16. Juni 2014

Art Night Venezia 2014

(C) Art Night Venezia, Quelle: info Ca'Fosari

Bisher führe ich die Art Night am 21.6. unter den Kulturtipps 2014 in der Abteilung "Traditionen" (ist ja schon die 4. Art Night, und immerhin die 3., bei der ich dabei sein kann). Am Wochenende ist es soweit, es treffen mehr Hinweise auf die Angebote ein, ich mache kurz einen eigenen Blog, denn die Sache ist schon unübersichtlich genug.

Alle Angebote kann man unter dem Link oben finden, sortiert nach Veranstaltungsorten (sedi), auch per Stadtplan, und Angeboten (eventi). 
Wer sich in Venedig gar nicht auskennt, hat es schwer, denn er/sie kann die Dauer der Fusswege nicht abschätzen und den ÖPNV nicht pfiffig genug nutzen. Man sollte sich nicht zu viele Programmpunkte vornehmen, denn man unterschätzt immer die Zeit, die man "unterwegs" verbringt, ich jedenfalls.

Den Neulingen sei also gesagt: Eröffnung des Abends findet wie immer im Hof der Universität Ca'Foscari statt (Fussweg zwischen den Haltestellen Ca'Rezzonico und Accademia) mit einer Art "wandernden Performance" von StudentInnen (für die noch Freiwillige unter den Studierenden gesucht werden). Man kann den Abend aber auch an allen anderen beteiligten Institutionen eröffnen. Auch schließen kann man die Art Night überall, ich habe sie bisher zweimal auf der Party in der Kunsthochschule (Zattere, Incurabili, Haltestelle Santo Spirito) ausklingen lassen. Diesmal wird besonders auf eine (mir unbekannte) Gruppe hingewiesen, die im Hof der Ca' Foscari die Kunstnacht beendet.

Für die Zeit dazwischen, die jede/r nach Geschmack gestaltet, gilt: VORHER Programm gut prüfen, Angebote aussortieren, aussortieren, aussortieren bis ein paar wenige (oder auch nur eines) übrig bleibt. Ich leite hier Hinweise weiter, die mich über Newsletters oder Twitter erreichen.

Ateneo Veneto (Führung und Jazzkonzert) gegenüber dem Teatro La Fenice)

Link mit Programmhinweisen zur Art Night
 
Art Night auf Torcello: kostenlose Führung, anschließend gemeinsames Abendessen (20 €) und gemeinsame Rückfahrt nach Venedig. Anmeldung erforderlich. 

Info Ca'Fosacri 

Art Night bei Guggenheim 

Art Night auf S. Giorgio Maggiore - Stanze del Vetro und Tea House sind immer kostenlos, aber in die Nacht verlängert + Angebot kostenloser Führungen. 

Art.it Hinweis auf die Art Night und am Ende der Seite ein Link auf den Führer zu Kunststätten in Venedig (Plan etc.)

Art Night im Twitter von Venezia.Net

Twitter von Artribune

Twitter mit dem Programm der Universität IUAV, Tolentini, S. Croce

Newsletter des Teatro Goldoni

Twitter von Libreriamo

Wird noch laufend ergänzt.

Mein Eintrag zu den bisherigen Kulturterminen 2014, mit Links zu den meisten Museen. Hier kann man sich über die aktuellen Ausstellungen informieren, die (möglicherweise) in der Art Night kostenlos besucht werden können.
 
Monatszeitschrift VENEWS 14/06 enthält Hinweise zu Kunstangeboten/-veranstaltungen, die während der Art Night kostenlos besucht werden können. 

Campo S. Giorgio Maggiore; Heinz Mack: The Sky Over Nine Columns

9. Juni 2014

Architekturführer Venedig


Haben wir bereits im Regal, von 4-5 qualifizierten Autoren, in 2-3 Sprachen...?

Der Untertitel lautet allerdings "Bauten und Projekte nach 1950" und DAS haben wir noch nicht. Wurde soeben zur Eröffnung der Architekturbiennale in Venedig vorgestellt und erscheint in 4 Sprachen gleichzeitig. Englisch in adriablau, deutsch und italienisch in 2 laguneblauen Tönen (behaupte ich mal), französisch in venezianisch-kanalgrün, eindeutig.



Ich habe mich am Pfingstsonntagnachmittag im Schatten vertieft in das Werk und es bis zum Ende nicht mehr aus der Hand gelegt. 125 Projekte stellen Clemens F. Kusch und Anabel Gelhaar in 9 Kapiteln vor, die sich parallel räumlich und inhaltlich im centro storico, auf den Inseln und auf dem zur Stadt gehörenden Festland orientieren. 

Neue Wohnquartiere wie in Cannaregio, auf der Giudecca oder auf Mazzorbo; alle Umbauten, die Räume für die beiden vene-
zianischen Universitäten in ehemaligen Lager- wie auch Palaz-
zostrukturen entstehen liessen ebenso wie die Museumswelt Venedigs entlang des Canal Grande; die Einzigartigkeit des Verkehrs und seine architektonischen Voraussetzungen; Krankenhaus- und Friedhofsstrukturen und -bauten; Um- und Ausbauten von Kirchen und Klöstern zu Bibliothen und Wohn-
heimen - vieles davon ist mir eigentlich nicht neu und dennoch bin ich sowohl von der Menge als auch den Details der Informationen überrascht. 


