28. Juli 2011

Rio Terà dei Pensieri


Laden 'Malefatte' der Kooperative
Rio Terà dei Pensieri, Cannaregio 2433


Rio Terà dei Pensieri ist die Adresse der Landseite des venezianischen Männergefängnisses.

Ein rio terà ist in Venedig ein aufgeschütteter ehemaliger Fluss, pensieri sind Gedanken oder auch S
orgen.

Die anderen 3 Seiten des Gefängniskomplexes in der ehemaligen Klosteranlage und Kirche S. Maria Maggiore sind immer noch Kanäle. (Siehe auch Eintrag
3 Nächte Kloster vom 23.6.2011)


Rio Terà dei Pensieri ist aber auch das Label für Produkte, die in den vene-
zianischen Gefängissen hergestellt werden. Mode aus Knästen erfreut sich ja exotischer Beliebtheit, Tatsache ist aber auch, dass die Sachen normalerweise von sehr guter Material-
qualität und Vera
rbeitung sind und zusätzlich zur Exotik einen echten Mehrwert bieten. Neben der Tatsache, dass man korrekt kauft, was ja nicht unerheblich ist.Ich bin per Zufall auf das einzige Geschäft in der Stadt gestoßen, das Rio Terà dei Pensieri-Produkte verkauft und habe mich mit mitzubringselnden T-Shirts und Juteaschen eingedeckt. Es liegt ganz zentral in Cannaregio, an der Kirche S. Fosca die Brücke hinter dem Denkmal von Paolo Sarpi überqueren, geradeaus weiter in die Calle Zancani, nach wenigen Schritten liegt das Geschäft auf der rechten Straßenseite.
Der Laden ist montags Vormittag geschlossen und hat eine Mittagspause.


Mit den T-Shirts und vor allem den Taschen hat man schöne, originelle original venezianische gebrauchsfähige Mitbringsel jenseits von Masken und Hinstellerchen, und alle tragen schön ihr Knastlabel.

Der absolute Schrei dieses Sommers sind Taschen, hergestellt aus dem Goldstoff, der anläßlich des Besuches des Papstes als Dekoration verwendet wurde. Im Juni konnte man diese Ta-
schen vorbestellen, wie der aktuelle Stand dieses Sensations-
produkts ist weiß ich leider nicht.... sind auch nicht so ganz mein persönlicher Geschmack :-), während ich die bunten, sehr stabilen
Leder- und Plastiktaschen in allen Größen wirklich klasse finde.

Giudecca, Campo vor der Ex-
Klosterkirche SS. Cosma e Damiano, ein paar Schritte von der Fo
ndamenta delle Convertite


Das Frauengefängnis auf der Giudecca, im ehemalig
en Klosterkomplex der Convertite an der Fondamenta delle Convertite verkauft übrigens auch seine Produkte, und zwar Gemüse und Obst aus dem Knastgarten, jeden Donnerstagvormittag ab 9 Uhr. Weniger als Mitbringsel geeignet, aber vielleicht mit ein guter Grund, die touristisch sehr ruhige Giudecca einmal zu besuchen.


Ergänzung 2. Mai 2102
Tasche aus Venedig

Ergänzung 17. Mai 2013
Ende 2012 wurde "Malefatte" geschlossen. Alle Knastprodukte aus Venedig sind im Direktverkauf am Campo S. Stefano erhältlich, außerdem bei Wiederverkäufern in Venedig und anderswo.
Außerdem gibt es seit einigen Tagen und vorübergehend im Museumsshop der Peggy Guggenheim Collection in Venedig (für Leute, die gerne in Museumsshops stöbern, sowieso ein Muss!) als Sonderaktion Malefatte-Taschen, die aus PVC-Bannern für frühere Guggenheim-Ausstellungen hergestellt wurden. Eine schöne Marketingidee mit Zusatzwert, ein dazu passender Ausstellungskatalog steckt ausserdem noch in den Malefatte-Taschen.

