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11. Juli 2017

Eine Runde um den Campo S. Stefano...

Body and Soul, Palazzo Pisani 

... heißt 5 sehr verschiedene tolle Ausstellungen in 4 interessanten Gebäuden, und die Rede ist nicht von einer schnellen Runde. Aufmerksamkeit will Zeit. 

Nicht zu dieser Runde zählt "Glasstress 2017" im Palazzo Franchetti, einem der beiden Gebäude des Istituto Veneto di Scienze Lettere ed Arti am Campo Santo Stefano. Die Institution wurde während der napoleonischen Zeit gegründet analog der Accademie Francaise, das Gebäude rechts der Accademiabrücke zeigt praktisch immer Kunst- oder Wissenschaftsausstellungen
Aber: ich habe die aktuelle Ausstellung noch nicht gesehen, sondern war in den Eröffnungswochen im Mai nur auf Murano, um die neue Dependance von Glasstress zu besichtigen, bzw. das Projekt "The Unplayed Notes Factory". Leider erfolglos. Ist nur Sa-So-Mo von 13-16 Uhr aktiv, quasi während der mediterranen Mittagspause. Wer kann damit rechnen!? Beide Ausstellungen laufen bis zum Ende der Biennale am 26.11., real also kein Stress...

Darüber hinaus im Palazzo Franchetti und ebenfalls noch nicht gesehen: der Pavillon des Irak mit einem ungewöhnlichen, sehr speziellen Programm, das auch Menschen anzieht, die sich eher weniger für Gegenwartskunst interessieren. "Archaic": 40 Exponate aus dem Nationalmuseum, die großenteils noch nie das Land verlassen haben, werden 8 modernen oder zeitgenössischen Künstler*innen gegenüber gestellt.  Dazu einige Pressestimmen: NY TimesThe GuardianArtDailyInterview mit den Kuratoren der Ausstellung. 

Der Plan des Campo Santo Stefano von J.-C. Rössler zeigt die reusenartig zulaufende Form des Platzes, von der Accademiabrücke Richtung Kirche S. Stefano gesehen, bzw. die Gebäude, die diese Form bestimmen. 


Linda Condes, Extraterrestrial Odyssey, Palazzo Pisani

Der Palazzo Pisani, rechte Seite, heute Sitz des Conservatorio Benedetto Marcello, steht dem Publikum ausschließlich für Musikveranstaltungen (z. B. Eintrag 'Giuseppe hatte Geburtstag') und nationale und kollaterale Biennaleausstellungen (z. B. Eintrag 'Musikturm') offen.

In diesem Jahr gibt es Ausstellungen in den beiden Innenhöfen und im Piano Nobile. In den Innenhöfen sind Linda Condes und David Lismore mit sehr verschiedenen Skulpturen, deren Zusammenhang sich mir nicht erklärt - vielleicht gibt es keinen. Aber es gibt die Gelegenheit, die Innenhöfe zu bewundern und die Brücken, mit deren Hilfe sie sogar auf zwei oberen Etagen überquert werden können.  
 
David Lismore, Lismorial Alien 2, Palazzo Pisani


Die Performances 'Body and Soul' im Piano nobile, eine Biennale-Nebenveranstaltung der Rush Philantropic Foundation, fanden/finden live nur an wenigen Terminen im Mai und September statt. Aber zusätzlich in beeindruckenden Fotoreihen und auf Bildschirmen. Noch beeindruckender (für mich) ist die reiche Dekoration und die Atmosphäre des Portego, vor allem die Fresken von Jacopo Guarana. Sehr sehenswert. Man erreicht den Piano nobile über ein ungewöhnliches Treppenhaus, das durch einen Mezzanin führt. Ich kenne (neben diesem und dem hohen Treppenturm) noch zwei weitere Treppenaufgänge in diesem riesigen Haus, deren Zahl vermutlich auf die Bau- und Umbaugeschichte des Hauses zurückgeht. 

Vom 12.5.-18.6. zeigte in 2 der Seitenräume des Piano nobile die K11 Art Foundation (ohne Biennale-Anbindung) eine Einzelausstellung Lian Yuanweis:  Behind the Curtain. Besonders ihre Projektion alter venezianischer Stoffmuster in kompliziert ausgearbeiteter Ölmalerei gefiel mir sehr. Leider schon vorbei! 

(Das neu eingerichtete Musikmuseum, noch im Aufbau begriffen, kann Mo-Fr 14-16 Uhr besucht werden. Am Empfang des Konservatoriums fragen. Zu sehen sind historische Musikinstrumente und musikgeschichtliche Erklärungen. Bei der Restaurierung der Räume wurden Hinweise darauf gefunden, dass sie einst als Freimaurertempel (Tempel = Versammlungsort) genutzt wurden. Die Studien dazu dauern an.)

Achtung, die Ausstellungen im Palazzo Pisani sind im Gegensatz zu anderen Biennaleveranstaltungen sonntags geschlossen und montags offen!


4 Fotos des selben Kunstwerks
Azerbaijan, Palazzo Lezze

Der Pavillon von Azerbaijan belegt zum wiederholten Mal Erdgeschoss und Piano nobile des Palazzo Lezze. J.-C. Rössler (siehe Plan, Link oben) bescheinigt dem Gebäude "architekturgeschichtlichen Wert", den ich Laiin in den streng renovierten Innenräumen nicht erkenne. Details dazu in Literatur und www finde ich nicht - außer dem Immobilienangebot (Sotheby's) der oberen Etage vom Februar 2017, da gibt es dann allerdings Details und informative Fotos. 

Die azerbaijanische Ausstellung "Unter einer Sonne - die Kunst des Zusammenlebens" gefördert von der Heydar-Aliyev-Stiftung, schlug im Vorfeld ziemliche Wellen, ideologischer moto ondoso sozusagen, des deutsch- und auch englischsprachigen Feuilletons. Kritisiert wurde die Kooperation des Kurators Martin Roth mit der autokratischen Regierung Azerbaijans. Aus meiner Sicht haben einige Kulturjournalisti die Gelegenheit genutzt, sehr laut zu quaken. 



Von den vielen Beiträgen zum Thema Martin Roth sind hier einige deutschsprachige Artikel:

Tagesspiegel 3.5. Lernen von Aserbaidschan

BZ 9.5. "Was ich in meinem Leben nicht akzeptiere, sind Redeverbote"

FAZ 11.5. Keine Kunst für England, aber für Aserbaidschan?

