27. Januar 2008

Venedig - Termine 2008, Teil 2



Sportliche Termine in Venedig 2008




Foto Andreas Götz

Evtl. weitere Termine werden in diesem Eintrag nach und nach ergänzt.


Su eZo per i Ponti 13. April
Volkslauf die Brücken rauf und runter. Jede/r kann teilnehmen, die Sache ist nicht so aufwändig wie der Marathon im Oktober. Allerdings keine Rampen über die Brücken, wie das beim Marathon der Fall ist!

Volksregata am Feiertag San Marco 25. April
Diese Regatta findet sozusagen als Probelauf 2008 zum ersten Mal statt und ist eine "Konkurrenz"-Veranstaltung zur Volagonga. Sie wird wesentlich kürzer sein als die Vogalonga und im Canale di Cannaregio enden. Es wird ein sehr volkstümliches und gesellig
es Ereignis und ist nur für die Venezianer gedacht, weshalb keine Reklame dafür gemacht wird. Man wird sehen, wie sich die Sache in den nächsten Jahren entwickeln wird, auch im Hinblick auf die Beteiligung von Nicht-Einheimischen.

Vogalonga 11. Mai
Ruderwettkampf durch die Laguna Nord, an der Jede/r teilnehmen kann. Ca 1.500 Boote starten morgens um 9 Uhr im Bacino die San Marco, rudern 30 km u. a. um die nördlichen Inseln Murano und Burano und kehren durch den Canale di Cannaregio und den Canal Grande ins Markusbecken zurück.


Regata di Murano 6. Juli (immer am 1. Sonntag im Juli)

Regata di Malamocci 13. Juli (immer am 2. Sonntag im Juli)

Regata del Redentore 20. Juli (immer am 3. Sonntag im Juli, siehe mehr unter Termine 1)

Regata di Pellestrina 3. August (immer am 1. Sonntag im August)

Regata Storica 7. September (immer am 1. Sonntag im September)




Regati di Burano, 21. September (immer am 3. Sonntag im September) ist neben der Regata Storica sportlich die bedeutendste und Saisonabschluss.


23. Venice Marathon 26. Oktober
(Bisher nur die Startseite, noch keine weiteren Inhalte)


Marathon-Rampe an der Riva degli Schiavoni













26. Januar 2008

Vaporetto fahren!

SommerFrank hat in dieser Woche mehrere aktuelle Kommentare zu einigen Beiträgen geschrieben (danke nochmal!), die ich mit seiner Erlaubnis hier kurz zusammenfasse, weils praktisch ist:

ÖPNV - neue Linie 3
Die neue Linie 3, die ausschließlich für Abo- und CartaVenezia-InhaberInnen eingerichtet wurde, fährt seit dem 21.1., es gibt permanent sehr genaue Kontrollen, damit alle aufs richtige Boot kommen.
Die Linie 3 fährt zur Zeit täglich von 9:45-19:45.
Von den separaten Haltestellen für die Linie 3 ist die am Piazzale Roma auf der Höhe der Post/des Coop.

ÖPNV - Linie 82
Die Linie 82 wurde umbenannt in Linie 2.

ÖPNV - imob
Die CartaVenezia ist zusammen mit der Umstellung auf imob teurer geworden: 40 € Antragsgebühr + 26 € für die obligatorische Einstiegs-Monatskarte.
(Rechnet sich nach meiner Meinung in der Gültigkeitsfrist von 3 Jahren trotzdem, wenn man öfter in Venedig ist.)

Wird der Antrag wie bisher an der zentralen ACTV-Verkaufsstelle am Piazzale Roma gestellt, dauert es nur noch 14 Tage bis die Karte fertig ist.
Abholung an der Ausgabestelle (an der neuen Haltestelle der Linie 3), nicht in der Verkaufsstelle.
Die Karten werden dort relativ lange aufbewahrt, SommerFrank hat Karten gesehen, die 7 Monate alt waren.

Ich sage nochmal (SommerFrank hat es nicht ausprobiert):
Wer die CartaVenezia sofort (ca. 20 Minuten Wartezeit) haben und bei den regelmäßigen Kontrollen nicht mit der Kopie des Antragsformulars wedeln will, fährt aufs Tronchetto (1 Haltestelle), dort gibt es die entsprechende Infrastruktur.


