15. März 2014

19.3. Streik des ÖPNV

Dieser Plan ist der Ausdruck des PDFs unter dem Link 'Tagesfahrplan',
unten, der sich allerdings extrem langsam aufbaut.

Der 24-Stunden-Streik findet landesweit statt. Der Transport zu und von den Arbeitsplätzen morgens und nachmittags ist sichergestellt, ebenso die Anbindung der Inseln. TouristInnen sollten einen Fusswegetag einlegen und für die Fahrt zum Flughafen die Dienste von Alilaguna, Wassertaxis und Taxis (ab Piazzale Roma, auf Bestellung auch S. Basilio) in Anspruch nehmen. 

Tagsüber gibt es in größeren Abständen Verbindungen der Linie 2 von S. Zaccharia zu den Inseln S. Giorgio Maggiore und Giudecca (bis Zitelle) und zurück sowie von Zattere nach Palanca  und zurück. Zur Vermeidung unkalkulierbarer Warte-
zeiten sollte man sich trotzdem am Mittwoch auf seine Füsse verlassen.



Streikinformation ACTV
Tagesfahrplan am 24-Studen-Streiktag

Links zu aktuellen regulären Fahrplänen bis 31.3., zum 1. April werde ich die neuen Fahrpläne auf  den Blog stellen. 

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3. März 2014

Scuola di Sant' Orsola


Die ehemalige kleine Scuola di Sant' Orsola, die Vittore Carpaccio mit dem Bilderzyklus der Hl. Ursula (heute in der Accademia, Saal 21) ausstattete, wird in Kunstreiseführern als "nicht erhaltener Anbau an SS. Giovanni e Paolo" aufgeführt. Wenn überhaupt!

Im Oktober 2013 habe ich ein bisschen zu Carpaccio recherchiert, die Neugier führte von einem Buch zum näch-
sten, mehr Informationen werfen mehr Fragen auf, ich werde ungeplant schlauer und bekomme Antworten auf Fragen, die ich ursprünglich gar nicht stellte. Das Gebäude der Scuola di Sant' Orsola erweist sich für mich überraschend als erhalten.


Viele Gebäude in Venedig sind in über 1000 Jahren entstanden, haben sich verändert oder sind verschwunden. Aber vor allem sind viele Gebäude erhalten aus dieser langen Zeit, in unter-
schiedlichen Qualitäten und in über die Jahrhunderte wech-
selnden Verwendungen. Gerade im letzten Jahrhundert fand ja ein umfangreicher Wechsel in der Nutzung von großen Strukturen statt, der sich fortsetzt und verstärken wird. Paläste werden einerseits erhalten als Museen (z. B. Grimani) oder Ausstellungsräume (z. B. Corner della Regina), oder als Hotels überall in der Stadt, auch ehemalige Industrieanlagen (z. B. Molino Stucky), Inselklöster (z. B. S. Clemente),  aber andererseits eben ungeniert verkauft an italienische Konzerne, international vernetzt, denen der Sinn nicht nach Denkmal-
pflege, sondern Gewinn steht, siehe z. B. der Fondaco dei Tedeschi).


Da ist die Hütte, angebaut an SS. Giovanni e Paolo, zum Glück außen vor und nicht in Gefahr, ein Spekulationsobjekt zu wer-
den! Und obwohl nicht viel zu sehen ist, und sowieso nur von der Rückseite, denn die Vorderseite am Campo SS. Giovanni e Paolo hat mittlerweilde einen querstehenden Anbau, ist sie interessant füt einen Blogeintrag. 


Gegründet wurde diese "Bruderschaft zur Verehrung der Hl. Ursula" am 15.7.1300 und unter den Schutz der Heiligen Dominik, Petrus Märtyrer und Ursula gestellt. Ihr Zweck war weder die Vereinigung einer Berufsgruppe, noch die einer ethnischen Minderheit (Carpaccio gestaltete ja auch die Bruderschaftshäuser der Dalmatiner und der Albaner), noch die einer speziellen Caritas, sie diente einfach nur der nachbar-
schaftlich-sozialen und religiösen Zusammengehörigkeit. Die erste Mariegola, also das Statut der Bruderschaft, erlaubt die Mitgliedschaft von Bürgern und Adeligen, Männern und Frauen auf der Basis, dass es laut der Hl Schrift  "gut und freundlich ist zusammen zu leben und demütig in der Liebe Gottes". 



Zunächst nutzten die Mitglieder wohl SS. Giovanni e Paolo, die Kirche, die die Dominikaner neben ihrem bereits existierenden Kloster ab Mitte des 13. Jahrhunderts bauten (siehe erster Link oben). Nach sieben Jahren errichteten sie auf dem dama-
ligen Friedhof der Dominikaner, der von einer Kirchhofsmauer entlang der heutigen Salizzada SS. Giovanni e Paolo geschützt war, ihren Anbau an die Kirche, quasi als externe Fortsetzung der fünf Apsisräume, sozusagen Nummer sechs. 