Deutschlandfunk 11.5. "Ich stehe ja schon beinahe für diese Art Dialog"

Tagesspiegel 12.5. Aufregung um Aserbaidschan-Pavillon

Deutsche Welle 12.5. Kurator Martin Roth verteidigt Biennale-Auftritt für Aserbaidschan




Der Anspruch, die unterschiedlichsten Azerbaijaner*innen über ihr Leben in ihrer jeweils eigenen Sprache berichten zu lassen, scheint tatsächlich zunächst in der medialen Darstellung des Eingangsbereichs nicht eingelöst zu werden, da man die Texte nur schwer lesen und kaum hören kann. Über alle diese Personen gibt es aber in Piano nobile Filme zu sehen (mit sehr gut lesbaren englischen Untertiteln), so einfach und gleichzeitig fesselnd, dass mir meine Tagesplanung völlig verrutschte. Ich sass und war hingerissen. 
Die weiteren Ausstellungsräume enthalten Musikinstrumente in wunderbarer physischer Komposition. Teilweise unbekannt, oder zumindest ohne Vorstellung ihres Klangs. Zur Ergänzung der optischen Ästhetik hätte es mir gut gefallen, auf ein paar Kopfhörern auch akkustische Kompositionen zu hören. 



Natürlich muss ich davon ausgehen, dass regimekritische Künstler*innen nicht zu denen gehören, die per Biennaleauftritt Förderung durch die Staatskultur genießen. Dass ich hier vermutlich die Werke angepasster Künstler*innen sehe und ziemlich sicher sein kann, dass die Mehrzahl der unangepassten keine Chancen hat. In nicht autokratischen Ländern bestimmt "der Markt" die Chancen von Künstler*innen - weniger rigide? Also freue ich mich am Kunsterlebnis im Pavillon der Azerbaijaner*innen, nehme einen Kaffee auf dem Campo und ziehe ein Haus weiter in die Ausstellung eines Landes, das auf Basis einer anderen Weltanschauung ebenfalls "Staatskultur" betreibt.


Abel Barroso, Kuba, Palazzo Loredan

Kubas "Tiempo de la Intuiciòn" (nicht zu verwechseln mit der Axel Verwoordt-Ausstellung "Intuition" im Palazzo Fortuny!) zeigt 15 überwiegend männliche Künstler und ihre Variationen von berauschender Kreativität im eher gesetzten Bibliotheksambiente des Palazzo Loredan, des zweiten Gebäudes des Istituto Veneto di Scienze Lettere ed Arti am Campo Santo Stefano.

In der Eingangshalle (ein Androne mit einem für ein venezianisches Haus ungewöhnlichen Grundriss) steht man zunächst im "Panteon Veneto" und darf nicht die kubanischen Ausstellungsteile im Archivbereich rechts der Monumentaltreppe übersehen. Hier ist es eng und niedrig, hier sieht man Fotos von René Pena und Filme (eine Performance bei Ausstellungseröffnung) von Carlos Martiel, die enorm witzigen Holzcomputer von Abel Barroso, die geheimnisvoll im Dunkeln präsentierten gläsernen Waffen von Reynier Leyva Novo und weiter Werke von Ivan Capote, Roberto DiagoRoberto Fabelo und Jose Manuel Fors   


Roberto Diago, Kuba, Palazzo Loredan

Im Obergeschoss, flankiert von den wunderschönen alten Bücherregalen, der Massenaufmarsch von Madonnen aller Art von Meira Marrero und und Jose Angel Toirac, Arbeiten von Aimée GarciaMabel PobletEsterio SeguraJose Yaque und Wilfredo Prieto, alles toll und vielleicht revolutionsmäßig fidel angepasst, aber frischer, lebendiger und überraschender als manches, was bei "Viva Arte Viva" präsentiert wird. Es gefiel mir enorm. 
Ein junger Aufpasser steht auf dem Winzbalkon zum Rio S. Vidal und raucht, winkt und wedelt, wirft die dann Kippe in den Kanal und kommt rein: "Sie haben doch sicher Fragen?" Es schließen sich dem Gespräch noch ein paar Besucher*innen an und es entsteht eine lebhafte Diskussionsrunde. Gefällt mir.

Achtung: der Palazzo Loredan hat etwas unangepasste Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-17 Uhr, So geschlossen!

Ergänzung 18 Stunden später: ein Artikel zu kubanischer Kunst aus "Hyperallergic", soeben veröffentlicht, passt zu meinem Loblied auf die kubanische Kreativität.


Jose Yaque, Kuba, Palazzo Loredan

Zurück zur Accademiabrücke (und vorbei an den Nervensägen, die "Unterschriften gegen Drogen" sammeln - eigentlich sammeln sie dumme Tourist*innen). 
Dort versteckt sich rechts an der Ecke, über eine der kleinen Brücken am Rio S. Vidal in einem kleinen Häuschen mit Garten zum Canal Grande der diesjährige Pavilion of Humanity mit dem Projekt "Objection" von Michal Cole und Ekin Ornat. Zwei unangepasste Frauen aus der Türkei und Israel, die ihren Widerspruch als Künstlerinnen ausdrücken gegen die klaustrophische und uniformierte Männerwelt und die blasse Schlafzimmerwelt der Frauen. Sehenswert und doch gruselig in diesen winzigen Zimmerchen, die wie ein deutsches Einfamilienhaus der Nachkriegsjahre wirken -  aber immer schön mit Blick und Ohr auf die Menschenmassen, die sich die Accademiebrücke rauf- und runterschieben sowie den lieblichen, aber dem Publikum verbotenen, Garten am Canal Grande. Ach. Die Realität.


Objection, Machal Cole

Das kleine Häuschen wird im Informationsmaterial "Casetta Rosa" genannt, und das mag dazu verleiten, es für das rote Haus D'Annunzios zu halten, aber das ist ein bisschen weiter rauf den Canal Grande, gegenüber der Sammlung Guggenheim. Das kleine Haus gehört zum Palazzo Civran Badoer Barozzi, der auch an diesen Garten grenzt. Da hinein ist die Signora gezogen, die bisher diese kleine Welt bewohnte, und ihr Sohn wird das Häuschen übernehmen, wenn die Biennale vorbei ist. Habe ich mir von der freundlichen Aufpasserin erzählen lassen. 
Manchmal passt alles zusammen, die Kunst und das Leben, und die Widersprüche muss man sich dazu denken. 