Das in S. Marta eingebaute Auditorium habe ich anlässlich einer Biennale-Ausstellung besucht, hier finde ich den Plan und Materialdetails. Das Wohnhaus neben Spirito Santo, über des-
sen venezianische Fassade in widerspenstiger Form ich seit Jahren im Vorbeifahren grübele, findet seine Erklärung. Die Nationenpavillons ab 1950 in den Giardini der Nachkriegszeit werden vorgestellt, das fehlte mir bisher.


Besonders interessant sind die Neubauten,  Umbauten und neuen Gebäudenutzungen im Arsenale, die ich seit gut 10 Jahren miterlebe, Hallen mit Büroraum- und Industriestruk-
turen, Auditorien, Ausstellungsräumen inkl. des wunderbaren Turms der Porta Nuova mit Planungsdetails, Grund- und Auf-
rissen. Alles ist für interessierte Laien wie mich gut verständ-
lich, aber die Autoren verzichten keineswegs auf Ausführlich-
keit für Fachleute, wenn es z. B. um die Kompliziertheiten beim Bau von Calatravas 'Ponte della Costituzione' geht oder Differenziertheiten in den Giudecca-Wohnvierteln, z. B. Junghans. 


Ich vermisse wenig: die Aufnahme der neuen Vaporetto-Terminals (Haltestellen kann man sie kaum noch nennen) bei S. Marco, S. Zaccaria, Lido S. M. E. und Burano, die in ihrer Größe und Gestaltung aus meiner Sicht optisch sehr auf ihre unterschiedlichen Standorte wirken. Vielleicht wäre auch die gerade stattfindende Neugestaltung der Insel La Certosa eine Projektvorstellung wert gewesen. 

Die Übersicht reicht von farblicher Sortierung der Kapitel zu schematischen Stadtplänen über viele hervorragende Luft-
aufnahmen (alle Fotos sind von hoher Qualität), die die beschriebenen Projekte gut in ihrem Umfeld erkennen und zuordnen lassen bis hin zu QR-Codes zu jedem einzelnen Objekt, die die Lage auf Google Maps widergeben sowie die jeweilige Route vom Standort des/der NutzerIn.


Register, Lektorat, Druck, Haptik - für die in solchen Fragen pingelige Leserin ein hoch erfreuliches Produkt. Offensichtlich hatte eine ganze Reihe Menschen Spaß an dieser Arbeit. Das Werk ist ein echter Gewinn für Venedig-LiebhaberInnen mit Interesse auch an neuerer Architektur. Auch wenn der Preis hart ist. Die Zielgruppe wird mit Sicherheit zugreifen und der Verlag kann nach einem Kassensturz eine Spende für Projekt Nr. 26 überweisen: Architekt unbekannt, Baujahr unbekannt...  


Clemens F. Kusch / Anabel Gelhaar: Venedig Architekturführer , Bauten und Projekte nach 1950; 270 S., über 400 Abb., Softcover; € 38,- CHF 49,40; Mai 2014; DOM publishers, Berlin

Dürfte in Venedig in allen 4 Sprachen erhältlich sein, in vermutlich allen Buchhandlungen/Museumsshops. 

Ergänzung 2015: ist natürlich in allen 4 Sprachen per Bestellung beim Verlag erhältlich.

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7. Juni 2014

Architekturbiennale eröffnet

"Fundamentals" im Zentralbau Giardini
Die Biennale wurde heute eröffnet, JournalistInnen durften schon gestern und vorgestern rein mit anschließenden Häppchen oder großformatigeren Eröffnungsparties. Ich bin erst in einer Woche dabei, aber vorher kann ich mir in Ruhe schon mal die Meinungen und Berichte (nicht Pressemitteilungen, bis auf wenige Ausnahmen) zuführen.

Bei Bedarf: die Vorschau-Links mit einigen interessanten Details.
Dieser Eintrag wird heute schlossen: 07.12.2014.

06.12.2014 Renaissance Rules A few reflections25.11.2014 domus Venice 2014: social ranking 24.11.2014 La Voce di Venezia Biennale Architettura di Venezia 2014, successo incredibile
23.11.2014 arch+ Learning from Venice
15.11.2014 Finnish Architecture South of North: video of the Mouthful of Meetings event
14.11.2014 MeLa* Tagung am 22./23.11. Unfolding the MeLa Critical Archive im Zentralpavillon Giardini, Sala F

12.11.2014 The Conversation The Venice Architecture Biennale avoids... 11.11.2014 Tagung am 4.12.2014 The architecure of image _ the image of architecture Palazzo Franchetti
10.11.2014 Lucas Confurius Architektur der Gegenwart in Bezug auf die Architektur Biennale 2014 
10.10.2014 archdaily AMO Invites Dutch Architects to Discuss...
10.10.2014 Architectural Record Voices from Venice: Conversations with Women Who Practice Architecure

25.09.2014 Conrad Bercah Blog Andreas Ruby. A conversation...
19.09.2014 Liechtensteiner Vaterland Liechtenstein an der Biennale...
ohne Datum Goethe Institut Labyrinth und Vogelstimmen
31.08.2104 ArchDaily The Conflict Between the Global North and South...
29.08.2014 New Republic The Great Architect Rebellion of 2014

28.08.2014 Socks Moving Boundaries in the Alps
19.08.2014 german-architects Das fragliche Schicksal des Details
05.08.2014 archdaily Interview Leong Leong (U.S. Pavilion)
27.07.2014 Taccuini Internatzionali The "news" goes nowhere...
24.07.2014 Landscape Architecture Magazin The Venice Biennale's Latent...

