18. März 2016

Lo Squero - Neuer Konzertsaal in Venedig

Foto Matteo De Fina, Pressemitteilung Fondazione Cini
(Bitte alle Fotos zwecks Vergrößerung anklicken)
Es gibt kaum eine andere kleine Stadt, die über so viele Aussstellungs- und Aufführungsorte verfügt wie Venedig. Die Insel S. Giorgio Maggiore ist in Venedig nochmals deutlich privilegiert in ihrer Varietät von Ausstellungsbereichen und  Musik-, Film- und Theateraufführungsräumen, inkl. dem fast nicht genutzten open-air 'Teatro Verde', alle zugehörig der Fondazione Cini. Vor allem hatte ich das Vergnügen, sehr sensible Musikaufführungen zu hören, von alter Musik über Ethno- bis zu entdeckter originaler Musik aus dem Cini-Archiv. Diese Veranstaltungen sind manchmal nur für geladene Gäste, meist der Öffentlichkeit zugänglich, aber nicht sehr bekannt (auch ich versuche, im Kulturkalender darauf hinzuweisen).


Die Insel S. Giorgio M. und Lo Squero vom Ufer der Insel Sant'Elena gesehen
Der neue Konzerthalle 'Lo Squero', die am 23. April eröffnet wird, entstand in der ehemaligen Schiffswerkstatt der Insel. Der Squero war Teil der Berufsschule für Seefahrt, eine der Gründungsinstitutionen der Fondazione Cini  in den 50ern des letzten Jahrhunderts. Die Ostseite der Insel kann man gut einsehen von einem Vaporetto der Linie 20 (S. Zaccaria-S. Servolo-S. Lazzaro). 


Foto Matteo De Fina, Pressemitteilung Fondazione Cini
Eingang an der südwestlichen Schmalseite
Andere Neubauten der 50er Jahre waren neben dem Squero im Stil der Arsenalebauten einen Hafen an der Nordseite der Insel Richtung S. Marco (bis heute ganzjährig in Betrieb); eine Darsena und Wohngebäude im Nordosten (mittlerweile Sitz der Compagnia della Vela, Segelunterricht für Kinder); ein großes Hallenbad, in dem auch viele Jahre der Schwimmunterricht für Schulklassen stattfand (heute finanziell trockengelegt, gelegentlich für Ausstellungen im Becken verwendet); einen Fußballplatz (heute eine leere Grünfläche); das bereits erwähnte Amphitheater 'Teatro Verde' und später den Campus Vittorio Branca.

Zuletzt wurden vor einigen Jahren die Ausstellungsräume für Glaskunst "Stanze del Vetro" gestaltet und das Borges Labyrinth aus Buchsbaum angepflanzt - es stellt gespiegelt den Schriftzug BORGES dar, ist ein fast 3 km langer Weg (ich durfte ihn schon gehen, ist aber normalerweise nicht für BesucherInnen zugänglich) und hat mittlerweile Hüfthöhe erreicht. Das "Glasteehaus Mondrian", zunächst befristet südlich des Borges Labyrinths und neben dem klösterlichen Gemüsegarten installiert, hat mittlerweile permanten Status erlangt. Die Prioritäten der Stiftung Cini haben sich in 60 Jahren teilweise verändert, das spiegelt sich auch in diesen baulichen Maßnahmen. 


Squero Sommer 2013, Marc Quinn-Ausstellung
Diese direkte Umgebung des ehemaligen Squero an der Nordostecke der Insel liegt im öffentlich zugänglichen Bereich. Das Gebäude - auf der Google Map (sie Link oben) unterm roten Dach, ein bisschen seltsam schräg mittendrin sitzt - lag ungenutzt hinter den "Stanze del Vetro" am Inselufer, in Jahren nur einmal genutzt für die große Marc Quinn-Ausstellung im Sommer/Herbst 2013 (100 beeindruckende Fotos beim Klicken auf das Foto unten links auf der Website). Nur deshalb kenne ich den Squero im Originalzustand und kann die wunderbare Umgestaltung von einem leeren Raum - frische Luft, freie Sicht - unter einem Dach, getragen von Ziegelsäulen, so bewundern. Mit dem Squero sind die Baumaßnahmen auf der Insel laut Fondazione Cini komplett und abgeschlossen.


Ufer des Squero, Sommer 2013
Die Architekten Cattaruzza Millosevich,  schon für die Gestaltung der "Stanze del Vetro" verantwortlich, haben den leeren Raum unter dem offenen Balkendach umgewandelt in eine schlichte Holzschachtel. Auf ersten Blick steigt in mir die Erinnerung an den Holzduft im frisch restaurierten Palladio-Speisesaal und der neuen Manica lunga-Bibliothek im Klosterbereich der Insel auf. Die Konsequenz, wie in allen Bereichen des Cini-Kompexes von verschiedenen Architekten, Künstlern und Handwerkern helles, glattes Holz in verschiedenen Patterns als Bodenbelag und Wandverkleidung eingesetzt wird, begeistert mich. Überall Wiedererkennungseffekte. 
Die nordöstliche Schmalseite des Gebäude ist verglast. Damit wiederholt sich auch der Einsatz von großen Glasflächen, angefangen bei der Piscina, über die Glastrennwände im Innern des Branca-Campus bis zu den Stanze del Vetro. Als belebtes 'Bühnenbild' steht das S. Marco-Becken von der Riva dei 7 Martiri bis Sant'Elena. Vom Zuschauersitz fällt der Blick direkt auf die Wasserfläche. Vaporetti, Lidofähren, Kreuzfahrtschiffe, der gesamte Privatbootsverkehr wird als hoffentlich geräuschloser Background die Konzerte einzigartig untermalen. Ich bin begeistert. Eine wunderbare Idee und Leistung. Eine ästhetische wie funktionale Bereicherung der schönsten Stadt.

Der Saal bietet 200 ZuhörerInnen Platz und wird eröffnet mit 6 Terminen (23.4., 21.5. 25.6., 17.9., 22.10., 19.11.), an denen Quartetto di Venezia und Asolo Musica Beethovens Streichquartette aufführen.  


Foto Matteo De Fina, Pressemitteilung Fondazione Cini

Ticketkauf Fondazione Cini zu einem späteren Zeitpunkt)

Wer die hier erwähnten Gebäude und Räume auf S. Giorgio Maggiore kennen- und bewundern lernen will, braucht eine Führung. Dringend zu empehlen, ansonsten kann man die Palladioräume und -kreuzgänge, die Bibliotheken, das Borges Labyrinth etc. allenfalls vom Kirchturm her sehen. 

Über S. Giorgio Maggiore und/bzw. die Fondazione Giorgio Cini gibt es bereits 12 Einträge in diesem Blog.


Foto Matteo De Fina, Pressemitteilung Fondazione Cini


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1 Kommentar:

Jutta hat gesagt…

Vielen Dank wieder einmal für diesen neune Hinweis. Werde dann wohl die neue Location dann wohl zum Novembertermin testen.