Objection, Ekin Ornat


.

4. November 2015

Biennale 2015 zum Letzten

"Country"
Vor Toresschluss in weniger als 3 Wochen habe ich noch ein paar Empfehlungen. Viele Nebenausstellungen sind schon zu, es ist gut zu prüfen, ob man aktuelle Pläne und Listen verwendet bei der Planung der Runden durch die Stadt. Ein paar Angebote sind weit vom Schuss, riskieren übersehen zu werden und sollen deshalb hier besonders empfohlen sein.


"Country"
Als erstes: Country, eine Nebenausstellung der Gervasuti Foundation, die jahrelang in dem schönen heruntergekommen Handwerkerhof am Ende der Via Garibaldi ausstellte. Sie hat eine neue ziemlich wilde Location am Ende der Fondamente Nove, im Bereich der Tankstelle links in der Calle lunga Santa. Catarina 4998. Die Ausstellung besteht aus mich sehr beeindruckenden ethnographischen Tondokumenten, Graphiken und persönlichen Gegenständen vor allem aus dem sozialen Umfeld von Frauen-Müttern-Großmüttern australischer Aborigines und berührt im rohen Umfeld dieser Räume umso mehr.


Santa Catarina "An Archeologist's Collection"
Direkt um die Ecke, in der ehemaligen Klosterkirche Santa Catarina, ist "An Archeologist's Collection" von Grisha Bruskin zu sehen. Im März hatte ich schon die Ausstellung "Alefbet" dieses Künstlers empfohlen. Die Kirche ist Teil einer Schule und seit langem außer Gebrauch, zeitweise waren hier Klassencontainer untergebracht, jetzt jedenfalls ist im stockdunklen Kirchenschiff eine historisch-politische Grabung installiert. Wieder einmal eine interessante Nutzung einer dekonsektrierten Kirche! Fondamenta Santa Catarina 4941.


"Food is God"
Noch ein paar Meter weiter, bis zur Fondamenta Zen 4924, im Palazzo Zen, wird als Nebenausstellung der Expo 2015 "Food is God" gezeigt. Es geht um Design von Speisetischen und -gedecken, ein Thema, das mich nicht im Mindesten interessiert. Aber einmal drin, konnte ich mich weder der Ästhetik der Exponate noch der Appetitlichkeit der dazugehörigen Filme entziehen. Nicht mein Thema, aber ein Rausch. Reines Glück, dass ich nicht hungrig war. Es sind außerdem schöne Werkzeuge der Lebensmittel- und Essensherstellung zu sehen, und die Sache ist eine tolle Übung für FotografInnen, extrem ästhetische unbewegliche Motive aufzunehmen.


"Food is God"
Diese 3 Ausstellungen erreicht man in wenigen Minuten von der Haltestelle Fondamente Nove. Ebenfalls von hier ist man schnell am Palazzo Pisani zwischen den Kirchen Miracoli und SS. Giovanni e Paolo, am Ponte delle Erbe. Im obersten Stock liegt (mit sehr schönen Rundblick auf die Nachbarschaft) der Pavillon von Kroatien "The Third Degree. Studies on Shivering". Die Ausstellung ist es wert, vier Etagen hochzuklettern, mit Installationen, Objekten, Filmen, Gedichten. Zum Beispiel:
Then
the picture was taken
where the mountain ridges
surround the resort
at the relaxed side
The picture was taken
of the red Sky
descending
One man said to another:
no gunfire is heard
it is hard to hear anything
the mountain is too high.
I keep the future in the freezer
preserved in the shape
of ice cubes
until the first hot day
I'll keep it there
No gunfire heard.
The sunset was great
The picture was taken
of an ice cube
melting

"The Third Degree. Studies on Shivering"
Vom Palazzo Pisani sind es nur 3 Brücken zum Campo Santa Maria Formosa und von dort nur 1 Brücke zum Palazzo Grimani, den ich jährlich mindestens einmal besuche und unermüdlich empfehle, und trotzdem bin ich immer allein in den wunderbar restaurierten Räumen des 1. Piano nobile. Die Restaurierung wurde seit der Eröffnung 2008 weiter vervollständigt, die wenigen mobilen Ausstellungsstücke (Antiken aus der Sammlung von Giovanni Grimani) werden schon mal umgestellt, aber es sind die prächtige Ausstattung des Palastes, die Marmorportale, die Wand- und Deckengestaltung, die Fußböden, die aus Schimmel und Verrottung gerettet und restauriert wurden und mich begeistern.
(Eintritt 4 €, durch den Bookshop und dann das großartigeTreppenhaus hinten links in die 1. Etage.)


Raumportale im 1. Piano nobile Palazzo Grimani
Ich wusste, dass die Arbeiten auch im 2. Piano nobile vor sich gingen, aber in diesem Jahr gibt es dort die erste Ausstellung, deshalb der Hinweis in diesem Blogeintrag. 

Die Ausstellung "Frontiers Reimagined" ist kostenlos und zu erreichen durch das Treppenhaus vorne links. Schon im Innenhof sind einige Gonginstallationen zu sehen, aber nicht zu hören. Die VenezianerInnen sind geduldig, aber bei den akustischen Begleiterscheinungen der Biennale hört regelmäßig der Spaß auf. Dafür gongt es lieblich und irgendwie interaktiv in der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Tagore Foundation sehr verschiedene spannende Exponate von Gegenwartskunst zeigt und außerdem den Blick schenkt auf die umgebenden Dächer. Und ausserdem wieder: phantastische Leistungen des Restaurierungsteams, vor allem wunderbare Deckenausschmückungen. Bisher erst 2 Flügel der Etage, die Arbeit an den beiden anderen Seiten lässt hoffen. 


