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10. Juni 2012

Termine 2012/5 - mehr Kultur im Sommer 2012 in Venedig

'Paliotto' in der Sakristei der S. M. Assunta in Malamocco

Damit die beiden Einträge zu Kulturterminen vom Jahresanfang ( Musik, Theater, Ausstellungen  und Traditionelle & religiöse Feste), mehrfach ergänzt, nicht ganz überschwappen, gibt es eine sommerliche Auffrischung, bunt gemischt.

Die Festa Sant'Antonio findet in der aktuellen Woche bis 16.6. statt, rund um San Francesco della Vigna, mit täglichem Programm. Vaporettohaltestelle Celestia, deshalb leicht zu erreichen, auch wenn es in der allerletzten Ecke von Venedig zu sein scheint.

Programn der Festa S. Pietro di Castello 24.6. - 1.7.

Das Madonnenfest in Malamocco findet am 2. Wochenende im Juli statt, siehe dazu auch den Malamocco-Eintrag  vom August 2011. Ich war kürzlich wieder in Malamocco und wurde eigens darauf hingewiesen und eingeladen. Die Dorfbewohner sind stolz auf ihr Fest, und es gibt die seltene Gelegenheit, in der Sakristei die dort aufbewahrte Holzpala von Anfang 1400 zu bewundern. Der "Paliotto" von Paolo delle Masegne zeigt die Assunta umgeben von 12 Heiligen (auch meine Nachfrage: Heilige, nicht Apostel) und den segnenden Christus.Er soll eines der herausragenden Kunstwerke dieser Zeit des ganzen Veneto sein.
Die in der Prozession präsentierte Madonna wird nur für diese Gelegenheit angezogen und aufgebrezelt, normalerweise ist sie eine schlichte bunt bemalte Holzstatue am ersten Altar rechts wenn man in die Kirche kommt.

Ausstellungen, die noch bis in den Juli laufen:

Casa dei Tre Oci
Die Casa dei Tre Oci auf der Giudec-
ca, vor einem Jahr im Herbst wieder eröffnet, ist ein span-
nendes Gebäude mit optischen Bezügen zum Dogenpalast gegenüber, wohlduftend nach frischem Holz durch Parkett in allen Räumen und einem sehr schönen Holztreppenhaus, mit insgesamt gelungener Renovierung  und einem rasanten Blick auf das Bacino/die Dogana/das ganze Gebäudeensemble um den Dogenpalast herum. Die aktuelle Fotoausstellung mit ausschließlich Werken von Elliot Erwitt gefällt mir sehr gut, z. T. sehr witzig, ist aber NICHT kostenlos, sondern der Eintritt beträgt 8 €. Ist aber in Ordnung aus meiner Sicht, da die Neugier auf das Haus mit befriedigt wird und der fotogene Blick über das Bacino im Preis enthalten ist.

Im Museo Palazzo Fortuny laufen noch die beiden Ausstellungen des Frühlings. Die Wachsportraitsausstellung fand ich sehr beeindruckend, auch die ausliegenden Bücher zum Thema, die man nicht übersehen sollte. Die Ausstellung der Modewerke von Diana Vreeland, eigentlich nicht mein Ding, war dann aber doch nicht ohne, vor allem die alten Originale von Designern und Kostümbildnern der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (ein wildes 'Kopfkleid' von Jean Cocteau!).
Derzeit wird das Dachgeschoß umgebaut, ich bin gespannt, und nach einer 3monatigen Ausstellung im Herbst ist ab Dezember die Wagner-Fortuny-Ausstellung an der Reihe.

Aktuelle Ausstellungen der Guggenheim Foundation bis Mitte September.

Die Ausstellungen der Pinault-Foundation im Palazzo Grassi und in der Dogana (laufen 2 Jahre jeweils von Biennale zu Biennale) habe ich mir jetzt beide wieder angesehen, eigentlich vor allem wegen der Einzelausstellung von Urs Fischer im Palazzo Grassi. Und fand wieder höchst ärgerlich, bei Pinault den Status quo des weltweiten KunstMARKTES zu erleben, nicht mehr. Die hier vorgeführte Reduzierung der Bedeutung von Kunst auf ihren Marktwert ist mir unappetitlich, in beiden Häusern, und das ahnungslose, arrogante aber elegante Personal geht mir auf den Zeiger. Keine Empfehlung von meiner Seite.

