19. September 2020

Ruth Bader Ginsburg



Ruth Bader Ginsburg starb heute Nacht. Ein unendlicher Verlust nicht nur für die U.S. und deren gefährdete Demokratie und Justiz. Für mich ist sie nicht nur die herausragende Richterin des Supreme Court und Verfechterin der Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch eine Ikone des trotz körperlicher Einbußen ungebrochenen Alterns.

Die Verbindung Ruth Bader Ginsburgs nach Venedig führt über die Erinnerung an die Gründung des Ghettos von Venedig 1516, wo sie bei der Aufführung des "Kaufmann von Venedig" die Rolle des Richters übernahm. Hier ein Foto aus der Scuola Grande di San Rocco, gefunden auf dem Twitter von Luisella Romeo.


Auf dem YouTube Kanal der U.S. Library of Congress ist die venezianische Inszenierung als Lesung zu sehen. Ruth Bader Ginsburg, Richterin des Supreme Court in der Rolle des Richters bei Shakespare.


"Justice for Shylock: 





Ergänzung 24.9.
ytali. veröffentlichte am 22.9. einen sehr lesenswerten Bericht, eine Hommage an RBG:

Die Recherche nach der RAI-Dokumentation von Felice Cappa "Perché Shylock" brachte folgendes Ergebenis: 
"Shakespeare in and Beyond the Ghetto" mit mehreren weiterführungen Links (wenn auch nicht die gesuchte Doku).


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17. September 2020

Dorsoduro Museum Mile




Das Projekt Dorsoduro Museum Mile, eingeführt 2015 und dann, wie viele venezianische Versuche, anscheinend verdämmert, wird wiederbelebt. Das ist sicher der Notwendigkeit zu danken, von den wenigen Besucher*innen mehr in die Museen zu holen. Und bleibt hoffentlich nicht wie viele der Marketingaktionen wieder nach einer Saison Laufzeit auf der Strecke. 

Heute, 18.9.20, geht die Sache an den Start. Beteiligt sind 4 herausragende unter den wunderbaren Museen Venedigs, alle unbedingt auf der Liste seriöser Venedigtourist*innen:

Galerie dell'Accademia, eines der staatlichen Museen des Veneto (Mo 8:15-14 Uhr, Di-So 8:15-19:15 Uhr)

Palazzo Cini, eines der Ausstellungsgebäude der Fondazione Cini (Fr-So 12-20 Uhr)

Peggy Guggenheim Collection (Mi-Mo 10-18 Uhr)

Punta Dogana und Palazzo Grassi, die beiden Ausstellunghäuser der Pinault-Collection (Mi-Mo 10-19 Uhr)


Mit dem Ticketkauf für eines der Häuser gibt es in der Folge Ermäßigungen in den 3 anderen:
die Normalkarte für Guggenheim sinkt von 15 auf 13 €,
Dogana inkl. Grassi von 15 auf 12 €,
Palazzo Cini von 10 auf 7 €,
Accademia von 12 auf 9 €. 

Die 4 Häuser liegen auf dem extrem kurzen Fußweg zwischen den Haltestellen Accademia und Salute. Wer eine kurze Pause von der Distanz und eine dringend eine Dosis Kunst benötigt, ist an der äußersten Westspitze von Dorsoduro gut aufgehoben.

Die ARTRIBUNE schreibt dazu am 29.9.: A Venezia si rilancia il Dorsoduro Museum Mile: quali sono le istituzioni che fanno rete.




Die vielen weiteren ständigen Ausstellungshäuser im Sestiere Dorsoduro (Rezzonico, Pesaro, Prada/Ca'Corner della Regina, Mocenigo, V-A-T, Bevilacqua La Masa...) sind in dieser Aktion nicht enthalten. Macht nichts, das Angebot der 4 Häuser zu nutzen empfiehlt sich unbedingt.



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9. September 2020

Herbstbeginn in Venedig





Heute morgen hat man die Passerelle aus dem Winterlager geholt, damit auch in diesem Winter die Plätze und Gassen begehbar bleiben, die als erste unter Wasser stehen. Wenn das Wasser kommt.

