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9. September 2012

Vom Finden verschwundener Kirchen

Blick durch das Portal der Klosterkirche S. Chiara, Murano





Goethe schreibt in der 'Italienischen Reise' am 29.9.1786 über Venedig:
 
"Alles, was mich umgibt, ist würdig, ein großes respektables Werk versammelter Menschenkraft, ein herrliches Monument, nicht eines Gebieters, sondern eines Volks. Und wenn auch ihre Lagunen sich nach und nach ausfüllen, böse Dünste über dem Sumpfe schweben, ihr Handel geschwächt, ihre Macht gesunken ist, so wird die ganze Anlage der Republik und ihr Wesen nicht einen Augenblick dem Beobachter weniger ehrwürdig sein. Sie unterliegt der Zeit, wie alles, was ein erscheinendes Dasein hat."



Portal S. Chiara, Inschrift knapp noch lesbar
 In Venedigs 1500 Jahren kamen und gingen Menschen die die Stadt bauten, entwickelten, immer weiter veränderten. Es wurde gebaut, umgebaut, angebaut, aufgestockt, abgerissen und größer und prächtiger wieder aufgebaut und dabei der Stil gewechselt von byzanitinisch zu gotisch zu rinascimental zu barock und weiter... Wasser, Feuer und manchmal Erdbeben hatten ihren Anteil an den Veränderungen, Kriege kaum, dafür um so mehr die Besatzungen und die Armut des 19. Jahrhunderts. 


Fassade S. Chiara Murano

Die lange wechselhaf-
te Zeit findet sich im Stadtbild wieder, oder auch nicht mehr. Aber in einer Stadt, die so alt und gut dokumen-
tiert ist wie Venedig, geht fast nichts endgültig verloren, ist allenfalls unter dem Stapel der Jahrhunderte nicht auffindbar. Der/die hartnäckige TouristIn erhält den Lohn für schmerzende Knie- und Hüftgelenke (Brückentreppen!) und geschundene Füße (10 Std. auf denselben, täglich halbwegs wiederhergestellt von Dr. Scholl's 'Freso Piede' aus der venezianischen Apotheke) in Form von Entdeckerglück, egal in welcher Form.  



Die Rede ist hier von 3 Kirchen. Eine zufällig gefunden, eine zufällig neu wahrgenommen, eine gesucht, recherchiert und 'entdeckt', die sich als Mosaikteile in meine persönliche "Venedig-Erfahrung" einfügen. JedeR VenedigfreundIn kann von solchen Erlebnissen berichten, sie sind die Basis und die Praxis unserer Begeisterung für diese Stadt.

Innenraum S. Chiara, Blick zur Apsis, ohne Dach
Zufällig gefunden: auf Murano, frühmorgens zu Fuß unterwegs von der Haltestelle Colonna zur Haltestelle Faro und in der Hoffnung, im Durchgang zwischen zwei großen Glasge-
schäften eine Abkürzung zu finden, stehe ich unerwartet vor einer herunterkommenen Kirchenfassade. An einer Stelle, die auf keinem Plan eine Kirche verzeichnet, meines Wissens.

Die Tür ist offen, innen befindet sich ein Lager von allem Möglichen, vor allem Baumaterial. (Sowas hatte ich schon mal gefunden, in S. Anna in Castello.) Annähernd gedeckt ist der Raum nur im Eingangsbereich, also wo sich vermutlich früher eine Nonnenempore befand; das Kirchendach selbst fehlt. Eigentlich stehen nur noch alle Außenwände, ein komplett entkerntes Gebäude in einem Zustand, der eine Restaurierung für alle Zeiten ausschliessen dürfte. Stein im Magen, der Morgen ist mir verdorben. 
Ich recherchiere in meinen Büchern, es ist das ehemalige Frauenkloster der Franziskanerinnen S. Chiara. (Mailkontakt zu Jeff Cotton von 'Churches of Venice': auch er wußte nicht, dass es dieses Gebäude noch 'gibt' und nimmt es in seine Listen auf.) 
Nichts steht dazu in Alvise Zorzi, 'Venezia Scomparsa', dem Buch über das verlorene (physische) Venedig;  einiges in Mary Laven, 'Die Jungfrauen von Venedig' die nicht über Gebäude schreibt sondern über die Geschichte venezianischer Nonnen (siehe Sachbücher Spalte rechts). 
Die Bewohnerinnen von S. Chiara scheinen schon im 16. und 17. Jahrhundert unter der Baufälligkeit ihres Klosters und weiterer Armut gelitten zu haben während sie gleichzeitig ihre Franzikanerbrüder in S. Francesco della Vigna materiell unterstützten. Das gibt mal wieder zu denken. Zu denken gibt auch, dass ein historisches Gebäude, obwohl noch vorhanden, völlig vergessen scheint. Das ist fast schlimmer als verschwunden. 


Ruine S. M. dei Servi und Capella dei Lucchesi vom gegen-
überliegenden Ufer des rio dei servi
Zufällig neu wahrgenommen: S. Maria dei Servi. Den ersten Blick hatte ich vor Jahren vom gegenüberliegenden Ufer des Rio dei servi und hielt für die Servitenkirche was eigentlich die (allerdings ziemlich große) Capella dei lucchesi ist. Die Kapelle der Seidenhändler aus Lucca, deren Scuola sich auf dieser Uferseite befand. Die Kapelle war geschlossen (wie immer, wie ich heute weiss), und das große Portal daneben sah ich wohl als Klostereinang, heute ist es ja der Eingang zum Ostello S. Fosca

Südeingang der Servi-Kirche
Tor zum heutigen Ostello S. Fosca




In diesem Jahr fand ich das Tor zum Ostello offen und wanderte durch einen mehrfach geteilten Innenhof, den ich durch ein Tor in einer Ruinenmauer wieder verließ und mich in einem Gemüsegarten wiederfand. Und Überraschung: die Mauer und das Tor hinter mir sind das große Portal einer Kirche.

