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25. November 2016

1437 - 29.11.1516 Giovanni Bellini

Giovanni Bellini
Madonna mit acht Heiligen, Museo Diocesano

Wir kommen beim letzten venezianischen Gedenken des Jahres 2016 an - es gab viele Gedenktermine in diesem Jahr. Vor 500 Jahren starb am 29.11. der Maler Giovanni Bellini. Er war Venezianer und seine Kunst ist einer der Fixsterne der venezianischen Malerei, unverrückbar in seinem künstlerischen Beziehungssystem und bei Bewunder*innen der Kunstgeschichte der Serenissima. Dürer nannte ihn den 'Größten von Allen'. Ein Besuch in Venedig ohne Wiedersehen mit einem oder mehreren der Werke Giovanni Bellinis ist unvollständig. Wer Schönheit braucht, Harmonie und Kontemplation, geht zu Bellini. 

Die Stadt Venedig und das Veneto präsentieren ihn mit dem Programm Bellini 500. Sonderausstellungen, auch von Einzelwerken, kostenlose Führungen, Konzerte finden im Centro Storico, aber auch auf Murano und dem Festland statt. Auch eine App Ibellini500 und ein  Faltblatt Luce su Giovanni Bellini 1516/2016  informieren über die Standorte seiner Kunstwerke.

Höhepunkt des Bellinijahres ist der 26.11.,also morgen, der Samstag vor Giovannis Todestag. Morgen gibt es noch einmal kostenlose Führungen, letzte Gelegenheiten!

  • Das Museo Diocesano und die Kirchen S. Francesco della Vigna, S. Zaccaria, SS. Giovanni e Paolo, S. Giovanni Chrisostomo, S. Maria Gloriosa dei Frari und S. Pietro di Murano bieten jeweils um 15:30 und 17:30 Uhr Führungen durch Mitarbeiter*innen des Patriarchatsamts für Kultur und Tourismus an. (Das Angebot gilt noch an den nächsten 2 Samstagen, 3. und 10.12.)
  • In der Accademia führt Debora Tosato um 17:00 Uhr zu den privaten Andachtsbildern ("Giovanni Bellinie e la fortuna dei quadri per la devozione private nelle raccolte delle Gallerie dell'Accademia").
  • In der Fondazione Querini Stampalia kann man von 10-18 Uhr an laufenden Führungen zum Werk Bellinis "Die Vorstellung Jesu im Tempel" teilnehm.
  • Das Museum Correr stellt dem Publikum eine Führerin durch die Bellini Sääle zwischen 11 und 17 Uhr zur Verfügung.
  • Die Scuola Grande di San Marco bietet Führungen um 15:30 und 17:30 Uhr zu den Bellini-Werken an.
  • Die Kirche San Giovanni del Tempio dell'Ordine di Malta zeigt ihren Bellini in Führungen um 15 und um 17:30 Uhr.

Auch wenn dann die Gedächtnisfeierlichkeiten vorbei sind, hängen die Bilder weiter in Kirchen und Museen und warten auf unsere Kunstpilger*innenbesuche, in kurzer Übersicht also nochmal die Standorte mit Links zu den Werken:


Museo Diocesano enthält 1 Werk Bellinis, frisch restauriert, das eigentlich seinen Platz in S. Pietro Martire auf Murano hat. Man kann um einen Klappstuhl bitten und sich dann in Ruhe vor das Bild setzen. Lage, Öffungszeiten, Preise.

San Zaccaria enthält 1 Werk Bellinis. Lage. Von 12-14 Uhr geschlossen.

Basilica SS Giovanni e Paolo enthält 1 Werk Bellinis (Erläuterung dazu). Webseite der Kirche. Vor 10 Uhr Eintritt durch die Seitentür, ab 10 Uhr gegen Gebühr Eintritt durch das Hauptportal. Haltestelle Ospedale

Scuola Grande di San Marco enthält im Obergeschoss mehrere Werke Bellinis. Eintritt durch das Hauptportal des Ospedale Civile neben der Fassade von SS. Giovanni e Paolo. Führer durch die Räume der Scuola Grande. Geöffnet Di-Sa 9:30-13 Uhr, 14-17 Uhr. Eintritt 8 €.

