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4. Juni 2017

Alexander Kluge wieder in Venedig


Zum Glück. Und diesmal im Rahmen, der ihm und seinem Werk gebührt. 2015 hatte Okwui Enwezor ihm in der zentralen Ausstellung "All the World's Futures" einen Raum und drei Projektswände eingerichtet, leider mit zu viel Durchgangsverkehr und ungenießbarer Akustik. Ewig schade.





Nun sind die Funde und Werke des 'Archäologen' Kluge auf drei Etagen der Ca' Corner della Regina (im Besitz der Fonazione Prada) zu bewundern. Präsentiert in den Bühnenbildern und Szenerien von Anna Viebrock, begleitet von großformatigen Fotos von Thomas Demand und kontrastiert von sechs Werken Angelo Morbellis

Darüber wollte ich eigentlich in diesem Eintrag berichten, denn für mich ist dies aus heutiger Sicht die interessanteste Ausstellung des Sommers in Venedig. Dieser Meinung bin aber nicht nur ich, sondern auch Dirk Schümer, von mir hochgeschätzter Autor, Journalist und Podiumsdiskutant. Er kam mir mit seinem Artikel "Wenn Venedig sich mal wieder selbst ausstellt" vom 31.5. zuvor. Ich kanns nicht besser machen, halte also die Klappe, empfehle die Lektüre dieses Textes und, wirklich unbedingt, die Ausstellung zu sehen.


Angelo Morbelli 'Il natale dei rimasti'


Ich hatte die Vorstellung, dass 2 Stunden reichen würden, davon konnte keine Rede sein. Die wilde Mischung aus Barockpalast und Ausstellungsgestaltung, aber vor allem das opulente Angebot von Kino- und Videofilmen ließ mich versinken. Und in Anna Viebrocks Nachbau des Pio Albergo Trivulzio in einer der engen Bänke vor Lachen biegen: Helge Schneider beim G20-Treffen in Elmau per Tablet und Kopfhörer. (Wer hier nicht deutsch spricht und auf die Untertitel angewiesen ist, verpasst was...!) 
Auf insgesamt 16 Tablets kann man weitere Filme/Texte sehen (abgeschrieben aus dem Porgramm, das an Ausstellungsbesucher*innen verteilt wird:
Feuerzeichen über Venedig; Raumeau: Sturmmusik (mit Ausschnitten aus Les Indes galantes); Ich rieche den Sturm; Die Seelenverkehrsampel; Gespräche mit Heiner Müller; Was ist überhaupt eine Stadt?; Sam Remembers Papa Kong; In the Office Tower; Der Gesamtarbeiter von Verdun; Hermetic and Associative Forces; Rückkehr zur unabhängigen Bodenbearbeitung; Was heißt Schiffbruch in der Ökonomie?; Lichtadern; Monteverdis Ambassador in a Turin Factory; Die Bombe als Pflug; Maieutics: The Midwife's Art; Industrial Ruins Left behind by Investors; Adult Education for the Finance Industry; The Veiled Marx; Revolution, Texte und Filme; Feuerlöscher E. A. Winterstein; Das Auge der Libelle; Gespräche mit Thomas Demand, Rachel Kushner und Ben Lerner. 

In dem von Dirk Schümer erwähnten "kuscheligen Kleinkino der 50er Jahre" (das soo kuschelig nicht ist, die Sitzreihen  sind nicht etwa Plüsch, sondern glattes Holz, hörbar runter- und wieder raufklappend) sind in voller Länge zu sehen: Abschied von Gestern (1965/66), Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985), und Lernen und Liebe in einem Meer von Krieg (2016).

Ohne Mühe und weitere Pläne kann man einen ganzen Tag in dieser Ausstellung verbringen und sollte sich entsprechend Zeit nehmen. 



Nachdem ich Herrn Schümer die Kommentierung von The Boat is leaking. The Captain lied. überlassen habe (dessen Titel ein Zitat von Leonard Cohens "Everybody Knows" ist), gebe ich jetzt noch kurz das Wort weiter, auch zum bisher beschwiegenen Thema Damien-Hirst-Ausstellung.  
Die feiert nicht unumstritten an den beiden Pinault-Standorten Dogana und Palazzo Grassi eine Kunstmarktorgie und schlägt Riesenmedienwellen (siehe auch Kulturkalender 1. Halbjahr 2017, Ausstellungen 9.4.). 

