30. Dezember 2009

Jahresende in Venedig

Venedig im Winter

Wer das Jahr in Venedig beendet, kann sich an der seit einigen Jahren marketing-
orientiert organisier-
ten Küsserei auf dem Markusplatz beteiligen.

Bei Buongiorno Venezia gibts ein ziemlich gruseliges Video vom letzten Jahr und Veranstaltungstermine (auch für Karneval, nebenbei) für dieses Jahr, wem's gefällt...

Was fehlt, ist der Hinweis auf die Silvesterparty in Mestre auf der Piazza Ferretto, wo SKA-J auftritt, meine großartige stimmungsvolle "Lieblingsband", die ich im Juni live auf der Kirchweih von S. Giacomo dell'Orio erlebt und den Sänger/Sax.-/Klar.-isten im September getroffen habe (der grauschwarzmelierte Dutt ist tatsächlich so riesig, dass ihn jede dutttragende Frau nur funkensprühend beneiden kann...)
Weitere Einträge zu SKA-J gibt es hier unter dem Label *Musik*.




Wie man bei Buongiorno Venezia sieht, gibt es eine Hochwasserwarnung für Silvester und Neujahr, die Comune di Venezia hat eine Sonderwarnung herausgegeben, die die Möglichkeit eines Hochwassers von 160-170 cm angkündigt.
Das wäre dann sehr dramatisch, ich hoffe und wünsche, dass Venedig in dieser Nacht und auch im neuen Jahr davor bewahrt ist und bleibt.

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28. Dezember 2009

Venezianische Straßenkunst

"NON" gegenüber Palazzo Zorzi, Castello

In Venedig begegnet man überall allen Arten von Kunst, für die man sich in anderen Städ-
ten in die Museen be-
mühen muss.
Museen gibt es natürlich auch - in wachsender Zahl.

Aber gerade in eine
m Biennale-Jahr wie diesem ist das 'beiläufige' Angebot in Nicht-Museen so überwältigend, dass die 'kleine' Kunst auf auf der Straße, die nicht professionelle, nicht profit- und ruhmorientierte, aber keineswegs absichtslose, schon mal von satten Augen übersehen wird.

Zum Jahresende halte ich einige Funde von künstlerischen Meinungsäußerungen aus dem Stadtbild fest. Man weiß ja nicht, wie lange sie existieren werden.


"FORMOSA", Strichzeichnung, hinter der Scuola S. Giorgio d. Schiavoni.
Die
Zartheit einer 'geformten' Frau!












"MAMMA"
Werbeplakat mit einer einzelnen weiblichen Brust. Der (?) Plakatkleber hat aus zweien einen ganzen Busen geklebt. Cannaregio, Calle del Fumo






"JEEMA" Strichzeichnung auf Papier, angeklebt. Daneben "82x59,5; Arnolfini, Portrait J. van TYCK 1434"
Campo della Confraternita, San Francesco della Vigna, Castello








Liebeserklärungen






... der schlichteren Art... hinter der Riva, Calle delle Rasse



...der großflächigeren Art... neben S. Giobbe, Cannaregio



...der dauerhafteren Art... bei San Giovanni Crisòstomo, S. Marco











...der eindeutig dekorativeren Art... Calle d. mercanti, Seitengasse, Cannaregio zwischen S. M. Formosa und S. Zaccaria













"LOtTE MAI" Zattere, Dorsoduo













"SPITZENGARDINE" Bauplane hinter Sant'Alvise, Cannaregio





"HAFENMEISTER" Transformatorgebäude zwischen Universität IUAV und Stazione Marittima/San Baségio, Dorsoduro






"JESUS AUF ROSA" , zwischen S. Angelo Raffaele und S. Sebastiano, Dorsoduro








"SALUTI DA VICENZA", Brücke über den Rio dell'Albero bei S. M. d. Giglio, San Marco




"SCHALTKASTEN" Zeichnung mit permanent Fineliner, bei San Trovaso, Dorsoduro









"WÄCHTER DES PORTALS", Palazzo Zenobio, Dorsoduro













Mit Dank an die KünstlerInnen






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22. Dezember 2009

People Mover

Am 19. Dezember wurde der People Mover (siehe auch Eintrag vom 1.12.)in einer Pressekonferenz vorgestellt und Bürgermeister und Geistlichkeit etc. machten eine erste Tour, wenn auch die Bahn erst im März richtig in Betrieb genommen werden soll.

Auf der Facebook Seite der Comune Venezia steht seit ein paar Stunden ein Bericht, dessen tagesaktuelle Bilder mir vor allem wegen des Schneefalls an diesem Tag gut gefallen. Ist ja doch ein eher seltenes Bild von Venedig!




Der Preis für eine einfache Fahrt wird voraussichtlich 1 €, für eine Monatskarte 15 € sein, und soll in das Preissystem des ÖPNV Venedigs integriert werden. Ich gehe bis auf weitere Informationen davon aus, dass man mit der Imob und mit den Tageskarten den People Mover nutzen kann. Wer mehr weiss, wird freundlich gebeten, seine Informationen unter 'Kommentar' weiterzureichen!

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20. Dezember 2009

Stockfisch in Venedig


Vor der Latteria Ortiz, einem Lebensmittel-
geschäft, das in besseren Zeiten wohl Milch- und Käseprodukte verkauft hat, in der Salizzada S. Giustina in Castello, schräg gegenüber dem Landportal des
Palazzo Contarini, steht ein Holzfass mit eingeweichtem Stockfisch. Bacalà. Darauf drei Fotokopien, beschwert mit einem faustgroßen Kiesel, zum Mitnehmen: "El bacalà de' venessiani".