Wachsportraits im Palazzo Fortuny
Im Museo Correr gibt es die Ausstellung zur Geschichte der Insel San Michele (vor ihrer Umwidmung zur Friedhofsinsel). Ich hätte sie gerne gesehen, auch, weil es um den bisherigen und weiter geplanten Ausbau des venezianischen Friedhofs durch David Chipperfield geht, aber die Schlange stand bis zum ersten Treppenabsatz herunter (!) und so eine vollgestopfte Ausstellung tue ich mir nicht an. Es mag daran gelegen haben, dass es der 2. Juni und ein Feiertag war.

Zusätzliche Konzertprogramme des Sommers

Monteverdi und Vivaldi Festival 2012 (Konzerteintritt 20,- bzw. 10,- für Studierende)
2. Orgelfestival Gaetano Callido, 2012 (kostenlos), in der Kirche der Carmini, in S. Trovaso und in Sant'Elena (das ist nun wirklich ganz weit draußen...)
Konzerte des Konservatoriums Marcello Achtung! bei den Konzerten 12.,15., 19. und 27.6. wird vor der Veranstaltung eine Führung durch den berühmten Palazzo Pisani angeboten, in dem sich das Konservatorium befindet. Eine seltene Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte. (Konzerteintritt: 20,- bzw. 5,- für Studierende)

Keinesfalls verpassen: die 2. Artnight am 23.6.! Die erste Artnight 2011 war wunderbar, ich habe es sehr genossen, die lange helle Mittsommernacht von Angebot zu Angebot, offener Tür zu Kunstevent durch ganz Venedig zu wandern.



Ergänzungen

15.06: Sportlich-kulturelle Sommerangebote auf dem Lido und auf Pellestrina Juni-September Lidi in Festa 2012 (Programm zum Herunterladen)

29.06: Neue Sommeröffnung des Palazzo Ca'Corner della Regina! Das Haus wurde im letzten Winter von der Fondazione Prada gekauft. Die Sommerausstellung 2011 war die erste und endete Anfang Oktober. Die diesjährige Ausstellung läuft vom 6.7. bis 25.11. Nach der Erfahrung 2011 empfehle ich den Besuch sehr.

30.06.: die kaiserlichen Sääle im Museo Correr (sprich die Kaiserin-Sissi-Räume) werden nach langer Renovierung wieder eröffnet, am 10. Juli

04.07: Palazzo Grimani - Ausstellung ab 13. Juli aus dem Archiv des venezianischen Circolo Fotografico La Gondola.

10.07: Venezia Jazz Festival 2012 30.7.-3.8. Ärgerlich: Gilberto Gil in einer venezianischen Sommernacht im Fenice, festgetackert auf einem der kleinen Stühlchen statt hüftenschwingend auf einem Campo open air! Das ist eine unverständlich dämliche Idee des Tourveranstalters.

20.07.-05.08: Venice Sherwood Festival im Parco San Giuliano auf der Mestre-Seite der Ponte della Libertà

28.07.: Musikalischer abendlicher Bootsausflug auf dem Canal Grande "Serata a Remi" (Ruderabend) ab 10:30 Uhr, Campo S. Vio (zwischen Accademia und Guggenheim)
Plan der Begleitung zu Fuß für NichtruderInnen bitte anklicken unter "View map of programmed stops"

29.08.-29.11.: Ausstellung Carlo Scarpa - Venini 1932-1947,  Fondazione Cini auf der Insel S. Giorgio Maggiore.

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5. August 2011

Ausflug nach Malamocco


Schöne dicke Madonna in einem Sottoportego des Borgo von Malamocco






Ich war in
Malamocco, und zwar ausschließlich eines Freundschaftsdienstes wegen, nämlich ein Foto der Dorfkirche S. Maria Assunta für die Website Churches of Venice zu machen.