Es gab "Pacht"vereinbarungen mit den Dominikanern, die häu-
figer zu Differenzen führten und z. T. das Eingreifen der Sig-
noria und der apostolischen Nuntiatur erforderlich machten, weshalb ab 1488 auch ein Kontingent von 10 Mönchen Mitglie-
der der Scuola werden durften. In diesem Jahr, die Scuola existierte immerhin schon fast 200 Jahre, erlaubte die Bruderschaftskasse eine Investition in die Verschönerung und Vittore Carpaccio erhielt den Auftrag, auf 9 Leinwänden Leben und Tod der Hl. Ursula darzustellen. 


Die erste Lieferung, "Die Ankunft in Köln", ist das erste signierte und datierte (1490) Werk Carpaccios überhaupt. 1490 war Carpaccio vielleicht noch relativ preiswert, allerdings keineswegs mehr jung oder unerfahren. Man kann auch nicht annehmen, dass die Brüder und Schwestern einen unbekann-
ten Künstler für die langfristige Dekoration ihrer Scuola auswählten. 

Der Auftrag Ursula war 1496 abgeschlossen. (Nicht alle 9 Bilder sind datiert, könnten also auch danach noch fertig gestellt worden sein, wie auch der Ursula-Zyklus nicht der einzige Auftrag war, an dem Carpaccio in diesem Zeitraum arbeitete.) 

100 Jahre später, 1592, erhielten die Brüder und Schwestern ein Geschenk aus Köln - zwei der (angeblich) 11.000 Jung-
frauen aus Ursulas Gefolge, die dort ermordet und seit (angeblich) 1000 Jahren bewahrt wurden, kamen als Reliquien-
stiftung, bzw. ihre Schädel. Ein solcher Schatz verstärkte mittelfristig den Verehrungs- und Pilgerverkehr, das Gebäude der Scuola sollte schon knapp 50 Jahre später restauriert und vergrößert werden. 


Rekonstruktion Scuola Sant't Orsola, Südseite, vor der Erweiterung


Die Scuola des 14. Jahrhundert war klein mit einer überdach-
ten Vorhalle, wie sie heute noch an S. Giacometto di Rialto zu sehen ist. Davon abgesehen, dass sie auf dem Kirchhof der Dominikaner lag, gab es in der Vorhalle und im kapellenartigen Raum der Scuola Grablegen bedeutender Mitglieder, vor allem der Familie Loredan, die über Jahrhunderte die Scuola förderte. 

An der äußeren Längsseite (Südseite) befestigt war zu dama-
liger Zeit auch der Sarkopharg, in dem Giovanni Bellini bestat-
tet war. (Der Sarkopharg gehörte ursprünglich der florentiner Familie Abbati, die das Medici-Wappen führte: sechs Bälle im Silberfeld. Die Abbati lebten im 14. Jahrhhundert in Venedig. Fra Giotto Abbati stiftete laut Sansovino die Kirche Sant' Antonio di Castello.) Bellinis Sarkopharg trug das Medici-Abbati-Wappen.     


Für die Baumaßnahme wurden die Carpaccio-Leinwände zwischen 1637 und 1647 ausgelagert, die Scuola verbreitert,  fünf Fenster eingelassen, eine Apsis für einen Altar angebaut, das Dach erhöht. Das ist das Ergebnis, aber genau genommen wurde das Originalgebäude völlig durch die neue Struktur ersetzt. 

Es gab verschiedene Bemühungen im 20. Jahrhundert (vor allem Molmenti/Ludwig) den Innenraum der Scuola zu diesem Zeitpunkt zu rekonsturieren. Sehr beeindruckt bin ich von den Ergebnisse der Universität Heidelberg.
Felix Thürlemann: Der Ursula-Zyklus von Vittore Carpaccio  (die weiteren Menüpunkte an der rechten Seite bitte nicht übersehen!
 
Weitere 100 Jahre später, 1752, wurden die Leinwände neu aufgezogen, restauriert und versiegelt und auf beiden Seiten der Apsis Türen eingebaut, um den Pilgerverkehr in dem kleinen Raum besser zu leiten. Man kann die vermauerten Rundbogen dieser Türen auf den Fotos sehen, die ich im Oktober 2013 gemacht habe. 
Knapp 50 Jahre später, 1797, folgte das Ende der Serenissima, weitere 10 Jahre später, am 16.5.1806, das Ende der Scuola di Sant' Orsola, im Rahmen der napoleonischen Säkularisierungen. Die Leinwände Carpaccios wurden von SS. Giovanni e Paolo aufbewahrt und 1812-1828 in die Accademia überführt, die Schäden wurden nach und nach repariert und die Bilder zum ersten Mal ausgestellt. 1921-23 erfolgte erneut eine Reinigung und endgültige Platzierung im Saal 21.

Heute ist von der ehemaligen Scuola di Sant' Orsola vor allem noch die Apsis zu sehen, weil rechts und links Kirche und Nachbarhaus angrenzen. Man hat den Eindruck eines ärmli-
chen aber bewohnten Hauses in renovierungsbedürftigem Zustand. Im Gegensatz zu der original erhaltenen Scuola degli Schiavoni (der Dalmatiner, Link siehe oben), ist dies keinesfalls ein Ort, der je wieder ein Carpacciowerk aufnehmen kann. Aber ein respektwürdiges Gebäude, das zu seiner Zeit seinen Anteil der venezianischen Kultur trug. 






