18. Januar 2019

Filmdokument 1969


Das Archiv der BBC veröffentlichte in dieser Woche am 15.1. in seiner Twitter-Reihe "#OnThisDay" einen kurzen Film, den der in englischsprachigen Medien berühmte Journalist James Cameron (1911-1985) im Januar 1969  in Venedig drehte.

Aus heutiger Sicht ein melancholischer Blick auf das ruhige winterliche Venedig. Der Exodus der Venezianer*innen aus den heruntergekommenen alten Häusern hatte bereits begonnen, aber die Aufteilung der Stadt in Hotels und Ferienwohnungen und die Übernahme durch ganzjährige Ströme von Besucher*innen liegen noch in der Zukunft. 

Fahrten auf dem Canal Grande und kleineren, Besuche des Squero di San Trovaso, einer der letzten in Venedig, und des heute in seiner Existenz gefährdeten Fischmarkts, eine Überfahrt mit einem der mittlerweile weitgehend abgeschafften Traghetti über den Canal Grande, der leere Campo del Ghetto Nuovo... ein seltenes, sehenswertes Zeitdokument.


#OnThisDay 1969:
Journalist James Cameron made a documentary about Venice, while he still could





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13. Januar 2019

Neue Museumspläne für den Fischmarkt am Rialto




Vor 5 Jahren gab es eine kleine kontroverse Medienwelle für und gegen ein Museum der islamischen Kultur in Venedig. Der Vorschlag war, es im Obergeschoss der zwei Gebäude des Fischmarkts am Rialto einzurichten, das seit dem Umzug von Justizbehörden leer steht. Zur Finanzierung des Projekts standen mehrere Golfstaaten an - Kuweit, Qatar, Vereinigte arabische Emirate - die Sache hätte quasi nichts gekostet, trotzdem kam es nicht einmal zum politischen Konsens. 
Der damalige Bürgermeister Giorgio Orsoni (nicht mehr im Amt wegen Korruptionsanklage beim M.O.S.E.-Projekt), war im Hinblick auf die langen historischen Verbindungen Venedigs mit islamischen Ländern, in Krieg und Frieden, in kulturellem Austausch und vor allem im gegenseitigem wirtschaftlichen Nutzen für das Projekt, während der Regionspräsident Luca Zai (Lega) ein Islammuseum "nutzlos" fand. Andererseits - die Finanzierung des Museums islamischer Kultur durch Golfstaaten hätte vermutlich ihren Preis gehabt, wie die Erfahrung lehrt. Wer zahlt, bestimmt die Musik...
Im August 2015 lehnte das italienische Kulturministerium MIBACT auf Basis von Beratungen durch die eingesetzte Kommission, der auch die Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig, Gabriella Belli, angehörte, die Genehmigung des Projekts ab. Begründungen waren u. a. die Präsenz islamischer Kunst in Venedig (vor allem in der Ca' Pesaro, aber auch nachzulesen in einer Veröffentlichung des Archeoclub Venezia nachzulesen) und in anderen größeren europäischen Museen (z. B. Louvre, Victoria und Albert).

Das Thema verschwand von der Bildfläche und tauchte im Frühling 2016 wieder auf, diesmal allerdings als Museumsprojekt zur Geschichte der Stadt Venedig, der Serenissima, und vorgeschlagen von Gabriella Belli, siehe auch oben, Direktorin der Stiftung städtischer Museen Venedig. Ein Museum, präsentiert als quasi thematisch unverzichtbare Einstiegsausstellung für Venedigbesucher*innen, an herausragender Position am Canal Grande, inkl. eines Vortragsraumes und einer Terrasse am Wasser, und als 13. der bisherigen 12 städtischen Museen Palazzo Ducale, Museo Correr, Palazzo Fortuny, Torre dell'orologio, Cà Rezzonico, Cà Pesaro, Cà Mocenigo, Casa Goldoni, Museo del Vetro Murano, Museo del Merletto Burano, Museo di Storia Naturale. Eine schöne Erweiterung der venezianischen Museumsperlen!

In der ersten Januarwoche 2019 hat Bürgermeister Brugnaro nun einer modifizierten Version des Projekts zugestimmt. Geplant ist ein "Museo del mercato e del commercio veneziano". 
4000 Unterschriften wurden vom Komitee 'Cittadini Campo Rialto Novo' gesammelt und im Rathaus präsentiert von der Vorsitzenden Gabriella Giaretta (auch Gruppo 25 Aprile), zusammen mit dem Projektentwurf von Donatella Calabi, Luca Molà und (dem Autor u. a. einer aus meiner Sicht empfehlenswerten Venedigeinführung für Beginner*innen) Paolo Morachiello.
Die Markthändler*innen und Fischverkäufer wurden vertreten durch den Architekten Luciano Claut; als einer der möglichen Sponsoren war der Stockfischimporteur Ermanno Tagliapetra dabei, und als Projektbeteiligter der pädagogische Leiter der Hotelfachhochschule Barbarigo Rachele


Die Projektbeteiligung ist geplant als Schulungs- bzw. Trainingsunternehmen für die Studierenden der Hotelfachhochschule. Diese gastronomische Einrichtung soll als Teil des Museums funktionieren (das im Übrigen weitgehend 'virtuell' sein wird, also vermutlich eine der von mir nicht geliebten Multimediashows) unter Kooperation mit den organisierten Händler*innen des Rialto- und Fischmarktes auf non-Profit-Basis. 
Non-Profit-Basis ist natürlich interessant für die Zielgruppe, UNS Tourist*innen mit Muße in Venedig, wenn es bedeutet, dass wir hier in außerordentlicher Umgebung marktfrisch und preisgünstig (!) speisen werden. Mahlzeiten, die von von engagierten und inspirierten jungen Menschen produziert und serviert werden, die man ohne übertriebene Kosten sozusagen beim Sammeln von beruflichen Erfahrungen unterstützen darf. (Man erinnert sich an das non-Profit-Restaurant 'Alla Basilica', das mit gutem Essen und sehr freundlichen Mitarbeiterinnen leider nur sehr kurzlebig war, warum auch immer!)

Die Kostenplanung sieht 7 Mio. € vor, neben der Ausstattung für die neue Nutzung sind Renovierungen am Gebäude, vor allem der langen schmalen Treppe ins Obergeschoss, erforderlich. Die Finanzierung wird mit (noch zu akquirierenden) Sponsor*innen und städtischen (und sonstigen?) Fördermitteln geplant. Bürgermeister Brugnaro bzw. sein Rat ist bereit, Mittel zur Verfügung zu stellen, da es sich um eine "Initiative von unten handelt, in die Wege geleitet wird von Bürger*innen, die nicht jammern, sondern einen konkreten Vorschlag machen". 
Er hofft natürlich auch auf einen Aufschwung des seit Jahren schrumpfenden Fischmarktes - immer weniger einheimische Kunden, die dafür von immer mehr fotografierend kreativen Tourist*innen genervt sind - "der Fischmarkt könnte im nächsten Jahr schließen, wenn es so weiter geht" (sagt der Bürgermeister).
Er fordert deshalb, dass Museum und vor allem Restauration nicht den Marktzeiten (also vormittags) angepasst sein sollen, sondern die ganztägige Öffnung. Das entspricht, sagt er, den Bedürfnissen des Tourismus, bietet aber auch die Möglichkeit privater Feiern an diesem Ort einzigartiger Lokalität, analog den "Märkten von Barcelona, Hamburg, Padova und Tokyo" (da hängt die Latte ein bisschen hoch, abgesehen von Padua, aber warum nicht). 

