31. Dezember 2019

Melancholie zum Jahresende

Die Wasser von Venedig 




Στης Βενετίας τα νερά, είδες γοργόνα κολυμπά. Από το Βόσπορο κρατεί κι είναι θαλασσοφίλητη. Πες μου γοργόνα και κυρά, τι θες σε τούτα τα νερά κι άφησες την Αγιά Σοφιά και τα καντήλια τα χρυσά. Από την Πύλη τη Χρυσή Αρχάγγελος με οδηγεί και πέρασα πολλά νησιά και βάσανα θεόρατα. Είδα την Πόλη στη φωτιά κι απάνω σε σταυρούς κορμιά, είδα μικρά ελληνόπουλα, πεσμένα πλατανόφυλλα. Και πήρα δρόμο αλμυρό, πάνω στης Κρήτης το γιαλό, κι ακούω ήχους και λαλιά ν' ανοίγουν τα επουράνια Πάρε γοργόνα μου καλή σκέψη και φλόγα άσβηστη και φέρε τα στη Βενετιά, ν' αναστηθούν τα πνεύματα. Στης Βενετίας τα νερά, είδες γοργόνα κολυμπά. Τα δαχτυλίδια χάθηκαν, τα χέρια δεν μαράθηκαν.



The Waters Of Venice Through the waters of Venice, I espied a mermaid's progress. From the Bosphorus she hails, sea-kissed one from head to tail. Tell me, dear Mistress, what brings you to these waters - bless! Leaving behind Saint Sophia and gold oil-lamps to journey here. Through the Golden Portal, I did follow the Archangel's call, and I passed many isles and many were the terrible trials. I saw the City in flames, pain wracked bodies on crosses framed. I saw Greek lads and I did grieve, strewn like fallen plane-tree leaves. So I took the briny road, and passing Crete the winds did blow, to my ears, voices and sounds, opening up the heavens profound. Take, dearest Mermaid, this Thought and torch unquenched. To Venice this Spirit bear, minds and souls to be resurrected there. In the waters of Venice I espied a mermaid's progress. Fingers now bereft of rings, but hands perennially evergreen.



Aus Giannis Markopoulos "Renaissance - Kreta zwischen Venedig und Konstantinopel" 1995, Konzertante Kompostion in 2 AktenΓ. Μαρκόπουλος - Ανα-γέννηση, ΚΡΗΤΗ ανάμεσα σε Βενετία - Πόλη.
Megaro Mousikis Athen1995

Text Giorgis Giatromanolakis
Musik Giannis Markopoulos
Gesang Basiliki Lavina


Ein gutes neues Jahr den Freund*innen, Korrespondent*innen und Leser*innen, die auch aus der Ferne unterwegs in Venedig sind.





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27. Dezember 2019

Brunetti - ist dann auch mal gut jetzt

Alle Bilder:  Dreharbeiten Campo della Confraternità
Mai 2015

Ich kann beim Thema Leon-Bücher nur beschränkt mitreden. Das Buch des ersten Falls von Commisario Brunetti (ermordeter Dirigent) las und entsorgte ich vor vielen Jahren und damit war Brunetti für mich zunächst erledigt. Wer konnte schon ahnen, dass daraus ein TV-Werk von 26 Filmen werden würde!

Um die man uns, das deutschsprachige Pubklikum, im Ausland beneidet!

Ich habe alle Folgen gesehen und sehe sie immer wieder, je ältersie sind, desto öfter habe ich sie gesehen. Die Gesichter der Schauspieler*innen und Charaktere der Rollen lernte ich schnell kennen. Aber an die schlichten Plots konnte ich mich nach dem ersten Sehen nie erinnern, erst nach ca. dem dritten Mal Details widergeben. Bis heute kann ich die Titel den Filmen nicht zuordnen und vermische Handlungsstränge, die nicht zusammengehören. Weil ich die banalen Geschichten nicht sehe.




Denn: diese Filme sind der wahre Location Porn! Pornographie ist das Zeigen von Explizitem zwecks Gewinn, (möglichem) Lust- wie (entschieden erwartetem) materiellem Gewinn. Das Explizite sind nicht die Geschichten, sondern die Location Venedig.

Das Genre ist nicht neu. All die beliebten Filme, die in Umbrien, der Toscana, der Provence, in Südengland, in Rom-Paris-London - und die Bollywoodfilme, die in der Schweiz (um in Europa zu bleiben) spielen, leben auch von ihren Locations, die sich für die Kalkulation von Filmen natürlich rechnen. 

Aber die Brunetti-Filme treiben das Prinzip auf die Spitze. Die Geschichten sind völlig wurscht, was zählt, sind 1,5 Stunden Venedig sehen und ... schwelgen. Immer scheint die Sonne, die Touristenmassen sind immer überschaubar und der Wasserverkehr nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich kann mich auch nicht erinnern, in 26 Filmen ein Kreuzfahrtschiff gesehen zu haben. Ausgeblendet sind schlechtes Wetter, Jahreszeiten, Massengeschiebe, unsäglicher Stress und Hektik an den sogenannten "Hot Spots" und in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das Ende der Filmserie kommt vielleicht gerade rechtzeitig, denn nicht nur sind die Schauspieler*innen in 20 Jahren gealtert, sondern auch unsere venezianischen Träume und Illusionen einer normal funktionierenden Stadt sind immer weniger künstlich herstellbar. 
Vor 20 Jahren war an 17 Tage Hochwasserfluten nach dem Novembervollmond und 10 Tage um den Dezembervollmond herum, wie in diesem Jahr, nicht zu denken. Ebensowenig an asiatische Reisegruppen mit 50-100 Teilnehmer*innen, die Brücken und Gassen entlang der Riva ganztags verstopfen. Es gab zwar eine Reihe hauptberuflicher Touristenführer*innen, aber keine Heerscharen von Profis und Nichtprofis, die sich auf unzähligen Webseiten (Best Venice Guides als 1 Beispiel von vielen) vermarkten und mit immer größeren Gruppen in immer entlegenere Ecken und Gassen der Stadt ziehen, wo sich angeblich das "ursprüngliche" Venedig versteckt. Sogar mit 20-Personen-Gruppen in den Pavillons der Biennale stehen und ohne die Verwendung von Ohrhörern lautstark ihr persönliches "Kunstverständnis" verbreiten. Wo man sich umdreht in der Stadt, steht heutzutage eine Reisegruppe um eine*n Guide herum.