San Francesco della Vigna enthält 1 Werk von Bellini. Es ist renovierungsbedürftig und gehört auch nicht zu seinen stärksten Werken. In S. Francesco befindet sich ausserdem die 'Konkurrenz' der Madonna von Antonio da Negroponte. Ganztags geöffnet, kein Eintritt, Haltestelle Celestia.

Fondazione Querini Stampalia enthält 1 Werk von Bellini. Eintritt 10 € (Ermäßigungen), Di-So 10-18 Uhr. Haltestelle S. Zaccaria.

San Giovanni di Malta, Kirche des Granpriorato Ordine di Malta (italienischer Zweig des Johanniter- bzw. Malteserordens) enthält 1 Werk von Bellini. Auf die Öffnungszeiten (nachmittags) ist leider kein Verlass, es gehört ein bisschen Glück dazu. Haltestelle S. Zaccaria.

Museo Correr enthält einige Werke der Bellini Männer Giovanni, Gentile und Vater Iacopo. Zu finden unter der Nummer 36 der Beschreibung. Öffnungszeiten, Eintrittspreise. Piazza S. Marco.

San Giovanni Chrisostomo enthält 1 Werk von Bellini. Mo-Sa 10-18 Uhr, Eintritt frei. Haltestelle Rialto.

Gallerie dell'Accademia zeigen eine Sonderausstellung zum Bellini-Jahr, die am 26.11. endet. Ansonsten enthalten die Sammlungen eine ganze Reihe von Bellini Werken. Nicht immer sind alle zu sehen. Im Verzeichnis auf der  Seite 7Seite 8Seite 9. Eintritt 12 € (Ermäßigungen), Mo 8:15-14 Uhr, Di-So 8:15-19:15 Uhr. Haltestelle Accademia.

Santa Maria Gloriosa dei Frari enthält 1 Werk von Bellini, das herausragend, aber relativ klein ist. Die Mitnahme eines Opernguckers empfehle ich dringend, um in den Genuss der Details zu kommen. Website der Kirche: Basilica dei Frari. Haltestelle: S. Tomà.

San Pietro Martire auf Murano enthält 2 Werke von Bellini: die Pala Barbarigo und die Madonna mit acht Heiligen, die derzeit als Einzelwerk im Museo Diocesano ausgestellt ist. Eintritt frei, Mo-Sa 9-12, 15-18 Uhr, So 15-18 Uhr. Haltestelle Faro.

Giovanni Bellini
Pala di S. Giobbe, Gallerie dell'Accademia




Nachtrag 24.12.:
Ein besonderer Blick auf den Bellini in S. Giovanni Crisostomo, per Mail mitgeteilt, enthüllt Details, die mir völlig neu waren. Ich danke herzlich und möchte nicht darauf verzichten, mit Erlaubnis des Korrespondenten den Text hier anzufügen:


Der Bellini in San Giovanni Crisostomo ist u. a. deshalb exzeptionell, weil der greise Maler drei Jahre vor seinem Tod auf die aktuelle Kunst der jungen Generation reagiert, hier konkret auf das - kunsthistorisch viel bedeutendere - Bild des Hochaltars von Sebastiano del Piombo: dort erscheint zum ersten Mal ein Titelheiliger im Profil in einer entschieden dezentralen und dennoch ausgewogenen Komposition, die das schematische Motiv einer Sacra Conversazione zugleich aufbricht und neu belebt; Giambellin will dem nicht ganz folgen, aber antwortet seinem einstigen Schüler mit seinem Hieronymus im Profil (statt wie bisher in frontaler, hierarchisierender Darstellung) auf seinem Altarbild. 
Durch die Reminiszenzen an die ältere Malerei auf dem Hochaltarblatt von Sebastiano ergibt sich so eine Konversation zwischen den beidne Kunstwerken, die sonst nur in Museen anzutreffen ist, hier aber haben sich die beiden Werke an ihrem Bestimmungsort seit 500 Jahren erhalten, d. h. dieses Aufeinanderbeziehen ist Teil der originalen Konzeption.