23.07.2014 zeroundicipiu 15 Libretti dell'Archittetura...
22.07.2014 archdaily Light Matter: The Missing Element...
18.07.2014 Metalocus Biennales and controversies
17.07.2014 meonline Death in Venice 
17.07.2014 Impactmagazine Modernité et Architecture...

17.07.2014 archdaily Palazzo Zen/O-Office Architecture
10.07.2014 Wave014 The Cloister Talks
10.07.2014 Detail, Heft 7/8/2014 Nord-Süd-Monolog... 
07.07.2014 archdaily Video Charles Jencks
07.07.2014 Kulturport 14. Architekturbiennale aus Hamburger Sicht

06.07.2014 Haaretz Venice Biennale can't match...
04.07.2014 architectsplanet diverse Interviews mit KuratorInnen
03.07.2014 Huffington Post The Biennale, the Bungalow...
02.07.2014 Baumeister Venedig, die Biennale und Koolhaas

02.07.20134 archilovers Forms of Freedom...

01.07.2014 Archdaily Denton Corker Marshall to design...
01.07.2014 Architectureau History repeating:...
27.06.2014 Bauwelt Abgehängte Decken und die brutale Schönheit...
27.06.2014 Bauwelt Die Moderne konkurriert hier mit sich selbst
27.06.2014 Design4now It's time for architects to make their own demands...

26.06.2014 GreekArchitects Magazine Dirk van den Heuvel interview
26.06.2014 McLean's An art show for toilets and ductwork
23.06.2014 archdaily Radical Pedagogies...
23.06.2014 Domus Korean modernism
22.06.2014 archdaily Interview: Phyllis Lambert

21.06.2014 designboom Daniel Libeskind presents sonnetts...
21.06.2014 Arkitekting Minimalism in Classical Athens... 
20.06.2014 designboom beijing design week presents...
20.06.2014 Die Architektin Ladies of the 2014 Architecture...
20.06.2014 Curbed See Domestic Life Abstracted...

20.06.2014 archdaily Inhabiting the Desert...
19.06.2014 dezeen Hiroshi Sagamoto's glass cube...
19.06.2014 The Booklist The Venice Biennale List 
19.06.2014 Archinect ...rounds up critical reactions...
19.06.2014 archdaily Sam Jacob & Wouter Vanstiphout on Curating... 

19.06.2014 Architecture Today The evil of banality
19.06.2014 Designboom Chancellor's bungalow inserted...
18.06.2014 archdaily China's Pavilion at Venice... 
18.06.2014 Apollo Fundamentals..
18.06.2014 zeroundicipio  Five proposals...

18.06.2014 dezeen Kinetic wall...
18.06.2014 BauNetz Über die Drohne Architektur 
17.06.2014 The Venice Times Architecture Biennale...
17.06.2014 AHA A History of Globalization...
17.06.2014 designcurial Pure Folly (kein Bericht über die Biennale, aber ein interessanter Artikel, den ich in Ruhe lesen will und deshalb hier deponiere)


Arbeitsplatz mit Spiegelwand -  Pavillon USA, Giardini

17.06.2014 culture Biennale d'architecture de Venise 2014
17.06.2014 Stylepark A Clockwork Modernism
17.06.2014 Architektur 7/8 2014 Unvollendet? ...
17.06.2014 freenewspos Back to basics in Venice
16.06.2014 Socks Effimero: or the Postmodern Italian Condition...

16.06.2014 archinect Rem's Venice Biennale is "like being..."
16.06.2014 designboom TCA think tank reveals the reality...
16.06.2014 archdaily Young Architects Taking Action... 
16.06.2014 Artforum A tale of two cities
16.06.2014 Landscape Architect Blog Canadian Pavilion

16.06.2014 Preservation of Community Assets Fundamental #13
15.06.2014 Repeating Islands Fair Concrete/La Feria Concreta 
15.06.2014 Welt Weckruf fürs Getto
15.06.2014 Frontier ... - German Pavilion
15.06.2014 Luxemburger Wort Luxembourg hopes to solve...

14.06.2014 dezeen Wooden huts demonstrate...
14.06.2014 Irish Times Whose house?
14.06.2014 BauNetz The Clouds Pavilion - An uninvited Pavilion...
14.06.2014 Bauwelt 23/14 The Clouds Pavilion - An uninvited Pavilion...
14.06.2014 NZZ Am Rande der Architekturbiennale...

14.06.2014 The Spectator Modernism's dreams - and nightmares...

13.06.2014 Financial Times Architecture Biennale in Venice
13.06.2014 Tagesspiegel Qualitätscheck für die Moderne
13.06.2014 curbed 19 Revealing Koolhaas Quotes... 
13.06.2014 architectsplanet Pedro Alonso Interview...

13.06.2014 Abendzeitung München Im Wohnzimmer der Deutschen
13.06.2014 A&W Elementare Erkenntnisse
13.06.2014 Wired A Country's Out-of-Control Sprawl...
13.06.2014 The Foreigner Unique Venice Pavilion drawings...
12.06.2014 SocialDesignMagazine Daniel Libeskind alla Biennale...