Wie soll man beim Gewimmel zu Lande und zu Wasser noch einen netten deutschen Krimi drehen? Die kurzzeitige, locker gehandhabte Sperrung des Campo della Confraternità mit der "Questura" ist kein Thema, aber Dreharbeiten an zentraleren Stellen der Stadt werden immer aufwändiger und damit teurer. 
Man muss mit den Aufnahmen immer mehr ausweichen, ohne die allseits bekannten Triggerbilder - Piazza San Marco, Basilika, Dogenpalast, Rialto, Bacino, Canal Grande - zu vernachlässigen. Denn die haben die Funktion, die angeblich unbeliebten Tagesgäste in die Stadt zu lotsen, damit auch deren Kleingeld in venezianischen Kassen landet und sie nach ein paar Stunden mit der Feststellung abreisen können, dass Venedig aussieht wie im Fernsehen. Alle Klischees voll bestätigt.

Die Filmarbeiten quer durch alle Sestieri und Nachbarschaften (mit Ausnahme von Santa Marta und San'Elena) sind eher das Futter für sportliche Zuschauer*innen wie mich, die nach jedem Film erklären können (möchten), wo genau gedreht wurde (und die deshalb die Krimihandlung trotz ihrer Schlichtheit nicht richtig mitbekommen) und falls nicht, Wiederholungen so oft gucken, bis sie alle Szenen lokalisieren können. 
Das Prinzip der wilden Aneinanderreihung von Aufnahmeorten, die real ohne jeden Zusammenhang sind, und die Verbindung von Außen- und Innenaufnahmen wie Fassaden und Piani nobili, die nichts miteinander zu tun haben, finde ich hanebüchen. Scheint aber ein gängiges Verfahren des Kintopps zu sein, zu sehen z. B. auch im James Bondschen Venedig, dem 'Italian Job'  oder dem Donnersmarckschen 'Tourist', in denen freihändig absurde Ortsverbindungen, Gebäude und Räumlichkeiten zusammengetackert werden, als kenne niemand die Stadt. Als wären wir nicht alle dagewesen! Locationscouts und Filmemacher, die das kleine aber weltbekannte Venedig glauben neu sortieren zu können, beteiligen sich aus meiner Sicht mit diesem wenig beachteten Aspekt an der "Disneyfizierung" Venedigs.

Für Location Porn-Sportler*innen sind das natürlich Herausforderungen die zu lösen sind, aber für Venedigfreund*innen ist es völliger und respektloser Schwachsinn. Weshalb ich Brunettifilme eigentlich furchbar finde, aber sie trotzdem hemmungslos immer wieder sehe. Ach! Ich gebe das mit Schamesröte zu und bin ziemlich froh, dass es mit dem Nachschub jetzt vorbei ist. 





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17. Dezember 2019

Weihnachtsüberraschung - Eröffnung der Giardini Reali!


Quelle: La Nuova 15.12.19

Wirklich. Wer eröffnet eine Woche vor Weihnachten einen öffentlichen Park? Doch nicht die Stadt Venedig? Besonders nach den Schrecken des Acqua alta vom 12.11. und den folgenden zwei Wochen? Und den besorgten Blicken von Kulturminister Franceschini und Bürgermeister Brugnaro im Tweet vom 15.11., bei ihrer Besichtigung der Baustelle, die unter Wasser stand und aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde?
Bei diesem Anblick rechnete ich mit der Verschiebung der Eröffnung mindestens bis Sommer 2020. Umso größer ist die Freude, dass das Werk heute (! 17.12. !) vollendet, übergeben und abgenommen wurde, genau 5 Jahre minus 1 Woche nach der öffentlichen Ankündigung des Projekts. 

Die Venice Gardens Foundation, einst eigens für die Restaurierung der verlotterten Giardini reali gegründet, hatte mit einem schönen Projektplan und finanzieller Unterstützung durch die Generali Versicherungen, die auch die Renovierung der Procuratie Vecchie finanziert, ihrem zentralen Firmensitz an der Piazza San Marco, hohe Erwartungen geweckt.



Quelle: Assicurazioni Generali Italia


Tatsächlich gab es bereits Anfang Dezember eine Pressemitteilung der Venice Gardens Foundation (hier: Artikel vom 3.12. im 'Metroplitano'), gelangte aber nicht zu kurzfristiger Priorität. 
Die 'Nuova' meldete am 15.12. und heute Morgen, wie auch der Gazzettino. Artribune berichtete heute ausführlich (hier die Google-Übersetzung) mit 28 Fotos (nach unten scrollen).
Die Stadtverwaltung Venedig informierte erst heute auf ihrer Website und ließ mit einigen Tweets am Nachmittag wissen, dass 22 hochstämmige Bäume gepflanzt wurden, 832 Sträucher, 6550 Grasgewächse, 3150 Zwiebelgewächse und 68 Klettergewächse. Die botanische Restaurierung verantwortet Paolo Pejrone, der der Lagunenbotanik angepasste Pflanzen einsetzt, die aber auch wenig Bewässerung verlangen.  

Erneuert in vollem Glanz ist die 90 m lange ehemals ruinierte Pergola, wieder erstanden der ehemalige Wintergarten, die Serra, als "The Human Garden" von Carlo Aymonimo und Gabri Barbini, in der Kunst ausgestellt werden soll, und das glitzernde neue Illycaffè im ehemaligen Cafépavillon, erbaut 1816 von Lorenzo Santi. Und natürlich das Beste (aus meiner Sicht), die Restaurierung der Zugbrücke und ihres Originalmechanismus über den Rio della Zecca. Sie führt aus dem Garten quasi als Unterführung (Sottoportego) durch die Procuratie Nuove, unter dem Museo Correr und der Bibliothek des Museo Correr. Ein flotter Weg von den Vaporettohaltestellen Vallaresso und San Marco ohne sich durch die Massen auf der Piazzetta und der Calle Vallaresso kämpfen zu müssen. Wunderbar!

Auf der Website der Venice Gardens Foundation sind alle Details zur Restaurierung nachzulesen.