In der aktuellen NZZaS spricht Martin Helg mit Beat Wyss unter dem Titel "Ist das Kunst, oder kann das weg?" während eines Gangs durch die Giardini über Kunst und -rezeption, -markt, -biennale, -geschichte und Weiteres. Ein Text, der mir so entspannt und weise daherkommt, dass ich ihn weiter empfehlen möchte.
Herr Wyss nimmt in Bezug auf Herrn Hirst das schöne Schweizer Wort "Seich" in den Mund, was mir gefällt. Denn auch ich mute mir Hirst-Produkte nicht mehr zu, auch nicht um der sogenannten politischen Korrektheit des persönlichen Augenscheins Willen. Ich fahre auch nicht nach Paris ins Disneyland, um sicher zu sein, dass ich das nicht sehen muss und lasse mich ansonsten gerne von den massenhaften Fotos von Hirsts Qualitäten überzeugen. Und falls mich jemand fragt - man kann die kostbare Zeit in Venedig Besserem widmen.

Androne der Ca' Corner della Regina
La diva raffreddata
Hannelore Hoger als erkälteter Star


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2. Dezember 2011

Haus zu verkaufen am Canal Grande

Treppe im Androne zum 1. Mezzanin rechts und links

Zu überbieten sind derzeit 40 Millionen € + Fertigstellung begon-
nener Restauration + laufende Erhaltung... es geht um die Ca' Corner della Regina.

Das ist wohlgemerkt nicht der Palast von
Caterina Corner, der Königin von Cypern und Armenien im 15. Jahr-
hundert, sondern ein größerer Nachfolgebau des 18. Jahrhunderts über den Grundmauern des Gebäudes, indem Caterina geboren wurde.


Caterina Corner nimmt in der Geschichte Venedigs und Zyperns eine Schlüsselposition ein. Trotzdem war sie aus heutiger Sicht, mit Zwangsverheiratung als Straftatbestand, vermutlich ein armes reiches Mädchen.
Und wer zu Verschwörungstheorien neigt, sieht in ihr vielleicht eine tragische Figur, deren kleine
r Sohn und sein Vater keine Überlebenschance hatten. Denn beider Tod war die Voraussetzung, dass das Königreich Zypern, das wirtschaftlich (Zuckerrohr) und militärisch (zwischen dem osmanischen Reich und dem venezianischen Königreich Candia = Kreta liegend) unverzichtbar war, als venezianisches Königreich den Kolonien im östlichen Mittelmeer hinzugefügt werden konnte.

Die Wände des mittleren Saals (Portego) des 1. Piano nobile sind komplett mit Darstellungen aus dem Leben Caterina Cornaros gestaltet

Die Hintergründe deuten also mehr auf Staatraison, und trotzdem ist Caterina Opfer der romantischen Wahrnehmung geworden dank künstlerischer Darstellungen quer durch Literatur, Musik, Malerei. Z. B. Gaetano Donizetti: Caterina Cornaro (kostenlos hören).
Aber Caterina ist eine andere Geschichte, jetzt geht es um das Haus, das ihre Verwandtschaft 160 Jahre nach ihrem Tod bauen ließ, Ca' Corner della Regina. Ich hatte im Juni das Glück den Palazzo von innen zu sehen anläßlich einer Ausstellung der Fondazione Prada während der 54. Biennale und habe darüber berichtet ("Hütten und Paläste").
Portego des 1. Piano nobile, rückwärtige Schmalseite zum kleinen Innenhof

Die Ausstellung wurde am 2.10.2011 geschlossen und am 21.11. machte die Fondazione Prada über die zum Konzern gehörende Firma Petranera s.r.l. das Kaufangebot von 40 Millionen €.
Ich vermute, dass die öffentliche Ausschrei-
bung, Abgabetermin 20.12. mittags, eine formale Angelegenheit und der Verkauf an
Prada zum Jahresende eine festgeklopfte Sache ist; man wohl auch kein weiteres ernsthaftes Angebot erwartet. Ich finde diese bürokratische Prozedur hochinteressant und bin gespannt, wie es weitergeht.
Denn vor kurzem haben wir ja schon einen anderen Verkauf am Canal Grande erleben dürfen, der des Fondaco dei Tedeschi, mit dem Ergebnis, dass aus den hochfliegenden Plänen bisher wohl nix geworden ist und das Gebäude ungenutzt und verrammelt neben der Rialtobrücke steht.

