6. Mai 2018

Die externen Ausstellungsorte im Biennalesommer 2018


Was jenseits von Giardini und Arsenale an Palazzi, Kirchen- und Klosterräumen und Gärten zu sehen sein wird, gehört jedes Jahr zu den gespannten Fragen regelmäßiger Venedig-Besucher*innen. Die Biennale di Venezia arbeitet seit Jahren an der Renovierung der vorhandenen Gebäude im Arsenale als Ausstellungsräume, aber auch für Musik- und Theaterveranstaltungen. Im Arsenale Novissimo stehen die ehemals militärisch-industriell genutzten Hallen auch der Kunst zur Verfügung, wie auch der restaurierte Arsenaleturm und die große Fläche des Giardino delle Vergini. 
Folglich sind immer weniger Nationen- oder Nebenausstellungen auf Räume in der Stadt angewiesen und können dauerhaft ins Arsenale ziehen. In diesem Jahr stellt z. B. Luxemburg zum ersten Mal dort aus und hat damit seinen langjährige Nutzung des Parterre in der Ca' del Duca am Canal Grande aufgegeben. 

Das ist wohl praktisch für Besucher*innen, aber das Wandern durch die Stadt und die einladenden roten Biennaleschilder vor offenen Türen in der panisch und hermetisch verschlossenen Privatsphäre Venedigs ist bisher ein wichtiger Teil des Zaubers der Biennalen. Andererseits - es liegt nahe, welche Entwicklung der Einmal-im-Leben-und-erledigt-Tourismus in den nächsten Jahren/Jahrzehnten nehmen wird. Vielleicht ist die 'natürliche' Abgrenzung gegenüber dem 'Veniceland' der Massen durch Eintrittskarten in Giardini und Biennale die künftige Rettung der Biennale di Venezia. 

Architektur hat in der Regel weniger Ausstellungsraumbedarf als Kunst, und in diesem Jahr also gibt es weniger externe Ausstellungsorte denn je. Und leider keine besonders speziellen, geschweige denn nie gesehene. Außer der Ausstellung im Park der Insel S. Giorgio Maggiore, einer der 'geheimen' Gärten Venedigs und für viele Venedig-Appassionati sicher eines der ersten Ziele in diesem Jahr. 
Hier gibt es noch einige weitere Empfehlungen, vor allem für Biennale-Neulinge, sortiert nach Sestieri und mit insgesamt 5 beteiligten Gärten grün orientiert, die ich nach Möglichkeit durch weitere Sommerausstellungen ergänzen werde, jeweils versehen mit dem Datum der Ergänzung. Hinweise per Kommentarfunktion oder Mail (oben rechts Kontaktbutton klicken) nehme ich wie immer erfreut und dankend auf.


Park auf S. Giorgio Maggiore


Castello

Die Serra dei Giardini ist der Wintergarten auf der schönen Allee Viale Garibaldi, der seit 8 Jahren wieder als Café, Gartencafé, Topf- (nicht Schnitt-) pflanzengeschäft und Ort für Ausstellungen, Musik, Kindergeburtstage und sonstige freiraumbedürftige Veranstaltungen sehr erfolgreich fungiert. (Siehe Eintrag vom 28.11.2010
Hier gibt es eine der offiziellen Nebenausstellungen, und zwar des Schwedischen Instituts "Greenhouse Garden - Reflect, Project, Connect". Angekündigt sind außerdem Seminare und Workshops, ein Programm dazu ist online bisher leider nicht zu finden. Aber unabhängig von diesem Angebot ist die Serra ganzjährig geöffnet und immer ein schöner Treffpunkt im Grünen.
Haltestelle Biennale.


Serra mit BiennaleObjekt 2016

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Noch eine Gartenausstellung, direkt um die Ecke im rechten der beiden Gärten der Marinaressa (Blick mit Rücken zur Lagune), bietet uns Pakistan mit seinem ersten nationalen Biennaleauftritt "The Fold". Mehr Bilder. Dieser Garten ist nur für Ausstellungen geöffnet, seit der Biennale 2017.
Der linke Garten ist einer der öffentlichen Parks Venedigs, in dem die Nachbarschaft die Hunde Gassi führt, Körperübungen und Sozialkontakte pflegt und gelegentlich eine Bank durch einen schlafenden Touristen belegt ist. Täglich geöffnet, mit Sonnenuntergang abgeschlossen. Hier stellen wieder  Teilnehmer*innen der Sammelausstellung "Time Space Existence" (Hauptlocations Palazzo Mora in Cannaregio und Palazzo Bembo in San Marco an der Rialtobrücke) aus, u. a. Jim Gallucci. Dieser Link ist lesenswert und nicht der erste Hinweis darauf, wie das 'gemeinnützige' European Cultural Center trotz Sponsoren die ausstellenden Künstler*innen rekrutiert und an der Finanzierung seiner Ausstellungen beteiligt. 