Der ehemalige Springbrunnen ist jetzt eine Trinkwasserfontäne mit Löwenkopf. Die Zahl der Sitzbänke in schönem venezianisch-dunkelgrün, nicht rot, wird in den warmen Monaten wohl kaum reichen, aber daran kann man ja etwas machen. Den Bäumen muss man ein bisschen Zeit geben, in 15 Jahren sind die Giardini reali wieder ein Park mit echtem Baumschatten und die Anlage wird dann in ihrer geplanten grünen Üppigkeit beeindrucken. Eine wahre Bereicherung des Markusplatzes und der venezianischen Garten- und Parklandschaft

Die Kosten des Projekts sind höher als ursprünglich geplant, niemand wundert sich. Laut Artbonus des Kulturministeriums, das heute einen Bericht über die bisher 6jährigen Kultursponsoringaktionen veröffentlichte, (bereits einmal in diesem Blog erwähnt anlässlich der Finanzierung der Nase Richard Wagners), hat die Finanzierung mit einem Minus von 2 Mio. € wohl auch nicht ganz geklappt. Der Hauptsponsor Generali kann seine engagierte Projektfinanzierung bei den Steuern geltend machen, und niemand hindert die Sponsor*innen unter uns, freundlich ein Scherflein dazuzulegen (so geht das), sozusagen in die weihnachtliche Krippe. Auch wenn das auf das deutsche/ österreichische/ schweizerische Finanzamt nicht zutrifft.

Zugbrücke von den Giardini reali zur Piazza San Marco (bei Flut)
Quelle: Twitter Comune Venezia


Alte Einträge zum Thema:

5.11.2017 "Baustellen in Venedig - Giardini Reali"
30.10.2018 "Kleine Zwischenmeldung zu den Baustellen"



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9. Dezember 2019

Venedig - Weihnachten und Jahresende 2019



Laut 'La Nuova' wurden bis zu 45 % der Reservierungen um Weihnachten und Neujahr herum abgesagt. Wenn das stimmt, dürfen sich die Venezianer*innen nach den Schrecken und vielfältigen Mühen der letzten Wochen und obendrauf des gescheiterten Referendums auf ein paar ruhige Tage freuen, selbst wenn sie die vielleicht nicht in der Stille der Dolomiten verbringen könnten (was ich Ihnen wünschen würde). 
Denn schon seit Jahren gibt es die 'ruhigen Wochen', eingeschoben in die Ganzjahreshauptsaison, ja eigentlich nicht mehr, auch wenn zwischen Neujahr und Carnevale ein Teil der Hotels und Gaststätten schließen. 
Und auch die 55 % (was das in Zahlen auch bedeuten mag) Hartnäckigen dürfen sich sich hoffentlich freuen auf ein Venedig ohne Menschenmassen, mit leeren Gassen und Museen, auch wenn die Tage kurz, das Lebensgefühl winterlich matt und die Stadt nicht lichtdurchflutet und serenissima ist.

Ich sammle hier wieder Termine im Dezember und Januar für die Winter- und Festtagsbesucher*innen, sortiert nach Datum nicht nach Inhalten, bunte Mischung aus religiös, kommerziell, kulturell - vor allem viel Musik, was ich so finde. Auf venezianische Art kurzfristig wie immer, ergänzt bis zum Ende der Festlichkeiten wie immer.




7.12.-25.2.2020 Campo S. Polo: Die traditionelle Eisbahn mit kleinem Weihnachtsmarkt und Verpflegungsbuden steht auch in diesem Jahr. Viel Spaß, Hals- und Beinbruch.

8.12.-12.1.2020 Ausstellung venezianischer Krippen des Vereins Associazione dei Presepi Spinea. Adresse: Campo S. Polo 2128/a - Calle del Scaleter. Krippenliebhaber*innen finden im Dezember bis mindestens Epifanie (6.1.) in jeder Kirche eine Krippe.

10.-31.12. Teatro La FeniceProgramm Weihnachten und zwischen den Jahren  inkl. Kinderoper Pinocchio, Neujahrskonzert (am Silvesternachmittag) etc.  Tickets und Informationen.

11./12.12. jeweils 18 Uhr Teatrino beim Palazzo Grassi:  Die Biennale der bewegten Bilder. Videokunst. Eintritt frei bis zur Belegung aller Plätze. Haltestelle S. Samuele und Accademia. 

13.12. 13:30 Uhr Festa della Laurea auf der Piazza San Marco. Die Tradition, die frisch "gelorbeerten" Doktoren und Doktorinnen der Univiersität Venedig mit Ehrengästen und Familien groß auf der Piazza zu feiern, ist noch nicht sooo alt. Aber sehr stimmungsvoll, wenn die Doktorhüte in die Luft fliegen. Diese Feier war eigentlich für Mitte November anberaumt, als die Piazza tagelang immer wieder unter Wasser stand und soll nun einen Tag nach dem Dezembervollmond stattfinden. Naja, Daumen drücken, dass die Piazza trocken ist.

13.12.-3.1. CHORUS: Weihnachtliche Kirchenführungen zu Kunstwerken der Weihnachtsgeschichte. Die kostenlosen Führungen werden ehrenamtlich von Mitgliedern des Vereins CHORUS angeboten, Anmeldung wird empfohlen unter info@chorusvenezia.org oder 0412750462 Mo-Sa 10-16 Uhr.

13.12. 10-18:30 Uhr Museum Palazzo Grimani: Fest Santa Lucia, Eintritt frei.
Bisherige Einträge zum Palazzo Grimani. Gesamtrogramm zu den Feiertagen. Haltestelle S. Zaccaria.

13.12. 17:30 Uhr T Fondaco (Fondaco dei Tedeschi): Weihnachtskonzert der italienischen A Capella Gruppe "Neri per Caso". Reinhören. Eintritt frei, keine Anmeldung. Haltestelle Rialto.

13./14.15.12. Lido: Kleiner Weihnachtsmarkt und musikalisches, sportliches, vorweihnachtliches Programm. Virmittagsprogramm am Sonntag 10,- €, ansonsten Eintritt frei. 

14.12. 15 Uhr Punta della Dogana und 17 Uhr Palazzo Grassi: Kostenlose Führungen durch die Ausstellungen (Eintrittskarte vorausgesetzt) in italienischer Sprache.

