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7. Januar 2017

Beginnen wir das Jahr...




... mit einer kleinen, aber besonderen Bootsfahrt. Wir sind unterwegs wie immer begleitet von jungen venezianischen Musikern und wie immer in einem traditionellen Lagunenboot. Die Gegend ist verkehrsarm - keine Taxis, schon gar keine Gondeln,  entlang der Arsenalemauern herrscht Ruhe und rechter Hand dahinter, zu gegebener Zeit, Biennalegewimmel. 

Das Boot fährt den Rio delle Verzene (Vergini) entlang und biegt nach links in den Rio di San Daniele ein. Die "Vergini" eigentlich "Vergini di Santa Maria Nascente di Castello", war eines der ältesten Frauenklöster Venedigs, gegründet zu Beginn des 13. JH..
Eines der Klöster wie San Zaccharia, San Lorenzo, La Celestia, in denen reiche und mächtige Familien ihre Töchter standesgemäß vergoldet abstellten - von Verheiratung und Erbschaft ausgeschlossen. Die Äbtissinen der Vergini waren Töchter, Nichten und Schwestern von Dogen, Prokuratoren, Senatoren: Badoer, Contarini, Donà, Gradenigo, Grimani, Malipiero, Querini um nur einige zu nennen. Die Reputation des Konvents war entsprechend hoch angesiedelt und er stand von Beginn 
unter der persönlichen Schirmherrschaft des Dogen. Und wenn auch die Praxis der lockeren Sitten trotz patriachaler und päpstlicher Interventionen nicht in den Griff zu kriegen war, die Fassade stand bis zum Ende der Republik 1797, inklusive eines rituellen Pflichtbesuchs jährlich am 1. Mai mit venezianischem Pomp und Bootskonvoi. 

Die Insel der Vergini mit Kirche und Klostergebäuden
zwischen Arsenale und Insel S. Pietro

Von Kirche und Kloster standen bis 1807 nicht nur die Fassaden, sondern alle Gebäude (siehe Nr. 72 auf dem Stich oben) der Klosterinsel, als sie der Marine zugeeignet wurden. Ab Februar 1809 wurden Kirche und Kloster als "bagno penale", sprich militärisches Gefängnis genutzt, der "barco", die Empore der Nonnen über dem Eingangsbereich der Kirche, als Isolier- und Krankenstation für die Gefangenen. Ab 1822 wurden erste Teile des Chors abgerissen, zwischen 1844 und 1869 alle Gebäude komplett niedergemacht und danach ein Trockendeck installiert. 

Absolut nichts ist erhalten vom ehemaligen Reichtum dieser kleinen Insel. 2001 fand man bei Arbeiten zum Hochwasserschutz die Reste eines Wassertors des Klosters in ca. 1 m Tiefe unter dem jetzigen Ufer, die archäologischen Arbeiten wurden von Archeosub dokumentiert. 
Das an dieser Stelle einzige erhaltene Relikt der Vergini sieht man kaum vom ponte dei pensieri, sondern eben nur vom Wasser aus, zu Beginn der Bootsfahrt (noch mal in den Film reinschaun!) an der langen Mauer rechts, hinter der der heutige "Garten der Vergini" liegt: der obere Teil des ehemaligen Haupteingangs des Konvents, ein gotischer Bogen mit der Madonna, S. Marco und S. Agostino. Er enthält die Inschrift
MDLVII ADI II MAZO
SPES ET AMOR GRATO
CARCERE NOS RETINENT
S.M. DELE VERZENE

"2. Mai 1557 - Hoffnung und Liebe halten uns in diesem angenehmen Kerker."

(Wer sich für das Thema venezianischer Frauenklöster interessiert, dem/der sei, wiederholt, das Buch von Mary Laven " Die Jungfrauen von Venedig. Gebrochene Gelübde - das wahre Leben hinter Klostermauern" dringend empfohlen. Supergünstig bei Fröhlich und Kaufmann. Der Titel kling grausam kitschig, das Buch ISSESABERNICH!)