Das ehemalige Ospizio Marinaressa wurde im 14. JH durch die Republik Venedig erbaut und in Apartments aufgeteilt verdienten mittellosen alten Seemännern kostenlos überlassen. Später nur noch höheren Graden, militärisch sehr verdienten Männern, besonders im 25jährigen Krieg um die Stadt Candia. Der Gebäudekomplex besteht aus 3 langen Häusern, die durch eine Fassade zur Riva verbunden und durch 2 weite Bogentore zu betreten sind. Ein markanter Anblick, den wir alle vom Vaporetto aus kennen, 2 große Torbögen, 2 Gärten rechts und links davon. Mit Napoleon war es vorbei mit den kostenlosen Sozialwohnungen. Heute kann, wer will, per AirBnB auch in einer der Eigentumswohnungen der Marinaressa wohnen. Und der Garten auf der linken Seite (vom Ufer aus gesehen) ist ganzjährig geöffnet und beliebt bei den Anwohner*innen, erstaunlicherweise wenig genutzt von Tourist*innen.

Hier an der jetztigen breiten Riva dei Sette Martiri lagen früher privatwirtschaftliche Squeri, also Schiffsbau- und Reparaturwerkstätten. Sie gehörten nicht zum staatlichen Arsenale und waren ein Teil des Hafenbeckens von S. Marco mit seinen Ankerplätzen entlang der Ufer. Erst im 20. JH wurde das Ufer befestigt und von der Regierung Mussolini als Militärparadenplatz bestimmt. Den Namen der Sette Martiri erhielt das Ufer erst nach dem 2. Weltkrieg in Erinnerung an sieben Männer des Widerstands, die am 3.8.1944 am Ufer vor diesen beiden Gärten durch das deutsche Besatzungskommando hingerichtet wurden. (Siehe Eintrag 31.7.2017 "Riva dei Sette Martiri - nicht nur Biennale")
Haltestellen Arsenale und Biennale.


Giardino della Marinaressa links

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Ergänzung 26.5.:
In der angrenzenden Palazzina Canonica (siehe Details zum Gebäude ebenfalls im Eintrag "Riva dei Sette Martiri - nicht nur Biennale") stellt in Kooperation mit dem Meeresforschungsinstitut CNR-ISMAR Venice (siehe Details im gleichen Link) die TBA21-Academy vom 23.5.-30.9. "Prospecting Ocean" von Armin Linke aus. 
Leser*innen dieses Blogs kennen meine Einträge zu TBA21 und TBA21-Academy bzw. zum zum ehemaligen Kloster und zur Kirche San Lorenzo in Castello. Wie schon vor 6 Monaten auf der Bonner Tagung vorangekündigt, hat Francesca von Habsburg nun die Eröffnung des "Ocean Space" in San Lorenzo im Sommer 2019 offiziell mitgeteilt. 'Prospecting Oceans' und das Gebäude der Palazzina Canonica sollte man nicht verpassen, auf die neue Kunstinstitution in San Lorenzo darf man noch ein Jahr gespannt sein. 
Dazu heute auch ein Artikel von Artribune.
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S. Maria Ausiliatrice, ehemaliger Kirchenraum und Nebenräume. Das Gebäude wurde im 12. JH gegründet als Ospedale dei Santi Pietro e Paolo für Pilger auf dem Weg nach Palästina, das erste seiner Art in Venedig.  Nach dem Ende der Pilgerfahrten wurden hier Bedürftige und Kranke versorgt. Die Einrichtung wurde 1806 geschlossen, Kunstwerke bis auf wenige festinstallierte in der ehemaligen Kirche S. Giocchino gefleddert und verkauft, und später unter dem Namen Maria Ausiliatrice (die Nothelferin) als Mädchenheim verwendet. 
Seit der Restaurierung in den 90er Jahren dient es als Wohnheim für Studierende und Hostel sowie Kinder- und Jugendzentrum (Ludothek).
Die Kirche und 2 Nebenräume werden regelmäßig zur Biennale vermietet und waren seit Jahren Ausstellungsort von Schottland und Wales, in diesem Jahr tritt hier Estland mit "Weak Monument" auf. Der Innenraum der Kirche wird umgebaut, die Ankündigung der Ausstellung macht neugierig. 