14.12. bis 22 Uhr Museum Palazzo Grimaniabendliche Sonderöffnung und Führung "Vom Marmor zu den Sternen". Anmeldung zur Führung erforderlich unter pm-ven.grimani@beniculturali-it oder 0039-041-2411507. Bisherige Einträge zum Palazzo Grimani. Gesamtrogramm zu den Feiertagen. Haltestelle S. Zaccaria.

14.12.-26.1. Fondazione Bevilacqua La Masa, Piazza San Marco "Colore Movimento Illusione". Tornquist, Costalonga, Hsiao. Eintritt frei. Haltestelle Vallaresso S. Marco. 

16.12. 20:30 Uhr Kirche San CassianoWeihnachtskonzert des Universitätschores Ca' Foscari. Programm siehe im Link. Eintritt frei. Haltestelle Rialto Mercato.

18.12. 21 Uhr Teatro Goldoni: Weihnachtskonzert "Testimone del Tempo" von und mit Red Canzian. Karten. Haltestelle Rialto.

20.12. 20:45 Uhr Basilica dei Frari: Chorkonzert der Männerchöre Marmolada und Tre Pini. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.


20.12. 20 Uhr Kirche Santa Sofia: "Venezia Scarlatta" Konzert mit Werken von Vivaldi aus der Konzertreihe San Martino a Natale. Eintritt frei, Anmeldung wird empfohlen unter anticonuovobarocco@gmail.com. Haltestelle Ca' d'Oro.

21.12. 17:30 Uhr Ex-Kirche Santa Chiara Murano: Tango Passion. Ein Konzert mit Tanzperformance aus der Reihe San Martino a Natale.  Eintritt frei, Anmeldung wird empfohlen unter anticonuovobarocco@gmail.com.Siehe auch Eintrag vom 13.1.16 S. Chiara di Murano. Wiederbelebung einer Ruine. Haltestelle Murano Colonna.

21.12. 19 Uhr und
22.12. 16 und 19 Uhr Teatro Goldoni: Weihnachtskonzert "My Favorite Christmas" 200 Stimen erzählen die Weihnachtsgeschichte. Karten. Haltestelle Rialto.

22.12. 20 Uhr Kirche Santi Apostoli: "L'Ispirazione" Konzert mit Werken von Vivaldi aus der Konzertreihe San Martino a NataleEintritt frei, Anmeldung wird empfohlen unter anticonuovobarocco@gmail.com. Haltestelle Ca' d'Oro und Rialto.

22.12. 17 Uhr Teatrino im Parco Groggia: Weihnachtskonzert mit der GV Jazzband und dem Corale Femminile, beides Ensembles der Musikhochschule Giuseppe Verdi. Eintritt frei bis zur Vergabe aller Plätze. Haltestelle S. Alvise. (Siehe auch Eintrag 25.10.2008 "(Nicht geheime) Gärten in Venedig".

22.12. 17 Uhr Casa Tre Oci: "Töne Worte Geschichten" Führung für Erwachsene. Teilnahme kostenlos außer für Besucher*innen mit ermäßigtem Eintritt. Bitte 10 Min. vor Beginn an der Kasse vorsprechen. Haltestelle Zitelle.

22.12. 10 Uhr ab Punta della Dogana Festzug der Weihnachtsmänner im Canal Grande. 11 Uhr Ankunft des Zugs beim Rialtomarkt, Vorweihnachtsfeier mit Musik. Gut zu beobachten von den Ufern und Haltestellen, der Accademia- und Rialtobrücke und vom Campo S. Vio.

23.12. 18:30 Uhr Scuola Granda di San Giovanni Evangelista: Konzert zur 650-Jahre-Feier der Reliquie des Heiligen Kreuzes in der Scuola. Programm, Informationen, Anreise und Anmeldungen unter dem Link oben.

24.12. Frohes Fest!

Öffnungszeiten der Museen an den Weihnachtsfeiertagen und zum Jahreswechsel
Städtische MuseenÖffnungszeiten 
Casa Tre OciÖffnungszeiten
Gallerie dell'Accademia: Öffnungszeiten; 25.12. und 1.1. geschlossen
Ca' d'Oro: Öffnungszeiten; 25.12. und 1.1. geschlossen

24.12. 23:30 Uhr Mitternachtsmette in der Basilica San Marco mit dem Patriarchen
25.12. 10:30 Uhr Hochamt, 17:30 Uhr Vesper in der Basilica San Marco mit dem Patriarchen
31.12. 18:30 Uhr Messe und Te Deum in der Basilica San Marco mit dem Patriarchen
Möglicherweise ist für die Feiergottesdienste eines der Hauptportale geöffnet, ansonsten aber das Nordportal (Porta di Fiore)Auch für Nicht- oder Andersgläubige ein besonderes weihnachtliches Erlebnis. 
Auch in den Gemeinde- oder Klosterkirchen Venedigs und der Inseln werden Feiergottesdienste gehalten, Informationen dazu jeweils an den Kirchenaushängen.

26.12. 16 Uhr Basilica dei Frari: Weihnachtskonzert mit dem Männerchor Polifonico di Ruda. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.



Weihnachtskonzert 26.12.2018 Basilica dei Frari

28.12.16 Uhr Museum Palazzo Grimani: "Barbara Strozzi e la sua Eredità" Konzert zum Erbe der venezianischen Sängerin und Komponistin Barbara Strozzi. Ermäßigter Museumseintritt, in dem das Konzert enthalten ist. Anmeldung zum Konzert erforderlich unter pm-ven.grimani@beniculturali-it oder 0039-041-2411507. Bisherige Einträge zum Palazzo Grimani. Gesamtrogramm zu den Feiertagen. Haltestelle S. Zaccaria.

28.12. 15 und 16:30 Uhr Scuola Granda di San Giovanni Evangelista: Führung 15 Uhr in italienischer, 16:30 Uhr in englischer SpracheEintritt 15 €. Info, Anreise und Anmeldungen unter dem Link oben. 

28.12. 15 Uhr Kirche S. Sebastiano: CHORUS Führung. Die einzigartige Veronese-Ausstattung von San Sebastiano versteht man am besten mit einer qualifizierten Führung. CHORUS-Mitglieder führen ehrenamtlich und kostenlos. Anmeldung unter info@chorusvenezia.org und 0039-041-2750462. Haltestelle San Basilio.