Deckenschmuck in einem Nebenraum des 1. Piano nobile

Wenn die Ca' Corner della Regina an Prada verkauft wird, kann man sicher auch künftig mit Ausstellungen und Besuchsmöglichkeiten rechnen. Das ist bei letzten zum Verkauf stehenden Palazzo, den ich anläßlich der Biennale 2007 besuchen konnte, nicht der Fall: Palazzo Soranzo van Axel, der nach seiner derzeitigen Umgestaltung in Eigentumswohnungen der Spitzenklasse ("...a wonderful home for discerning people wanting the full Venetian experience..." sagt der Verkäufer Sotheby's) nicht mehr zugänglich sein wird.




Detaillierte Verkaufsausschreibung (Avviso di vendita)
und
technische Dokumentation (documentazione tecnica) mit Plänen und Fotos

als PDF-Links am Ende der Veröffentlichung


Noch nicht fertiggestellte Restaurierung im 1. Mezzanin (Zwischengeschoss)

17. Juli 2011

2-3 x Ärger am Canal Grande

Ärger Nr. 1:



zum ersten Mal erlebe ich, dass Ausstellungen, die als "Collateral Events" der Biennale, mit einem roten Logo geadelt, nicht freien Eintritt bieten, sondern ein separates Eintrittsgeld verlangen. Das kann mehr oder weniger ärgerlich sein.
Im Falle der Ausstellung im Palazzo Corner della Regina (Besuch bereits beschrieben im Eintrag 'Hütten und Paläste' vom 9.7.) ist das aus meiner Sicht weniger ärgerlich, ein wunderbares Haus das man gesehen haben muss, eine mich begeisternde Ausstellung, die man nicht hätte verpassen mögen. Mich persönlich haben die 10 € nicht geschmerzt, dieser Nachmittag war es wert.




Palazzo Zenobio, Eingangshalle

Etwas ärgerlicher wird es schon, wenn auf dem Treppenabsatz im Palazzo Zenobio zur Ausstellung "The Mediterranean Approach" ein Tisch steht und ein junger Mann wegelagerisch 4 € für das Betreten des oberen Stockwerks verlangt.

Das sah mir nach einer spontanen "nicht offiziellen" Initiative aus. Ich habe die 4 € abgegeben, der Saal im Piano Nobile ist überwältigend und eine gewisse Schlitzohrigkeit darf auch belohnt werden. Im Nachhinein habe aber doch bezweifelt, dass das eine prinzipiell gute Entscheidung war. (Mehr zu den Ausstellungen im Palazzo Zenobio in einem späteren Eintrag.)




Richtig ärgerlich war ich und habe entschieden Widerstand geleistet im Palazzo Bembo an der Rialtobrücke.

Ich WOLLTE die Ausstellung "Personal Structures" besuchen, wurde schon auf der Riva von einer jungen eleganten Kundenfängerin "Biennale...?" angesprochen. Erstaunlich. Der Palazzo wird gerade renoviert, laute Maschinen zugange im Mezzanin, auf dem Treppenabsatz des Piano Nobile zwei weitere sehr freundliche junge Frauen, die für die 2 Ausstellungen auf 2 Etagen, 10 € haben wollen. Die Renovierungkosten seien so hoch, dass man leider, leider, nicht den biennalemäßigen kostenlosen Eintritt ermöglichen könne... na klar.



Nach kurzer strategischer Diskussion erhielt ich je ein Freikärtchen für beide Etagen und bin deshalb in der Lage zu berichten, dass die Joop-Ausstellung für mich im doppelten Wortsinn geschenkt war (computerentwickeltes Design: Putten und Affen, umgesetzt in schwarzen und weißen Marmor). Immerhin unter Murano-Kandelabern und schönen Zimmerdecken.



