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28. Februar 2017

Venezianisches Tagebuch 1650 - carne vale


Blicke in das Tagebuch des deutschen Benediktiners Gabriel Bucelin, als Historiker zu einem Arbeitsaufenthalt 1649-50 im Kloster S. Nicoló di Lido, konnte man bereits werfen in den Einträgen vom 8.12.2015 
und vom 1.1.2016 



Carnevale und Aschermittwoch widmet der Pater nur wenige Zeilen.


28. Februar 1650
Ich feiere den Carnevale in Venedig, im Kloster von S. Nicolò di Lido. Ich bin erstaunt über die Methode, zur gleichen Zeit zu fasten und essen: während wir zum Mittagsmahl zwei Teller Reis essen, risa, wie sie hier sagen, besser oriza, und zwei Eier, schlagen wir uns nachts die Mägen voll mit großen Mengen von Speisen jeder Art.

1. März 1650
Venedig. Letzer Tag des Festes Carnevale; fulminantes nächtliches Bankett, wirklich köstlich.
Ich bin sehr erstaunt über die äußerst verschiedenen Arten, Gerichte zuzubereiten und zu würzen, die man (in Deutsch-
land
) unendlich schätzen würde.


2. März 1650
Aschermittwoch. An diesem Tag, wie an den zwei folgenden Tagen, sitze ich fest im Kloster S. Nicolò di Lido, denn wegen des gewaltigen Sturms und Wellengangs konnte ich auf keine Art mit dem Boot von der Insel nach Venedig kommen.
Also erzähle ich inwzischen, pflichtgemäß und mit Leidenschaft, weiter die Geschichte Venedigs und forsche nach Informationen, die vom Ruhm und der Ehre des Benediktinerordens berichten.


Aus: Gabriel Bucelin OSB, Diario Veneziano 1649-1650, Edizioni Scritti Monatici, Abbazia di Praglia 2013, nur erhältlich im Kloster S. Giorgio Maggiore in Venedig (am Eingang zum Campanile).
Übersetzung des Tagsbuches aus dem Lateinischen ins Italienische: Gianna Cazzagon, aus dem Italienischen für diesen Eintrag: ebbonn.

S. Nicolò di Lido, Ausstellung im Kreuzgang

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7. Januar 2017

Beginnen wir das Jahr...




... mit einer kleinen, aber besonderen Bootsfahrt. Wir sind unterwegs wie immer begleitet von jungen venezianischen Musikern und wie immer in einem traditionellen Lagunenboot. Die Gegend ist verkehrsarm - keine Taxis, schon gar keine Gondeln,  entlang der Arsenalemauern herrscht Ruhe und rechter Hand dahinter, zu gegebener Zeit, Biennalegewimmel. 

Das Boot fährt den Rio delle Verzene (Vergini) entlang und biegt nach links in den Rio di San Daniele ein. Die "Vergini" eigentlich "Vergini di Santa Maria Nascente di Castello", war eines der ältesten Frauenklöster Venedigs, gegründet zu Beginn des 13. JH..
Eines der Klöster wie San Zaccharia, San Lorenzo, La Celestia, in denen reiche und mächtige Familien ihre Töchter standesgemäß vergoldet abstellten - von Verheiratung und Erbschaft ausgeschlossen. Die Äbtissinen der Vergini waren Töchter, Nichten und Schwestern von Dogen, Prokuratoren, Senatoren: Badoer, Contarini, Donà, Gradenigo, Grimani, Malipiero, Querini um nur einige zu nennen. Die Reputation des Konvents war entsprechend hoch angesiedelt und er stand von Beginn 
unter der persönlichen Schirmherrschaft des Dogen. Und wenn auch die Praxis der lockeren Sitten trotz patriachaler und päpstlicher Interventionen nicht in den Griff zu kriegen war, die Fassade stand bis zum Ende der Republik 1797, inklusive eines rituellen Pflichtbesuchs jährlich am 1. Mai mit venezianischem Pomp und Bootskonvoi. 

Die Insel der Vergini mit Kirche und Klostergebäuden
zwischen Arsenale und Insel S. Pietro

Von Kirche und Kloster standen bis 1807 nicht nur die Fassaden, sondern alle Gebäude (siehe Nr. 72 auf dem Stich oben) der Klosterinsel, als sie der Marine zugeeignet wurden. Ab Februar 1809 wurden Kirche und Kloster als "bagno penale", sprich militärisches Gefängnis genutzt, der "barco", die Empore der Nonnen über dem Eingangsbereich der Kirche, als Isolier- und Krankenstation für die Gefangenen. Ab 1822 wurden erste Teile des Chors abgerissen, zwischen 1844 und 1869 alle Gebäude komplett niedergemacht und danach ein Trockendeck installiert. 

Absolut nichts ist erhalten vom ehemaligen Reichtum dieser kleinen Insel. 2001 fand man bei Arbeiten zum Hochwasserschutz die Reste eines Wassertors des Klosters in ca. 1 m Tiefe unter dem jetzigen Ufer, die archäologischen Arbeiten wurden von Archeosub dokumentiert. 
Das an dieser Stelle einzige erhaltene Relikt der Vergini sieht man kaum vom ponte dei pensieri, sondern eben nur vom Wasser aus, zu Beginn der Bootsfahrt (noch mal in den Film reinschaun!) an der langen Mauer rechts, hinter der der heutige "Garten der Vergini" liegt: der obere Teil des ehemaligen Haupteingangs des Konvents, ein gotischer Bogen mit der Madonna, S. Marco und S. Agostino. Er enthält die Inschrift
MDLVII ADI II MAZO
SPES ET AMOR GRATO
CARCERE NOS RETINENT
S.M. DELE VERZENE

"2. Mai 1557 - Hoffnung und Liebe halten uns in diesem angenehmen Kerker."

(Wer sich für das Thema venezianischer Frauenklöster interessiert, dem/der sei, wiederholt, das Buch von Mary Laven " Die Jungfrauen von Venedig. Gebrochene Gelübde - das wahre Leben hinter Klostermauern" dringend empfohlen. Supergünstig bei Fröhlich und Kaufmann. Der Titel kling grausam kitschig, das Buch ISSESABERNICH!)



Die Kunstwerke der Vergini sind, wir kennen das, nah und weit weg gelandet. Alvise Zorzi beschreibt die prächtigen Gebäude und die ehemals vorhandenen Kunstschätze und beklagt die Verluste so sehr, dass mich beim Lesen in seinem Werk "Venezia Scomparsa", immer die Wut packtAuch ein "museo di Berlino" besitzt unter der Nr. 1154 ein Werk Alvise Vivarinis, eine 'Santa Maria Maddalena, von Engeln in den Himmeln getragen und eine anbetetende Priorin'. 
Einiges jedoch ist in Venedig erhalten - eine ganze Reihe von Grabsteinen und Grabdenkmälern im Seminario Patriacale; die 8 kleinen Bilder in S. Alvise aus der Schule von Lazzaro Bastiani, aber von Ruskin witzigerweise als Jugendwerke von Carpaccio interpretiert; ein schönes Pietà-Altarrelief mit Engeln von Giammaria Mosca ca. 1525, in der Kappelle des Gästehauses Cardinal Piazza.  
Andere Werke wurden dokumentiert, sind aber auf weiteren Umwegen irgendwann gänzlich verschwunden.


Giammaria Mosca, Altarrelief im Gästehaus Cardinal Piazza


Nach ihrer militärischen Nutzung als Gefängnis und Trockendock gab es lange keine Verwendung für die Insel der Vergini am östlichen Ausgang des Arsenale. Die Biennale, die sich im Arsenale immer weiter ausbreitet, Gebäude renoviert und friedlicher Nutzung zuführt, nahm sich des Geländes an und ließ es gärtnerisch gestalten aber die wenigen bunkerähnlichen Gebäude erhalten. Ein wunderbares Beispiel zeitgenössischer Gartenplanung, ein Ensemble blühender Sträucher und Stauden, sehr alter Bäume, Wildwuchs, Mauerruinen und zu Ausstellungsräumen konvertierter Militärhütten. Für die Biennale sind die heutigen Giardini delle Vergini ein Glücksfall und für die Stadt Venedig sowieso. Ein Teil des Gartens ist öffentlich, unabhängig von der Biennale erreichbar über die Brücke der Pensieri.

Giardino delle Vergini Oktober 2011



Giardino delle Vergini Mai 2015


Der Giardino delle Vergini ist barrierefrei (über stufenlose Treppenrampen) zu erreichen über die Haltestelle S. Pietro, Linien 4.1-4.2, 5.1-5.2.


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14. Juli 2016

Santa Maria della Misericordia

Kirchenraum, vor einer Goethe-Veranstaltung
Nach fast genau einem Jahr war ich am 28.5.2016 wieder in der ehemaligen Kirche Santa Maria della Misercordia. Die beiden Besuche am 9. und 14.5.2015 hatten einen längeren Blogeintrag ('Kunst oder echtes Leben? Die "Moschee" in Venedig') mit Ergänzungen zur Folge. 
Die Frage, was nun aus dieser eigentlich funktionsfähigen Moschee wird, wurde mir von kompetenter Seite schnell beantwortet: jeweils sofort nach Biennaleschluss im November müssen die Pavillons geräumt und der nachfolgenden Crew quasi 'besenrein' übergeben werden - es sind ja nur 5-6 Monate Zeit für die Installation der nächsten Ausstellung. 