28. Februar 2014

ÖPNV im Carnevale di Venezia 2014

Link zum Blgeintrag ÖPNV in Venedig  inkl.Bus- und Tramfahrplan Mestre-Venedig . Möglicherweise wird der Takt an den Karnevalstagen verdichtet, ich habe nichts darüber gefunden.

Sonderlinien Vaporetti während des Carnevals 27.2.-4.3.
Und hier nochmal.
Fahrpläne der Sonderlinien Geduld, der Aufbau der PDF-Datei dauert sehr lange.

Sonderzüge und Peoplemover an den Karnevalswochenenden

Es empfiehlt sich dringend vom Festland nach Venedig den ÖPNV zu benutzen. Am ersten Karnevalswochenende waren die Parkhäuser schon vormittags komplett belegt. 
Siehe Twitter vom Sonntagvormittag: 
23. Feb.

CARNEVALE: PIAZZALE ROMA CHIUSO AL TRAFFICO. GARAGE PIENI. VEICOLI DEVIATI AL TRONCHETTO E ZONA PORTUALE

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16. Februar 2014

Venedig Termine 2014 - Sport und Tradition

Marathonbrücke von der Dogana über den Canal Grande.
Samstag geöffnet für alle. Marathon 2013

Einträge "Sport in Venedig" mit Terminen der letzten Jahre und teilweise noch gültigen Links.
Noch sind nur die Termine der bekannten Veranstaltungen veröffentlicht. Aber das ändert sich hofentlich bald.

Veranstaltungen 2014


Jetzt fertig: der kommunale Plan 2014 der Regattensaison 2014 (nur zuschauen)

Hinweise zu einzelnen Regatten:
25.5. Regata di Sant'Erasmo
1.6. Regate della Sensa16.45 regata dei giovani under 25 anni su pupparini a 2 remi
17.00 regata delle donne su mascarete a 2 remi
17.45 regata su gondole a 4 remi
Percorso delle regate: Bacino di San Marco - Riviera San Nicolò al Lido, dove a seguire si svolgeranno le premiazioni
29.06. Regata SS. Giovanni e Paolo
6.7. Regata di Murano
13.7.  Regata di Malamocco
3.8. Regata di Pellestrina
7.9. Regata Storica
21.9. Regata di Burano



Sommerprogramm der Kayaktouren von Venice Kayak (mitmachen) 

bis 04.03 Eislauf auf dem Campo S. Polo  (zuschauen und mitmachen)
  
09.03. 11:00 Uhr, Canal Grande an der Salute, XVI Frauenregatta auf Caorline anlässlich des Internationalen Frauentags, veranstaltet von den Ruderclubs Canottieri Giusdecca und Canottieri Bucintoro (nur zuschauen)


30.03. Volkslauf Su e zo per i ponti (die Brücken rauf und runter, für Erwachsene und Kinder, zuschauen und mitmachen) Running in Central Europe

25.04. Geländelauf auf der Insel Certosa für Erwachsene und Kinder (zuschauen und mitmachen)

25.-27.4. Arsenale Aperto - Offene Türen im Arsenale, auch mit sportlichen Angeboten

25.-30.05. Special Olympics in Venedig Ausführlichere Information, aber älter, es fehlen viele Ortsangaben. Facebook-Seite der Special Olympics.

31.05./01.06. Regatten anlässlich der Festa della Sensa (nur zuschauen) 

Mai 2014 - Information für Radler: auf Pellestrina wurde ein durchgängiger Radweg auf der Lagunenseite eröffnet.

Circolo Golf Venezia (Lido-Alberoni)
02.06. Open Day Golf Cup

08.06. Volksrudern Vogalonga (zuschauen und mitmachen). Beste Informationen auf vogalonga.eu

07.09. Regata Storica (nur zuschauen) 

20./21.09. Nordic Walk in Venice 2014 (zuschauen und mitmachen), Anmeldung erforderlich.

18.10. Regatta von 6 Maxi-Yachten (was immer das konkret heißt) vom Canale della Giudecca durch das Bacino di S. Marco zur Insel La Grazia. Wettbewerb der großen Sterne-Hotels Venedigs. (Nur zuschauen)

26.10. Venice Marathon (zuschauen und mitmachen) Runner's World

Alle Kirchweihfeste in Venedig und auf den Inseln werden auch mit kleineren oder größeren Regatten gefeiert. Termine siehe unter dem Eintrag Kultur und Tradition  .

Programm 2014  des Rudervereins Canottieri Cannaregio (nur zuschauen)
Blog des Rudervereins Remieracasteo mit Terminen 2014 (nur zuschauen)


Unterricht 2014

Frühjahrsprogramm für Segelkurse und Patente auf der Insel Certosa
Hochschulsport Universität Ca' Foscari

Venice Kayak Exkursionsangebote
Siehe auch "Im Kajak durch die Kanäle"  


Einträge werden ergänzt.