12.06.2014 Domus Inhabiting the desert
12.06.2014 Financial Review Modern architecture examined...
12.06.2014 Biennale Venezia The Tomorrow - Domino Talks
12.06.2014 Frequenzy Interview Pierre de Meuron (BauNetz Videos)
12.06.2014 Zeit Architektur gibt es nicht mehr

Pavillon Ungarn, Giardini

12.06.2014 BauNetz Gläserner Zen
12.06.2014 BauNetz Sharing Memories
11.06.2014 A/N Blog Protest in Venice...
11.06.2014 The Calvert Journal Fair play: history and humor...
11.06.2014 FAZ Zur Hölle mit den Betonwüsten

11.06.2014 DW Venice Architecture Biennale ponders...
11.06.2014 ART Kapitel für Kapitel durch die Moderne
11.06.2014 Designline Stückwerk in der Lagune
10.06.2014 Mies.Magazin Mies.TV auf der Biennale
10.06.2014 SRF Architektur-Biennale blickt auf die Ideen...

10.06.2014 BauNetz Der Mann, der nichts muss
10.06.2014 Jakarta Globe Indonesian Architecture to Grace...
10.06.2014 Archilovers Fundamental(ism)s - Maroccan Pavilion
10.06.2014 DBZ Bungalow Germania
10.06.2014 Die Welt Biennale mit Pappkartons

10.06.2014 Süddeutsche Zurück zu den Ursprüngen
10.06.2014 Salzburger Nachrichten Die Architektur neu entdecken
10.06.2014 Stuttgarter Zeitung Bonn an der Lagune
10.06.2014 do@time Padiglione Italia
09.06.2014 Antonino Saggio Architecure is a body Against "Fundamentals"...

09.06.2014 dezeen Rem Koolhaas is stating "the end"...
09.06.2014 Wmagazine Rem Koolhaas is not a Stararchitect
09.06.2014 afa sia Le Corbusier
09.06.2014 Socks Ground Floor Crisis...
09.06.2014 europaconcorsi Il Fantasma del Nolli

09.06.2014 MITei Achieving Energy Efficiency...
09.06.2014 UAEinteract U.A.E. has first National Pavilion...
09.06.2014 dezeen Le Corbusier's Maison Dom-Ino realised...
09.06.2014 ANSA Venice Biennale focuses on 'modernizing history'
09.06.2014 Architektur aktuell Der BiennaleBlog Teil 1...

09.06.2014 BBC What is the future of architekture?
09.06.2014 designboom french pavilion addresses utopian visions...
09.06.2014 The Telegraph The best architecture Biennale in years
09.06.2014 Wiener Zeitung Überholte Machtbauten
09.06.2014 Arte Rem Koolhaas' Biennale-Vision



Teilausstellung von "Monditalia", Arsenale
09.06.2014 architecture lab Interview Donald Bates
09.06.2014 dwell U.S. Pavilion Pushes Boundaries...
09.06.2014 The Cosun Ilbo Korean Pavilion Wins Top Award...
08.06.2014 Blouin Artinfo Rookies to Look For...
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08.06.2014 Designerblog Il coreografo Willian Forsythe inaugura...
08.06.2014 Domus Nel corpo della città
08.06.2014 HispanicBusiness Put yourself in their space...
08.06.2014 DW A Trip through Venice
08.06.2014 M 'I hate being an architect'

07.06.2014 RAI Premiata la Corea...
07.06.2014 SWI When in Venice: Swiss pavilion lets things float
07.06.2014 ORF Wo Monumente zum Ornament werden
07.06.2014 Tagesschau Eine Biennale für die Modernität
07.06.2014 Süddeutsche Fotostrecke

07.06.2014 Digital Journal Architect Phyllis Lambert awarded Golden Lion...

07.06.2014 Archdaily Venice Biennale 2014 Winners...
07.06.2014 Chron UH Architects in Venice...
07.06.2014 Tagesanzeiger Die DNA des Bauens
07.06.2014 Artdaily Fundamentals: Architects take over...

07.06.2014 Lokalkompass Marler Rathaus findet internationale...
07.06.2014 General Anzeiger Bonn Das Wohnzimmer der Republik
06.06.2014 Der Standard Wo ist der politische Raum?
06.06.2014 DW Rückbesinnung auf die Moderne
06.06.2014 Kulturradio rbb Der deutsche Pavillon...

06.06.2014 architizer Rem Koolhaas Teaches You the Elements...
06.06.2014 MarketWatch AkzoNobel to fund OMA research...
06.06.2014 Arte.Sky Made in Europe
06.06.2014 BauNetz Ohne Plüsch und Mief (und mehr auf BauNetz zu nationalen Biennale-Auftritten)
06.06.2014 Die Presse Wenig Architekten, viel Architektur

06.06.2014 NZZ Der Pavillon des Schweizer Geistes...
06.06.2014 The Guardian The Top 10 Pavilions
05.06.2014 Tzetze Bungalow Germania
05.06.2014 Detail Mehrdeutiger Hybrid: Bungalow Germania...
05.06.2014 Die Welt Warum ist der Balkon eigentlich so politisch?

04.06.2014 Präsentationen von YouTube 
30.05.2014 Bauwelt 21.14 Werkstatt Biennale

19.-29.6.: Tanzbiennale parallel zur Architekturbiennale

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3. Juni 2014

Bauspektakel am Rialto

Fondaco dei Tedeschi im eleganten, werbefreien Gerüst
vor wenigen Wochen   (C) B.W.

In den kommenden 3 Nächten wird der Canal Grande in seinem unteren Teil bis zur Rialtobrücke von Mitternacht bis 5 Uhr morgens gesperrt. Die ACTV weist schon seit Tagen auf die Verkehrsumleitungen hin. 