"Eternal Love" von Wolfgang Joop

Die Ausstellung 'Personal Structures' in der zweiten Etage ist interessante, z. T. spannende zeitgenössische Kunst, aber in langweiligen rechteckigen zeitgenössischen Räumen, ohne Inspiration renoviert, mit einem einzigen ungewöhnlichen Terrakotta-Fussboden. Das Versprechen der veneto-byzantinischen Fassade wird zur Enttäuschung. Schöner Blick auf den Canal, ja, schönes großes Foyer mit breiten, bequemen Sesseln, wofür man in Venedig ja immer dankbar ist. Das isses.



Ich befürchte, dass diese Sondereintritte hier und da Schule machen könnten und nicht mehr das schlichte Biennale-Prinzip "Geh rein wenn du das rote Logo siehst und lass dich überraschen" sondern "Prüf erst mal, was es kostet und ob du es sehen willst oder nicht" gilt. Kontraproduktiv.




Abazia S. Gregorio, Blick zur Kirche

Ärger Nr. 2:

Ich hatte mich so darauf gefreut das Kloster San Gregorio endlich zu sehen, das jahrelang eingerüstet war. Es war ein Schock in der 'Art Night' am 18.6., der bei einem zweiten Besuch bei Tageslicht bestätigt wurde.

Wasserportal zum Canal Grande

Alle zugäng-
lichen Räume des Komplexes inkl. Treppen-
haus und Kreuzgang sind vollgestopft mit Exponaten. Man schlängelt sich um das Zeug, immer besorgt, irgendwo anzustoßen oder
andere Besucher anzurempeln, weil man der Kunst ausweichen muss.

Die Ausstellung
Future Pass ist ein solcher Flohmarkt zusammen geschmissener Kunst, dass die herausragende Lokalität des Klosters untergeht, nicht wahrgenommen und gewürdigt werden kann. (Mir fiel allerdings auf, dass eine Altana auf dem Dach steht, und ich fragte mich, wieso es dafür wohl eine Genehmigung geben konnte, bis ich später vom Vaporetta aus sah, dass die Altana von außen nicht sichtbar ist. Ich vermute, das war die Bedingung für die Genehmigung?)


Altana auf dem Dach zur Kanalseite

Diese Ausstellung ist keine kuratorische Glanzleistung, jenseits von Geschmacks-
fragen. Ich bin fassungslos, dass niemand diesem wahllosen Zustopfen der kleinen Räume Einhalt geboten hat.


Die kleine Abazia S. Gregorio ist der Sitz (und möglicherweise der Besitz? ich weiß es leider nicht) der Fondazione Claudio Buziol. Es bleibt zu hoffen, dass es künftig Gelegenheiten geben wird, hier angemessen kuratierte Ausstellungen zu sehen.

"Future Pass" hat einen zweiten Ausstellungsort, den
Palazzo Mangili Valmarana, der am Canal Grande gegenüber dem Gericht steht und einen schönen Garten und seinen Haupteingang an der Strada Nova bei SS. Apostoli hat.

Blick zur
"Nachbarin" Salute

Und da ich mir den Anblick eines weiteren Chaos-
werkes nicht antun wollte, habe ich mir den 3. Ärger am Canal Grande erspart und den Besuch dieses schönen Hauses, das ich schon bei der 53. Biennale 2009 sehen durfte, aufgeschoben auf eine bessere Ausstellung.



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9. Juli 2011

Hütten und Paläste


Treppenhausportal im Palazzo Giustinian-Recanati

In diesem Eintrag möchte ich hinweisen auf einige Austellungen, die einerseits in interessanten venezianischen Räumen stattfinden - Hütten und Palästen - andererseits NICHT bis zum Ende der Biennale am 27.11. laufen, sondern bereits früher enden, also Terminsachen!

Ich fange mit den Palästen an und weise nochmals auf die Ausstellung im Palazzo Donà hin, über die ich schon einen Eintrag geschrieben habe, deren Besuch bis zum 25. September ich aber nochmals empfehlen möchte. Jeder, der sowieso an die Fondamente Nove kommt um nach Murano/Burano/Torcello zu fahren, sollte einfach 1/2 Stunde früher antrudeln um die Gelegenheit wahrzunehmen, dieses Haus zu sehen. Wer weiss, wann das wieder möglich sein wird, und ob die Dylan-Bilder von Maria Zerres für ihn/sie wieder so leicht erreichbar sein werden.

