetriebe erhält man aktuelle Warnungen aufs Telefonino. Weitere Details zum Wetter/Hochwasser über die Seite der Stadt Venedig.

Bei Bedarf füge ich Ergänzungen hier ein. 



Ergänzungen 29.10.


9 Uhr Derzeitige Verkehrsanpassungen des Wasserverkehrs.

9:30 Uhr Informationen des Flughafens Marco Polo - derzeit normale Abläufe. Aktuelle Informationen erscheinen jeweils beim Anklicken.

11 Uhr Die hochgeschätzte Biblioteca Marciana tweetet, dass rechtzeitig vor dem Hochwasser alle Bücher aus den unteren Regalfächern in Sicherheit gebracht wurden und dankt den beteiligten Kolleg*innen. Das finde ich herzerhebend.

13:45 Uhr Hochwasser steht bei den erwarteten 140 cm, derzeitige Anpassungen der Linien.

15 Uhr: ACTV hat den Verkehr bis auf die Inselverbindungen eingestellt.
ANSA Veneto: Der Pegel steht bei 154 cm, 75 % der Stadt sind betroffen. Piazza San Marco ist geschlossen.

15:30 Uhr Wasserstandsprognose des Vorhersagezentrums für diese Woche.

18 Uhr ACTV meldet die Wiederaufnahme des regulären Verkehrs aller Linien. Nächster Hochwasserhöhepunkt wird für 0:30 Uhr erwartet.

18:30 Uhr Die städtischen Museen kündigen für morgen, 30.10. eine leicht verspätete Öffnung der Museen an, wegen außerordentlicher Instandhaltungsarbeiten.

19 Uhr Tweet von Anto Pietrogrande: Piazza San Marco zur Stunde. Die letzte Flut steht noch auf der Piazza, die nächste rollt bereits an.

20 Uhr ACTV meldet neue Verkehrsanpassungen wegen des steigenden Wassers.



Ergänzungen 30.1.

11 Uhr gute Nachrichten: heute funktionieren wieder: alle Verkaufsstellen der Verkehrsbetriebe bis auf (vorübergehend) die am Rialto; Museum und Bibliothek der Fondazione Querini Stampalia bis auf das Carlo-Scarpa-Wassergeschoß; die Biblioteca Marciana.

Die heutige Hochwasserprognose für die nächsten Tage.


Für 15 Uhr ist eine Notfallsimulation einer Industrieanlage in Porto Marghera geplant, wie passend. Man sollte sich durch den neuen Alarm (falls man ihn mitbekommt) nicht zusätzlich erschrecken lassen.

Bisher keine Meldungen über Anpassungen im Wasserverkehr.

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21. Oktober 2018

Piet Oudolf-Garten in Venedig



Borstige Krötenlilie, Giardino delle Vergini

Die FAZ meldet am 18.10.2018, dass der Landschaftsgärtner Piet Oudolf seinen Garten bei Arnheim zum Ende des Monats schließen wird. "Stille Tage in Hummelo".

Das finden Gartenfreund*innen in aller Welt wohl schade, aber es ist ein Anlass, wieder einmal auf seinen Garten in Venedig hinzuweisen. 2010 hat er den jahrzehntelang ungenutzten und verwucherten Giardino delle Vergini für die Biennale neu gestaltet (hier auf seiner Website), und seitdem besuche ich den Garten jährlich und halte seine Entwicklung in verschiedenen Jahreszeiten in Fotos fest. 




Der Garten ist immer einen Besuch wert, aber gerade auch im Herbst und sogar im Winter sind die Sträucher und Gräser in ihren matten Farben in der Umgebung des alten Bewuchses von Platanen, Feigen, Nadelbäumen und vielen Sträuchern eine wunderbare und auch ein bisschen melancholische Abwechslung vom Pflastertreten im steinernen Venedig. Und er taucht erstaunlicherweise in den wenigsten Führern und schon gar nicht auf den "Insider"-Websites auf, obwohl er einen weltberühmten Schöpfer hat und unter den Gärten Venedigs ein Juwel ist, wenn auch ein junges.

Mitte Septeptember fielen mir zu meiner Überraschung zum ersten Mal einige Gruppen von Krötenlilien auf, vor allem der wunderschönen borstigen Krötenlilie. Neu dazugekommen? Vorher nicht zur richtigen Jahreszeit dagewesen? Siehe Foto oben.