Für die Architekturbiennale wurde S. M. della Misericordia als 'Dependance' des deutschen Pavillons angemietet für Performance- und Bildungsveranstaltungen des Goethe-Instituts in der letzten Mai- und der dritten Oktoberwoche. Gute Gelegenheit, wieder einen Blick hineinzuwerfen. Und endlich heute einen Blogeintrag zu schreiben, da aus gegebenem Anlass, mal wieder eine venezianische Hochzeit, die Kirche unerwartete Medienaufmerksamkeit erleben darf. 


Hauptaltar
Der erste Klosterbau auf dieser Insel Valverde am Nordrand Venedigs inmitten von Salzwiesen und Röhricht entstand in der Mitte des 10. JHs und hiess Santa Maria della Valverde Madre di Misericordia, daher die beiden bis heute benutzten zwei Bezeichnungen S. M. della Misericordia und S. M. Valverde - aber VenezianerInnen nennen sie ausschließlich 'L'abbazia' (Betonung auf dem i). Obwohl Venedig voller Klöster und Ex-Klöster ist, ist 'L'Abbazia' ein eindeutiger Begriff. 
Die ansässigen Orden wechselten, Augustiner, Dominikaner, Serviten; auch die Anzahl der Bewohner (Pestepidemien!); die Kirche wurde mehrfach erneuert, das Kloster erweitert, und während die angrenzenden Inseln bevölkert und die Fondamente Nove in die Lagune gebaut wurden, blieb das Kloster in seinen weitläufigen Gärten einsam und sein Nordufer unberührt - bis heute, davon abgesehen, dass die Sacca della Misercordia mittlerweise eine Marina ist.

Mit Beginn des 14. JH. wurde an der Westseite des Campo dell'Abbazia die Scuola della Santa Maria della Valverde Madre di Misericordia von der Bruderschaft der Misericordia gegründet, später Scuola vecchia genannt, die zusätzlich zur Bruderschaftsinfrastruktur, also Versammlungs- und Gebetsräume etc., ein Hospiz für mittellose Frauen und einen Friedhof (zur Linken der Kirche) einrichtete. 

Die Geschichte der Scuola della Misericordia und ihres Wohlstands dank wohlhabender Mitglieder geht weiter mit dem Bau der riesigen Scuola Grande della Misericordia, die hier nicht unbedingt dazu gehört Nachzulesen unter 'Scuola Grande della Misericordia in neuem Glanz'; 'Ein Palladio...'; 'Scuola Grande della Misericordia'. 


Dach und beschriftetes Gebälk
Die ehemaligen Gärten der Scuola und des Klosters sind weitgehend erhalten, sehr gepflegt aber leider nicht öffentlich. Sie liegen hinter hohen Mauern an der Sacca della Misericordia und sind zum größten Teil Lager und Restaurationswerkstatt für Skulpturen etc. der städtischen Museen Venedigs. Der zugängliche Teil ist die Kooperative "Laguna Fiorita", Pflanzen, Gartenbedarf, Gewächshäuser... wo VenezianerInnen im Centro Storica ihren Pflanzenbedarf per Boot decken können.  

Die Gebäude, auch der schattige Sottoportego, sind entlang des Rio della Sensa zu sehen, die Gärten leider nur durch wenige Gitter. Auf dem Campo zu bewundern: eines der wenigen erhaltenen Beispiele der ersten Ziegelpflasterung Venedigs im Fischgrätmuster (wie auch nicht weit davon auf dem Campo Madonna dell' Orto). Und ein wunderschöner Brunnenkopf (vera da pozzo) aus dem 13. JH mit den Reliefs von Mönchen an 3 Seiten, das Aussehen der 4. Seite lässt einen früheren Anbau vermuten. Wenn hier nicht geheiratet oder um Moscheen bzw. Kunst gestritten wird, ist dies ein wunderbar still und authentisch erhaltener Ort.


Fassade und 'gequetschte' linke Seite
Zu dem auch die schöne dreiteilige barocke Kirchenfassade mit ihrer gequetschten linke Ecke gehört, erneuert 1650 von Clemente Moli, Schüler Berninis und Mitarbeiter Longhenas (ebenfalls gequetscht: eine Tür zum dahinter liegenden Garten, immer standhaft verschlossen). Neben das Kirchenportal hat Moli allegorische Skulpturen der Beständigkeit und der Barmherzigkeit gestellt, darüber eine Büste von Gaspare Moro, der die Fassade bezahlte. Das Relief am rechten Nebengebäude, eine byzantinisch betende Madonna mit Kind, wird dem 13. JH zugerechnet.

Die Kirche selbst ist nach ihrer Schließung im 19. JH, dem Verkauf inkl. des Campanile an aufeinander folgende Privatpersonen, der Nutzung als Lagerraum bzw. für Wetter- und Sternenbeobachtungen, und der Dekonsekration 1973 unter dem Patriarchen Albino Luciani, ziemlich frei von sakraler Kunst. Mit dem großen Kunstausverkauf Venedigs 1868-1882 verschwanden nicht nur die großen Altarbilder, sondern auch alle Kunstwerke, die aus bereits früher geschlossenen Kirchen hier untergebracht worden waren: aus S. Matteo di Murano, S. Elena, S. Maria dell' Arsenale, S. Maria Maggiore - Werke von Cima da Conegliano, Francesco Ribera, Palma Giovane, Padovanino, Hans Holbein, Alessandro Longhi, Giovambattista Tiepolo und anderen. Geblieben ist das Grabmal von Alvise Malipiero (mit dem schönen Hahnenlogo) an der linken Wand; die Mosaike an Stelle einiger früherer Tafelbilder hat man in der 2. Hälfte des 19. JHs neu eingefügt, als die Kirche zuletzt restauriert und einige Jahre wieder genutzt wurde. 

Beeindruckend ist der Fries hoch oben unter dem Dach, das selbst aus schlichten Kassetten besteht und über die ganze Fläche goldene Sterne auf blauem Grund zeigt. (Einige Kirchen in ehemaligen venezianischen Festungen auf der Peloponnes haben einen ähnlich zauberhaften blau-goldenen Sternenhimmel.) Schön ist auch die geschnitzte Empore auf Marmorsäulen an der Innenwand der Fassade.   


Innenseite, Empore
Nachdem der längst nicht mehr sakrale Kirchenraum, immer noch Privatbesitz, vor der Moschee-Installation von einem verlotterten in einen nutzbaren und präsentablen Zustand versetzt wurde, steht er - wie viele restaurierte Gebäude oder Sääle in Venedig - zur Miete für Events unter dem Stichwort "kulturelle Verwertung". Wohlgemerkt: sieht aus wie eine Kirche, ist aber eine Ex- wie viele andere in Venedig.


Nächste Besuchsmöglichkeit von S. M. della Misericordia bzw. Valverde bwz. l'Abbbazia und ein spannendes Projekt als Nebenveranstaltung der Architekturbiennale: The Veddel Embassy. 18.-22.10., Di-Fr 12-15 und 18-22 Uhr des Goethe Instituts Italien n Kooperation mit dem Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und dem Evangelisch Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost. Eintritt frei.


Venipedia Campo dell' Abbazia mit einem guten Lageplan. Haltestelle Madonna dell' Orto und Ca' d'Oro.

Rundumführender Fries unter dem Dach



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10. April 2016

Schon gesehen? Neuzugänge auf der Venedig-Agenda


"Neu" ist relativ: seit dem 12. Jahrhundert bzw. 15. Jahrhundert an Ort und Stelle, waren die beiden Gebäude seit Jahrzehnten nicht mehr zugänglich und nur von aussen zu besichtigen (1) bzw. nur nach vorheriger telefonischer Anfrage und Terminvereinbarung (2), wer macht das schon - ich jedenfalls nicht.

Die Rede ist 1. vom Treppenhaus des Palazzo Contarini del Bovolo und 2. des Oratorio dei Crociferi. Die beiden historischen Gebäude sind seit Beginn des Jahres wieder zugänglich dank des Kultursponsorings zweier venezianischer Träger von Sozialeinrichtungen, der Fondazione Venezia und den Istituzioni di ricovero e di educazione Venezia, IRE.




Geschichte und Architektur der Schneckentreppe werden vor Ort anhand von Tafeln erklärt. Sie wurde bereits in den 80er Jahren mit Mitteln des World Monuments Fund restauriert, die Restaurierung preisgekrönt
Die Aussicht vom Kuppelraum des Treppenhauses auf das umgebende Sestiere San Marco, vor allem auf die Kuppeln von San Marco und Santo Stefano und diverse Campanili ist großartig. Und natürlich auch der Blick in die direkte Nachbarschaft, wie immer in Venedig indiskret in Innenhöfe und auf Dachterrassen. Man fragt sich schon, wie die BewohnerInnen mit dieser Preisgabe leben.