Im Juni und im August gab es überraschend Hochwasser, das wieder die Basilica San Marco unter Wasser setzte. Der geplante gläserne Hochwasserschutz für das kostbarste Gebäude Venedigs hängt, wer hätte es anders erwartet, noch in der Bürokratie fest. 
Vor 2 Tagen versenkte ein Hagelgewitter mehrere Gondeln am Ufer der Piazzetta, überflutete Straßen auf dem Lido, unterbrach teilweise die Stromversorgung in der Stadt.
Der Schutz durch das Projekt M.O.S.E. steht weiter in Zweifel, die Wasserschutztore sind leck.

Nach allem Schrecken der letzten 10 Monate wollen wir Venedig einen Herbst und Winter ohne Naturkatastrophen wünschen.


 🙏

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3. September 2020

Molecole. Filmfest Venedig 2020



Die venezianischen Filmfestspiele finden 2020 mit kurzem Wettbewerbsprogramm (hohe Quote weiblicher Regisseure), unter Medienaufmerksamkeit des Sonderfalls, Covid-19-Vorkehrungen und in einer leicht pathetischen Gefühlslage statt. Die Pathetik geht in Ordnung, wenn sie von Tilda Swinton formuliert und das Fest mit "Molecole", einem einstündigen Dokufilm von Andrea Segre zum Lockdown Venedigs eröffnet wird. Ich hoffe sehr, der Film wird bald auch in deutschen Kinos, bzw. Fernsehanstalten bzw. auf DVD zu sehen sein.





Dazu siehe auch: 
Tagesspiegel: Weniger Hype, mehr Demut
artechock: Tod und Venedig
ttt: Trotz Corona: Die 77. Filmfestspiele in Venedig (online bis 7.9.2021)
La Nuova: Molecole: il lockdown di Venezia anteprima della Mostra del Cinema
Metropolitano.it: La pre-apertura di Segre legata al lockdown
Il Manifesto: Ho ascoltato i tormenti di Venezia nei giorni duri del lockdown
La Repubblica: Venezia 77, 'Molecole', la laguna in quarantena.



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1. September 2020

3 restaurierte Kirchen in San Marco und ein Fund auf Torcello

San Bartolomeo, Salizada Pio X am Fuß der Rialtobrücke.
Portal zwischen Schaufenstern 

Mehr als 30 von ca. 100 Kirchen in Venedig stehen ungenutzt, die Immobilien  wie auch der dort vorhandene Schatz an Kunstwerken und Belegen venezianischer Geschichte rotten unbewundert langsam vor sich hin. Auch wenn sie profaniert wurden, gehören die Kirchen noch dem Patriarchat Venedig, das mit der Pflege dieses Eigentums materiell und fachlich überfordert ist.
2017  beschloss man die Konservierung und Umnutzung der Kirchen Schritt für Schritt. Siehe 2.2.17 La Nuova: "Chiese abbandonate?: Diventiono luoghi di lavoro adottati dalle imprese" und 7.4.17 Veneto e Economia: "Venezia, nuovi usi per 30 chiese abbandonate: cultura, carità ed eventi". 

Die wissenschaftliche Unterstützung des Projekts wird von der Universität IUAV bereitgestellt, finanzielle Unterstützung ist in Venedig, wie wir wissen, breit gestreut durch Stiftungen (siehe die Liste von Venedig-Förderer-Stiftungen im Eintrag vom 27.10.2016: L'Aqua Granda 1966-2016). Auch die öffentliche italienische Kulturförderplattform Artbonus, die auch Bürger*innen gegen Steuererleichterung die Beteiligung an der Kunstrettung ermöglicht, wurde diesem kirchlichen Projekt geöffnet. (Artbonus hat sich zuletzt an der Restaurierung der königlichen Gärten beteiligt und unterstützt derzeit die Restaurierung der Longhenatreppe auf S. Giorgio Maggiore).
Von den staatlichen Mitteln, die nach dem Hochwassersturm vom 12.11.19 Venedig von den Brugnaro-zitierten "Knien" wieder auf die Beine helfen soll, blieben auch vergleichsweise beachtliche Summen bei Restaurationsprojekten hängen. 