Überhaupt zählt Giovanni Bellini zu den selten anzutreffenden Künstlern, die sich im Alter mit neuen Tendenzen auseinandersetzen. Das "sfumato", welches Giorgione - auch er ein einstiger Schüler Bellinis - in die venezianische Malerei eingebracht hat, also das Vertrauen auf die Farbe als autonomer Ausdrucksträger(das Charakteristikum venezianischer Malkunst der nächsten Jahrhunderte) wurde von Bellini in seinen späten Jahren aufgegriffen und konnte sich dank seiner Autorität in besonderem Maße durchsetzen.

(Gernot Frankhäuser)


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13. Januar 2016

S. Chiara di Murano. Wiederbelebung einer Ruine

Portal S. Chiara Juni 2011
Ich weiss jetzt nicht, ob im Juni 2011 die ehemalige Klosterkirche S. Chiara tatsächlich ein Lager für Baumaterial war, so sah ich das damals. Oder ob ich, aus heutiger Sicht, über die Vorbereitungsphase der Restaurierung stolperte. Könnte sein! Als ich ein Jahr später den Eintrag 'Vom Finden verschwundener Kirchen' schrieb, glaubt ich jedenfalls, dass diese Kirche nicht mehr zu retten sei.


Inneres der Ruine im Eingangsbereich

"Zufällig gefunden: auf Murano, frühmorgens zu Fuß unterwegs von der Haltestelle Colonna zur Haltestelle Faro und in der Hoffnung, im Durchgang zwischen zwei großen Glasge
schäften eine Abkürzung zu finden, stehe ich unerwartet vor einer herunterkommenen Kirchenfassade. An einer Stelle, die auf keinem Plan eine Kirche verzeichnet, meines Wissens.Die Tür ist offen, innen befindet sich ein Lager von allem Möglichen, vor allem Baumaterial. (Sowas hatte ich schon mal gefunden, in S. Anna in Castello.) Annähernd gedeckt ist der Raum nur im Eingangsbereich, also wo sich vermutlich früher eine Nonnenempore befand; das Kirchendach selbst fehlt. Eigentlich stehen nur noch alle Außenwände, ein komplett entkerntes Gebäude in einem Zustand, der eine Restaurierung für alle Zeiten ausschliessen dürfte. Stein im Magen, der Morgen ist mir verdorben. Ich recherchiere in meinen Büchern, es ist das ehemalige Frauenkloster der Franziskanerinnen S. ChiaraNichts steht dazu in Alvise Zorzi, 'Venezia Scomparsa', dem Buch über das verlorene (physische) Venedig;  einiges in Mary Laven, 'Die Jungfrauen von Venedig' die nicht über Gebäude schreibt sondern über die Geschichte venezianischer Nonnen. Die Bewohnerinnen von S. Chiara scheinen schon im 16. und 17. Jahrhundert unter der Baufälligkeit ihres Klosters und weiterer Armut gelitten zu haben während sie gleichzeitig ihre Franzikanerbrüder in S. Francesco della Vigna materiell unterstützten. Das gibt mal wieder zu denken. Zu denken gibt auch, dass ein historisches Gebäude, obwohl noch vorhanden, völlig vergessen scheint. Das ist fast schlimmer als verschwunden." 


Portal S. Chiara Oktober 2015
Ein erfreulicher Irrtum! Vor einem Jahr einen Hinweis auf Restaurierungsarbeiten im www gefunden, im Oktober 2015 mit eigenen Augen geprüft: die Ex-Kirche ist in der Phase ihrer Konversion in einen Ausstellungs- und Verkaufsraum für Glaskunst aus Murano, die Fassadenrenovierung ist bereits fertig und in einem Raum in der hinteren Hälfte des Kirchenschiffs wird auch schon Glas verkauft. Der Raum ist überraschend niedrig mit einer mächtigen Balkendecke und vollgestopft mit bunten Glasprodukten aller Art. Keine Kunden außer mir, aber ein freundlicher Mann ist da, wie sich herausstellt, der Besitzer Giuseppe Belluardo. Er erzählt von seinem Projekt, die Kirchenruine wieder aufzubauen und zu nutzen, von der Beteiligung der ganzen Familie, von den 4 Jahren, die die Sache schon dauert.
(Das spricht sich inzwischen weltweit herum - siehe South China Morning Post, 6.1.2016).