Ein großer Baukran, 42 m lang und 10 m breit, wird zur Baustelle des Fondaco dei Tedeschi transportiert. Ein solches Spektakel gibt es eher selten, zuletzt konnte man ernsthafte Kanal-Logostik beobachten beim Transport der Brückenteile der Ponte della Costituzione, damals noch die unbenannte Calatrava-Brücke. 

Ob auch die Rialtobrücke aus Sicherheitsgründen gesperrt sein wird oder ob man von da aus Transport und Installation des riesigen Baukrans beobachten kann/darf, der für den Umbau des Fontaco dei Tedeschi gebraucht wird, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich selbst, leidenschaftliche Bauzaun-
guckerin, würde mir das sehr gern ansehen, aber ich komme leider wenige Tage zu spät. 


Man kann versuchen, über die städtische Webcam 
http://93.62.201.235/maree/WEBCAM/rialtoweb2.jpg etwas von der Aktion mitzubekommen. Falls genügend Scheinwerfer aufgestellt werden. Und falls die Webcam nicht abgeschaltet wird. Dann könnte vielleicht noch die Webcam der Locanda Sturion dienlich sein. Oder - zwischen unvermeidlicher Werbung - Sekundenspots von der Rialtogegend, gespeichert über ca. 15 Stunden.


Heute Abend noch ohne Kran. Still der städ. Webcam


Und: Kamera an, Beleuchtung an,
 keine Zuschauer auf der Brücke nachts um halb 3

(C) beide: Comune Venezia bzw. ICPSM, Website

.

31. Mai 2014

San Giovanni Battista in Bragora

S. Giovanni Battista in Bragora
links die ehem. Scuola (nach hinten verkleinert zugunsten der späteren

 Seitenaltäre links, rechts der verkürzte Kampanile
Eine wunderbare Kirche direkt hinter der Riva - 4. Brücke nach dem Dogenpalast, 1. Gasse links rein, Campo Bandiera e Moro. San Giovanni in Bragora (Betonung auf der 1. Silbe) bietet große Ruhe, große Kunst, große Religionsfolklore. Aber leider keine zuverlässige Öffnung entsprechend dem Schild, umso größer ist die Freude, wenn die Kirche offen ist.

Wie bei S. Zaccaria und S. Giorgio dei Greci rate ich zum frühen Besuch, wenn die Morgensonne durch die Ostfenster fällt. Überwältigend. Das mit blauem Himmel leuchtende Altarbild "Die Taufe" von Zambattista Cima da Conegliano fordert sofortige Aufmerksamkeit, und wer wie ich immer ein Opernguckerchen mitschleppt, fängt sich einen umwerfenden direkten Blick aus den Augen des Täuflings. 




San Giovanni in Bragora gehört zu den ältesten Kirchen Venedigs, gegründet im 7. Jahrhundert auf einer der ersten bewohnten Sandbänke, aus denen Castello werden sollte. Man darf sich ein Holzkapellchen vorstellen, ein paar Hütten; Quellen belegen 811 bzw. 829 die erste steingebaute Kirche eines Giovanni Talonico. (Das Besiedelungsprinzip der Lagune: ein paar Hütten & ein paar Häuschen aus Stein für die Besser-
gestellten & eine Kirche pro Inselchen führte multipliziert zur einzigartigen venezianischen "Stadtplanung" der regelmäßigen Verteilung. Keine reiche Leute/arme Leute-Viertel. Die Dichte der 'Palazzi' am Canal Grande (all die enormen Corner-, Giustiniani-, Vendramin- etc. Bauten) entwickelte sich erst langsam und viele Jahrhunderte später, indem kleinere alte Vorgängerbauten ersetzt wurden.)


Einweihungsstein 1505

Belegt sind eine notarielle Schenkung 1090, für die ein Priester von S. Giovanni in Bragora als Zeuge fungierte, die Renovie-
rung der Fundamente 1170, danach Pfarrkirchenfunktion, weitere Renovierungen 1178, 1206, 1260, 1297. Der Bau hat sich verändert im Lauf der Jahrhunderte, 1472 war er so stark einsturzgefährdet, dass ein Melchior Rizzardi die Gesamt-
renovierung übernahm. Die quasi neue Kirche wurde 1505 eingeweiht, Zeugnis dafür ist der Stein in der Wand links vom Haupteingang. Es ging weiter mit baulichen Ergänzungen im Innern (Korridor, Balkon) 1522 und 1596, der Boden wurde erneuert und dabei erhöht (hochwasserangepasst) 1740. Eine weitere Komplettrenovierung wurde 1877 finanziert durch das Gemeindemitglied Carlo Biondetti. 

Der Campanile wird erstmals erwähnt im Kataster von 1260, 1560 stürzte er ein und wurde verkleinert erneuert. Die Friedhofsnutzung (auf dem jetzigen campiello hinter der Kirche) wurde bereits 1528 eingestellt, die Bestattungen der Gemeinde erfolgten danach auf S. Pietro di Castello. 

