10. Juni 2015

Der Musikturm? Palazzo Pisani!

Conservatorio Benedetto Marcello, Nebeneingang,
hinten Treppenhausturm
Ein Trüppchen junger männlicher Touristen fragte mich auf dem Campo Santo Stefano, ob ich wüsste, wo der Musikturm hier in der Nähe sei? Kann man so nennen.
Die Nebenausstellung "The Sound of Creation" von Brian Eno und Beezy Bailey ist im Treppenhaus des Palazzo Pisani instal-
liert, das wie ein Turm an der Südwestecke das Conservatorio Marcello Benedetto überragt.


Den Titel finde ich ziemlich pompös, den Untertitel "Sound-
paintings" schon bescheidener 
und er sagt, worum es geht: 6 Treppen, auf jedem Absatz warten Bilder und Kopfhörer. Die Verbindung zwischen dem, was zu sehen ist und dem, was man auf die Ohren kriegt, ist für mich nicht erkennbar, aber ich muss nicht alles verstehen. 

Es ist immer schön, eine venezianische Treppe des (ungefähren) palladianischen Maßes auf- oder abzusteigen, deren Stufen flacher und tiefer sind als wir sie gewöhnt sind. Sie sind dem menschlichen Körpermaß angepasster und deshalb laut Palladio "bequem". Man hebt die Beine in einem anderen Winkel, geht entspannt sehr aufgerichtet und knickt nicht mit dem Oberkörper nach vorne. Man findet dieses Treppenmaß nicht nur in Venedig, sondern auch in den Kolonien, z. B. bei der Treppe, die zur venezianischen Festung Akronauplia (Argolis, Peloponnes) führt.



Und diese Treppe führt also bequem immer höher, ein Bild, ein Musikstück, immer wieder lange Blicke aus den Fenstern. Die Aussicht wird immer prächtiger, am Ende landet man in einem kleinen Zimmerchen mit (fast) Rundumblick, raus auf die Altana darf man nicht, abgesperrt. Der Versuch von hier zu fliegen hätte lethale Folgen.

Phantastischer Blick über die Dächer und Altane, über Canal Grande, Canale della Guidecca und die Kreuzfahrtriesen im Hafen, zum Greifen nah ist alles, was auf den Campanili von S. Marco und S. Giorgio Maggiore sehr weit weg zu sein scheint. Der Weg nach oben lohnt sich unbedingt, und die Kunst ist eine nette Begleitung dabei.

Haltestelle Accademia oder Giglio, am Palazzo Pisani vorbei gehen, Haupteingang links liegen lassen, Nebeneingang ebenso, dann links abbiegen und durch den hinteren Innenhof ins Treppenhaus eintreten. Sonntags geschlossen. 


Blick über Dorsoduro auf die Giudecca mit dem Junghans-Viertel



Bisherige Einträge Palazzo Pisani


.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Brigitte, auch ich habe mir den Palazzo Pisani angetan. Angetan deshalb, weil ja eine Menge Stufen zu erklimmen sind, bis man in der kleinen Kammer im obersten Stockwerk ankommt. Man hofft immer, dass man oben angekommen ist, aber es geht immer weiter. Bei ruhiger Musik, Malereien und einem hervorragenden Blick über die Stadt kann man ganz ruhig (und allein, keine anderen Besucher) Venedig in Gänze genießen. Mal wieder ein Erlebnis.
Überhaupt ist der Palazzo immer einen Besuch wert, da vor allem die beiden Innenhöfe mit den verbindenden Gallerien und den vielen Statuen einfach grandios sind. In diesem Palast wurde "geklotzt" und Reichtum und Intelligenz zur Schau gestellt. Solche Paläste wurden von intelligenten Leuten entworfen bzw. gebaut und ich bewundere immer noch deren ästhetisches Empfinden, auch wenn dieser Palast durch seine Größe auf die Spitze getrieben erscheint. Früher stand noch die 3-er Musikgruppe im Übergang zum Pal. Pisani, dem kleineren, der den Zugang zum Canal Grande ermöglicht. Diese 3 Musikanten stehen ja ständig an der Statione maritima, aber die hier befindlichen Statuen scheinen verschwunden. Sie passten gut als Attribute einer vergangenen Zeit und musizierten als stumme Zeugen der Vergangenheit. Ich persönlich assoziiere mit diesen Musikanten jedesmal die letzten Musiker auf der Titanic...
Auch die alten verrosteten Eisengitter zeigen Zeichen der Vergänglichkeit, sind dabei aber groß, üppig und wehrhaft geblieben.
Dieser Palast hat so viele Facetten!
Viele Grüße
Aldebaran

ebbonn hat gesagt…

Hallo Aldebaran,

danke für Deinen ergänzenden Kommentar.
Den Gipsentwurf der 3 Musikanten habe ich zuletzt im Februar noch am 'Hintereingang' stehen sehen, und ich hoffe, dass sie nur wegen der Biennalevermietung weggeräumt wurden und im Dezember wieder ihren Platz einnehmen werden. Das war auch zur Biennale 2013 so. Ich habe zwar noch nie an die Titanic gedacht, finde ihren Anblick aber sehr passend, wenn man hinten in der Ecke stehend den Übungen der Studierenden zuhört...