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15. März 2019

Venedig in Frankfurt/Rhein-Main




Auf den Eintrag zur Berliner Ausstellung "Bellini und Mantegna" folgt sofort die nächste Präsentation venezianischer Kunst und Kultur, und zwar in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main.

Das Frankfurter Städel präsentiert seit dem 12.2. und noch bis 26.5. 



(siehe auch die Pressemappe mit Fotos zum herunterladen), eine Ausstellung, deren Riesenerfolg vorhersehbar ist. Reiseveranstalter, Volkshochschulen, Kirchengemeinden, Kunstvereine bieten Gruppenreisen zum Ausstellungsbesuch an.
Ich denke immer noch mit Staunen an den bemerkenswerten letzten Tag der Tizianausstellung in Venedig im Oktober 1990: vor dem Dogenpalast eine Riesenschlange in der Hoffnung, noch reinzukommen, überfordertes Museumspersonal, weinende alte Damen im Gedrängel... soweit wird es wohl hoffentlich in Frankfurt und auch in Berlin nicht kommen.

Hier einige Kommentare zur Renaissance-Ausstellung in Frankfurt, beginnend mit der SZ, die der offizielle Medienpartner ist:

SZ: Große Tizian-Schau im Frankfurter Städel
FAZ: Drei Farben Weiß-Blau-Rot
FAZ: In flirrendem Licht
Stuttgarter Zeitung: Venedigs leuchtende Wiederauferstehung
Badische Zeitung: Farben und Körper
Zeit: Die Besten in der Malerei
Zeit: Große Tizian-Schau im Frankfurter Städel
Art in Words: Städel: Tizian und die Renaissance in Venedig
Unsere Kirche: Städel zeigt Meisterwerke von Tizian und Bellini
Spiegel: Die Welt leuchtet

Und jenseits der Printmedien:
Deutschlandfunk: Gerühmt als größter Maler seiner Zeit
SWR2: Tizian und die Renaissance in Venedig
HR Fernsehen: Warum der Jahrhundert-Maler so bahnbrechend war und noch heute fasziniert
BR: Frankfurter Städel feier Tizian und seine Zeitgenossen
Blog Geschmackssachen:  Beruht die gegenwärtige Renaissance-Begeisterung auf einem Missverständnis?

(Mein bescheidener Beitrag zum Thema Tizian vom 10.11.2012: Tizians Haus.)



Fotoquelle: Broschüre Ev. Stadtkirchenarbeit Mainz




ist eine Veranstaltungreihe zur Kultur der Serenissima Repubblica (11 Termine inklusive Besuch der Renaissance-Ausstellung im Städel am 2.5.) bietet vom 14.4.-30.6. die Ev. Stadtkirchenarbeit Mainz. 

Programm (s. auch unter dem Link)

Sonntag, 14.4. 15 Uhr "BeziehungsWeise. Kunst Religion Musik" mit kunsthistorischen, theologischen, musikalischen und künstlerischen Impulsen. Im Landesmuseum Mainz

Sonntag, 12.5. 20 Uhr Claudio Monteverdi - Geistliche Chormusik im "Alten Dom" St. Johannis, unbedingt auch der Besichtigung wert, siehe auch Website der Kirchengemeinde
(Siehe auch einen der Blogeinträge zu Monteverdi: Zephir eines der wunderbaren Madrigale Monteverdis.)

Dienstag, 14.5. 18 Uhr "Karneval in Venedig - einst und jetzt". Vortrag des Verlegers Dr. Arnold E. Maurer; siehe auch Blogeintrag "Die Masken der Serenissima". Im Landesmuseum Mainz (s. o.).

Dienstag, 21.5. 18 Uhr "Goldonis 'Servitore di due padroni' in neuer Übersetzung". Vortrag von Prof. Dr. Dietrich Scholler, Universität Mainz. (Wikipedia 'Der Diener zweier Herren.') Im Landesmuseum Mainz.
Sommtag,  26.5. 15 Uhr Präsentation venezianischer Karnevalskostüme im Landesmuseum Mainz.