Innenseite der ehemaligen Hauptfassade der
Servi-Kirche nach Westen, dahinter Garten & Mauer























Jetzt verstehe ich endlich die Beschreibungen von S. M. dei Servi, die so groß wie die beiden größten Kirchen Venedigs gewesen sein soll, die Frarikirche und Zanipolo. Es sind nur noch die beiden Portale vorhanden. 

Fassade mit Haupteingang der ehem. Klosterkirche der Serviten

Ich stehe vor dem Haupteingang in der Westwand, der Eingang zum Ostello befindet sich in der Südwand, die Apsis war im Osten, daneben die Kapella dei lucchesi. Dass dies die 'isola dei servi' ist, kann ich jetzt gut auf dem Plan nachvoll-
ziehen, hier gab es einmal nur die riesige Klosteranlage, ein Kreuzgang ist noch da, es könnten auch mal zwei gewesen sein. Dank Googlemaps und Bingmaps kann man ja in jeden Hinterhof gucken, was mich einerseits begeistert, andererseits peinlich berührt - zuviel Indiskretion wird mir gestattet und ich diszipliniere meine Neugier nicht. 


Westfassaden S. M. dei Servi & Capella Lucchesi
vom Ramo Liopardo aus, jenseits des
(hier nach Norden abgebogenen) rio dei servi




Auch in Alvise Zorzi's 'Venezia Scompar-
sa' (ein großfor-
matiger Doppel-
band, den man nicht mal eben so liest) finde ich jetzt die ausführliche Beschreibung der Kirche, ihrer Kunstschätze und des Verlustes. Der nur teilweise gemildert ist durch die Auslagerung in andere Kirchen und in die Accademia, Grabstätten und andere Denkmäler sind für immer verloren.




Größere Kartenansicht

Die Kunsthochschule ist zu erkennen am großen hellen Quadrat ihres Innenhofs.
Bitte klicken zwecks Vergrößerung des Kartenausschnittes.


Gesucht, recherchiert und 'entdeckt': ich wurde gebeten Informationen zu überprüfen zur Kirche San Salvatore im Ex-Ospedale degl'Incurabili: Quellen besagen einerseits, die Kirche wurde abgerissen, andererseits, sie sei im heutigen Gebäude noch enthalten. 

Biblio- und Mediathek der Kunsthochschule, Videoinstallation
anlässlich der ArtNight 2011
Einige Monate zuvor hatte ich anlässlich der ersten 'ArtNight' im Juni 2011 auch die Accademia di Belle Arti (die Kunsthochschule im Gebäude der Ex-Incurabili, nicht das Museum Accademia) besucht. Das ehemalige Ospedale degl'Incurabili ist heute nach der Nutzung als Kaserne, Waisenhaus etc. Sitz dieses Fachbereichs der Universität Venedig. Ich wußte deshalb, dass die Biblio-/Mediathek der Hochschule in einem hohen Raum mit einem Altar, hohen Fenstern, bogenverbundenen Säulen etc. aber ohne jede kirchentypische Symmetrie untergebracht ist. 
Ich mailte ein Foto dieses Raums als ersten Versuch über die 'noch enthaltene' Kirche an 'ChruchesofVenice' und ging beim nächsten Venedigbesuch in die Hochschule. Dort steht neuerdings ein großes Schild "NO TOURISTS"  und die von mir befragte Empfangssekretärin war ganz sicher, dass es innerhalb der Kunsthochschule keine Kirche mehr gäbe
Also suchte ich in Büchern und im Internet weiter. Die Information, dass Jocopo Sansovino die Kirche als Oval gebaut hatte, schloss die jetzige Mediathek sofort aus. 



Auch in diesem Fall kamen die Informationen von Alvise Zorzi: er beschreibt detailliert die Pracht der Kirche mit Statuen, Gemälden von Tintoretto, Veronese, Palma, die Emporen aus Carrara-Marmor für die MusikerInnen des Ospedale, die unvergleichliche Akkustik des ovalen Raumes. Er zählt auf, wann welche Kunstwerke der Kirche wohin verkauft wurden und wie die Zerstörung des Gebäudes wann vor sich ging. Welche Kunstwerke in Venedig erhalten sind (z. B. S. Orsola, heute in S. Lazzaro dei Mendikanti).

Und er sagt, dass die Kirche inmitten des Innenhofs, des Kreuzgangs stand. In dem heute noch der ovale Grundriss durch andersfarbige Pflasterung zu erkennen ist, umgeben von vier Pozzi in den Ecken, statt in der Mitte des Quadrats. Ich habe das nicht gesehen bei meinem Besuch wegen der Performances im Kreuzgang, aber man kann die Markierung in der Satellitenaufnahme schwach erkennen, siehe oben auf der Googlemaps-Karte.

Damit stimmt die lakonische Information: die Kirche ist zerstört, aber noch im Gebäude der Kunsthochschule, als Grundriss, enthalten. 

   



12. August 2012

Tram Mestre-Venezia

Finale Ergänzung des Themas:
Heute, 16.9. wurde die Tram in Betrieb genommen. Jahre der Verspätung und vielseitige Kostensteigerungen sind bekannte Themen bei derartigen Projekten, warum nicht auch in Venedig... :-) ... im Vergleich zu M.O.S.E. alles Peanuts.
Siehe auch Fahrpläne 2015.

Ergänzung 12.1.14 zur Inbetriebnahme der Linie siehe unten am Ende des Eintrags.

Es geht voran mit der venezianischen Verkehrsplanung und es ist (noch) nicht die (gefürchtete) Flughafen-UBahn (siehe Eintrag vom 18.5.2010). Aber auch die wird kommen. 



Vorläufig ist es die Tram des Translohr-Systems, die schon seit Dezember die 14 km-Strecke Favaro-Mestre fährt und (nach 2015) von Favaro zum Flughafen Marco Polo verlängert werden wird. Die 6 km-Strecke zwischen Mestre und Marghera ist auch schon fertig. Zur Zeit wird seit Anfang Juni an der Verlängerung in Richtung  Venedig gearbeitet, also die beiden Schienen auf der Ponte della Libertà gelegt, teils in Nacht-
schichten, teils aber auch mit Staufolgen tagsüber. 