Chun Kwang Young "Aggregation 15"
Wer das ehemalige Kloster San Gregorio noch nicht besuchen konnte (nur geöffnet zu seltenen Ausstellungsterminen), hat wieder einmal eine Chance, und ich empfehle, sie wahrzunehmen. Auch wegen der Ausstellung "Marni" die zwar einerseits Marketing für ein Modelabel betreibt, aber andererseits ganz witzig ist und zeigt, wie Kreativität auf einer einfachen, fröhlichen Ebene glücklich machen kann. Auch wegen des 'vorübergehenden' Restaurants "Gusto in Abbazia" das für die Dauer der Biennale hier eingerichtet wurde, im Eckzimmer zum Canal Grande und zur Salute hin. Ist nicht mein persönliches Budget, verleiht aber den bunten Farben der Ausstellung und ihrem begleitenden Meeresrauschen noch einen dritten Sinnesreiz: es duftet gut nach Essen. Und es ist allemal eine ungewöhnliche (und vielleicht nicht zu wiederholende) Lokalität und ein besonderer Rahmen, in Venedig zu speisen. 

Aber man sollte das ehemalige Kloster auch gesehen haben wegen seines schönen Kreuzgangs, wegen einiger schöner Restaurierungsdetails (und eines sehr überflüssigen - der Altana auf der Dachinnenseite, pffff!) und wegen des außergewöhnlichen Blickes auf die Salutekirche und die Mündung des Canal Grande.
Haltestelle Salute.


"Marni" Ex-Abbazia San Gregorio

Kleiner Exkurs in die Giardini, Zentralgebäude, in die "Arena". Wer einmal dort durchläuft (und es herrscht den ganzen Tag reger Durchgangsverkehr), und es passiert gerade nichts, könnte falsche Schlüsse ziehen. Es passiert hier nämlich sehr viel, nach einem festen Programm. Zu Beginn der Biennale lag es gedruckt aus, jetzt gibt nirgendwo mehr ein Blatt Papier. Das Programm steht im www. Auch das jeweilige Tagesprogramm (Datum auswählbar) kann man aufrufen. Weiter kann man  Informationen anklicken über die einzelnen Programmpunkte, deren Aufführungstermine mit Uhrzeiten, sehr wichtig. Als Beispiel hier der Link zu Worksongs, eine musikalische Performance mit 1-2 KünstlerInnen, die ich sehr empfehle, mehrfach gehört/gesehen. Das Werk ist bei jeder Aufführung das gleiche, wird aber durch die SEHR unterschiedlichen ausführenden KünstlerInnen zu jeweils neuen Kunsterlebnissen. Wenn man die Wahl hat, lohnt es sich, wegen dieser 40minütigen Veranstaltung den Besuch der Giardini auf DoFrSaSo zu legen. 


Lisa R. Harris singt "Work Song"


Die Informationen zum jeweiligen Tagesprogramm laufen auch auf einem Monitor im ersten runden Raum des Zentralgebäudes, links oben an der Wand.
Alle diese Veranstaltungen sind im Biennaleeintritt enthalten.



Eine kleine, herausragende Ausstellung möchte ich noch besonders empfehlen, die nichts mit der Biennale zu tun hat, aber auch am Stichtag 22.11. endet:
"GARDENAL" in der Fondazione Bevilacqua La Masa am Markusplatz. Ganz hinten links in der Ecke, wenn man mit dem Rücken zur Basilika S. Marco steht. Neuere abstrakte Werke des Künstlers Luigi Gardenal aus Mestre, die (in den Parterreräumen) von der Laguna Sud inspiriert sind, dessen Umgang mit Farbe umwerfend ist. Die Bilder in der oberen Etage berichten von den Asienreisen Cardenals, sie sind weniger venezianisch, aber nicht weniger beeindruckend. 
Eintritt frei.


Eines der kleinen Formate: Rosso Laguna, 2013
Luigi Gardenal

Wer noch nicht die obere Etage des Palazzo Loredan am Campo S. Stefano mit einer Führung besuchen konnte, hat jetzt die Möglichkeit, auch wenn leider nicht der große Saal in die Ausstellung von Portugal einbezogen ist. In den Bibliotheksräumen zeigt Joao Louro die sitespezifische Installation "I Will Be Your Mirror - Poems and Problems", die wunderbar - kontemplativ und beunruhigend zugleich - in ihr Umfeld passt. 
Der Titel bezieht sich auf ein Stück von Velvet Underground aus den 60er Jahren und es ist schade, dass es nirgends einen kleinen Monitor gibt, auf dem das Stück vorgestellt wird, deshalb hier bitte (auf die oberste Zeile klicken, um in die YouTube-Ansicht zu gelangen):






Die letzte Empfehlung für diese Biennale soll der Pavillon Azerbaijan im Palazzo Garzoni Mora sein. Meines Wissens zum ersten Mal findet eine Ausstellung unmittelbar nach einer großen Renovierung/Restaurierung statt, anstelle der üblichen Vermietung VOR den Renovierungsarbeiten (um nur 2 Bespiele zu nennen: Papadopoli und Soranzo van Axel). Hat sicher auch mit dem Marketing für den anstehenden Verkauf von 8 Apartments im Haus zu tun; zu sehen sind aber nur 2 Etagen der Wohnungen zum Canal Grande, ein kleiner Teil des Eingangsbereiches und eines der Nebentreppenhäuser (die Prachttreppe steht für die 10tausende Füsse der Biennalegäste nicht zur Verfügung). Die Renovierung scheint meiner Laienmeinung von unterschiedlicher Qualität zu sein, aber es sind schöne Balkendecken, Stuck, Freskos zu sehen und natürlich atemberaubende Ausblicke auf die nachbarlichen Dachgärten und den Canal Grande bis hin zu den derzeitigen Baustellen am Rialto. 