Und damit nach 30 Jahren die Antwort auf die Frage: wie kommt skandinavischer Stockfisch nach Kreta und WARUM?


In Schweden habe ich Stockfisch schätzen und zubereiten gelernt, mit all dem Aufwand von tagelangem Wässern, bis das Fischbrettchen die richtige Konsistenz hat.
In meiner Zeit in der venezianischen Stadt Rethymnon (venezianisch Retimo) auf Kreta war mir ein Rätsel, wieso die Kreter skandinavischen Stockfisch importieren, wo das Meer vor der Haustür liegt und die Fischer sogar an guten Tagen im Winter arbeiten können. Die knochentrockenen, grau-schwärzlichen Fischbrettchen liegen in Säcken auf dem Fussboden der Läden der Marktstrasse hinter der Megali Porta, und das war schon immer so, keine Frage.

Vor einigen Jahren habe ich überrascht festgestellt, dass das Athener Traditionsessen des griechischen Nationalfeiertags, 25. März, Stockfisch mit Skordaliá (geknoblauchtes Kartoffelpüree) ist. Ganz Athen geht nach der Militärparade Stockfisch essen (zu viel Aufwand, selber zu kochen), alle Tavernen und Restaurants bereiten ihn zu. Seit wann? Tja, schon immer...

Der Zettel von Ortiz sagt, dass bereits Ende des 13. Jahrhunderts Nicolò und Antonio Zeno die Färöer und Grönland erreichten. Dass 1431 die "Gemma Quirina" unter dem Kommando von Pietro Querini von Candia (dem heutigen Iraklion) zu den reichen Märkten in Flandern ablegte, aber dort nie ankam. Stürme und eine Havarie führten sie zu den Lofoten am Polarkreis, wo die Schiffbrüchigen von den Einheimischen gerettet und mit dem Konservieren großer Fische bekannt gemacht wurden. Die gesäuberten Fische wurden auf dem Schnee getrocknet und blieben viele Monate genießbar, und als die Schiffbrüchigen nach Kreta zurück kehrten, nahmen sie 60 "Stockafissi" mit. Der Nutzen der Haltbarkeit und Transportfähigkeit dieser Speise (für die venezianische Seefahrt und die Versorgung der Kolonien) wurde sofort vom Sekretär des Bischofs Lorenzo Giustinian erkannt, auch für abgelegene Klöster und die Fastenzeiten guter Christen erwies sich Stockfisch als perfekt geeignet.
Bis heute exportieren die Lofoten 2/3 ihrer Stockfischproduktion nach Italien, 50% davon werden im Veneto konsumiert. Wobei es sich beim venetischen Stockfisch um luftgetrockneten Kabeljau handelt, während der Rest Italiens salzgetrockneten Stockfisch isst.

Bacalà-Fässer bei Ortiz, ein Stück eingeweichten Stockfischs unter dem Glasschutz
In Griechenland heißt der Stockfisch Bakaliáro, in Venedig bacalà, die spanisch/ portugiesi-
schen Versionen hören sich ähnlich an, der deutsche Kabeljau dürfte ein Buchstabendreher sein. Wie auch vielleicht die Fondamenta del Baccalà bei San Gregorio, "die zwar nach den ehemaligen Lagern dieses Trockenfisches
aus Übersee" (laut Francesco Berlan) benannt wurden, aber auf älteren Plänen nach einer Familie 'Cabalà' hiess.

Wie die Kreter sind die Venezianer beim Stockfisch geblieben, in den Bars findet man unter den Cicchetti pürierten Stockfisch, ebenso wie an den Salattheken der Supermärkte (naja...).


2001 wurde die
Dogale Bruderschaft des Bacalà gegründet, deren Vorsitzender niemand Geringerer als der Historiker und Autor Alvise Zorzi ist und die die Stockfischtradition pflegt und hoch hält.

Rezept Baccalà alla vicentina
Rezept Porree und Baccalà


Ergänzung 27.11.2015
Neu zum Thema Stockfisch auf der Website Venezia Unica:

La vera storia del “Bacalà Mantecato”

