30. Mai 2018

Venezianische Gärten und Parks im Sommer 2018

Alle Fotos: Rosen in venezianischen Gärten Mai 2017

Die Verhaltensregeln, die uns Tourist*innen nachdrücklich seit 2017 eingepaukt werden, verlangen, dass wir uns für eine Rast oder den Vezehr eines Brötchens bitteschön in öffentliche Gärten zu begeben haben. Nicht so ganz einfach, wenn man sich den Plan der öffentlichen Gärten und ihre Verteilung im Stadtgebiet ansieht, aber immerhin ein offizieller Plan, an den man sich halten kann... glaubt man... denn leider ist R5 (Napoleonische Gärten), direkt neben der am strengsten überwachten Piazza S. Marco, für längere Zeit wegen Umgestaltung außer Betrieb und man hat vergessen, das im Plan einzutragen. 

Aus verschiedenen Blogeinträgen (Kulturkalender, Externe Ausstellungsorte der Biennale, diversen Berichten im Laufe der Jahre - deren Links z. T. nicht mehr funktionieren könnten, ich bitte um Verständnis!) stelle ich hier die zusätzlichen Gartenempfehlungen für diesen Sommer 2018 in Venedig zusammen. Wobei ich nicht gesagt haben will, dass in diesen Gärten grundsätzlich gepicknickt werden darf. Die Empfehlungen gelten Garten- und Venedigfreund*innen mit vertiefter Neugier auf eine besondere Seite der schönsten Stadt! 





1. Giardino della Misericordia (Cannaregio)
Ziemlich sensationelle Sonderöffnung vom 2.-30.5. mit kostenlosen Führungen und ein Beispiel für derartige immer wieder mal vorkommende Sonderöffnungen. (Wie das z. B. auch ohne viel Aufhebens mit dem Garten des Palazzo Soranzo Capello geschah - in diesem Jahr gibt es bisher keinerlei Ankündigung, leider.)

Also heute letzter Termin dieser Veranstaltung, aber der Hinweis stand  im Kulturkalender: 
"2., 4., 9., 11., 16., 18., 23., 25., 30.5. jeweils 10:30 Uhr Giardino della Misericordia. Eine Veranstaltung der Accademia. Einer der wirklich "geheimen" Gärten der Stadt und Lagune, außerordentliche Öffnung, seltene Chance!
Eintritt ist frei, Anmeldung wegen der Gruppen von nur 25 Teilnehmer*innen unbedingt erforderlich unter Tel. +39-041-720661 zwischen 9 und 16 Uhr.

Haltestelle Ca' d'Oro."




2. Park der Insel S. Giorgio Maggiore
Mindestens genauso sensationell wie der Garten der Misericordia und in der Eröffnungwoche der Biennale vollgestopft wie die Piazza San Marco - aber das ist jetzt vorbei.
Mein Vorab-Eintrag vom 28.3. zum Biennaleauftritt des Vaticans gibt weitere Hinweise und Links. Auch wer sich gar nicht für die Architekturbiennale interessiert (was eigentlich nicht sein kann), oder bereits an der Führung durch die Fondazione Cini, also die Gebäude auf der Insel, teilgenommen hat, darf sich diesen Besuch des strikt verschlossenen Inselparks nicht entgehen lassen.




3. Die beiden Gärten der Marinaressa (Castello)
Der eine ein kleiner öffentlicher Park, täglich geöffnet, der andere 2017 renoviert, in beiden sind Biennaleausstellungen zu sehen.

"Im rechten der beiden Gärten der Marinaressa (Blick mit Rücken zur Lagune), bietet uns Pakistan mit seinem ersten nationalen Biennaleauftritt "The Fold". Mehr Bilder. Dieser Garten ist nur für Ausstellungen geöffnet seit der Biennale 2017.
Der linke Garten ist einer der öffentlichen Parks Venedigs, in dem die Nachbarschaft die Hunde Gassi führt, Körperübungen und Sozialkontakte pflegt und gelegentlich eine Bank durch einen schlafenden Touristen belegt ist. Täglich geöffnet, mit Sonnenuntergang abgeschlossen. Hier stellen wieder  Teilnehmer*innen der Sammelausstellung "Time Space Existence" aus. ...

Das ehemalige Ospizio Marinaressa wurde im 14. JH durch die Republik Venedig erbaut und in Apartments aufgeteilt verdienten mittellosen alten Seemännern kostenlos überlassen. Später nur noch höheren Graden, militärisch sehr verdienten Männern, besonders im 25jährigen Krieg um die Stadt Candia. Der Gebäudekomplex besteht aus 3 langen Häusern, die durch eine Fassade zur Riva verbunden und durch 2 weite Bogentore zu betreten sind. Ein markanter Anblick, den wir alle vom Vaporetto aus kennen, 2 große Torbögen, 2 Gärten rechts und links davon. Mit Napoleon war es vorbei mit den kostenlosen Sozialwohnungen. Heute kann, wer will, per AirBnB auch in einer der Eigentumswohnungen der Marinaressa wohnen. Und der Garten auf der linken Seite (vom Ufer aus gesehen) ist ganzjährig geöffnet und beliebt bei den Anwohner*innen, erstaunlicherweise wenig genutzt von Tourist*innen.