  Venice Marathon 2013 bei Spirito Santo, Canale della Giudecca

 

9. Februar 2014

Bessarions Staurothek in der Accademia



Die Accademia ohne Baukräne wirkt, nach so vielen Jahren der Restaurierung, ein bisschen nackt und lockt sicher viele, die noch nie oder schon lange nicht mehr drin waren. Sie ist ein Museum, das (trotz der neuen noch leeren Räume) manche/n überforderdert aber jede/n BesucherIn überwältigt  mit seiner Masse herausragender venezianischer Kunstwerke. Wer wankend den letzten Raum des Rundgangs erreicht, wird endgültig niedergestreckt von der absolut wunderbaren "Darstellung der Jungfrau im Tempel" Tizians, hier seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an ihrem Originalplatz.



Nach diesem letzten Eindruck strebt man ins Treppenhaus und übersieht eine venezianische Kostbarkeit ersten Ranges, auf die ich hinweisen will, denn ich hatte das große Glück, sie zwei Tage lang detailliert kennenzulernen.
Ohne dass ich bei meiner Planung schon davon wußte, fand während meines Oktoberaufenthalts 2013 in Venedig eine Studienveranstaltung statt, die mein Rahmenthema, die Verbindungen der Serenissima mit Byzanz und ihren Kolonien im östlichen Mittelmeehr, ganz wunderbar traf. Die Staurothek des Bessarion war im Labor in Florenz über zwei Jahre lang wissenschaftlich untersucht worden und die Ergebnisse wurden von den Beteiligten sowie internationalen Fachwissen-
schaftlerInnen vorgestellt. 



Eine Staurothek (griechisch: σταυρος = Kreuz, θηκη = Behälter) ist ein Behältnis für eine Kreuzreliquie. Hier in der Accademia finden sich einige Darstellungen von Vittore Carpaccio und Gentile Bellini zu einer berühmten Kreuzreliquie, die der Scuola grande di S. Giovanni Evangelista, die die Scuola im 14. Jahrhundert erhielt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Staurothek hier in der Nische gegenüber Tizians "Jungfrau" im Herbergsraum der ehemaligen Scuola grande della Carità wurde eben dieser Bruderschaft, die als erste venezianische Scuola 1268 gegründet und als erste als "scuola grande" bezeichnet wurde, geschenkt, im 15. Jahrhundert, genau 1463.

Und zwar von Basilius Bessarion, 1408-1472, griechischer Humanist und Philosoph, maßgeblich beteiligt an den Bemühungen des Konzils von Florenz 1439 um die Überwindung der Trennung der orthodoxen und lateinischen christlichen Kirchen. Leider erfolglos, womit auch die Rettung des byznantischen Kaiserreiches ausfiel und Konstantinopel 1453 endgültig von den Osmanen erorbert wurde. Papst Eugen IV ernannte ihn beeindruckt von seinem Einsatz zum lateinischen Kardinal, was seinen Ruf als Bischof der orthodoxen Kirche ruinierte, aber die Basis seiner Karriere als Kirchenmann, Wissenschaftler und Philosoph in Rom wurde. Zweimal wurde er NICHT zum Papst gewählt wegen seiner NICHT lateinischen Vorgeschichte, aber die Serenissima nahm ihn ehrenhalber in den Adel auf.
Er förderte in der Drucker- und Verlegerstadt Venedig die Veröffentlichung der Werke klassischer griechischer Philoso-
phen und damit die Bildung des gesamten Abendlandes. Er vermachte Venedig seine riesige Sammlung (annähernd 1000 Werke) griechischer und lateinischer Handschriften, Drucke und Dokumente, die Basis der 1468 gegründeten Biblioteca Marciana, die einzige heute noch an der Piazzetta existierende Institution der Serenissima Repubblica. 


Weitere Links zu Basilio Bessarione:
http://surprisedbytime.blogspot.de/2010/01/bessarions-nazi.html
http://nauplion.net/CP-BESSARION-portraits.html
http://idlespeculations-terryprest.blogspot.de/2006/11/cardinal-bessarion.html

Und der Scuola della Carità schenkte er diese byzantinische Staurothek, die ihm selbst, wie die Gravuren auf dem Kreuz der Staurothek ergaben, ursprünglich geschenkt wurde von der Nichte des Kaisers, Eirini Palaiologina. Nach Jahrhunderten der Verehrung wurde die Stavrothek, aus religiöser Sicht sicher der kostbarste Besitz der Scuola, mit dem Ende der Serenissima Opfer der allgemeinen Verramschung und landete in der Hofburg in Wien. Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts zurück gegeben und 2010 nach 250 Jahren zum ersten Mal wieder geöffnet. Die WissenschaftlerInnen wussten nicht, in welchem Zustand sie das Kunstwerk vorfinden würden.