Canaletto; Campo dei Gesuiti, 18. JH.
In der Mitte das Ospedale und Oratorio dei Crociferi
Das Oratorio dei Crociferi geht zurück auf den Ritterorden der Kreuzträger oder Betlemitani, gegründet in Palästina im 12. JH im Zusammenhang mit den Kreuzzügen wie die Johanniter, Templer etc. Sie waren aktiv in der Pilgerbetreuung und später als Träger von Hospitälern, Alten- und Armenhäusern. Aufgehoben von Papst Alexander VII 1656. 
In Venedig standen 1150 Kirche und Kloster des Ordens, 1155 wurde zusätzlich eine Herberge mit Gebetsraum für Jerusalempilger errichtet. 100 Jahre später war Jerusalem wieder sarazenisch, der Pilgertourismus ging zurück, arme alte Frauen erhielten Heim und Betreuung bei den Crociferi. 


Palma Giovane: Der Doge Pasquale Cigogna besucht die Crociferi
(Kirche der Assunta und Klosterfassade des 16. JH im Hintergrund)
Zwei Dogen waren Förderer der Crociferi: Renier Zen und Pasquale Cigogna (mehr zu ihm in der italienischen Version), die großzügige Mittel zur Verfügung stellten und den Orden politisch nützten in den venezianischen Beziehungen zum Vatikan. Als Freunde und Sponsoren sind sie in der Komplettausmalung des Oratorio mehrfach dargestellt, und zwar vor den Fassaden von Kirche und Kloster des 16. JH. Bei den erforderlichen Renovierungen des gesamten Klosterkomplexes eben im 16. JH wurde Jacopo Palma Giovane mit dieser Ausmalung beauftragt und hat hier sein Meisterwerk abgeliefert. Der Raum ist vergleichsweise winzig, und beim Eintritt in die Pracht bleibt einem der Mund offen und die Luft weg. 
Ein Jahr nach der Auflösung des Ordens kauften 1657 die Jesuiten den gesamten Klosterkomplex und bauten die abgerissene Kirche der Assunta neu - die bombastische Jesuitenarchitektur, die wir heute auf dem Campo dei Jesuiti sehen. Gegenüber das Gebäude des Frauenwohnheims und des Oratorio hat weiter bescheidene Struktur, die sofort als Gegensatz ins Auge springt. 

Informationen:
Scala del Bovolo
Oratorio dei Crociferi

Die Website macht den Eindruck, man müsste online Eintrittskarten kaufen. Das ist nicht der Fall. Es gibt Kartenverkauf vor Ort, und viel mehr noch: sehr freundliches Personal, das gern auf Fragen eingeht. Im Falle des Oratorio dei Crociferi bei meinem Besuch sogar eine sehr kompetente junge Frau (Kunsthistorikerin?), die sehr detaillierte Fragen (auch einheimischer (!) Besucher) mit Geduld und großer Fachkenntnis beantwortete.

Einzeln kosten die Eintrittskarten je 5 €, wenn man weiss, dass man beide Gebäude besuchen will (Oratorio ist nur Freitag und Samstag geöffnet!) kostet ein Komplettticket nur 7 €. Sehr sehr empfehlenswert.



Ergänzung 21.4.:
Ein Korrespondent, gerade aus Venedig zurück, teilt mit, dass bei seinem Besuch der Scala del Bovolo der Zutritt nicht mehr allgemein, sondern in kleinen Gruppen im Rahmen einer Führung erlaubt war. Wartezeit ärgerlicherweise inklusive.
Eine weitere Korrespondentin, zur gleichen Zeit in Venedig, konnte normal nach dem Kartenkauf alleine und ohne Führung auf den Turm.
Also was? 
Für weitere Informationen in dieser Frage wäre ich dankbar via Kommentar oder Email.

Ergänzung 19.5.:
Ein weiterer Korrespondent meldet ungehinderten Besuch des Treppenturms. Danke dafür. Und berichtet auch ungeteilten Aufenthalt oben, während unten auf dem Campo Touristengruppen die Hälse renkten und entweder Kosten oder Zeit nicht aufwenden wollten. Das konnte ich auch beobachten. Und wundere mich immer, wie Menschen viel Geld ausgeben für Essen und Hotel und dann an den interessanten Angeboten der schönsten Stadt sparen wollen. Falsche Priorität aus meiner Sicht.


Ergänzung 2.7.:
Eröffnung der Sala Tintoretto! Seit gestern ist auch die Sala Tintoretto zugänglich, Eingang auf der ersten Etage der Scala del Bovolo. Hier stellen Fondazione Venezia und den Istituzioni di ricovero e di educazione Venezia, IRE Werke aus ihrer Sammlung der 1500-1700 JHe. Auch ein Entwurf des Werks "Paradiso" von Tintoretto, das an der Kopfseite des großen Ratssaals im Dogenpalast hängt. Im Preis enthalten, gleiche Öffnungszeiten wie die Scala del Bovolo. 


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22. Januar 2016

Venezianisch-byzantinische Importe in Glienicke

Byzantinischer Kaiser am Campiello Angaran,
Zwilling des Kaisers aus dem Klosterhof,
dessen Original sich in Washington, Dumbarton Oaks befindet
Bei Recherchen zur Entwicklung des Parkprojektes auf der Insel Certosa (Eintrag vom 19.8.2014) stieß ich auf einen kurzen Film zur Geschichte der Insel, den ich damals für Projektwerbung hielt. Bei Licht betrachtet ist er aber die praktische Umsetzung eines Sommerkurses zum digitalen Visualisieren der Internationalen Universität Venedig, die ihren Sitz auf S. Servolo hat. Und, so gesehen, ein nettes Projekt. (12 weeitere Einträge zum Thema La Certosa hier.)


Ausstellung 'Acqua e Cibo', Dogenpalast 26.9.15-14.2.16
Ansicht der Insel Certosa 17. JH
In der Mitte der zentrale (kleinere) Kreuzgang unterhalb der Kirche
"Isola della Certosa"  enthält von 2:57 bis 3:05 die überraschende Information, dass "(18)50 Prinz Carl von Preussen den zentralen Kreuzgang kaufte und nach Berlin verlegte". Oha. Ich stellte mir das vor wie den Kauf eines schottischen Schlosses und seinen kompletten Wiederaufbau in Kalifornien durch einen U.S. Milliardär. 
Zu Beginn meiner Recherchen war kein venezianischer Kreuzgang in Berlin zu finden, dafür aber ein Mosaik in Potsdam, das vom Bruder Prinz Carls, Kronprinz Friechrich Wilhelm IV. auf Murano gekauft worden war. Dann traf ich im www auf den Kunsthistoriker Gerd-H. Zuchold und seine penible, präzise, perfekte Forschungsarbeit, was zu allen weiteren Schritten führte. (Siehe Buchhinweise am Ende des Eintrags.)

Angeleitet von Heinrich Menu von Minutoli, seinem Erzieher seit dem 9. Lebensjahr, entwickelte Prinz Carl (1801-1883) leidenschaftliches Interesse für Geschichte, Archäologie und alte Kunst. Und sich selbst, neben seiner pflichtschuldigen Militärkarriere als Preussenprinz, seit seiner ersten Italienreise im Alter von 21 Jahren zum Sammler. Laut G.-H. Zuchold zum qualifizierten Sammler, denn "da er auch als Kind nie bedeutende Ansätze einer eigenschöpferischen künstlerischen Veranlagung zeigte, ... verlegte er sich auf das Sammeln von Kunst, und hier gelang ihm in der Tat eine Leistung, deren Bedeutung erst langsam ins Bewußtsein gerufen wird: er legte nämlich die erste Sammlung byzantinischer Kunstwerke im modernen Europa dort an, wo byzantinische Kunst nicht heimisch ist, deren Sammeln also mehr als beispielsweise in Italien einen bewußtseins- und willensmäßigen Akt bedeutete." 


Klosterhof von außen mit 2 Bogenhallen, Vorhof, Säule mit 'Markuslöwen',
in der Mitte der verschlossene Innenhof  
An seinem Sommersitz, heute Schlosspark Glienicke, ließ er in kleiner Entfernung zum Schloss ein Museum zur Aufnahme seiner venezianisch-byzantinisch-mittelalterlichen Sammlung bauen, den Klosterhof. (Er erscheint mittlerweile ausführlich im Wikipedia-Eintrag zu Glienicke, 2014 war das noch nicht nicht der Fall.) Wie Hunold begründet, ist der Architekt des Klosterhofs wohl nicht Ferdinand von Arnim, sondern Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) selber und Friedrich August Stüler, der das Neue Museum in Berlin baute und nach dem Tod des Architekten Ludwig Persius die Friedenskirche in Potsdam (siehe oben). 