Il capitano, armatore e abile mercante veneziano Pietro Querini, salpò dall’isola di Candia (l’attuale Creta) nel 1431, con centinaia di barili di vino Malvasia da piazzare sui mercati delle Fiandre. Navigò per il Mediterraneo, altrepassò Gibilterra e fece rotta verso le città della Lega Anseatica del Nord Europa, ma una improvvisa tempesta disalberò la nave e ruppe il timone. Così l’equipaggio veneziano restò per settimane fuori dalla rotta, in balia del mare che uccise quasi tutti i marinai. I pochi superstiti, tra cui Pietro Querini, oltrepassarono il Circolo Polare Artico e andarono a naufragare definitivamente sugli scogli dell’arcipelago norvegese delle Isole Lofoten: “in culo mundi”, come ebbe occasione di annotare sul diario di bordo il nostro Capitano. I naufraghi furono accolti e ospitati benevolmente per quattro mesi dagli isolani, che erano pescatori dalle strane abitudini nordiche. Agli occhi dei veneziani del XV secolo, un poco bigotti diremmo oggi, quelle genti apparivano ingenue, senza alcuna malizia si coricavano nudi e usavano fare il bagno caldo tutti assieme, uomini e donne. Sicuramente al "sole di mezzanotte" i nostri naufraghi si diedero da fare, così è facile capire come mai, ancora oggi, c’è chi sostiene che le caratteristiche somatiche degli abitanti delle Isole Lofoten siano, per così dire, più “latine”. (Qualche anno fa ho avuto la fortuna di fare un viaggio molto bello proprio lì e, a onor del vero, devo dire che gli abitanti delle Isole Lofoten e Vesteralen mi sono sembrati come tutti gli altri norvegesi!). A parte la bellezza delle donne, quello che colpì maggiormente Pietro Querini fu il modo di conservare i merluzzi pescati, li definisce “stocfissi” e nel suo diario annota: "… quando si vogliono mangiare li battono con il rovescio della mannara, che li fa diventar sfilati come nervi, poi compongono butirro e specie per dargli sapore..."
Anche il viaggio di ritorno fu avventuroso, ma per fortuna i nostri eroi arrivarono a Venezia con qualche campione di quel pesce seccato all’aria e al sole. A dire il vero, i primi giudizi dei nobili palati veneziani non furono particolarmente positivi: pareva un cibo plebeo, non all’altezza della Serenisima. Poi però il Concilio di Trento della metà del ‘500, stabilì che quel pesce potesse andare proprio bene per i giorni di astinenza dalla carne e fu un successo. Lo “stoccafisso” (da stokkfisk o dall’antico olandese stocvisch, ovvero "pesce bastone"), è simile al baccalà ma si differenzia nel tipo di conservazione e ha un sapore marcatamente diverso: ciò nonostante, vai a sapere il perché, a Venezia lo stoccafisso assume il nome di “bacalà” (si pronuncia senza la doppia).

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15. Dezember 2009

Noch einmal MIGROPOLIS

Die Ausstellung 'Migropolis' (Eintrag vom 30.10.09) ist seit einer Woche vorbei, leider ohne dass ich sie hätte besuchen können.

Die Dokumentation dazu wird aufgrund des Preises und des kritischen Inhalts wohl kaum im Reisegepäck des/der romantikbedürftigen NormaltouristIn landen, aber die fortgeschrittene Venedigliebhaberin/der Venedig-Manico wird kaum darauf verzichten wollen.

In der taz vom 12./13.12.09 hat Thomas Hummitzsch einen sehr informativen Artikel 'Venedig - Stadt der Illusionen' geschrieben, der mehr als eine Rezension ist und schon weit in das Thema Globalisierung in Venedig einführt.

13. Dezember 2009

Termine I, 2010

Dezembernachmittag

Die ersten Termine für das Jahr 2010 wurden veröffentlicht, werden in den nächsten Monaten je nach meinem Informationsstand ergänzt.


Flohmärkte privater Händler

(NICHT die regelmäßigen professionellen Verkäufe auf dem Campo San Maurizio!):


Mercantino dei Miracoli

(auf dem Campo S. Maria Nova bzw. zwischen den Kirchen Miracoli und S. Canciano)
Sa/So 27./28.3.
Sa/So 8./9.5.

Sa/So 11./12.9.

Sa/So 9./10.10.

Sa/So 11./12.12.
Ein sehr lebhafter bis wuseliger, aber in dieser schönen Ecke Cannaregios stimmungsvoller Flohmarkt, wo jeder einen Fund machen kann.

Bazar Via Garibaldi
(zwischen Anfang der Via Garibaldi bis ca. Eingangstor zur Viale Garibaldi, Vap. Halt Arsenale)
Sonntag 14.2.
Sonntag 4.4.

Samstag 1.5.

Mittwoch 2.6.
Sonntag 26.9.

Sonntag 24.10.
Ein sehr kleiner Flohmarkt, der auch erst im Laufe des Vormittags langsam in die Gänge kommt, wenn die privaten Verkäufer mit viel Kommunikation rechts und links ihre Waren aufgebaut haben. Aber immer gut, um z. B. alte Privatfotos oder Ansichtskarten sehr günstig auszugraben.


Polvere di Ricordi
Sa/So 13./14.3. Erbaria
, Vap. Haltestelle Mercato
Etwas größerer Flohmarkt, sehr aktiv und stimmungsvoll direkt am Ufer des Canal Grande, zwischen Pal. d. Camerlenghi und Markt

Sa/So 2./3.10. Campo San Silvestro, Vap. Haltestelle S. Silvestro
Diesen Flohmarkt habe ich selbst noch nie besucht

Sa/So 20./21.11. (parallell Salute Fest) Campo San Agnese
Ein einfacher und kleiner Flohmarkt zwischen Accademia und Zattere, der sich an die "Runde" des Salutefestes mit Kirchenbesuch, Bauch voll schlagen am Süsswarenmarkt und Spaziergang entlang des Canale della Guidecca sozusagen anschließt.

Weihnachtsmarkt
Campo Santo Stefano, Vap. Halt Accademia, die ersten drei Dezemberw
ochen
Hier sind vor allem die regionalen italienischen Lebensmittel zu empfehlen, wie Schinken, Käse, Weine, und die göttlichen sizilianischen Mandelkekse, die es auch schon anläßlich des Salutefests gibt. Gegen abend auch gelegentlich musikalische Liveauftritte von Chören, Kapellen, etc. weihnachtsmarkt-
typisch eben.


Religiöse Feste
San Marco Sonntag 25.4.

Sensa Sa/So 15./16.5. (mit Regatta)

Redentore Sa/So 17./18.7. (mit Regatta)
Salute Sa/So 20./21.11.