Ergänzung 18. Juli 2014
Es gibt mittlerweile eine neue Verkaufsstelle für die Produkte von Rio Terà dei Pensieri: ein neu eröffnetes Geschäft für Design direkt neben der (immer geschlosssenen) Kirche S. Antonin in Castello. Große Auswahl an Taschen, Kosmetik etc. Genau hier (damals stand das Ladenlokal zur Vermietung):

https://www.google.de/maps/@45.435413,12.346679,3a,75y,9.68h,73.65t/data=!3m4!1e1!3m2!1s2Mvu5o_kHM3DICBsQ_giSw!2e0


Ergänzung 28.1.2017 
Der Künstler Mark Bradford, der den U.S.-Pavillon der 57. Kunstbiennale vom 13.5.-26.11. gestaltet, bezieht Rio terà dei pensieri in sein Kunstprojekt ein. Hier ein Artikel mit einem wunderschönen Foto der netten Frau, die am Campo Santo Stefano im Rio terà dei pensieri-Kiosk arbeitet. 
Mehr zum US-Auftritt bei der Kunstbiennale: Für den Pavillon der USA wird Mark Bradford eine site-spezifische Installation kreieren. Mehr zum Künstler aus dem New Yorker und der New York Times. Und auf deutsch. Hier spricht er selbst. 26.1.: Mark Bradford bezieht Rio Terà dei Pensieri in sein Ausstellungsprojekt ein. 

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22. Juli 2011

Übernachtungssteuer ab 24. August 2011


Wird künftig in der Kategorie 1 als Insel, die hauptsäch-
lich Hotel-
funktion hat, eine wichtige Rolle spielen: La Certosa.


Mitte Juni beschlossen, Mitte Juli veröffentlicht, ab Mitte (genau: 24.) August in Kraft:

die neue Übernachtungssteuer in Venedig, mit der Erneuerungsmaßnahmen in der Stadt finanziert werden sollen. Dass wir Gäste uns daran alle beteiligen, ist aus meiner Sicht berechtigt.
Wenn damit ermöglicht würde, dass man die zentralen Stellen der Stadt wieder frei von riesigen Werbebannern genießen könnte, wäre das wunderbar.

Die Steuer ist räumlich differenziert in drei Bereiche:
1. Venedig historische Altstadt, Giudecca und Inseln, die hauptsächlich Hotelfunktion haben (z. B. San Clemente),
2. Inseln der Lagune wie Lido, Murano etc.,
3. Festland;

und in 2 Saisonbereiche: Haupt- und Nebensaisons. Wobei die Hauptsaison mehr als 2/3 des Jahres erfasst: von Weihnachten bis Dreikönig, Karneval, Osterwoche, 1.4. - 31.10. durchgängig, die Woche um den 8. Dezember.

Heißt für 2012: 1.-8. 1. 4.-22.2. 1.4.-31.10. 3.-9-12 13.-31.12.

Darüber hinaus gibt es eine sehr detaillierte Unterteilung in Arten und Qualität der Unterkünfte und des jeweiligen Preises per Nacht, die man in der Bekanntmachung der Stadt Venedig finden kann unter dem Link "Download Tariffe" ab Seite 6.
Beispielweise zahlt man in der ersten Kategorie (Venedig Zentrum) pro Nacht in der Hauptsaison:
Hotel *** 3 €, B & B 3 €, Ferienwohnung 2 €, Jugenherbergen und Klöster 2 €.

Es gibt eine Liste von Ausnahmen, die hauptsächlich Einheimische betreffen oder Übernachtungen aus beruflichen Gründen (Busfahrer, Reiseleitung etc.) .
Wichtig ist, dass Kinder bis 10 Jahre keine Übenachtungssteuer zahlen und Jugendliche von 11-16 nur 50 %.


Bekanntmachung der Comune Venezia
Artikel im Gazzettino

Ergänzung vom 11.08.11

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17. Juli 2011

2-3 x Ärger am Canal Grande

Ärger Nr. 1:



zum ersten Mal erlebe ich, dass Ausstellungen, die als "Collateral Events" der Biennale, mit einem roten Logo geadelt, nicht freien Eintritt bieten, sondern ein separates Eintrittsgeld verlangen. Das kann mehr oder weniger ärgerlich sein.
Im Falle der Ausstellung im Palazzo Corner della Regina (Besuch bereits beschrieben im Eintrag 'Hütten und Paläste' vom 9.7.) ist das aus meiner Sicht weniger ärgerlich, ein wunderbares Haus das man gesehen haben muss, eine mich begeisternde Ausstellung, die man nicht hätte verpassen mögen. Mich persönlich haben die 10 € nicht geschmerzt, dieser Nachmittag war es wert.