Bis zum 15. September zu sehen ist der Palazzo Giustinian Recanati in Dorsoduro, der der Universität Ca'Foscari gehört und eine Kunstschule beherbegt. ES gibt ein beeindruckendes Treppenhausportal aus rosa Marmor im Piano Nobile, schöne Stuckarbeiten in den Sälen der Ausstellung "Cracked Culture", den offen stehenden Unterrichtsräumen (die natürlich nicht zur Ausstellung gehören, aber offene Tür ist offene Tür und eine Universität ein quasi öffentliches Gebäude). In der obersten Etage gibt es am Ende des Saales rechts in mehreren Räumen eine gute Ausstellung mit Werken der StudentInnen.


Kunst auf der Tapisserie des Palazzo Papadópoli

Nach hinten eine sc
höner großer Garten, in dem man zwecks Entspannung lagern kann und weitere Exponate zu sehen sind.
Die Ausstellung, die ein Collaterales Event' der Biennale ist, zursätzlich zur nationalen Ausstellung Chinas im Arsenale, ist groß und interessant und beeindruckt mich mehr als die offizielle Präsentation Chinas.
Vaporetto Linie 2 Zattere und dann zu Fuss, siehe Karte im Link oben.

Der Palazzo Papadópoli war zur Biennale 2009 ein Reinfall für mich persönlich, aber in diesem Jahr mit der Ausstellung "Future Generation Art Price" eine sehr schöne Kunst- und Palasterfahrung.

Bei der Kunst gab es z. B: eine Idee eines wohlriechenden Holzschiffes mitten im Saal des Piano Nobile und interessante Videos, und das Haus haut einen schon ziemlich um.
Treppenhäuser, Fresken, Stuck, Spiegel, Gold, Licht, geöffnete Fenster, Canale Grande! Wow! Aussicht auf eine Hochzeitsgesellschaft am gegenüberliegenden Ufer vor dem Standesamt! Ich persönlich habe es gerne schlichter, aber man sollte dieses Haus unbedingt besuchen und sich auch die Zeit nehmen, es in Ruhe anzusehen. Z. B. ein bezaubernd ausgestalteter 'chinesischer Raum' oder die Bibliothek in der obersten Etage, leider schlecht zu sehen wegen der videotechnischen Verdunkelung.

Der Palazzo scheint zu jeder Biennale gebucht zu sein, so dass es wohl in den nächsten Jahren weitere Gelegenheiten geben wird, in wieder zu besichtigen, in anderen künstlerischen Ausstattungen.

Diese Ausstellung endet bereits am 7. August.
Vaporetto 1 San Silvestro und dann weiter zu Fuss, siehe Beschrei-
bung im Link o
ben.

Androne des Palazzo Ca' Corner della Regina mit Blick zum mittleren Wassertor (zum Canale Grande)

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder zu besichtigen und das auch nur bis zum 2. Oktober ist der Palazzo Ca' Corner della Regina.
Der
Stiftung Prada wurde das Haus zur Nutzung = Renovierung überlassen, im Winter gehen die Renovierungen weiter und möglicherweise gibt es über den nächsten Sommer wieder eine Öffnung für eine Ausstellung, aber man weiss es nicht (ich habe gefragt).
Im abgerissenen gotischen Vorgängergebäude dieses Hauses wurde Caterina Corner (Cornaro) geboren, die als "Tochter Venedigs" Königin von Cypern werden sollte und nach dem vorzeitigen Tod ihres Mannes und Kindes ihr Königreich der Serenissima schenkte (die damit eine schöne Kolonie gewann bis 1571), gegen ein hoffentlich schönes Leben auf einem Gut in Asolo und ein Ehrengrab in San Salvador in Venedig. Das Leben Caterinas ist dargestellt in riesigen Fresken, die die Wände des Saals im Piano Nobile schmücken. Beeindruckend.

Ca' Corner und der unvermeidliche Koons
Die Ausstellung der Fonda
zione Prada ist ziemlich riesig, eine spannende Mischung zeitgenössischer Kunst und einzelner Leihgaben aus Museen, z. B. dem Museo Correr am Markusplatz. Es gibt natürlich einige nervende Exponate die in keiner teuer bestückten Ausstellung fehlen, z. B. Koons, Hirst, was ich freundlich entschuldige beim ersten Besuch in diesem Haus (ich habe ja sowieso keine Wahl und immerhin haben sie keine Chapmans reingestellt).