EXHIBITION : Weak Monument invites visitors to expand their understanding of how, where and why architecture can be recognized as political. The former church of Santa Maria Ausiliatrice is overtaken by a pavement and a wall. A suburban interlocking pavement covers its coloured marbles, while a monument-like concrete wall divides the exhibition space in two. The everyday and the exceptional structures are forced to occupy the same baroque interior. A scene is formed, which invites the visitor to step onto, and through it.
The concrete wall, which initially appears grand and impenetrable, can be crossed. Behind it, its internal structure and richness of materials unfold. In this transitional space, a broad collection of weak monuments is unveiled. Estonian, as well as European examples, are showcased through existing and newly commissioned photographs, through drawings and models, and in the catalogue.
Weitere Artikel dazu von DOMUS (mit Fotos), ArchDaily, Archisearch und Carpe Diem.
Haltestellen Arsenale und Biennale.


S. M. Ausiliatrice
Altarsockel der ex-Kirche S. Gioacchino

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Die Ausstellung von Taiwan hat seit 1995 ihren festen Platz im Palazzo delle Prigioni. "Living with the Sky, Water, and Mountain: Making Places in Ylan" studiert Alltag und Umwelt von Ylan (Wikipedia dt.: Ylan) - nie gehört und schon allein deshalb interessant. 
Der Bau der 'neuen' Gefängnisse wurde Mitte des 16. JH von Antonio da Ponte (Architekt auch der Rialtobrücke) begonnen und 1614 von seinem Neffen Antonio Contino fertiggestellt. Er ersetzte die veralteten fürchterlichen Gefängnisse im Dogenpalast, die 'Pozzi', die sich unter der Wasseroberfläche, und die 'Piombi', die sich direkt unter dem Dach befanden. Zu seiner Entstehungszeit galten dieser Gefängnisbau und auch die Lebensbedingungen als fortschrittlich und sozial und wurden Staatgästen als beispielhaft präsentiert. Die Zellen (zu besuchen beim Rundgang im Dogenpalast über die 'Seufzerbrücke') befanden sich im Untergeschoss, aber über der Wasseroberfläche, vergleichsweise trocken, hell und luftig. Zu ebener Erde existierte die Gefängniskapelle (nicht mehr) und im Obergeschoss, wo sich heute die Ausstellungsräume befinden, die Amtsräume der Signori di Notte
Die Kriminalpolizei, zuständig für nächtliche Sicherheit in der Stadt, bestand bis 1244 aus jeweils einem Mann pro Sestiere, wurde ab dann zunächst verdoppelt und war zuständig für Patrouillen in der Stadt, Delikte gegen Leben, Eigentum, Waffen-, Ehr- und Kleidervorschriften, Verhaftungen und Gerichtsüberstellung von Täter*innen. 
Abhängig von der Gestaltung der Ausstellungen kann man an den Wänden Ritzungen aus der Zeit der Serenissima entdecken (oder eben nicht).
Das Gebäude kann man nur während Biennaleausstellungen besichtigen, aber besuchen kann man es auch zu Konzertveranstaltungen außerhalb Biennalezeiten.
Haltestelle S. Marco-S. Zaccaria.





Cannaregio

Die Ausstellung "Venice Design" findet jährlich während der Kunst- und Architekturbiennalen im piano nobile des Palazzo Michiel del Brusà am Canal Grande statt. Die Geschichte des Hauses, der säulengestützte Raum im Wassergeschoss mit einem wunderbaren Brunnenkopf und Blick auf den Rialtomarkt sowie die Ausstellungsräume selbst sind sehr beeindruckend, was nicht immer auf alle Exponate zutrifft. Kann auch mal einfach nur Luxuskitsch sein. Eine der jetzt ausstellenden Gruppen ist das Naqsh Collective, das palästinensisches Kunsthandwerk zeigt. 
Das Gebäude ist unbedingt einen Besuch wert, Eingang von der Strada Nova. 
Haltestelle Ca' d'Oro. 