Innenhof des Klosterhofs, wie er durch das schmiedeeiserne
Portal zu sehen ist. Säulen aus dem Kreuzgang von
Sant' Andrea della Certosa, Brunnenkopf, die Apsis gestaltet
mit dem (leeren) Sarkopharg des Pietro d' Abono, Säulen,
Formelle, einem Atlanten und weiteren Objekten aus der
byzantnischen Sammlung Prinz Carls.
Die Repliken des Kaiserrelief (s. u.) und der Marmorikone der Agiosoritissa
hängen im rechten Gebäudeteil.
Zur architektonischen Gestaltung von Carls Museum wurden auf La Certosa im bereits weitgehend abgerissenen Kloster Sant' Andrea noch vorhandene Säulen des zentralen (kleineren) Kreuzgangs akquiriert. Hunold belegt mit Dokumenten des Staatssarchivs Venedig, dass, folgend der napoleonischen Schließung des Klosters "bereits 1807 die besten und kostbarsten Stücke verkauft" waren, und dass in Reiseführern der Jahre 1815 und 1819 Sant' Andrea als "schon abgerissen" bezeichnet wird. (Grabplatten und ähnliche Relikte, die weder verkauft noch von Kirchen oder Museen übernommen wurden, werden heute im Seminario Patriarcale aufbewahrt.)
Vor 1811 schlug der damalige venezianische Bürgermeister Daniele Renier die Umnutzung der Certosa als Friedhof vor (und nicht, wie geplant, als Militärstützpunkt der Österreicher), um die vollständige Zerstörung der Kirche von Sant'Andrea zu verhindern, "eines der besten Werke von Pietro Lombardo, ... voll von ausgezeichneten Kunstwerken, reich an preziösen Marmorarten, versehen mit außerordentlichen Malerein, kurzum eine der Zierden der Stadt". Wie wir wissen, wurde nichts daraus, gerettet wurde S. Michele, eine andere Zierde der Stadt. 


1845 wurde das größte Klostergebäude als Kaserne erneuert (heute der letzte Ruinenhaufen auf der Insel), und alle anderen Gebäude unwiederbringlich vernichtet. Hunold vermutet, dass Prinz Carl gerade noch rechtzeitig ein eher kleines Kontingent der wenigen Überreste für seinen Klosterhof ergattern (lassen) konnte. Sein kleines kostbares Museum im Wald oberhalb der Havel, übers Wasser 'verbunden' mit den Sakralbauprojekten seines Bruders, der Friedenskirche in Potsdam und der Heilandskirche in Sacrow, wurde also durch gezielt gekaufte Relikte der Kartause in der Lagune aufgebaut. In seine Mauern wurden planvoll Spolien aus der Sammlung integriert, und die Sammlung byzantinischer Kunst fest eingebaut. (Sie enthielt natürlich auch 'nicht-venezianische' Kostbarkeiten wie den Goslarer Kaiserstuhl, die ich hier nicht berücksichtige.) 


Die letzte Ruinenhaufen auf La Certosa, ehemaliges Kloster-
dann Kasernengebäude. Stand November 2015
Die Provinienz der Kreuzgangssäulen von der Certosa ist belegt. Andere sind selbst erklärend, wie z. B. das Affenrelief vom Turm in Pisa (Austauschteil, das bei einer Restaurierung des schiefen Turmes zum Verkauf stand) oder die Platte mit der Stiftungsinschrift der Scuola S. Giovanni Battista aus Murano. Mögliche Provinzienzen von vielen Einzelstücken erläutert Hunold mit Hilfe seiner kunsthistorischen Expertise, durch Werkvergleiche von Künstlern und Meistern. 
Trotz seiner Kompetenz kann er aber häufig nur vermuten, dass ein Stück "wohl aus dem Andreas-Kloster auf der Insel Certosa" sei. Denn die große Plünderung Konstantinopels 1204 und folgend die jahrundertelange 'Verlegung' massenweiser Kunst- und Kirchenschätze, Heiligenreliquien und ganzer Heiliger überschwemmte die Lagune mit allem, was der Verschönerung und dem Ruhm Venedigs diente. Alles, was nicht eindeutig einheimischen Künstlern zuzuordnen ist, kann also Werk eines Künstlers aus dem byzantinischen Reich sein. Das trifft vor allem auf die vielen dekorativen Patere, Formelle, Säulenteile etc. zu, die einen weiten Weg durch Zeit und Raum hinter sich haben können. 


Stiftungstafel der Scuola S. Giovanni Battista di Murano. Text transkiribiert und übersetzt bei Hunold: 
"Am 30. Oktober des Jahres 1374, als der edle und gelehrte Herr Gabriele Zaccharis Bürgermeister von Murano war, wurde dieses Gebäude errichtet. Oberer war währenddessen Herr Gabriele Buxelo und seine Brüder Vorsteher der Suola der Flagellanten von S. Giovanni Battista in Murano. Herr Iacomelo Damolin, Herr Olivier Darpo, Herr Matteo Roso, Herr Nicholeto von Greguol, Herr Giovanni Capo di Vetro, Herr Paris Sartor, Herr Nicholo del Soler, der Kaufmann Herr Alvise, Herr Meneghelo aus Stra, Herr Anthonio Zio, der Brotbäcker Herr Benvenuto, Herr Marcho Santo".

Große Teile der Klosterhof-Installation Prinz Carls sind überhaupt inzwischen, wie Hunold belegt, weitergewandert. Als erster nutzte sein Enkel Friedrich Leopold (1865-1931) den materiellen Wert und das ging weiter so bis zur historischen Zäsur des 2. Weltkriegs - 1937 z. B. wurden das 'Kaiserrelief' und eine marmorne Marienikone (Agiosoritissa) an amerikanische Sammler verkauft und befinden sich heute in Sicherheit im Museum Dumbarton Oaks in Washington. Im Klosterhof sieht man Repliken beider Werke aus Beton.


Campiello Angaran bei S. Pantaleon
Zum Rundrelief (Tondo) des byzantinisches Kaisers (der im verschlossenen Innenhof des Klosterhofs vom Gitter aus leider nicht zu sehen ist) gibt es einen originalen "Zwilling" in Venedig (bei S. Pantalon rechts, in der Ecke hinter der Bank, Campiello Angaran). Man kann also dort seine Schönheit, Würde und überraschende Größe bewundern. Er ist privates Eigentum, sein Besitzer gab ihn schon für eine Ausstellung her, aber nicht für eine Museumsaufbewahrung, sondern will ihn traditionstreu als Schmuck an seinem Haus behalten. Wissenschaftlich ist er noch ein Rätsel - wurden 2 Kaiserreliefs aus dem Osten nach Venedig geschafft? War es eines, von dem in Venedig eine leicht abweichende Nachbildung gemacht wurde? Wenn ja, wann? Wie sind die Unterschiede der beiden Werke einzuschätzen? Das Deutsche Studienzentrum in Venedig stellte noch detailliertere Fragen (und fand keine abschließenden Antworten) auf einer Studientag am 5.3.2015, von dem ich leider zu spät erfahren und ihn verpasst habe. 
Giuseppe Tassini schreibt in seinen "'Curiosità Veneziane" unter den Text zum Stichwort "Angaran detto Zen, Campiello, a S. Pantaleone" einen kleinen Nachsatz: "Am Campiello Angaran ist in eine Hauswand eingelassen ein Medaillon aus griechischem Marmor, in das ein orientalischer Kaiser in seiner Tracht eingemeißelt ist, eine Arbeit des IX. Jahrhunderts (wahrscheinlich ein Bildnis des Kaisers Leon VI.). Irrtümlicherweise meinte Zanotto, Lorenzo Tiepolo hätte den Marmor aus den Marmorbrüchen von Mongioja nach Venedig schaffen lassen." Auch kein Konsens zum Thema also.


Verschlossenes Portal vom Vorhof zum Innenhof .
2  Säulenpaare aus rostrotem Marmor von der Insel La Certosa,
von Holzlatten geschützt.Originalpatera im Giebel.
Verpatzte Mosaikrestaurierung der 50er Jahre. 2 Heiligenfiguren,
ersetzt bei der Restaurierung.
In Kleinglienicke war ich im April 2015. Nachdem ich rechtzeitig vorher per Mail die Parkverwaltung und das Bezirksamt Zehlendorf kontaktiert hatte, wurde für mich (danke nochmal für diese unklomplizierte Bürgerfreundlichkeit!) sogar der schon seit den Zeiten Prinz Carls immer verschlossene innere Bereich des Klosterhofs aufgeschlossen, inklusive eines hochinteressanten Gesprächs mit den beiden angetretenen Fachfrauen. 
Der Klosterhof ist ein wunderbarer ästhetischer Raum im Wald über der Havel. Eine Komposition alter und sehr sehr alter Gebäudeteile und Kunstobjekte, eine helle Offenheit des Raums und ein Schweben in der Zeit  an einem sonnigen Frühlingstag. Eine Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Die Perfektion des sinnlichen Erlebens wird für mich vor allem bestimmt durch die Balance der Architektur und die Symmetrie der eingepassten Kunstwerke - ein Wechsel zwischen Einzelwerken und Paarinstallationen (von denen mehrfach ein altes Exemplar durch eine Nachbildung des 19. JH ergänzt wurde, um eben diese Symmetrie künstlich herzustellen), sowie die ästhetisch sehr kluge und sensible Kombination von Werken, die ursprünglich überhaupt nicht zu einander gehörten. 


'Markussäule' im Vorhof des Klosterhofs
Basis ist eine Säulentrommel vom Poseidon-Tempel des Cap Sounion,
Säule und korinthisches Kapitell byzantinisch, 11. JH. ,
der Löwe  besteht aus Originalspolien und modernen Ergänzungen
Das kann ja sehr schief gehen, wie z. B. beim "Markuslöwen" auf einer Säule im Vorhof, der offensichtlich aus lauter Spolien zusammengesetzt wurde und aussieht wie eine hinkende Katze mit Teddybärengesicht und angeschnallten Flügeln. 