Der Garten wird jeweils in die Kunst- bzw. Architekturbiennalen einbezogen, durch Ton- und Lichtkunstwerke, verschiedenste Ideen von Skulpturen und z. B. die witzigen Reisstrohbesen, die im letzten Jahr hier Wurzeln schlagen durften. 



Der Garten war einige Jahre als Privatgelände der Biennale deklariert, wurde dann aber nach langen Bemühungen für die Öffentlichkeit freigegeben. Man erreicht ihn über den 2010 wieder aufgebauten Zugang an alter Stelle, den Ponte dei Pensieri
Während der Biennaleöffnungszeiten also bis Ende November) gibt es am Ende des Gartens an der Porta Nuova des Arsenale ein kleines Boot, das stündlich kostenlos übersetzt zwischen dem Garten und dem Arsenale Novissimo, von wo man die Vaporettohaltestelle Bacini erreichen oder zu Fuss die Rampe entlang der Arsenalemauer Richtung Celestia wandern kann. Mit herrlichem Blick auf Friedhof, Inseln der nördlichen Lagune und die Alpen. 

Mehr zum Kloster der Vergini, das als separate Insel einst hier existierte aber völlig abgerissen wurde: "Beginnen wir das Jahr...".






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14. Oktober 2018

Gesehen? "Report" zum Ausverkauf Venedigs


Der Beitrag in Report vom 2.10.2018 zur chinesischen Expansion - touristisch wie kommerziell - in Venedig ist mir entgangen.

Dank eines Mails der venezianischen Bürgerinitiative Groupo 25 Aprile wurde ich nachträglich darauf aufmerksam und will den kleinen Film auch auf diesem Blog verlinken.






Ich finde einzelne Bemerkungen des venezianischen Anwalts, der im Beitrag eine wesentliche Rolle innehat, unüberlegt und oberflächlich. Einzelne seiner Sätze, die in der Reportage (leider und genauso unüberlegt und oberflächlich oder gezielt?) widergegeben werden, finde ich im Ansatz nationalchauvinistisch und feindlich gegenüber chinesischen Tourist*innen und chinesischen Einwohner*innen Venedigs: "...Chinesen seien ihm unheimlich...". Man muss schon schlichten Geistes sein, um derart pauschal Schubladen zu bedienen.

Aber ich verfolge seit vielen Jahren das, was in den Medien die "neue Seidenstraße" genannt wird, also das chinesische Staatprojekt 'Belt and Road' in seinen Auswirkungen auf die Mittelmeerländer, besonders natürlich Griechenland und Venedig. Einerseits gibt es jede Menge Informationen über das Projekt, andererseits scheinen seine praktischen Ausmaße so überwältigend weitreichend zu sein, dass auch mir in diesem Zusammenhang manchmal unheimlich wird, durch den Eindruck, eigentlich nichts zu überblicken. Angefangen von den Mengen chinesischer Onlineshops (mit zollpflichtigen Produkten) bis hin zu größten Häfen Griechenlands in chinesischer Hand und immer mehr europäische Immobilien, die zu chinesischen Eigentümer*innen wechseln, wie z. B. jetzt die Palladio-Villa Cornaro in Piombino Dese, die auch in diesem Film erwähnt wird (siehe auch Eintrag vom 24.7.2017). 

Ich wundere mich über die rasant steigende Zahl von venezianischen Bars und Trattorien, die verkauft wurden und von chinesischen, oft sehr jungen, Inhaber*innen betrieben werden. 
Ich bin genervt, wenn mir eine chinesische Reisegruppe an einer der engen venezianischen Gasse entgegenkommt und ich warten muss, bis der Gänsemarsch von 40-70 Personen endlich durch ist und auch ich weitergehen kann.
Ich fühle mit den chinesischen Tourist*innen, deren Zeitdruck auf Europatour ja mittlerweile legendär ist, wenn sie erschöpft im Schatten der Gassen, die von der Riva abgehen, an die Hauswände gelehnt stehen, um auf ihren Schifftstransfer zum Busparkplatz auf dem Tronchetto zu warten - Sitzgelegenheiten gibt es hier ja nicht, auf denen man vielleicht ein Nickerchen im Schatten einlegen könnte. Die Stadt Venedig und Tourismusindustrie kennen da kein Mitleid, es geht um den Profit.