Die Repräsentationsräume sind riesig, es gibt ungeheure Perspektiven in denen man 4-5 Portale gleichzeitig fotgrafieren kann, 3 Wassertore zum enorm großen Androne, eine ungewöhnliche Treppenlösung von diesem in das Mezzanin, das sich zwischen Androne und Piano Nobile befindet. Diese drei Eta
gen sind in die Ausstellung einbezogen, man kann unterschiedliche Stadien der Restaurierung erkennen und darf gespannt sein, wie es mit den anderen Stockwerken weitergehen wird.

Die Möglichkeit, dieses Haus und die aktuelle Ausstellung darin zu sehen, sollte man wirklich nicht verpassen.
Achtung: die Ausstellung schmückt sich mit dem Biennale-Logo, ist aber NICHT kostenlos, es wird ein Eintritt von 10 € erhoben (dafür wimmelt es vor allem im Parterre von Security, diese Leute müssen schließlich auch bezahlt werden). Es lohnt aber die Ausgabe.
Vaporetto San Stae, dann zu Fuss weiter der Ausschilderung Ca'Pesaro nach und von dort rechts-links-links noch ein paar Gässchen weiter.




Die Hütten befinden sich da, wo ich sie schon zur Biennale 2009 beschrieben habe, an der Fondamenta S. Ana.


Es gibt mehr und größere Ausstellungen als 2009, und ich kann mir vorstellen, dass sich diese schlichte Wohngegend biennalemäßig noch weiter entwickelt, da sie auf dem Fussweg von den Giardini zum neuen Eingang an der Vergini-Brücke liegt, die 2009 eröffnet wurde.

Detail der Installation "The Third Realm"

Es wurde ein bisschen renovie
rt, weniger aus optischen als aus Sicherheitsgründen vermute ich, z. B. eine sehr glitschige Steintreppe durch eine schöne neue Holztreppe ersetzt und schadhaftes Holz ausgebessert, an dem man sich verletzen könnte.
Im Nachbargarten, vor 2 Jahren noch eine Art Lagerplatz für Handwerksmaterial ist ein großer Kindergarten unter alten Bäumen entstanden. Wie schön.


In diesem Jahr stellt Wales aus in der Kirche S. Maria Ausiliatrice (leider kein Zugang zum Kreuzgang, schade), was noch nicht die Hütten sind, aber nicht ausgelassen werden sollte, ich ja direkt auf der gegenüberliegenden Kanalseite und die Brücke genau daneben.

In den ruinösen (aber stabilen) Arbeiterhäusern, die der Fondazione Gervasuti gehören, gibt es in diesem Jahr zwei nationale Ausstellungen, die bis zum 27.11. laufen.

Eines der Zimmerchen der Ausstellung Bangladesh

Das sind Irak mit sehr berührenden Exponaten, die in diesem unaufwändigen Umfeld sicher noch dazu gewonnen haben und Bangladesh, dessen Ausstellung mir ebenfalls gut gefiel (Texte lesen, gehören unbedingt dazu).

Ausserdem gibt es noch die Ein-Raum-Einzelausstellung 'Memory of Books', die ich ganz witzig finde. Nur bis zum 10. September.


Und das Biennale-Projekt "The Knowledge" nur bis 15. September, mit Installationen unter Einbezug einer originalen Schreinerwerkstatt, mit einem kleinen Bookshop und einem großartigen kleinen Hinterhofcafé, in dem man in einer Hängematte liegen, lesen, die Füsse hochlegen, Bekanntschaften schließen... kann, toll! Was man alles nicht weiß, wenn man vorne vor dem armseligen Häuschen auf der Fondamenta steht.

Was eher auffällt, ist eine weitere ungewöhnliche Ausstellung mit dem Titel "The Third Realm". Allerdings muss man an den ersten Exponaten vorbei in das Hinterhaus hineingehen, um die Sache richtig sehen und würdigen zu können. Witzig und sehr sehenswert, nur bis 29. September.



Weitere Einträge zur Biennale folgen in den nächsten Wochen und Monaten.

Hinterhofcafé des Biennale-Projekts "The Knowledge"





















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