Bei der Gelegenheit hänge ich noch die im Dezember beschlossenen Preiserhöhungen fürs Vaporetto an (lt. Gazzettino):

Einzelkarte 1 Std. 6,50
Dauerkarte 12 Std. 14,-
Dauerkarte 24 Std. 16,-
Dauerkarte 36 Std. 21,-
Dauerkarte 48 Std. 26,-
Dauerkarte 72 Std. 31,-
Studenten/Seniorengruppe 4,-
Carnet für CartaVenezia 10,-

Damit ist das Thema ÖPNV für eine Weile mal durch, hoffe ich...



13. Januar 2008

Neue Vaporetto-Linie ab Januar 08

Ab dem 21. Januar gibt es eine neue Vaporetto-Linie auf dem Canal Grande mit der Nummer 3 und blau gekennzeichnet: nur für Inhaber von Fahrkartenabonnements und der Carta Venezia.

Sie fährt im Winter 20minütig, ansonsten 10minütig. Es wird separate Pontonhaltestellen ausschließlich für diese Linie geben am Piazzale Roma, Bahnhof, Rialto und San Marco Giardinetti.
An den anderen Haltestellen (Riva de Biasio, S. Marcuola, S. Stae, Ca' d'Oro, Rialto mercato, S. Silvestro, S. Angelo, S. Tomà, Ca' Rezzonico, Accademia, Giglio, Salute)
werden städtische Bedienstete bzw. ACTV-Leute bei der Benutzung der richtigen Linien helfen.
Eine Informationskampagne an den Haltestellen und in den Booten soll ebenfalls die Gewöhnung an die neue Regel erleichtern.

Bleibt zu hoffen, dass die Maßnahme greift und der Alltag der berufstätigen und studierenden VenezianerInnen, der Mütter und Väter mit und ohne Kinderkarren und die der alten Menschen im Verkehr künftig etwas stressfreier wird.

(Siehe auch Eintrag imob - intelligente Mobilität in Venedig.)


12. Januar 2008

Venedig - Termine 2008, Teil 1

21. November Fest der Salute - Süsses bis zum Platzen, die Salute wirds schon richten





In Venedig ist Langeweile ausgeschlossen, im Gegenteil. Je nach Reisetermin und Interessenlage gibt es meist so viele Angebote, dass man gut auswählen muss um aktuelle und einmalige Termine geschickt zu verbinden mit den vielen anderen Möglichkeiten, die mehr oder weniger immer zur Verfügung stehen, die Museen, Kirchen, die ganze wunderbare Stadt.

Ich fange mal mit den
Flohmarktterminen an:

Mercantino dei Miracoli
(an der Miracolikirche, auf dem Campo Santa Maria Nova)


Sa/So 22./23.3.
Fr 25.4.
Sa/So 10./11.5.
Sa/So 13./14.9.
Sa/So 11./12.10.

Sa/So 13./14.12.


Bazar Via Garibaldi
(Ecke Riva S. Biagio und Riva dei Sette Martiri links)

So 3.2.
So 6.4.
Do 1.1.
Mo 2.6.
So 28.9.
So 26.10. (Achtung: Marathon-Tag!)


Polveri di Ricordi Rialto & Salute

Sa/So 8./9.3.
Sa/So 4./5.10.
Do/Fr 20./21.11.


Weihnachtsmarkt

findet in den ersten drei Dezemberwochen auf dem Campo S. Stefano statt. Er ist klein und bietet ein bisschen Kunsthandwerk und vor allem Essbares aus den italienischen Provinzen (Schinken, Käse, Weine, Plätzchen).



Religiöse/kirchliche Feiertage, die mit größeren (und kaum kleineren) säkularen Festlichkeiten verbunden sind:

25.4. Fest San Marco, Gottesdienste in San Marco, große Prozession unter Beteiligung von Würdenträgern aller Arten, und Feiern auf dem Markusplatz

20.5. Festa della Sensa, kirchliches Fest Christi Himmelfahrt, traditioneller Termin für die jährliche Hochzeit Venedigs mit dem Meer. Gottesdienst, Feiern auf dem Markusplatz, "Hochzeit" des Bürgermeisters per Wurf des Eherings ins Meer (vom Schiff aus.)