Zum Thema 'venezianische Chines*innen' gab es 2013 einen Film, der zu denken gab: siehe die Besprechung "Venezianische Freundschaft"

Ich finde, die 7 Minuten dieser kurzen Reportage sind ein weiterer sehens-, nachdenkens- und diskussionswerter Beitrag zum Thema Ausverkauf Venedigs. 


Ergänzung 20.10.
Ein Korrespontent aus den Niederlanden, der seit Jahren mit mir in Kontakt steht, hat als Antwort auf diesen Eintrag einen Link geschickt. Gleiches Thema, gleiche Protagonisten, mehr und detailliertere Informationen. Eine Sendung von France 2 in französischer Sprache "Un été à Venise". Ich verlinke und bedanke mich herzlich.





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6. Oktober 2018

Tintoretto - die große Geburtstagsshow 2018


Sie läuft bereits seit 4 Wochen, die große Tintoretto-Show, und ist riesig, sehr beeindruckend, und entsprechend insgesamt ein bisschen unübersichtlich. 
Das kann daran liegen, dass an der Organisation der Ausstellungen sowohl italienische Institutionen - für den Dogenpalast die städtischen Museen (MUVE), für die Accademia das italienische Ministerium für Kulturgüter und Tourismus (MIBACT), für die Scuola Grande San Marco quasi das Ospedale Civile, also die Region Veneto, zuständig sind, und darüber hinaus die U.S. Partner National Gallery of Art Washington (Kooperation bei der Ausstellung im Dogenpalast) und Save Venice, dessen Beteiligung an der Verantwortung für die Ausstellungen, an allen Begleitbüchern der Tintoretto-Ausstellungen, und die seit Jahrzehnten herausragenden Restaurationsprojekte von Tintorettowerken in Venedig unter dem Link nachzulesen sind. Viele Menschen, viel Bürokratie und ein riesiges Projekt, das hier gestemmt wird.

Wer genug Zeit in Venedig hat, muss wohl kaum überzeugt werden, dieses einzigartige Angebot komplett wahrzunehmen, und schon am 2. Oktober wurden 25.000 Besucher*innen  im Ausstellungsteil des Dogenpalastes gemeldet. Auf lange Zeit wird es eine solche Ansammlung von Tintorettowerken, zusammengetragen aus internationalen Museen und Privatsammlungen, nicht mehr geben, ganz abgesehen von der Tintoretto-Gesamtausstattung, die die Stadt Venedig seit 500 Jahren schmückt. 
Dazu mehr weiter unten und zur Einstimmung ein Trailer des 30minütigen Films, hergestellt von der National Gallery of Art Washington (italienisch mit englischen Untertiteln), der in den beiden Hauptausstellungen zu sehen ist und kostenlos für die Bevölkerung in venezianischen Kinos aufgeführt wurde. Die Zeit, ihn anzusehen, sollte man sich nehmen und entweder im Dogenpalast oder der Accademia einkalkulieren. Nach dem Blogeintrag zum Kölner Tintoretto will ich hier einen kleinen Überblick, keine Bewertung, der venezianischen raumgreifenden Geburtstagsveranstaltung geben.


Teil 1 der beiden Hauptausstellungen "Il Giovane Tintoretto" ist zu sehen in den Gallerie dell' Accademia, deren Website seit geraumer Zeit 'in Arbeit' ist und immer noch nur so halbwegs funktioniert. Damit kann man leben. In den Erdgeschossräumen, die Wechselausstellungen zur Verfügung stehen, wird hier die Entwicklung des jungen Tintoretto gezeigt. 
Werke der Künstlerkollegen wie Tizian, Pordenone, Bonifacio de' Piati, Paris Bordon, Francesco Salviati führen zunächst in die Kunst seiner Zeit ein. Dann folgen Tintorettos Frühwerke, zum Teil in der Kölner Ausstellung gesehen, bis hin zu seinem Durchbruch mit dem Zyklus, den er für die Scuole Grande di San Marco schuf, dessen größter Teil seit der Schließung Scuola hier in der Accademia ausgestellt wird. Der Rundgang endet mit dem "Sklavenwunder", oft in der oberen Etage bewundert, aber nach der Hinführung durch die Ausstellung, die gute Präsentation und Ausleuchtung ist das Bild ein Hammer, vor dem nicht nur ich außer Fassung war. Überwältigend.