Palazzo Zenobio, Eingangshalle

Etwas ärgerlicher wird es schon, wenn auf dem Treppenabsatz im Palazzo Zenobio zur Ausstellung "The Mediterranean Approach" ein Tisch steht und ein junger Mann wegelagerisch 4 € für das Betreten des oberen Stockwerks verlangt.

Das sah mir nach einer spontanen "nicht offiziellen" Initiative aus. Ich habe die 4 € abgegeben, der Saal im Piano Nobile ist überwältigend und eine gewisse Schlitzohrigkeit darf auch belohnt werden. Im Nachhinein habe aber doch bezweifelt, dass das eine prinzipiell gute Entscheidung war. (Mehr zu den Ausstellungen im Palazzo Zenobio in einem späteren Eintrag.)




Richtig ärgerlich war ich und habe entschieden Widerstand geleistet im Palazzo Bembo an der Rialtobrücke.

Ich WOLLTE die Ausstellung "Personal Structures" besuchen, wurde schon auf der Riva von einer jungen eleganten Kundenfängerin "Biennale...?" angesprochen. Erstaunlich. Der Palazzo wird gerade renoviert, laute Maschinen zugange im Mezzanin, auf dem Treppenabsatz des Piano Nobile zwei weitere sehr freundliche junge Frauen, die für die 2 Ausstellungen auf 2 Etagen, 10 € haben wollen. Die Renovierungkosten seien so hoch, dass man leider, leider, nicht den biennalemäßigen kostenlosen Eintritt ermöglichen könne... na klar.



Nach kurzer strategischer Diskussion erhielt ich je ein Freikärtchen für beide Etagen und bin deshalb in der Lage zu berichten, dass die Joop-Ausstellung für mich im doppelten Wortsinn geschenkt war (computerentwickeltes Design: Putten und Affen, umgesetzt in schwarzen und weißen Marmor). Immerhin unter Murano-Kandelabern und schönen Zimmerdecken.



"Eternal Love" von Wolfgang Joop

Die Ausstellung 'Personal Structures' in der zweiten Etage ist interessante, z. T. spannende zeitgenössische Kunst, aber in langweiligen rechteckigen zeitgenössischen Räumen, ohne Inspiration renoviert, mit einem einzigen ungewöhnlichen Terrakotta-Fussboden. Das Versprechen der veneto-byzantinischen Fassade wird zur Enttäuschung. Schöner Blick auf den Canal, ja, schönes großes Foyer mit breiten, bequemen Sesseln, wofür man in Venedig ja immer dankbar ist. Das isses.



Ich befürchte, dass diese Sondereintritte hier und da Schule machen könnten und nicht mehr das schlichte Biennale-Prinzip "Geh rein wenn du das rote Logo siehst und lass dich überraschen" sondern "Prüf erst mal, was es kostet und ob du es sehen willst oder nicht" gilt. Kontraproduktiv.




Abazia S. Gregorio, Blick zur Kirche

Ärger Nr. 2:

Ich hatte mich so darauf gefreut das Kloster San Gregorio endlich zu sehen, das jahrelang eingerüstet war. Es war ein Schock in der 'Art Night' am 18.6., der bei einem zweiten Besuch bei Tageslicht bestätigt wurde.

Wasserportal zum Canal Grande

Alle zugäng-
lichen Räume des Komplexes inkl. Treppen-
haus und Kreuzgang sind vollgestopft mit Exponaten. Man schlängelt sich um das Zeug, immer besorgt, irgendwo anzustoßen oder
andere Besucher anzurempeln, weil man der Kunst ausweichen muss.