19./20.7. Fest Il Redentore, (der Erlöser) Dank- und Erinnerungsfest zum Ende der Pestepidemie der Jahre 1575-1577. Zur Kirche Il Redentore, (erbaut von
Andrea Palladio zur Einlösung eines Dankversprechens) wird eine mobile Brücke zwischen Dorsoduro (nahe bei den Salzmagazinen) und Guidecca gechlagen, auf der die Bürger zu den Gottesdiensten pilgern.
Wer ein Boot hat, egal wie klein oder protzig, holt es heraus und verbringt den Tag gesellig auf dem Wasser des Bacino di San Marco und des Canale della Giudecca. Man isst und trinkt in den Booten und trifft Freunde und Bekannte zu Wasser, es ist ein wichtiger gesellschaftlicher Termin in Venedig. Auf dem Canal Granda findet eine Ruderregatta statt. Bei den bootgestützten Teilen des Festes sind Touristen zwar ausgeschlossen, aber nicht beim großartigen Feuerwerk zur mitternächtlichen Krönung des Festes.


(16.-)
21.11. Fest der Salute,
zweites Dank
- und Erinnerungsfest zu den Pestheimsuchungen Venedigs, erbaut aufgrund eines weiteren Versprechens des Dogen von 1630 von Baldassare Longhena, aber erst nach seinem Tod 1687 eingeweiht.

Die in der Kirche Santa Maria della Salute verehrte Ikone 'Mesopanditissa' wurde aus der Kathedrale Agios Titos in Candia (heute Iraklion) mit nach Venedig genommen, als die Insel Kreta vom venezianischen in den türkischen Besitz überging.

Wieder wird (ab 16.11.) eine mobile Brücke, diesmal auf dem Canal Grande zwischen dem Campo del Traghetto bei S. Maria del Giglio und dem gegenüber liegenden Gässchen, aufgebaut, auf der sich am 21.11., dem Tag der Salute, Pilgermassen zur Kirche drängen.
Auf den beiden Plätzen Rio terra ai Saldoni und Rio terra dei Catecumeni werden Süßwaren verkauft, eine Gelegenheit, heiße Fritelle (flache Pfannkuchen) zu probieren, die früher überall in der Stadt an fliegenden Ständen, frisch aus der Fettpfanne wie hier, verkauft wurden. (Mit Zucker und abgeriebenen Zitronenschalen: superlecker!, mit einem Riesenklatsch Nutella: wrrrgh...)



Auf der schwimmen-

den Brücke von S. Maria del Giglio zur Salute





Ausstellungen 2008

Palazzo Grassi am Canal Grande
26.1.-20.7. Rom und die Barbaren (ab August zu Gast in der Bundeskunsthalle Bonn)
gleiche Firma: ab 15.1. Kunstgespräche in der Punta della Dogana, in der ab 2009 weitere Ausstellungen Sammlung Pinault Platz finden werden

Accademia
26.1.-20.4. Tizian - Il tempo della maturità e la sensualità della pittura


Peggy Guggenheim Foundation am Canal Grande
27.6.-12.10. Coming of Age, American Art 1850s to 1950s

Filmfestspiele
27.8.-6.9.

Architektur-Biennale
14.9.-23.11 unter dem Titel: Out There. Architecture Beyond Building


Und die spannende Frage:
Wann wird die 4. Brücke über den Canal Grande eröffnet?





6. Januar 2008

imob - intelligente Mobilität in Venedig

2008:

Neues beim ÖPNV!





Das neue elektroni-
sche Zahlsystem im venezianischen ÖPNV sollte eigentlich im November 2007 eingeführt werden. Der Start wurde verschoben auf den Frühling 2007, nachdem beim schweren Unwetter im September das Lager der ACTV überschwemmt wurde und 400 Entwertegeräte, die Verkaufs- bzw. Ladegeräte und die dazu gehörigen Server leider absoffen und neue Geräte angefordert werden mussten.
Die schon im Sommer installierten Entwerter an den Haltestellen bleiben entsprechend weiter ausser Betrieb. Das offiziell geplante Ende der Übergangszeit vom alten zum neuen System endet am 31.5.08, danach soll es keine gedruckten Fahrkarten mehr geben. Für Einzel-, Tages- und Mehrtageskarten wird es Pappkarten mit Chips geben, wie sie hierzulande teilweise in Preisetiketten eingearbeitet sind.

Wer Informationen über imob (sprich ei-mob!) unter www.actv.it sucht, findet dort magentafarben den Link imob.venezia, der für Besitzer der CartaVenezia (Achtung! nicht VeniceCard!) und die, die eine erwerben wollen, wichtig ist (aber leider nur in italienisch).