Start ups wie Serendpt nutzen mittlerweile Kirchen als Firmensitz (siehe Eintrag vom 30.12.2018 "Neueste Führung für Fortgeschrittene - postindustrielle Giudecca".
Die Restaurierung von San Lorenzo wurde zunächst von Mexico als Biennale-Pavillon gestartet, dann von der TBA21-Academy übernommen, beeindruckend gestaltet und wird seit 2019 als Stiftungssitz und Veranstaltungsraum genutzt. Zwei Beispiele, die mir ganz besonders gefallen.


Jetzt wird durch den Verantwortlichen für das Kulturerbe der Kurie, GianMatteo Caputo, für die nächsten Wochen die Wiedereröfnnung dreier weiterer Kirchen angekündigt: San Beneto, San Fantin und San Bartolomeo. Alle drei im Sestiere San Marco gelegen.
Wobei die Eröffnung von San Beneto nicht ganz frisch ist: schon im Dezember 2018 wurde sie feierlich für kulturelle Zwecke übergeben (11.12.18: San Beneto restauriert und geöffnet), aber eine regelmäßige Nutzung war zunächst nicht drin (siehe Leserkommentare unter dem Eintrag) - es ging um die Holzwurmbehandlung vor allem der Bänke! Die dann in der Hochwassernacht in im Salzwasser versanken und aufs Neue behandelt werden mussten. Die neue Ankündigung lässt Hoffnung schöpfen, dass dort demnächst (covid-19-angepasst...) Kunstveranstaltungen mit entsprechenden Öffnungszeiten genossen werden können.

San Fantin ist die Kirche gegenüber dem Haupteingang des Teatro La Fenice, zu dem auch die ehemalige Scuola San Fantin, das heutige Ateneo Veneto, gehört. Siehe Eintrag vom 23.11.17 "Neue Führung für Fortgeschrittene: Ateneo Veneto". Sie war in den letzten Jahrzehnten dauerhaft geschlossen, auch die Webseite, auf der San Fantin von der Biennale als Ausstellungsraum angeboten wird, zeigt kleinlich quasi nichts. Zweimal wurde San Fantin vermietet: für die Biennaleausstellung der Ukraine 2011: Oksana Mas' Orgie buntbemalter Eier im ansonsten abgedunkelten Kirchenraum und 2019 ein Theater/ Film/ Ausstellungsprojekt "There is a Beginning in the End" des Pushkin Museums. Eine Veranstaltung (auch diesmal im abgedunkelten Raum), die zum Teil leider an mich verschwendet war - hat mich nicht gepackt. 

San Bartolomeo ist die berühmte Kirche der deutschsprachigen Venezianier*innen und der Gäste im Fondaco Tedesco, ein paar Schritte weiter. Man geht leicht am Holzportal ohne eigene Fassade innerhalb einer Schaufensterreihe vorbei, aber das Innere, ehemals überreich ausgestattet, z. B. mit dem Auftragswerk der deutschen Kaufleute "Rosenkranzfest" von Albrecht Dürer, muss immer noch sehr beeindruckend sein.
Nach der eingehenden Restaurierung fand hier 1994 eine kleine Tintorettoausstellung mit Werken aus venezianischen Kirchen statt und 2011 eine internationale Konferenz zum Gebäude und zur deutschen Kirchengemeinde, außerdem wenige Konzerte. Keine weiteren Ausstellungen meines Wissens. 
Marcianum Press hat in seiner Reihe Chiese di Venezia auch ein Buch zu San Bartolomeo veröffentlicht. Dazu gibt es eine gute Besprechung von Tobias Daniels in den "Sehepunkten".

(Der Vollständigkeit halber: die protestantischen deutschsprachigen Kaufleute nutzten für ihre Gemeinde zunächst einen Raum im Fondaco Tedesco und erwarben später, ein paar Schritte weiter, die ehemalige Scuola San Angelo Custode als ihre Kirche. Siehe auch Eintrag vom 5.2.17 "Lutherjahr - Venedig ist Reformationsstadt Europas".