Die Direktorin der Stiftung städtischer Museen, Frau Belli, war bei diesem Termin nicht anwesend (vermerkt die Lokalpresse ausdrücklich). Und da ihr nach der Ablehnung des Museums islamischer Kultur, an der sie beteiligt war, vor ca. 3 Jahren sozusagen der "Palazzetto delle Pescherie" in den Schoß fiel und trotz ihrer Idee eines stadthistorischen Museums seitdem weiter leer steht, ist die Frage, ob diese Pläne denn in absehbarer Zeit - oder überhaupt - realisiert werden?

Es bleibt wie immer spannend in Venedig.





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6. Januar 2019

Eintrittsgeld für mordi e fuggi


Nach dem EU-politischen Theater um den italienischen Haushalt und nach jahrelangen 'diplomatischen Manövern' der Stadt Venedig hat wenige Tage nach dem Senat auch die Abgeordnetenkammer am (sage und schreibe!) am 28.12.2018 die 'Landungssteuer' - tassa di sbarco - als Teil des Haushalts 2019 verabschiedet. Damit darf die Stadt Venedig (wie auch die Inseln Capri, Giglio und Elba) von Tagestourist*innen ein Eintrittsgeld von 2.50 bis 10 € erheben.
In Venedig nennt man Tagestourist*innen "mordi e fuggi" - also "beiss rein und hau ab". Ein schönes und zutreffendes Bild, wenn man wieder mal eine deutsche Familie auf Tagestour vom Campingplatz in Punta Sabbioni die Stullen auf Brückenstufen in Venedig auspacken sieht. Die Meldung der neuen Steuer wurde in internationalen Medien mit Einverständnis und Zweifeln kommentiert.

Um den Ticketpreis in Relation zu anderen venezianischen Preisen zu setzen, sind hier ein paar Beispiele:
20 € Dogenpalast voller Eintritt; Sonderausstellungen im Dogenapartment, z. B. Tintoretto kosten extra.
(Die folgenden Museen bieten unterschiedliche Reduktionen für sehr diverse Personengruppen an, erheben aber auch z. T. Zusatzgebühren für z. B. Onlinebuchungen)

10 € Ca' Rezzonico 
10 € Palazzo Fortuny 
15 € Accademia 
12,50 € Ca' d'Oro
15 € Guggenheim Collection
15 € (jeweils) Palazzo Grassi + Punta Dogana 
3 € CHORUS-Kirchen einzeln, Sammelticket für alle 12 €
8 € Scuola Grande di San Marco
13 € Führung durch den Komplex der Fondazione Cini, ehemaliges Kloster S. Giorgio Maggiore (ohne Kirche)
11,50 € 1 Espresso + 1 kleines Glas Leitungswasser in einem der 4 Cafés am Markusplatz (Stand der Information ist vielleicht überholt: von 2017)
2,50 € 1 Espresso + 1 Croissant 400 m und eine Brücke jenseits des Markusplatzes



Die Entscheidung hat laut Lokalpresse 2 Zielsetzungen:
"...portare all'incremento del gettito dagli accessi alla città, il contributo di sbarco sarà versato a prescindere dal pernottamento in strutture ricettive e (...) conseguire un effetto selettivo e moderare l'accesso delle cosiddette grandi navi alla zona lagunare", also: "...zu erhöhten Einnahmen aus dem Zugang zur Stadt zu führen, da die Landegebühr unabhängig von der Unterbringung in Hotels gezahlt wird und (...), um einen selektiven Effekt zu erzielen und den Zugang der sogenannten großen Schiffe zum Lagunengebiet zu mäßigen".

Dass die meisten internationalen Medien daraus schließen, dass damit die BESUCHER*INNENZAHLEN "in Schach gehalten", kontrolliert bzw. sogar verringert werden sollen, könnten, siehe z. B.

Tagesschau Eintritt gegen den Besucheransturm
FAZ Venedig darf Eintrittsgeld von Touristen verlangen
WDR Venedig fordert "Eintrittgeld" für Touristen

ist allerdings erstaunlich. Denn das hat niemand gesagt. Falsch ist auch die Behauptung, dass "Venedig seit Jahren gegen die Besuchermassen kämpft" - es ist (leider nur) eine Minderheit der venezianischen Bevölkerung (z. B. die Bürgerinitiativen Grupo 25 Aprile oder No Grandi Navi), die das tun. 
Venedig, also die Verwaltung der Stadt, der Bürgermeister, die Tourismusindustrie und die gesamte Hydra der tourismusabhängigen Wirtschaft kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um die Erhöhung der Besucherzahlen, den weiteren Bau von Hotels auf dem Festland sowie exklusiven Luxusresorts auf Laguneninseln, die weitere Umwandlung alter Gebäude im Centro Storico zur auschließlichen Nutzung durch die Tourismusindustrie (Hotels und Show-"Museen"), sowie den weiteren Zugang großer 'Kreuzfahrt'schiffe in die Lagune. 

Es geht um Geld. Profite. Dafür ist nicht nur das Luxussegment zuständig, sondern auch die Masse, die täglich über die Adria reinkommt, ein paar Stunden durch die Gassen wandert, Venedig-Souvenirs einkauft und zum Abendessen aufs Schiffs zurückkehrt. Und die Masse asiatischer Busrundreisetourist*innen, die eine Führung über den Markusplatz inklusive bekommt, danach im asiatischen Airportluxusverkauf des Fondaco dei Tedeschi sein Geld lässt und in einer eigens eingerichteten Restauranthalle auf dem Tronchetto, neben den Parkplätzen, speist (inklusive? Möglicherweise, weiss ich nicht). 
Das sind, und natürlich weitere, die Zielgruppen der neuen Landungssteuer, und welches Tourismusunternehmen bis hin zum Anbieter von Fahrradreisen wird ernsthaft erwägen, Venedig von seiner Tour zu streichen? Wegen eines Eintrittspreises, der einer einzigen Kircheneintrittskarte vergleichbar ist, oder billiger als ein Espresso auf dem Markusplatz? Lächerlich.


Die Landungssteuer kommt allerdings viel zu spät, ist zu billig, und lässt halbherzig die Tourismusindustrie davon kommen. Trotzdem: sinnvoll ist sie allemal. Zu ihrer Verwendung gibt es von den Medien die zweite ahnungslose Falschmeldung, sie diene dem "Erhalt Venedigs". Laut Bürgermeister Brugnaro soll sie konkret als Beitrag zur Stadtreinigung verwendet werden, die bisher mit Steuermitteln bezahlt wird. Als Stadtverantwortlicher muss er es wissen, und als Inhaber der Zeitarbeitsfirma Umana, die auch die Grupo Veritas mit billigen Arbeitskräften versorgt, auch. Zu hoffen ist auf die Realisierung dieser Behauptung, und dass die Männer und Frauen, die den täglichen Abfall der Besucher*innen entsorgen, jeden Tag morgens vor 7 Uhr den Markusplatz fegen und nach den Feierlichkeiten der Neujahrsnacht die Riva noch vor 4 Uhr besenrein übergeben haben, künftig nicht mehr nur von den Steuern der Venezianer*innen bezahlt werden.

Die 3 Probleme, die nach dem Haushaltsbeschluss anstehen, sind
1. ab wann und wie viel?
2. wie wird die Kohle eingesammelt?
3. wie werden die Einheimischen und die Massen Pendler*innen von der Zahlung ausgenommen, außerdem die Menschen, deren Ziele das Krankenhaus, das Gericht o.ä. sind, und die Besucher*innen jenseits von touristisch motivierten Anlässen, z. B. Eltern von Studierenden, Familien von Strafgefangenen, religiöser Anlässe etc.?

1. wurde vom städtischen Wirtschaftsreferenten Michele Zuin im Neujahrsinterview beantwortet: alle Tarife müssen vor dem 28.2. entschieden sein, um noch 2019 in Kraft zu treten. Für das Top-Event des Carnevale ist es zu spät, aber für den Termin Ostern könnten die notwendigsten Formalitäten für die Landungssteuer erledigt sein. Könnten. Wir werden sehen.