Es gelten die alten Regeln und Preise zum Erwerb einer CartaVenezia (siehe Post vom 3. März 2006), die Karte selbst funktioniert elektronisch. Aktuell gültige Karten müssen ersetzt werden bis Ende Mai (normale Bearbeitungsgebühr von 5 €, danach wird der Umtausch wesentlich teurer), und zwar am Tronchetto, wo man ein Passfoto abgibt und einen Antrag ausfüllt und direkt auf die neue Karte warten kann. Was ein Fortschritt ist gegenüber der bisherigen wochenlangen Wartefrist!

Auf die Karten werden die gewünschten Fahrgebühren (Zeitkarten, Einzelfahrausweise etc.) elektronisch geladen, und zwar an den ACTV-Verkaufsstellen und in gekennzeichneten Tabakgeschäften. Nach Bezahlung hält man die Karte vor das Ladegerät, das auf Knopfdruck des Verkäufers den gezahlten Betrag lädt.

Abgebucht werden Fahrten, in dem die Karte oder die Papp-Chipkarten am Lesegerät (anstelle des alten Entwertegeräts) vorbei geführt werden. Deshalb wirbt der Bürgermeister für die Imob-Karte mit einem Anhängeband um den Hals, da man die Karte nicht mehr nur bei Kontrollen, sondern bei jeder Nutzung des ÖPNV in die Hand nehmen muss.
Die elektronische Karte wird in die Nähe des Lesegerätes gehalten, maximal 6 cm Abstand, worauf ein grünes Licht aufleuchtet. Bei rot ist die Karte ungültig. Für Einzelfahrten kann man zusätzlich mit den Tasten am Gerät die Anzahl der abzubuchenden Fahrten eingeben. Ein Kontrolleur, der neben dem Gerät steht, kann so mühelos alle Fahrgäste kontrollieren.

Langfristig ist geplant, über die imob-Karte auch andere Leistungen der Stadt wie Theater-, Museumskarten etc. zur Verfügung zu stellen. Dann soll es auch möglich sein, die imob-Karte über jeden Bankautomat aufzuladen.


25. Dezember 2007

Il Quarto Ponte

Neuigkeiten erreichen mich per Email.
Am 30. November gab 'Il Gazzettino' die verzögerte Eröffnung der Calatrava-Brücke bekannt, um 5 Monate (eigentlich vorgesehen war Jahresende 2007, dann Januar...). Grund: Probleme mit dem Glas, das montiert wird.

Ausführlichere Nachricht am 3. Dezember: die vor einigen Wochen durchgeführten Belastungstests wurden positiv gegutachtet. "Es gab nur einen Bedenkenträger, der meinte, wenn sich alle auf der Brücke auf eine Seite stellen, könnte die seitliche Neigung der Brücke (ca. 7 cm) zu einer Panik führen." (Ich denke, der Mann könnte notfalls getröstet werden.)
Die Zugseile, die bisher zur Absicherung unter der Brücke angebracht waren, wurden mittlerweile entfernt.
Es bleibt aber bei einer deutlichen Verzögerung, da für den Zuschnitt aller einzelnen Glasstufen und die Installation und Genehmigung der Ovovia (Kabinenbahn für rollende Passanten) jeweils noch 120 Tage Verlängerung beantragt wurden. Mit der Eröffnung bis Ostern wird es also nichts.



Um das Interesse an der Sache zu fördern hat in den Medien, besonders durch einen Vorschlagswettbewerb des 'Gazzettino', aber auch im Web eine breite Diskussion der Namensgebung eingesetzt. Die täglich neuen Vorschläge sind phantasiereich von 'Lenin' bzw. 'Stalinbrücke' und 'Brücke der Tränen' bis langweilig 'Brücke Piazzale Roma'.
Bürgermeister Cacciari schlug Ponte della Zirada' vor, (Zirada = venezianisch für Girata, alte Ortsbezeichnung der Kanalbiegung in der Gegend von S. Andrea. Der Name wurde bereits für den Platz vorgeschlagen, der dann in den 30er Jahren Piazzale Roma benannt wurde.). Dieser Vorschlag wurde am 4.12. in der Namensfindungskommission abgeschmettert.