Regatta-
zuschauer, Ponte dei Mendicanti

Sportveranstaltungen

Volkslauf Su e Zo per i Ponti Sonntag 18.4. (Website noch nicht aktualsiert)
Sensa Sa/So 15./16.5. (Regatta)

Volksregatta Vogalonga 23.5. (Website noch nicht aktualisiert)
Redentore Sa/So 17./18.7. (Regatta)

Regata Storica Sonntag 5.9. Venice Marathon Sonntag 24.10. (Website noch nicht aktualisiert)

Die weiteren Termine der Rudersaison (anlässlich Feiertagen, lokaler Ruderclubs oder die Regatten der Inseln) sind derzeit noch nicht recherchierbar, werden aber peu à peu ergänzt.


Kunst

Biennale Termine
Tanz 26.5. - 12.6.
Architektur 29.8. - 21.11.
Film 1. - 11.9.
Musik 24.9. - 2.10.


Sonderausstellungen in den Museen
Museo Correr, Piazza San Marco: 19.12.09 - 11.4.10 -
800 unveröffentlichte Zeichungen des venezianischen 19. Jahrhunderts.
Ca' Pesaro, Vap. 1, Halt San Stae: 22.1. - 22.6.10; Le Forme del Moderno
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Fondazione Querini Stampalia, Campo S. Maria Formosa: 11. - 18.1. geschlossen; 9.12.09 - 28.2.10 - Schütze sie - die Erde unter deinen Augen und in deinen Händen
Fondazione Cini, Insel San Giorgio Maggiore, Vap. Linie 82: 5.12.09. - 28.2.10 - Laurent Royer. Werke; 5.12.09 - 28.2.10 - Venezianische Seiten, italienische Kultur, Buchausstellung

Musik
Fenice

Konzertsaison 2009-2010
Oper- und Ballettsaison 2010

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1. Dezember 2009

Venedig 19. Dezember - zwei Eröffnungen

Francois Vervloet (1795-1872) Barche a Venezia

Im Museo Correr am Markusplatz wird die Ausstellung 800 unveröffentlichte Zeichnungen des 19. Jahrhunderts eröffnet. 800! Unveröffentlichte! Wenn das nicht neugierig macht!
Selbstverständlich Zeichnungen, die venezianische Sujets darstellen.

Das Museo Correr hält sich marketingmäßig zurück, aber dafür bringt der Newsletter von artdaily einen ausführlichen und einladenden Bericht.

Zeichnungen sind schon mal recht klein, deshalb sollte der/die schlaue TouristI
n vorsichtshalber eine Leselupe mitführen. Denn die tolle Idee, wie damals anläßlich der Dürer-Ausstellung mit den Eintrittskarten kostenlose Mehrweg-Lupen auszugeben, ist leider noch kein Ausstellungsstandard.

Wer bis zum 10. Januar diese Ausstellung besuchen kann und sich für Architektur und/oder alte Bücher interessiert, sollte sich ebenfalls nicht die
Palladio-Ausstellung Palladio a/e Venezia im gleichen Haus entgehen lassen.



Die zweite Eröffnung, falls alles termin-
gerecht klappt, ist am 19. Dezember der
People Mover . Eine Kleinbahn (falls man das so nennen darf), die zwischen Piazzale Roma und Tronchetto People moven soll. Man spart sich die Vaporetto-
fahrt und es geht viel schneller, über den Preis habe ich noch keine Informationen gefunden.


Da ich von diesem notwendigen (?) Fortschritt (?) des ÖPNV nicht profitiere, habe ich mich bisher nicht wirklich darüber informiert (Schande). Ich vermute, er kommt vor allem neben allen Parkhausnutzern den Einheimischen und den Kurzzeittouristen von den Kreuzfahrtschiffen zugute, zwei Gruppen, die verständlicherweise wen
ig Zeit für den Personentransport aufbringen wollen. Wobei mein Verständnis mehr in Richtung der Einheimischen als der Kreuzfahrtler tendiert.
Im September fuhr ich mit dem Vaporetto unter der Gleisführung des People Mover her, weil ich aber so konzentriert die Fassade von Sant'Andrea della Zirada anpeilte, kam nur ein hektisch geschossenes Foto zustande.


Weitere Informationen zum People Mover und zur Kreuzfahrtindustrie in Venedig
http://www.apmvenezia.com/web/index.php
http://www.comune.venezia.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/25923#4d89ed
http://www.cruiseindustrynews.com/cruise-business/2504--venice-passenger-terminal-playing-a-leading-role.html

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27. November 2009

Jeff in Venice


Auf meinem Blog trifft man hin und wieder auf die Websites von Jeff Cotton Churches of Venice und Fictional Cities (und manchmal mich auf diesen Seiten).

In Fictional Cities schreibt Jeff jeweils seine Reiseblogs aus Venedig, die von seinen LeserInnen mit Spannung erwartet werden wenn er sich nach Venedig aufmacht. Mittlerweile 9 Berichte aus den Jahren 2002-2009.
Die Blogs stehen seit dieser Woche gedruckt als 'book on demand' zur Verfügung:
Jeff in Venice.

Wie schon online auch gedruckt ein herrliches Lesevergnügen für englischsprachige LeserInnen, und ein schönes Geschenk für VenediglieberhaberInnen! Denn ein Link, wenn auch in Seidenpapier und mit Schleife, macht nicht ganz so viel her...


demnächst auch bei Amazon zu bestellen, ich füge dann einen Bestellbutton hier ein.