Die Wiedereröffnung der Kirchen war allerdings nur eine zusätzliche Information bei der Pressekonferenz am 24.7. des Patriarchats zur eigentlichen Sensation: der Entdeckung karolingischer Fresken bei den archäologischen Forschungen auf Torcello! Wow! Als eine der Folgen des Hochwassersturms vom 12.11.2019. Da!
Die Grabungen finden unter Verantwortung des Patriarchats und weitgehender Finanzierung von Save Venice statt. 
Das wissenschaftliche Wunder bleibt natürlich nicht undiskutiert, ist darüberhinaus dem Publikum erstmal nicht zugänglich, aber ich wollte nicht darauf verzichten, darüber zu berichten.

Ich habe wenig Deutschsprachiges dazu gefunden: 
* 24.7.20 Nach-Welt Venedig hat karolingischen und nicht-byzantinischen Ursprung. Dies zeigen die heute gefundenen Fresken aus dem 9. Jahrhundert.
* 24.7.20 Vatican News Restaurierung nach Venedig-Hochwasser bringt Fresken zutage

Italienische Medien berichten ausführlicher und mit vielen Illustrationen (hier nur eine kleine Auswahl!): 
* 24.7.20 La Repubblica Venezia ha origine karolinge en non bizantine. Lo rivelango gli affreschi del IX secolo ora ritrovati
* 24.7.20 Ca' Foscari News La scoperte degli affreschi di Torcello
* 27.7.20 metropolitano.it Gli affreschi medievali di Torcello riscrivono la storia di Venezia
* 28.7.20 Storica National Geographic Rinvenute a Venezia affreschi del IX e X secolo
* 5.8.20 #contagio arte cultura Gli affreschi scoperti a Torcello: una Venezia carolingia?






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16. August 2020

Venedig in der Zeitenwende





Seit  6 Monaten wendet sich die Zeit. Wir wissen, wovon sie sich abgewendet hat, und wer auf die Straße geht, um "mein Leben zurück" zu verlangen, hat den Schuss nicht gehört: hier gibts nichts mehr zurück. Wer meint, mitten in einer Pandemie nicht auf eine Urlaubsreise verzichten zu können und sich aktiv an der Verteilung der Seuche beteiligt, kann gerne versuchen, die Reise mit Geschichtsschutz, geschlossenen Clubs und ggfs. Quarantäne ordentlich zu genießen - wer weiss, wie sich Reisen künftig gestalten werden. 

Denn wir wissen nicht, wohin die Zeit sich wenden wird. 
Erfreulich ist, dass für dieses Jahr die Kreuzfahrtschiffe von der großen Unternehmen  wie Costa und MSC sowie Royal Carribean Venedig meiden und Triest, Genua und Ravenna beglücken. Jetzt feiern die Bürgerinitiativen ihren vorläufigen Sieg. Denn offen ist, wie das 2021 sein wird, denn natürlich wird hinter den Kulissen geackert, damit der Hafen Venedig wieder im Spiel ist, mit möglichst noch mehr Besucher*innenzahlen. 
Erfreulich ist, dass sich im Vorfeld der Regionalwahl am 20.9. erneut venezianische Bürger*innen für einen Wechsel engagieren und eine weitere Wählerintitiative gegründet haben: terra e acqua. (Ab 21.8. mit eigenem Radioprogramm, 4 Wochen vor der Wahl.) Der Bürgermeister krallt sich an seinen Stuhl und behauptet angebliche Erfolge seiner Amtszeit, als ob nicht jeder sähe, dass er nur an der Förderung der Touristindustrie interessiert ist.
14.8. Ytali. Brugnaro. Venezia non può più essere affar suo (1) 
14.8. Ytali. Brugnaro. Venezia non può più essere affar suo (2) 
Aber werden nicht wieder die Wähler*innen von Marghera in die Suppe spucken, wie letztes Jahr, als es um die Trennung der Wasser- und Landstädte Venedigs ging?
Erfreulich ist, dass in Venedig offensichtlich Hygieneregeln und -protokolle sorgfältig eingehalten werden, aber das klappt wohl nur, solange weiter sehr wenige Touristen ankommen (und z. B. keine asiatischen Großreisegruppen durch die Stadt gescheucht werden), aber wie lange? Wenn schon jetzt wieder als "Geheimtipp" in allen internationalen Medien gehandelt wird: das leere Venedig! Darf man nicht verpasst haben! Endlich keine Massen! Nun denn - Leute kommen mittlerweile wieder, ohne Atemschutz, fühlen sich als "Entdecker des ganz wahren Venedigs" und wirken als "Influencer" bis der Markusplatz wieder voll und die Chance vertan ist, mit genügend Zeit neue Konzepte für den Venedigourismus zu entwickeln.