2. scheint einfach zu sein: wird den Tourismusunternehmen aufs Auge gedrückt. Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug. Von denen auf die Reisekosten addiert und an die Stadt Venedig weitergeleitet. Ob dazu im Vorfeld des Gesetzes Absprachen getroffen wurden, erfährt man nicht. Wie es mit Einzelreisenden im Detail funktionieren soll, auch nicht.
Für Zugreisende gibt es laut Zuin die Idee, die Zahlung der Steuer ausschließlich online anzubieten, gegen Beleg zur Vorlage bei Kontrollen und ggfs. beim Fahrkartenkauf am Schalter. 

3. scheint noch das größte Problem zu sein. Klar formuliert wird von den Verantwortlichen, dass Bewohner*innen Venedigs und der Region (und Weitere...) vom Eintrittsgeld ausgenommen sein müssen. Auch hier müssen die Regeln zur Umsetzung bis zum 28.2. festgelegt werden. Ein Arbeitstreffen der Betroffenen (Ministerien, Stadtverwaltung, Regionalverwaltung, Präfektur) ist für den 31.1. einberufen. Ob diese Aufgabe in so kurzer Zeit zu bewältigen ist, wird sich zeigen, sagt die venezianische Presse. Und zitiert die Stadtverwaltung:
"Le cose più semplici si faranno adesso, già in questo 2019, e le altre si studieranno poi" - Die einfachen Sachen werden gleich erledigt, noch 2019, die anderen werden danach näher betrachtet.  
Na da verkneife ich mir doch jeden Spott und wünsche bestes Gelingen in Sinne der anderen Seite der Betroffenen - der hoffentlich nicht zahlungspflichtigen Bevölkerungsgruppen.


Den künftigen Tagesbesucher*innen, soweit sie auf diesem Blog landen, erlaube ich mir, einen Rat zu geben.

Es gibt Menschen in aller Welt, die, vielleicht zum ersten Mal noch bevor sie lesen konnten, die traumschönen Bilder der Stadt Venedig, ihrer Kanäle, Brücken, Lagune und Inseln gesehen haben. In Bildbänden, Boulevardblättern, im Fernsehen, Kino, in der Werbung der Tourismusindustrie. Und die deshalb Venedig gesehen haben wollen, nein, müssen, bevor die Stadt 'untergeht'. Und sei es nur ein Tag, einmal! Wer hätte dafür nicht grundsätzlich Verständnis. 
Aber Venedig ist nicht sichtbar in einem Tag. Sozusagen. Man sieht nur das, was man von Bildern kennt. Auch 2 Tage reichen nicht. (Ach die Anfragen, was man in 2 Tagen Venedig - 1 vor und 1 nach der 'Kreuzfahrt' (!) - in Venedig "unternehmen" könnte!) 
Ein Tag Venedig ist wie auf der Straße Angela Merkel sehen. Ein Blick mit der Erkenntnis "Angela Merkel sieht genauso aus wie im Fernsehen!" Aha. Und Venedig auch. Hat man was davon?
Bilder, die man seit Jahren kennt, werden in der Realität nicht real, sondern irreal. Fragt man Menschen am ersten Tag in Venedig, sind sie irritiert und fühlen sich "wie im Film". Es braucht Zeit, die Klischees loszulassen und eine eigene authentische Wahrnehmung Venedigs aufzubauen. Die sich dann aus vielen Mosaiksteinen der eigenen sinnlichen Erfahrungen und ihrer Verarbeitung zusammensetzt. Wer dafür die Zeit nicht hat, sollte sich das Geld sparen. Wer das Interesse daran nicht hat, sollte sich ein Ziel suchen, das seinen*ihren Interessen besser entspricht. Wer mit seinem Venedigbesuch angeben will, sollte sich das schenken - Venedig ist ein Krethi-und-Plethi-Trip geworden, ein Ballermann der Kulturstädte, mit Luxusabteilung.
Aber auch eine Art kultureller Heimat für die, die in vielen Jahren auf verschiedenste Weisen die Stadt erfahren und kennen gelernt haben, die Venedig bewundern und lieben und die deshalb immer wieder kommen.

Ich wünsche mir, dass die mordi-e-fuggi-Steuer ein Reinfall wird, weil ein Tagesbesuch in Venedig einfach zu wenig ist und sich das vielleicht endlich mal herumspricht. 
Bleibt weg! Kommt nicht nach Venedig! Keinesfalls für einen Moment, einen Tag mordi e fuggi. Vermutlich ein vergeblicher Wunsch. 






Das Thema Eintrittsgeld hat einige (bisher englischsprachige) Medienbeiträge ausgelöst, die z. T.  auch kritische und nachdenkliche Töne zur Situation Venedigs liefern.
Nicht alle Meinungen teile ich, oder teile ich nicht nur, und nicht alle Informationen sind korrekt recherchiert oder widergegeben. Aber bei genügend Interesse am Thema sind sie lesenswert:

6.1. Guardian The death of Venice?
6.1. Sunday Times  Will new fees turn Venice into a theme park?
4.1. Telegraph Hit-and-run da-trippers are killing Venice - and a 10 €-tax won't save it
2.1. artnet news In Response to Exploding Visitor Numbers, Venice Will Now Start Charging Tourists an Entrance Fee
2.1. Apollo Is it too late to save Venice?
2.1. Daily Times Venice to charge da trippers up to $ 11 to visit
1.1. Dubrovnik Times Could Dubrovnik follow in Venice's footsteps and introduce a ticketing system?
1.1. Epoch Times Venice to Start Charging Day-Trip Tourists With Entrance Fees
1.1. Irish Times Venice to charge day-trippers up tp 10 € to enter city
31.12. Washington Post Venice to charge day-trippers for access to city center
31.12. BBC News Venice to charge tourist entry fee for short stays


Nachträgliche Ergänzungen dazu:
7.1. CruiseLawNews Cruise Industry Resists "Day Tripper" Taxes on Cruise Ship Passengers
10.1. iNews Why Venice should resign its Unesco World Heritage status



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1. Januar 2019

Auguri 2019






Einen frohen Neujahrsmorgen und gutes neues Jahr allerseits.

Hier sind alle Konzerttermine des Jahres 2019 in diesem außergewöhnlichen venezianischen Auditorium, das die Musik auch zum visuellen Fest werden lässt.


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30. Dezember 2018

Neueste Führung für Fortgeschrittene - postindustrielle Giudecca

Residenza Universitaria Junghans

Die postindustrielle Giudecca ist kein Thema, das jede*n (romantische*n) Venedigfreund*in aus dem Sessel reißt. Trotzdem -  die Angebote von IVESER (Venezianisches Institut für die Geschichte des Widerstands und die Gegenwartsgesellschaft) bieten als einzige Zugang zu Themen der jüngeren Geschichte Venedigs und müssen deshalb genutzt werden, aus meiner Sicht.
Die Führung "Nach den Fabriken. Spaziergang zu den postindustriellen Stätten der Giudecca" im September 2018 war herausragend in Qualität und Informationsgehalt, mit einem tollen Konzept. Das nämlich bestand in einem Exkursionsführer (Historiker), der themenübergreifend für den Eingangsvortrag und die Begleitung der Gruppe zuständig war, plus Fachleuten, die an jeder Station des Spaziergangs dazukamen: ex-Arbeiter, ein Unternehmer und eine Angestellte, ehemalige und derzeitige Bewohner*innen. Die meisten gingen nach ihrem Vortrag weiter mit und man konnten so während des 3,5stündigen (!) Spaziergangs vom Westen bis fast zum Ostende der Giudecca vertiefende Gespräche mit ihnen führen.