Fliegendes Baby, entspannte junge Mutter.
Umgeben von bewegten Heiligen: Jakob, Elisabeth, dem kleinen
Johannes, Zacharias und Caterina von Alexandrien
des jungen Tintoretto 1540. Aus einer privaten Sammlung entliehen.

Dieses erste große Werk des jungen Robusti und die spätere Kooperation mit seinem Sohn Domenico wird in der Ausstellung "Arte, Fede e Medicina nella Venezia di Tintoretto" (Kunst, Glaube und Medizin in Tintorettos Venedig) historisch und künstlerisch gut nachvollziehbar. Diese Ausstellung in der Scuola Grande di San Marco geht in der venezianischen Gesamtshow etwas unter, ist eher 'klein' im Kapitolarsaal der Scuola und der Eintritt ist mit 5 € vergleichsweise bescheiden (wie schön), zeigt aber einen wichtigen Teilaspekt aus dem Leben und Gesamtwerk Tintorettos.  

In der Kappelle des Kapitolarsaals der Scuola hängen bis heute drei Werke des Zyklus, die von der Hand des Sohnes Domenico stammen (S. Marco segnet die Laguneninseln, Der Körper S. Marcos wird zum Schiff getragen, Der Körper S. Marcos wird in Venedig empfangen), und ein wunderbares Altarbild von Palma Giovane. (Ich empfehle die Mitnahme eines Opernguckers/kleinen Fernglases, die Bilder hängen am Originalplatz, da ist eine Sehhilfe für die Details ratsam.) 
Aber vor allem die frühere Hängung des gesamten Zyklus (z. B. des "Sklavenwunders" an der Kopfseite des Saales im fast ganztägigen Gegenlicht!) wird in einem kurzen Film verständlich, ebenso Details zur Entstehung und Bedeutung der Bilder. Der Film ist quasi Teil des Films, der im Dogenpalast und in der Accademia gezeigt wird, hergestellt vom gleichen Team, ist aber nur hier zu sehen.
Dazu muss man allerdings (und darauf wird nirgends hingewiesen) durch die Sala dell'Albergo (mit Reproduktionen des beeindruckenden Bilderzyklus des 'Martyrium S. Marcos' der Bellinis und Mansueti, Originale in der Accademia) bis in ein Hinterzimmerchen vordringen, in dem dieser Film auf italienisch mit englischen Untertexten in Dauervorführung gezeigt wird. Linke Tür hinten in der Sala dell'Albergo, normalerweise verschlossen. Kleiner Film, große Wirkung.
Darüberhinaus ist die Ausstellung im Kapitorlarsaal höchst interessant, einerseits wegen historischer medizinischer Details aber vor allem wegen der ausgestellten Originaldokumente der Scuola, Werksvereinbarungen mit Tintoretto, Rechnungen etc..  

Es gibt im Kapitolarsaal einen Bücherverkaufstisch. Ich empfehle den ausgezeichneten wissenschaftlichen Katalog/Begleitband "Art, Faith and Medicine in Tintoretto's Venice" von Gabriele Matino und Cynthia Klestinec, in englischer Sprache und als italienische Übersetzung, 136 S., jeweils 21 €. Empfehlenswert ist auch die handliche zweisprachige Broschüre "La Scuola Grande di San Marco a Venezia" aus der Reihe "Mirabilia Italiae Guide", 103 S., 10 €. Geschichte der Scuola Grande und Beschreibung des Gebäudes und seiner künstlerischen Ausstattung. Auf dem Markt seit 2017, mir bisher leider nicht bekannt, im www auch auf der Seite des Verlages Franco Cosimo Panini nicht auffindbar.     
Jeweils Mittwoch um 15:45 und 16:45 Uhr werden kostenlose Führungen durch die Ausstellung von Experten der Scuola Grande di San Marco angeboten. Eintrittskarte vorausgesetzt, Anmeldung empfehlenswert unter scuolagrandesanmarco@aulss3.veneto.it.
Ein lesenswerter Artikel zu dieser Ausstellung (der Reiseagentur Walks Inside Italy) und Details in italienischer Sprache von der Ausstellungswebsite.