Hier an der jetztigen breiten Riva dei Sette Martiri lagen früher privatwirtschaftliche Squeri, also Schiffsbau- und Reparaturwerkstätten. Sie gehörten nicht zum staatlichen Arsenale und waren ein Teil des Hafenbeckens von S. Marco mit seinen Ankerplätzen entlang der Ufer. Erst im 20. JH wurde das Ufer befestigt und von der Regierung Mussolini als Militärparadenplatz bestimmt. Den Namen der Sette Martiri erhielt das Ufer erst nach dem 2. Weltkrieg in Erinnerung an sieben Männer des Widerstands, die am 3.8.1944 am Ufer vor diesen beiden Gärten durch das deutsche Besatzungskommando hingerichtet wurden. (Siehe Eintrag 31.7.2017 "Riva dei Sette Martiri - nicht nur Biennale")

Haltestellen Arsenale und Biennale."




4. Garten des Palazzo Zenobio (Dorsoduro)
Einer der sehr großen Gärten Venedigs, voller Rosen, mit Bänken und sogar einer angrenzenden 'Liegewiese'. Rundumblick auf das Haus Zenobio, sein ehemaliges Bibliothekshaus in der Tiefe des Garten und den Campanile der Carmini - idyllischer kann ein venezianischer Garten kaum sein. 

"Im Palazzo Zenobio, offizieller Sitz des Collegio Armeno,  zeigt Schottland "The Happenstance", der Zufall, und ich hoffe, dass es weitere Ausstellungen im Haus und in Nebengebäuden gibt, wie häufig in den Biennalenjahren. Aber jedenfalls ist auch mit nur einer Vermietung der große Garten den ganzen Sommer und Herbst über zugänglich, wunderbar, und sollte nicht verpasst werden. 

The Happenstance hat eine schöne Website, auf der es z. B. eine allgemeine Einladung zur Ausstellungseröffnung gibt und es werden wieder Fellowships und Praktika für junge Künstler*innen bzw. Architekt*innen angeboten - eine sehr einladende Sache. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Betreuer*innen der schottischen Pavillons - Architektur und Kunst - wirklich angenehme und kompetente Menschen sind, immer bereit, ein interessantes Gespräch mit Besucher*innen zu führen."
Haltestelle S. Basilio.




5. Garten der Ca' Tron
Die Ca' Tron am Canal Grande ist Teil der Universität IUAV, der Landeingang zum Gebäude liegt neben dem separaten Eingang zum Garten, der theoretisch immer betreten werden kann (und in dem die Studierenden übrigens auch Pausen mit Brötchen etc. verbringen). Völlig ohne Scheu kann man also den Garten auf jeden Fall anlässlich von Biennaleausstellungen besuchen, besichtigen, genießen.

"In der Ca' Tron, einer der Sitze der Universität IUAV, stellt zum dritten Mal "Across Chinese Cities" aus, vom 26.5.-19.10..

Mehr über das Gebäude mit Links zu den Plänen und mehr zum Garten, den man auch ohne Biennaleausstellung durch den Nebeneingang besuchen kann und der ein ziemlich typisches Beispiel eines venezianischen Gartens darstellt: gepflasterter Hof mit Zisterne und Brunnenkopf direkt am Haus, ein durch wenige Treppenstufen erhöhter Gartenbereich, der in verschiedene Pflanz- und Aufenthaltsbereiche und unterteilt ist."
Haltestelle S. Stae, von da geradeaus, nächste rechts.




6. Parkanlagen auf S. Servolo
Wer auf dem "Schiff aus Stein" mal schnell Gras unter den Füßen und einen hohen Baum über sich braucht, kann auch auf die Insel S. Servolo fahren. Dort gibt es neben den dauerhaft im Park aufgestellten Kunstwerken immer Ausstellungen, schöne Spazierwege, Ausblicke in die Lagune sowie Wiesen, Gebüsch, Schatten und Bänke (auch zum Verzehr des Brötchens), aber auch eine günstige Mensa (3 Gänge 11 €) und eine Cafébar mit Gartenbetrieb. (Siehe auch Einträge "San Servolo" vom 5.3.2010 und "Eine seltsame traurige wahre Geschichte" vom 23.12.2011.)
Linie 20 ab S. Zaccaria.




7. Parkanlagen auf der Certosa
Seit 4 Jahren habe ich nicht über die Entwicklung auf der Certosa berichtet, trotz regelmäßiger Besuche dort und obwohl es Berichte zu erstatten gäbe. Es hat sich sehr viel getan, nicht alles gefällt mir persönlich, nicht alles scheint fertig zu sein. 
Im vorderen Teil der Insel gibt es eine riesige Grasfläche, die um ihr Leben kämpft, und einige Bäume, die die Umstrukturierung der Insel überlebt haben - wer Bewegung jedweder Art braucht, findet hier den Freiraum dafür. Im hinteren Teil steht zum Glück weiterhin der Wald auf der Sanddüne und zum Teil undurchdringliches Unterholz, aber auch die schönen flachen stillen Ufersäume, romantisch und auch zum Essen des Brötchens geeignet. Wenn man nicht lieber das Gartencafé im gewerblichen Bereich der Insel nutzt. 
(Siehe auch "La Certosa April 2012" und "Laguna Nord: Schäden durch Tornado", sowie "La Certosa - Urban Park 2015".
Haltestelle Certosa der Linie 4.1. und Linie 4.2., aber Linie 5.1. sowie Linie 5.2. nur auf Anfrage bzw. abends (!).