Die Kunstwerke der Vergini sind, wir kennen das, nah und weit weg gelandet. Alvise Zorzi beschreibt die prächtigen Gebäude und die ehemals vorhandenen Kunstschätze und beklagt die Verluste so sehr, dass mich beim Lesen in seinem Werk "Venezia Scomparsa", immer die Wut packtAuch ein "museo di Berlino" besitzt unter der Nr. 1154 ein Werk Alvise Vivarinis, eine 'Santa Maria Maddalena, von Engeln in den Himmeln getragen und eine anbetetende Priorin'. 
Einiges jedoch ist in Venedig erhalten - eine ganze Reihe von Grabsteinen und Grabdenkmälern im Seminario Patriacale; die 8 kleinen Bilder in S. Alvise aus der Schule von Lazzaro Bastiani, aber von Ruskin witzigerweise als Jugendwerke von Carpaccio interpretiert; ein schönes Pietà-Altarrelief mit Engeln von Giammaria Mosca ca. 1525, in der Kappelle des Gästehauses Cardinal Piazza.  
Andere Werke wurden dokumentiert, sind aber auf weiteren Umwegen irgendwann gänzlich verschwunden.


Giammaria Mosca, Altarrelief im Gästehaus Cardinal Piazza


Nach ihrer militärischen Nutzung als Gefängnis und Trockendock gab es lange keine Verwendung für die Insel der Vergini am östlichen Ausgang des Arsenale. Die Biennale, die sich im Arsenale immer weiter ausbreitet, Gebäude renoviert und friedlicher Nutzung zuführt, nahm sich des Geländes an und ließ es gärtnerisch gestalten aber die wenigen bunkerähnlichen Gebäude erhalten. Ein wunderbares Beispiel zeitgenössischer Gartenplanung, ein Ensemble blühender Sträucher und Stauden, sehr alter Bäume, Wildwuchs, Mauerruinen und zu Ausstellungsräumen konvertierter Militärhütten. Für die Biennale sind die heutigen Giardini delle Vergini ein Glücksfall und für die Stadt Venedig sowieso. Ein Teil des Gartens ist öffentlich, unabhängig von der Biennale erreichbar über die Brücke der Pensieri.

Giardino delle Vergini Oktober 2011



Giardino delle Vergini Mai 2015


Der Giardino delle Vergini ist barrierefrei (über stufenlose Treppenrampen) zu erreichen über die Haltestelle S. Pietro, Linien 4.1-4.2, 5.1-5.2.


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23. Oktober 2016

Marathonbrücke


Heute, Sonntag 23.10. findet der Venice Marathon statt. Alle Brücken auf der Strecke im Centro Storico sind mit Rampen versehen und zwischen Dogana und Giardini Reali ist eine temporäre Brücke installiert. 




Wer auf ZEITRAFFER klickt, kann verfolgen, wie diese Brücke gestern aufgebaut wurde, die Pontons, das Geländer, die Verkleidung des Geländers. Und natürlich den Verkehr. Sehr sehr schnell allerdings. Wer morgen auf Zeitraffer klickt, kann den heutigen Tag und die MarathonläuferInnen in einer Minute vorbeiflitzen sehen.

Die Brücke wird nach dem Marathon sehr schnell wieder abgebaut. Vermutlich heute noch. Die meisten Brückenrampen entlang der Ufer in Dorsoduro, San Marco und Castello bleiben erhalten, zur Freude von mobilitätseingeschränkten Menschen und einheimischen Müttern mit Kinderwagen, die für jeden Weg von A nach B einen Plan mit den wenigsten Brückenüberquerungen im Kopf haben. 
TouristInnen finden Hinweise unter Venezia accessibile, auch in F und E. Zu weiteren Welt- oder europäischen Sprachen kann sich die Verwaltung der schönsten Stadt bisher leider nicht durchringen. 


Fotos vom Venice Marathon 2013


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27. August 2016

Toiletten in Venedig? Notdürftig!