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Im Erdgeschoss des Palazzo Albrizzi-Capello stellt wieder Guatemala aus. Das Projekt "Stigma" zeigt zentral als Fotoreproduktion den Tempel der Masken in Tikal
Das Haus Albrizzi-Capello ist der Sitz der Associazione Culturale Italo-Tedesca Venezia und schon allein für den Italienischunterricht ganzjährig zugänglich, darüber hinaus anlässlich vieler Konzerte und Ausstellungen. Es ist auch möglich, außerhalb von Ausstellungen im Büro der Schule (1. Etage) anzuklopfen und zu fragen, ob man kurz die Räume des Piano Nobile besichtigen darf. Ich vermute, dass es neben Guatemala im Laufe des Sommers und Herbsts wie immer Ausstellungen im Hause geben wird.
Haltestelle Ca' d'Oro.


Im Palazzo Albrizzi-Capello


San Marco


Im Palazzo Malipiero, vielmehr in den kleinen Räumen an der Rückseite des Hauptgebäudes am Canal Grande, stellten bisher zu jeder Biennale 3-4 Länder oder 'Kollaterale' aus, das scheint sich gerade zu ändern. Die bisherigen Mieter wandern ab (z. B. Cypern ins Arsenale, Estland nach S. M. Ausiliatrice) und 2018 gibt es hier nur noch Montenegro. Die bisherige Besitzerin des Hauses, Anna Barnabò, starb vor wenigen Jahren, das Haus (oder zumindest die Fassade zum Canal Grande) wurde renoviert, die Dachetage oder ein Teil davon wird bei AirBnB angeboten. Naja, weder der Palazzo noch der wunderbare Garten gehörten bisher zu den Ausstellungsbereichen, trotzdem waren die krummen Treppen, Wände und Fußböden ein stimmungsvoller Ausstellungsort. Montenegro also zeigt in diesem Jahr "Emerging Resilience" und "Wo/man under Umbrella" und dazu ist derzeit (noch?) fast nichts im www zu finden. Wird nachgereicht, wenn es soweit ist.
Haltestelle S. Samuele 


Palazzo Malipiero
mit mittlerweile verschwundener Traghettostation
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Ein paar Schritte weiter Richtung Accademiabrücke stellt Portugal im Palazzo Giustinian Lolin aus. Das Haus ist der Sitz der Stiftung Ugo und Olga Levi, man kann hier einfach aber preisgünstig wohnen, es gibt eine öffentliche Musikbibliothek, es finden Konzerte und Lesungen statt, die Stiftung beteiligt sich auch jährlich an der Artnight, das Haus ist also zumindest in Teilen regelmäßig zugänglich. 
Die portugiesische Ausstellung im Piano Nobile "Public Without Rhetoric" diskutiert anhand von Fotos, Zeichnungen und Modellen von 12 Projekten  öffentliches Bauen in Zeiten von Krise und knappen öffentlichen Mitteln. Mehr dazu.
Haltestellen S. Samuele, Accademia


Palazzo Giustinian Lolin mit Accademiabrücke

Ergänzungen San Marco
9.5.:
Keine Biennaleveranstaltung ist die für 2.6.-30.9. angekündigte "Van Gogh Multimediaexperience" im Palazzo Giustinian FaccanonMehr Informationen zur Multimediashow und zum Haus. Was die Präsentation von Kunst mit elektronischen Medien betrifft, ist meine Haltung bekanntlich orthodox, Andere sehen das anders. Das Haus habe ich noch nie besucht und darauf bin ich schon neugierig!

22.5.
Der Palazzo Ferro Fini ist seit den 70er Jahren der Sitz des Regionalrates des Veneto. Ich hatte noch nie Gelegenheit, das Gebäude zu besuchen und schaffe es auch diesmal leider nicht - Ausstellungstermin Juni/Juli. Für die Nutzung als Ratsgebäude wurde wohl eingehend renoviert und umgebaut inklusive Fahrstuhl, dies ist ein Ziel von Klassenausflügen, hier trifft sich auch das Kinder- und Jugendparlament des Veneto, und es gibt ab und zu öffentliche Veranstaltungen/ Ausstellungen. Vom 23.5. bis 7.8. zeigt Nancy Genn eine Retrospektive ihrer 60 Jahre künstlerischer Arbeit "Architecture from within". Dies ist keine Veranstaltung im Zusammenhang mit der Biennale, aber ich empfehle sehr, die Gelegenheit wahrzunehmen und das Haus - soweit möglich - zu besichtigen.
Haltestelle S. M. del Giglio.