Er öffnet mir den Zugang zu einer Treppe - in den Kirchenraum wurde eine Zwischendecke aus Holz eingezogen, hier oben über dem Verkaufsraum ist ein großer Ausstellungsraum. Glas über Glas. Unter dem Balkendach hängt ein Lüster neben dem anderen. Und man sieht: die gotischen Spitzbögen, das alte Backsteinmauerwerk, die Deckenbalken gut erhalten, einzelne Hilfsstrukturen sind eingebaut um die Statik zu verbessern, und natürlich Beleuchtung etc.. der Umbau ist dokumentiert mit beeindruckenden Bildern auf einer Website (größtenteils nachzuvollziehen auch ohne italienische Sprachkenntnisse). 
Ich bin lange alleine hier oben, schaue mir Details der alten Mauern und der Restaurierungsarbeit an, passe auf, dass mein kleiner Rucksack Abstand hält zu den Massen von Glas in allen Größen und Formaten, eine ungewohnte Situation, bloß nix kaputt machen!



Ich erzähle Giuseppe Belluardo, dass ich schon vor Jahren über seine Ruine gebloggt hätte, woraufhin er vorschlägt, die Baustelle in der vorderen Hälfte des Kirchenschiffs anzusehen. Wir verlassen den Verkaufsraum, er schließt eine Metalltür nebenan auf, wir stehen im Halbdunkel (Samstagnachmittag, keine Arbeiter da) im leeren Kirchenschiff, in dem ich schon 2011 war, damals war es voll mit Baumaterialien und nach oben offen. Jetzt gibt es ein neues Dach (auf dieser Googleansicht ist es mittig noch nicht ganz fertiggestellt, aber man erkennt schön die Ruinen des ehemaligen Klosters daneben). Auf Höhe der Zwischendecke über dem Verkaufsraum führen erste Ansätze einer breiten Galerie an den Mauern entlang. Der Raum ist entkernt wie früher, aber im Parterre soll künftig ein Glasofen stehen, von der Galerie aus sollen BesucherInnen die Arbeit beobachten können; die provisorische Vermauerung von vorderem und hinterem Kirchenschiff wird geöffnet; es wird neben der Glasausstellung auch eine kleine historische Ausstellung zu Murano geben. Ich solle mal nicht damit rechnen, dass alles schon im nächsten Sommer fertig sei, aber wenn ich in 2 Jahren wieder käme...!



Eine gelungene Verbindung von venezianischem Unternehmergeist und Geschäftsinteresse mit bürgerlicher Verantwortung für das historische Erbe. Das gefällt mir wirklich gut, ich finde es bewunderns- und nachahmenswert. Santa Chiara doch nicht verschwunden - non scomparsa!
Website: Ex Chiesa Santa Chiara Murano 

Ergänzung 6.7.16: 
es scheint, dass die Restauration abgeschlossen ist und die offizielle Eröffnung der ehemaligen Kirche S. Chiara am 10.7. über die Bühne gehen soll. Auf der Website gibt es weitere beeindruckende Fotos der Restaurierungsarbeiten.
Ergänzung 12.7.16: 
Vimeo der Eröffnungsparty, auf dem trotz Weitwinkel ganz gut die Größe und Gestaltung der Räume zu erkennen sind. 

Vaporettohalt Murano-Colonna, rechts gehen, über die 1. Brücke rechts (Ponte S. Chiara), jeweils ein paar Schritte rechts, links und man steht vor der Fassade.



(Ein anderes Beispiel für eine konvertierte Kirche ist übrigens S. Marta, in deren entkernten Innenraum eine komplette Konferenzstruktur gebaut wurde. Ich beschreibe sie kurz im Eintrag Tram Mestre-Venezia vom 12.8.2012.)





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30. November 2015

Weihnachten 2015 in Venedig

Eisbahn Campo S. Polo
Der Suchbegriff "Weihnachtsmarkt Venedig" landet in diesen Tagen wieder alarmierend häufig bei mir, deshalb ist die Information fällig: in Venedig gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr das, was man in deutschsprachigen Ländern (und vielleicht auch Nachbarländern, das weiss ich nicht so genau) unter einem Weihnachtsmarkt versteht. Also viele kleine Buden mit Glitter, Kunsthandwerk, Glühwein, Süsskram, Gebratenem und Frittiertem. Wer das mit einer vorweihnachtlichen Reise verbindet, sollte nicht nach Venedig kommen.