Widmungstext an den Seiten des Kreuzes in der Stavrothek

Die Ergebnisse wurden an den beiden Studientagen in einem beeindruckenden Programm in allen Aspekten ihrer Unter-
suchungen dargestellt, von WissenschaftlerInnen, die selbst an der Arbeit beteiligt waren und KunsthistorikerInnen und ByzantinistInnen, die begleitende und weiterführende Forschungen präsentierten.


Das Exponat, nach der Restaurierung eine glitzernde Pracht, zeigt sich in seiner kleinen Vitrine rechts neben der Treppe, die in den Raum 24 hinunter führt, in sozusagen drei Teilen:
  • die geöffnete Vorderseite mit emaillierten Darstellungen aus der Passion Christi (zu lesen von links oben nach unten, dann rechts oben nach unten, dann unten quer die Darstellung der Grablegung), zwei Erzengeln, dem Kreuz in der Mitte (herausnehmbar, an der Oberseite mit feinstem Goldfiligran verziert (klicken auf den Flyer oben links) und an den Seiten mit der Stiftungsgravur der Palaiologina versehen), und vier Kristallfenstern. Die beiden oberen enthalten kurze Stäbchen vom Holz des "wahren Kreuzes", die beiden unteren dunkelblaue Stücke aus grob gewebtem Stoff, dem 'Kleid von Jesus Christus'.
  • Zu sehen über einen Spiegel ist die Rückseite der Staurothek mit der darauf befestigten Widmung des Kardinals Bessarion an die Scuola della Carità.
  • Rechts daneben der Deckel mit der Kreuzigungsdar-
    stellung , den man mithilfe von Schienen rechts und links über die Reliquien schieben und damit die Staurothek verschließen kann.
     
Erläuterungen dazu finden sich auch neben der Vitrine.


Deckel und gespiegelte Rückseite der Stavrothek (schwer zu fotografieren wegen der Reflektion des Spotlights)


Das Deutsche Studienzentrum in Venedig, das, auch über die Professoren Peter Schreiner und Holger Klein maß-
geblich an den Studientagen zu Bessarions Stavrothek beteiligt war, hat eine Vormittagssitzung der Vorträge ins Internet gestellt. Sie fand statt im Palazzo Franchetti (an der Accademiabrücke), der für Filmaufnahmen von Veranstaltungen ausgerüstet ist. Die drei weiteren Vorlesungen/Diskussionen in der Accademia und dem Istituto Ellenico wurden leider nicht aufgenommen.


http://youtu.be/a8YWVZmzTq8
Beiträge von Antonio Rigo (Universität Ca' Foscari Venedig, Gianfranco Fiaccadori (Universität Mailand), Bissera Pentcheva (Universität Stanford)
http://youtu.be/GUmwqD6kfb0
Beiträge von Anna Pizzati, Valeria Poletto (Gallerie dell'Accademia), Marco Collareta (Universität Pisa)
http://youtu.be/EOz1ThbBIMs
Caroline Campbell  (National Gallery London), Ebe Antetomaso (Accademia Nazionale dei Lincei, Rom)
http://youtu.be/OpZS3ATiDxg  Abschlussdiskussion




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5. Februar 2014

Sterne der Lagune - auch 2014 wieder

Nach Tagen mit Hochwasser auf der Piazza und kommenden Tagen, an denen sie mit Narren verstopft sein wird gibt es schnell eine Runde Sternegucken zwischendurch. Was für eine schöne Idee mitten im Winter.


Am kommenden Samstag, 8. Februar um 19:00 Uhr, bei Fragen Tel. 041-2748274 und die Websiteadressen, die auf dem Plakat zu sehen sind. 

Wie immer bei "Stelle in Laguna" stehen ExpertInnen für Erklärungen und Teleskope zum Gucken zur Verfügung. Und wie immer gehört zur Ankündigung, dass die Veranstaltung bei schlechtem Wetter ausfällt.
Ich drücke die Daumen.


Ergänzung 6.3.:
Nächster Termin 8.3., 19:30, gleicher Ort, bei gutem Wetter.
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26. Januar 2014

4 Wochen auf San Giorgio Maggiore

Von links: Darsena Verde, Hallenschwimmbad, Campus Vittore Brana, darunter das Borges-Labyrinth, Ex-Dormitorium jetzt Manica Lunga, Zypressenkreuzgang, außen rechts ein Teil des palladianischen Cenacolo
Den Monat Oktober 2013 verbrachte ich auf der Insel S.Giorgio Maggiore. In Sichtweite des Massengewimmels vor dem Dogenpalast läuft hier wie auf manchen anderen Laguneninseln ein ganz anderes Programm.

Vorne die großartige Palladio-Kirche, entlang der Marina temporär funktionierende Ausstellungsräume und dazwischen eine Terassenbar kennen viele VenedigbesucherInnen. Dahinter und abgesperrt, zu sehen nur beim Blick vom Campanile S. Giorgio und den Wochenendführungen durch den Gebäudekomplex steht eines der ältesten Klöster Venedigs, in dem nach über 1000jähriger Geschichte immer noch eine Gemeinschaft von Benediktinern lebt, betet und arbeitet, dessen Räume aber zum größten Teil die Bibliotheken, Archive und Verwaltung der Fondazione Cini beherbergen. 