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19. November 2009

Venedig vor hundert Jahren

:-)


eine weltbekannte Stadtansicht auf dem Titelblatt eines Kalenders.
Blick von der Piazzetta zur Dogana und Salute seitenverkehrt.

Weingarten verkauft diesen Kalender für 30 €, und ich frage mich, fällt das niemandem auf? Keine Augen in der Redaktion, keine Experten im Verlag? Noch nie in Venedig gewesen?

Ich biete mich für die nächste Produktion als ehrenamtliche Korrekturleserin an.

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13. November 2009

Letzte Woche Biennale - Island im Rückblick


Das Biennaleprojekt von Island gehört für mich zu den wirklich nachhaltigen stimmungsvollen Eindrücken dieser Biennale.
Hier ist nochmal mein Bericht vom 8. August.
Ich nehme mal an, dies ist, falls nicht überhaupt der meistbesuchte, einer der am meisten besuchten Pavillons jenseits von Giardini und Arsenale.


Das liegt aus meiner Sicht zunächst mal am guten Marketing: eine offizielle Website nicht nur deutlich vor Beginn der Biennale, sondern auch noch sehr informativ und gut gestaltet. Ein richtig guter Teaser auf YouTube, ebenfalls vor Biennalebeginn, der jeden neugierig macht.
Während der Biennale ein großes Banner an der Canale Grande-Seite des Palazzo Michiel da Brusa, der jedem Vaporetto-Fahrgast auffällt und auf der Landseite große einladende Schilder auf der Strada Nova, mit denen Biennaleunerfahrenen die Scheu abgeknöpft wird. Kein schräger, aber nichtssagender Titel, sondern "The End" wozu jedermensch eine Assoziation hat, die er vielleicht gerne vergleichen möchte.

Video über die Arbeit der Künstler



Und dann natürlich das 'Produkt' selbst, das ich herausragend finde in der Mischung aus Musik - Video - Malerei - Atelierhappening - Ausstrahlung der Künstler - Location Palazzo Michiel - Lage Canal Grande.
Ich habe die Ausstellung dreimal besucht, un
d sie war immer voll, die Besucher hatten Spass, die Atmosphäre war entspannt, ungezwungen, locker, kommunikativ.










Ich stelle dem Video oben einige
Fotos vom September gegenüber. Auf dem Video sieht man noch die leeren Steinwände der Halle Anfang Juni, auf den Fotos Eindrücke der Bilderproduktion von über drei Monaten.

Ich hatte glaube allerdings, dass zum Ende September die Künstler die Live-Aktivitäten eingestellt hatten. Sie waren nicht anwesend, alles stand/hing/lag voller Bilder und wirkte zwar sehr belebt, aber nicht mehr so chaotisch wie vorher (wenn ich das mal, ohne bewerten zu wollen, so sagen
darf...).


Ich hatte einen Eindruck von stabiler Aufgeräumtheit des Ateliers, der zwar intensive Arbeitspuren zeigt, aber nicht mehr in aktivem Gebrauch zu sein schien. Aber ich kann mich auch täuschen.




Ich bin neugierig, ob sich in den letzten sechs Wochen noch etwas getan hat in der Ausstellung und würde einen Bericht eines Lesers/einer Leserin aus dem Island-Pavillon in der letzten Biennalewoche gerne dankend hier einstellen.



Achtung: Island schließt erst um 19 Uhr, man kann also am 22.11., wenn schon alle anderen das Licht der 53. Biennale gelöscht haben, noch einen letzten Besuch hier machen...!

10. November 2009

Venezia




"Venezia"


Francesco Guccini, aus "Fra La Via Emilia E Il West - Vol. 2" (1984)

Venezia che muore, Venezia appoggiata sul mare,
la dolce ossessione degli ultimi suoi giorni tristi, Venezia, la vende ai turisti,
che cercano in mezzo alla gente l'Europa o l'Oriente,
che guardano alzarsi alla sera il fumo - o la rabbia - di Porto Marghera

Stefania era bella, Stefania non stava mai male,
è morta di parto gridando in un letto sudato d'un grande ospedale;
aveva vent'anni, un marito, e l'anello nel dito:
mi han detto confusi i parenti che quasi il respiro inciampava nei denti

Venezia è un' albergo, San Marco è senz'altro anche il nome di una pizzeria,
la gondola costa, la gondola è solo un bel giro di giostra.
Stefania d' estate giocava con me nelle vuote domeniche d' ozio.
Mia madre parlava, sua madre vendeva Venezia in negozio.

Venezia è anche un sogno, di quelli che puoi comperare,
però non ti puoi risvegliare con l'acqua alla gola,
e un dolore a livello del mare:
il Doge ha cambiato di casa e per mille finestre
c'è solo il vagito di un bimbo che è nato, c'è solo la sirena di Mestre

Stefania affondando, Stefania ha lasciato qualcosa:
Novella Duemila e una rosa sul suo comodino,
Stefania ha lasciato un bambino.
Non so se ai parenti gli ha fatto davvero del male
vederla morire ammazzata, morire da sola, in un grande ospedale

Venezia è un imbroglio che riempie la testa soltanto di fatalità:del resto del mondo non sai più una sega, Venezia è la gente che se ne frega!
Stefania è un bambino, comprare o smerciare Venezia sarà il suo destino:
può darsi che un giorno saremo contenti di esserne solo lontani parenti

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3. November 2009

La Festa della Salute


Pontonbrücke zur Festa della Salute 1980
Privatfoto, gekauft auf dem Flohmarkt in der Via Garibaldi

Am übernächsten Wochenende wird in Venedig wieder das Ende der Postepidemie von 1630 gefeiert, in der der Madonna della Salute gewidmeten Kirche.