Altarbild "Il Battesimo" Giambattista Cima da Conegliano.
Leider stört die (Automaten-) Beleuchtung von vorn den Eindruck 
des strahlend hellblauen Sonnenaufgangs in der oberen Hälfte des Bildes 

Große Bedeutung erhält die Kirche durch Reliquien Johannes des Täufers, die ein weiterer Talonico, nämlich Domenico,  besorgt (wie sowas funktionierte, wissen wir aus der Markuslegende) und schenkt. Das war während des Dogats von  Pietro Candiano III (942-959), unter dessen Portrait im großen Ratssaal des Dogenpalastes steht "sotto di me nella chiesa di Bragola fu deposte le reliquie di S. Giovanni". In der Folge ist S. Giovanni in Bragora der einzige Taufort Venedigs bis ins 12. JH, erst danach erhielten wegen des Anstiegs der Bevölkerungszahlen weitere Kirchen die 'Taufwürde'. 

Die Bedeutung der Nachbarschaft entwickelte und steigerte sich im Laufe der Jahrhunderte: das Arsenale mit den umge-
benden Wohnvierteln der Arsenalotti; den Einwanderungen von den Kolonien an den Küsten der Adria und der Ägäis von Seeleuten, aber auch Künstlern und Wissenschaftlern vor allem nach diversen osmanischen Eroberungen: Konstantinopel 1453, Zypern 1571 und 100 Jahre zuvor Negroponte (Evvia) 1470; die Kirchen S. Biagio (erstes Dokument 1106), S. Martino (Gründung 7. JH), Sant'Antonin (Gründung 8. JH), S. Sepolcro (Gründung 15. JH) mit ihren vielen kleinen Bruderschaften und Altären der Arsenale-Handwerker. 


S. Nicolò, kretisch-venezianisch, 16. JH.
obere Reihe von Heiligenportraits nachträglich eingefügt

S. Biagio, das Gebäude der Scuola di Sant'Orsola bei SS. Giovanni e Paolo und S. Giovanni in Bragora wurden von der griechischen Gemeinde für orthodoxe Gottesdienste genutzt, bis 1539 S. Giorgio dei Greci gegründet wurde. Die Bruder-
schaft der Griechen existierte als Scuola di S. Nicola dei Greci schon seit 1498 an dieser Stelle des rio di San Lorenzo. 
In nächster Nähe zu S. Giovanni in Bragora ließ sich 1451 die dalmatinische Bruderschaft der Scuola di S. Giorgio degli schiavoni nieder. Die Templer hatten Kirche und Ordenshaus in der gleichen Gasse (erstes Dokument 1109), die später von den Johannitern von Rhodos, die nach der osmanischen Eroberung der Insel Ritter von Malta wurden, übernommen wurden. S. Sepolcro, direkt am Ufer des Hafens (heute Caserma Cornoldi) war als Nachbildung des Hl. Grabes Anlaufpunkt von Pilgern nach Jerusalem, Pauschaltouristen der Zeit, die hier ihre Überfahrt antraten oder, im ungünstigen Fall, nicht Jerusalem, aber doch immerhin das venezianische Hl. Grab besucht hatten.

Auch Rückkehrer aus den Kolonien wurden von der Serenissima in dieser Nachbarschaft angesiedelt, z. B. die Familie Moro-Malipiero nach der Eroberung Candias (Kretas) 1669 durch die Osmanen, die als Kompensation ihres Verlustes das Haus gegenüber von Sant'Antonin erhielt, das jetzt die spätere Inschrift "Ospizio povere ragazze" trägt.
Eine Nachbarschaft also, die über die Jahrhunderte stark levantinisch geprägt war, in der viele Sprachen gesprochen und Kulte gepflegt wurden. 

Ikone der Odigitria, kretisch-venezianisch, 17. JH
Schaukasten voller Reliquiarfläschchen

In S. Giovanni in Bragora ist der griechische Aspekt bis heute erhalten durch Werke unbekannter kretisch-venezianischer Künster: eine Kreuzigung aus dem 16. JH zwischen mittlerer und rechter Apsis; in der 3. linken Seitenkapelle (capella S. Teresa d'Avila) eine Odigitria aus dem 17. JH in einem barocken Holzrahmen. Sie hing früher an der Pietà-Brücke, hochverehrt von den seefahrenden Teilen der Bevölkerung, wurde 1638 in die Bragora gebracht. An der Brücke hängt seitdem eine andere Marienikone. Wunderbar ist die Tafelikone S. Nicolò aus dem 16. JH mit sehr feinen Szenen aus dem Leben des Heiligen. (Der manchmal etwas schnauzige Herr, der sich um das angemessene Benehmen der BesucherInnen kümmert, kann sehr freundlich sein. Nach einem kurzen Gespräch öffnete er mir das Gittertörchen und ließ mich die leider sehr hoch an der Seitenwand hängende Ikone näher betrachten.)
Sargdeckel S. Giovanni Elemosinario, 15. JH

Zur griechischen Geschichte der Kirche gehört auch die Seitenkapelle rechts für den Hl. Johannes Elemosinario (der Almosengeber), ein orthodoxer Heiliger, Patriarch von Ägyp-
ten, Feiertag 12. November, dem in Venedig außerdem eine ganze Kirche auf dem Rialto gewidmet ist. Die Kapelle wurde 1481 von Antonio Rizzo entworfen und von der griechischen Gemeinde Venedigs in einer Sammlung 1494 finanziert. Die Kapelle wurde mehrfach erneuert und 'verschönert', deshalb ist bis auf 'Cristo benedicente' und den Deckel des Sarges von Tedesco nichts mehr davon erhalten. Und natürlich die Leiche des Heiligen, die 'auf venezianische Art' von Admiral Lorenzo Bragadin schon 1249 aus Ägypten beigeschafft wurde, dar-
gestellt auf dem großformatigen Gemälde und ausgestellt in der Kapelle. 


