15. Januar 2017

Erster Blick zur Biennale 2017 - ARSENALE

Alle Fotos dieses Eintrags: Biennaleausstellungen
im Arsenale 2011/2013

Die Ausstellungen auf dem Biennalegelände der Giardini sind gut zu überblicken: nationale Präsentationen in den nationalen Pavillons (die auch beeindruckende Beispiele nationaler Selbstdarstellungsarchitektur des 20. JH sind) und die internationale Präsentation der jeweiligen künstlerischen Biennaleleitung (2017 Christine Macel "Viva Arte Viva") im Zentralgebäude. Im Zentralgebäude befinden sich außerdem die Bibliothek und das Archiv der Biennale, der Buchladen, Unterrichtsräume für Gruppen und ggfs. ein Forum.

Im Arsenale allerdings laufen die Dinge etwas durcheinander. Die Corderie, auch Tana genannt, also die laaange ehemalige Reeperbahn des Arsenale, zeigt großenteils weitere Werke und Künstler*innen, die von der Biennaleleitung zur Teilnahme ausgewählt und eingeladen wurden. Aber AUCH nationale Ausstellungen. Weitere Gebäude wurden seit einer Dekade renoviert und für Ausstellungszwecke hergerichtet (Sale d'armi, Artiglierie, Isolotto etc.). Hier finden immer mehr Nationenausstellungen einen Platz, der auf dem offiziellen Biennalegelände natürlich zentraler und günstiger ist als ein in der Stadt angemietetes Gebäude. 
Ein Theater wurde eingerichtet. Der Garten der Vergini wurde 2009 Teil des Biennalegeländes. Auch das gegenüberliegende Ufer des Arsenale novissimo steht mit den riesigen Tese (Hallen) und dem renovierten Turm an der Porta Nuova für Ausstellungen von Nationen wie auch 'eventi collaterali', Nebenveranstaltungen, zur Verfügung. Wer nur gelegentlich die Biennale in Venedig besucht, hatte in den letzten Jahren oft Gelegenheit, sich über die Ausbreitung der Kunst im Arsenale zu wundern. 



Wer also nach dem Besuch der Giardini, wo auf jedem Haus draufsteht wer oder was drin ist, im Arsenale aufschlägt, hat die erfreuliche Wahl: einen Zug durch die Ausstellungen machen, Eindrücke sammeln, sich beeindrucken lassen. Oder mit dem Katalog in der Hand, oder zumindest dem kostenlosen Faltblatt, nachprüfen und sich vergewissern, was hier zu sehen und zu erfahren ist. Oder sich auf eine Mischung von beidem einstellen.
In diesem Eintrag ist die Rede von den nationalen Ausstellungen von
Tuvalu
Chile
Albanien
Singapore
Neuseeland
Georgien
Türkei
Slovenien
Italien
Südafrika
Malta
Lettland
Estland

Philippinen
Vereinigte Arabische Emirate
Argentinien
Pavillon IILa (Istituto Italo-Latino Americano
Irland
Kroatien
Kosovo
Heiliger Stuhl
VR China
Mexico
Indonesien




Tuvalu stellt zum 3. Mal aus und zwar zum 3. Mal den gleichen Künstler Vincent J. F. Huang (siehe Eintrag 2013 - 6. Absatz und 2015 - 12. Absatz). Darüberhinaus vertrat Huang die Insel Tuvalu auf dem UNO Klimagipfel 2012. Das Projekt dieses Jahres nennt er "The Global Interactive Program", natürlich geht es um den Klimawandel, von dessen Folgen Tuvalu wie auch Venedig in vorderster Front betroffen ist. Mangels weiterer Informationen ist mir das Konzept etwas rätselhaft ("online- und offline-Projekte?). Spannend. 28.3.: mehr Informationen.

Chile zeigt ein anthropologisch orientiertes Projekt des Künstlers Bernardo Oryazún mit dem Titel "Werken". Im Fokus steht das südamerikanische Volk der Mapuche, ihre bildende Kunst und Sprache. 

Im Pavillon Albaniens gibt es unter dem Titel "Occurence in Present Tense" Malerei des Künstlers Leonard Qylafi. Die Entscheidung für ihn stieß auf Proteste der ungarischen Kunstszene. 