23.12. 17 Uhr Scuola Granda di San Giovanni EvangelistaConcerto per Venezia. Die junge Violinistin Maya Yoffe aus Karlsruhe gibt ein Fundraisingkonzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Brücken - zwischen Ufern" des Deutschen Studienzentrums Venedig. Haltestelle S. Tomà.

31.12. Jahreswechsel an der Riva mit Feuerwerk um 23:30 Uhr über dem Wasser des Bacino (kein Feuerwerk auf der Piazza S. Marco). Das Mitführen von Feuerwerkskörpern und Glasbehältern ist überall in der Stadt verboten. Die Polizei ist mit Sonderbefugnissen ausgestatten, den Menschenfluss zu lenken und bei evtl. Widerstand Strafen von 25 bis 500 € und Platzverweise zu erteilen. Für Silvester und den Neujahrstag ist kein Hochwasser in Sicht, die Passerelle (Hochwasserstege) wurden deshalb bereits entfernt, um beim Feiern nicht im Weg zu stehen.

1.1. 11:15 Uhr Lido, Strand beim Blue Moon: das beliebte traditionelle Neujahrsschwimmen, veranstaltet von den 'Ibernisti', Verein der venezianischen Winterschwimmer*innen. Gäste willkommen. Eintritt frei. 

4.1. 15 Uhr Kirche S. SebastianoCHORUS Führung. Die einzigartige Veronese-Ausstattung von San Sebastiano versteht man am besten mit einer qualifizierten Führung. CHORUS-Mitglieder führen ehrenamtlich und kostenlos. Anmeldung unter info@chorusvenezia.org und 0039-041-2750462. Haltestelle San Basilio.

5.1. 15 und 16:30 Uhr Scuola Granda di San Giovanni Evangelista: Führung 15 Uhr in italienischer, 16:30 Uhr in englischer Sprache. Eintritt 15 €. Info, Anreise und Anmeldungen unter dem Link oben. 

6.1. 16 Uhr Basilica dei Frari: Konzert zum Jahresbeginn mit dem Männerchor Polifonico di Ruda. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.

6.1. 9:30-11:30 Uhr Canal Grande: Regata delle Befane. Erste Ruderregatta des Jahres zum 42. Mal, Männer verkleidet als "Hexen". Zwischen Mündung des Canal Grande und Rialto. 

21.1. 15:30 Uhr Auditorium Lo Squero, Insel S. Giorgio Maggiore: Eröffnungskonzert der Musikveranstaltungen 2020 mit dem australischen Affinity Quartet. Eintritt frei für dieses Konzert! (Siehe auch Eintrag vom 18.3.18 "Lo Squero - neuer Konzertsaal in Venedig". Haltestelle S. Giorgio M.

Jahreszeitliches Feierprogramm der Metropolstadt Venedig (d. h. alle Veranstaltungen und Unterhaltungsangebote auch auf dem Festland). Einiges Passendes findet sich auch in der Terminliste oben.





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2. Dezember 2019

Referendum Venedig-Mestre floppt, sozusagen

Fortsetzung des Eintrags vom 24.11.19 
"Referendum. Scheiden tut weh? Macht froh?"





Das Ergebnis des 5. Referendums ist eine Zustimmung zur Trennung mit 66,11 % (29.477 Wähler*innen). 33,89 % (15.109 Wähler*innen) sind gegen die Trennung. (Amtliches Zählergebnis 1:07 Uhr 2.12.19)

Im Detail:

  • Venezia Murano Burano  83,48 % ja  16,51 % nein
  • Lido Pellestrina              86,30 % ja  13,69 % nein
  • Favaro Veneto               45,89 % ja  54,10 % nein
  • Mestre Carpenedo         51,25 % ja  48,74 % nein
  • Chirignago Zelarino       47,88 % ja  52,11 % nein
  • Marghera                     36,39 % ja   63,60 % nein


ABER das behauptete Quorum von 50 % + 1 Stimme wurde nicht erreicht, das Referendum wurde gewonnen von den Enthaltungen bzw. vom Boykott, zu dem unter anderen der amtierende Bürgermeister Brugnaro aufgerufen hatte. Wie bereits im oben verlinkten Eintrag gesagt: Wer sich mit seiner Stimme nicht beteiligt, will, dass alles bleibt wie es ist. Was gegen alle großen Hoffnungen wohl zu erwarten war.
Unten die Abstimmungsbeteiligung insgesamt jeweils um 12, 19 und 23 Uhr und die Abstimmungsbeteiligung im Centro Storico von Venedig, in der Lagune und auf dem Festland.



Quelle:
https://twitter.com/TommasoCacciari/status/1201274878688665600

Das Abstimmungsverhalten des Festlandes ist einerseits für das Erreichen der Quorumsschwelle ausschlaggebend, andererseits zahlenmäßig für das Ergebnis.
In dieser Grafik zeigt sich, wo die Trennungbefürworter und Gegner*innen sitzen (ziemlich eindeutig sortiert, finde ich):


Quelle: https://twitter.com/comunevenezia/status/1201297259868119041

Damit wäre die letzte Option der Trennung von Venedig und Mestre gescheitert. ABER vielleicht ist doch noch nicht aller Tage Abend. Für den jetzt eingetretenen Fall, dass das behauptete Quorum von 50 % + 1 Stimme nicht erreicht wird, liegen bereits die Einsprüche fertig in den Jurist*innenschubladen. Denn weder die italienische Verfassung noch das Regionalgesetz sehen ein Quorum bei Volksabstimmungen vor - vielleicht ein Hebel, das Ergebnis anders zu bewerten.  



Zur Vollständigkeit der Dokumentation verlinke ich hier noch die letzten Überzeugungsbemühungen des Gruppo 25 Aprile am Samstag 30.11., 3 Briefe an die Gruppen von Abstimmungsberechtigen und der zweite Teil von "Give Venice a chance:
Brief an die Freund*innen in Mestre
Brief an die Bürger*innen von Marghera
Brief an die Venezianer*innen


#Referendum Due Vvisioni a confronto
Give Venice a chance - seconda parte
(erster Teil 26.11.19 Give Venice a chance - prima parte)


Und 3 weitere Artikel, ebenfalls vom Samstag 30.11., der Essays auf der Website von ytali.:
ytali. Sì o No?
ytali. Perchè io voto Sì
ytali. In oltre_la separazione





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28. November 2019

17 Tage Hochwasserfluten in Folge







Tidenvoraussage der nächsten Tage
Offizielle App, englischstprachige Version zum Tidenstand Hi!Tide


Nachtrag 12.12.19
Blog "I'm Not Making This Up" von Erla Zwingle
Eintrag "The flood, the aftermath"

Ein bewegender und erschreckender Bericht, der gelesen werden sollte. Ich finde, er passt zu diesem Film vom wiederauferstehenden Venedig, und bin bei dabei nicht frei von Sarkasmus, leider. Der Markusplatz ist seit dem 12.11. alle paar Tage unter Wasser, was Besucher*innen eher spannend als dramatisch erleben. Und der Weihnachtsglitter der Piazza gaukelt Normalität vor, spiegelt nicht die Realität der Bewohner*innen.