Das offizielle venezianische Weihnachtsprogramm mit Eisbahnen, Konzerten, Aufführungen aller Art etc. vom 4.12.-6.1.2016 ist aber auch nicht ohne. Es gibt auch eine Website für das Programm zum Jahreswechsel, derzeit noch leer. Nach all den Marketingkinkerlitzchen des letzten Jahrzehnts (Küssparties auf dem Markusplatz, Jahreswechsel in weiß ebenda, und zuletzt Feuerwerk auf der Riva) und den derzeitigen Sicherheitsfragen bei Massenveranstaltungen muss man abwarten, wie sich der Jahreswechsel 15/16 in Venedig gestalten wird. 

Die italienische Tradition der Weihnachtskrippe (presepio, presepe) wird auch in Venedig gepflegt, wer will, kann von Kirche zu Kirche pilgern. Das ist nicht die hohe Kunst, die in vielen Kirchen sowieso hängt, sondern volkstümliches Kunsthandwerk. Siehe unten: S. Trovaso 2014.



Auf Murano gibt es vom 5.-23.12. ein Weihnachtsprogramm, einen Beleuchtungswettbewerb, und vermutlich auch geschenkorientierte Sonderpreise, letztere auch noch in der ersten Januarwoche, auch Dreikönig, der 6.1., ist ein Geschenkeanlass in Italien. (PDF zum Ausdrucken des Programms unten auf der Seite). 

Ergänzung 7.12. 
Weihnachtsprogramm Mazzorbo, Burano, Torcello
Weihnachtsprogramm Jesolo: Sand Nativity mit Sandskulpturen von 12 KünstlerInnen. Mediterran?

Ergänzung 9.12.
20.12. 10:30-20 Uhr Mercantino dei Granai. Kunsthandwerkermarkt, beliebt bei VenezianerInnen, die besondere lokale/regionale Produkte suchen. Kein Flohmarkt! Findet mehrfach jährlich in den Getreidespeichern (ital. granaio) auf der Giudecca neben dem Hotel Cipriani statt, diesmal beim Fischmarkt am Rialto. Im Oktober habe dort z. T. sehr schönen Schmuck aus verschiedensten Materialien gesehen, handgearbeitete Schuhe und Bekleidung teilweise ungewöhnlichen bis schrägen Stils, eine große Auswahl italienischer (natürlich, aber das sagt alles!) Brillenfassungen,  Kunst- und Vintagekram, dekoratives Kunsthandwerk und regionale Edelfressprodukte (Schinken, Käse, Honige, Liköre, Gebäck...) auch zum Probieren, sparsam aber.

Ergänzung 11.12.
Weihnachtsprogramm Lido
12./13.12., 10-20 Uhr traditioneller Weihnachtsmarkt auf dem Piazzale S. M. Elisabetta (Hauptanleger der Vaporetti und zentrale Bushaltestelle)
13.12. 16 Uhr Öffnung des Tempio Votivo (normalerweise immer verschlossen), ab 17 Uhr Weihnachtskonzert, Eintritt frei.

Ergänzung 16.12.
Nochmal: Inselprogramm der Laguna Nord Weihnachten bis Dreikönig

Weihnachtsprogramm des Teatro La Fenice (nach zurück gegebenen Reservierungen vormittags am Tag der Aufführung fragen - werden sogar günstiger verkauft)

Geschenke aus Venedig betreffend, weise ich wieder auf die Produkte von Rio Terà dei Pensieri hin, vor allem auf die Taschen und Rucksäcke aus recyceltem Material, jedes einzelne Teil ein Unikat, preiswert, originell, venezianisch, mit einem schönen großen Knastlabel von Malefatte außen und innen. Man bekommt sie am Kiosk am Campo S. Stefano (neben dem Zeitungskiosk, Öffnungszeiten bitte beachten, siehe Foto unten). Außerdem im Designgeschäft neben S. Antonin (zwischen Campo della Bragora und Scuola degli schiavoni in Castello) und bei den Frari über die Brücke, dann geradeaus im Sportartikelgeschäft. 

Ansonsten: meine Geschenketipps für VenedigliebhaberInnen von 2014 gelten auch in diesem Jahr.