Im Sommer 2013 soll die Strecke über die Brücke fertig sein, naja, man wird sehen. Im 5-Minuten-Takt werden bis zu 170 Leute transportiert werden (32-48 Sitzplätze, viel Platz für Gepäck). Venedig-Besucher und "Kreuzfahrer" können sinnvoll und günstig in Mestre parken, erstere fahren mit dem Vapo-
retto weiter entweder ab S. Giuliano mit der Linie 25 zu den Fondamente Nove (und per Umsteigen weiter) oder ab Pia-
zzale Roma mit allen anderen Linien; letztere haben direkten Anschluss zum People Mover, der sie zu den Schiffen der Stazione Marittima bringt. 

Quelle: Twitter Comune Venezia
Blau eingezeichnete Spur: Verkehr zum Piazzale Roma
Grün eingezeichnete Spur: People Mover
Gelb eingezeichnete Spur: Tram nach S. Basilio; Endhalte gelbgrün
 
Anfang Juli beschloss der Stadtrat die Verlängerung der Tram über den Piazzale Roma hinaus (auch die Mittel in Höhe von 14 Mio.) bis San Basilio. Eröffnung im Sommer 2015. In Schönrede soll damit die Verbindung Land-Venedig-Meer gefestigt werden, ein zweites Tor in die Stadt geschaffen und das erste, der Piazzale Roma, entlastet werden. 


S. Marta auf dem De'
Barbari Stadtplan von 1500. Das arme Fischerviertel steht auf sichtbaren Pfählen, die heutige Beabau-
ung und das Hafenviertel sind noch Lagune

Aber eigentlich geht es wohl um die Kreuzfahrtindustrie, näm-
lich die Einbindung der beiden älteren, kleineren Anlegestellen S. Marta und S. Basilio. Die Riesenschiffe werden sehr effizient an der großen Stazione Marittima abgewickelt. Kleinere "Kreuzfahrer", Katamarane und sehr große Segler, sprich die exklusivere Sparte, mussten bisher auf eine Anbindung vergleichbar dem People Mover verzichten.

Profitieren könnten von diesem Anschluss auch die Studieren-
den der Universität IUAV, die sich mit den Fakultäten Architek-
tur, Stadtplanung, Kunst & Design und dem Großteil ihrer Gebäude in der Südwestecke Venedigs angesiedelt hat. Könnte aber auch dazu führen, dass mehr Studierende dadurch auf das teure Wohnen in Venedig verzichten und nach Mestre ziehen. Kontraproduktiv für die sinkenden Einwohnerzahlen, schlecht für Altersstatistik Venedigs, förderlich dem weiteren Ausbau der Gästebetten, sei es als Hotels oder 'Ferienwohnungen'. 

Nächtliches Kirchweihfest S. Marta, 17. JH

Entlastet vom extremen Tagestourismus wird sicher auch der Trampelpfad Piazzale Roma-Bahnhof-Rialtobrücke-Markusplatz. TouristInnen können vom Festland kommend in S. Basilio auf die Linie 2 umsteigen und nach ein par Minuten direkt vor dem Dogenpalast landen oder völlig ungebremst auf dem Lido. Die 3 Stadtteile rechts des Canal Grande die sich gerne besucher- und verdienstmäßig benachteiligt fühlen (abgesehen vom Zentrum um den Rialto) bekommen einen Verkehrsknotenpunkt wie Canareggio an den Fondamente Nove. 

Und die Ecke zwischen S. Marta und S. Basilio bekommt vielleicht mehr BesucherInnenaufmerksamkeit. Dies war einmal eine extrem arme Gegend Venedigs, ganz früher bewohnt von Fischern (jeder Reiseführer erwähnt die Feindschaft zwischen Nicolotti, die hier wohnten, und Castellani (von S. Pietro di Castello), die für venezianische Verhältnisse in zwei Welten lebten und sich jährlich auf dem Ponte dei Pugni verprügel-
ten), später von den Arbeiterfamilien der dort angesiedelten Fabriken. Heute befindet sich hier neben den Hafenanlagen mit einem großen Parkplatz u. a. die Hafenverwaltung, aber auch das Männergefängnis im ehemaligen Kloster S. Maria Maggiore.

Auditorium in S. Marta, darunter und
links
und rechts davon die
technische

Konferenzinfratruktur
Die ehemalige Kirche S. Marta an der äußersten Landspitze ist nur öffentlich zugänglich bei Ausstellungen, Konzerten, sonst geschlossene Veranstaltungen. Sie wurde völlig entkernt und im leeren Raum zwischen Boden und Dach eine komplette Tagungsinfrastruktur installiert. Im 'Parterre' sind sanitäre Anlagen, die Versorgungstechnik, Büroräume und ein Fahrstuhl integriert, in der Mitte des Raumes ansteigend das Auditorium, zu dessen oberen Rängen der Fahrstuhl barrierefrei führt. Der Blick geht in allen Bereichen frei in den Dachstuhl, Ausstellungsflächen sind die Innenseiten aller Aussenwände und das komplett holzverkleidete Auditorium. Das Podium befindet sich vor dem gläsernen Seiteneingang, der natürlichen Lichteinfall ins Auditorium erlaubt, alle Fenster bis auf die beiden der Apsis sind vermauert. Mich hat die intelligente und großzügige Nutzung des geleerten Raumes sehr beeindruckt. Man erlebt einerseits durchaus den ehemals großen Kirchenraum und andererseits wirkte der Einbau auf mich als neue funktionale Einheit ohne dass ich ihn als Fremdkörper empfunden hätte. Gehört aber sicher in den Bereich der Geschmacksfragen.