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24. November 2019

Referendum. Scheiden tut weh? Macht froh?


Quelle: Gruppo 25 Aprile

In einer Woche, am 1. 12. 2019, findet das nunmehr 5. Referendum zur kommunalen Trennung von Venedig und Mestre statt. Das Thema ist hochkompliziert und für Außenstehende (mich) nicht wirklich überblickbar. Ein paar Sätze zur politisch und ökonomisch schwierigen Verbindung der beiden Städte stehen schon im Eintrag vom 4.9.19 "Bettenboom in Mestre - Luxuslogis in Venedig":
"Die Stadt Mestre wurde 1926 nach Venedig eingemeindet. Als quasi proletarische Vorstadt der petrochemischen Industrie am Ufer der Lagune, mit ca. halb so vielen Einwohner*innen als damals im 'Centro Storico', also in Venedig, lebten. Die Bevölkerungsstatistik vom Dezember 2018 zählt 260.520 Bürger*innen im gesamten Stadtgebiet (inkl. aller Eingemeindungen), davon  52.996 Bürger*innen in Venedig (ohne Inseln der Lagune) und 116.996 Bürger*innen in Mestre/Marghera. Dieser Bevölkerungszuwachs und -wandel ist mit ein Grund für die Kommunalwahlergebnisse (Lega und weitere rechte Konsorten!) und die sich rasant ändernde Rolle Venedigs, die immer mehr als "Museumsviertel" der "Metropolitanstadt Venedig" bestimmt wird: das der finanziellen Verwertung dienende Touristenzentrum am anderen Ende der Brücke. Dessen räumliche Kapazitäten ihre natürlichen Grenzen haben und deshalb einträglicher genutzt werden müssen (Luxussegment!). Aber darüber hinaus leicht erweitert werden können, im "Venedig" an der Landseite der Brücke, in Mestre. Verkehrstechnisch kein Problem mit den Trenitalia-Bahnen vom Bahnhof Mestre nach Venedig-Santa Lucia ohne Zwischenstopp und Bussen von ATCV und ATVO, und, so der Verkehr die Nutzung der Schiene erlaubt, mit der Tram."

Die bisherigen 4 Volksentscheide führten jedenfalls nicht zur Scheidung. 

Ergebnis 1979 unter der damals noch sozialistischen Verwaltung des Bürgermeisters Mario Rigo (ein engagierter Vertreter der Trennung, dessen Tod vor wenigen Tagen in Venedig sehr betrauert wird): 72,3 % für die Einheit, 27,6 % für die Trennung. 
Nächster Versuch 1989 während der Amtszeit des Bürgermeisters Antonio Casellati der grün-roten Verwaltung: 57,8 für die Einheit, 42,2, für die Trennung. 
Der 3. Anlauf 1994 mit der Stadtverwaltung des linken Bündnisses mit Bürgermeister Massimo Cacciari ergab 55,6 % fürs Zusammenbleiben, 44,4, % fürs Auseinandergehen.
Beim letzten Versuch 2002 unter Bürgermeister Paolo Costa des Mitte-links-Bündnisses wurde die erforderliche Wahlbeteiligung von 50 % nicht erreicht, damit war das Referendum ungültig.

(Es gab im Lauf der Jahre einige weitere Referenden, und zwar zur Autonomie Venetiens.  Hier geht es um eine nationalistische Bewegung, die mit der Autonomie Venedig-Mestre nicht verwechselt werden darf. Allerdings wurden die Trennungsversuche zwischen Venedig und Mestre mit Erfolg von den separatistischen Gruppen Venetiens instrumentalisiert.)

Beim nächsten Vorstoß am 1.12. also soll die Frage " Sind Sie für die Aufgliederung der Stadt Venedig in zwei eigenständige Städte Venedig und Mestre gemäß dem bürgerinitiativen Gesetzesprojekt  Nr. 8?" mit ja oder nein beantwortet werden. 
Die 256 Stimmbezirke (+ 14 Anstaltsbezirke) sind von 7 bis 23 Uhr geöffnet, die Auszählung erfolgt im Anschluss, das Ergebnis wird noch in der Nacht erwartet. Die Anzahl der wahlberechtigten Bürger*innen von Venedig+Inseln und Mestre  steht erst in der letzten Novemberwoche nach der Ausgabe der Wahlkarten fest.  
Hochgerechnet von den bisherigen 4 Venedig-Mestre-Referenden kostet der Spaß eine gute Million, das muss die Demokratie wert sein. Die Stadt kalkuliert 700.000 € für die Wahlvorbereitungen, 150.000 Kostenerstattungen von Wahlleiter*innen, Wahlsekretär*innen und Stimmenauszähler*innen, 150.000 € für die Sonderausgaben der Verwaltungsabteilungen inkl. Stimmzetteln/ Bürobedarf und über 6.000 € für "buon pasto". Gutes Essen gehört auch bei einem Referendum dazu, wir sind in Italien. 

Interessiert uns das? Ich finde schon! Deutschsprachige Medien wissen dazu wenig und sagen fast nichts, weder im Vorfeld und im Nachgang wahrscheinlich nur, wenn eine Sensation zu melden wäre, aber für Venedig-Appassionati sind ein paar Fakten erhellend, die ich venezianischen Medien und social media entnehme.