Wie schon unter dem Link oben zu sehen, war das Programm, von dem ich berichte (aber das ich nicht referiere, das Führungserlebnis kann ein kleiner Bericht nicht ersetzen)

1. Molino Stucky
2. Fabbrica della birra
3. Herion / Cosma e Damiano
4. Junghans
5. Cnomv
6. Ville Hériot


und startete also an der ehemaligen Stucky-Mühle und Nudelfabrik (Film steht leider nicht mehr in der ARTE-Mediathek). 
Ein dominantes Industriedenkmal, das (aus meiner Sicht: unpassend, zu groß, zu nordisch) in Venedig steht, aber nun mal dazugehört; in dem das Hilton seinen Sitz hat, das ich nicht verlinke (wer die Cookies will, kann sie selber laden). Den Brand des im Bau befindlichen Hoteltraktes habe ich am 15.4.2003, zufällig bei Nico auf der Terrasse ein Eis essend, staunend miterlebt: erst kleine, dann riesige Rauchschwaden aber kaum Flammen, stundenlange Löscharbeiten der venezianischen Wasserpolizei und mehrerer Hubschrauber, Sperrung des Canale della Giudecca. Danach hatten sich praktischerweise die Denkmalschutzauflagen für das Hilton erledigt und man konnte sozusagen bauen, wie man gewollt hatte. 


Stucky / Hilton

Der Einführungsvortrag vor dem Hotelportal wurde zeitweise akustisch überlagert von US-Gästen, die sich mit massigen Rollkoffern und hemmungsloser Lautstärke am Hotel in Wassertaxis einschifften, auf dem Weg zum Hafen zur ihrer "Kreuzfahrt". Löblich, kein Vaporetto zu benutzen! 

Auftritt der ersten lokalen Führerin, eine sehr professionelle Hilton-Öffentlichkeitsarbeiterin, die uns, vorbei an wenigen sichtbaren Resten der Fabrik - großen Metallspolien in der Wand auf dem Weg zu den Fahrstühlen - aufs Dach führte: Dachbar mit Swimmingpool hinter dem Turmgiebel, Blick auf Venedig! Und auf den Hafen. Wer hier vor oder nach seiner "Kreuzfahrt" übernachtet, bekommt einen gerechten Anteil der Brennstoffemissionen der Grandi Navi ab. Danach interessante Darstellung der Stucky-Geschichte, aus Sicht des Hilton, während eines langen Marsches vorbei an Frühstücks- und Speisesäälen, durch Flure des Hotels und sogar die für Gäste nicht zugelassene Verwaltungsabteilung, durch einen kolossalen Doppelballsaal (bescheiden im Format dagegen der napoleonische Ballsaal an der Piazza) und den Innenhof mit der Büste des Firmengründers Giovanni Stucky. Insgesamt ein Einblick, der deutlich über die Erfahrungen von Hilton-Gästen hinausgehen dürfte.


Stucky, Kreuzfahrthafen

2: Etappe: ehemalige Bierbrauerei, direkt neben dem Stucky und von ähnlicher Optik, da gleicher Architekt. Hier übernahm die Führung ein alter, sehr rüstiger fröhlicher Kommunist, Sohn eines Brauereiarbeiters und einer Brauereiarbeiterin, der mit beeindruckender Eloquenz und Detailkenntnis über die Vergangenheit: Arbeit, Arbeitsorganisation, Arbeitskämpfe und auch Nachbarschaft der in Fabrikswohnungen auf dem Gelände lebenden Arbeiter*innen berichtete. Er hat sein ganzes Leben in dieser Nachbarschaft verbracht und führte auch durch die Sozialsiedlung mit 44 Wohnungen, die die Stadt Venedig 1985-91 in leerstehenden Fabrikbauten und ehemaligen Wohnungen realisierte. 


Ex-Brauerei

Das große Kulturzentrum war (Samstagvormittag und keine aktuelle Nutzung als Biennale-Ausstellungsräume) geschlossen. Die Ausstellungsräume befinden sich in hohen fensterlosen, ein bisschen muffigen Hallen der ehemaligen Brauerei und sind nur für Film- oder sonstige Lichtprojektionen geeignet. Oder bei der diesjährigen Biennale für den Cruising Pavilion. In der Nachbarschaft außerhalb einer Führung herumzulaufen ist möglich, wenn auch die Rücksicht auf die Bewohner*innen das nicht rät, aber ein Besuch der Ausstellungsräume ist vielleicht zur Kunstbiennale ab Mai im Angebot. Dieser Besuch zur Geschichte der Brauerei jedenfalls  war ein Gewinn, vor allem durch die engagierte Persönlichkeit des Führers. 


Ex-Brauerei,
ein letztes Foto vergangenen venezianischen Decors

3. Etappe: ehemalige Herion-Fabrik in der ex-Kirche Cosmas e Damiano + Kultur- und Wohnzentrum im Gebäudekomplex. 
Begleiter in der Kirche war der Geschäftsführer von Serendpt (auszusprechen wie serendipity = engl.: unerwartete, glückliche Entdeckung). Das ist ein Zusammenschluss von Forschungsprojekten und Startups in ganz Venedig, der nach verschiedenen industriellen Nutzungen der Kirche als Produktionsstätte von Herion jetzt seinen Sitz hier hat.



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Kleines Ausstattungsdetail
in der Apsis S. Cosmas e Damiano - gibt zu denken!

Wow. Das war eine Überraschung. Es gibt alte Fotos von Arbeiterinnen an Webstühlen der ehemaligen Herion-Weberei auf mehreren Zwischenetagen, auf denen nicht mehr zu erkennen ist, dass es sich bei den Räumen und ein Kirchenschiff handelt. Jetzt sind die wenigen erhaltenen Reste der Kirchenausstattung und die überlebenden Fresken restauriert und schmücken die Apsis. Das Kirchenschiff wurde mit Glaswänden (ähnlich wie in der Tesa 105 des Arsenale) in Büroräume/Arbeitsplätze untergliedert, die von allen Seiten einsehbar sind. Weitere Räume gibt es im Pfarrhaus hinter der Kirche. Das Projekt startete klein bereits vor 30 Jahren, ist in Erweiterung begriffen (hier auf englisch) und man ist interessiert, weitere Startups zu integrieren und hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen. Ein beeindruckender "Arbeitgeber" und ein ermutigendes Projekt jenseits touristischer Dienstleistungen, von dem man Venedig mehr wünscht. 





 Im wunderschönen Kreuzgang im Schatten der Kirche Cosmas und Damian trat der nächste Führer an, der über die Entwicklung des ehemaligen Klostergebäudekomplexes, in städtischem Besitz seit den 90er Jahren, berichtete. Die Gruppe konnte (endlich mal) zwischen den Säulen des Kreuzgangs entspannt Platz nehmen und war ganz Ohr beim Vortrag, aber visuell sehr abgelenkt von einem zärtlichen felinen Paar, das hinter dem Vortragenden miteinander beschäftigt war. Der arme Referent hatte bereits einen Teil seiner Fassung verloren, weil die ganze Gruppe entzückt mit den Kameras in seine Richtung zielte, dreht sich dann aber zum Glück mal kurz um...!


Wie man schon auf der Karte sehen kann: eine Galerie, Ausstellungsräume (auch regelmäßig Biennale, und nicht nur Nebenevents) in der Sala del Camino, darüberhinaus 12 Kunsthandwerker*innenateliers und -werkstätten, eine Theaterwerkstatt und, wichtig, das Archiv Luigi Nono. Es wurden 24 Sozialwohnungen eingebaut, zu denen auch die Nutzung des großen Gartens gehört, den man vom Kreuzgang aus erreichen kann (deshalb die Verlinkung auf Googlemaps oben, um das große Grüngelände zu zeigen). 