Die Ausstellung
Future Pass ist ein solcher Flohmarkt zusammen geschmissener Kunst, dass die herausragende Lokalität des Klosters untergeht, nicht wahrgenommen und gewürdigt werden kann. (Mir fiel allerdings auf, dass eine Altana auf dem Dach steht, und ich fragte mich, wieso es dafür wohl eine Genehmigung geben konnte, bis ich später vom Vaporetta aus sah, dass die Altana von außen nicht sichtbar ist. Ich vermute, das war die Bedingung für die Genehmigung?)


Altana auf dem Dach zur Kanalseite

Diese Ausstellung ist keine kuratorische Glanzleistung, jenseits von Geschmacks-
fragen. Ich bin fassungslos, dass niemand diesem wahllosen Zustopfen der kleinen Räume Einhalt geboten hat.


Die kleine Abazia S. Gregorio ist der Sitz (und möglicherweise der Besitz? ich weiß es leider nicht) der Fondazione Claudio Buziol. Es bleibt zu hoffen, dass es künftig Gelegenheiten geben wird, hier angemessen kuratierte Ausstellungen zu sehen.

"Future Pass" hat einen zweiten Ausstellungsort, den
Palazzo Mangili Valmarana, der am Canal Grande gegenüber dem Gericht steht und einen schönen Garten und seinen Haupteingang an der Strada Nova bei SS. Apostoli hat.

Blick zur
"Nachbarin" Salute

Und da ich mir den Anblick eines weiteren Chaos-
werkes nicht antun wollte, habe ich mir den 3. Ärger am Canal Grande erspart und den Besuch dieses schönen Hauses, das ich schon bei der 53. Biennale 2009 sehen durfte, aufgeschoben auf eine bessere Ausstellung.



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12. Juli 2011

2 x ÖPNV in Venedig


Zwei kleine Informa-
tionen vom Verkehr im Venedig:









Die Verkehrsbetriebe werden streiken am 21.7. ab 21:00 Uhr bis 22.7. auch 21:00 Uhr.

Die Information stammt von
ACTV, ist also 'amtlich'. Wer an diesem Tag nicht unbedingt schweres Gepäck transportieren muss, sollte sich die Brücken sparen... Taxis zum Flughafen fahren ab Piazzale Roma, und ich vermute, dass sich die Privatgesellschaft Alilaguna wie immer nicht am Streik beteiligt.

Die zweite Nachricht passt dazu, die Quelle ist
VeniceWord:
Seit dem 1. Juli gibt es für Wassertaxis eine Sammelnummer "Radiotaxi Veneto": (+39) 199.484950. (Ich habe keinen Link auf die Website gesetzt wegen einer Virenwarnung, die ich erhielt. Vorsicht also beim Online-Versuch.)
Die wichtigsten Wassertaxikooperativen mit 189 von 225 Booten sind unter dieser Nummer zusammengeschlossen, unter der Nummer sind ausserdem alle Straßentaxis im Veneto erreichbar.
Damit soll die Wartezeit für Kunden verkürzt und ausserdem löblicherweise die schädlichen Wellen des Motorverkehrs reduziert werden, weil immer von der Zentrale das Boot geschickt wird, das sich in nächster Nähe zum Anrufer befindet.

Naja, gut gemeint... aber wohl mehr gute Absicht, sprich Marketing.

Ich selbst habe noch nie ein Wassertaxi benutzt, mein Budget hat andere Prioritäten und mein Zeitmanagement klappt ohne teure Notlösungen. Aber man weiß nie, und hiermit weiß ich sicher, wo die Telefonnummer steht. :-)


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9. Juli 2011

Hütten und Paläste


Treppenhausportal im Palazzo Giustinian-Recanati

In diesem Eintrag möchte ich hinweisen auf einige Austellungen, die einerseits in interessanten venezianischen Räumen stattfinden - Hütten und Palästen - andererseits NICHT bis zum Ende der Biennale am 27.11. laufen, sondern bereits früher enden, also Terminsachen!