Ehem. Ausgestaltung des Kapitularsaals der
Scuola Grande di San Marco

Teil 2 der beiden Hauptausstellungen "Tintoretto 1519-1594" im Dogenpalast findet vermutlich die meiste Aufmerksamkeit und ist, wie "Der junge Tintoretto" solide kuratiert, mit einem (mich) beeindruckenden Schwerpunkt auf der Arbeitsweise Tintorettos, seiner künstlerischen Entwicklung und natürlich auch Karriere.

Obwohl im Dogenpalast mittlerweile Fotos ohne Blitz erlaubt sind, ist hier knipsen verboten (in der Accademia und Scuola Grande di San Marco darf man), trotzdem konnte ich mir als Gedächtnisstütze ein Foto nicht verkneifen: Die Entführung der Helena von Troja - die brutale Szene ist eine venezianisch-osmanische Seeschlacht, originell konzipiert und aktuell im Zusammenhang mit der Seeschlacht von Lepanto 5 Jahre zuvor.  Ein Wahnsinnsgemälde, zum Glück mit einer Sitzbank davor, um die Szene eingehend zu studieren. Im Ausstellungskatalog unter Fig. 179 zu sehen und in der chronologischen Liste der Exponate (der akribisch und kompetent arbeitenden Susannah Rutherglen) auf S. 257 als "The Abduction of Helen", c. 1576/1577 als möglicher Auftrag des Herzogs von Mantua Guglielmo Gonzaga aufgeführt, inkl. weiterer Details zur Entstehungsgeschichte des Werkes. Ausgeliehen vom Prado, von dessen Seite dieses Foto stammt, denn ich kann schlecht das Ergebnis meiner Übertretung hier veröffentlichen.
Könnte man die Entführung der Helena im Rahmen einer Kampfszene des heutigen nahen Ostens darstellen? Entführung und Missbrauch von Zivilistinnen? Nach der gestrigen Preisverleihung des Friedensnobelpreises an die Jesidin Nadia Murad?  


Ich verlinke hier einige Beiträge des Feuilletons, die z. T.  nicht kostenlos sind:

Weltkunst Tintoretto: Die Zeit steht still, weil der Maler es will
FAZ  Sturz ins tiefste Tintorettorot
SZ    Strahlende Schatten

ZDF Aspekte  Venedig feiert Tintoretto
ARD ttt  Tintoretto
Deutschlandfunk  Jacopo Tintoretto
Apollo  The Triumph of Tintoretto (Artikel von Frederich Ilchmann, Save Venice-Vorsitzender und Ko-Kurator von "Tintoretto 1519-1594")
The Art Newspaper  Tintoretto's 500th anniversary
ytali.  A Venezia tutto il genio di Tintoretto
ArtsLife  Tutto il genio di Tintoretto
La Nuova  Ritrovati i colori di Tintoretto
Artribune  500 volte Tintoretto
Stuttgarter Zeitung  Gemälde wie ein Kinofilm

Es wundert niemanden, dass sich viele ein Stück von der Geburtagstorte 'Tintoretto 500' abschneiden wollen. Die Eintritte in Accademia (ohne Ermäßigungsangebote) und Dogenpalast (zusätzliches Extraticket für Tintoretto) sind happig und beide Ausstellungen geben natürlich eigene Kataloge/Begleitbücher heraus. Von hoher Qualität, hohem Preis und hohem Gewicht (ganz schlecht für Flugreisende). Für Venedigappassionati, die über die Mittel und Sprachkenntnisse verfügen und Platz in Koffer und Bücherregal haben, empfehle ich den Kauf dieser Bücher:

"Il giovane Tintoretto", nur in italienisch, 35 €, in der Ausstellung 30 €
"Tintoretto 1519-1594" italienische und englische Ausgabe, je 53 €, in der Ausstellung 45 €
"Arte, fede e medicina nella Venezia di Tintoretto" italienische und englische Ausgabe, jeweils 21 €, keine Ermäßigung
"Tintoretto à Venezia. Itinerari" italienische und englische Ausgabe, je 15 €, keine Ermäßigung