Die nächste der 6 Stationen der postindustriellen Wanderung war der große ehemalige Junghans-Komplex. Die Brüder Herion (siehe oben, Cosmas und Damian) gründeten 1878 die erste Produktion von Präzisionsmechanik, in die die deutsche Uhrenfirma einstieg.
Hier trat auf ein echter ehemaliger Junghans-Arbeiter, um nicht zu sagen Malocher, der hier seine Berufsausbildung und dann ein ganzes Arbeitsleben absolvierte. Der Mann erinnert sich an alles und erzählt, wie alle anderen bisher, frei und ohne Spickzettel, vom Arbeitsalltag, den Kollegen, der miterlebten Firmengeschichte und der Schließung, und von dramatischen und witzigen Details. Und lässt Historisches wie die Phase der Kriegsproduktion von Spezialuhren für Zünder und ähnlicher Dinge nicht aus. 
Wir ziehen durch das ehemalige Firmengelände, auch hier wohnten neben den Produktionsstätten die Arbeiter*innen und Angestellten. Einige ältere Wohnpalazzi, also Mietwohnungshäuser, sind erhalten, aber nach dem langen  Niedergang des Komplexes wurde hier zum Jahrtausendwechsel das moderne "Quartiere Junghans" gebaut. (Siehe dazu 2 deutschsprachige Artikel: "Wo wohnen eigentlich die Venezianer?", Berliner Zeitung vom 16.9.16 und BAUWELT 32/2013 "Junghans auf Giudecca".)

Campo Junghans - rechts eines der alten Junghans-Wohnhäuser

Der zweite Junghans-Führer ist ein aus Afrika stammender Student, gut gelaunt und kommunikativ sowie derzeit Bewohner des Wohnheims für Studierende, das einen Teil der ehemaligen Büros und Produktionsstätten belegt. Er führt durch das Erdgeschoss der Residenza Universitaria, wo Fotos der Junghans-Geschichte und vielen Arbeitsplätzen jede freie Wandstelle zieren, und der Junghans-Arbeiter erläutert die Fotos im Detail und bricht immer wieder in sozusagen nostalgische Begeisterung aus. (Ich nehme an, das entspricht der Ruhrpott-Nostalgie vom Arbeitsglück und Zusammenhalt unter Tage in Erinnerung eigentlich grauenhafter Arbeitsbedingungen...)

Junghans, verkürzter Ex-Fabrikschlot

Letzter Industriestandort der Agenda: der Komplex der CNOMV, sozusagen der ehemalige marine städtische Bauhof Venedigs. Jetzt die Marina della Giudecca mit einem Bootsparkhaus für 460 Boote bis 20 m Länge, 24/7 geöffnet, computergestützt natürlich. Umgeben von einer Reihe von Fachwerkstätten, in denen von Bootsmotoren bis Holzschiffen alles repariert werden kann, inkl. der Pflege und Instandhaltung historischer Boote. Außerdem gibt es Nautikbedarf, den Ruderverein der Giudecca und ein Restaurant, wie man auf Googlemaps sehen kann. Der hinzugezogene Fachmann war natürlich ein echter Fachmann auf einem Gebiet, von dem ich keine Ahnung und also keinen italienischen Wortschatz habe. Sein Vortrag muss aber sehr interessant gewesen sein, zu urteilen nach der Aufmerksamkeit der Gruppe, die sich immer enger um ihn drängte. Was auch an dem Rabatz einiger Kinder lag, die sich mit einer Art Trailer vergnügten, was zu beobachten mich voll für das entschädigte, was ich sprachlich nicht mitbekam.

Görenvolk in der Marina della Giudecca

Letzte Station! Villa Hériot, Sitz von IVESER. Ehemalige Residenz eines Industriellen, des französischen Seifen- und Kosmetikproduzenten Hériot, jetzt im städtischen Besitz, mit öffentlicher Bibliothek, Archiv, freundlichen Kolleg*innen. Wir bekamen Wasserflaschen in die Hand und noch eine kurze Geschichte des Hauses bzw. seiner Besitzer verpasst, es war Samstagnachmittag und nicht nur wir Teilnehmer*innen waren nach fast 4 Stunden am Ende unserer Kapazitäten, sondern auch die IVESER-Leute wollten ins Wochenende. 
Villa Hériot, Sitz von IVESER


IVESER bietet in Venedig 7 hochinteressante Rundgänge zur jüngeren Geschichte und Politik Venedigs an. Nicht nur 'alte' venezianische Geschichte ist hochinteressant, sondern auch das, was damals und heute verbindet und ein wichtiger historischer Teil Venedigs ist. Vor allem, wenn es so qualifiziert und engagiert überreicht wird wie bei dieser Führung. Die Führungen finden leider nicht regelmäßig statt. Sie werden auf der Website mit genügendem Vorlauf angekündigt, und auch ich nehme sie in meine Halbjahres-Kulturkalender auf, unter dem Inhaltspunkt "Führungen". 




Hier kann man viel von dem, was ich auf dieser Führung erfahren habe, aus dem Mund Gualtiero Bertellis hören (und sehen), Arbeitersohn von der Giudecca, Musiker und Musikwissenschaftler. 

Auch er spricht, wie die Begleiter dieser Führung (außer dem gesamtführenden Historiker von IVESER und natürlich dem afrikanischen Studenten), selbstverständlich kein lupenreines italienisch, sondern ist venezianisch in der Wolle gefärbt.
Und, der Vollständigkeit halber, ist hier seine sehr populäre Musik zu hören:





Der "Architekturführer Venedig" (siehe Eintrag vom 9.6.2014 "Architekturführer Venedig" widmet den Industriebauten bzw. Neubauten von denen in diesem Eintrag die Rede ist, ausführliche 10 Seiten 183-193. Nochmals dringend zu empfehlen!


Lagunenufer der Villa Hériot

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11. Dezember 2018

San Beneto restauriert und geöffnet

Quelle: Comune Venezia

40 Jahre war die Kirche am Campo S. Beneto, an dem auch der Palazzo Fortuny steht, geschlossen. Und ich hatte erwartet, dass es zu meinen Lebzeiten dabei bleibt. Aber zum Jahresende gibt es eine dieser schönen venezianischen Überraschungen: eine Tür hat sich geöffnet! 

Der erste Bau von S. Benedetto, genannt Beneto, wurde 1005 von 3 venezianischen Familien gegründet und schon 1013 dem Kloster Brondolo überlassen. Nach wechselnden Besitzverhältnissen erklärte Papst Eugen IV die Kirche 1435 als unabhängig. Hundert Jahre später, am 29.11.1540, stürzte ohne Vorwarnung aus Altersschwäche der Turm bis auf die Grundmauern ein und riss ein Viertel des Gebäudes zum Campo mit nieder. Erst Anfang des 17. JH wurde die Ruine wieder aufgebaut und 1695 geweiht, zunächst als Pfarrkirche, aber 1810 der Gemeinde S. Luca untergeordnet. Gehört also trotz des alten Ursprungs zu den eher 'neueren' Kirchen Venedigs.

In Venedig sind derzeit 30 Kirchen geschlossen, für eine gemischte Nutzung (kirchliche und kulturelle wie Konzerte, Ausstellungen etc.) hofft die Diözese derzeit auf Mittel für die renovierungs- bzw. restaurierungsbedürftigen Gebäude von Sant' Aponal, Spirito Santo, S. M. Maddalena und Sant' Andrea della Zirada. Im Sommer 2019 wird San Lorenzo nach denkmalforschender und -schützender Auswertung und  Restaurierung als Hauptstandort und Ausstellungsraum der TBA21 Academy wieder eröffnet werden, siehe auch 3 Einträge San. Lorenzo.) 