Ein Konflikt belastet auch den Auftritt Singapores. Der Künstler Zai Kuning, die Kuratorin June Yap und der Projektleiter Neo Kim Seng haben sich verkracht, die beiden letzteren schieden aus dem Team aus. Zai Kunings bringt maritime Skulpturen, 'Geisterboote' des malaysischen Archipels, nach Venedig, und trotz der personellen Querelen steht die Planung. Noch etwas dazu. 18.3. neue Meldung dazu



Neuseeland wanderte bisher mit seinen Ausstellungen durch die halbe Stadt, stellte in diversen tollen Palazzi am Canal Grande aus oder z. B. in der (immer geschlossenen) Kirche S. M. Maddalena. Jetzt hat man endlich einen eigenen Raum im Arsenale, im Isolotto nahe beim großen Kran. Die Ausstellung der Künstlerin Lisa Reihana enthält auch ihr Panoramavideo "In Pursuit of Venus" und neue Fotoarbeiten. Mehr dazu.

Georgien hat seinen Pavillon in den Sale d'armi und wird repräsentiert durch den in Berlin lebenden Vajiko Chachkhiani. Förderpreis zum Rubenspreis der Stadt Siegen und ein aktueller Atelierbesuch. 27.2. Ergänzende Beschreibung des Ausstellungsprojekts. Sehr interessant!. 

Der Pavillon der Türkei stellt Werke von Cevdet Erek aus (der nebenbei auch Schlagzeuger von Nekropsi ist, reinhörn, hat definitiv was!). Die Informationen unter diesen Links stammen aus der Zeit vor dem Putsch in der Türkei und wurden anscheinend nicht von plötzlichen Veränderungen betroffen, obwohl auf der Website der Istanbuler Foundation for Culture and Arts, IKSV, noch keine Details für die Biennale 2017 zu finden sind. Ergänzung 18.3.: eine neue Veröffentlichung vom 17.3..

Slovenien wird von der Künstler Nika Autor repräsentiert. Ein kleines Bisschen mehr.



Die Hallen des italienischen Pavillons im Arsenale will die in New York lebende Kuratorin Cecilia Alemani mit nur 3 Künstler*innen füllen: Giorgio Andreotta Caló (Skulpturen), Roberto Cuoghi (Skulpturen), Adelita Husni-Bey (Performances, Experimente). Mehr dazu auf italienisch in der Artribune
Trotz der großartigen Riesendinger von Robert Cuoghi, vor denen wir schon 2013 mit offenen Mündern im Arsenale standen, und möglichen raumgreifenden Performances konzipiert von Adelita Husni-Bey, frage ich mich doch, wie das gehen kann und bin gespannt auf die Arbeit der Kuratorin. 
(Der letzte Satz im Artikel der New York Times sollte nicht untergehen: "An earlier version of this article referred incorrectly to the Biennale. It is an exhibition, not an art fair where works are for sale, and thus it does not draw 'high sales'." Haha, das nenne ich einen unbeabsichtigten Kracher.)
Ergänzung zum Pavillon Italien am 24.2. und noch eine am 21.3..


Mexico hat für seine Ausstellung Carlos Amorales gewählt, er präsentiert das Projekt "Life in the Creases" (Leben mit Falten? Leben in Knitterfalten?). Mehr ist noch nicht zu erfahren, aber mehr zum Künstler.

Den Pavillon Südafrika in den Sale d'armi (Obergeschoss, unbehinderter Zugang mit Lift und Rolltreppe von Rem Koolhaas) teilen sich Candice Breitz und Mohau Modisakeng. Lesenswerter Artikel dazu aus TimesLive vom 10.1.2017.

Malta hat sich 17 Jahre nicht an der Biennale beteiligt. Nicht nur der EU-Vorsitz 2017 ist also bemerkenswert, sondern auch die Rückkehr nach Venedig. Raphael Vella und Bettina Hutschek konzipieren gemeinsam die Ausstellung "Homo Melitensis". Videos von Bettina Hutschek. Veröffentlichungen von Raphael Vella (Kunsterziehung).

Latvia, Lettland zeigt "Structures of Worries", Gefüge der Sorgen, von Mikelis Fisers. Auf seiner Website wird allerdings "What Can Go Wrong" angekündigt, in lettisch, und deshalb kann ich nicht nachprüfen, was hier unter Umständen falsch läuft. Video Mikelis Fisers, lettisch.



Argentiniens Pavillon im Parterre der Sale d'armi wird von der Künstlerin Claudia Fontes gestaltet.