Das letzte Buch ist der lang angekündigte Führer zu allen Tintorettowerken in Venedig, herausgegeben von Thomas Dalla Costa und den Kuratoren von 'Tintoretto 1519-1594' Frederick Ilchmann und Robert Echols, alle sind in Funktionen bei 'Save Venice' (s. oben).  
Der engagierte kleine Führer "Itinerario tra le chiese veneziane alla scoperta di Tintoretto" der Associazione Chiostro Tintorettiano hat bisher seinen Dienst getan und wird es auch weiterhin. Ist aber schwer zu finden (Verkauf z. B. in Madonna dell' Orto z. B.), ist eine dieser schlecht hergestellten zusammengepappten Broschüren, bei denen die einzelnen Seiten nach kurzem Gebrauch blöderweise einfach herausfallen (alle in diesem Blogeintrag genannten Bücher sind ordentlich stabil geheftete Broschuren!) und die zusätzliche englischsprachige Ausgabe ist schon ein Vorteil. Achtung: einige der Werke, zu denen "Tintoretto in Venice" führt, befinden sich bis Anfang Januar in der Accademia und im Dogenpalast.


Vereinbarung zur kostenlosen Ausgestaltung
der Kappelle der Scuola Grande di San Marco
gegen die Mitgliedschaft in der Scuola

Es gibt weitere Wegweiser, die KOSTENLOS zur Geburtstagsshow und vor allem den Werken führen, die auch danach wie vorher in Venedig zu bewundern sein werden:
Auf der Website der städtischen Museen gibt es einen ausgezeichneten Tintoretto-Online-Wegweiser durch die Stadt, dem man auch entnehmen kann, wann Werke aus Kirchen sich in welchen Ausstellungen (Accademia, Dogenpalast, Folgeausstellung Washington) befinden und deshalb nicht an ihrer eigentlichen Location zu finden sind.

Venezia Unica hat ebenfalls einen Tintoretto-Führer, sortiert nach den Sestieri, online gestellt.

Bei der Venedig-Reiseplanung ist auch ein Blick auf die Website von CHORUS zu empfehlen, hier werden öfter kostenlose Führungen angekündigt, die auch Tintoretto-Kirchen betreffen können (hier die Termine vom 19.10-9.11.).

Und wer eine der drei Ausstellungen besucht, findet dort als praktischen Service Blöcke, etwas größer als Din A 3, von denen man sich eine Seite abreissen kann: Vorderseite Stadtplan mit 30 durchnummerierten Standorten von Tintoretto-Werken (wer sich in Venedig nicht auskennt, braucht zusätzlich einen exakten Stadtplan) und der vaproettotechnischen Anbindung fast aller Locations; auf der Rückseite (hier wäre auf die gewünschte Sprache zu achten, wahlweise italienisch und englisch) die durchnummerierte Auflistung der Werke, die an den einzelnen Standorten zu sehen sind. Zusätzliche Informationen zu Öffnungszeiten (wichtig vor allem bei den Kirchen!), derzeitigen Führungsangeboten an den Standorten und Informationen, welche der Einzelwerke ggfs. 'unterwegs' in den Ausstellungen sind. 

Dieser Druck ist das Praktischste, was sich jemand ausdenken konnte und tut für regelmäßige Venedigbesucher*innen, wenn nachträglich ordentlich mit Plastikfolie präpariert (Copyshop), jahre- wenn nicht jahrzehntelang einen sicher hoch geschätzten Dienst. Eine freundliche nachhaltige Wirkung des Geburtstagsparty-giveaways.  


Tintorettos Unterzeichnung des o. g. Vertrages
(man beachte das wunderbare geschöpfte Papier)



Ergänzung 28.10.
Parallel zu den Tintoretto-Ausstellungen zeigt die Ca' d'Oro vom 20.10.-7.1.2019 "Contemporary Dialogues with Tintoretto" mit Werken von 12 Gegenwartskünstler*innen. Solche Begegnungen finde ich selber immer sehr spannend und inspirierend. Mehr dazu, inklusive einigen Bildern. 

Ergänzung 7.11.
8.-9.-10.11. Dogenpalast, Salone del Piovego "Studientage im Tintorettojahr" (in italienischer Sprache) des italienischen Kulturministeriums. Leider mal wieder eine sehr kurzfristige Information, aber für Interessierte sicher ein hohinteressantes Angebot unter Beteiligung aller wichtiger Fachkräfte des Tintorettojahrs, mit Vorträgen und geführten Besichtigungen. Weitere InformationenProgramm. Für den 8. und 9.11. ist eine Anmeldung erforderlich, ansonsten ist die Beteiligung an den Studientagen frei und kostenlos.