Ergänzung 1.12.: 
Herzlichen Dank an KorrespondentInnen, die per Mail weitere Geschenkevorschläge schickten!
Member Card für die Peggy Guggenheim Collection
Member Card für die Sammlung Pinault im Palazzo Grassi und der Dogana
Man kann natürlich auch einen CHORUS-Pass für den einmaligen Eintritt in mittlerweile 18 Kirchen als Geschenk online kaufen. (Siehe auch Eintrag vom 6.4.12.)
Der aktuelle Link zur Bestellung einer MUVE-Friend-Card (falls sich etwas geändert haben sollte).

Ergänzung 17.12.: 
Im Mai durfte ich bei einer privaten Tour ein Grüppchen von Opernappassionati am Tag nach ihrem Besuch einer Fenice-Aufführung in Cannaregio und Castello begleiten. Für mich eine inspirierende Begegnung mit interessanten Menschen, für eine Teilnehmerin ebenfalls eine Inspiration: in ihren soeben veröffentlichten Roman "Das Geheimnis des Gondoliere" (E-Book) sind einige der besuchten Sehenswürdigkeiten unserer Tour als Locations eingegangen. Toll... noch nicht gelesen, aber hiermit sehr gerne weiterempfohlen!  

Öffnungszeiten des Rio Terà dei Pensieri - Kiosks am Campo S. Stefano
Donnerstag etwas rätselhaft :-)


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16. August 2015

Eine Geschichte von Murano und Potsdam


Eine überraschende Kombination?!

Den ersten Teil der Geschichte erzählt Alvise Zorzi; ich übersetze und zitiere aus seinem Werk "Venezia scomparsa": 

"Bis heute gehört zu den Titeln des Patriarchs von Venedig der es Ewigen Komtureiabtes von San Cipriano di Murano, obwohl die Abtei schon lange nicht mehr existiert. Die letzen Gebäude-
reste wurden vor 1840 niedergerissen, sogar die Fundamente wurden 1864 ausgehoben und wo es danach auf dem Gelände Gärten gab, stehen heute moderne Gebäude.


Die Abtei hatte ihren Ursprung in Malamocco. Der Doge Ordelaf Falier gestattete, das primitive Kloster zu verlassen und die Abtei nach Murano zu verlegen, nachdem Pietro Gradenigo 1109 den Brüdern ein Grundstück in San Savatore in Murano geschenkt hatte. 1111 waren Kirche und Konvent fertiggestellt. Die Apsis-
wölbung der Hauptkapelle war ausgestattet mit einem herrlichen byzantinischen Mosaik, gestiftet von Frosina Marcello 'pro anima suaque Petri Marcelli Marci et Teofili suorum filiorum' laut der Inschrift, über die Moschini berichtet, und es zeige 'den segnen-
den Erlöser mit der Jungfrau, den Heiligen Petrus, Johannes und Cipriano und die Erzengel Michael und Raffael'. (Moschini G. A.; Guida per l'isola di Murano, Venedig 1808)."


seconda parte
Lage von S. Cipriano im Südwesten Muranosnahe den Inseln S. Michele
und S. Christoforo, aus denen jetzt der Friedhof besteht.
Heute weist noch die Calle S. Cipriano auf  das Kloster hin
Alvise Zorzi berichtet weiter, dass sich hier neben anderen die Grablegen des Dogen Pietro Polani und des Dogen Pietro Gradenigo befanden. 1563 eröffnete nach Verfügung von Papst Pius IV der venezianische Patriarch und ehemalige Abt von S. Cipriano Giovanni Trevisan ein "ewiges" Priestersemiar, dem Orden der Somasker unterstellt. 1632 ergänzte der Patriarch Kardinal Federico Corner das Priesterseminar durch eine Inter-
natsschule für die Patrizierjugend, die Ansehen gewann und u. A. von Ugo Foscolo,
Gasparo Gozzi und Giacomo Casanova besucht wurde. (Casanova schreibt in Band 1 seiner Memoiren: "Hierauf zeigte man mir in drei Sälen mindestens hundertfünfzig Seminaristen, ferner zehn bis zwölf Schulzimmer, den Speisesaal, den Schlafsaal, die Gärten für die Freistunden; man gab sich die größte Mühe, mir einzureden, ich würde an diesem Ort das glücklichste Leben finden, das ein junger Mensch sich nur wünschen könnte...").
Die nicht sehr große dreischiffige Kirche wurde 1650 unter dem Patriarchen Francesco Morosini renoviert, die 3 Absidenkapellen und das Mosaik blieben dabei unverändert. Bis 1817 gab es in der Kirche Kunstwerke von Cristoforo da Parma, Pordenone, Palme il Giovane, Polidoro, drumherum einen großen gepflegten Klostergarten, bis das Seminar durch den Patriachen Franceso Maria Milesi dahin verlegt wurde, wo es noch heute seinen Sitz hat, in Venedig zwischen Salutekirche und Dogana (wie schon 1807 der Bischofsitz von S. Pietro di Castello nach S. Marco ver-
legt worden war). Damit wurde 
San Cipriano 1817 "schmählich aufgegeben" und der Plünderung überlassen.