Aber der Fuss der Säule! Er besteht (wissenschaftlich durch Luigi Beschi 1972 nachgewiesen) aus einer Säulentrommel des Poseidontempels vom Cap Sounion in Attika, zwei weitere dieser Trommeln liegen als Dekoration weiter unten im Park beim Schloss, weitere stehen, zu einer Säule aufgerichtet, im Garten der Palazzina Briati (Universitätsgebäude) in Venedig. Es gibt diese Säulentrommeln im Park des Fürsten von Pückler (der mit Peter Josef Lenné den Kleinglienicker Park gestaltete) in Muskau, aber anscheinend ist deren Provinienz noch nicht überprüft und deshalb nicht belegt. Es scheint aber naheliegend, dass sie gleichen Ursprungs sind wie die Säulenteile in Kleinglienicke und Venedig. Zwei Säulen aus Sounion wurden 1825/26 (also mitten im Aufstand der Griechen gegen die osmanische Herrschaft) von österreichischen Flottenkommandanten nach Venedig gebracht. Noch eine spannende Geschichte...


Säulentrommeln vom Poseidon-
Tempel auf Cap Sounion gestalten auch
den Schlosspark
(vergrößern bitte jeweils anklicken)
Säulentrommeln vom Poseidon-
Tempel auf Cap Sounion
Garten der Palazzina Briati


Spannend ist auch der Brunnenkopf ('vera da pozzo') im Innenhof des Klosterhofs und gut durch das verschlossene Gittertor zu sehen (4. Foto von oben). Er wird von Hunold auf das 1. Viertel des 11. JH datiert und ist aus einem Block aus den Steinbrüchen von Aurisina bei Triest gearbeitet. Einen Brunnenkopf mit frei stehenden Ecksäulen gibt es meines Wissens in Venedig nur noch im Innenhof des Palazzo Vendramin Calergi (Spielkasino) und dort bei offener Landtür (ist auch der Eingang zum Wagnermuseum, Calle Larga Vendramin) zu besichtigen.
(Selbstverständlich haben Preussens den Brunnenkopf nicht als SPRINGbrunnen verwendet, wie im Wikipediaeintrag zum Klosterhof steht. Was hätte mitten im Wald springen sollen? Der Springbrunnen befindet sich im inneren Garten des Schlosses, dessen Wände übrigens von römischen, griechischen, karthagischen... Spolien bedeckt sind. Überwältigend.)



Brunnenkopf im Innenhof des Palazzo Vendramin Calergi (Kasino)
mit 4 freistehenden Säulen ähnlich dem Klosterhof-Brunnenkopf,
der aber älter ist.
Der Klosterhof ist in einem relativ guten Zustand, wenige Kriegsschäden wurden in den 50er Jahren restauriert. Die Reparatur des Madonnenmosaiks über dem Eingangsportal,  beschädigt durch Zielübungen Steine werfender Kinder, nicht Bomben, ist leider völlig daneben gegangen. (Hunold liefert in seiner Monographie die dazu gehörige Korrespondenz mit dem ausführenden Berliner Handwerksbetrieb.) 
Dringend restaurierungsbedürftig ist der Mosaikboden des Kreuzgangs, der ebenfalls original aus der Lagune stammt. Seit der Nachkriegsrenovierung hat das Mosaik teilweise keinen festen Kontakt mehr zum darunterliegenden Boden und kann bei jedem Schritt Schaden nehmen. Und natürlich ist prinzipiell Instandhaltung nötig, wofür die Mittel fehlen. Trotz des Statussymbols "Weltkulturerbe" verlottert der Park Kleinglienicke, sagt Anett Kirchner am 6.3.2014 im Tagesspiegel und erklärt auch sehr genau, warum. Am 10.1.2015 wiederholt sie ihre Klage anlässlich der 200-Jahre-Peter-Josef-Lenné-Feier, ich finde, ihre Kritik sollte dringend gehört werden. 

Fahrradtour, die den Park Kleinglienicke mit dem Klosterhof einbezieht, veröffentlicht vom Tagesspiegel am 28.7.2014.
Anreise mit ÖPNV: Bus 316 von Berlin Wannsee nach Schloss Glienicke in 14 Minuten.



Buchhinweise:

Presse- und Informationsamt des Landes Berlin, 1984
Gerd-H. Zuchold: 
Byzanz in Berlin, Der Klosterhof im Schlosspark Glienicke
vergriffen, darf als Teil der Schriftenreihe Berlin Forum "nicht gegen Entgelt weitergegeben werden", ist aber trotzdem antiquarischerhältlich (gegen variables Entgelt) bei Booklooker.
Gute und detaillierte Information auf 84 Kleinbroschürenseiten, s/w Fotos.
Inhalt: 
Glienicke - Klassizismus und Romantik zwischen Berlin und Potsdam
Die Geschichte des Klosterhofs
Prinz Carls Intentionen als Kunstsammler
Kunstgeschmack als politisches Phänomen
Lageplan von Glienicke
Anmerkungen, Nachwort, über den Autor.



Hrsg. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Landeskonservator: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin
Gebr. Mann Verlag Berlin 1993
Gerd-H. Zuchold:
Der "Klosterhof" des Prinzen Karl von Preussen im Park von Schloss Glienicke in Berlin
Band 1, Geschichte und Bedeutung eines Bauwerkes und seiner Kunstsammlung
Band 2, Katalgo der von Prinz Karl von Preussen im "Klosterhof" aufbewahrten Kunstwerke
Diese Monographie empfehle ich sehr für LeserInnen, die an einer akribischen, kompetenten wissenschaftlichen Arbeit mit einem entsprechend großen bibliografischen, fotografischen und dokumentarischen Anhang interessiert sind. Geschrieben in erfreulich präziser, aufmerksamkeitsfreundlicher Sprache.

Band 1 enthält die komplette wissenschaftliche Untersuchung des Themas. 
Band 2 enthält die detaillierte wissenschaftliche Beschreibung aller Objekte, inkl. Provinienz, Quellen etc. 
Bei Booklooker wird größenteils nur Band 1 zu unterschiedlichen Preisen angeboten, also Vorsicht, was man da bestellt und Preise vergleichen.
Ich empfehle die Bestellung der Monographie bei Fröhlich und Kaufmann, beide Bände werden als Pack um 2/3 ermäßigt für 50 € angeboten. 






Ergänzung 23.1.2016

Ein weiterer Brunnenkopf mit frei stehenden Ecksäulen wurde mir heute von einem Korrespondenten freundlicherweise gemeldet. Er ist, finde ich, außerordentlich schön gearbeitet und steht im Innenhof des Fondaco dei Turchi, also dem Naturkundemuseum. In allen Jahren Venedig war ich da nie... herzlichen Dank!
Er schreibt dazu:
"Übrigens rate ich allen, bei einem Venedigbesuch das Naturkundemuseum zu besuchen. Ich finde es ausgesprochen gelungen.
Das erste Mal war ich aus Versehen mit GEOMONDO virtuell dort.
Beim letzten Venedigbesuch waren wir dann mit Freunden life im Museum und waren alle hellauf begeistert. (Alle keine ausgewiesenen Naturkundefans.)"




(C) für beide Bilder: C.H.


Hier geht es zum Eintrag "Eine Geschichte von Murano und Potsdam"



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1. Januar 2016

Venezianisches Tagebuch 1.1.1650



"Weil ich sehr dringend darum gebeten wurde, habe ich die Messe für die Soldaten in der Festung beim Kloster S. Nicolò di Lido gefeiert. Ich sehe die Armut der Soldaten, und vor dem Eingang der Kapelle sehe ich zu meinem größten Entsetzen gemeinsam auf einer Bahre zwei Soldaten, in dieser Nacht gestorben, die beiden Körper lagen vor den Augen der ganzen Truppe und des Priesters wie sie einst aus dem Mutterleib kamen völlig unbedeckt auf der Bahre.

Gleich nach dem Mittagessen im Kloster S. Nicolò verteilte der Ehrwürdigste Generalabt des Ordens Geschenke an alle Mönche; auch ich habe etwas über die Süßigkeiten hinaus bekommen."
(1.1.1650)


Aus: Gabriel Bucelin OSB, Diario Veneziano 1649-1650, Edizioni Scritti Monatici, Abbazia di Praglia 2013, nur erhältlich im Kloster S. Giorgio Maggiore in Venedig

Übersetzung des Tagsbuches aus dem Lateinischen ins Italienische: Gianna Cazzagon, aus dem Italienischen für diesen Eintrag: ebbonn.

Siehe auch: Venezianisches Tagebuch 8.-12.12.1649


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30. Dezember 2015

Wohnen in venezianischen Klöstern, Wohnheimen, Stiftungen


Fast auf den Tag 5 Jahre alt ist mein Eintrag vom 28.12.2010 "Übernachten in venezianschen Klöstern", er wurde 3 Jahre lang ergänzt (bis 26.12.2013) und kommentiert. Er ist zu meiner permanenten Verwunderung der am häufigsten aufgerufene Eintrag von bisher 493 (!) und das Interesse daran lässt nicht nach. Eine Aktualisierung habe ich deshalb schon seit langem vor, denn die Sache hat sich weiter entwickelt. Es gibt mehr Angebote als vor 5 Jahren, es gibt Verbesserungen und mehr Erfahrungen seitens der AnbieterInnen wie auch der NutzerInnen. 