Sonntag, 2.6. 15 Uhr "Aus Meissen nach Mainz". Ausstellungen von Mainzer Porzellanfiguren, inspiriert von Persönlichkeiten der Commedia dell'arte. Im Landesmuseum Mainz.

Dienstag, 18.6. 18:15 Uhr Filmeabend "Die Seele Venedigs - der Markusdom" mit Vor- und Nachbereitung des Filmerlebnisses. Im Haus der Ev. Kirche Mainz.
Dienstag, 25.6. 19:30 Uhr: Konzert "Karneval in Venedig" mit Werken von Antonio Vivaldi und Niccolò Paganini, gespielt von Studierenden der Hochschule für Musik Mainz.. In der Hochschule für Musik Mainz, Roter Saal.

Sonntag. 30.6. 15 Uhr: "BeziehungsWeise. Kunst Religion Musik" mit kunsthistorischen, theologischen, musikalischen und künstlerischen Impulsen zum Gemälde "Harlekin" des Wiesbadener Malers Ludwig Knaus.  Im Landesmuseum Mainz  


Ludwig Knaus, Harlekin
Quelle: Broscchüre Ev. Stadkirchenarbeit Mainz



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13. Mai 2013

Venedig 1575...

... ein schöner Fund, 52minütiger Dokumentarfilm auf YouTube von HappyDuckization, vor wenigen Tagen dort eingestellt.

Den roten Faden des Films bilden detailliert vorgestellte Werke der venezianischen Maler Tizian, Veronese und Tintoretto, begleitet von Ausschnitten aus alten Dokumentar- und Kinofilmen, historischen Blitzlichtern der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und gut gemachten, ziemlich edlen Filmaufnahmen aus dem (trügerisch menschenleeren) zeitgenössischen Venedig. Mir gefällt er.



(Auf meinem Rechner bricht der Film alle 10 Minuten ab, man schließt, ruft ihn neu auf, er geht an genau der Stelle weiter, an der Ende war. Ich vermute, es geht dabei darum, eine jeweils vorgeschaltete Werbung an die ZuschauerInnen zu bringen, die man allerdings nach ein paar Sekunden überspringen kann. Lästig, aber eben Business.)


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10. November 2012

Tizians Haus


Die Werke des Malers Tiziano Vecellio sind überall in Venedig zu bewun-
dern, z. B. in der Ac-
cademia (z. B. sein "Tempel-
gang" und seine er-
greifende "Pietá"), im Dogenpalast und in vielen Kirchen (z. B. in der Jesuitenkirche an den Fondamente nove sein dramatisches "Martyrium San Lorenzos" oder in der Frarikirche seine "Assunta" und "Madonna des Hauses Pesaro").
Wenn man will, besucht man noch sein Grab in der Frarikirche, sehr pompös, aber sein Wohnhaus ist kein Ziel von Wallfahrten und kommt, im Gegensatz zu Tintorettos Wohnhaus, in Reiseführern nicht vor.
Hugh Douglas, dessen Buch 'Venice on Foot' von 1906 ich schon mal durch die Gassen folge, schreibt sogar "Als Tizian hier lebte, war zwischen dem Haus und der Lagune nur der Garten (weshalb die schöne Aussicht immer erwähnt wird), jetzt ist die Gegend ein Labyrinth von Slums, schwerlich einen Besuch wert." 



Tizians Gässchen, Richtung Norden, sein Haus rechts

Trotzdem geht es hier um dieses Haus. Denn die derzeitige Besitzerin, ein briti-
sches Ex-Model, findet Medienaufmerksamkeit für ihr Gejam-
mer, dass sie wegen der EU-Krise die 1,6 Millionen € (brutto 1,95 Mio.) nicht bekommt, die sie dafür haben möchte. 