Laura Ford "Penguins"
Der Auftritt von Azerbaijan in Venedig ist wieder üppig, berichtet habe ich am 17.7. über "The Union of Fire and Water" im Palazzo Barbaro, nicht berichtet über "Beyond the Line" im kleinen Palazzo Lezze am Campo S. Stefano, wo 8 azerbaijanische Künstler ausstellen. Im Palazzo Garzoni finden sich unter dem Titel "Vita Vitale" 29 (!) internationale KünstlerInnen zusammen, unter ihnen auch 2 Frauen aus Azerbaijan. Verbindendes Thema ist die Umwelt, dazu arbeiten heute viele KünstlerInnen, während vor 20 Jahren für ein deutsches Projekt "Art d'Eco", an dem ich mitarbeitete, nur wenige Überzeugte zu finden waren. Das Publikum war damals hoch interessiert, der Markt und die Kritik rümpften noch die Nasen. Auf dieser erfreulich politischen Biennale gehören Umweltthemen zum Standard, nicht zu den Randerscheinungen. 
Auch nicht zu den Randerscheinungen gehört der Kauf eines Biennaleauftritts für EinzelkünstlerInnen über Galerien und KuratorInnen in Gruppenausstellungen und sogar Nationalpavillons. Es gab im Vorfeld einigen Ärger und Skandälchen und im laufenden Betrieb den Rückzug von einzelnen nationalen Auftritten und vorzeitige Schließungen; kritisiert werden (vor allem etablierte italienische) KuratorInnen wegen der Platzierung von (vor allem chinesischen) KünstlerInnen zum Zwecke der Erhöhung ihres Marktwertes in Asien; Namen von KuratorInnen, KünstlerInnen und betroffenen Nationen wurden in diesem Jahr z. T. offen genannt, bzw. man bekannte sich freimütig dazu

Hintergründe hin oder her - die Exponate im Palazzo Garzoni sind sowohl schlichten Geistes als auch witzig, dramatisch und interessant, die Ausstellung war und ist noch ein paar Tage ein Publikumsrenner. Obwohl man sich eine (großzügig ausgelegte) Mittagspause gönnt, die vielleicht schon manche/n BesucherIn vor verschlossener Tür in enger Gasse veranlasst hat, auf die Besichtigung zu verzichten.
Öffnungszeiten 10-13:30, 14-17:30 Uhr (letzter Einlass)
Haltestellen S. Samuele (Linie 2) und S. Angelo (Linie 1)


Stephanie Quayle "Jenga"


18. April 2015

Außerordentliche Ausstellungsorte Biennale 2015

Halbmezzanin im Palazzo Contarini-Polignac/dal Zaffo
In 3 Wochen steigt die Kunstbiennale. 
Über einen Teil der Nationenausstellungen und Zusatzaus-
stellungen ('collateral events') habe ich in 6 Einträgen zwischen Ende Dezember und Anfang März berichtet, und Einiges er-
scheint hier zum 2. Mal, aber unter dem Aspekt der besonderen Location. 

Die Meldungen über die Biennaleauftritte trafen seit Mitte 2014 peu à peu online bei mir ein, seit Januar mehr, als ich bearbeiten konnte. Vor 6 Wochen wurde endlich biennaleseitig offiziell das Programm veröffentlicht - nichts auf der Welt ist so entspannt wie die venezianische Terminplanung. Egal ob Kommune, Biennale, ein Straßenfest oder offenes Arsenale, auch  ein Dutzend offene Inseln -  bloß kein Stress wegen der Kommunikation, genug Leute sind immer in der Stadt!

Ich bin eingestellt auf aufregende 2 Wochen die möglicherweise nicht ausreichen, wenn die venezianische Ausstellung Aquae Venezia 2015 der Expo 2015 in Mailand dazu kommen, die mir zwar beide nicht auf den Nägeln brennen, aber wohl die Carpaccio-Ausstellung in Conegliano die ich keinesfalls verpassen will. Außerdem jede Menge saisonaler Kunstaus-
stellungen und -events: in den städtischen Museen mit einem vielfältigen Programm, in Kunstmuseen wie Accademia und Palazzo Grimani (und weiteren) in den vielen venezianischen Stiftungen wie Cini, Querini Stampalia, Pinault (und weiteren) und Ausstellungshäusern wie Casa Tre Oci (und weiteren). Überall Saisonangebote, deren Großteil zum Jahresende ausläuft. Zum Teil auch schon früher.



Seitenaltar in Sant'Antonin, Restaurierung nicht abgeschlossen
In diesem Eintrag geht es, wie immer zur Biennale, um Kunst in besonderen RÄUMEN. Die Kunst mag besonders sein oder nicht, die Räume sind es, da sie normalerweise nicht für TouristInnen geöffnet sind. Nur gelegentlich vermietet werden für Ausstellun-
gen, Konferenzen, vielleicht auch private Feiern, jedenfalls nicht zugänglich für uns NormalbesucherInnen Venedigs. Aus dieser Sicht ist jede Biennale eine doppelte Wundertüte - man lässt sich überraschen!



Altes Parkett - kein venezianisches Terrazzo -  im Palazzo Falier

Cannaregio:

Kreuzgang Madonna dell'Orto 9.5.-22.11. Ausstellung Emily Young 'Call and Response'. Sehr schöner stimmungsvoller Kreuzgang, wunderbarer Blick auf das Kirchenschiff- und Dach, extrem seltene Gelegenheit, ich habe hier erst 2 Ausstellungen erleben dürfen! 
Haltestelle Madonna dell'Orto

Scuola dei Mercanti 9.5.-22.11. Teilausstellung des Freundschaftsprojektes China/San Marino. In der ehemaligen Scuola, die eine sehr schöne Kassettendecke im Obergeschoss hat, finden zu den meisten Kunstbiennalen Ausstellungen statt aber nicht immer. Vertiefende wissenschaftliche Lektüre zur Scuola für Interessierte.
Haltestelle Madonna dell'Orto

S. Caterina 9.5.-22.11. Ausstellung Grisha Bruskin 'La collezione di un archeologo in Kooperation mit der Universität Ca'Foscari. Die Kirche S. Caterina ist Teil einer Mädchenschule und steht für Besuche nicht zur Verfügung (ein misslungener Versuch). Also möglicherweise eine einmalige Chance, rein-
zukommen. Es gibt derzeit eine weitere Ausstellung des Künstlers in Venedig, deshalb eine doppelte Empfehlung.