Denn der Lido, auf dem Malamocco liegt, ist aus meiner Sicht irgendwie jenseits von allem: ä
hnlich weder Venedig, noch den einfachen Laguneninseln, er ist ein vergleichsweise neu bebautes Wohngebiet von Bessergestellten mit Autoverkehr, eine Ansammlung von Hotels, die 3 Monate im Sommer brummen und dann wieder schlafen gehen... Überraschung, Malamocco ist nicht der Lido!
Piazza Maggiore von Malamocco

Vom Vaporetto in den Bus A (B geht auch), raus nach 15 Minuten an der Riva G. Diacono, 150 m bis zur Piazza und schon bin ich in einem anderen Kosmos.

Ein kleines, altes Dorf, Morgensonne, Leere, Ruhe, Kinder sind in der Schule, 2 Männer die auf der Straße Handwerkliches treiben, 2 Frauen mit Einkaufstaschen hängend an Fahrrädern unterwegs, erste
vormittägliche Düfte aus italienischen Küchen, Dudelradio in einer offenen Haustür.
Südeuropäisches Sommeridyll, ich schalte sofort einen Gang runter. Mache Fotos, finde ein kleines Café in dem ich
einen Espresso und ein hervorragendes Brioche frühstücke um mich über meine Vorurteile zu trösten.
Blick auf Borgo und Campanile S. Maria Assunta

Malamocco war vor gut 100 Jahren überhaupt die einzige Gemeinde auf dem Lido, viel mehr war da nicht, außer den alten Strukturen im Norden der Insel, die Kirche S. Niccoló und das dazugehörige Kloster, der alte jüdische Friedhof.

Malamocco gehörte zu den ersten Ansiedlungen in der Lagune vor dem ersten Jahrtausendwechsel, war vorübergehend Dogen- und sehr
lange Bischofssitz, wurde nach seiner Zerstörung im 12. Jahrhundert durch ein Erdbeben plus Sturmfluten wieder neu aufgebaut und blieb ein wichtiger Vorposten Venedigs beim Schutz vor Feinden und dem Meer.
Im Borgo von Malamocco

Der alte Ort, der "Borgo" genannt wird (wie die Ortsteile griechischer Ansiedlungen um eine koloniale venezianische Festung) ist heute eine Insel, umgeben von zwei Kanälen, in der Mitte des Ortes die große Piazza um die Kirche und viele kleine Häuschen drumherum, von denen einige sicher nicht mehr aus dem Mittelalter stammen, aber manche schon. Der Eindruck ist eher ländlich im Vergleich zu deutlich insularen Orten wie Burano.
Es gibt eine große Gartentrattoria und in einer kleinen Gasse ein Lokal mit rustikalen Tischen vor der Tür, das jedes gebildete Kind sofort als Piratenkaschemme identifiziert und in dem die Einheimischen eine Sprache sprechen, die auch ein Romanist nicht als italienisch erkennt.
Festungs-
graben mit Festungs-
teil im Hinter-
grund


Mitten im Borgo liegt ein gepflegter
Boots-
hafen, in dem auch die beliebten
Lagunen-Hausboote anlegen können, dahinter die ziemlich neuzeitliche Festung Forte Malamocco, von einem Wassergraben umgeben wie auch z. B. das Fort Massimiliano auf S. Erasmo. Offensichtlich nicht an die Gezeiten angeschlossen.
Das Fort ist leider nicht zugänglich, Schilder an der Mauer besagen, dass hier ein Wellness Center entstehen soll, und die Website www.marcopolo.it, die auf den Schildern zur weiteren Information lädt, ist zwar sehr interessant, die "News" sind aber aus dem Jahr 2005. Naja, vielleicht wieder mal ein Projekt mit einem stillen Abgang, oder eins, das nur zwecks Fundraising gegründet wurde?






Weg auf die Murazzi von Malamocco, Großfamilie im Großfahrrad auf der Mauer


Hinter d
em Fort gibt es einen Fussweg durch Felder, Wiesen und Schilf ans Meer, auf die Murazzi. Sie sind hier ein fester Deich auf dem viel Fahrrad gefahren wird, die Strecke Lido-Alberoni (und von dort, wenn man will, mit der Fähre übersetzen nach Pellestrina).
Im Gespräch mit einer 6köpfigen Dreigenerationenfamilie auf einem großen überdachten Fahrrad erfuhr ich, dass die Stundenmiete 18 €, die Tagesmiete 50 € kostet und das ziemlich große Gefährt auch im Straßenverkehr problemlos sei. (Siehe Link unten: Fahrradvermietung.)