Donnerschlag! Die Gegend ist zwar kein Slum-Labyrinth mehr sondern ein Wohnviertel, gespickt mit Handwerksbetrieben orientiert am nahen Friedhof (Grabsteine, Särge, Glaslampenschirme...). Aber es handelt sich um ein eher kleines Haus (150 qm) in einem Sackgässchen, mit Hintergärtchen (150 qm) ohne Aussicht auf die Lagune, geschweige denn die Alpen. Das wesentliche Verkaufs- bzw. Preisargument ist der berühmte Vorbesitzer. Eines der vielen Beispiele für den venezianischen Immobilien-Wahnwitz, scheint mir, und ich habe ein bisschen zu Tizians Haus recherchiert und auf der Seite der Universität Heidelberg einen Text dazu gefunden, der mir gefällt: 

Tizians Gässchen, Richtung Süden, Tizians Haus links





 


Tizians Heimwesen
(Growem J. A. und Cavalcaselle, G. B.: Tizian: Leben und Werke, Bd. 2, Leipzig 1877, S. 407 ff.)
Noch viele Jahre nach Tizian's Niederlassung in Venedig war der nordöstlichste Saum der Stadt spärlich angebaut. Wer damals eine Fahrt nach der Villenstadt Murano machte, fand beim Austritt aus dem Canalgewirr bei S. Apostoli, S. Canziano oder S. Giovanni e Paolo Landstreifen mit grünen Feldern bedeckt oder Sumpfstellen und Gartenanlagen. Der lange öde Quai der heutigen Fondamenta Nuova bestand noch nicht; wer in der Nähe von S. Maria de' Miracoli hauste, galt schon halbwegs als Landbewohner. Für den Freund malerischer und ungestörter Häuslichkeit hatten die nördlichen Lagunenufer Reiz genug. Hier lag die Wasserfläche offen und der Blick schweifte ungehindert nach Murano hinüber; dahinter erhoben sich über em Flachlande bei Mestre die Hügel von Ceneda, durch deren Sättel hindurch man die Cadoriner Alpen erblickte; hier gab es frisches Grün und Bäume, überhaupt einen ganz andern Zustand als zwischen den Palastwänden des grossen Canals oder in der kellerigen Dämmerung des Wassernetzes der Volksstadt.

Das Haus bei S. Samuele, welches Tizian in der Zeit von 1516 bis 1530 bewohnt hatte, lag im Herzen der Stadt, dicht am grossen Canal, gleich weit vom S. Marco und vom Rialto entfernt. Im Jahre 1531 gab er dieses Quartier auf und zog in den nordöstlichen Stadttheil. Der Miethsvertrag über die Wohnung, die noch heute existiert, war unterm 1. September abgeschlossen; die Lage derselben wird darin bezeichnet: in der Contrada oder  Pfarrei S. Canziano in Biri. Als das Haus im Jähre 1527 von dem Patrizier Alvise Polani  erbaut worden war, hiess es die „Casa Grande" und stand nicht hart an der Lagune, sondern durch Gärten davon getrennt, das Erdgeschoss war an verschiedene Pächter abgegeben, die ihren besonderen Eingang hatten, in das obere Stockwerk, welches aus einem grossen Wohnraum und etlichen kleineren bestand und eine Terrassen-Loggia hatte, gelangte man mittelst einer Treppe vom Garten her. Man begreift wohl, dass sich Tizian hier, wo ihn bei klarem Morgenlicht die Berge seiner Heimath grüssten und wo der Lärm des Hafens und des Marktes nicht hindrang, behaglich fühlte. Nachdem er den ersten Miethsvertrag wiederholt  erneuert, pachtete er 1536 die ganze Casa Grande und erwarb endlich im Jahre 1549 das gesammte Grundstück, das sie einschloss. (...)  Wir wissen, dass Tizian im Lauf der Jahre seine Heimstätte sehr verschönerte und den Garten an der Wasserseite ausbaute, sodass dort ein traulicher Winkel entstand, wo gute Gesellschaft gern verkehrte und gern gesehen war.