Park auf S. Giorgio M.
Diese Stiftung schreibt im Rahmen ihres Vittore Branca Zentrums für das Studium der italienischen Kultur jährlich mehrere 3monatige Post Doc- und 6monatige Promotions-stipendien aus (Bewerbungsschluss jeweils Ende Januar), darüber hinaus können sich freie ('independent') WissenschaftlerInnen jederzeit um ein Aufenthaltsstipendium bewerben. Das geht unkompliziert per Formular, Lebenslauf, Beschreibung des jeweiligen Arbeitsthemas-Studienprojekts-Veröffentlichungsprojekts; Dauer und Zeitpunkt des geplanten Arbeitsaufenthalts darf man sich wünschen. 

Zypressenkreuzgang im Nebel
Bewerbungen der 'Freien' werden in 4-6 Wochen begutachtet und beantwortet. Der Aufenthalt ist nicht kostenlos, orientiert sich aber zum Teil auch an den Mitteln des/der Bewerbers/in und liegt unter dem Preis eines einfachsten Hotelzimmers in Venedigs. Die Zimmer in Centro Branca sind klein aber funktional-komfortabel mit Bad und Küchenecke (Mikrowelle, Induktionsplatte etc.), die Gebäude sind klimatisiert (gut im Sommer) mit Fußbodenheizung (gut im Winter) und so struk-
turiert, dass (die von mir befürchtete nervige) Wohnheim-
atmosphäre weitgehend verhindert wird.


Ich glaube, so zentral in Venedig gibt es keinen ruhigeren Ort als S. Giorgio M.
Der Park im südlichen Teil der Insel ist überraschend groß, in seiner jetzigen Form erst in den 1950er Jahren angelegt, mit breiten Wegen, es geht aber auch quer durch, gepflegt und beschnitten, aber auch mit Unterholz, diversen alten Nadel- und Blattgehölzen, Gras und Wildblumen und einer überraschenden Vielfalt und Menge von Pilzen im nassen Oktober 2013.

Der Park ist praktisch immer leer, man kann sich ungeniert allen Arten von Herumhopserei, Uferrundlauf oder lautem Gesang hingeben sowie der Kontemplation auf Bänken oder Ufermäuerchen, Meditation mit Blick auf die Lagune und die umliegenden Inseln S. Servolo, S. Lazzaro, La Grazia, S. Clemente und den Canale Orfano, in dem zu Zeiten der Serenissima Urteile zum Tod durch Ertränken vollstreckt wurden.

Ausstellung in der Piscina (Rolex Arts Weekend)

Das Teatro Verde und die Piscina (ein großes Hallenbad mit Sprungturm und allem Zip und Zap) die die Fondazione Cini in den 50er Jahren bauen ließ, werden leider nicht mehr genutzt. Ersteres nur für 1-2 Konzerte pro Jahr, wenn überhaupt, letzteres trockengelegt, einmal während meines Aufenthalts für eine Architekturausstellung im Pool, in den man über eine Leitertreppe kletterte. Schade, aber wohl gewollt.
 
Herbstmorgen an der Südspitze von S. Giorgio M.

Die kleine, an das Schwimmbadgebäude anschließende Marina "Darsena Verde" dient einem anliegenden Segelclub mit eigenem Gebäude für Segelfreizeiten, u.a. Segelunterricht für kleine Kinder in winzigen Booten. Sehr putzig, wenn 5 Segelchen hinter einem Motorboot herjuckeln, in dem der Lehrer mit dem Megaphon quakt. 

Die 'Nicht-Residenti' auf der Insel kennt man schnell, die Bibliothekare, die Rezeptionisten, die Gärtner, die Haus-
techniker, die Verwaltungsbürofrauen die sich um das Centro Branca und das Eventmanagement kümmern, den Campus-
master, die Zimmerfrau, die Nachtwächter kommen täglich auf die Insel. Man grüßt sich freundlich, und trifft man sich zufällig in der Stadt, grüßt man auch freundlich. Inselgemeinschaft, wenn auch nur vorübergehend. 

Mönche sieht man selten, von weitem in ihrem Gemüsegarten oder in der Kirche, hinter dem Altar in ihrem Chorgestühl.

Branca-Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit im morgendlichen Kreuzfahrtverkehr

Die "Residenti" wechseln häufig und sind völlig mit ihren Projekten beschäftigt. Man sieht sich allenfalls beim offiziellen 'Spritz' zu dem die Stiftung donnerstags nach Bibliotheks-
schluss einlädt, damit man sich gegenseitig vorstellen kann, ansonsten per Zufall in der Bibliothek (schweigend), im Gym (schweigend), am Waschautomaten oder auf dem Nacht-
vaporetto bei der Heimfahrt, wenn nur 5 Fahrgäste an Bord sind. Ansonsten ist Initiative gefragt, will man die hochinteressanten MitbewohnerInnen und ihre Arbeit näher kennenlernen.