Auch die ursprüngliche Raumgestaltung war zum Teil griechisch mit einer Art Ikonostasis, die Ende des 16. JH entfernt wurde, um den Altar von der Apsiswand nach vorne abzurücken. Erhalten davon sind nur die beiden quadratischen Säulen vorne im Kirchenschiff. Im Zentrum der Ikonostasis, jetzt linke Apsiskapelle, hing früher das Holzkreuz von Leonardo Tedesco, 15. JH, Kreuz und Körper wurden (eine Seltenheit) gleichzeitig aus verschiedenem, aber gleich alten Material hergestellt und sind eine der bedeutendsten Holzskulpturen in Venedig. 


2 quadratische Säulen,  Reste der ursprünglichen Ikonostasis, entfernt im  16. JH
Womit wir wieder beim wunderbaren Altarbild von Cima da Conegliano wären: seit 1494 steht es im Kataster, seit über 500 Jahren an der gleichen Wand, aber seit ca. 400 Jahren ist es nicht mehr mit dem Altar direkt verbunden und 1,5 m höher gehängt. Dafür wurde ein Rundfenster dahinter geschlossen, zwei kleine Altäre in der Apsiswand entfernt und ein kleines Chorgestühl angebracht, das man nicht auf den ersten Blick sieht. 1689 wurde die Gestaltung der Apsis zum letzten Mal ergänzt durch die beiden Skulpturen des Rheinländers Enrico Merengo (Heinrich Meyring) rechts und links des Altars, S. Giovanni Evangelista und S. Giovanni Elemosinario.


Beschädigte, aber großartige Vivarini-Madonna
Es gibt ein weiteres Werk von Cima da Conegliano, die Tafel Konstantin (d. Gr.) und (seiner Mutter) Elena beim Eingang der Sakristei, eine "pala per il legno della croce", also eine Kreuz-
reliquie, darunter 3 'quadretti' zum Wirken Elenas: auf dem Thron sitzend, das 'Wahre Kreuz' suchend, ein Toter, das Kreuz berührend.
Daneben Werke der Vivarini-Werkstatt (Bartolomeo, Alvise, Antonio); Bildnis des Redentore von Alvise, 1498, darunter 3 quadretti (der Redentore/Erlöser, S. Marco, S. Giovanni Ev-
angelista); Cristo ristorto, Cristo bendicente (linke Kirchen-

seite); Madonna aus der zerstörten Kirche S. Severo, beschädigt in der unteren Hälfte durch eine misslungene Restaurierung; Triptychon Madonna, S. Giovanni Battista, Sant'Andrea. 


Pietà tedesca, 15. JH, im nicht ganz passenden Rahmen
Neben dem Kreuz des Künstlers namens Tedesco gibt es die bedeutende Skulptur mit der Bezeichnung "Pietà tesdesca", also deutscher (anonymer) Herkunft, 15. JH. Sie stand seit 1507 neben der Seitentür und war, wie auch das Tedesco-Kreuz, farbig bemalt. Als Kultobjekt der 1663 gegründeten Bruderschaft 'Confraternità del suffragio dei morti' (Fürbitte für die Toten) wanderte sie in die 1. Seitenkapelle rechts, wurde weiß übermalt zur Simulierung von Marmor (!), erst mit der Restaurierung 1985 wurden die alten polychromen Farb-
schichten wieder entdeckt.  

Eine große Grabplatte im Mittelgang vor der Apsis trägt den Namen Insegner: das ist der 'Künstlername' der Orgelbauer-
familie Dagli, die die erste Orgel 1486 lieferte und über einige Generationen die Wartung und 2 Reparaturen verantwortete.



Grabplatte Orgelbauer Ingenerio
Besonders beeindruckt bin ich in S. Giovanni in Bragora von den vielen klein- und mittelformatigen Einzelstücken venezi-
anischer Kunst, ob griechisch, italienisch oder deutsch, meist gut gehängt/gestellt zur eingehenden Betrachtung und von hoher Qualität. Ich habe das Gefühl von Übersichtlichkeit und Klarheit, auch eines historischen Rahmens. Für mich ist die Kirche ein 'Gesamtkunstwerk'.


Die historische Religiosität der Reliquienverehrung nehme ich natürlich einerseits ernst, (siehe auch Eintrag Bessarions Stavrothek) andererseits bin ich ja sehr empfänglich für die komische Seite der Dinge, und Reliquien gehören eindeutig dazu, S. Giovanni in Bragora bietet dazu Großes.
Nicht nur gibt es den kompletten S. Giovanni Elemosinario und seine herrliche Wanderungsgeschichte zwischen Castello und dem Rialto, sondern die 3 linken Seitenkapellen (nachträgliche Anbauten zwecks Balance der alten Kapellen der rechten Seite) sind mit einer unglaublichen Zahl von Reliquien, teils nur in Form von Knochensplittern, teils in überraschend dekora-
tiver Anordnung, ausgestaltet. Mir fielen sie erst nach einigen Besuchen auf, in denen ich, immer hingerissen von den Kunstwerken, den etwas wuschelig wirkenden dunklen Kapellen keine Aufmerksamkeit schenkte. Man muss also etwas genauer hinsehen und sollte sich auch nicht durch die Schädelchen der "Unschuldigen Kinder" aus Bethlehem, naja, schockieren lassen, sondern den festen und ungetrübten Volksglauben bewundern, der hier - immer noch - seinen Ausdruck findet.   