Über die weiteren Kirchen der Nachbarschaft finden sich Beschreibungen in allen guten Reiseführern: die sehr alte wunderschöne Kirche S. Nicolò dei Mendicoli, deren Reno-
vierung der 70er Jahre wir alle aus dem Film "Wenn die Gondeln Trauer tragen" kennen.
Die Veronese-Kirche S. Sebastiano (eine Chorus-Kirche), kürzliche Restaurierung des Deckengemäldes durch Save Venice, interessante Details dazu.
S. Angelo Raffaele
mit wunderschönen Details und der Sakristei, die besucht werden darf. (Hinter der Mauer auf der anderen Seite des Kanals befindet sich die große Anlage der sozialen Gärten für alte VenezianerInnen.)

Links S. Nicolò dei Mendicoli, rechts eines der
IUAV-Universitätsgebäude
Das ehemalige Kloster S. Terese schräg über den Kanal bei S. Nicolò gehört ebenfalls zur IUAV, die Kirche ist geschlossen, der Kreuzgang kann besichtigt werden, ebenso wie der Kreuzgang des Universitätsgebäudes der Tolentini-Kirche, die nicht direkt zu dieser Gegend im Abseits gehören.    

Es gab am 28./29. Juli die erste lokale Sagra am Fest von Santa Marta, ein Nachbarschaftsfest anstelle des traditionellen Kirchweihfestes, die lokalen Blogs berichteten Hochstimmung und ausdrücklich die Tatsache, dass kein/e einzige/r TouristIn aufgekreuzt wäre. (Dem kann man abhelfen, im nächsten Jahr.)
Selbstverständlich traten Ska-j auf mit der Lokalhymne 'Santa Marta' (ich verlinke das Video mal WIEDER, denn ich liebe es!)

S. Basilio. Universitätsgebäude, Großsegler

Ergänzung am 24.08.: Hinweis zu Verkehrsregelungen auf der Brücke Mestre-Venedig während der aktuellen Phase der Bauarbeiten. Siehe unten.
(Hier noch der Link: Tram, obiettivo Venezia)

Außerdem ein Kommentar mit einem kulinarischen Hinweis zur Nachbarschaft S. Basilio.


ERGÄNZUNG 12.1.2014
Kurz vor Weihnachten 2013 wurde die Tram-Linie 19 zum Piazzale Roma in Betrieb genommen.Der nächste Schritt ist die Weiterführung vom Piazzale Roma bis San Basilio über Santa Marta.

Fahrplan Winter 2013/2014

Tram-Netz der ACTV
Informationen der Comune Venezia


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4. Oktober 2011

Venezianische Öffnungszeiten... (ein Update)


...sind variabel, weiß jeder, der mehr als einmal in Venedig war.

Wer im Oktober in Venedig is
t, sollte die Verlängerung zweier ungewöhnlicher Öffnungen wahrnehmen.

Zum einen der Kreuzgang von Madonna dell'Orto
(siehe Eintrag vom 25.6.) mit einer wirklich schönen, geradezu kontemplativen und zum Ort passenden Ausstellung zeitgenössischer Kunst bis zum 31. Oktober.



Zum anderen der Garten des Palazzo Soranzo-Capello (siehe Eintrag vom 26.6.) nur wenige Ecken vom Bahnhof entfernt über die Scalzi-Brücke.

Allerdings sollte man sich vor den Stechmücken schützen, die der Jahre
szeit entprechend in größerer Zahl schwärmen, je tiefer man in den Garten hinein geht. Jetzt sind die Granat-
äpfel reif und die Kakis, Bäume voller Früchte, die niemand erntet, anscheinend auch nicht die Behördenmenschen, die im Palazzo arbeiten.
Der Garten bleibt geöffnet bis zum 16. Oktober.


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25. Juni 2011

Kreuzgang Madonna dell'Orto


Hier ein weiterer Hinweis auf eine sehr spezielle Ausstellung an einem sehr speziellen Ort, für die keine Werbung gemacht wird. (Und nicht der letzte, da ich zwangsläufig über solche Dinge stolpere, solange ich noch in Venedig bin.)




Anscheinend gehen die Veranstalter davon aus, dass Venedigbesucher
mit Überblick ohnehin an der Kirche Madonna dell'Orto aufschlagen und dann schon von selbst aufmerksam werden auf die Ausstellung "In Ricordo di Jan Krugier", die derzeit und noch bis 31.7. im Kreuzgang gezeigt wird.

Die Kirche ist speziell, weil sie die Pfarrkirche der Tintoretto-Familie war und ihre Grablege ist, und einige Werke Tintorettos hier hängen (siehe auch meinen Eintrag vom 14.1.2010).

Der Kreuzgang ist speziell, weil ich ihn in 10 Jahren geduldiger Immerwiederbesuche noch NIE offen gefunden habe, und nicht nur ich. Zwar war die Tür schon mal angelehnt, jemand ging rein oder raus, aber alle freundlichen Versuche produzierten nur Kopfschütteln oder Fingerwackeln, nichts ging.

Deshalb blieb mir fast das Herz stehen, als ich (eigentlich wegen einer Ausstellung in der gegenüberliegenden Scuola anmarschiert) gestern morgen die Tür weit offen und darüber ein Ausstellungsbanner hängend fand.

Der Kreuzgang ist im Bestzustand, das was man in der deutschen Sprache als "gepflegt" bezeichnet, der Pozzo mit dem erhaltenen Regenwassersammelbecken so sauber, als diente er immer noch der Trinkwassergewinnung.

Die Ausstellung ist bewundernswert auf den Ort abgestimmt, mit strengen, klaren Skulpturen und weitgehend abstrakten Bildern, deren Farben sich bis auf zwei Ausnahmen kaum von ihrer Umgebung abheben. Für mich verstärken sie die Ruhe dieses Ortes und laden zur Kontemplation, nach Stimmung vielleicht sogar Meditation, ein.