Die Idee zur Restaurierung S. Benetos wurde von der venezianischen Sektion der CNA (Confederazione Nazionale dell' Artigianato) entwickelt, von der Diözese in Auftrag gegeben, gesponsert wurde sie von einer regionalen Bausparkasse.
Interessant an dem Projekt sind neben der Wiedereröffnung eines kulturellen Schatzes auch die Restaurierungsarbeiten selbst, die von eingesessenen Handwerks-/ Kunsthandwerksbetrieben als Kooperationsprojekt durchgeführt wurden. Spazio Legno, Ditta FelinoGiampaolo BuchiSansovino Restauri und Roberto Patrizio haben ihre Arbeitsanteile nicht unabhängig voneinander, sondern als Lernprojekt der Teamarbeit von Einzelfirmen verschiedener Fachbereiche bei der Restaurierung historischer Gebäude absolviert. Insofern hat die Sache einen gewissen Türöffnercharakter, und die Eröffnungsfeier gestern war ein Treffen venezianischer Prominenz von Kirche, Bauunternehmertum, Kunsthandwerk, Denkmalpflege und städtischer Tourismusorganisation. 

Trotzdem hat sich die 'neue' Kirche noch nicht herumgesprochen, keine der einschlägigen Webseiten weist bisher Venedigbesucher*innen auf die frische Sehenswürdigkeit hin, z. B. auch nicht das Zentralorgan Venezia Unica. Die Website der Stadt Venedig informiert,  aber anscheinend sind noch keine Öffnungszeiten bekannt. 
Korrespondent*innen, die in den Wintermonaten in Venedig sind und den Campo S. Beneto besuchen, sind eingeladen, diese Informationslücke zu schließen. Gerne auch mit Foto!

Quelle: Comune Venezia



Ergänzung 12.01.
Nachricht eines Korrespondenten: S. Beneto ist (war in der 1. Januarwoche) geschlossen, es hängt bisher auch keine Information über Öffnungszeiten aus. Ganz überraschend ist das nicht, aber schade. Herzlichen Dank für die Information! 

Ergänzung 16.1.
Wird bestätigt durch einen weiteren Korrespondenten: S. Beneto ist bisher nicht regulär geöffnet. Ich bemühe mich um weitere Informationen. Besten Dank wieder einmal, J. W.!


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4. Dezember 2018

Weihnachten 2018 und Neujahr 2019 in Venedig


Wie schon zu den Festtagen zum Jahreswechsel 2017/2018 stelle ich hier eine Liste der Veranstaltungen um Weihnachten und Neujahr herum zusammen, einfach nach Datum und nicht nach Themen sortiert. Den alten Eintrag kurz zu lesen lohnt sich auf jeden Fall - wegen des langen interessanten Kommentars von Aldebaran zur venezianischen Krippentradition in den katholischen Kirchen, aber auch weiterer Hinweise, die Ideen zum Weihnachturlaub 2018 in Venedig beitragen können.

Ich wünsche frohe Tage zum Jahresende, seien Sie genussreich oder kontemplativ, und Inspiration, Gesundheit und Glück für das neue Jahr.





Zunächst ein Auszug aus dem Kulturkalender des 1. Halbjahres 2019 mit den Ausstellungen, die bis zum 7.1. laufen:


bis 6.1. Ca' Pesaro: "Angelo Morbelli. Das Gedicht des Alters." Die Sammlung der Ca' Pesaro enthält ein melancholisches Werk dieses Gemäldezyklus' über das Altenheim Trivulzio von Angelo Morbelli, und 2017 brachte Alexander Kluge in seiner Ausstellung "The Boat is Leaking. The Captain Lied." einige weitere dazu und replizierte den Aufenthaltsraum. Nun zeigt die Ca' Pesaro zum ersten Mal wieder die gesamte Serie zusammen, was für eine Freude! Haltestelle S. Stae.

bis 6.1. Casa Tre Oci: "Willy Ronis. Fotografie 1934-1998". Werke der Dokumentarfotografie des Willy Ronis. Haltestelle Zitelle.

bis 6.1. Tintoretto - die große Geburtstagsshow in der ganzen Stadt.

bis 6.1. Palazzo Mocenigo: "Venedig zur Zeit Tintorettos". Haltestelle S. Stae.

bis 6.1. Gallerie dell'Accademia Sonderausstellung "Der junge Tintoretto".

bis 6.1. Negozio Olivetti "La Pelle del Vetro". Glaskunst nach Entwürfen des venezianischen Architekten Carlo Scarpa, der auch für die Innenausstattung des berühmten Olivetti-Geschäfts an der Piazza San Marco verantwortlich ist. 8 € Eintritt, Ermäßigungen

bis 6.1. Mazzorbo, Weingut Venissa: Fotoausstellung von Werken des venezianischen Fotografen Maurizio Rossi - I mestieri della Venezia nativa. Siehe auch Eintrag vom 13.7.2012 "Die Pracht eines Nutzgartens auf Mazzorbo". Eintritt frei. Haltestelle Linea N Mazzorbo.

bis 6.1. Ca PesaroEpoca Fiorucci

bis 6.1. Ikona Venezia Gallery: Vjenceslav Richter "Object - that is everything!" (verlängert). Haltestelle Guglie.

bis 6.1. Fondazione Querini Stampalia: "Intellectual Creations" Ausstellung zeitgenössischer Lackarbeiten aus China. Haltestelle S. Zaccaria.

bis 7.1. Museo Correr: "Printing R-Revolution 1450-1500. 50 Jahre, die Europa veränderten." Abschlussausstellung eines Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford und internationalen Wissenschaftler*innen und Bibliotheken. Mehr zum Projekt und vor allem in diesem Film "15cBOOKTRADE".

bis 7.1.  Ca' d'Oro : Parallel zu den Tintoretto-Ausstellungen gibt es "Contemporary Dialogues with Tintoretto" mit Werken von 12 Gegenwartskünstler*innen. Solche Begegnungen finde ich selber immer sehr spannend und inspirierend. Mehr dazu, inklusive einigen Bildern. 

bis 7.1. Ca' Rezzonico: "Anton Maria Zanetti und seiner Maler". Hinterlassenschaft des venezianischen Künstlers, Sammlers und Kunsthändlers Anton Maria Zanetti. Haltestelle Ca' Rezzonico.

bis 7.1. Palazzo Fortuny: "FutuRuins" in Zusammenarbeit mit dem Museum Eremitage S. Petersburg. Haltestelle S. Angelo oder Rialto.


bis 9.1.  Galerie Marignana Arte: "Generations" . 5 Künstlerinnen. Haltestelle Palanca.


Die 11 städtischen Museen sind am 25.12. und 1.1. geöffnet. Der Dogenpalast, das Museo Correr und der Palazzo Fortuny genehmigen sich Sonderöffnungszeiten von 11-19 Uhr (der Dogenpalast auch am 24.12.),  Ca' Pesaro, Ca' Rezzonico und das Glasmuseum auf Murano nur von 11-17 Uhr. 
Die Casa Tre Oci auf der Giudecca hat an den Festtagen differenzierte Öffnungszeiten

NICHT geöffnet sind am 25.12. und 1.1.2019 die Monumentalsääle der Biblioteca Marciana.

Ausgesetzt sind die Führungen der Ca' Foscari Tour vom 22.12.-6.1.

Öffnungszeiten und Sonderveranstaltungen der Scuola Grande di San Marco (im Ospedale Civile, Campo SS. Givoanni e Paolo)


1.-31.12. Teatro la FeniceZeitplan der Führungen durch das Haus. Immer empfehlenswert.

2., 9., 16. und 23.12. 16 Uhr San Trovaso: Avvento in Musica. Konzerte internationaler Organist*innen an den vier Adventssonntagen auf der Orgel von Gaetano Callido. Sicher ein adventliches Highlight in Venedig. Eintritt frei. Haltestelle Zattere und S. Basilio.