Muran 1600

Die Bibliothek des Seminars und die Kunstschätze der Kirche wurden beim Umzug soweit möglich mitgenommen und befinden sich noch heute im Seminario patriarcale. 

"Was übrig war, wurde 1837 einem Geschäftsmann namens Medina überlassen, der Stück für Stück alles niedermachte und Marmor, Ziegel und Steine als Baumaterial verkaufte. Es war sogar die Rede davon, das kostbare Mosaik aus der Apsis der Hauptkapelle zu reissen, um die Einzelteilchen für Reparaturen an den Mosaiken von San Marco zu verwenden, für die es kein Material gab. ...  
Urnen und Grabmäler wurden barbarisch zerstört, die Urne des Dogen Pietro Gradenigo verkauft, und was im verbleibenden Schutthaufen an menschlischen Überresten gefunden wurde, ließ Federico Gradenigo mit Regierungserlaubnis unter dem Altar in der Kapelle seines Palazzo am Rio Marin wieder bestatten.
Wenigstens das Mosaik wurde 1838 vom preußischen Kron-
prinzen gekauft, von den Künstlern Pietro Querena und Lorenzo Priuli aus der Apsiskuppel gelöst, nach Deutschland verfrachtet und in der Apsis der Friedenskirche in Potsdam angebracht, wo es sich heute noch befindet und auf wunderbare Weise alle Zerstörungen des Krieges überstand."




Soweit Alvise Zorzi. Beim "preußischen Kronprinzen" handelte es sich um Friedrich Wilhelm, der kurze Zeit später, ab 1840, FW IV König von Preußen sein würde. 
Und so geht der zweite Teil der Geschichte:

Friedrich Wilhelm, seit seiner Kindheit fromm und religiös, seit seiner Jugend gefördert auch in Themen der Theologie und Kunstgeschichte, vertieft durch Reisen in Italien, und mit höch-
stem Interesse an Architektur, plante seit Beginn der 30er Jahre eine Kirche in Potsdam, als deren Vorbilder er die Kirche S. Clemente und für den Turm S. Maria in Cosmedin, beide in Rom, wählte. Die frühchristliche byzantinische Vorstellung, ein Kirchengebäude symbolisiere den Staat Gottes, übertrug er in seine Vorstellung vom preussischen Staat als Analogie zum Gottesstaat. Was er plante, war ein Bau mit Leitbildcharakter, und er wünschte ein originales byzantinisches Mosaik zur Verstärkung der Symbolik. Der byzantinische Pantokrator - Allherrscher - in Analogie zum Herrscher Friedrich Wilhelm im Gottesstaat Preußen, um es ganz knapp zu formulieren.




Das Mosaik der Stifterin Frosina Marcello war ein wahrer Fund für 385 Taler, Querena und Priuli lösten es kunstgerecht aus der Apsis von S. Cipriano, zerteilt in 100 trapezförmige Teile, was fast ein Jahr dauerte. (Archiviert ist die Bescheinigung der "Kgl. Zufriedenheit und Bewilligung eines Gnadengeschenkes" für die beiden Mosaizisten vom 14.3.1840.) Technische Details kann man höchst interessant in der Diplomarbeit von Philipp Schubert, FH Potsdam 2009, nachlesen.
Die Spedition mit Schiff, Bahn, Fuhrwerk kostet das 5fache des Kaufpreises, in Potsdam werden vorhandene Pläne den Maßen des Mosaiks angepasst, überhaupt nervt FW seinen Architekten Ludwig Persius (und nach dessen frühem Tod, Friedrich August Stüler, Ferdinand Ludwig Hesse und Ferdinand von Arnim) durch immer neue Änderungwünsche im Detail und im Gesamtkonzept. Grundsteinlegung ist am 14.4.1845, erst kurz zuvor steht der Name der Kirche fest: Friedenskirche