Da hat sich jemand was gedacht und es ist ihm/ihr aus meiner Sicht ein perfektes "Gesamtkunstwerk" gelungen. Ich empfehle diese Ausstellung ganz überzeugt und bedaure nur, dass sie nur bis Ende Juli läuft (ich habe extra nachgefragt, ob es eine Verlängerung geben würde, nein!), man sollte sich diese schöne Erfahrung keinesfalls entgehen lassen.


Hinweis zum titelgebenden Jan Krugier

Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr, Eintritt frei, Vaporetto Madonna dell'Orto, Linien 42/52


Achtung:
verlängert bis 31.10.2011

23. Oktober 2010

San Fancesco della Vigna...


...hat die einzige Palladio-Fassade von dreien in Venedig, die in ihren Proportionen aus der Nähe gut anzusehen ist - sie ist einerseits 'klein' genug, andererseits gibt es Platz einige Schritte rückwärts zu gehen, ohne ins Wasser zu fallen. Die beiden großen Palladiokirchen San Giorgio und Redentore sind ja eigentlich optisch nur vom Wasser aus zu erfassen.

Wer dann allerdings erwartet auch ein überwältigend palladianisches Kircheninneres vorzufinden, ein Gesamtkonzept, geplante Licht- und Schattenwirkungen usw., hat sich geirrt. Eher scheinen sich hier eine gute Handvoll qualifizierter Seitenkapellen zufällig getroffen und sich gemeinsam untergestellt zu haben, Hauptsache Dach!


Hinterer Kreuzgang, links zu Zeiten der Cavalieri di San Marco (Schild im mittleren Bogen) 2008, rechts Mai 2010











A. Vittorio, SS Rocco, Sebastian, Antonio Abate
Der einschiffige Kirchenraum wirkt kahl, die Apsis besteht aus verhängten Fenstern und einer Art Triumphbogen als Hochaltar (immerhin von Longhena), der Blick fällt durch, nicht darauf. Trotzdem ist dies eine Kirche die einen sorgfältigen Blick wert ist, geduldiges und neugieriges Schlendern von einem der Solitäre zum anderen, auch in mehreren Besuchen (ich in vielen, über die Jahre).
Umso mehr als das Gebäude immer einladend weit offen ist, Haupt- und Seitentür, kein Eintritt erhoben und man immer von Blumenduft und leisen Orgelkonzerten von der CD empfangen wird. Hier kriegt man den Empfang, den man sich in vielen venezianischen Kirchen wünschen würde. Ich weiß nicht, ob diese Freundlichkeit (auch) daran liegt, dass San Francesco aus der Sicht der Wimmelpfade weit draussen liegt, und diese ruhige Ecke Venedigs auf den Karten der "Ein Wochenende in Venedig"-Führer und der Zeitungsartikel "36-Stunden-in-Venedig" schon mal gar nicht erscheint.


Madonna in byzantinischem Stil (Odigitria) in der Fassadenrückseite

Die Seitenkapellen sind zum Teil sehr beeindruckend, wie auf der linken Seite die von Alessandro Vittoria, mit den Heiligen Rocco und Sebastiano in ihrer jeweils typischen Körperhaltung, dazwischen den Heiligen Antonio, der die Sinnlichkeit im Zaum hält. Oder die Capella Sagredo - ein Taum in weißem Marmor mit dem Grab des Heiligen Gerardo Sagredo (die Familie Sagredo hatte ihren großen Palazzo früher in der Nachbarschaft, geblieben ist einzig der große freistehende Torbogen auf dem Weg zur Vaporettostation Celestia).Pietro Lombardo, Altar der Capella Badoer-Giustiniani

Oder links neben der Apsis die Capella Badoer-Giustiniani, eines der kostbaren venezianischen Meisterwerke der Lombardi, auf die man immer wieder in den Kirchen Castellos und Cannaregios trifft.
Oder auf der rechten Seite die Familienkapellen und -grablegen der Contarini und der Bragadin. Und natürlich das bezaubernde Madonnenbild von Antonio da Negroponte, direkt am Seiteneingang. Negroponte ist der venezianische Name der griechischen Insel Evia (deutsch Euböa) und soweit ich weiß, gibt es keine weiteren Werke dieses Griechen.
Und die Sacra conversazione von Bellini in der Sakristei und viele weitere Kunstwerke und G
rabdenkmäler, die aus dem fehlenden künstlerischen Gesamtkonzept insgesamt dann doch mehr als die Summe der Einzelteile machen.

Überall an den Gebäuden des Campo S. Francesco: das Symbol der Franziskaner Ein Konzept gab es ursprünglich schon, von Sansovino, das die ehemalige Kapelle für den Heiligen Francesco im Weingarten ersetzen sollte. Man muss sich das wohl so vorstellen, dass die Franziskaner von der Insel S. Francesco del deserto in der Lagune 'nomadisierten' und in Venedig auf Betteltouren gingen, und in dieser franziskanischen Inselkapelle am unbewohnten nördlichen Rand Venedigs bei Bedarf übernachteten. (Was die Basis der Legende des hier übernachtenden und träumenden S. Marco sein mag, irgend woher muss die Idee ja stammen.)

Die Präsenz des Minoritenordens ist hier im Weingarten belegt seit 1232. 1253 gibt es eine testamentarisch belegte Schenkung des Grundstücks von Marco Ziani an die Minoritenbrüder. In der Entwicklung dieser Ecke von Castello kamen dann im 15. und 16. Jahrhundert weiter ins Spiel die Grimani (Antonio und Domenico), (siehe auch Eintrag Palazzo Grimani), der Doge Andrea Gritti und Zweige der Familien Badoer und Bragadin, und eben der Architekt Jacopo Sansovino, der nach dem Sacco di Roma seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Venedig wählte und u. a. die Bibliotheca Marciana baute. Eine andere Geschichte.