Namensfavoriten sind die beiden Heiligen rechts und links des Canal Grande: das ehemalige Kloster (heute Hotel) Santa Chiara und Santa Lucia, nach der der Bahnhof benannt ist, an dessen Stelle vormals eine S. Lucia-Kirche von Palladio stand.

Rückseite des
Hotels
Santa Chiara,
von der ich annehme, dass es sich
um Reste des ehemaligen Klosters handelt.

Damit wir wissen, wovon die Rede ist, zitiere ich Albert Christian Sellner: Immerwährender Heiligenkalender, Zweitausendeins 1998; S. 444-447 (Chiara) und 696 f. (Lucia). Text für junge Kinder nicht geeignet!

12. AUGUST HL. CLARA VON ASSISI Gründerin des Clarissenordens, 1194—1253
Die Jungfrau aus vornehmer Familie hörte eine Predigt des hl. Franziskus und beschloß auf der Stelle, allen irdischen Eitelkeiten zu entsagen. Bei einem persönlichen Zusammentreffen erkannte der Heilige in ihr eine Gleichgesinnte. Er forderte sie auf, ein Bußkleid anzuziehen und in Assisi für die Armen betteln zu gehen. Clara verließ daraufhin nachts heimlich das Elternhaus. Franziskus selbst schnitt ihr die Haare ab, legte ihr ein sackartiges Gewand an, das mit einem Strick gegürtet war, und führte sie in das KIoster der Benediktinerinnen.
Die Empörung ihrer Familie über diesen Schritt steigerte sich zu blanker Wut, als ihr die 14jährige Schwester Agnes ins Kloster folgte. Unter dem Kommando ihres Oheims Monaldo rückte eine Gruppe von Verwandten an, welche die noch unmündige Agnes mit Gewalt zurückholen wollte. Doch Claras Gebet war stärker. Das Mädchen wurde in den Händen der Entführer so schwer, daß sie es nicht mehr tragen konnten. Franziskus brachte die beiden Jungfrauen bald darauf nach San Damiano, und damit entstand das erste franziskanische Frauenkloster.
Obwohl Clara die letzten drei Jahrzehnte ihres Lebens fast ausschließlich auf dem Krankenlager zubringen mußte, wuchs die Gemeinschaft unter ihrer Führung rasch an und zog viele junge Frauen gerade auch aus begüterten Familien an. 1228 gab es in Italien schon 23 dieser neuen Klöster. Der entscheidende Unterschied der Clarissen zu anderen Orden wurde die Liebe zur Armut.
Ein Leben lang mußte die Gründerin darum kämpfen, denn im Vatikan wollte man die Nonnen auch in schlechten Zeiten versorgt wissen und bestand darauf, daß das Kloster selbst Eigentum besitzen müsse. Erst zwei Tage vor ihrem Tod setzte Clara durch, daß der Papst das Ordensprivileg bestätigte: Niemand dürfe die Clarissen zwingen, Eigentum anzunehmen.
Die strengen Regeln des Ordens wurden aber stets von der Oberin überboten, was ihre eigene Person an langte. Sie trug abwechselnd zwei Bußgürtel auf der blanken Haut; der eine bestand aus verknotetem Roßhaar, andere aus Schweinsleder, in dem noch kurzgeschorene Borsten steckten. Diese stachen ihr ins Fleisch und riefen eiternde Schwären hervor. Wenn diese zu gefährlich wurden, nahm Clara wieder den anderen Gürtel, bis die wunde Haut sich ein wenig erholt hatte. Der hl. Franziskus persönlich mußte ihr verbieten, auf der bloßen Erde zu schlafen und ganze Tage nichts zu essen.
Claras Wirkung auf Menschen war außerordentlich, manchmal auch in unvermuteter Weise. Damals wurde Italien von marodierenden Sarazenen geplagt, die eigentlich im Dienste Kaiser Friedrichs II. standen, aber ihre Stellung zu Plünderung und Notzucht ausnutzten. Eine Schar dieser brutalen Söldner hatte sich zusammengetan, um des Nachts an den Nonnen von San Damiano ihre gewohnten Greuel zu verüben. Sie kletterten die Mauern empor und schauten schon durch die Fenster, während die Schwestern in Panik zu ihrer kranken Oberin stürzten. Diese ließ sich auf einer Bahre mit der Monstranz in der Hand zur Pforte tragen, und plötzlich ergriff ein geheimnisvoller Schrecken die Soldaten und trieb sie in die Flucht.
Am letzten Weihnachten vor ihrem Tod erlebte die sterbenskranke Äbtissin in einer Art übernatürlicher Television die Christmette in Assisi in allen Einzelheiten, weshalb sie 700 Jahre später von Pius XII. zur Patronin des Fernsehens ernannt wurde.
Darstellungen: als Clarissin in schwarzem oder braunem Wollgewand und mit Kreuz, Lilie, Regelbuch oder Äbtissinnenstab; mit Monstranz oder brennender Lampe.
Patronin: von Assisi; der Glaser, Glasmaler, Stricker, Vergolder, Wäscherin-In; gegen Augenleiden und Blindheit, Fieber; des Fernsehens.