Die Zeitenwende ist im Gange, und man kann nur hoffen, dass möglichst viele Menschen in allen Bereichen und auf allen Ebenen ihren Teil der Verantwortung erkennen und wahrnehmen.


Piazza San Marco, 17.8.2012
Quelle: Skyline

Direkt in den ersten Tagen der Schließung ganz Italiens hat sich der venezianische Kulturjournalist und Sachbuchautor Danilo Reato in den leeren Gassen Venedigs umgesehen. Schon nach dem Schrecken des Hochwassersturms am 12.11.2019 hatte er per Mail nach Bonn berichtet. 
Und jetzt haben wir also schon 1/2 Jahr später einen schönen kleinen Band, der uns seine Eindrücke und Bilder des Shut downs vermittelt. Ein bisschen Trost oder eine freundliche Gabe für die, die zur Zeit um ihren Sehnsuchtsort bangen oder ihn nicht besuchen wollen oder können - aus gesundheitlichen, zeitlichen, vernünftigen, oder ehrenwerten Gründen in dieser ungewissen Zeit. Ein Zeugnis der Zeitenwende, deren Ende und Auswirkungen wir derzeit noch nicht ahnen. 

Das leere Venedig. Ein Sehnsuchtsort in der Zeitenwende. Danilo Reato, Edition Bonn-Venedig im Bonner Verlags-Comptoir. ISBN 978-3-947838-05-9, 69 Abbildungen, 56 Seiten, Hardcover, 14 €.


Quelle: Danilo Reato; Das leere Venedig

Für Venedigfreund*innen in Bonn und Umgebung:

Vortrag des Verlegers Arnold E. Maurer "Soziale und wirtschaftliche Probleme im heutigen Venedig", 25.8.18 Uhr im großen Saal der ev. Kirche Adenauerallee 37.

Seitdem es Zentren des “Overtourism” gibt, gehört Venedig dazu: zu viele Touristen, kein funktio-nierendes Leitsystem, auch keine “Online-Voranmeldung” für ein “Zeitfenster” zur Besichtigung. Dann kam Corona und die Stadt konnte “Luft holen”, ein fragiles Venedig wurde sichtbar, das wagemutige Touristen in den ersten Tagen nach Aufhebung der Reisebeschränkungen gleich wieder unbedingt besuchen wollten (wenn es Journalisten waren, haben sie auch gleich darüber geschrieben). Venedig ist wirklich einzigartig, aber wenn man die Schönheit dieser einst im Zusammenspiel ihrer Bewohner funktionierenden Stadt nicht mehr finden kann, weil sie komplett verstellt ist? Ein “noch mehr” an Tourismus kann die Stadt kaum verkraften, dennoch obsiegen die Wirtschaftsinteressen bislang, bürgerliches Leben wird verdrängt, die Bewohner wandern ab, es bleibt die Fassade, die wir alle als Touristen dann bevölkern.
Dr. Arnold E. Maurer, geb. 1952 in Velbert, Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft, des Fachs Italienisch in Bonn und (Geschichte) in London, Promotion in Vergleichender Literaturwissenschaft mit einem Thema zur venezianisch-deutschsprachigen Literaturbeziehung (zweijähriger Forschungsaufenthalt am Deutschen Studienzentrum in Venedig/ Centro Tedesco di Studi Veneziani), Lehrer an Bonner Schulen, nun – nach der Pensionierung - Verleger von Bonner Verlags-Comptoir/Edition Bonn-Venedig mit Veröffentlichungen im Bereich „populäres Sachbuch“ zu beiden Städten, Autor einiger Beiträge zur Bonner Lokalgeschichte und zum literarischen Italien (u.a. Co-Autor des – auch ins Italienische übersetzten - „Literarischen Führers durch Italien“, von „Venedig. Ein Reisebegleiter“ und „Venedig“ [Anthologie]). Mitglied der Bonner LESE.
Anmeldung unbedingt erforderlich! (lesebonn@web.de), Gäste herzlich willkommen!
Den Vorgaben entsprechend ist die Platzzahl begrenzt. Bitte desinfizieren Sie Ihre Hände vor Betreten des Saales und tragen Sie beim Betreten und Verlassen des Foyers/Saals eine Mund-Nasenmaske.