Reliquien des Kindermords in Bethlehem


Der religiösen Praxis der vielen Bruderschaften in dieser Kirche kann man, im Gegensatz zu einigen anderen Kirchen in Castel-
lo, nicht mehr nachspüren. Erhalten sind nur die 'Pietà tedesca', das Altarbild der Sabbionai (Triptychton von Bissolo rechts der Seitentür: Sant'Andrea, S. Martino, S. Girolamo, und das Altarbild der Bruderschaft von Sant'Andrea: das Vivarini-Triptychon links der Seitentür. Ihren Platz hatten hier bis zur Aufhebung durch napoleonische Gesetze die Bruder-
schaften der Sabbionai (Sandtransporteure) Filacanevi ("Schneespinner" Seilflechter in den Corderie des Arsenale), des Allerheiligsten, von San Giovanni, von Sant'Andrea, der Annunziata (Verkündigung), des Rosario (Rosenkranzes), der Fürbitte für die Toten (suffragio dei morti), des Crocifisso (Kruzifix), der Sacerdoti (Priester), der Fraterna dei poveri (Brüder der Armen). Von einer Kirche hochgerechnet auf alle, gewinnt man eine Idee von der Zahl und der sozialen Bedeutung der venezianischen Bruderschaften, auch der kleinsten, jenseits der großen und privilegierten großen Scuole.



Reliquarienschaukästen
Wer den Campo Bandiera e Moro stimmungsvoll findet, mit der Nachbarschaft auf den (in Venedig bekannt sparsam gesäten) roten Sitzbänken, alte Damen, immer bereit zu einem Schwatz, sollte auch den hinter der Kirche liegenden Campiello del piovan nicht verpassen. Hier herrscht tiefe Ruhe ein paar Meter von der Riva, die rote Bank im Schatten ist meist frei, denn hier gibt es nichts zu gucken, der Durchgangsverkehr beschränkt sich auf Katzen, die übers Pflaster schieben. Ein schlichter Lieblingsplatz.

Die Kirchenfeste um die Kirche herum, mehrfach im Jahr, sind beliebt und stimmungsvoll. Das nächste findet in Kürze, am letzten Wochenende im Juni statt. Plakate mit dem Programm hängen im Sestiere aus.


Seiteneingang auf dem Campiello del piovan
(Quellen: ; Gaetano Andreis, S. Giovanni Battista in Bragora, Venedig 1903; Ministero per i Beni Culturali..., E. Vittorio, Chiesa di S. Giovanni in Bragora, Venedig 1981)

Website S. Giovanni in Bragora
Save Venice - Restaurierungen in S. Giovanni in Bragora


Übrigens: eine Zeitgenössische Kirche Sant'Erasmo auf Sant'Erasmo 
zitiert die Fassade von S. Giovanni in Bragora

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24. Mai 2014

Tango in Venedig

Vor einiger Zeit las ich vom Tango in venezianischen Sommer-
nächten auf campi und campielli. Klingt verheißungsvoll, habe ich aber noch nicht erlebt, vermutlich weil mir nach durch-
wanderten Tagen nicht der Sinn nach Tanzen, sondern einem entspannenden Fußbad steht. Damit ich auch am folgenden Tag durch Gassen, Kirchen und Ausstellungen wandern kann. Es gibt sogar das Gerücht vom Tango auf den den Stufen der Salutekirche - Hals- und Beinbruch! - was ich nicht wagen, aber mit gebührender Bewunderung gerne mal sehen würde.


Gestern schickte mir YouTube ein neues Werk von Philippe Apatie und siehe da, Tango in Castello!




Eine kurze Suche im www und es tut sich ein wahrer Kosmos von Tango in Venedig auf, inklusive Salute-Treppe. Hier scheinen Appassionati zu leben und vermutlich kann man viele Urlaubsnächte im Freiluft-Tango-Rausch verbringen.

Hier sind einige Funde:
Milonga-Lokalitäten, Terminkalender und Videos
Sonntäglicher Tango-Treff in der Ca' Zanardi, im Frühling und Sommer, je nach Wetter im Haus oder auf der Terrasse, Can-
naregio, auch auf dieser Termine-Website

Monatlicher Tango-Treff in S. Leonardo (ehemalige Kirche) in Cannaregio
Tango-Urlaub mit Unterkunft & Unterricht
Tango-Pauschal-Urlaub inkl. Tangotanz in der Laguna Nord
Neben dem Pflaster-Tango gibt es auch edlere/teurere Ver-
sionen, z. B. im Palazzo Vendramin-Calergi, sprich Winter-
casino, dieser Termin ist allerdings schon vorbei.


Weg vom Bahnhof zum Campo S. Giacomo dell'Orio, der "schönsten Milonga der Welt":



Sogar im kalten Carnevale wird auf dem Campo S. Giacomo dell'Orio Tango im Freien getanzt.

Das alles ist organisiert - vermutlich lässt sich darüber hinaus niemand abhalten, auch spontan zu tanzen, sei es nachts auf der Piazza zum Kaffeehausorchester oder in der Nachbar-
schaftsbar.



Ergänzung am 27.6.2014:
Ab 4.7. jeden 1. & 3. Freitag in den Sommermonaten "Milonga Clandestina" im Teatro Marinoni auf dem Lido. (Siehe auch Eintrag zum Teatro Marinoni)


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