Das Festprogramm 2008 dürfte 2009 identisch sein



Die Madonna Mesopan-
ditissa
wurde aus der
Kolonie Candia (Kreta) mitsamt den kretischen Venezianern vor den osmanischen Eroberern 1669 evakuiert und erreichte Venedig am 21.11.1670. Sie fand ihre neue Heimat in der damals noch nicht vollendeten Kirche von Baldassare Longhena und bei diesem Feiertag blieb es dann, jährlich, bis heute.

Wer den erstaunlichen Kircheninnenraum, die Sakristei mit ihrer großartigen Gemäldesammlung und die Ikone in Ruhe besichtigen will, muss an der Festa della Salute wegbleiben.


Die zweiteilige Brücke reist an

Denn dann herrscht von frühmorgens bis spät in die Nacht ein Gedränge wie das ganze Jahr nicht. Gottesdienst im Stundenrhythmus. Dicht besteckte Kerzentische, vor denen Menschenschlangen warten, um ihre teils meterlangen Kerzen anzuzünden, die nur kurz darauf von Kirchendienern gelöscht und in große Kisten (zum Recycling) entsorgt werden. Ein geradezu hektischer Kreislauf, der schon an den Verkaufständen draussen auf der Fondamenta beginnt.



Brücke ist gebaut, es folgen die Feinheiten wie der Belag

Aber wer an der Seite von fast ganz Venedig ein ziemlich rummeliges Kirchenfest miterleben will, ist am 21.11. an der richtigen Stelle.
Durch die Ga
ssen von Dorsoduro traben Schulklassen tagsüber, Gruppen von Jugendlichen abends lautstark und schrill Richtung Dorsoduro.
Die Venezianerinnen starten
in die Pelzsaison bei sehr moderaten Temperaturen und leichtem Nebel.
Der Bischof (bzw. der Patriarch) zieht mit großem Männergefolge in langen Spitzengewändern aus dem Seminario Patriarcale in die Salute nebenan, um die Festmesse zu lesen. Aufgenommen von mehreren Fernsehteams auf der Kirchentreppe, zu sehen abends i
n den Lokalnachrichten.
Ruderklubs aus Venedig und vom Festland drängeln um
die besten Plätze für die Boote, während die Vaporettohaltestelle Salute vorübergehend aus dem Verkehr ist.


Brücke in Gebrauch bereits am 19.11., aber noch nicht rappelvoll wie am 21.11.

Dafür wurde schon zwei Tage vo
rher die Brücke von S. Maria Giglio zur gegenüber liegenden Kanalseite installiert, aus zwei Bauteilen, die mit einem Kranboot geliefert wurden. Die Traghettoanlege wird für ein paar Tage nicht gebraucht. Die Brücke ist so hoch, dass die Vaporetti passieren können, und obwohl große Schilder das zügige Überqueren anordnen, bleibt man gerne oben stehen, um von dort den Auftrieb um die Salute zu beobachten, der auch wirklich sehenswert ist.

Fritellestand, daneben Schoko-
laden-
berge


In der Gasse rechts hinter
der Salute gibt es Stand an Stand die ganze Herrlichkeit winterlicher Kalorienbomben:
von einfachen Sachen wie Zuckerstangen über riesige Schokoladetafeln mit ganzen Nüssen zu den wunderbarsten Mandelnplätzchen deines Lebens. Die auf den ersten Blick aussehen wie simple Makronen, aber schmecken wie feinstes Marzipan, und die sich in Keksdosen oder Küchenplas
tikdosen bis zum Ende des Winters aufbewahren lassen. Sie sind nicht billig, aber jeden Cent wert und ich empfehle, von den vielen verschiedenen Sorten keine auszulassen und eine große Tüte als Winterproviant mitzuschleppen.

Die süsse Verführung hinter der Salute

Aber DIE Köstlichkeit des Salutefestes sind die fetten, frisch ausgebackenen heißen Fritelle, die mit Zucker und Zitronenschalenabrieb bestreut werden (oder, und da hört für mich der Spass auf, mit einem Esslöffel Schokocreme beklatscht und zusammengeklappt wie ein Leberwurstbrot).

Fritellestände gab es früher in Venedig überall in der Stadt, dazu gibt es einen schönen Text auf der Website der Romanschriftstellerin Michelle Lovric. Im Winter gibt es in vielen Bäckereien Venedigs immer noch Fritelle wie anderswo Berliner oder Pfannkuchen, aber eben keine frischen, auf der Straße heiß aus Fettpfanne auf die Hand. Dazu muss man zum Salutefest kommen.

Boote der Ruderclubs auf dem Weg zur Salute

Absgesehen vom Rummel um die Salute ist Venedig Ende November ruhiger, die Museen leerer, und ein letzter Kurzbesuch der Biennale schenkt noch einmal einen neuen Eindruck: Giardini und Arsenale im morgendlichen Dunst und nachmittäglichen Nebel ohne Sonnenuntergang, Besucher in Schals, Jacken und Stiefeln statt schulterfrei und in Sandalen. Ein schöner Anfang des Abschieds vom Jahr.

http://www.comune.venezia.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/136

Peggy Guggenheim Collection: Special während der Salute-Festwoche

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30. Oktober 2009

Migropolis


Venedig ist eines der globalen Zentren, an denen zwei höchst un-
terschiedli-
che Menschen-
ströme aufeinander treffen: Migranten und Touristen.