Palazzo Fontana 9.5.-22.11., Ausstellung Scotland+Venice, Graham Fagen. Die erste Ausstellung in diesem Haus, nichts weiter darüber zu finden, bei Tassini (Curiosità Veneziane) der Hinweis, dass die Fontana 1549 aus Piacenza zugezogen seien und ein Sohn namens Giovanni einen Palazzo im Stil Sansovinos bei San Felice mit Blick auf den Canal Grande bauen ließ. Durch die Aufschüttung von Kanälen im Bereich der heutigen Strada Nova gab es Änderungen bei  Grundstücken, die die Zuordnung ohne weitere Informationen schwer machen. Ich bin gespannt, das Haus kennenzulernen.
Haltestelle Ca' d'Oro 

Palazzo Mora 9.5.-22.11., drei Länderausstellungen. Neues Haus für mich, ich hatte schon 2013 und 2014 die Gelegenheit, es zu besuchen und habe es verpasst, obwohl es bequem am Wege liegt in der Nähe von San Felice. Aber ich verpasse dort auch immer die Länderausstellung Rumänien wegen ihrer dämlichen Mittagspausenschließung. Dann klappt es irgendwie nie mit der beschäftigen Biennalebesucherin :-(  Diesmal gehe ich hin!

Palazzo Flangini 9.5.-22.11. Landesausstellung Mauritius "From One Citizen You Gather an Idea". Vor Jahren habe ich es verpasst, für einige Nächte ein angebotenes Zimmer in diesem beeindruckenden Haus zu mieten. Ich wusste nicht, dass es kurz danach renoviert werden sollte. Die Renovierung ist abgeschlos-
sen, Zimmer werden nicht mehr vermietet. Ich kenne nur den Androne von einer Fotoausstellung während der Architekturbien-
nale und hoffe, dass die Ausstellung auch in den Piano Nobile reicht. 

Ergänzung 19.4.: Eine weitere Ausstellung, deren Ankündigung vielversprechend ist: 9.5.-15.8. "Dancing makes me joyful" der Künstlerinnen Lena Liv und Lindy Nsingo. Das sieht nach Piano nobile aus, großartig.
Zu Fuß vom Bahnhof. 

Ergänzung 30.4.
Santa Maria della Misericordia o. Valverde 9.5.-22.11. Bei diesem Namen denkt jede/r an die Scuola Grande della Misericordia, es geht aber  um die Kirchen neben der alten, ehemaligen Scuola, über die Brücke. Heute gibt das Icelandic Art Center bekannt, aber nicht mal auf seiner Website, sondern auf der Website von ArtNews, dass die isländische Ausstellung in dieser Kirche stattfinden wird, die seit Jahrzehnten geschlossen ist.
Mein Eintrag vom 7.2.:
Island, mein Allzeitfavorit venezianischer Kunstbiennalen, wird vertreten durch den Schweizer Konzeptkünstler Christoph Büchel. Allerdings steht nichts von diesem Termin im Kalender bei Hauser&Wirth. Kommen da Zweifel auf? Und ein bisschen Zoff wegen seiner Nominierung scheint es auch zu geben, immer gut für die Werbung...Ohne Isländischkenntnisse meine ich der Seite entnehmen zu können, dass die Ausstellung im Garten der Vergini im Arsenale stattfindet. (Diese Information wird bei Bedarf korrigiert.)
Der leise Seufzer am Ende des Artikels, dass man wohl bis zum 9.5. abwarten muss, um zu sehen, was Büchel zeigt, der voraus gegangene Konflikt und die späte Entscheidung (oder ist es nur eine späte Meldung?) raten: erst mal nicht aufregen, schaunwermal. 

Evangelisch Lutheranische Kirche 13.6.-13.9. Ernst Barlach - Der Zweifler
Diese Kirche öffnet sich erfreulich oft für Kunstereignisse, aber trotzdem hat man selten genug Gelegenheit, sie zu bewundern. Der Kirchenraum ist protestantisch-nüchtern, aber die Eingangshalle mit den alten Grablegen, z. T. in deutscher Sprache und der schöne kleine Treppenaufgang sind unbedingt sehenswert. 


Eines der Details des Handwerkerhofs der Fondazione Gervasuti

Castello:

Sant'Antonin 6.5.-22.11., Ausstellung Recycle Group 'Conversion' (Man muss sich nicht anmelden, um die Seite lesen zu können). Die Kirche wird seit über 20 Jahren restauriert, die Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen, aber die Kirche wird seit der Biennale 2013 für seltene Ausstellungen genutzt. Damals für die Ai Weiwei-Nachbildungen seiner Gefängniszelle und -szenen. 2010 wurde die "Öffnung" der Kirche verkündet, war aber nix, das Patriarchat Venedig bietet Gruppenführungen an, die aber Einzelreisenden nicht offen stehen, nur komplett angemeldeten Gruppen. Dies ist also eine Chance, die Kirche zu sehen, die bisherige Restaurierung ist beeindruckend und man fragt sich, warum die Kirche nicht regelmäßiger geöffnet ist. 
Haltestelle S. Zaccaria

Fondazione Gervasuti (ohne eigene Website), ein ehemaliger Handwerkerhof, der sich aus mehreren Gebäuden auf 2 Etagen zusammensetzt und seit Jahren für Länder- und Nebenaus-
stellungen vermietet wird. Der Zustand der Gebäude ist schlecht, aber nicht unsicher, man mag das auch romantisch finden. Die Ausstellungen hier passen immer gut ins Ambiente, die Auswahl erfolgt offensichtlich recht bewusst. Wer Palazzi und Kirchen besucht, sollte auch diesen Teil der 'Venezia minore' kennenlernen. 

In diesem Jahr 9.5.-22.11. Ausstellung Country der Künstler-
innen Kayili. Und sicher weitere.

Haltestelle Giardini oder Arsenale, die Via Garibaldi bis zur Brücke S. Gioacchino

Arsenale Docks auf S. Pietro di Castello, Haus Nr. 40 6.5.-26.7.; ein weiterer Blick auf das werktätige-handwerkliche Venedig. Hier wird das Mini-Golf-Kunst-Projekt 'Doug Fishbone's Leisureland Golf' installiert, an dem BesucherInnen sich aktiv beteiligen sollen. Klingt erstmal nach Kindergeburtstag, eröffnet aber vielleicht neue Perspektiven auf der alten Insel S. Pietro.
Gleiche Adresse: 9.5.-22.11. Katalanischer Pavillon, Ausstellung 'La Singularitat'.
Haltestelle S. Pietro oder zu Fuß über die Brücke bei S. Ana.