Ergänzung 13.11.
20.11.-14.12. werden in der Accademia Führungen durch 'Il Giovane Tintoretto' angeboten, in italienischer Sprache durch Kunstwissenschaftler*innen und Kurator*innen der Ausstellung; im Entrittspreis enthalten ohne Zusatzkosten:

Incontri attorno alla mostra Il giovane Tintoretto
In occasione della mostra Il giovane Tintoretto (fino al 6 gennaio 2019), le Gallerie dell’Accademia di Venezia presentano un ciclo di incontri con importanti studiosi, storici dell’arte e dello spettacolo in dialogo con le curatrici, volto ad approfondire temi e aspetti legati alla formazione e all’opera di Tintoretto.
Tutti gli incontri a ingresso libero saranno preceduti da una visita guidata, inclusa nel costo del biglietto d’ingresso, ad eccezione del racconto di Luca Scarlini che procederà attraverso le sale delle Gallerie.

Chiuderà la rassegna un brindisi, in occasione delle festività natalizie, con la degustazione di prodotti della Distilleria Bortolo Nardini 1779.


Programma
Giovedì 20. 11
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Incontro con: Stefania Mason, docente di Storia dell’arte moderna all’Università di Udine
Tintoretto “veneziano”. L’uomo, l’artista e il suo pubblico nella Venezia del Cinquecento

Viene ripercorsa la biografia di Tintoretto, unico autentico veneziano tra i pittori del suo tempo, nel vivace contesto sociale, economico e culturale in cui si trova a operare, seguendo la sfida continua del figlio del tintore, orgoglioso di tale origine. Si tenta di ricostruire la sua fisionomia di uomo: dal giovane competitivo alla ricerca di un proprio spazio in città, al padre di una numerosa famiglia da mantenere, all’artista sempre più ambizioso, alle relazioni con i circoli intellettuali e ai rapporti sociali  utili alla carriera, alla politica disinvolta dei prezzi, alla creazione di una grande bottega.

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Giovedì 29. 11
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Incontro con: Melania Mazzucco, scrittrice
Tintoretto un personaggio “letterario”
Melania Mazzucco ha dedicato anni di studi e ricerche a delineare la fisionomia di Tintoretto, passando dall'indagine appassionata della verità storica alla libera interpretazione dei fatti e alla dimensione fantastica dei personaggi,  presentando un artista complesso - un artista ambizioso e discusso, scorretto e devoto, colto e popolare, eccentrico e conformista, incalzato da un perenne furore creativo. In un dialogo continuo e attraverso un confronto serrato con le sue opere, Melania Mazzucco ricostruisce minuziosamente la vita del "più terribile cervello che abbia avuto mai la pittura". 
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Venerdì 30.11
Ore 16.30 Incontro con: Luca Scarlini, saggista, drammaturgo e scrittore
Una vita da romanzo: Tintoretto raccontato
Una narrazione su Tintoretto che procederà attraverso le sale della Galleria dell'Accademia, soffermandosi su diverse opere del percorso espositivo. Tintoretto è stato raccontato da scrittori, romanzieri e narratori di tutto il mondo, giovane, maturo e anziano secondo le penne di  Maurice Barrès. Theodor Fontane, Iris Murdoch, Thomas Bernhard, Neri Pozza, Melania Mazzucco e numerosi altri. Un artista che suscita trame narrative, spunti di riflessione, derivazioni poetiche, folgorazioni di senso. 
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Giovedì 6.12 
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 incontro con: Vittoria Romani, co-curatrice della mostra, docente di Storia dell'arte moderna all’Università di Padova
Il percorso del giovane Tintoretto

Vittoria Romani, co-curatrice della mostra Il Giovane Tintoretto ci guida in un viaggio nella cultura figurativa veneziana durante gli anni dell’affermazione di Jacopo Tintoretto alla ricerca di un percorso di formazione molto sperimentale, condotto all’insegna del dialogo tra le arti.

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Venerdì 14.12
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Brindisi di Natale con: Distilleria Nardini 1779

Dopo la visita guidata in mostra il pubblico è invitato a una degustazione prodotti Distilleria Bortolo Nardini in occasione delle festività natalizie.

Informazioni: 

Visita Guidata gratuita compresa nel biglietto di ingresso
Incontro o aperitivo ad ingresso libero
Si consiglia la prenotazione a info@civitatrevenezie.it fino a esaurimento posti disponibili

www.mostratintoretto.it




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