Auch die Bloggerin blickt etwas besser durch, z. B. in der Frage der Trägerschaft. Klöster können ihre Räume verpachten an Stiftungen oder Träger von Wohnheimen (oder Mischversionen), dann hat man es als Gast mit Angestellten der betreffenden 'weltlichen' Institution zu tun. Sie haben von Haus zu Haus unterschiedliche Kompetenzen, die bis zur Preismitgestaltung gehen können. Oder das Kloster vermietet selbst, dann hat man es als Gast mit Ordensleuten zu tun, möglicherweise aber auch mit externen Angestellten, die nicht dem Orden angehören. Autorität und Entscheidungskompetenz hat dann die Ordensleitung in Rom.
In den 5 Jahren wurden viele Websites upgedatet, der Service in den Häusern allgemein besser und die Preise angehoben. Vor allem für kleine Gruppen wie Familien oder Freundes- bzw. Interessengruppen auf Reisen ist aus meiner Sicht deshalb weiterhin die Anmietung einer 'Ferien'wohnung die günstigste und individuellste, aber auch servicefreie Unterkunftsmöglichkeit in Venedig. Es sind weitere Einrichtungen auf dem Sprung, Klösterunterkünfte anzubieten bzw. die Gebäude ehemaliger Klöster als preisgünstige Zimmervermietung mit eingeschränktem Serviceangebot herzurichten. Dieser Eintrag wird also ergänzt wie der erste Klosterbericht, wenn es Neuigkeiten gibt.

Erfahrungsberichte und Empfehlungen von LeserInnen sind wieder sehr willkommen als Kommentar oder als Mail, das dann von mir nach Rücksprache mit dem/der KorrespondentIn als Ergänzung meines Textes aufgenommen werden kann.




UPDATE DER HÄUSER

Mit einem Eintrag vom 23.6.2011 schrieb ich einen kritischen Bericht über die Casa Caburlotto, mittlerweile haben KorrespontentInnen widersprochen und weisen ausdrücklich darauf hin, dass es weiterhin sehr sauber sei, der Kaffeeautomatenservice aber ersetzt durch ein sehr ordentliches Frühstücksbüffet mit unbegrenztem Kaffeenachschenken in einem angenehmen Raum. Es gibt keine schlechten Gerüche und auch keine blinden Fensterscheiben mehr wie von mir erlebt. Die MitarbeiterInnen sind externe Angestellte, gästeorientiert und freundlich. Die Preise sind leicht gestiegen und saisonangepasst. Meine KorrespondentInnen empfehlen die Casa Caburlotto ausdrücklich. Weiterhin ist der ÖPNV relativ nah (Piazzale Roma), also 3 Brücken Gepäckzerren. Weitere Informationen auf der neuen Website Casa Caburlotto.

Das zweite Haus Caburlotto "Istituto San Giuseppe" in Castello wurde nicht ausprobiert. Es ist kleiner, lädt speziell Familien ein und jedesmal, wenn ich über die Ponte della Guerra gehe, ist der Innenhof voller spielender quiekender Kinder. Vielleicht eine Empfehlung, wenn man mit Kindern unterwegs ist, die hier leichter Anschluss an andere Kinder finden mögen als im Hotel.



CamplusLiving im Redentore hat vor 5 Jahren schon gearbeitet, aber noch nicht mit voller Genehmigung und war deshalb noch sowas wie ein "Geheim"tipp, regelmäßig gebucht von einer Sprachschule, die ihren TeilnehmerInnen dort eine sehr günstige Unterkunft vermittelte. Seit diesem Jahr ist alles in trockenen Tüchern und offiziell, und prompt machen die Preise einen deutlichen Satz nach oben. Die Sache rechnet sich trotzdem, denn günstiger kann man in Venedig aus meiner Sicht nicht wohnen. 
Die Vorzüge des Hauses habe ich selbst mehrfach ausprobiert: Standort Giudecca - der Trubel der Innenstadt ist weg, sobald man das Vaporetto verlässt. Alle Zimmer gehen von einer Manica lunga (schlauchtartigem Flur) auf den herrlichen Klostergarten. Weitblick auf die Laguna Sud, die Türme von S. Elena, S. Giorgio Maggiore, S. Giorgio dei Greci, S. Francesco della Vigna (leider auch auf die Riesenschiffe, die durch den Canale della Giudecca kommen und gehen), zu hören ist in der Stille das ländliche Gequake von Hühnern, Tauben, Möwen. Neben dem Komfort von 5 Gemeinschaftsräumen für die Gäste gibt es die 2015 erneuerte Kücheeinrichtung, Wasch-,Trocken-, Getränke- und Snackautomaten und den unvergleichlichen Gästegarten zur Laguna Sud. Keine Rede von Hotelliegestühlen oder dergleichen, aber draussen sitzen, essen, internationalen Kontakt haben und den wunderbar weiten Blick über die südlichen Inseln bis zur Ausfahrt von Malamocco und den Sonnenuntergang genießen. 
Die Einrichtung ist einfachst aber flexibel: Bett (80 cm breit), Stuhl, Schrank und Nachttisch in jedem Zimmer, als Option ein Kühlschrank, ein Schreibtisch, ein weiteres Bett für dicke Singles (dann wird es allerdings sehr eng) ohne Preisaufschlag. Zu zweit kann man in einer der engen Zellen nicht wohnen aus meiner Sicht. 
200 m von der Haltestelle Redentore, keine Brücke, direkt hinter der Redentorekirche.
Minuspunkt des Hauses: es hat viel Jugendherbergsatmosphäre (für mich), angenehm locker aber laut und flippig, Gequatsche vor den Zimmertüren statt in den Zimmern oder Gemeinschaftsräumen, großzüge Auslegung von Regeln bzgl. Küchennutzung, Abfallentsorgung... naja. Jede/r nach seiner/ihrer Fassong ebent, keine Lust zu diskutieren.
Verfahren: über die Website eine Anfrage (italienisch, englisch) mit den Aufenthaltsdaten mailen. Es kommt ein Angebot, das man bestätigt, wenns passt, oder ggfs. diskutiert. Wenn eine Rückbestätigung kommt, ist die Reservierung fix, bezahlt wird am Ankunftstag. Weitere Details.
Das Redentorekloster gehört dem Kapuzinerorden, hier wohnen separiert vom Gästetrakt Mönche, es finden Seminare zur Priesterausbildung statt. Die zweieinhalb Etagen des Gäste- und Studierendenwohnheims CamplusLiving sind verpachtet an die Fondazione Falciola, die eine Reihe ähnlicher Heime betreibt. 


Domus Ciliota war vor 5 Jahren noch in der Aufbauphase und hat sich, wenn man von seiner neuen Website ausgeht, sehr entwickelt. Ich kenne das Haus nur von außen, ein Korrespondent wohnte dort 2 mal eine Woche, hatte nichts zu meckern und durfte auf seine Bitte die ehemalige Klosterkirche SS. Rocco e Margarita besichtigen. (Nicht zu verwechseln mit S. Rocco.) Das Haus liegt mitten im Sestiere S. Marco eher ruhig in einem Innenhof direkt hinter dem Campo S. Stefano. Erreichbar von S. Angelo (1 Brücke), S. Samuele (keine Brücke) und Accademia (Accademiabrücke).



Das  Centro Culturale Don Orione sitzt im ehemaligen Kloster der Jesuaten (später Dominikaner) an den Zattere zwischen den beiden dazu gehörigen Kirchen S. M. del Rosario und S. M. della Visitazione. Ich kenne wenig davon durch von Biennaleausstellungen im Innenhof, in der Kirche S. M. della Visitazione und in einigen Parterreräumen, aber niemanden, der/die dort schon übernachtet hätte. Viel Lob auf Tripadvisor, aber ich lese solche Seiten mit Skepsis und Zurückhaltung. Die Website macht keine Angaben zu den Preisen. Der Haupteingang ist jetzt nicht mehr am Zattereufer sondern ein paar Meter weiter am Campo S. Agnese. Wunderbare Verkehrsanbindung über Haltestelle Zattere und Accademia ohne Brücke. 

Zimmer in klösterlichen Einrichtungen können übrigens auch über Vermittlungswebsites gebucht werden. 
Monastery Stays 
Booking Monastery 
L'ospitalità religiosa su misura 
Hospites


Weiter mit venezianischen Unterkünften: bisher ungetestet ist das Istituto Canossiano im ehemaligen Kloster S. M Immacolata mit fast 100 Betten für Studierende und TouristInnen an der Fondamenta de le Romite (auf manchen Stadtplänen auch 'delle Eremite'). Die Kirche wurde jahrelang renoviert (das mittlere Foto habe ich vor Jahren im Vorbeigehen bei angelehnter Tür geschossenund für diese Website zur Verfügung gestellt) und ist auch nach Fertigstellung leider nicht geöffnet. Möglicherweise Besichtigung durch Hausgäste? Von den Zattere nur ein paar Schritte durch die Calle Trevisan und über die Brücke (von der Haltestelle S. Basilio 2 Brücken).