S. M. Ausiliatrice 9.5.-22.11. Nationale Ausstellung Wales. Eine kleine ehemalige Kirche in gutem Zustand, mit einem schönen Altarrelief. Dient regelmäßig als Ausstellungsort während der Biennale, war aber öfter schlecht zu sehen wegen der Verdunke-
lung bei Videoinstallationen. Kann passieren. Der anscheinend schöne Kreuzgang gehört zum Wohnheim für Studierende und nicht zum Ausstellungsbereich. Genau kanal-gegenüber der Fondazione Gervasuti, siehe oben.


Ergänzung 30.4.
Villa Sette Martiri 1610/A 9.5.-23.6. The Fall of the Rebel Angels. Eine Sammelausstellung einer sehr großen Gruppe junger KünstlerInnen, die in der freistehenden Villa an der Riva sette martiri steht, an der Anlegestelle der kleinen Flusskreuzfahrtschiffe. Das ist, was ich vermute und in der nächsten Woche in Venedig prüfen werde. Das wäre toll, denn dieses Haus stand meines Wissens noch nie für eine Ausstellung zur Verfügung und ich bin sehr neugierig auf beides. Siehe auch HuffPost 22.4.15.
Haltestelle Giardini oder Arsenale


Garten Loredan dell'Ambasciatore

San Marco:

Palazzo Garzoni (Canal Grande) 9.5.-22.11. Ausstellung Azerbaijan 1: Vita Vitale. Viele KünstlerInnen, eine größere Sache, die möglicherweise das ganze Haus einnimmt? In dem ansonsten jedermann/frau ein Apartment mieten kann zu normalen Preisen. Insofern nicht die einzige Gelegenheit, diesen Palazzo besuchen, aber inklusive aller Räume vielleicht schon.  

Palazzo Falier Piano nobile,  (Canal Grande) 9.5.-22.11. Ausstellung Sean Scully 'Land Sea'. Das Haus wirkt vergleichs-
weise klein vom Canal Grande aus, die Gässchen eng und lang, der Piano nobile wirkt dagegen riesig. Beeindruckend auch die Sicht aus den beiden schön verglasten Vorbauten auf den Canal Grande. 

Haltestelle Accademia 

Palazzo Pisani, Sitz des Conservatorio Marcello Benedetto 9.5.-22.11. Brian Eno und Beezy Bailey: The Sound of Creation. In diesem Gebäude finden sowohl Ausstellungen als auch Kon-
zerte statt, ich hatte anläßlich des Giuseppe-Verdi-Geburtstags 2013 sogar das Glück, an einer musikalischen Feier quer-rauf-und-runter durch das Riesengebäude teilnehmen zu dürfen. In diesem Falle spielt sich die Sache offensichtlich vertikal in einem der Treppenhäuser ab, man kann eine Überraschung erwarten und sollte die Gelegenheit nutzen. 

9.5.-22.11. Landesausstellung Angola "The Ways of Travelling".
Haltestelle Accademia

Palazzo Barbaro (Canal Grande) 9.5.-22.11. Ausstellung 2 Azerbaijan 'The Union of Fire and Water'. Ach, der berühmte Palazzo Barbaro! Erste Gelegenheit, ihn zu sehen (einen kleinen Teil davon, nehme ich an), bisher kenne ich nur seine düstere Rückseite, wo er an den Palazzo Pisani grenzt (s. o.). Dargestellt auf Gemälden und beschrieben in Büchern und nun endlich mal zu besuchen...! (Siehe auch diese Beschreibung im 'Venezia Blog')

Ex-Kirche San Gallo 9.5.-22.11. Ausstellung Patricia Cronin 'Shrine for Girls'. Die wirklich sehr kleine Kirche liegt direkt hinter dem Markusplatz, ist quadratisch mit 3 gleich großen Altären an 3 Seiten (4. Seite ist der Eingang). Ein stiller, geschlossener Raum. Keine Fenster, weshalb der Raum gerne für Video-Ausstellungen der Biennale genutzt wird. Das geplante Projekt passt sicher ausgezeichnet hier hin und lädt zur Kontemplation ein. Und man kann den Raum SEHEN.
Markusplatz verlassen über Calle Fabbri, an der 2. links ist der Campo S. Gallo.



Ergänzung 30.4.
Fondaco Marcello 9.5.-22.11. Concordia - Der antarktische Pavillon. Das kleine Gebäude am Canal Grande kann sich mit den umgebenden großen Palazzi nicht messen, aber es ist trotzdem interessant, ein ehemaliges Lagerhaus, vor allem seinen Dachstuhl, von innen zu sehen. (Das gleiche Gebälk findet man auch in alten Häusern der ehemaligen venezianischen Kolonien in Griechenland, egal ob Peloponnes, Monembasia, Naxiós, Kythira, Kreta...) Der Fondaco Marcello kommt in der Regel bei Kunstbiennalen zum Einsatz.
Haltestelle S. Angelo und dann die sehr enge Calle traghetto vecchio bis zum Ende.


Ergänzung 6.5.
Palazzo Dolfin Bollani, Campo S. Marina 9.5.-30.9. Calligrafia d'Aqua. Einzelausstellung Stevens Vaughn. Mehr ist weder über das Haus noch die Ausstellung zu erfahren, da muss man wohl selbst nachsehen gehen. 
Haltestelle Rialto.


Der 2. Innenhof des Palazzo Pisani
Dorsoduro:

Ex-Kirche S. Marta 6.5.-2.8. Pavillon Tibet. Die Kirche ist völlig entkernt, eingebaut wurde eine intelligent konzipierte Tagungs- und Ausstellungsinfrastruktur, die man gesehen haben muss, wenn man sich für Innenarchitektur interessiert. Wenn man sich für tibetische/buddhistische Spiritualität interessiert, ist der Besuch doppelt zu empfehlen.
Haltestelle S. Marta

Orario di San Ludovico 3.5.-26.7. Ausstellung Nástio Mosquito (Videos). Hier kann man eines der Ergebnisse der napoleoni-
schen Säkularisation besichtigen. Obwohl nur ein winziger Andachtsraum, wurden alle (sicher früher vorhandenen) Kunst-
werke geklaut/verkauft. Es gibt noch einen Rest von ehemaligem Altar und zwei Neben'höhlen'. Hier wird kein Baumaterial gelagert wie z. B. in Santa Ana in Castello oder S. Chiara auf Murano, dies hier reicht nur noch für biennale Kleinstausstellungen. Auch das gehört zur Geschichte Venedigs. (Und hier spielt die Geschichte von "Miss Garnet" von Sally Vickers.)