Am 15.8.1534 legte der Doge Andrea Gritti den Grundstein für den Neubau der Minoriten nach dem Plan Sansovinos, der aber im Verlauf des Baus verändert wurde aus diversen Gründen bau- und verwaltungstechnischer, aber auch religiös-theologischer Art. Der große Einmischer war der Minoritenbruder Francesco Zorzi, der schon sehr jung in dieses Kloster eintrat, Zeit hatte sich zu bilden und kabbalistische, hermetische, neuplatonische und andere Aspekte in die Architektur einbrachte, die meine Vertiefung in das Thema weit überschreiten. Wen es näher interessiert: in der Kirche wird seit letztem Frühjahr ein Buch (italienisch, preisgünstig) verkauft, das dieses Thema breiter behandelt. (Silvano Onda: La chiesa di San Francesco della vigna e il convento dei frati minori; Storia, arte, architettura.)

Früherer Kirchhof S. Francesco, jetzt Bolzplatz neben dem Campanile

Im Hinterhof der Kirche, neben dem Campanile, wo sich früher der Friedhof befand und jetzt ein Basketball- und Bolzplatz wie hinter einigen venezianischen Kirchen, gibt es jedenfalls bis heute ein Hüttchen, das die Ur-Kapelle symbolisieren soll (Calle del cimitero, an der Kreuzung kurz vor dem Sagredo-Torbogen nach links abbiegen und durch die kleine Holztür gehen. Sie ist tagsüber nicht verschlossen, damit die Kinder rein können.)

Vorderer Kreuzgang an einem Nebelmorgen
Aber mit der Kir
che ist es ja längst nicht getan, ich habe schon über die wunderbaren Kreuzgänge von San Francesco della Vigna und ihre kontemplative Atmosphäre berichtet. Daran hat sich in den letzten Jahren auch nichts geändert.
Im vorderen Kreuzgang wurden allerdings im letzten Jahr die Bodengrabmäler an der Seite zur Kirche und zum hinterem Kreuzgang geöffnet. Es wurde recht
geheimnisvoll hinter Gerüsten und Planen gebuddelt und diskutiert, an anderen Tagen wieder die Deckel geschlossen und ordentlich versiegelt. Ich habe (leider) nicht gewagt, in die Baustelle zu trampeln und die Arbeiter und die Archäologin (vermute ich mal) zu befragen.

Der hintere Kreuzgang war einige Jahre dem Publikum verschlossen und von den Cavalieri di San Marco genutzt, jetzt ist der Kreuzgang wieder zugänglich und geschniegelt, und in den Gebäuden sit
zt die Bibliothek und das Archiv der Franziskaner (siehe dazu den Film am Ende des Eintrags).
Denkmal für eine Bombe des 1. Weltkriegs am Seiteneingang

Die Cavalieri di San Marco haben ihren Sitz jetzt zwischen Kirche und ehemaliger Scuola delle sante stimmate am Campo della Fraternità. Die kleinen Reliefs von zwei gekreuzten Armen, die überall an der Kirche und in ihrer Umgebung zu sehen sind, sind das "Logo" der Franziskaner, das den (mit dem Ärmel eines Habits) bekleideten Arm eines Franziskaners und den nackten Arm des gekreuzigten Christus in Verbindung zeigt. Die ehemalige Scuola ist das weiße Gebäude rechts vom Seiteneingang von S. Francesco, und trägt im Obergeschoss schlecht leserlich den Namen "delle sante stimmate" (der heiligen Stigmata), die Kennzeichen sowohl des Christus als auch des Heiligen Francesco sind.
Gebäude der ehemaligen Scuola delle sante Stimmate, aussen und Ergeschoßraum, linker Treppenaufgang ins Obergeschoß




Anläßlich von
'Brunetti'-Dreharbeiten im Mai fand ich sie zum ersten Mal offen und warf einen kurzen Blick hinein: Parterre ein Versammlungs-/Gebetsraum und zwei Treppen rechts und links ins Obergeschoß, wo sich vermutlich, wie in allen venezianischen Scuole, ein zweiter prunkvollerer Versammlungsraum befindet.Grabplatte im vorderen Kreuzgang
J. C. Rößler bezeichnet in seiner Darstellung des Campo S. Francesco als Ensemble die Scuola anders, ich habe nicht recherchiert warum. Der Gesamtaspekt dieses Campo mit allen Gebäuden ist wichtig, ein einzelnes Detail mag sich irgendwann genauer klären. Klar ist: ich würde dieser schönen Ecke Venedigs wünschen, dass sie interessierte Besucher findet, die nicht im Stundenrhythmus Höhepunkte abhaken, sondern die Zeit und Offenheit haben, den Geist des Ortes zu erleben.


Weitere Fotos in meinem Blog
http://venedig.jc-r.net/kirchen/san-francesco-della-vigna.htm http://en.wikipedia.org/wiki/San_Francesco_della_Vignahttp://www.museumplanet.com/thumbnails.php/venice/vig




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18. März 2010

Führungen - San Giorgio Maggiore

Kreuzgang von Palladio
Führungen sind Glücks-
sache. Geht es gut, ist der/die FührerIn inhaltlich kompetent, sprachlich und methodisch auf
der Höhe und ein sympathischer Mensch. Hat man Pech, ist der/die FührerIn ein nervender Selbstdarsteller, der die Aufmerksamkeit seiner/ihrer Gruppe ausbeutet und nicht kapiert, dass die Zuhörer am Thema interessiert sind und nicht an ihm/ihr.
Aber es geht eben manchmal nicht ohne. Und man kann durchaus davon profitieren, besonders wenn man ein einziger Teilnehmer ist und die Sache deshalb einen interaktiven Charakter annimmt. (Siehe z. B. Eintrage Museo Grimani, Museo del Manicomio).
Meine sympathische Führerin (Einzelführung) auf S. Giorgio war witzigerweise hauptberuflich wissenschaftliche Übersetzerin vom Deutschen ins Italienische. Führte aber englisch und weigerte sich entschieden, deutsch zu sprechen. Der Perfektionsmus! Glücklich, wer gelassen Fehler macht und gebrochen kommuniziert im Interesse des mündlichen Spracherwerbs!

Zwischen Zypressen- und Palladio-Kreuzgang


Beim Besuch der Insel S. Giorgio Maggiore empfehle ich unbedingt eine Führung im ehemaligen Benediktinerkloster. Ich habe schon über einen Besuch berichtet am 18.11.2007, und über die Schwierigkeiten, einen Zeitplan für den Inselbesuch hinzukriegen. Damals war das Refektorium nicht zu besichtigen, weil das Faksimilie von Veroneses Hochzeit zu Kana dort installiert wurde.

In diesem Winter wurden die Führungen ausgesetzt und die beiden Kreuzgänge renoviert. Die Longhena Bibliothek befindet sich noch in Restaurierung, aber das ehemalige Dormitorium, das ebenfalls 2009 von der Führung ausgenommen war, kann wieder besucht werden. (Die historische Bibliothek und der lange Flur mit den Mönchszellen ist uns ja allen bekannt aus diversesten Produkten der Filminstrie von Donna-Leon-Brunetti-Folgen über Casanova (von 2005) bis In Memoria di me, um nur einige zu nennen.) Vor allem bin ich gespannt auf die Veränderungen in diesem Bereich, denn das frühere Dormitorium ist nun als Nuova Manica Lunga Teil der Bibliothek, bzw. des Medienservices, der Stiftung Cini.
Einen ersten Eindruck gibt es auf diesem Titelfoto des Newsletter der Stiftung.

Der bekannte Flur des Dormitoriums vor Einbau der Bibliotheksregale
Die Führung beinhaltet
- den Kreuzgang von Palladio (Bauzeit bis frühes 17. Jahrhundert
- den Zypressenkreuzgang aus der Renaissance von Giovanni und Andrea Bora

- das Refektorium (Speisesaal des Klosters) von Palladio (spätes 16. Jahrhundert)

- das Trppenhaus von Longhena (1643)

- die Nuova Manica Lungao, der ehemalige Zellentrakt des Benediktinerklosters
-
die
Longhena Bibliothek (1671, mit gschnitzten Bücherregalen von Franz Pauc) zur Zeit nicht

Eine private Feier im Zypressenkreuzgang ist vorbereitet

Führungen kann man Samstags/Sonntags zu den festgelegten Zeitenohne Anmeldung besuchen, man muss aber immer damit rechnen, dass aufgrund einer Veranstaltung alle Führungen ohne Ankündigung abgesagt werden. Das können wissenschaftliche Kongresse der Stiftung sein, aber auch einfach nur eine venezianische Hochzeit, bei der alle Gäste mit Taxibooten in das Wassertor des Klosters rauschen und neugierigen Blicken des Publikums entzogen sind. Deshalb ist es empfehlenswert, mit einem kleinen Anruf oder zu klären, ob Führungen stattfinden: Codess Cultura, tel. +39 041 5240119, visiteguidate.cini@codesscultura.it

Treppenhaus von Longhena
(Ich habe ber
eits im ersten Beitrag zur Insel S. Giorgio erwähnt, dass die Bibliothek öffentlich ist. Man meldet sich im Empfang rechts hinter dem Gittertor zum Palladio-Kreuzgang an, wo die Identität festgestellt wird und vermutlich archiviert.)

Wie die Kirche von Palladio ohne Führung, aber nicht zu auszulassen, sind die vor einigen Jahren eröffneten großen Kunstausstellungräume der Fondazione Cini links von der Kirche S. Giorgio, an der Seite der Marina, die sich bis zum östlichen Ende der Insel ziehen.
Im Sommer 2009 gab es dort eine tolle Präsentation von Werken des Pop-Art Malers John Wesley.

Vom 24.4. bis 11.7.
2010 wird Sebastiano Ricci ausgestellt unter dem Titel 'The Triumph of Invention in the Venetian Settecento". Ein Ausstellungs-
schnäppchen, ich bin sehr gespannt.

Bibliothek von Longhena, derzeit noch in Restaurierung befindlich
Der Rest der Ins
el, wie das Theatro Verde, sind privato und weder mit noch ohne Führung zugänglich. Aber dafür bietet das kleine Cafè mit erhöhter Terasse zwischen den Ausstellungsgebäuden einen wunderbaren Blick auf die Marina und die gegenüber liegende Riva, ein ruhiges Plätzchen für eine Ruhepause, an dem man wirklich was zu gucken hat.


Auch hier sind in Venedig Führungen unabdingbar:

Insel S. Georgio d. Armeni

Insel S. Servolo, Museo del Manicomio

Insel Lazaretto Novo

Insel S. Franceso
d. Deserto
Museo Palazzo Grimani
Opernhaus Fenice

Richard Wagners Wohnung im Palazzo Vendramin-Calergi

Uhrenturm an der Piazza

Teile des Dogenpalastes

Bibliothek des Sansovino an der Piazzetta

Die Synagogen im Ghetto
Ospedaletto (nahe SS. Giovanni e Paolo)

Zitelle-Kirche


Über Führungen auf S. Giorgio d. Armeni, S. Servolo, und dem Palazzo Grimani habe ich schon berichtet. Demnächst berichte ich über die Führung auf Lazaretto Novo, weitere später, nach meiner Teilnahme.

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3. Februar 2007

Die Isola di San Lazzaro degli Armeni...

...liegt zwischen Venedig um dem Lido und ist seit fast 300 Jahren die Heimat des Klosters der armenischen Mechitaristen.