4.-16.12. Fest der Hl. Lucia, eine der VIPs im venezianischen Heiligenkosmos (nicht nur in Neapel und Schweden...). Da die ehemalige Kirche S. Lucia dem Bahnhof weichen musste, befinden sich ihre Reliquien in S. Geremia. Großes Feierprogramm mit Gottesdiensten, Konzerten etc. das zum venezianischen Advent gehört.

6.-9.12. Murano: Nikolausfest mit Gottesdienst, Glaskunstausstellung und Wohltätigkeitsbazar, siehe Bild und Programm oben. Eintritt frei.

7.12. 19 Uhr Fondazione Cini auf San Giorgio Maggiore, Auditorium Lo Squero: Abschlusskonzert des Seminars zur Rezeption Monteverdis im 20. JHProgramm. Eintritt frei. Siehe auch Eintrag "Lo Squero - Neuer Konzertsaal in Venedig".

8.12. 15:30 Uhr Scuola Grande di San Giovanni Evangelista:  Führung im Gebäudekomplex mit Campiello, Kirche und Scuola Grande. In italienischer Sprache, aber auch mit wenigen Sprachkenntnissen sehr zu empfehlen, denn es gibt nicht oft Gelegenheit und die Gebäude und ihre Ausstattung sind enorm beeindruckend. 15 €, Dauer ca. 1,5 Std., Anmeldung erforderlich über museo@scuolasangiovanni.it. 

8.12.-5.3. Eislaufbahn auf dem Campo S. Polo mit Buden und Festzauber.

8.12.-6.1. täglich von 15-20 Uhr, Chioggia: ebenfalls eine Eislaufbahn und ein kleines Weihnachtsdorf. Wenn man schon vormittags startet, ist das ein schöner Tagesausflug. Mit Linien 1 und 5.1./5.2. zum Lido und von dort weiter mit dem Bus Linie 11 bis zur Endhaltestelle Pellestrina, von dort weiter mit dem Anschlussvaporetto nach Chioggia. Gesamtes vor- und nach-Weihnachtsprogramm in Chioggia (zum großen Teil für die Einheimischen).

8.12. Teatrino beim Palazzo GrassiEx Novo Musica.  Details zum Konzert. Eintritt frei. Haltestelle S. Samuele.

12.12. 18 Uhr Palazzo Cavagnis, Saal in der 1. Etagen Weihnachtskonzert der Schüler*innen des Musikgymnasiums. Eintritt frei. (Hier kann man auch wohnen.) 

15.12. 20 Uhr Conservatorio Benedetto Marcello6 Beethoven Klavierkonzerte. Aufführungen von Schüler*innen und Lehrenden im Konzertsaal des Konservatoriums im Palazzo Pisani. Neben dem Musikerlebnis eine der wenigen Gelegenheit, den Palazzo Pisani zu besuchen.  Eintritt frei. Siehe auch Einträge "Giuseppe hatte Geburtstag" und "Konzert im Palazzo Pisani".

15.12. 9 Uhr Serra dei GiardiniMorning Harp. Tanzunterricht mit Harfenbegleitung und Frühstück. Nicht billig, aber was Anderes! Es gibt weitere Termine vom 7.-23.12., die ggfs. nachzufragen wären. Der Wintergarten bei den Giardini ist ein zauberhafter Ort zu jeder Jahreszeit, warum nicht darin tanzen?
Siehe auch Eintrag vom 19.2.13.. Haltestelle Biennale, Arsenale.


16.12. 9:30 Uhr Campo San Giacomo di Rialto (San Giacometo): Lauf der Weihnachtsmänner (naja, Kinder, Frauen...). Jede*r kann teilnehmen, in der Anmeldegebühr von 10 € ist ein rotes Kostüm enthalten und eine Erfrischung in der Serra dei Giardini, dem Ziel der Weihnachtslaufs. Haltestelle Mercato, San Silvestro oder Rialto.

20.12. 20:45 Uhr  Kirche der Pietà, Weihnachtskonzert des Coro Marmolada di Venezia. Sicher ein schönes traditionelles Repertoire regionaler Musik. Eintritt frei. Haltestelle S. Zaccaria.

20.12. 21 Uhr Teatro Goldoni: Hevia Konzert elektronischer Dudelsack-Weltmusik der Gruppe um José Ángel HeviaHier reinhören - in weihnachtsfreie Stimmung kommen, haha! Karten. Haltestelle Rialto.


21.12. Fondazione Cini: die seit September ausgesetzten Führungen im Komplex der Fondazione Cini finden ab heute wieder täglich statt. Siehe Eintrag "Empfehlung: neues Besuchskonzept auf S. Giorgio Maggiore". Laut Berichten scheinen die 10 Kapellen des vatikanischen Beitrags zur Architekturbiennale nicht abgebaut zu sein (um direkte Verwendung an anderen Orten zu finden) sondern auf mindestens 3 Jahre im Park von S. Giorgio M. zu bleiben und dort in die Führungen einbezogen zu werden. Siehe "Der Heilige Stuhl und die Architekturbiennale". Wenn die Information richtig ist, fände ich das eine wunderbare Sache, der Park war Besucher*innen zum ersten Mal zur Architekturbiennale zugänglich ist ein sehenswertes Grün in Venedig - und die Kapellen eine Bereicherung.

21.12. 16 Uhr Museo Palazzo Grimani "Die Grimani zwischen Venedig und Rom". Kostenlose Führung (Eintrittskarte vorausgesetzt) in italienischer Sprache anlässlich der 10 Jahre seit Eröffnung des Palazzo Grimani nach seiner Restaurierung. Die Führungen sind immer ausgezeichnet und sehr zu empfehlen. Telefonische Anmeldung ist auch zu empfehlen, die Führungen sind gefragt. 0039-0412411507.
Siehe auch Einträge im Label 'Palazzo Grimani'.

21.-22.12. "Da San Martino a Natale" 5. Ausgabe des vorweihnachtlichen Musikfestivals verschiedener Ensembles an verschiedenen Veranstaltungsorten. Programm (Posti ersauriti = ausverkauft)

21.12. 18 Uhr Scuola Grande di  San Giovanni Evangelista:  Weihnachtskonzert "Angelus ad Pastores". Musik von Gabrieli, Legrenzi, Rigatti. Ausführende: Studierende und Lehrende des Conservatorio Benedetto Marcello. Im Saal San Giovanni. Einritt frei.

22.12. 11:30 Uhr Ausstellungsräume der Fondazione Bevilacqua La Masa, Markusplatz: Kostenlose Führung durch die Ausstellung "Chi sono io?" in italienischer Sprache. Anmeldung unter mlb@mlbgallery.com. 

22.12. 19 Uhr und 23.12. 16 und 19 Uhr Teatro Goldoni:  Christmas Special Guests. Wers gerne mag an Weihnachten - Weihnachtsgefühle. Haltestelle Rialto.

22.12. 20 Uhr un 23.12. 10 Uhr Teatro La Fenice: Konzerte unter Leitung von Renato Palumbo. Es gibt einige Konzerte des Teatro La Fenice, die nur für geladene Gäste veranstaltet werden, und andere, deren Karten nicht online erhältlich sind. In diesem Fall gibt es online Karten, siehe Link. Es empfiehlt sich in Venedig, morgens an der Kasse des Fenice nachzufragen, ob es noch Karten, oder zurückgegebene Karten, für die jeweilige Abendveranstaltung gibt. Haltestellen Giglio, Vallaresso, S. Angelo.

24., 25. und 31.12. San Marco: Feiergottesdienste mit dem Patriarchen und voller Beleuchtung der goldenen Basilika di San Marco, Musik, Weihrauch etc., ein Erlebnis auch für Nichtgläubige. Zu Gottesdiensten betritt man San Marco durch das Nordportal dei Fiori.

26.12. 16 Uhr Basilica dei Frari: Weihnachtskonzert. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.