Haltestelle S. Basegio, entlang des Kanals bis Calle dei Vechi (Sackgasse), dort letztes Haus rechts.

Palazzo Zenobio 9.5.-22.11. Landesausstellung Litauen "Museum". Wer dieses einzigartige Haus am Rio Briati noch nicht kennt, und seinen Garten, (und je nachdem auch das Biblio-
thekshaus und das ehemalige Waschhaus im Garten), dem fehlt ein wichtiges Stück in seinem/ihrem persönlichen Venedig-Mosaik. Zeit nehmen zum ausführlichen Gucken und Fotogra-
fieren. U. a. den prächtigen Spiegelsaal aus "Herr der Diebe" findet man in diesem Haus und Gras zum Hinlegen im Garten. 

Haltestelle S. Basegio

Ergänzung 2.5.:
Abbazia S. Gregorio 9.5.-22.11. Becoming Marni, Soloausstellung des brasilianischen Künstlers Cicero Alves dos Santos (Véio). Direkt neben der Salute, in den letzten Jahren wenige Male für Ausstellungen geöffnet und sonst immer verschlossen, ist die restaurierte Abtei S. Gregorio eine dringende Empfehlung zur Besichtigung. Der wunderschöne kleine Kreuzgang und einige Details im und am Gebäude, der Blick auf die Salute sind einmalig. Auch wenn ich jedesmal beim Anblick der großen Fenster in der 1. Etage zusammenzucke. (Siehe auch Eintrag vom 17.7.2011)
Haltestelle Salute

Ergänzung 5.5.:
Casa Donati 9.5.-30.6. Edge of Chaos (Expelled from Paradise). Die Ankündigung liest sich sehr interessant, und die Casa Donati scheint in direkter Nachbarschaft zur Abazia S. Gregorio zu liegen. Ich habe noch nie etwas von diesem Haus gehört und werde die Ausstellung baldmöglich besuchen.


Eingangshalle Palazzo Zenobio

Palazzo Loredan dell'Ambasciatore  9.5.-18.6. Projekt 9 Dragon Heads, Ausstellung 'Jump into the Unknown'. (Mehr dazu auch im 2. Biennale-Eintrag.) Involviert in das Projekt sind auch Murano, Pellestrina und Lido, wie genau das aussieht, werden wir sehen. Der Palazzo Loredan dell'Ambasciatore ist jedenfalls nicht zu jeder Biennale geöffnet, hat einen schönen gut erhal-
tenen Androne (= Ausstellungsraum, die oberen Etagen sind bewohnt bzw.
zu mieten), Blick auf den Canal Grande, einen großen Garten und ist nicht ganz leicht zu finden. 
Haltestelle Ca'Rezzonico und dann am besten mithilfe eines Stadtplans.

Palazzo Contarini-Polignac/dal Zaffo 9.5.-7.8. Ausstellung Dansaekhwa; 5.5.-30.9. Ausstellung Doug Argue 'Scattered Rhymes'. Der Palast wird nicht zu jeder Biennale vermietet; 2013 konnte ich ihn (zum 1. Mal) bewundern, mit allem Zip und Zap, Wassertor, Innenhof, Garten, beiden oberen Etagen. Sehr beeindruckend.
Haltestelle Accademia, Landeingang über die Calle Rota.


S. Croce:

Garten des Palazzo Soranzo-Cappello 9.5.-22.11. Skulpturenausstellung Roberto Sebastian Matta. Das Haus ist der Sitz der venezianischen Denkmalschutzbehörde und steht für Besichtigungen nicht zur Verfügung. Der Garten ist für hiesige Verhältnisse riesig, besteht aus 3 unterschiedlichen Bereichen und wird von Zeit zu Zeit für Ausstellungen geöffnet. Diese Gelegenheiten darf man sich nicht entgehen lassen, denn der Garten ist einzigartig. Achtung: in der 2. Jahreshälfte extrem viele sehr kleine Stechmücken im hintersten Teil des Gartens, in der Nähe der Tempelfassade. (Siehe auch Eintrag vom 26.6.11.
Zu Fuss vom Bahnhof, siehe Link vom 26.6.11. und Plan Denkmalschutzbehörde


S. Polo:

Palazzo Tiepolo Passi 9.5.-22.11. The Dialog of Fire. Glas und Keramikkunst der Gegenwart aus Katalonien und Murano. Das Haus am Canal Grande kenne ich nur vom Vaporetto aus, es scheint zum ersten Mal für eine Ausstellung zur Verfügung zu stehen und ich bin entsprechend gespannt. 


Kreuzgang Madonna dell'Orto
Damit ist die Liste sicher nicht vollständig, da es kurzfristig Überraschungsangebote geben kann wie 2011 'Bob Dylan' im Palazzo Donà, darüber freue ich mich noch heute... 
Ich habe auch nicht die Ausstellungen aufgenommen die Ausstellungsorte, die zwar bemerkenswert, aber auch jenseits der Biennale erreichbar sind (wie z. B. im Palazzo Grimani, auf S. Servolo oder S. Lazzaro...). Ggfs. berichte ich nach meinem Besuch.

Ich empfehle Biennale-Interessierten unbedingt den Kauf des Monatsheftes Mai der Zeitschrift VENEWS (oder Venezia News). Nennt sich als Biennaleausgabe "THE BAG. The Biennale Arte Guide" und hat zwei ausklappbare Griffe wie eine Tasche. Es ist zwar rappelvoll Werbung, enthält aber jeweils Beschreibungen aller Ausstellungen, einen ausführlichen Plan aller Ausstellungen und Events und zusätzliche Sortierungen nach Länderaus-
stellungen, Nebenausstellungen, OFF-Events etc.. Eine sehr hilfreiche Sache für Leute, die tagelang in der Stadt umherwan-
dern und gerne orientierungshalber im Heft ankreuzen/ausstrei-
chen/Pfeile setzen etc. möchten.



Gartendetail Soranzo Cappello

Ich begleite und führe zu Nationenausstellungen und Nebenausstellungen in interessanten Gebäuden in der Stadt. Auch themen- oder personenzentrierte Begleitungen können auf Anfrage abgestimmt werden über einen Klick ganz oben rechts in der dunkelgrünen Spalte.

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