Im September habe ich ein Plakat fotografiert, das zum Kauf nicht zur Verfügung stand: fünf Afrikaner, beladen mit Säcken, die wohl wie üblich kopierte Markenlederartikel enthalten, lassen sich auf dem Traghetto von S. Mario Giglio nach Dorsoduro übersetzen.

Man kennt die Afrikaner aus dem Stadtbild und ihre normalerweise weissen Leinentücher in denen sie ihre Ware huckepack transportieren, und die nie einzeln, immer in Gruppen unterwegs sind, egal ob in Venedig oder Athen.

Es gab vor ein paar Jahren Plakate in Venedig, die vor dem Kauf warnten und auf die prekäre Situation der Verkäufer hinwiesen.
Ich konnte nicht eindeutig erkennen wofür dieses Plakat warb und vermutete eine Tagung/Veröffentlichung o. Ä. zum Migrations"problem" in Europa, besonders in Italien.

Mittlerweile ist klar, worum es geht: eine Untersuchung/ Veröffentlichung/Ausstellung zur Situation der Stadt Venedig im globalen Kontext, erarbeitet von Studierenden der Universität Venedig.


Wer bis 6.12. nach Venedig kommt, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen, ansonsten ist das Buch (die beiden Bücher im Schuber) ersatzweise sicher von hohem Interesse.


Artikel der Süddeutschen Zeitung "Das wahre Gesicht von Venedig", 8.10.2009

Veröffentlichung der Untersuchung - Hatje Cantz Verlag

Terminkalender VeneziaSi (engl.)

Fondazione Bevilaaqua La Masa (ital.)

Kursangebot der IUAV aus dem Jahr 2006


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25. Oktober 2009

Biennale in stillgelegten Kirchen

Hauptaltar S. Maddalena, Kunst von Judy Millar

Nicht versäumen sollte man einen Besuch der stillgelegten und normalerweise nicht zugänglichen Kirchen, in denen die Biennale ausstellt, und sei es nur, um seine Neugier zu befriedigen:

S. Maddalena in Cannaregio
S. Leonardo in
Cannaregio
Sant'Elena in Castello
S. Marta in S. Croce
SS. Cosmas e Damiano auf der Giudecca.
Bis auf die ersten beiden liegt das alles weit auseinander, an den äußersten Ecken der Stadt sozusagen.

Vom Äußeren her hatte ich vom Rundbau der
S. Maddalena mehr erwartet, wahrscheinlich etwas longhenahaftes, ähnlich der Salute. Ist aber bis auf die Freimaurersymbolik über dem Portal und zwei neuen, naiven Wandmalereien im Chorraum eher langweilig und kein unersetzlicher Verlust, dass diese Kirche geschlossen ist.

Kunstwerke F. Upritchard + Tischlampe Neuseeland, Deckengemälde + Wandlampe im Palazzo Mangilli-Valmarana
Zu sehen ist eine von zwei Teilen der Ausstellung von Neuseeland, hier von Judy Millar. Die Rotunde der Kirche ist mit den großen Exponaten völlig zugestelt, die eigentlich auch kein Anlass zu Begeisterungsstürmen sind. Haltestelle Ca d'oro (dann nach links gehen) oder S. Marcuola (dann nach rechts gehen).

Besser gefiel mir übrigens der zweite Teil der Neuseeland-Beiträge von Francis Upritchard, den es nicht in einer stillgelegten Kirche, sondern im Palazzo Mangilli-Valmarana, neben der Ausstellung von Island, am Ende der Strada Nova zu sehen gibt.
Durch den für Venedig beachtliche
n Vorgarten geht man durch das Vordergebäude und den kleinen Innenhof auch in diesem Palazzo nach hinten durch bis zum Haus direkt am Canal Grande. Ein frisch von der Decke fallendes großes Stück Putz im Flur beeindruckte den Postzusteller ebenso wie mich während wir beide zur Seite sprangen, aber die Decken in den Ausstellungsräumen sind nicht nur gut erhalten, sondern tragen auch sehr schöne Gemälde.

S. Leo, der Planet Kurdistan

Von der Maddalena nach links immer der Strasse nach in Richtung Guglie Brücke ist es nicht weit bis S. Leonardo, wo bei den Gemüseständen zum erstenmal eine kurdische Ausstellung unter dem Titel 'Planet Kurdistan' zu sehen ist.

Schon von aussen ist die Kirche in kurdischen Farben markiert. Dass die Ausstellung eine politische Dimension hat, ist klar, ich empfinde sie aber nicht als übertrieben. Ein bisschen Folkore ist auch dabei, aber auch einige sehr wirkungsvolle und berührende Exponate. Die Kirche selbst existiert nur als Leerraum, es gibt keine Altäre, Wandschmuck etc. mehr, wie z. B. in S. Stae.

In S. Leonardo, rechts und links

Abe
r die Kurden haben den Boden mit wunder-
baren Teppichen ausgelegt,
so dass es mir eigentlich peinlich ist, den Raum mit Schuhen zu betreten. Ich hätte sie doch ausziehen sollen...