Eine neue Website hat das Ferienhaus der Salesianer "Don Bosco" in Castello direkt bei den Biennale Giardini. Kein ehemaliges Kloster, keine Kirche, aber eine wunderbare Lage nahe der Haltestelle Giardini, ohne Brücke zu erreichen, und mit dem Luxus einer Dachterrasse. die den Blick über das S. Marco-Becken erlaubt. Ich kenne es leider nicht, bin aber entschlossen, es bei nächster Gelegenheit kennenzulernen. (Und werde berichten, falls mir nicht jemand zuvorkommt.)
Ergänzung 7.1. durch eine Korrespontin per Mail:
Zu den Salsianern: Dort wohne ich schon seit Jahren und fühle mich immer wohl. 2015 Ez 55,--, sehr einfach mit Dusche und WC, sehr oft neue Handtücher, incl. Frühstück. Dieses wird im "Saal" an langen Tischen eingenommen. Sebstbedienung,  Kaffeeautomaten (schmeckt mir) Brot, Butter, kl Käse, Süsses, Saft, Joghurt mit und ohne Geschmack. Großer Kühlschrank ,um etwas zu deponiern, so kann man auch sein Mitgebrachtes  durchaus abends dort verzehren.  UNSCHLAGBARE LAGE FÜR  DIE BIENNALEN.   K.G.
Herzlichen Dank für die Information!



Die Forestiera Valdese hatte vor 5 Jahren noch keine Website und nur einige Gemeinschaftsschlafzimmer zur Verfügung, die Haustür war immer zu. Das Angebot im Palazzo Cavagnis wurde ausgebaut, es gibt ein Kulturangebot mit Vorträgen und Konzerten, die Haustür ist offen und die freundliche Rezeptionistin lud mich auf meine Bitte ein, im Parterre die beeindruckende Kirche der Waldenser im Parterre zu besichtigen. (Neben der deutschen Kirche S. Angelo Custode die einzige protestantische Kirche in Venedig, glaube ich.) Das Zimmerangebot habe ich nicht ausprobiert, aber die Website finde ich einladend. Leider mitten in Castello, kein Vaporettohalt in der Nähe, erreichbar über S. Zaccaria, Ospedale, Rialto und jeweils diverse Brücken.



Im September 2013 eröffnete im ehemaligen Kloster des Ordens der Crociferi neben der Jesuitenkirche S. M. Assunta an den Fondamente Nove ein neues Wohnheim mit 255 Betten für Studierende: WE Crociferi. Perfekte Lage (nur 1 Brücke) am Campo dei Gesuiti, 10 Minuten bis zur Piazza durch den wuseligsten Teil von Cannaregio und dann San Marco, ein Vaporettoknotenpunkt quasi vor der Haustüre und trotzdem eine sehr ruhige Ecke. Es ist keine klösterliche Einrichtung, WE Gastemeco ist ein ganz normales profitorientiertes Unternehmen. Während der jahrelangen Renovierung des Gebäudes am Rio dei Gesuiti mit 2 großen Kreuzgängen gab es kontroverse Diskussionen um die Nutzungswünsche der BürgerInnen des Sestiere. Und es gehörte zur Planung, zumindest während der Sommerferienmonate einen Teil der vielen Zimmer auch an TouristInnen bzw. VenedigbesucherInnen für längerfristige Aufenthalte zu vermieten, also fürchteten die kleinen Hotels in der Nähe die Konkurrenz. Versprochen wurde die Einbindung der Nachbarschaft durch öffentliche Kulturveranstaltungen, mehrere öffentliche Lokale mit Zugang zu den Kreuzgängen etc., und mit einem guten Jahr Anlauf sind die Angebote des Hauses öffentlich. 2 Bars und 1 Restaurant mit großen Innen- und Außenbereichen (auf dem Campo und in den Kreuzgängen), Veranstaltungen, Kursangebote. Der Wohnbereich der Residenti ist privat, schön ohne Schnörkel und funktional eingerichtet, der ganze Komplex ist beeindruckend und ich finde es wunderbar, dass er nach langem Leerstand so gut renoviert wurde und wieder genutzt wird. Aber leider nicht so preiswert wie erhofft, deutlich teurer als alle anderen Angebote auf dieser Liste. Die BASISpreise sind ok, aber mit dem Argument der vielen optionalen Serviceangebote (die aber natürlich separat gezahlt werden, und auch die Bars werden zum "Service" geschlagen) sind die Komplettpreise  in Höhen, bei denen für die Studierenden gut verdienende Eltern unabdinglich sind und TouristInnen leicht eine nette 60 qm Ferienwohnung mit Küche und Waschmaschine für sich allein finanzieren können. Zum Preis der Hälfte eines geteilten 2er-Apartments, wohlgemerkt. Ich habe 3 mal zu verschiedenen Zeiten angefragt und 3 mal wegen des Preises (für das allein zu nutzende 2-Einzelbetten-Appartment) wieder Abstand genommen. Deshalb ist auch dieses Haus bisher ungetestet. Steht auf meiner Agenda.
Ergänzung 7.1. durch die Korrespondentin K.G., die auch über die Salesianer berichtet hat:
2015 war ich etwas zu spät bei der Reservierung. Hatte das Filmfestival übersehen, und so bin ich im WECrociferi gelandet. Schöne Nachbarschaft. Zum Biennalegelände Bootszeit einplanen. Zimmer für zwei, auch alleinige Nutzung, teilweise mit Kühlschrank. Einrichtung modern. Sehr schön alles. Frühstück im "Restaurant". Ähnliches Angebot wie bei den Salesianern. Nur. ab der 2.Tasse Kaffee kostet´s. Mal 1,-, mal 1,25. Je nach Bedienung. Während meines Aufenthaltes wurde eine kleine, feine Auststellung eröffnet. Künstler mit Anhang wohnte auch dort. Vielleicht hilft dieses einigen. K.G.
Vielen Dank für die Information!



Eine Stiftung für Musikstudien: Fondazione Ugo e Olga Levi bietet im Palazzo Giustinian Lolin am Canal Grande 20 Räume und ein Appartmenthaus auf dem Lido an. Entsprechend den Zielen der Stiftung wohnen hier MusikwissenschaftlerInnen, MusikerInnen, Chöre und andere KünstlerInnen zu kleinen Preisen. Aber die Zimmer werden auch an Gäste vermietet, die nicht forschen oder etwas aufführen, sondern einfach eine Kunstreise nach Venedig planen. Ich habe dort 4 Nächte verbracht - ein sehr schmales Einzelbett, ein sehr komfortables großes Badezimmer, ein gutes Frühstück und z. T. prominente Gesichter an den anderen Tischen. Freundliche Angestellte und mit etwas Glück gibts ein Konzert im sehr schönen Konzertsaal (in dem z. B. auch immer anlässlich der Artnight Konzerte stattfinden).Schräg gegenüber der Accademia, Fussweg über die Accademiabrücke und die erste kleine Brücke bei S. Vidal.



Die Stiftung Giorgio Cini bzw. das zur Stiftung gehörige Centro Vittorio Branca biete keine touristischen Unterkünfte, sondern nach Bewerbung und Auswahlverfahren die Möglichkeit eines Arbeitsaufenthaltes in Venedig. Gilt GeisteswissenschaftlerInnen, gewohnt wird in klimatisierten Einzelzimmern mit Bad und Kochecke auf der Insel S. Giorgio Maggiore. Voraussetzung ist die schriftliche Bewerbung mit einer Darstellung (1 Seite) des Forschungsprojektes (Kunstgeschichte, Geschichte, Theater- und Musik-, Kunstwissenschaften, Literatur in Beziehung zur italienischen Kultur). Nicht entscheidend ist der Zweck der Arbeit - Abschluss, Diplom, ein Buchprojekt o. ä. - aber die Option, die Bibliotheken und Archive der Stiftung zu nutzen, zählt. (Siehe auch Eintrag 4 Wochen auf S. Giorgio Maggiore vom 26.1.2014.)



Das Universitätspastorat bietet je ein Wohnheim in Cannaregio (S. Fosca im ehemaligen Servi-Kloster) und auf der Giudecca (beim Redentore, nicht zu verwechseln mit CamplusLiving oben) für aktiv christliche Studierende an. (Das noch genannte Heim S. Michele sitzt in Mestre.) Während der Sommermonate werden die Räume auf Nachfrage auch an TouristInnen vermietet. Habe ich weder näher recherchiert noch ausprobiert. Wer sich als Studierende/r um ein Zimmer bewirbt, muss Details zu seinem aktiven Glaubensleben etc. kundtun, ob das von TouristInnen auch erwartet wird - keine Ahnung. Für mich wäre es jedenfalls keine Option. 