Kanal in Malamocco

In Malamocco gibt es kleine Hotels,
B & Bs, Ferien-
wohnun-
gen, innerhalb und ausserhalb des Borgo, im Internet zu finden. Vielleicht ein guter Vorschlag für Familien mit Kindern, die ländlich und am Meer, aber auch sehr nah an Venedig Ferien machen wollen. Oder für Liebhaber venezianischer Kultur, denen die Nähe zum Meer und den Naturschutzgebieten von Alberoni und Ca'Roman wichtig ist.


Das örtliche Fest der Madonna di Marina findet jährlich in der zweiten Juliwoche statt und ist eine Mischung aus ernst genommener religiöser Tradition und krachender Dorfkirmes (schätze ich mal anhand des
Programms vom 2011, ich habe es leider um 3 Tage verpasst).


Heiraten im Palazzo del Podestá auf/in Malamocco
Besuch des mittelalterlichen Borgo von Malamocco
Fahrradwege - Fahrradvermietung

Ergänzung vom 30.8.2011
Ein freundliches Mail von Andreas Götz, Venedigkenner und Anbieter von Unterricht im venezianischen Rudern, erreicht mich mit wichtigen Hinweisen zum Fahrradfahren auf dem Lido und den folgenden Inseln. Die Information ist so wichtig, dass ich den Text hier anhänge und nicht in einem Kommentar, wo sie übersehen werden könnte.

In deinem Bericht über den Ausflug nach Malamocco schreibst du nebenbei, man könne dann auch noch nach Pellestrina fahren. Was nicht nur richtig ist, sondern sehr schön. Es kann aber auch teuer sein.
Vor etwa zwei Jahren bin ich zum Lido, habe mir ein Fahrrad gemietet und bin über Pellestrina bis nach Chioggia gefahren. Mit dem abonnamento lagunare habe ich damals nur je ein Euro für das Fahrrad auf den Fähren hin und zurück bezahlt, also insgesamt 4 Euro. Auf der Fähre nach Pellestrina war auch eine Familie (zwei Erwachsene, zwei größere Kinder). Die hatten auch irgendwo gelesen, man könne ja mit dem Fahrrad nach Pellestrina, und waren mit Einzelfahrausweisen zum Lido gefahren und hatten sich Fahrräder gemietet. Auf der Fähre erfuhren sie nun wieder, daß sie Einzelfahrausweise (damals 6 Euro) lösen müssen (keine Tageskarten an Bord) sowie einen Fahrschein fürs Fahrrad (damals ebenfalls 6 Euro). Als die Frau das realisiert hat, wurde sie ziemlich blass. Da ist ja einiges zusammen gekommen, was einen als glücklichen I-Mobber nicht ereilen kann: ab Tronchetto pro Person vier Einzelfahrausweise plus zwei mal Fahrrad, also 24 Euro mal vier Personen, macht 96 Euro plus die Miete der Fahrräder.
Mit dem 24 Stunden-Ticket in jedem Fall schon mal billiger, sollte also jedem, der sich nicht mit den Tarifen des ACTV auskennt, wärmstens empfohlen werden.


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5. Juli 2008

In Venedig am Strand


In einer Stadt umgeben von Wasser hat man, zumindest im Sommer, die Vorstel-
lung, nichts könnte
leichter sein als bei Bedarf die Füsse ins Wasser zu stellen für eine angenehme Abkühlung.

Dem ist nicht so. Weder ist das Wasser in den Kanälen sauber, noch sind die vielen Bootsanlegestellen wirklich für solche Zwecke nutzbar, da die grün bewachsenen Stufen für nackte Füsse einfach zu glitschig scheinen. Außerdem: wer will schon möglichen Einparkern ihren Platz streitig machen?