13. DEZEMBER HL. LUCIA Jungfrau und Märtyrerin, + um 303
Die schöne Jungfrau Lucia war bei den Jünglingen von Syracus begehrt wie keine andere. Sie aber wies alle ab. Einer jedoch tat sich besonders hervor. Er machte ihr ihre schönen Augen zum Vorwurf, in die er sich auf den Tod verliebt habe. Da riß sich Lucia die Augen aus und sandte sie ihm auf einem Teller. Bestürzt ließ er von seiner Werbung ab; Lucia aber erhielt von der Muttergottes ein noch viel schöneres Augenpaar.
Als ihre Eltern sie schließlich doch verlobten, verschenkte sie ihr Gut unter die Armen und verminderte dadurch ihre Mitgift. Der Bräutigam erzürnte darüber und verklagte sie bei einem Richter. Dieser lud sie vor und forderte sie als erstes auf, den Göttern zu opfern. Da sie sich weigerte, verurteilte er sie zur öffentlichen Schändung in einem Freudenhaus. Die Kraft des Hl. Geistes machte Lucia aber mit einem Mal so schwer, daß weder die vereinten Kräfte von tausend Männern noch ein Ochsengespann sie vom Fleck bewegen konnten. Da der Richter Zauberei vermutete, ließ er sie mit Urin begießen, denn man glaubte, dadurch den Bann lösen zu können. Aber es half nichts. Lucia blieb wie angewurzelt. Nun versuchte man sie mit Pech und Schwefel anzuzünden, aber das Feuer fügte ihr nicht den geringsten Schaden zu. Da stießen sie ihr endlich ein Schwert in die Kehle.
Darstellung: mit vier Ochsen; mit Halswunde und Schwert; mit Buch; mit Augen auf einem Teller; in Kessel über Feuer; mit Lampe; mit Palme und Schwert; mit Doppelkreuz.
Patronin: von Mantua, Syrakus, Toledo, Venedig; der Bauern, der reuigen Dirnen, Glaser, Kutscher, Messerschmiede, Notare, Pedelle, Sattler, Schiffer und Seefahrer, Schneider, Schreiber, Türhüter, Weber; des Augenlichts; gegen Blindheit (auch im geistigen Sinn) und Augenkrankheiten; gegen Armut.



Der Körper der armen Lucia (oder etwas, was ihn darstellen soll) wurde beim Bahnhofsbau umgesiedelt nach S. Geremia. Eine besonders anrührende Darstellung Lucias von Tiepolo befindet sich in der Capella Corner in der Kirche SS. Apostoli in Canareggio (ganz vorne unten im Bild das Tellerchen mit den Augen beachten! Habe ich dreimal übersehen, hingerissen von der Schönheit Lucias).

Man darf hoffen, dass rechtzeitig noch jemand einen genialen Geistesblitz hat, damit Venedig im Jahr 2008 einen der Tradition angemessenen Namen findet und trotzdem nicht auf diesen beiden "Brückenheiligen" aus dem 4. bzw. 13. Jahrhundert sitzen bleibt, finde ich...

23. Dezember 2007

In den Katakomben von Venedig

Letzte Woche hat mir mein Sohn einen Ausschnitt aus dem letzten Bond-Film gezeigt.
Ein großer Palazzo am Canal Grande versinkt in Zeitlupe komplett im Wasser, weil die riesigen Gastanks, die sein Fundement bilden, im Rahmen einer Kämpferei (oder vielleicht auch absichtlich, ich kenne die Geschichte nicht) zerschossen werden. Die Kulisse stürzt, das Wasser spritzt und wallt als ginge die Titanic im Atlantik unter und als befände sich unendlich Wasser statt Stein und Sumpf, gespickt mit ganzen Wäldern aus Baumstämmen, unter dem "Steinernen Schiff" Venedig. Da staune ich doch, was mir so alles verkauft wird.