Z. B. auch die Folgekosten eines Wahlausgangs, der zur Scheidung führen würde: 2 Oberbürgermeister*innen kosten jährlich 132.000 € (Venedig als Regionalhauptstadt mtl. 6.400 €, Mestre nur mtl. 4.600 €). Der derzeitige Vizebürgermeister bekommt 5.200 € pro Monat, jährlich 62.500 €. 2 Vizebürgermeister schlügen für Venedig mit 57.600 € jährlich (4.800/Monat) und für Mestre mit 41.400 € 3.500 €), gesamt 99.000 € zu Buche (alles elegant von mir gerundet). Dazu kommen die Kosten für 2 Ratsvorsitzende von gesamt 79.200 €, bisher einer: 54.200 €.
Die Zahl und Kosten der Referent*innen würden sich erhöhen, ebenso die Zahl und Kosten der Ratsmitglieder. 

Eine konkrete Auflistung weiterer Kosten bzw. Einnahmen, z. B. von Steuern aller Art, Hafengebühren u. Ä. finde ich nicht im www. (Ein Bereich, in dem mir zugegebenermaßen der italienische Wortschatz fehlt, aber mithilfe eines Lexikons...) 
Lediglich die Verkehrsbetriebe ACTV veröffentlichen eine Einschätzung der Folgen einer Trennung der beiden Städte mit der abschließenden Bemerkung (Google-Übersetzung):  
"Auf der Grundlage der obigen Ausführungen, der aktuellen Vorschriften und der derzeit verfügbaren Informationen scheint es unmöglich, dass die Trennung der örtlichen Bevölkerung einen allgemeinen Nutzung in Bezug auf die Dienstleistungen oder niedrigere Sätze bringen könnte. In der Tat würde die hypothetische Gemeinde Mestre im Rahmen des Dienstleistungsvertrags ein strukturelles Defizit von 13 bis 14 Mio. im Jahr verzeichnen... die in jedem Fall zu zahlen sind, um den Bestimmungen des Gesetzes über Dienstleistungsverträge zu entsprechen."
Nun denn. Ich habe nicht den gesamten Text gelesen, da ich mir nicht zutraue, die Rechnerei sinnvoll nachvollziehen zu können.





Wer steht auf welcher Seite?

Die Antwort ist nicht durchgängig eindeutig, sondern zwischen den politischen Parteien und Akteur*innen gibt es auch Zickzacklinien für und gegen Trennung, und für Enthaltung, die ein wichtiger Aspekt bei der Sache ist.

Denn wer für die Enthaltung wirbt, wirbt nach der letzten Erfahrung eigentlich für die Einheit: ist das Referendum wegen mangelnder Wahlbeteiligung ungültig, bleibt alles beim Alten.
Prominenter Enhalter ist, aus nachvollziehbarem Grund, Bürgermeister von Lega Gnaden Luigi Brugnaro. Denn nach einer Scheidung hätte er weder in Venedig noch in Mestre einen Job. 
Zur Enthältung rät ebenfalls, mit erstaunlichen Argumenten, der Ex-Bürgermeister Massimo Cacciari, der Philosoph: "Eine lächerliche Sache, unzeitgemäß, schädlich. Man will die Zahl der Parlamentsmitglieder in Rom verringern, da frage ich die Befürworter: warum wollen sie die Zahl von Referenten und Ratsmitgliedern derart hochziehen?" 
Enthaltung empfehlen auch die Gewerkschaften. 

Gegen die Trennung, fürs Zusammenbleiben ist der Vizebürgermeister von Mestre, Gianfranco Bettin, Soziologe und aktiv in den Themen Umwelt und Anti-Mafia, für die er den Zusammenhalt der Städte wichtig findet - ein nachvollziehbares Argument.
Die Lega wählte Anfang Oktober eine neue Direktion, die zur Teilnahme am Referendum für die Einheit einlädt, aber nicht auffordert. Sie hat ohnehin eine starke Basis auf dem Festland, und sie will Venedig nicht aus ihrem sicheren Machtbereich Veneto entlassen, der Wiege der Lega Nord, aus der die heutige Lega für ganz Italien wurde.
Ebenfalls gegen die Trennung sind die Berlusconi-Partei Forza Italia und der Partito Democratico PD.


Für die Scheidung ist der kleine Teil der Lega, der bei den letzten Kommunalwahlen gegen die Berufung des parteilosen Luigi Brugnaro als Bürgermeister auftrat. Kopf der Gruppe ist Gian Angelo Bellati. Man will einen starken Lega-Mann an der Spitze der Metropolregion Venedig und nicht den parteilosen Selbstdarsteller Brugnaro.
Für die Trennung und zwei autonome Städte wirbt auch die Bewegung 5 Sterne (M5S), nationale Regierungspartei, und ein Zusammenschluss weiterer Gruppen wie CGIL VeneziaPiu Mestre piu Venezia und Mestre Mia.
Die Non-Proft-Organisation We are here in Venice informiert auch in englischer Sprache ausführlich und kompetent - pro Scheidung - auf Ihrer Website. Interessante Artikel sind z. B.: 
Vor allem aber die Bürgerinitiative "Gruppo 25 Aprile", Sprecher Marco Sitran (siehe Video oben) und Marco Gasparinetti kämpft für die Trennung. Auf der Website "25 Aprile" steht (in italienischer Sprache) eine ausführliche Einschätzung "Was sich ändern würde und was sich NICHT ändern würde".
(Die einzelnen Absätze kann man sich ggfs. von
Google übersetzen lassen, den 1. Absatz habe ich schon eingefügt...)

Gruppo 25 Aprile und die zweite wichtige  Bürgerinitiative NoGrandiNavi warben und werben mit gut besuchten Informationsveranstaltungen (z. B. heute um 11 Uhr im Ateneo Veneto  💥) für die Trennung und rufen für heute, 14 Uhr zu einer Demonstration gegen Grandi Navi, MOSE und Brugnaro auf. Das Motto ist "MOSE ist das Problem, nicht die Lösung". Nach den bisherigen  Hochwassern im November die Antwort auf die inkompetenten Behauptungen Brugnaros, sie seien Folge des Klimawandel - Rettung brächte die schnelle Fertigstellung der Hochwassersperren. Das ist ein griffiges Schlagwort. Und näher betrachtet ist es ein wesentlicher Teil des überaus kompexen Problems der Zukunft Venedigs und der Lagune. Aber was wäre die Lösung? Man wird es im Nachhinein wissen oder nie. Die Gletscher schmelzen, das Wasser steigt. MOSE hin, UNESCO Welterbe her. Arbeitet jemand an der Logistik für die Evakuation der mobilen Kunstschätze?