Voraussichtlich ab Mitte 2016 wird der Malteserorden Italiens, Großpriorat Lombardei und Venedig an seinem Sitz in Castello Ferienappartments vermieten. Die Gebäude auf der ganzen linken Seite der Calle dei furlani (auf der Zeichnung die Reihe kleiner Gebäude in der unteren Hälfte), die ehemals für die Zwecke des Ordens = Pflege Kranker und Verwundeter, Sorge für PilgerInnen auf dem Weg nach und von Jerusalem, genutzt wurden, werden derzeit in verschiedenen Größen entsprechend umgebaut und eingerichtet. Der Garten auf dem Bild, einer der größten Gärten in Venedig und derzeit eine schlichte große Wiese, soll im Stil des 15. JH wieder hergerichtet werden und dann für die BewohnerInnen, aber gegen ein kleines Eintrittsgeld auch für externe BesucherInnen,geöffnet sein. Ich schreibe demnächst einen Blogeintrag zum Thema Johanniter-/Malteserorden und werde über den Fortschritt bei den Appartments berichten. 
Ergänzung am 26.5.17 direkt dazu: auch jetzt, Mitte 2017, sind weder die Pläne für den Garten noch die Apartements in der Calle dei furlani verwirklicht. Auch Bauarbeiten finden nicht statt.




Häuser, die auf der Liste von 2010 stehen aber jetzt nicht mehr auftauchen, sind entweder geschlossen (Collegio Armeno Ca' Zenobio), oder ich habe sie mittlerweile besucht/angefragt und festgestellt, dass sie ausschließlich an StudentInnen vermieten und nicht an TouristInnen (z. B. Suore Salesie, Casa Capitano) oder sie gehören aus anderen Gründen nicht oder nicht mehr auf diese Liste.

Ergänzung 25.2.2016
Von KorrespondentInnen erfahre ich, dass die christlichen Häuser wegen des Heiligen Jahres 2016 von Reisegruppen überlaufen sind. Und dass deshalb, im kapitalistischen Rahmen von Angebot und Nachfrage, die Preise deutlich über den normalen Standard liegen. Wer als EinzelreisendeR das Glück hat, ein freies Zimmer angeboten zu kommen, muss mit Hotelpreisen rechnen.


Ergänzung 19.4.2016
Ende März habe ich ein neues "Hostel"-Angebot getestet, das ehemalige Istituto Solesin in Dorsoduro, anscheinend früher ein Säuglingsheim, das jetzt Einzel- bis Familienzimmer vermietet unter dem Namen Casa Accademia. Für ein EZ mit Dusche (beide eher groß) habe ich 55 €/Nacht gezahlt. WLAN im Zimmer, kein Frühstück aber die üblichen Kaffee- und Snackautomaten. Vergleichsweise ruhig dank verwinkelter Bauweise (also keine lärmförderliche Manica lunga wie z. B. im Redentore), freundliche MitarbeiterInnen an der Rezeption. Man bekommt Hausschlüssel. Der Eingang an der Fondamenta Bradagin ist ein Tor zu einem Gässchen, das zur Haustür führt, liegt zwischen den beiden Gebäuden des Hotel American. Vaporetto 1 und 2 Haltestelle Accademia, oder Zattere per Linie 5.1 und 5.2, vom Piazzale Roma deutlich schneller; in beiden Fällen jeweils 1 Brücke von der Haltestelle. Die Betten sind christlich = extrem schmal, ich kenne das mittlerweile, hier ist das Zimmer groß und der Fussboden sauber genug, dass man die Minimatratze nachts auf den Fussboden legen kann. Es gibt eine Dachterrasse, die im März leider noch nicht geöffnet war, im Sommer sicher toll. Eine empfehlenswerte neue Option, finde ich.
Ergänzung am 26.5.17 direkt dazu: der Gebäudekomplex wurde nur vorübergehend als Hostel genutzt und ist neuerdings der Sitz des Internationalen Konvents Sel. Johannes XXIII. 

Ergänzung 10.11.2016
Anfang November habe ich eine Woche lang ein Klosterangebot getestet, das bereits auf meiner ersten Liste stand, aber damals noch keinen Internetauftritt hatte. Es wurde in einem Kommentar von Georg Eichinger gelobt, aber nicht empfohlen wegen der komplizierten Buchung.
Das war damals, heute ist das Haus zu loben und zu empfehlen:
Casa Cardinal Piazza in Cannaregio. Eines der wenigen Klosterangebote, das tatsächlich von (sehr freundlichen und ziemlich professionellen) Nonnen betrieben wird. 
Die beiden Palazzi ganz am Ende der Fondamenta Gasparo Contarini (an der Ecke Sacca della Misericordia) teilen sich in die Klosterklausur, ein Altenheim und das Gästehaus und einen großen gemeinsamen ummauerten Garten (naja, fast schon Park) zur Laguna Nord. Der Garten ist schattig und bietet vielen Grüppchen und Individuen Platz und Sitzgelegenheit, um sich zurückziehen zu können. 
Im Angebot sind Einzelzimmer (derzeit 50 € bzw. 55 mit Frühstück), Doppelzimmer (75 bzw. 85 €), 3bettzimmer (100/115 €), 4bettzimmer (115/125 €), 5bettzimmer 125/135 €). Das Büffet-Frühstück besteht aus Müsli, Cornflakes, Brot, Frischobst, Marmelade-Streichkäse-Süssgebäck-Saft-Butter jeweils in Verpackung, Kaffee, Tee, Milch. Mein EZ ging zum Park, mit Sessel und nicht ganz so spartanisch schmalen Bett schon recht bequem, das Duschbad von komfortabler Größe mit ebenfalls großem Fenster zum Park.

Geräuschdämmung gibt es nicht, die Anwesenheit von z. B. Schulklassen ist aus Fluren und Zimmern gut zu hören. Die Gebäude sind irgendwie verzwickt gebaut, Gruppenräume auf verschiedene Etagen verteilt, es kann also schon mal etwas turbulenter werden, auch nachts. Rücksichtnahme wird voraus-, aber nicht unbedingt durchgesetzt, mit anderen Worten, wer einen kontemplativen, ungestört stillen Aufenthalt sucht, braucht einen anderen Ort. Positiv formuliert: Familien müssen ihre Kinder nicht dauernd disziplinieren, Klassenfahrten sind vielleicht unbekümmerter zu genießen als anderswo. Ich finde, das sollte man gönnen und wertschätzen. 
Wlan gibt es in einem Gruppenraum im Parterre, der aber groß genug ist, dass sich dort ggfs. viele Gäste mit Notebooks aufhalten können. 
Buchung: Anfrage über die oben verlinkte Seite, innerhalb von 48 Std. kommt eine Rückmeldung, DANN erfolgt die Buchung, 1 Nacht ist als Bestätigung im Voraus zu zahlen.

Die Haltestelle Madonna dell'Orto ist 10 Minuten zu Fuss ohne Brücke entfernt, die Haltestelle Ca'd'Oro ungefähr gleich weit, aber 4 (!) Brücken.


Ergänzung 14.8.2019
Das bisherige CamplusLiving Wohnheim im Redentore-Komplex schließt zum 31.8.2019. Nachtrauern werden ehemalige Gäste sicher dem Ausblick auf den Klostergarten und dem kleinen Park an der Lagune an der Südseite der Giudecca. Aber was auch immer mit diesem Gebäude passiert, eine gründliche Renovierung wird anstehen. Die Hellhörigkeit und die verrotteten Nasszellen waren keine Freude. 
Seit einigen Jahren wurden im Universitätsviertel zwischen Tolentini und S. Marta 3 neue Wohnstätten für Studierende gebaut, Camplus übernimmt die Bewirtschaftung zum Semesterbeginn im Herbst und schließt den alten Standort. Der neue Standort macht einerseits Sinn, da es in dieser Ecke viele Universitätsinstitute gibt, auch die gesamte IUAV, und auch baulich konvertierbare Gebäudesubstanz in einem der wesentlichen ehemaligen Industriestandorte Venedigs. Andererseits lässt man da die jungen Leute in unmittelbarer Nähe des Kreuzschifffahrthafens wohnen, wo sie von den Schwerölemissionen der Riesenpötte beräuchert werden. Die Klimanlagen in den Gebäuden sind also keineswegs luxuriös, sondern unerlässlich, da man 365 Tage/24 Stunden kein Fenster öffnen kann.
Im Moment werden Zimmer für Nicht-Studierende über die Sprachschulen in Venedig angeboten. Kursteilnehmer*Innen können über ihre Schule ein EZ oder DZ für einen kurzen Zeitraum mieten. Ansonsten haben Studierende selbstverständlich den Vortritt, und es wird sich zeigen, ob Zimmer auch frei vermietet werden wie bisher im Redentore. Weitere Details aus der Presse.

Ergänzung 3.10.19
Auf meine Anfrage im neuen Camplus S. Marta erfuhr ich, dass während der Semester die Zimmer ausschließlich an Studierende vermietet werden. Zu 'Studierenden' gehören auch Schüler*innen von Sprachschulen, die für die Dauer ihrer Kurse einen entsprechenden Ausweis erhalten (und damit auch die Mensen nutzen können). Die Vermittlung an die Vermietung von S. Marta erfolgt über die Schulen. NICHT-Studierenden stehen Zimmer während der Monate Juli-August zur Verfügung. Meine Frage nach dem Preis wurde leider nicht beantwortet...






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