Ich fange mit den Palästen an und weise nochmals auf die Ausstellung im Palazzo Donà hin, über die ich schon einen Eintrag geschrieben habe, deren Besuch bis zum 25. September ich aber nochmals empfehlen möchte. Jeder, der sowieso an die Fondamente Nove kommt um nach Murano/Burano/Torcello zu fahren, sollte einfach 1/2 Stunde früher antrudeln um die Gelegenheit wahrzunehmen, dieses Haus zu sehen. Wer weiss, wann das wieder möglich sein wird, und ob die Dylan-Bilder von Maria Zerres für ihn/sie wieder so leicht erreichbar sein werden.

Bis zum 15. September zu sehen ist der Palazzo Giustinian Recanati in Dorsoduro, der der Universität Ca'Foscari gehört und eine Kunstschule beherbegt. ES gibt ein beeindruckendes Treppenhausportal aus rosa Marmor im Piano Nobile, schöne Stuckarbeiten in den Sälen der Ausstellung "Cracked Culture", den offen stehenden Unterrichtsräumen (die natürlich nicht zur Ausstellung gehören, aber offene Tür ist offene Tür und eine Universität ein quasi öffentliches Gebäude). In der obersten Etage gibt es am Ende des Saales rechts in mehreren Räumen eine gute Ausstellung mit Werken der StudentInnen.


Kunst auf der Tapisserie des Palazzo Papadópoli

Nach hinten eine sc
höner großer Garten, in dem man zwecks Entspannung lagern kann und weitere Exponate zu sehen sind.
Die Ausstellung, die ein Collaterales Event' der Biennale ist, zursätzlich zur nationalen Ausstellung Chinas im Arsenale, ist groß und interessant und beeindruckt mich mehr als die offizielle Präsentation Chinas.
Vaporetto Linie 2 Zattere und dann zu Fuss, siehe Karte im Link oben.

Der Palazzo Papadópoli war zur Biennale 2009 ein Reinfall für mich persönlich, aber in diesem Jahr mit der Ausstellung "Future Generation Art Price" eine sehr schöne Kunst- und Palasterfahrung.

Bei der Kunst gab es z. B: eine Idee eines wohlriechenden Holzschiffes mitten im Saal des Piano Nobile und interessante Videos, und das Haus haut einen schon ziemlich um.
Treppenhäuser, Fresken, Stuck, Spiegel, Gold, Licht, geöffnete Fenster, Canale Grande! Wow! Aussicht auf eine Hochzeitsgesellschaft am gegenüberliegenden Ufer vor dem Standesamt! Ich persönlich habe es gerne schlichter, aber man sollte dieses Haus unbedingt besuchen und sich auch die Zeit nehmen, es in Ruhe anzusehen. Z. B. ein bezaubernd ausgestalteter 'chinesischer Raum' oder die Bibliothek in der obersten Etage, leider schlecht zu sehen wegen der videotechnischen Verdunkelung.

Der Palazzo scheint zu jeder Biennale gebucht zu sein, so dass es wohl in den nächsten Jahren weitere Gelegenheiten geben wird, in wieder zu besichtigen, in anderen künstlerischen Ausstattungen.

Diese Ausstellung endet bereits am 7. August.
Vaporetto 1 San Silvestro und dann weiter zu Fuss, siehe Beschrei-
bung im Link o
ben.

Androne des Palazzo Ca' Corner della Regina mit Blick zum mittleren Wassertor (zum Canale Grande)

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder zu besichtigen und das auch nur bis zum 2. Oktober ist der Palazzo Ca' Corner della Regina.
Der
Stiftung Prada wurde das Haus zur Nutzung = Renovierung überlassen, im Winter gehen die Renovierungen weiter und möglicherweise gibt es über den nächsten Sommer wieder eine Öffnung für eine Ausstellung, aber man weiss es nicht (ich habe gefragt).
Im abgerissenen gotischen Vorgängergebäude dieses Hauses wurde Caterina Corner (Cornaro) geboren, die als "Tochter Venedigs" Königin von Cypern werden sollte und nach dem vorzeitigen Tod ihres Mannes und Kindes ihr Königreich der Serenissima schenkte (die damit eine schöne Kolonie gewann bis 1571), gegen ein hoffentlich schönes Leben auf einem Gut in Asolo und ein Ehrengrab in San Salvador in Venedig. Das Leben Caterinas ist dargestellt in riesigen Fresken, die die Wände des Saals im Piano Nobile schmücken. Beeindruckend.