Siehe auch Einträge
30.1.19 Die Masken der Serenissima vom gleichen Autor
10.8.20 Mehr zur Zukunft Venedigs - Gedanken, Vorschläge, Kritik, Dys- und Utopien
22.3.20 Kristallklar
15.3.20 Stilles Venedig


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10. August 2020

Mehr zur Zukunft Venedigs - Gedanken, Vorschläge, Projekte, Kritik, Dys- und Utopien


Öffentlichkeitsaktion zur massenhaften touristischen
Vermietung privaten Wohnraums,
jetzt an vielen Klingelanlagen zu sehen (1). 

Quelle R.W.


Fortsetzung des Eintrags 


Der Eintrag wurde am 30.7.2020 beschädigt (die meisten, aber nicht alle, Links gelöscht). Die Rekonstruktion wäre nur teilweise und mit viel Zeitaufwand möglich, weg ist weg. Ich lösche den Eintrag nicht, auch verstümmelt bleiben die erhaltenen Texte interessant.
Hier geht die Linksammlung also erstmal weiter als wäre nichts passiert... als Archiv für mich und für Menschen, die Zeit haben zu lesen.




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20.5. City Lab When the Cruise Ships Stop Coming (Artikel wiedergefunden)

9.7. We Are Here Venice Whose City is it Anyway? (Artikel wiedergefunden)



1.8. Metroplitano.it Venezia, Santa Marta: da spiaggia a Cittadella Universitaria

4.8. Emergenza Cultura Grandi Navi: un passo verso la vittoria

4.8. La Nuova San Marco, lastre di vetro anti Acqua alta

5.8. Blog Leben in Venedig Venezianer proben den Aufstand

7.8. La Nuova Nasce l'autorità per gestire laguna per gestire laguna e Mose
* dazu ein Tweet

7.8. Luminosi Giorni Shaul Bassi: my city in the next 5 years

7.8. Springer Link Resiliance and transformation of heritage sites to accomodate for loss and learning in a changing climate

9.8. La Nuova Biennale di Venezia, 20 milioni di Mibactper ampliare gli spazi dentro l'Arsenale 

10.8. Futurism New Climate Paper: Maybe Let's Venice Sink?

10.8. North Carolina State University Landmarks Facing Climate Threats Could 'Transform' Experts Says

11.8. Nordest Economia Crociere, anche Costa sceglie Trieste come home port per i viaggi di Adriatico

11.8. Ytali. Luigi Brugnaro. Ti xe 'na crose

11.8. Cruisetricks Streit zwischen Kreuzfahrt-Gegnern und -Befürwortern erneut entbrannt 12.8. La Repubblica Venezia senza crociere per tutto il 2020

12.8. Phys Org Venice nurtures its lagoon back to health

13.8. The Guardian Venice activists plan a party after two tour operators pull out

13.8. Forbes No Cruise Ships in Venice: Environmental Victory Or Economic Blow?

14.8. Ytali. Brugnaro. Venezia non può più essere affar suo (1)
14.8. Ytali. Brugnaro. Venezia non può più essere affar suo (2)