8. Mazzorbo - der ummauerte Weingarten Venissa
Siehe Eintrag "Die Pracht eines Nutzgartens" vom 13.7.2012 und die erneute Empfehlung, den Garten unabhängig vom Restaurant und Hotel Venissa  zu besuchen und zu genießen. Kein Abpflücken geschweige Essen von Blumen oder Früchten bitte, aber gerne ein Brötchen auf den Parkbänken.
Das kleine Gartentor zur Fondamenta an der Vaporettohaltestelle und das größere Tor zur Brücke nach Mazzorbo werden abends abgesperrt.

Auch außerhalb des ummauerten Gartens gibt es auf Mazzorbo schöne grüne menschenfreundliche Plätzchen mit Parkbänken und wunderbarer Sicht auf die Lagune und Venedig in der Ferne. Es lohnt sich auf jeden Fall ein Rundgang um die kleine Insel. Siehe auch Eintrag "Mazzorbo" vom 24.4.2010.
Linie 12, Haltestelle Mazzorbo




9. die Lazzarettinseln...
... sind weder Gärten noch Parks, aber in ihrem jetzigen Zustand neben ihrem außerordentlichen historischen Fokus ein hochinteressanter Teil des Ökotops der venezianischen Lagune, da sie nicht bewohnt sind (abgesehen von den Hunden auf Lazzaretto Vecchio) und nur zu Führungen (ggfs. auch zu archäologischen Grabungsarbeiten) betreten werden. 
Die Besichtigungen der Lazzarettinseln, die man gar nicht genug empfehlen kann, sind auch wunderbarere Inselspaziergänge (aber, Obacht, kein Picknick).
  
Siehe Eintrag Lazaretto Nuovo vom 25.3.2012. Termine der Führungen 2018: Jetzt jeden Samstag und Sonntag jeweils 2 Führungen 9:45 und 6:30 Uhr. Das Vaporetto der Linie 13 ab Fondamente Nove hält nur zu diesen Terminen auf Lazzaretto Nuovo (und nur auf Signal der ehrenamtlichen Führungsperson hält es auch wieder, um die Besuchergruppe wieder mit zurückzunehmen.)

Siehe Eintrag zum Lazaretto Vecchio vom 11.10.2016 und die Führungstermine 
22.4.; 27,5, und 17.6. jeweils 10-13 und 15-18 Uhr. 
Treffpunkt am Ufer gegenüber der Insel an der Riva di Corinto, Warteschlangen sitzen auf der Ufermauer, Überfahrt im Boot. Jeweils Eintritt frei mit der Erwartung einer Spende (die dem Unterhalt und der Pflege der Insel zugute kommen, für die es Museumspläne gibt). 
(Die Detailinformationen gibt es nur auf italienisch. Kontaktmöglichkeit für Nachfragen: Telefono/Fax: (+39) 041.24.44.011, Email:  info@lazarettonuovo.com





10. Sant'Erasmo
Diese Insel steht als grüner Fluchtpunkt aus dem Massengedränge des centro storico mittlerweile in jedem Reiseführer, zu Recht. Was aber auch ansteigende Besucherzahlen auf ehemals einsamen Feldwegen mit sich bringt. Während der eine Kilometer auf Torcello seit Jahren totgetrampelt wird, sind vergleichbar dichte Prozessionen auf den Landwirtschaftswegen S. Erasmos noch nicht sofort zu erwarten. 
Siehe sehr alten Eintrag "In Venedig am Strand" vom 5.7.2008.
Auch jenseits des Strandes gibt es noch viele grüne Rückzugs- und -Ausblicksorte hier, vom Park an der Haltestelle Capanone gegenüber dem Lazzaretto Nuovo bis zu den herrlichen Gemüsefeldern und Obstgärten (nichts klauen und essen, Brötchen mitbringen, vor allem angesichts kaum noch vorhandener Gaststätten auf der Insel). Mückenschutz empfiehlt sich.

Fahrradvermietung zwecks Erkundung der Insel im Lato Azzurro, 15 min zu Fuß geradeaus von der Haltestelle Capannone, wenige Schritte schräg gegenüber der Haltestelle Massimiliana. 
Linie 13 ab Fondamente Nove und die sommerliche Linie 18 an den Strand von Fondamente Massimiliano ab Lido S. Nicolò. 


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Im Fall weiterer besonders spontaner und/oder sensationeller Sonderöffnungen von Gärten oder ebensolcher Führungen wird hier, neben dem Eintrag im Kulturkalender, eine Meldung eingefügt.





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