Ca' Corner und der unvermeidliche Koons
Die Ausstellung der Fonda
zione Prada ist ziemlich riesig, eine spannende Mischung zeitgenössischer Kunst und einzelner Leihgaben aus Museen, z. B. dem Museo Correr am Markusplatz. Es gibt natürlich einige nervende Exponate die in keiner teuer bestückten Ausstellung fehlen, z. B. Koons, Hirst, was ich freundlich entschuldige beim ersten Besuch in diesem Haus (ich habe ja sowieso keine Wahl und immerhin haben sie keine Chapmans reingestellt).

Die Repräsentationsräume sind riesig, es gibt ungeheure Perspektiven in denen man 4-5 Portale gleichzeitig fotgrafieren kann, 3 Wassertore zum enorm großen Androne, eine ungewöhnliche Treppenlösung von diesem in das Mezzanin, das sich zwischen Androne und Piano Nobile befindet. Diese drei Eta
gen sind in die Ausstellung einbezogen, man kann unterschiedliche Stadien der Restaurierung erkennen und darf gespannt sein, wie es mit den anderen Stockwerken weitergehen wird.

Die Möglichkeit, dieses Haus und die aktuelle Ausstellung darin zu sehen, sollte man wirklich nicht verpassen.
Achtung: die Ausstellung schmückt sich mit dem Biennale-Logo, ist aber NICHT kostenlos, es wird ein Eintritt von 10 € erhoben (dafür wimmelt es vor allem im Parterre von Security, diese Leute müssen schließlich auch bezahlt werden). Es lohnt aber die Ausgabe.
Vaporetto San Stae, dann zu Fuss weiter der Ausschilderung Ca'Pesaro nach und von dort rechts-links-links noch ein paar Gässchen weiter.




Die Hütten befinden sich da, wo ich sie schon zur Biennale 2009 beschrieben habe, an der Fondamenta S. Ana.


Es gibt mehr und größere Ausstellungen als 2009, und ich kann mir vorstellen, dass sich diese schlichte Wohngegend biennalemäßig noch weiter entwickelt, da sie auf dem Fussweg von den Giardini zum neuen Eingang an der Vergini-Brücke liegt, die 2009 eröffnet wurde.

Detail der Installation "The Third Realm"

Es wurde ein bisschen renovie
rt, weniger aus optischen als aus Sicherheitsgründen vermute ich, z. B. eine sehr glitschige Steintreppe durch eine schöne neue Holztreppe ersetzt und schadhaftes Holz ausgebessert, an dem man sich verletzen könnte.
Im Nachbargarten, vor 2 Jahren noch eine Art Lagerplatz für Handwerksmaterial ist ein großer Kindergarten unter alten Bäumen entstanden. Wie schön.


In diesem Jahr stellt Wales aus in der Kirche S. Maria Ausiliatrice (leider kein Zugang zum Kreuzgang, schade), was noch nicht die Hütten sind, aber nicht ausgelassen werden sollte, ich ja direkt auf der gegenüberliegenden Kanalseite und die Brücke genau daneben.

In den ruinösen (aber stabilen) Arbeiterhäusern, die der Fondazione Gervasuti gehören, gibt es in diesem Jahr zwei nationale Ausstellungen, die bis zum 27.11. laufen.

Eines der Zimmerchen der Ausstellung Bangladesh

Das sind Irak mit sehr berührenden Exponaten, die in diesem unaufwändigen Umfeld sicher noch dazu gewonnen haben und Bangladesh, dessen Ausstellung mir ebenfalls gut gefiel (Texte lesen, gehören unbedingt dazu).

Ausserdem gibt es noch die Ein-Raum-Einzelausstellung 'Memory of Books', die ich ganz witzig finde. Nur bis zum 10. September.


Und das Biennale-Projekt "The Knowledge" nur bis 15. September, mit Installationen unter Einbezug einer originalen Schreinerwerkstatt, mit einem kleinen Bookshop und einem großartigen kleinen Hinterhofcafé, in dem man in einer Hängematte liegen, lesen, die Füsse hochlegen, Bekanntschaften schließen... kann, toll! Was man alles nicht weiß, wenn man vorne vor dem armseligen Häuschen auf der Fondamenta steht.

Was eher auffällt, ist eine weitere ungewöhnliche Ausstellung mit dem Titel "The Third Realm". Allerdings muss man an den ersten Exponaten vorbei in das Hinterhaus hineingehen, um die Sache richtig sehen und würdigen zu können. Witzig und sehr sehenswert, nur bis 29. September.



Weitere Einträge zur Biennale folgen in den nächsten Wochen und Monaten.

Hinterhofcafé des Biennale-Projekts "The Knowledge"





















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6. Juli 2011

Nachts ins Arsenale...





... da wäre ich wirklich gerne dabei.






Die städtische Tourismus-
behörde und das Institut für Militär- und Marinestudien bieten zusammen mit den Freunden venezianischer Museen und Monumente eine Reihe von Nachtbesuchen im Arsenale an, für VenezianerInnen und Gäste.
Damit soll die Wiederentdeckung eines wenig bekannten, aber wesentlichen Teil des alten und industriehistorischen Venedigs ermöglicht werden.
Danke, ein toller Vorschlag!



Zu den in der Quelle (unten) genannten Terminen (13., 21., 28.7 und 4., 11.8. finden jeweils 2 Führungen statt, um 20:30 und 21:00 Uhr in Gruppen mit 30 Personen.
Anmeldung ist erforderlich jeweils bis nachmittags um 16:00 Uhr am Haupteingang des Arsenale.

Quelle und weitere Informationen auf italienisch:



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4. Juli 2011

Venedig - Kinder - Strand


Squero San Trovaso bestückt mit Biennale-
kunst (Moldavien)


Ich kenne Menschen, die es ablehnen nach Venedig zu fahren. Sie wurden als Kinder von ihren Eltern hingeschleppt, das reicht ihnen für immer. Touristisches Grausen schon mit 4 kennengelernt.

Ich kenne auch ein Kind (inzwischen erwachsen), das begeistert berichtete "Ich bin auf dem Markusplatz verloren gegangen!" Das Kind war immerhin 10, die ungeahnte Hysterie seiner Eltern hat ihm viel Freude gemacht.


Biennale-Kunst am Ufer von S. Servolo "This is no game"

Ich habe Ende Juni völlig überrascht die Masse von jungen Eltern mit kleinen und sehr kleinen Kindern erlebt, die Venedig anscheinend für einen URLAUBSORT halten.

Leute mit Neugeborenen (damit meine ich unter 3 Monaten alt) in der Känguruhtasche in engen venezianischen Gassen, in denen Bodychecks mit anderen Touristen kaum zu auszuweichen ist. Die den Winzling beim Rempeln im Gedränge gar nicht schnell genug mitkriegen.

Eltern, die sich mit 3 Kleinkindern + 1 Kinderwagen aufs vollgestopfte Vaporetto schieben. Weil sie glauben,das sei immer noch besser als mit Blagen und Kinderwagen an jedem einzelnen Kanal trepperauftrepperunter.

Sieht bunt aus wie manche Kunst. Piept nett wie manche Kunst.
Ist aber eine Brückenrenovierung.
Ponte Sant' Andrea, Cannaregio


Kinder die mit ihren Eltern in praller Sonne durch Venedig ziehen - in den engen Gassen herrscht Schatten, aber an den Kanälen hat man einfach nicht die Wahl zwischen Schatten und Sonne, man geht eben da wo ein Ufer ist!

Ein Sechsjähriger, der auf dem drangvollen Vaporetto seiner Mutter zweimal volle vors Schienbein tritt, sauer und vielleicht in der Hoffnung, so Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht und hatte trotzdem mehr Mitgefühl mit dem Kind als mit der dämlichen Mutter.