Wer heute das Haus Tizian's besuchen will, stösst auf erhebliche Schwierigkeiten. Noch vor etlichen Jahren war es zugänglich. Die Verfasser haben es eingehend geprüft, obgleich es schon damals unmöglich war, die ursprüngliche Eintheilung der Räume sich klar zu machen, da ihr Aussehen durch Zwischenwände und Uebertünchungen verändert ist. Die Freitreppe vom Garten her sowie der Altan sind abgetragen und das Haus, das ehedem einzeln dastand, verschwindet alhnälig in dem öden Einerlei der Strassenzeile. Wir fanden bei dem Eintritt durch die ehemalige Loggienthür eine Innentreppe, die zu dem einst von Tizian bewohnten Geschoss hinanführt. Das sehr grosse Hauptzimmer war an der Nordseite in mehrere kleine Räume getheilt. Der Blick auf Murano ist jetzt nur noch durch die Calle Colombina offen.

Auch Gilbert gibt in seinem Buche über Cadore eine sehr melancholische Auskunft über das Tusculum Tizian's: „Wenn der Gondelführer den Theil der Pfarrei von S. Canziano, der Bin heisst, mit Mühe gefunden hat und endlich sogar in das Stückchen von Biri eingedrungen ist, welches den Namen Campo Tiziano führt, steht man in einem engen Gehöft, welches an der einen Seite von einer Reihe neuer Häuschen begrenzt wird  und dessen Abschluss ein Gartenthor mit der Nummer 5526 bildet. Wem  es gelingt, dort einzudringen, der thue es nur; wenn nicht, dann möge er sich an den gefälligen Handwerker wenden, welchen ich in einem der grossen die Gartenmauer überragenden Hause fand.

Aber der Blick aus der Wohnung dieses Mannes beweist nur, dass von alle dem, was Tizian ehemals um sich sah, fast nichts mehr vorhanden ist. Nur das steinerne Gesims existiert noch, das rund um das eigentliche Haus und längs der ganzen Flucht der Nachbarhäuser hinlaufend uns andeutet, dass dieser Complex ehemals eine einzige Behausung gewesen ist, in deren oberem Stocke sich das geräumige Atelier des Meisters  befand. Seit jener Zeit aber ist der Ausblick, den man damals über Land und Wasser hatte, erbarmungslos  durch Neubauten verbarrikadiert, zu denen auch die Wohnung jenes Handwerkers gehört, die zwischen dem Garten und dem Strand sich erhebt, wahrscheinlich also einen grossen Theil von Tizian's Gartenanlage bedeckt, die den Beschreibungen nach sehr ausgedehnt gewesen sein muss, da sie nachweislich bis an's Wasser reichte.
Der Weg zu Tizian's Hause fuhrt jetzt von der Kirche S. Canziano durch die Calle Widman zum Campo  Rotto.


Oder: von der Haltestelle Fondamente nove in die Calle dei Buranelli, weiter geradeaus in die Calle del fumo, rechts in die Calle del volto, rechts in die Corte della Carità, links vorbei an der winzigen Osteria alla Frasca und geradeaus auf den Campo Tiziano. Alles winzige Gassen, z. T. nur ein paar Meter. 
(Das A auf Karte bezeichnet genau Tizians Haus)


Größere Kartenansicht

Nachtrag 2.9.2018
Im Ergeschoss des Hauses befinden sich heute die Werkstätten von Mario Berta Battiloro, einer er letzten Vertreter der Zunft der Goldschläger. Mit Terminvereinbarung zu besuchen.  Siehe auch Mario Berta Battiloro unter den Tipps zu den venezianischen Handwerker*innen und Kunsthandwerker*Innen und den Eintrag "Ganzkörperfoto auf Goldgrund?" vom 2.6.2017.


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