Estland zeigt ebenfalls eine Einzelkünstlerin, Katja Novitskova, mit ihrem Projekt "If only you could see what I've seen with youre eyes".

Die Philippinen landen mit ihrem 3. Auftritt in Venedig (1964, dann erst wieder 2015 beeindruckend im Palazzo Mora) im Arsenale. Lani Maestro und Manuel Ocampo beziehen sich in ihrem gemeinsamen Projekt auf ein Schlüsselwerk der philippinischen Literatur, Noli me tangere von José Rizal. 27.02. Ergänzung dazu. 8.3. Ergänzung zu Lani Maestro.

Die Vereinigten Arabischen Emirate in den Sale d'armi stellen wieder eine Gruppe von Künstler*innen aus, nicht ganz so zahlreich wie die Gruppe der Biennale 2015, als der Pavillon sehr vollgestopft und unabgestimmt wirkte. Das hat das Kuratorium anscheinend selbst bemerkt (diesjähriger Kurator: Hammad Nasar), diesmal also nur 5 Teilnehmer*innen: Nujoom AlghanemSara Al Haddad, Vikram Divecha, Lantian Xie, Mohamed Yousif, Thema der Ausstellung: "Rock, Paper, Scissors: Positions in Play".
Das Praktikumsangebot des VAE-Pavillons erwähne ich wieder, es scheint, zumindest von außen gesehen, ein pfiffiges System, jungen Leuten in größerer Zahl differenztierte Arbeits- und Auslandserfahrungen zu ermöglichen. 28.2.: Ergänzung dazu.

Zur Ausstellung Argentiniens  gibt es noch sehr wenig Information im www. Es stellt außerdem eine Künstlerin aus, über die genauso wenig zu finden ist: Claudia Fontes. Da muss man sich wohl noch ein wenig gedulden.

Auch zum Pavillon des Istituto Italo-Latino Americano (IILA) in direkter Nachbarschaft im Arsenale findet sich bisher nur ein Aufruf an Künstler*innen und Kurator*innen

In der gleichen Nachbarschaft stellt Irland aus, das früher auch zu den durch diverse Palazzi wandernden Teilnehmerländern gehörte. Die Künstlerin Jesse Jones arbeitet mit verschiedenen Medien, schwerpunktmässig Film, und scheint für Venedig mit der Schauspielerin Olwen Fouéré eine performative (feministische?) Präsentation zu planen. Mehr zu Olwen Fouéré.





Auch im Arsenale stehen noch die Informationen zu diversen nationalen Ausstellungen aus. Werden nachgeliefert, hier unten:

24.1. Kroatien zeigt unter dem Titel "Horizon of Expectations" Werke von Tina Gverovic und Marko Tadic.

13.2. Kosovo wird vertreten durch den Künstler Sisley Xhafa. 5.3.: mehr dazu.

26.2. Der "Heilige Stuhl", also der Vatikan, seit 2013 mit einem festen Ausstellungsraum in den Sale d'Armi, setzt in diesem Jahr aus. Die Herren arbeiten schon an ihrem ersten Architekturauftritt bei der Biennale 2018.  

26.2. Die Volksrepublik China, deren großer Ausstellungsraum lange vollgestellt war mit rußigen Industriekesseln, ist seit der letzten Kunstbiennale eine leere Halle, die auch kaum noch nach Brand und Ruß riecht. Schade, das hatte was. Im diesjährigen Projekt "Continuum - Generation by Generation" stellen 4 Künstler*innenn aus, alle Details im Link oben. Die Ausstellung setzt sich im Freien des Arsenalegeländes fort (möglicherweise) bis in den Giardino delle Vergini.

26.2. Mexico, das nach beeindruckenden Ausstellungen z. B. im Palazzo Soranzo van Axel und in S. Lorenzo einen festen Ausstellungsplatz im Arsenale gebucht hat, zeigt "Life in the Creases" - Leben in den Falten - Arbeiten von Carlos Amorales. "Black Cloud" von Carlos Amorales.

20.3. Indonesien ist weiterhin zurückhaltend mit Informationen in anderen Sprachen als indonesisch. Zur Künstlerin Maria Clementina 'Tintin' Wulia fand sich ein 17 Jahre altes Portfolio


Siehe auch Eintrag vom 13.1.2017: 
Erster Blick auf die Biennale 2017 - GIARDINI
und 24.2.: Nationalpavillons in der Stadt.






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