Verschwitzte entnervte K
inder, Eltern am Rande der Selbstkontrolle, Warten in der Hitze, Geschiebe in Menschenmengen, ein Hotelzimmer mit dazuzugestellten Kinderbetten in dem man sich nicht aus dem Weg gehen kann, eine einzige Dusche, die ein schlappes Fließen produziert anstelle eines erfrischenden Wasserstrahls.

Das alles, weil wir löblicherweise unseren Kindern Weltkultu
rerbe zeigen wollen und nicht Ballermann, im zarten Alter, in dem sie (wie wir hoffen) noch beeinflussbar sind. Und weil Eltern, die selbst noch nicht in Venedig waren, einfach nicht wissen können, was sie ihren Kindern mit einer solchen (Tor)Tour im Sommer antun.

Auch hier arbeiten Männer. IST aber Kunst. 'Cracked Culture", Palazzo Giustinian Recanati, Dorsoduro







Die am meisten aufgeru-
fenen Einträge dieses Blogs sind


1. Alle Beiträge zum Friedhof San Michele

2. In Venedig am Strand

3. Alle Teile von 'Mit Kindern in Venedig'.


Den Platz 1 für heute beiseite lassend, stelle ich mir also vor, dass Menschen mit jungen Kindern einerseits im Urlaub Kultur konsumieren wollen, anderers
eits aber auch normalen Strandspass, und denken oder sich wünschen, dass sich das in Venedig kombinieren lässt. NEIN.

Venedig ist eine großartige Kulturstadt, die gleichzeitig völlig überlaufen ist von Menschenmassen die kurzeitig
reinkommen, durchgeschleust werden, rausgehen. Das beste Beispiel dafür sind die riesigen Kreuzfahrtschiffe. Kommen an, spucken Menschen aus, die mit dem Peoplemover (dafür wurde er gebaut) in hoher Zahl und Geschwindigkeit in die Stadt befördert werden, dort zirkulieren und (möglichst schnell möglichst viel) Geld ausgeben und nach ein paar Stunden mitsamt ihrem Schiff die Lagune wieder verlassen sollen.

KEINE Kunst. Jedenfalls nicht absichtlich.
Sondern ein kleines hervorragend sortiertes Fachgeschäft für Elektrofummler an der Fondamenta della Misericordia


Zielgerichtete Bewegung in der Stadt (Kirchen, Museen) und an den Rändern unter möglicher Vermeidung des Epizentrums Piazza-Rialto-Akademia verringert den Stress, ist aber verbunden mit viel Lauferei. Frühaufstehen (Kirchen öffnen früh, die Gassen sind noch leer) und Rückzug in der Mittagszeit hilft. Vor 10 Uhr und nach 17 Uhr sind die Vaporetti ok. Obwohl Venedig mitten im Wasser liegt, ist es ziemlich aufwändig, an den Strand zu kommen, Vaporetto + Bus bzw. längere Strecke zu Fuss. Nicht die idealen Vorschläge für Kinder-Eltern-Reisen.

Ich halte es für sinnvoll, die paar Jahre, die man mit kleinen Kindern reist, ihren Wünschen die Priorität zu geben und die Dinge nicht unglücklich zu mischen. Heißt, Massentrampelei in der großen Kultur Venedigs zu lassen und eine geräumige Ferienwohnung an einem Wasser mit Wiese oder Sand zu mieten. In Dänemark, Griechenland oder im Allgäu.
Gleichzeitig Venedig als die große Verheißung aufzubauen und mit den 14jährigen, kurz bevor sie Familienurlaube verweigern und sich ihr erstes Interrailticket kaufen, die wunderbarste aller Städte zu besuchen, am besten in einem Kunstbiennalejahr.

Ohne Furcht vor überforderten, verloren gehenden Kindern zu entdecken, sich treiben und überwältigen zu lassen, mit dem nötigen Freiraum in getrennte
n Zimmern wohnen, unterschiedliche Interessen der Familienmitglieder berücksichtigen und den "Kindern" die Chance geben, sich in Venedig zu verlieben. Damit es ihnen für immer bleibt.


Kunst in der Kunst - Future Generation Art Prize im Palazzo Papadopoli am Canale Grande


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