Man geht also an den dafür vorgese
henen Strand. Jeder hat dazu das Bild des Lido-Strandes vor Augen, am Hotel des Bains, sei es nach der Lektüre von Thomas Mann, nach dem Film von Luchino Visconti oder einfach nach Durchsicht eines Reiseführers/Bildbandes. Diese venedig-typische Art von "Privacy" der Capanne, die genauso wenig 'privat' ist wie das Alltagsleben in den Nachbarschaften der Stadt, wo man einfach ignoriert, dass das Umfeld alles sieht und jedes Wort hört. Darüber hinaus eine elitäre Angelegenheit, die nicht jedem zur Verfügung steht, es muss also ein öffentlicher Strand sein!

Öffentliche Adriastrände gibt es an den Lidi von Nord nach Süd:
1. Cavallino/Treporti, langer breiter Sandstrand, den man von Venedig mit dem ÖPNV (Linea 17) nach Punta Sabbioni erreichen kann. Der Verkehr geht allerdings eher umgekehrt: die Urlauber auf
den vielen Campingplätzen bis hinauf nach Jesolo nutzen das Boot für einen Tagesausflug nach Venedig. Ich jedenfalls war da noch nie.

2. die Nordspitze des Lidos, sprich S. Niccolò. Man kommt mit de
m Bus vom Verkehrsknotenpunkt Piazzale S. M. Elisabetta dorthin, bis zum Wende-
pu
nkt. Dort in der Nähe der M.O.S.E. Baustelle gibt es auch ein paar Dünen. Oder die Nord-Süd-Straße Gran Viale S. M. Elisabetta bis zum Ende, Piazzale Bucintoro, und dort direkt an den Strand. Diese beiden Empfehlungen sind vom Insider meines Vertrauens, selbst habe ich sie noch nicht ausprobieren können.

3. Mit dem Bus
(Nr. 11) vom Lido nach Pellestrina, die Privatstrände auslassend, an die öffentlichen Strände von Malamocco und Alberoni, oder am besten ein bisschen weiter bis zur End-
haltestelle (Fahrt-
dauer mit Fähren-
ü
berfahrt über den Porto di Malamocco ein gutes Stündchen).

Auf der Mauer bei Pellestrina


Hier findet man überall hinter den Murazzi (Hochwassermauern aus dem 18. Jahrhundert als Schutz gegen die Adria) schöne Sandstrände, lange gemauerte Wellenbrecher und keine Hütten, Liegebetten oder sonstige Scherze, aber auch wenig Schatten und wenig Service (Lokale + Toiletten).
Einsame Pietà in einem Garten auf Pellestrina

An der Busendhaltestelle in Pellestrina gibt es eine kleine mobile Café-Bude (in den letzten Jahren ist sie etwas modernisiert, vergrößert und festgezurrt worden) direkt am Wasser, hier ist auch die Anlegestelle des Linienschiffes nach Chioggia. Der Blick über die südliche Lagune ist wunderbar und zusammen mit dem herrlich schmonzigen Italo-Pop, der dort ganztags läuft, und der untergehenden Sonne nach einem Besuch am Strand empfinde ich diesen eher prosaischen Ort als ausgesprochen romantisch...

Düne auf der Oasi Ca'Roman
4. Der Strand der Oasi Ca'Roman schließt sich hier im Süden an, wenn man zu Fuss (oder mit dem Fahrrad, aber nicht mit dem Auto) das etwa 1 km lange Murazzi-Teil, das ins Wasser gebaut wurde, hinter sich hat. Man kann auf dem Weg oder oben auf der Mauer laufen. Direkt am Ende der Mauer kann man sich auch an einer Kaffee-Imbiss-Bude mit dem Nötigsten versorgen.Ca'Roman steht unter Naturschutz, im Frühling ist das Betreten der Dünen wegen der brütenden Vögel verboten. Es gibt auch einen schönen Wald auf dieser Landspitze vor dem Porto di Chioggia, den ich aber fluchtartig nach ein paar hundert Metern wieder verließ, wegen der Schwärme von Stechmücken.

Diese vier sind, wie gesagt, Adriastrände, am offenen Meer, mit weitem Blick, Muscheln am Strand, tiefer werdendem Wasser und viel Platz. Allerdings hat man von den Stränden aus auch immer gute Sicht auf die Industriebaustellen der M.O.S.E.-Anlagen, heißt Spezialkräne und sonstiges Getüm.
Strand auf Ca'Roman in Sichtweite der M.O.S.E. Baustelle Porto di Chioggia



Grüner Sandstrand auf S. Erasmo
Dann gibt es noch einen 'Binnen'-
strand,
innerhalb der Lagune auf der Südspitze der Insel S. Erasmo (siehe auch Eintrag vom 15.4.07, Venedig mit Kindern V.). Man kommt nach S. Erasmo ganzjährig mit der Linea 13 ab Fondamente Nove, und während der Sommermonate direkt an die dafür eingerichtete Strandhaltestelle ab Lido mit der Linie 18 (mit einem zweckorientierten Fahrplan nur morgens und abends, und nur stündlich.) Fahrtdauer jeweils unter 30 Minuten.

Kreuzfahrtriese im Canale di S. Erasmo, Sandbank vorne
Diesen Strand, genannt "Bacan" finde ich für meine Bedürfnisse ziemlich traumhaft: neben dem immer interessanten italienischen Familienstrandleben mit Schirmen, Tischen, Stühlen, Grill, Spielsachen und allen dazugehörigen Personen gibt es was zu gucken: eine Hauptverkehrs'straße', der Canale di S. Erasmo, führt direkt vorbei mit den üblichen Motor- Ruder- und Segelbooten, Vaporetti, aber auch mit den großen Pötten, die in die Adria wollen. Griechenlandfähren, Kreuzfahrtriesen, 3-5mastige
Segler, alles was zum Porto di Lido strebt fährt in scheinbar greifbarer Nähe vorbei.

'Parking' der veneziani-
schen Badegäste

Die Venezianer kommen im Motorboot zum Strand, 'parken' trotz der kleinen Marina um die Ecke im flachen Wasser und schleppen ihre Strandmöbelierung ans Ufer bzw. auf eine der vielen Sandbänke, die es hier ausserhalb der Fahrrinne des Kanals gibt. Das extrem flache Wasser ist voller Getier, man buddelt Schalen- oder sonstige Tiere aus oder fängt sie, und wenn auch dies kein Adriastrand ist, für einen schönen wassertretenden abkühlenden Spaziergang ist diese Ecke einfach wunderbar.


Canale di S. Erasmo







Die Krö-
nung
der Lokalität
ist ein großer grüner schattiger Biergarten
(!) mit hohen alten Bäumen, frei zur Verfügung stehenden Tischen und Bänken und einer einfachen Restauration.
Wer keine Lust auf
Sandstrand hat, kann sich hier gemütlich aufhalten, lesen, Schwätzchen halten und bei Bedarf ins Wasser gehen.



Biergarten am Strand von S. Erasmo




















Zu besichtigen und besuchen gibt es direkt hinter dem Strand die Torre Massimiliana, auf drei Seiten umgeben von einem Wassergraben, die (zumindest Freitag-So
nntag) mit interessanten kleinen Ausstellungen moderner Kunst geöffnet ist. Ich habe dort die sehr interessanten Ausstellungen von Werken von Lucio Andrich (2005) und Emilio Vedova (2007) gesehen, zur Zeit wird dort eine sehr schöne Fotoausstellung über das Leben der Lagunenbewohner gezeigt.

Blick aus der Torre Massimiliana

Man kann ansonsten auf S. Erasmo durch die Gemüsefelder wandern, Fahrräder aussleihen und über die Insel fahren, und sogar übernachten: ein paar Hundert Meter vom Strand entfernt, direkt neben der kleinen Marina, im Lato Azurro, der "Blauen Seite". Preisgünstig für Einzelreisende und Gruppen. So gesehen, ist S. Erasmo sogar geeignet für einen Strandurlaub.

Wassergraben um die Torre Massimilia



Nachträglich eingefügt am 2.6.2011: eine neue Website zum Lido

Nachträglich eingefügt am 29.6.2011: die Haltestelle S. Erasmo der Linie 18 ist laut Fahrplan "vorübergehend aufgehoben". Was immer das heißt. Die 18 fährt also Lido-Murano und zurück. Nach S. Erasmo an den Strand kommt man zur Zeit nur mit der Linie 13, Haltestelle Capannone, und muss dann 10 Minuten zu Fuß (durch die pralle Sonne) gehen.




Aber wer fährt schon nach VENEDIG, um seine Zeit am STRAND zur verbringen?!?