14.8. Ytali. Venezia: primum habitare


17.8. ZDF Steigende Pegel - Wenn das Wasser kommt. In der Mediathek verfügbar bsi 18.8.2021

20.8. Petra Reski, Wähler*inneninitiative terra e acquaSPENDENAUFRUF zur Unterstützung des Wahlkampfes

27.8. Campaign For A Living Venice UNESCO to Venice: stop the exodus of residents

27.8.-5.9. Cinema Galleggiante "Acque sconociute" schwimmendes Kino "unbekannte Wasser" am Ufer der Giudecca. Toll. Das ist die 2. Sommerveranstaltung für Einheimische nach den Filmabenden im Arsenale, wo die Zuschauerinnen in eigenen Booten vor der Leinwand festmachten. Hier gibt es sowohl Anlegeplätze für private Boote als auch Pontons, auf denen Zuschauer*innen Platz nehmen können, die kein eigenes Boot haben. Anmeldung ab heute Abend möglich und unverzichtbar. Plätze, sortiert nach Familien (oder Freundesgruppen, nehme ich an) werden zugeteilt. Touristenfreie Kulturangebote (derzeit natürlich unter Beachtung aller Covid-Vorsorge-Regeln) sind ein guter Schritt auf dem Weg zur Erneuerung des Bürgergefühls der Venezianer*innen, denke ich. 28.8. Hier zu sehen. Kleiner Bericht von RAI.




28.8. Corriere della Sera Venezia, "sì alle crociere" il grido degli operatori in bacino San Marco.

30.8. Campaign for a Living Venice Venice. The harbour front.

30.8. ytali. Open letter to Candidates fpr Mayor of Venice. (Text von David Landau, Gründer der wunderbaren Stanze del Vetro.)

31.8. La Nuova Basilica sott'acqua, ieri nuova alta marea: i Progetti di difeso sono ancora bloccati. Am 4.8. war die Schlagzeile der Nuova noch ein wenig hoffnungsvoller: San Marco, lastre di vetro anti acqua alta. La Salvaguardia dà il via libera al progetto per Venezia. Die Bürokraten*innen sind beschäftigt mit klugscheißen, San Marco säuft ab.

3.9. ZDF Metropolen in Gefahr: Venedig gegen die Gezeiten. In der Mediathek verfügbar bis 17.9.2021

9.9. SNPA Sistema Nazionale per la Protezione dell'Ambiente: Acqua dolce a Venezia per ripopolare la Laguna di spezie ittiche e ucelli. Umweltprojekt gegen die übermäßige Versalzung der Laguna Nord zum Erhalt der Artenvielfalt.
11.9. ytali. Un piano di contrasto al cambiamento 

20.9. La Nuova Movida, come se non ci fosse il Covid. (Movida=Nachtleben). Schlechte Zukunftsaussichten, trotz weniger Tourist*innen...

21.9. Metropolitano.it Case turistiche affittateagli studenti: l'accordo funziona. Der Plan, Ferienwohnungen, die mangels Touristmus derzeit nicht den üblichen rasenden Gewinn generieren können, werden neuerdings über die Website Appartamenti per studenti a Venezia zu angemessenen Mieten Studierenden überlassen. Auch wenn wir nicht alles glauben, was in der Zeitung steht, scheint es doch voran zu gehen...!

22.9. Venezia Today Ca'Foscari si amplia: investimente da 160 milioni per il Campus di Mestre e San Giobbe. Die Universität Ca'Foscari empandiert weiter räumlich, wissenschaftlich und international.


30.9. La Nuova "Piazza San Marco "si sgretola", chiusi i negozi Veneni e Pagan". Die ersten Luxusgeschäfte der Piazza San Marco schließen, da venezianische Vermieter trotz Corona auf ihren Luxusmieten bestehen. Der Gazzettino sieht die Hälfte der Geschäfte und Hotels bedroht bzw. zum Kauf angeboten und "die Albaner" in Bereitschaft, zu übernehmen.




8.10. La Nuova D'Incà e la ricostruzione dopo gligli scandali: "Sul Mose abbiamo voltato pagina. Basta con gli amici degli amici."  Jajaja, dein Wort in Gottes Ohr. Oder welche Ohren auch immer.



21.10. Metropolitano.it Plateatici a Venezia: pronta la proroga fino dicembre. Verlängerung und vor allem Erweiterung der Außengastronomie bis Dezember.


Wird laufend ergänzt.


Öffentlichkeitsaktion zur massenhaften 
touristischen Vermietung privaten Wohnraums
(2. Detail) Quelle R.W.


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