Der armenische Orden wurde 1700 in Konstantinopel gegründet von Mechitar da Petra aus Sebaste. Die Armenier waren seit dem 14. Jahrhundert eine verfolgte Ethnie ohne Staat und eigenes Land und gründeten von Trapezunt über Kleinasien und die ägäischen Inseln bis zum griechischen Festland (und darüber hinaus) Gemeinden, oft Dörfer mit Namen wie Armeni oder Armenous, die man bis heute auf griechischen Karten findet.
In Konstantinopel erregte der Orden aufgrund seiner Sympathien für die Papstkirche das Mißtrauen der orthodoxen Kirche, konnte deshalb nicht bleiben und siedelte 1703 in die katholische, weil venezianische Stadt Modon an der Westküste der Peloponnes um. Modon war mit Koron die "Augen der Republik", beides sehr frequentierte Zwischenstopphäfen der europäischen Pilgerschiffe auf dem Weg von Venedig nach Jerusalem. (Über Modon, heute Methoni, und Koron, heute Koroni, wir noch Weiteres in diesem Blog zu erzählen sein.)
Die Mechitaristen in Modon engagierten sich als katholisch-armenisches Kloster in der Pilgerbetreuung, mussten aber ab 1714 wie die Venezianer flüchten, nachdem die Osmanen in der Ägäis Insel für Insel und auf der Peloponnes Hafen nach Hafen eroberten. Sie landeten letzendlich in Venedig und 1717 schenkte ihnen die Republik als unwiderruflichen Standort die Lazzaro-Insel, die zuvor wie mehrere andere Inseln der Pestquarantäne gedient hatte.


Reiseführer beschreiben gerne die Ruhe und kontemplative Atmosphäre der Insel, das mag auch innerhalb der Klausur so sein, besonders, wenn die täglichen Besuchergruppen um 17:00 Uhr die Insel wieder verlassen. Tatsächlich findet man sich aber, nachdem man die Vaporetti der Linie 20 (an der Haltestelle San Zaccaria) um 14:50 oder 15:10 Uhr genommen hat, um zur Führung um 15:30 Uhr pünktlich einzutreffen, in einer großen Besuchergruppe wieder, die zur Not in zwei Hälften à bis zu 30 Personen getrennt werden muss.
Die Führung übernimmt eine polyglotte klösterliche habitundsandalentragende Plaudertasche, die wie viele Guides mehr sich selber darstellt als das Kloster, seine Geschichte und Kultur.

Wenn man sich allerdings unsichtbar macht und wartet, bis der textsprudelnde Mönch mit der Gruppe abgebogen ist, kann man durchaus persönliche Eindrücke sammeln:
z. B im Kreuzgang, in dessen offenem Quadrat meterhohe Rosensträucher und Rosmarine, die Dächer weit überragende Zedern und Palmen und weiteres mediterranes Gesträuch wachsen. In der Mitte steht ein steinerner Pozzo, überwuchert von einer Glyzinienpergola. Ich sitze zwischen den Säulen des Kreuzganges und vergesse, dass dies eine winzig kleine Insel ist, nicht viel mehr als diese Gebäudegruppe;
oder an der Installation des griechischen Künstlers Jannis Kounellis *1936, in einer Kammer, die direkt vom Kreuzgang abgeht: deckenhohe Regale prall gefüllt mit dicken Packen uralter verstaubt riechender Akten beschriftet mit kalligraphischen Zeilen armenischer Schrift, in den Zwischenräumen hängen Metallmobiles mit Kerzenbehältern. Nicht nur höflich die Nase durch die Tür stecken! Erst wenn man die Installation richtig betritt, wirkt der nicht unvertraute Eindruck von Enge, Muffigkeit und Sammelzwang in Verbindung mit dem schwebenden Metall...;
oder im Refektorium, dessen Wände mit dunklen geschnitzten Holzpanelen und großen Gemälden verkleidet sind, während der lange Esstisch für zehn Personen mit dickem altmodischem Steingutgeschirr und Silberbesteck gedeckt ist, das wahrscheinlich seit Gründung des Klosters in verwendet wird...;
oder in den langen Fluren mit verschlossenen Türen im Obergeschoss, deren Wände Rahmen an Rahmen Kunstwerke füllen, signiert mit Namen armenischer Maler (alle enden auf -ian) der letzen ca. 200 Jahre. Unglaubliche Schinken, wahrscheinlich mit bewegten Gefühlen hergestellt und mit freundlicher Verbundenheit aufgehängt, aus Höflichkeit nie entsorgt... aber ich sehe auch Bilder, die Melancholie übertragen, Farben in Spannung zu einander und Motive, die mich berühren.

Während dessen pilgert die Gruppe durch ein unübersehbares Sammelsurium von archäologischen Funden aller Größen und vieler Jahrhunderte, Kunsthandwerk aller Länder Vorder- und Hinterasiens, historischen Fotos, Waffen und der berühmten echten Mumie in den Raum, in dem der von seinen Gastgebern hochverehrte Lord Byron während seines Venedigaufenthalts täglich die armenische Sprache studiert hat (darauf komme ich an anderer Stelle zurück). Der Raum ist eng, weil vollgestopft, fensterlos und riecht einfach schlecht, was wohl weniger an der Mumie liegt als an den schwitzenden Besuchern, die dicht gedrängt höflich zu den Witzen des Mönches kichern.
Eine andere sinnliche Erfahrung bietet die weltweit reichste Bibliothek armenischer Schriften in einer eigens dafür gebauten Rotunde: wunderbare gemalte und verzierte Evangeliare in Glasvitrinen entlang der gewölbten Wände, angenehme Kühle durch eine die Bücherschätze behütende Klimaanlage und eine Echokammer-Akkustik unter der Kuppel der Rotunde.

Nach der Führung ist der Aufenthalt im Kloster beendet. Es gibt noch einen kleinen Verkaufsraum mit BüchernBildernDevotionalien. Bis zur Ankunft des Vaporetto kann man sich im parkähnlichen Eingangsbereich der Insel aufhalten, der auch in die Ausstellungen der Kunst- und Architketurbiennalen einbezogen wird. Der Rest der Insel ist, wie auch der größte Teil der Gebäude, für Besucher nicht zugänglich und vielleicht tatsächlich für ihre wenigen Bewohner ein Ort der Heimat und Kontemplation.


Fortsetzung: San Lazzaro degli Armeni - zweiter Besuch Eintrag vom 12.11.2011