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Dorsoduro

Im Palazzo Zenobio, offizieller Sitz des Collegio Armeno,  zeigt Schottland "The Happenstance", der Zufall, und ich hoffe, dass es weitere Ausstellungen im Haus und in Nebengebäuden gibt, wie häufig in den Biennalenjahren. Aber jedenfalls ist auch mit nur einer Vermietung der große Garten den ganzen Sommer und Herbst über zugänglich, wunderbar, und sollte nicht verpasst werden. 
The Happenstance hat eine schöne Website, auf der es z. B. eine allgemeine Einladung zur Ausstellungseröffnung gibt und es werden wieder Fellowships und Praktika für junge Künstler*innen bzw. Architekt*innen angeboten - eine sehr einladende Sache. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Betreuer*innen der schottischen Pavillons - Architektur und Kunst - wirklich angenehme und kompetente Menschen sind, immer bereit, ein interessantes Gespräch mit Besucher*innen zu führen.


Garten Palazzo Zenobio
Jenseits von Biennaleausstellungen scheinen Garten und Gebäude des Palazzo Zenobio nicht zugänglich zu sein. Ich weiß, dass Räumlichkeiten früher für geschlossene Veranstaltungen vermietet wurden, auch wurden Zimmer jugenherbergsmäßig angeboten (und richtig schlecht bewertet), der Renovierungsbedarf scheint das alles auszuschließen, aber Genaueres weiss ich darüber nicht. Jede Gelegenheit das Haus zu sehen und den Garten zu genießen sollte aus meiner Sicht unbedingt genutzt werden.
Haltestelle San Basilio.  


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Ergänzungen Dorsoduro:

Guidecca (Ergänzung12.5.)
Sestieretechnisch gehört die Giudecca zum Dorsoduro. Die frühere Brauerei Dreher wurde 1984 renoviert und konvertiert zu teils Mietwohnungen, teils Kulturräumen. 
Im Spazio Punch, den hohen fensterlosen Räumen der ehemaligen Brauerei gibt es in diesem Jahr den "Cruising Pavilion" inkl. dark rooms, Bar mit Getränken und Poppers, einem special event in der Bar zur Eröffnung am Freitag, 25.5. 19-24 Uhr und der Möglichkeit einer privaten Tour zum historischen cruising ground Garden Eden (Näheres und Anmeldung dazu per Mail unter dem o. g. Link, unter "Events". Öffnungszeiten des Cruising Pavilions Di-So jeweils 14-19 Uhr. Noch was dazu unter Quartzy und Artlyst.
Ich selbst sehe Sexualität eher als private denn öffentliche Veranstaltung, ermutige aber zögerliche Interessierte, die weder homosexuell noch ausdrücklich männlich sind, sich die Reflexionen zu Verbindungen von Cruising und Architektur anzusehen. 
Haltestelle Palanca.


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Giudecca (Ergänzung 20.5.)
Nur vom 25.-30.5. im Wohnkomplex Gino Valle (1984-86): "Unfolding Pavilion". Eine leerstehende Wohneinheit der Sozialwohnungen von Gino Valle wird für die sechstägige (Dauer-)Veranstaltung eingerichtet. Ich kenne die Gebäude bisher nicht (und werde auch diese Gelegenheit leider nicht nutzen können) und kann deshalb wenig dazu sagen. Hier ist ein interessanter Artikel zur Planung auf der Giudecca (12/2015) 'Hidden Architecture'.
Haltestelle Palanca.

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Palazzo Rocca Contarini Corfu oder auch Palazzo Contarini degli Scrigni e Corfù (Ergänzung 20.5.):
Ausstellung "Multiforme, declinazioni tra spazio e tempo" vom 24.5.-27.6., die zuvor im Mailand gezeigt wurde. Es handelt sich um eine künstlerische Präsentation der italienischen Firma Alcantara, die seit den 70er Jahren ein lederähnliches Kunststoffmaterial produziert. Die Ausstellung kann interessant sein, muss aber nicht, interessant ist auf jeden Fall das Haus. Es ist z. T. bewohnt und wird für geschlossene Gesellschaftsevent vermietet, ist also nicht allgemein zugänglich. Also sollte die kurze Gelegenheit nicht verpasst werden! Was ich an Informationen dazu herausgesucht habe, steht in meinem Eintrag "Palazzo Contarini Corfù und Telluria" vom 6.6.2015, der bisher letzten Öffnung des Hauses. 
Haltestelle Accademia.