Venedig hat schon immer für alle Arten von Kunst die Projektionsfläche für Depressivität, Morbidität und Vergänglichkeit geben müssen. ( Für den Film hier: die Venice Film Seite von Jeff Cotton auf seiner Website 'Fictional Cities').
Ein paar Sachen sind mir in den letzten Jahren aber doch aufgefallen, die originell bis dämlich an Realitäten vorbei phantasieren, dass ich mich frage, wie das mit der Bekanntheit der Stadt und 10 Millionen Besuchern jährlich zusammen geht. Venedig ist doch kein fiktiver Topos.

Krypta San Zaccharia Foto: Ingmar Fleuti
Eines der ersten Computer-
spiele, das mein Sohn damals auf seinem Atari hatte, spielte u. a. in den "Katakomben von Venedig" (nachempfunden, glaube ich, einem Indiana Jones-Film). KATAKOMBEN!
Es gibt natürlich ein paar tiefer liegende Räume in Venedig, Krypten z. B. in S. Zaccharia (zugänglich) oder in S. Marco ('The Krypt' anklicken und Rundgang bewundern).
Aber hier wurde in ausgedehnten Kanalisationsgängen herum gerannt... Kanäle unter den Kanälen?

In einem anderen oo7 (Moonraker?) betritt Bond vom Markusplatz aus den großen, eleganten Verkaufsraum eines Glasgeschäfts und landet durch eine Tür direkt in der Glasbläserei... das hat Witz angesichts der Tatsache, dass die Glasproduktion schon im 13. Jahrhundert komplett nach Murano ausgelagert wurde!
Völlig witzlos ist dagegen die Fahrt über den Markusplatz mit einem Luftkissenboot angesichts der man sich fragen muss, ob denn gar nichts peinlich genug für das Marketing der Stadt ist.

Fassungslos bin ich auch, wenn die im Aktionfilm generell angesagte Verfolgungsjagd auf Venedigs Kanälen stattfindet, z. B. in "The Italian Job" (klicken auf 'View Trailer').
Man zeigt Geschwindigkeiten, die in Venedig nicht nur verboten, sondern in der Realität auch nicht machbar sind, und kaschiert mit rasenden Schnitten, dass scheinbar durch die halbe Stadt, in Wirklichkeit aber nur durch einige wenige Kanäle in Dorsoduro, südlich des Canal Grande, gejagt wird. Ausgehend vom Palazzo Stern am Canal Grande geht es durch den Rio del Duca (der ein U zurück auf den Canal Grande bildet) zurück, gelandet wird dann vom Rio di San Trovaso im Süden unmittelbar am Tronchetto ganz im Westen. Trotzdem: der Venedig-Teil des Films ist spannend, und diese Dreharbeiten hätte ich gerne gesehen.

Statt dessen habe ich vor einigen Jahren die Dreharbeiten des Walt Disney-Films "Casanova" auf der Piazetta mitbekommen - ein bisschen Schein, ein paar Dekorationen, ein paar Kostümierte.
Am beeindruckendsten waren die Schilder an den Metallabsperrungen, die mitteilten, dass jeder Mensch, der hier steht und guckt, für die nächsten 300 Jahre auf die Rechte der Widergabe von Aufnahmen seiner Person, Stimme etc. verzichtet. Wer seine Personenrechte behalten wollte, war aufgefordert, wo anders hin zu gehen. Ein Freund aus Burano, Fachmann für alte Boote der Lagune, wirkte als Ruderer für diese Museumsstücke mit und mußte in seinem Vertrag auf seine Personenrechte für die nächsten 1000 (!) Jahre verzichten. Wie schön, dass Buena Vista so zukunftsfroh ist...

Die biederen Brunetti-TV Filme lobe ich mir wegen ihrer Realität im Hier und Jetzt. Da sieht man auf Anhieb, wo die Szene stattfindet und vor allem, wo geschummelt wird. Die Langeweile des Plots wird aufgehoben durch die Quizfunktion: welches Gebäude? welcher Kanal? war ich da nicht zuletzt...?


Jenseits aller Katakomben habe ich bei YouTube ein schönes Video gefunden, das ich mir ansehe, wenn ich mal zwischendurch einen Spaziergang in Venedig brauche: