5. April 2010

Palazzo Fortuny


Blick vom Dachboden des Palazzo Fortuny auf San Luca

Mein erster venezianischer Palazzo war vor vielen Jahren der Palazzo Fortuny, per Zufall und eine heftige Enttäuschung. Wie jemand freiwillig in diesem extrem düsteren und melancholischen Verlies wohnen und arbeiten mochte, konnte ich nicht nachvollziehen.

Nachdem ich mittlerweile viele Palazzi von innen gesehen habe, habe ich im September 2009 meine Erinnerung überprüft und meinen ersten Eindruck revidiert. Zu besichtigen waren damals nur Parterre und erste Etage, als Ausstellungsräume der Hinterlassenschaft des spanischen Künstlers Mariano Fortuny. Ein Werk, das verwirrend vielseitig im intimen Halbdunkel seiner privaten Räume präsentiert, herausfordern und irritieren kann.

Blick vom 2. Piano Nobile auf den Canal Grande

(Im Laufe der Jahre gab es eine Sammlung von Fortuny in meiner Stadt Bonn zu sehen, in der vertrauten Bundes-
kunsthalle, als Teil der hier schon mehrfach erwähnten Ausstellung
"Venezia!". Man konnte sich auf die Exponate konzentrieren, was als Zwischenschritt hilfreich war.)


(Foto: Ausschnitt aus der Website der Bundeskunsthalle Bonn, "Venezia")


Mariano Fortuny
Djellaba

1933
Venedig, Museo Fortuny,
Foto Claudio Franzini.

Gewand aus strukturiertem Seidensamt,

mit orientalisierenden Motiven aus dem 17. Jahrhundert
bedruckt. Ähnliche Gewänder verkaufte Fortuny in
eigenen Läden in Venedig, Paris und London.





Seit meinem ersten Besuch wurden die oberen Etagen des Palazzo Fortuny restauriert. Zu meiner Überraschung scheint es nur kleine "Hintertreppen" im Haus zu geben, keines der üblichen aufwändigen Treppenhäuser zumindest zwischen Wassergeschoß und dem 1. und 2. Piano nobile. Aber dafür hat man von den Treppen wunderschöne Ausblicke auf die Dächer und Schornsteine der Nachbarschaft.


Blick vom 2. Piano nobile

Die Ausstellung im letzten Herbst, "In-Finitum", hat mich trotz der enormen Konkurrenz der Biennale begeistert. Die Ausstellung breitete sich auf allen vier Etagen des Hauses aus.
Das völlig fensterlose Parterre wirkte wie ein Burgkeller.
Die Fortuny-Hinterlassenschaft
in den dunklen Wohnräumen der 1. Etage gemeinsam mit den Werken von "In-Finitum" ergab ein erstaunliches Zusammenspiel, angenehm überraschend waren die vielen komfortablen Sitzgelegenheiten, Sofas und orientalischen Matratzen entlang der Wände. Man konnte sich überall niederlassen und aus den unterschiedlichsten Positionen die Ausstellung auf sich wirken lassen.

Dachboden Palazzo Fortuny

Und dann! wurde es licht im 2. Piano nobile und auf dem völlig unerwartet ausgebauten Dachboden. Mein erster venezianischer Dachboden! Mit einem wunderbaren Blick zum Canal Grande, zum Fenice hinüber, zu vielen Altanen und Kirchtürmen. Die Ausstellung hatte hier Raum und Sonne - konnte man in den unteren Etagen in Dunkelheit meditieren, konnte man hier oben ausatmen.

Nach dieser Erfahrung werde ich künftig das Museum Fortuny mit möglichst jeder neuen Ausstellung wieder besuchen und mich überraschen lassen.
Das Museum war über den Winter (zu weiteren Renovierungen?) geschlossen und hat erst vor einigen Tagen wieder eröffnet.




Blick vom Dachboden auf das Bühnenhaus des Fenice








Aktuelle Ausstellungen bis zum Sommer sind:

Im Parterre Ausstellung France
sco Candeloro "Città delle Città" (Video anklicken!)
1. Etage
"Fortuny. La Seta e il Velluto" (Die Seide und der Samt)
2. Etage
"Samurai"

(Die verlinkten Texte erscheinen auf italienisch. Bitte auf der Site links oben auf "english" klicken, dann auf der rechten Spalte ins Menü "Spring in Palazzo Fortuny". Hier sind alle Texte auf englisch zu finden.)


Leider ist auf der Website keine Rede vom Dachgeschoss, ich hoffe, es wird wieder bespielt. Im Herbst war auch der Museumsshop hier oben untergebracht, der laut Plan jetzt wieder tiefer zu liegen scheint.
Ich werde mich überraschen lassen.

Vaporetto 1, 82, S. Angelo, Gasse geradeaus-links-rechts-links-weiter bis zum Campo S. Beneto, ca. 5 Min. zu Fuss.



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Kommentare:

emilia hat gesagt…

Buongirno Brigitte,
posso prendere 2 delle tue foto di palazzo Fortuny e pubblicarle da me?

Brigitte Eckert hat gesagt…

Si, certo.
Buona giornata emilia.

Andreas Goetz hat gesagt…

die drei links zu den Ausstellungen funktionieren bei mir nicht "non trovato".

Gruss aus der Serenissima, Andreas

P.S. unglaublich, wie viel Material du praesentierst, danke!

Brigitte hat gesagt…

Hallo Andreas,

danke für den Hinweis. Bei älteren Einträgen passiert es leider immer wieder, dass Links ungültig werden, weil sie von der ursprünglichen Seite entfernt wurden oder weil z. B. ein ganzer Internetauftritt relauncht wird (beim meinem Fortuny-Eintrag zu sehen: Bundeskunsthalle Bonn hat mittlerweile eine ganz neue Website, der Bericht über die wunderbare Venedig-Ausstellung ist für immer weg).
Schöne Grüße nach Venedig!