Eines der Nebengebäude für Veranstaltungen

Ich war morgens als Erste allein auf dem Campanile um den Morgennebel steigen zu sehen, ich war abends die Letzte allein im stockdunklen Kirchenschiff von S. Giorgio, ein einzelner Lichtkreis beleuchtete die Stufen zum Altarraum, aus der dunklen Apsis klang die Komplet der Mönche wie jenseits von Zeit und Raum. (Kleine Panik: man sieht mich nicht, komme ich raus bevor die die Tür geschlossen wird?!) 

Vor meinem Zimmerfenster durchquerten im Morgengrauen täglich 3-5 Riesenkreuzfahrtschiffe das Bacino, in der Abenddämmerung bzw. schon im Dunkeln (Ende Oktober!) fuhren sie in die andere Richtung wieder aus. Die Autofähren vom und zum Lido ziehen in dichtem Takt vorbei, die großen Personenfähren von S. Zaccaria nach Punta Sabbioni tuten bei der Ein- und Ausfahrt, dagegen hilft keine Doppelver-
glasung.


Vor meinem Zimmerfenster
Man legt weite Wege auf 2 Etagen zurück auf Fluren, Treppen, durch Verbindungsräume, Kreuzgänge; spannend immer wieder die unterschiedlichen Ausblicke aus den Fenstern des Klosterkomplexes. Morgens hängt der Nebel in den beiden Kreuzgängen, manchmal so dicht, dass der Campanile darin verschwindet. Bei warmem Wetter steht nachmittags beim Verlassen der Bibliothek der Duft der Zypressen wie ein Körper im hinteren Kreuzgang. Überall in den Außenbereichen rieselt es von den Wänden, jeden Morgen gibt es neue kleine Sand- und Putzhäufchen im Winkel zwischen Wänden und Boden, die in den Kreuzgängen aufgefegt werden. Wie lange dauert es, bis so ein Mauerwerk zerrieselt ist?

Unten: Teil des Daches der Manica Lunga, darüber der Gemüsegarten der Mönche, die Terassenbar, Ausstellungsräume der Cini-Stiftung, oben rechts Darsena Verde
Einen beträchtlichen Teil meiner Tage verbrachte ich in den Bibliotheken, eine Freude, die ich nicht angemessen beschreiben kann. Der außergewöhnliche Raum der Manica Lunga mit seinen hohen Regalen, dem Gewölbe darüber mit den alten Dormitoriumslampen, die lange Reihe von Arbeits-
tischen (von denen immer nur wenige besetzt sind), die kleinere Struktur der ehemaligen Mönchszellen, die warme Athmosphäre des Holzes, dessen Duft mittlerweile leider verflogen ist, das Klima der Fußbodenheizung unter dem neuen Parkett. (Und die Vorstellung der alten Steinplatten, die unter dem Parkett erhalten sind: im Sommer morgens frisch und kühl, im Winter das eiskalte Grausen unter nackten Fuß-
sohlen...! Hatten die Mönche Winterteppiche oder gingen sie mit Socken zu Bett?)

Longhena Bibliothek 2007, vor dem Umbau des Dormitoriums

In der Longhena-Bibliothek, die immer im Kino auftaucht, wenn eine Barock-Bibliothek gebraucht wird, deren geschnitzte Regale während der französischen Besatzung 1797 ausgela-
gert und gerettet wurden, gibt es kein Parkett, sondern die typischen rot-weißen Steinquadrate und keine Heizung. Der Raum ist still und kühl und enthält in seinen vergitterten Wandschränken die Bücher zur Geschichte Venedigs. Mir stockt immer der Atem, wenn ich den Raum betrete, immer allein, die quietschenden Gittertüren öffne, die gesuchten Büchr hole und an ihrer Stelle die Entnahmezettel hinterlasse. Mein Bücherstapel an meinem Arbeitsplatz in der Manica Lunga hält mich ohne Mittagessen fest bis um 16:30 einer der Bibliothekare Feierabend bimmelt, manchmal gibt es 2 Stunden Sonderverlängerung für Branca-StipendiatInnen. Selten ziehen Besuchergruppen mit dozierendem/r Guide durch die Manica Lunga, oben rein, an den Regalen entlang bis ganz unten zum Triforen-Fenster am Bacino, wieder rauf, das sind insgesamt 250 m.


Ganz hinten rechts - Treppenaufgang zu den Bibliotheken

Die 'Residenti" sind jeweils eingeladen zu öffentlichen Veranstaltungen der Fondazione Cini, Lesungen, Konzerten, anderen Aufführungen in den vielen Veranstaltungsräumen der Insel, immer wieder Räumen, die man noch nicht kennt. Es gibt auch geschlossene Veranstaltungen wie Konferenzen, Kongresse, Privatfeiern, die man aber z. B. auf dem Weg zur Bibliothek durchquert mit der Cini-Chipkarte um den Hals.
Im Oktober fanden eine ganze Reihe solcher Veranstaltungen statt (weshalb dann die Wochenendführungen auf der Insel abgesagt werden), z. B. einen internationalen Kardiologen-
kongress mit ca. 400 Teilnehmern, der mir die Erkenntnis bescherte, dass der Kardiologe tatsächlich männlich ist. Viel männlicher jedenfalls als die Bundeswehr, vermutlich auch männlicher als der Vatikan, der ja eine Menge Nonnen beschäftigt. Ich habe vielleicht ein Dutzend weiblicher Kongressteilnehmerinnen gesehen, junge gut aussehende. (Studieren Frauen erst seit kurzem Kardiologie? Sie müssen vermutlich nicht nur sehr gut sein, sondern auch noch weibliche Qualitäten wie Schönheit explizit vorweisen, um in der Männerdomäne erfolgreich zu sein?) Alte oder durchschnittlich aussehende Frauen jedenfalls waren nicht dabei. 


Am allerletzten Tag zufällig entdeckt: Führung durchs Kloster.
Anfragen an der Kasse zum Campanile-Fahrstuhl. Beim nächsten Mal.
Zur 2tägigen geschlossenen Veranstaltung Rolex Arts Weekend, das im Rahmen eines MentorInnenprogramms für junge KünstlerInnen jährlich stattfindet, wurden auch die 'Residenti' eingeladen. Ich gehöre nicht zur Rolex-Zielgruppe und hatte nie davon gehört. Eigentlich handelt es sich dabei um ein hochklassiges Marketingevent, zu dem 500 interna-
tionale Kunstmenschen und MultiplikatorInnen kostenlos von Rolex nach Venedig eingeflogen, 3 Tage lang in **** und ***** - Hotels untergebracht wurden, unterhalten mit Arts Weekend und geschlossener Aufführung im Fenice. Für mich war das Programm eine sehr spannende Erfahrung mit der Arbeit junger KünstlerInnen und paralleler theoretischer und philosophischer Auseinandersetzung mit Kunst und künstlerischem Ausdruck auf hohem und dichtem Niveau. Und, zusätzlich, interessanter Begegnungen, z. B. als ich mich beim abschließenden Essen mit meinen Begleitern, 2 jungen Doktoranden von Cambridge und Princeton, an einem Tisch mit 3 bekannten KuratorInnen aus Seoul, Mexico City und New York City fand. Eine Zufallsgruppierung, eine sehr animierte Tischgesellschaft, ein wunderbares Menu von Meeresfrüchten...


Rolex Arts Weekend, Theaterarbeit des Warschauer Ensembles mit Blick auf das Hotel Cipriani

Es war vor allem ein Höhepunkt meines Aufenthaltes auf S. Giorgio M., weil das Essen im PALLADIANISCHEN Cenacolo (normalerweise in Klöstern Refektorium genannt) stattfand, wovon weder meine Kollegen noch ich je zu träumen gewagt hätten. (Die Jungs fotografierten sich gegenseitig, als Beweis für die Eltern.) Das Cenacolo steht zwar immer offen, mit neuem Parkett, Wandtäfelung und vor 7 Jahren wieder gekrönt mit der "Hochzeit zu Kana" von Veronese, dessen Original im Louvre hängt und dank Computertechnik originalgetreu reproduziert wurde. Reingehen und ansehen, ja - aber darin essen?!  Und es stellte sich heraus, dass das alte klösterliche Schweigen bei den Mahlzeiten, begleitet nur von Lesungen, seinen Sinn hatte: nachdem die Konversation an den Tischen in Schwung war, stieg der Geräuschpegel derart, daß man sich mit den TischgenossInnen nur noch rufend verständigen konnte. Es herrschte einfach ein Wahnsinnslärm bei diesem Essen.



Das Cenacolo liegt erhöht, man betritt es über eine schöne breite Treppe zwischen zwei Marmorwaschbecken, und als BewohnerIn der Insel weiß man, dass es draußen hinter der Wand mit dem Veronese eine ebenerdige Tür gibt: sie führt in die niedrige ehemalige Klosterküche unter dem Cenacolo. Die dürfte auch hier die früher übliche Wärmequelle für den Speisesaal gewesen sein, Fußbodenheizung sozusagen. Heute darf diese Küche aus Brandschutzgründen nicht mehr genutzt werden, sie dient aber noch als Anrichteküche. 
Bei allen Veranstaltungen mit Kocherei reisen nicht nur die passenden Tische, Stühle, Geschirr, Dekoration etc. per Boot an, sondern auch das Cateringteam durch das Wassertor an der Südwestseite der Insel, das nur ein paar Meter vom Cenacolo entfernt liegt. Es wird ein großes Zelt rechts des Speisesaalhauses aufgebaut, darin 10-15 große Gasflaschen und Klapptische für mobile Herde. Dort wird das Essen brandsicher frisch zubereitet, die Töpfe in die Anrichteküche gebracht und von dort über eine schmale Treppe unterhalb des Veronese, verdeckt durch einen Holzpanelwand, in den Speisesaal.

So geht das also. Und ich - wer bin ich! - durfte in Palladios Speisesaal essen. Einmal im Leben.

Zu Tisch im palladianischen Speisesaal


Siehe auch Archiv Blogeinträge Oktober 2013, enthält das eine oder andere zum Thema S. Giorgio M.