Ich war im April in Potsdam um das Mosaik aus Murano zu be-
wundern und fand in der wunderbaren Gesamtanlage eine ganze Reihe weiterer venezianischer Spolien wie einen Brunnenkopf, Skulpturen und Reliefs. Ich vermute, dass einige davon schon von ihrem Ursprungsort im östlicheren Mittelmeerraum nach Venedig kamen und nach Potsdam "weitergereist" sind. Die Kirche strahlt sehr große Ruhe und Würde aus (gewöhnt an die Fülle in katholischen venezianischen Kirchen). Das Mosaik ist überwältigend schön und klar, der große goldene Hintergrund lässt an das Mosaik in der Apsis der Assunta von Torcello den-
ken. Das Mosaik zeigt, wie schon Alvise Zorzi schreibt, die Dar-
stellung der Deesis - Christus empfängt als Pantokrator (All-
herrscher) die Fürbitten seiner Mutter und des Täufers, in die-
sem Fall begleitet von den Heiligen Petrus und Cipriano, einge-
rahmt von den Erzengeln Michael und Raffael (deren Seiten vertauscht wurden, kann passieren). Von Thomas-Peter Gallon steht eine hochinteressante Arbeit zum Mosaik "Herrscher, Richter, Segensspender?" im www (38 Seiten Text, 15 Seiten Fussnoten, jede Zeile davon lesenswert). 




Man kann nicht dankbar genug dafür sein, dass uns dieses Werk erhalten ist und nicht im Schutt von S. Cipriano versank oder als Reparaturmaterial in S. Marco landete. Das Mosaik wurde nicht 'geraubt', sondern gerettet und muss weiter verantwortlich ge-
pflegt werden als kostbares kulturelles Erbe und Teil des UNESCO Welterbes. Der Unterbau (genauer: Überbau) an dem es befestigt ist, verrottet und muss dringend erneuert werden. Das Mosaik selbst bedarf der Restauration. Auch die Kirche insgesamt braucht Sanierungen. Bereitgestellte öffentliche Mittel reichen nicht aus, Spenden müssen her. 


Wer Venedig und die Lagune liebt, wer das venezianische Erbe erhalten wissen will, darf sich verantwortlich fühlen für das Kunstwerk aus der Lagune, das seinen Weg zu uns gefunden hat. Einmal gerettet, soll es dauerhaft gerettet bleiben.  

Märkische Allgemeine: Alarmstufe Rot für die Friedenskirche
RBB: Mit Spendenmillionen zu neuem Glanz
Potsdamer: Hilfe für Kirche mit Dachschaden
Spenden an den Bauverein der Friedenskirche
Spenden für die Friedenskirche an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Monumente online der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Faltblatt Friedenskirche der Deutschen Stiftung Denkmalschutz



Vom Hauptbahnhof Potsdam fährt eine Straßenbahn (Nummer vergessen, sorry) zur Friedenskirche, ca. 300 m zu Fuss ab Haltestelle, immer dem Anblick des Campanile nach. Lage auf Bing Maps

Die Kirche kann zu Gottesdiensten besucht werden, und es gibt eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die Verantwortung für die tägliche Öffnung der Kirche Sorge trägt. Es ist trotzdem sinnvoll, bei einem geplanten Besuch vorher das Gemeindebüro anzurufen, um sicherzustellen, dass eine Besichtigung möglich ist.
Am Grünen Gitter, 14469 Potsdam, Tel. 0331-974009

Am Tag des offenen Denkmals 13.9.2015, ist die Friedenskirche geöffnet für BesucherInnen von 12-18 Uhr. Von 13-17 Uhr gibt es stündlich kostenlose Führungen durch Mitglieder des Bauvereins Friedenskirche und weitere ExpertInnen.



Hier geht es zum Eintrag
"Venezianisch-byzantinische Importe in Glienicke"



Nachtrag 1.1.2017
Eine gute Nachricht am ersten Tag des Jahres: Die Friedenskirche wird saniert.


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