26.12. Fest Santo Stefano. In den Kirchen Santo Stefano (auch auf Wikipedia) und San Giorgio Maggiore (die eine Stefano-Reliquie besitzt) gibt es Feiergottesdienste, vielleicht Konzerte, ich habe leider kein Programm. Bitte Aushänge an den Kirchen beachten oder auf gut Glück vorbeigehen/fahren. Ich nehme an, dass in S. Stefano die Pala d'Argento geöffnet wird, die man nur an wenigen Tagen im Jahr bewundern kann. 

26.12. 17 und 20:30 Uhr Teatro Goldoni:  Schwanensee. Wers gerne mag an Weihnachten - russisches Ballett. Haltestelle Rialto.

27.12. 17 Uhr Museo Palazzo Grimani: Konzert "La Danza e la Variazione" von


L'Offerta Musicale Venezia. Im Museumseintritt enthalten, bitte Voranmeldung unter 0039-041 2411507
Siehe auch Eintrag "...das Projekt für Appassionati"



28.12. 15:30 Uhr Scuola Grande di San Giovanni Evangelista:  die 2. Führung im Gebäudekomplex mit Campiello, Kirche und Scuola Grande wie schon am 8.12.. In italienischer Sprache, aber auch mit wenigen Sprachkenntnissen sehr zu empfehlen, denn es gibt nicht oft Gelegenheit und die Gebäude und ihre Ausstattung sind enorm beeindruckend. 15 €, Dauer ca. 1,5 Std., Anmeldung erforderlich über museo@scuolasangiovanni.it. 

29. und 30.12. jeweils 18 Uhr Piazza San Marco: Chorsingen. Eintritt frei. Nehmen Sie vorsichtshalber keine Glasflaschen und Pfefferspray mit (siehe auch 31.12.).

30.12. 17 Uhr Museo Palazzo Grimani: Konzert "Misticanza Musicale". Musica Antica Venezia spielt Musik des 15. und 17. JH. Eintritt frei mit Museumseintritt, 

Voranmeldung unter 0039-0412411507
Siehe auch Eintrag "...das Projekt für Appassionati"



31.12. Silvesterdiner an Bord unterwegs in der Laguna Nord. Geschmäcker und Budgets sind verschieden; ich habe eine Lagunenfeier zum ersten Mal im www gefunden und setze es an Anregung hier hin - es gibt sehr viele Optionen, auch individuellere, besinnlichere oder bescheidenere, ins neue Jahr zu wechseln.

31.12. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel findet seit einigen Jahren nicht mehr auf der Piazza S. Marco statt, sondern entlang der Riva und ist nur dort zu beobachten (nicht auf der Piazza, nicht von der Piazzetta aus). Dort gibt es genug Platz im Freien für alle und Standorte nach Wahl: an den diversen Bootshaltestellen (offiziell empfohlen wird das Ufer bei der Haltestelle Arsenale), auf Brücken, weiter nach hinten direkt am Ufer mit freien Blick auf Wasser und Stadt und, vielleicht am romantischsten, am Ufer der Giardini der Biennale oder eine Brücke weiter im Parco delle Rimembranze auf dem Rasen unter Pinien. Dort ist der Blick wegen S. Giorgio Maggiore vielleicht nicht mehr ideal.
Mitbringen von Feuerwerkskörpern, Alkohol, Glasflaschen etc. ist verboten und wird streng kontrolliert.

Die mittlerweile üblichen Maßnahmen zur Kontrolle der Menschenflüsse (Absperrungen, Drehkreuze etc.) werden eingesetzt. Verboten sind Getränke in Glasflaschen und Pfefferspray.  
Die öffentlichen Toiletten bleiben in dieser Nacht geöffnet. 
Hier der Link zu diesen Informationen. 29.12.: hier sind nochmal alle Details. Bitte ansehen, auch wenn man kein italienisch lesen kann.
Verkehrshinsweise der ACTV (Verkehrsanpassungen, wichtig auch die Hinweise für Tagesgäste zum zügigen Verlassen der Stadt, auch auf Twitter und der App.

1.1. 11:15 Lido, Strand am Blue Moon: 34. Neujahrsschwimmen und eine einzigartig-venezianische Art, das neue Jahr im Wasser der Adria zu beginnen. Teilnehmen dürfen alle, Eintritt frei.

1.1. 11:15 Teatro La Fenice: Neujahrskonzert. Das Konzert, das eurovisionsweit am Abend in der Glotze zu sehen ist, dekoriert mit Tanzeinlagen und romantischen Venedigbildern.  Die Tanzaufnahmen wurden Ende November gedreht im Arsenale (noch während der Architekturbiennale), im Palazzo Pisani, dem Sitz des Konservatoriums Benedetto Marcello, und auf  Burano. Programm. Details zum Tanzensemble.
Ich will es einmal gesagt haben, aber dann nicht wieder: die Sitze bzw. Sessel im Fenice sind von unten sehr schön individuell belüftet, aber auch derart klein bzw. schmal, dass ein durchschnittlicher erwachsener Hintern einer nicht asketischen Person sehr eingezwängt wird. Man hält in diesen Sesseln keine längere Oper durch. Aber das Neujahrskonzert ist ja schnell vorbei, also in diesem Fall geht es mit dem Sitz, wenn man sich einmal reingequetscht hat. Haltestelle Giglio, S. Angelo, Vallaresso.

1.1. 12 Uhr Peggy Guggenheim Collection: Aufs neue Jahr anstoßen! Ab Mittag des Neujahrstages wird mitten in der Kunst mit einem Spritz geprostet, schöne Idee, kostenlos, Eintrittskarte vorausgesetzt. Haltestelle Accademia und Salute.

4. und 5. 1. 19 Uhr Teatro La Fenice: La Traviata. Online Karten unter dem Link, oder am Morgen an der Teaterkasse nach zurückgegebenen (vielleicht günstigen!) Karten fragen. Haltestelle Giglio, S. Angelo, Vallaresso. 

6.1. Domenica al Museo - der erste Sonntag im Monat ist auch 2019 in staatlichen Museen Italiens kostenfrei! (Ganz nach unten scrollen: Veneto.)

6.1. 15:30 Uhr Scuola Grande di San Giovanni Evangelista:  Führung im Gebäudekomplex mit Campiello, Kirche und Scuola Grande. In italienischer Sprache, aber auch mit wenigen Sprachkenntnissen sehr zu empfehlen, denn es gibt nicht oft Gelegenheit und die Gebäude und ihre Ausstattung sind enorm beeindruckend. 15 €, Dauer ca. 1,5 Std., Anmeldung erforderlich über museo@scuolasangiovanni.it. 

6.1. 16 Uhr Basilica dei FrariNeujahrskonzert. Eintritt frei. Haltestelle S. Tomà.

6.1. Regatta der Befane (Hexen der Epifanie). (siehe Befane 2018)
9:30 Uhr Abfahrt des Festzugs der Befane am Bootshaus an den Magazini di Sale (bei der letzten Brücke, am Bootskran) Richtung Canal Grande
10:30 Uhr Ankunft des Festzugs an der Rialtobrücke, Musik, Vorstellung der Befane etc.
11:00 Uhr Start der Regatta in Richtung S. Angelo, Rückkehr zum Rialto über den Rio S. Polo
11:15 Uhr Ankunft an der Rialtobrücke, Preisverleihung


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Der Eintrag ist unvollständig, wir wissen ja, dass venezianische Termine dazu neigen, unvorhergesehen und plötzlich vom Himmel zu fallen. Wird also weiter ergänzt. Ergänzungen, auch sehr kurzfristig aus Venedig, sind wie immer sehr willkommen.
(Für Termine nach dem 7.1. siehe Kulturtermine 1. Halbjahr 2019.)






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