14. Mai 2017

Zwei benachbarte Palazzi...

Wassergeschoß Soranzo van Axel

... retteten mich fürs Erste aus dieser schlappen Biennale.

Leider zeigte sich beim ersten Besuch in den Giardini und im Arsenale, dass diese Biennale, im Gegensatz zur Biennale 2015, nicht mein Ding ist. Oder nur teilweise vielleicht schon auch mein Ding. Jedenfalls bisher nichts Atemberaubendes, Niederstreckendes, Bewundernwertes, kein Erschrecken, kein Versinken. Allerdings: ich bin keine Schlangesteherin (schon gar nicht, wenn das Angebot kostenlos ist wie während der Previewtage) und habe deshalb bisher nicht gesehen, was alle (Schlangestehenden) offensichtlich begeistert hat. Falls es die Schlange gelohnt hat. Auf dem Weg durch die Pavillons und Zentralausstellungsräume hatte ich jedenfalls das Gefühl, durch blinde Gläser zu sehen: nichts deutlich genug für mich. Und fürchtete um meine Wahrnehmungsfähigkeit.


Innenhof 1 Soranzo van Axel
Die Sorge hat sich erledigt beim Besuch der beiden Palazzi Soranzo van Axel und Pisani bei S. Marina, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Ich kann noch sehen!

Man as Bird ist eine Satellitenausstellung des Moskauer Pushkin Museums. Im Wassergeschoß und im 1. Piano nobile des Hauses Soranzo van Axel werden großzügig verteilt multimediale, z. T. interaktive Werke verschiedener Künstler*innen gezeigt und der frisch restaurierte Palazzo kann bewundert werden. 


Veneto-Byzantinische Patera im Innenhof
Alles Kleinteilige wirkt sehr proper und zartfühlend bearbeitet. Nicht nur an der Außenfassade wurden Fresken freigelegt, sondern auch an der Innenfassade eines der beiden Höfe. Blasse Reste, aber immerhin. Patere, Skulpturen, Säulen- und andere Spolien, Treppenläufe, Reliefs sehen frisch aus.  Und es wurde anscheinend nichts "drauf" restauriert wie leider so oft in Venedig zu sehen. Allerdings: ein Fahrstuhl für die (teilweise) 3 Stockwerke war wohl nicht zu vermeiden im Interesse der Verkaufsbemühungen. In Apartments aufgeteilt wird das Haus seit Jahren im Internet angeboten. Wenn (noch oder wieder) die ganze 1. Wohnetage für eine Ausstellung zur Verfügung steht, scheint das nicht so zu klappen mit dem Verkauf, oder? 


Piano nobile Soranzo van Axel
Die Ausstellung ist poetisch und kraftvoll, sensibel und laut zugleich, und sehr farbig. Es gibt mehrere junge Frauen mit Engelsflügeln, die als Begleiterinnen freundlich und sprachkundig zur Verfügung stehen.
Die Ausstellung endet am 5.9., Eintritt frei, ich empfehle unbedingt den Besuch. Haltestelle Fondamente Nove (Eingang links von der Kirche S. M. dei Miracoli).



Palazzo Pisani, Piano Nobile
Sokari Douglas Camp, All the world is now richer
Nach diesem erfreulichen Erlebnis landete ich ungeplant in der Eröffnungsfeier des Diaspora Pavilion des Arts Council England im Palazzo Pisani bei S. Marina (einmal um den Palazzo Soranzo van Axel herum: links, links, rechts, über die Brücke, an deren Fuß in die offene Tür rechts.)


Treppenhaus Palazzo Pisani
Barbara Walker, Transcended
Hier stellen 19 "ethnically diverse" Künstler*innen aus, die in England leben. Die Eröffnung war rappelvoll in der Eingangshalle, dem winzigen Innenhöfchen, dem Treppenhaus und dem ganzen 1. Piano nobile - und praktisch jede*r einzelne Anwesende war ein anderes Mosaikteilchen der Sammlung globaler Ethnien. Eine Szene ohne Mehrheiten, jeder Gast seine/ihre eigene Minderheit, hinreißend!


Palazzo Pisani, Eingangshalle
Hew Locke, On the Thetis Sea
Die Kunst: "divers" natürlich, beeindruckend, teilweise wild und rätselhaft, und bei der bewegten lauten Menschenmasse der Eröffnung eher schwer in Augenschein zu nehmen. Aber sehr spannend sowie beachtenswert das Gegenkonzept zur biennale-nationalen Sortierung von Kunst.
Interessant auch die 1. Etage des Palazzo Pisani - Eingangshalle und Dachgeschoss werden regelmäßig an Ausstellungsprojekte vermietet, die 1. Etage kannte ich bisher noch nicht. Die Raumaufteilung entspricht nicht den venezianischen Regeln der Dreiteilung, die Ausstattung stammt aus verschiedenen Epochen - ein sehr neuzeitliches Bad, schönes Murano, ältere Böden und wunderbare alte Balkendecken.

Eine Ausstellung, die vor Kreativität knallt. Nicht verpassen.
Läuft bis Ende November, aber zur ungewöhnlichen Zeit von täglich 18-21 Uhr.

Ergänzung 7.6.: 2 Kommentare, die nicht übersehen werden sollten: mittlerweilse normale Öffnungszeiten einerseits und geschlossen DIENSTAGS andererseits! 

Ergänzung 14.6. Khadija Saye, deren fotografische Werke im Diaspora Pavillon zu sehen sind, ist unter den Vermissten der Brandkatastrophe des Grenfell Tower in London.


Michael Forbes, Untitled


Die Zentralausstellungen bekommen eine 2. Chance, mit einer bezahlten Eintrittskarte...
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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Öffnungszeiten haben sich normalisiert , sind zwar nicht angegeben, aber vormittags war auch auf.

ebbonn hat gesagt…

Danke für den Hinweis!

Anonym hat gesagt…

Hallo,
Heute vor verschlossener Tür gestanden. Dienstag geschlossen

ebbonn hat gesagt…

Oh ja, vielen Dank für den Hinweis. Ist mir vor 2 Wochen im Rahmen einer Begleitung auch passiert, ich kam aber nicht auf die Idee, dass Dienstag der freie Tag sein könnte. (Ich dachte, Mittagspause oder Ähnliches.) Habe beide Informationen in den Blogtext aufgenommen, damit sie nicht übersehen werden.

Danke beiden nochmal!