Von der Haltestelle Guglie kommt man mit der Linie 51 nach S. Marta (1. Haltestelle nach Piazzale Roma). Von dort sind es gut 100 m in Fahrrichtung, dann links, zur Kirche S. Marta, wo mich wirklich eine Überraschung erwischte.
S. Marta, Auditorium unter dem Kirchendach

Die Welt kennt berühmte Fälle von Neubauten in Tempeln - die Kathedrale von Cordoba in der moslemischen Mezquita oder die osmanische Moschee in der Akropolis von der Athen - in S. Marta wurde in den völlig entkernten Kirchenraum bis fast unters nackte Dachgestühl eine komplette Konferenz- oder Tagungsinfrastruktur eingebaut. Die Kirche dient jetzt als offzielles Empfangsgebäude für den Hafen.
Es gibt ein amphittheatrisches Auditorium mit Blick auf den Seiteneingang / den Kreuzfahrhafen, davor die perfekte Präsentationstechnik mit allem Pipapo; unter den ansteigenden Sitzreihen diverse komfortable Toiletten- und Waschräume; rechts und links vom Auditorium zweistöckige Technik- und Büroräume mit kompletter Higtechausstattung plus Fahrstuhl auf die Galerie über dem Auditorium.
S. Marta, Kunst im frei gebliebenen Kirchenraum

An den Mauerwänden der Kirche, aber auch innerhalb der Konfe-
renzanlage auf beiden Etagen und in den freien Flächen darum herum, ist die Ausstel-
lung 'Porto d'Arti' installiert. Die teilweise sehr klare und ästhetische, vor allem handwerklich sehr ausgefeilt
e Werke enthält.



SS. Cosma e Damiano und Kreuzgang vom Kreuzgang
Die Ausstellung in SS. Cosma e Damiano erreicht man von S. Marta mit der Linie 41, Haltestelle Palanca, von dort nach rechts und die 4. oder 5. Gasse (Calle del pistor) nach links. In diesem Sottoportego befindet sich übrigens das Archiv Luigi Nono, das ich bei dieser Gelegenheit endlich gefunden habe. Der Kreuzgang hinter der Kirche ist offen und bewohnt, überhaupt scheint es im ganzen Komplex Sozialwohnungen zu geben, und hinter den Wohngebäuden ist grüne Wildnis. Die mir immer noch sehr unbekannte Giudecca zeigt sich bei solchen Gelegenheit peu à peu. (Außer der Ausstellung im Altenheim hinter den Zitelle und dieser hier habe ich noch "Wales in Venice" von John Cale in der alten Brauerei besucht, eine sehr beeindruckende Video-Musik-Installation in einer schönen alten Industriearchitektur.)
Ausstellung Palästina
Die Ausstellung ist leider nicht in der Kirche selbst, sondern in der 1. Etage eines Trakts des ehemaligen Klosters, in dem sich neben Nono weitere Kultur, z. B. Theatergruppen, eingerichtet haben. Es ist die erste Biennale-Beteiligung Palästinas unter dem Titel 'Palestine c/o Venice'. Eine kleine, aber beachtliche Ausstellung, die den Weg auf die Guidecca, zumal in dieser Lokalität, wert ist.

Parco delle Rimembranza, die Bäume voller Tauben (die heimatlos gewordenen von der Piazza?)

Nach Sant'Elena kommt man ab Palanca mit der Linie 41, bis zur Haltestelle S. Elena (nach Giardini). Dort geht man durch den Parco della Rimembranza, in dem man sich der Opfer der Weltkriege und von Naturkatastrophen erinnert, nach rechts bis zum Rio di S. Elena. Man nimmt die 2. Brücke und geht zwischen dem ummauerten Gelände der Militärschule Francesco Morosini rechts und dem ummauerten Gelände des Fussballstadions links eine Pappelallee entlang. Von der Haltestelle insgesamt ein Fussweg von weniger als 10 Minuten, aber trotzdem: wer macht sich schon die Mühe, hier her zu kommen?

Portal Kirche S. Elena
Dies hier war frühe
r Lagune, die Insel S. Elena bestand ausschließlich aus der Kirche und dem Männerkloster. Noch Napoleon sah die Insel romantisch aus dem Lagunendunst ragen. Zwischen der Isola di S. Elena und der Isola di S. Pietro di Castello liegt die Darsena di S. Elena, mit der großen Marina des venezianischen Segelklubs D. V. V. (Diporto Velico Veneziano). Die Kirche ist laut Aushang geöffnet um 18 Uhr (Rosenkranzgebet), aber mir genügte für dieses mal das beeindruckende Portal mit dem Grabmal des Admirals Vettor Cappello im Tympnon, der kniend vor der heiligen Helena dargestellt ist. Schön pathetisch und frisch geputzt, die Gerüste standen im Juni noch.



Ausstellung im ehemaligen Kloster S. Elena

Die Ausstellung internationaler Künstlerinnen unter dem Titel 'La seduzione nel segno' findet sich hinter der Gartenpforte des ehemaligen Klosters, das heute eine ganze Reihe Büros (glänzende Namensschilder!) kirchlicher und anderer NGO enthält.
Die einzelnen Exponate stehen für sich und sind nicht im geringsten aufeinander bezogen, aber jedes für sich e
in schönes Angebot zur Kontemplation.
Mal wieder eine Ausstellung, in der ich völlig alleine war, ausser einer einsamen Aufpasserin vor ihrem Laptop, die sich über Besuch und ein kleines Gespräch freute.


Blick von der Insel S. Elena über die Segelmasten zur Insel und Kirche S. Pietro





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