Palazzo Zenobio


Santa Croce

Jährlich zeigt die Ca' Corner della Regina anlässlich und während der ganzen Biennalelaufzeit eine neue Ausstellung der Fondazione Prada. In den Wintermonaten werden die langfristigen Restaurierungsarbeiten fortgesetzt. Was von der bereits fertiggestellten überaus üppigen Innenausstattung der Räume zu sehen ist, also z. B. den Wandgemälden zur tragischen Geschichte der venezianischen Königin von Zypern, Caterina Cornaro, hängt immer auch von den Exponaten und der Arbeit der Kurator*innen ab, also gibts jährlich eine gewisse Überraschung.
In diesem Jahr sehen wir "Denkmaschinen" kuratiert von Dieter Roelstraete. (Siehe auch bisherige Einträge zum Haus bzw. Ausstellungen). 
Haltestelle S. Stae.


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In der Ca' Tron, einer der Sitze der Universität IUAV, stellt zum dritten Mal "Across Chinese Cities" aus. Leider ist die Website von 2014/2016 noch nicht auf dem Stand von 2018.
Mehr über das Gebäude mit Links zu den Plänen und mehr zum Garten, den man auch ohne Biennaleausstellung durch den Nebeneingang besuchen kann und der ein ziemlich typisches Beispiel eines venezianischen Gartens darstellt: gepflasterter Hof mit Zisterne und Brunnenkopf direkt am Haus, ein durch wenige Treppenstufen erhöhter Gartenbereich, der in verschiedene Pflanz- und Aufenthaltsbereiche und unterteilt ist. 


Ca' Tron vom Garten gesehen



Ergänzung 13.5.

Lido 
Der Lido gehört zu keinem der o.g. Stadtsechstel (sestieri), sondern bildet zusammen mit Pellestrina eine eigene 'Inselgruppe'.
Meines Wissens zum ersten Mal werden 2018 Teile der Kasernengebäude hinter der Kirche S. Nicolò di Lido in die zeitlich befristete Nutzung für die Biennale einbezogen. Sie dienen 2018 als Wohnräume für Künstler*innen, Ausstellungsräume, Architekturateliers und -büros und Räumlichkeiten für internationale Workshops. 
Konrekt geht es um die Caserma d'Artiglieria Guglielmo Pepe. (Hier ein weiterer Link zum Projekt und die Pressemitteilung der Agenzia del Demanio und der Biennale Urbana, verantwortlich für die Nutzung der Gebäude.) Das Gebäude ist riesig, wie man hier sehen kann und wird seit 1999 nicht genutzt, ist dem Publikum seitdem kaum zugänglich. Die Kaserne stammt vom Ende des 16. JH und wurde auf der Fläche angelegt, auf der sich 400 Jahre zuvor die europäischen Ritter zum 4. Kreuzzug sammelten, einem der Wendepunkte der Geschichte Venedigs. Der natürliche Schutz, den der Lido der Lagune bot, sollte hier angesichts der Konflikte mit dem osmanischen Reich durch die Anwesenheit einer großen Zahl kasernierter Soldaten verstärkt werden. 

Der Pavillon Frankreichs stellt hier in Räumen und im Innenhof die praktische Nutzanwendung seines Auststellungsprojekts Lieux Infinis mit 10 Häusern vor.  So oder so - interessantes Biennaleprojekt, interessantes Gebäude. 
(Siehe auch Link zu 3 Einträgen zum ehemaligen Kloster S. Nicolò.)
Haltestelle S. Nicolò di Lido, mit der Autofähre ab Tronchetto oder mit den diversen Vaporettolinien nach Lido S. Maria Elisabetta und von dort mit dem Bus Linea A weiter, oder zu Fuß die Uferstraße gehen. 





Siehe auch Eintrag 27.4.18 Architekturbiennale 2018 - Mitteilungen, Berichte und Meinungen im Vorfeld.

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