Gegen neue Regeln im Verfahren haben die Bürgerinitiativen Beschwerde eingereicht, weil seitens der Stadtverwaltung praktisch keine Werbung für das Referendum gemacht wird (und damit die Enthaltungen einseitig gefördert werden). Darüberhinaus habe Bürgermeister Brugnare mehrmals gesetzeswidrig zur Stimmenthaltung aufgerufen. Gleichzeitig wird der Aushang von Werbung für die Beteiligung - Aushänge, Fahnen etc. an Privathäusern und -wohnungen) mit Multe (Knollen sozusagen) bestraft und die Aushänge wenn nötig eigenhändig von der Polizei entfernt. 
Beschwerde wird auch geführt gegen die Regelung der Mindestwahlbeteiligung (50 % der Wahlberechtigten +1), die zur Ungültigkeit des letzten Referendumgs 2002 führte.


💥
Ergänzung 25.11.
Die Informations- und Diskussionsvorlage der Veranstaltung am 24.11. von Gruppo 25 Aprile im Ateneo Veneto wurde heute veröffentlicht. 
Das Ateneo Veneto stellt die Filmdokumentation der Veranstaltung am 24.11. auf YouTube. Podium: Gianpaolo Scarante, Presidente Ateneo Veneto
Interventi di: Maria Laura Faccini, portavoce associazione Mestre Mia Laura Fincato, già parlamentare e assessore Comune di Venezia Marco Gasparinetti, portavoce Gruppo 25 Aprile Nicola Pellicani, deputato Partito Democratico Mara Rumiz, già assessore Comune di Venezia Giorgio Suppiej, Presidente Venezia Serenissima (Beide Informationen beantworten einen Teil meiner Fragen, siehe unten, soweit ich sie verstehe - weniger sprachlich als mangels detaillierter Hintergrundkenntnisse als Nicht-Venezianierin.)




Dazu gab es in letzter Zeit einige lesenswerte Artikel:

Blätter für deutsche und internationale Politik Der Tod von Venedig. Tourismus bis zu Kollaps
FAZ Venedig ist nicht Opfer einer Naturkatasstrophe, sondern der Gier
Süddeutsche Zeitung Subito, Venezia!
Süddeutsche Zeitung Luigi Brugnaro
Zeit So schön ist der Hochmut
The Local Venice is dying: Residents to vote on wether to split city in half
Project Syndicate Saving Venice means restauring the citizenry as well as the art and buildings
Daily Beast Venice is Flooding Because of Corruption
APnews Flood-hit Venice's dwindling population faces mounting woes
The Spectator Venice needs Venexit
Guardian Venice goes to the polls in referendum on autonomy
Irish Times Venice voting on split from the sister city
Times Exploited Venice seeks salvation in vote to 'leave' mainland
Times Mayor Luigi Brugnaro accused of dirty tricks as Venice prepares for autonomy vote
ytali. Venezia-Mestre. Le ragioni del ni
ytali. Venezia. Referendum, le ragioni del mio sì
ytali. Venezia. Separare il Comune, scelta miope e anacronistica
ytali. Referendum. Una risposta di pancia ai problemi di Venezia
ytali. La separanzione ha senso solo se aprie la via a uno statuto speciale
La Nuova Applausi e fischi: il referendum "spacca" la platea al Teatro Goldoni
Universität Ca' Foscari Video zur Geschichte Venedig-Marghera

und 2 Tage vor der Abstimmung,  29.22., berichten schnell noch nur die TAZ: Eine Stadt - kein Disneyland und die SZ: Seenotrettung als deutschsprachige Zeitungen (soweit ich es überblicke) über das Thema. 


Die Probleme 
  • Korruption beim MOSE-Projekt, 
  • Abwanderung der Bevölkerung aufs Festland, 
  • mangelnde Bürgerorientierung und -beteiligungder Stadtverwaltung, 
  • halbherzige und groteske Versuche der Besucherregulierung (Drehkreuze! Eintrittgebühren!), 
  • Absicht, Mestre den ahnungslosen Besuchermassen als "Venedig" zu verkaufen und Venedig als lebendes Museum dem touristischen Luxussegment zuzuschlagen, 
  • unverminderte Menge und Größe der Kreuzfahrtschiffe wider alle Absichtserklärungen und Wissen um die Bedrohung von Stadt und Lagune
  • viele andere mehr
  • und zu allem auch noch ein untauglicher Bürgermeister ohne Augenmaß, Qualifikation und Sensibilität
scheinen es mir den Versuch wert sein zu lassen, die Zuordnung und Lenkung in der Kommune Venedig grundsätzlich anders zu organisieren. 
Was mich allerdings irritiert, sind viele Informationen zu den praktischen Konsequenzen, die mir fehlen. Die Gehälter von zwei Bürgermeistern anstelle eines einzelnen reicht als Kostenrechnung nicht aus. Wie genau trennt man zwei völlig verschiedene Städte? Wie funktioniert dann das regionale Konstrukt "Metropolregion"? Müsste man darüber nicht im VORAUS sprechen? Wie wirkt sich die Scheidung auf das Leben der Bewohner*innen in den nächsten 10 Jahren aus (um nur mal kurzfristig zu denken)? Was passiert mit großen Einheiten wie z. B. Flughafen und Hafen, wem "gehören" die, bzw. deren Steuern? Was passiert mit MOSE und dem Schutz der Lagune? Wie kann man den notwendigen Umbau mithilfe echter Bürger*innenbeteiligung aushandeln? Wie die Verantwortlichkeiten?

Nicht nur mich erinnert das an ein anderes Referendum, dessen Drama wir seit Jahren mit Grausen erleben. Schlecht informierte Bevölkerung erstmal abstimmen lassen und hinterher mit Mühe aushandeln, wie mit dem Ergebnis umzugehen ist, ohne vorher die Beteiligung der Bürger*innen am großen Wechsel zu sichern und bei gleichzeitiger Notwendigkeit, verantwortungslose Glücksritter am Aufsatteln zu hindern. 

Ich hoffe nächsten Sonntag auf ein eindeutiges Sì zur Scheidung und viele kluge Venezianerinnen und Venezianer, die danach die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit treffen. In bocca al lupo!


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