Venezianische Improvisation: Baby wickeln auf dem Campo S. Polo
Seit ein paar Tagen findet wieder einmal das Thema des Gassenpinkelns das Interesse des venezianischen Publikums. Presse und social media zeigen das Bild einer Frau von hinten, entblößt, gereckt und im Begriff öffentlich ihre Notdurft zu verrichten. Das Foto stammt angeblich von einem Gondoliere, der die Frau angeblich auf ihr unangemessenes Verhalten ansprach und die daraufhin angeblich auch noch auf englisch beleidigend wurde. Alles an dieser Geschichte ist unsäglich - die öffentlich pinkelnde Frau, der fotografierende Gondoliere, die Schamlosigkeit beider Personen und ihre sicher doppelt misslungene Kommunikation. Deshalb kein Link zu dieser Geschichte.

Die venezianischen Medien sehen das etwas polarisierter - die respektlose Touristin, das heilige Venedig missbraucht als 'latrina', als 'vespasiano', und der Einheimische, dessen Verhalten keiner Kritik bedarf. Er ist ein Verteidiger. Die Kommentare des Publikums zum Pinkeln meist verächtlich und gehässig, die Wortmeldungen der Tourismusbehörde zum Thema beschwichtigend und gleichzeitig den Respekt der TouristInnen, Recht und Ordnung einfordernd.


Das Pinkelproblem kennt man auch anderswo,
nimmt es aber nicht so persönlich

(Quelle: Notes of Berlin)

Seit Jahren kennen wir das in den Sommermonaten, und was das Pinkeln betrifft, scheint es immer um Frauen zu gehen. In Kanäle oder in Ecken pissende Männer kommen eher nicht vor, dafür gibt es Berichte (gerne mit Kurzvideo) über respektloses Baden hemmungsloser junger Männer in heiligen venezianischen Kanälen. Letzteres kann man gut lassen, aber der Gang zur Toilette ist unverzichtbar. 

Es gibt auf der neuen Website der Comune Venezia leider nur sehr alte statische Daten (warum?) zu BesucherInnenzahlen. In den Medien variiert die Zahl von 10 mio bis 22 mio/Jahr, eine beachtliche Differenz. Ich gehe mal von 50.000 BesucherInnen pro Tag (so viele wie derzeit noch EinwohnerInnen im Centro Storico!) aus. Wie viele öffentliche Toiletten sollten für solche Menschenmassen zur Verfügung stehen? Keine Ahnung, aber Vermieter von mobilen Sanitäranlagen rechnen für Großveranstaltungen so: 

http://www.toilettenvermietung.de/menge.pdf
http://www.druenkler-wc.de/content/service/service_wieviele.htm

Davon kann natürlich in Venedig keine Rede sein. 
Tatsächlich gibt es 14 öffentliche Toiletten - auf der Karte von Venice Wiki fehlen je eine Einrichtung auf den täglich überlaufenen Inseln Burano und Torcello, sind aber auf der Karte der Stadt bzw. des Dienstleisters Veritas notiert. Die einzige öffentliche Toilette auf dem Lido, hinter der Kirche S. M. Elisabetta versorgt eigentlich nur die Fahrgäste der zentralen ACTV-Haltestelle.
(Es gibt im Bereich der
Kreuzschiffahrtanleger weitere 7 Sanitärangebote, die aber nur auf dieser Reiseveranstalterseite auftauchen und vermutlich nur für Schiffspassagiere sind.)
Für die Versorgung von Kleinkindern sind eingerichtet die öffentlichen Toiletten Piazzale Roma, Rialto Novo, San Bartolomeo, San Marco, Bragora, Burano, Torcello und Tronchetto.
Ausdrücklich barrierefreie Toiletten listet die neue Website der Stadt unter dem Menüpunkt "Venezia accesibile" nicht auf. Zwar sind unter "Itinerari senza barriere" die "WC" eingetragen, es fehlen aber Hinweise, ob die Sanitärräume für alle Arten körperlicher Einschränkung zugänglich sind bzw. für welche nicht. Wäre aber im Zweifelsfall eine wichtige Information.
Dazu kommt, dass die öffentlichen Toiletten frühstens 7:30 Uhr öffnen und spätestens um 20 Uhr schließen. Danach ist man auf Gaststätten und Bars angewiesen, die ihrerseits 2 Stunden später schließen, oder verzieht sich zu einer anständigen Zeit ins Hotel. Liste:


Toilette Piazzale Roma
Indirizzo: Ramo Cossetti 456/A
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 8 alle 19
Servizi: Uomini / Donne / Disabili
Toilette Tronchetto
Indirizzo: Isola Nuova del Tronchetto
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 8 alle 19
Servizi: Uomini / Donne / Disabili
Toilette San Bartolomeo
Indirizzo: San Marco 5404
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 8 alle 20
Servizi: Uomini / Donne / Disabili / Fasciatoio
Toilette San Leonardo
Indirizzo: Cannaregio 1586/A
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 7.30 alle 19.30
Servizi: Uomini / Donne / Disabili
Toilette Rialto
Indirizzo: San Polo 551
Orari: Tutti i giorni dalle 7 alle 19
Servizi: Uomini / Donne / Disabili / Fasciatoio
Toilette San Marco – Calle Ascension
Indirizzo: Calle Ascension 1265
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 9 alle 20
Servizi: Uomini / Donne / Disabili / Fasciatoio
Toilette Accademia
Indirizzo: Dorsoduro 1050
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 9 alle 19
Servizi: Uomini / Donne / Disabili
Toilette Bragora
Indirizzo: Castello 4053/54
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 10 alle 19. Chiuso dal 10 Novembre al 31 Gennaio
Servizi: Uomini / Donne / Disabili / Fasciatoio
Toilette Murano
Indirizzo:Fondamenta Serenella
Orari:Tutti i giorni dell’anno dalle 9 alle 18
Servizi: Uomini / Donne / Disabili
Toilette Burano
Indirizzo: Rio Terà del Pizzo 32
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 9 alle 19
Servizi: Uomini / Donne / Disabili / Fasciatoio
Toilette Torcello
Indirizzo: Vicino al Museo e alla Basilica
Orari: Tutti i giorni dell’anno dalle 9 alle 19
Servizi: Uomini / Donne / Disabili / Fasciatoio
Veritas Spa - Piazzale Roma, Santa Croce 489, 30135 Venezia
Call center 800.466466 (da telefono fisso) - dalle ore 8.30 alle ore 18.00
Call center 199.401030 (da telefono mobile) - dalle ore 8.30 alle ore 18.00
Fisso  +39 041 7291150
Web. www.gruppoveritas.it

Alle diese Informationen (Pläne, Adressen, Öffnungszeiten) gibt es auch auf einer App fürs Smartphone, kostenlos herunterzuladen.
Die Kosten sind kein Pappenstiel: 1,50 € pro Nutzung. Online kann man Tageskarten für die Toilettennutzung für 3 € buchen, die aber nicht flatratemäßig funktionieren, sondern jede einzelne Toilette kann man nur 2 x pro Tag nutzen. Damit sollen wohl die erleichterungsbedürftigen Massen schön rundum in der Stadt verteilt werden. Übrigens sind in Paris, London, Kopenhagen öffentliche Toiletten kostenlos, in Amsterdam kosten sie 0,50 €. Kann sich das arme Venedig nicht leisten.


(C) Weichmann

Wer glaubt, diese knappe Versorgung mit öffentlichen Sanitäreinrichtungen läge am fehlenden Raum in Venedig, irrt. Gleiches Ding in Mestre ohne die Bedingungen des centro storico: 1 einzige öffentliche Toilette seit Dezember 2015, Pinkelei in Gassen und Ecken (und keineswegs von ungezogenen respektlosen TouristInnen). 
Und wer darüber hinaus glaubt, dass sich mit Toiletten kein Geschäft machen ließe (die Vorbedingung aller Aktivitäten in Venedig), irrt ebenfalls, glaube ich. Ich rechne mal sehr grob: 
1 Toilette 12 x genutzt/Stunde = 18 €
10 Toiletten in 1 Anlage/Stunde = 180 €
1 Anlage pro Tag (10 Stunden) = 1.800 €
14 Anlagen pro Tag = 25.200 €
14 Anlagen pro Jahr (365 Tage) = na?
Sehr schlicht kalkuliert, und nur die Einnahmen, aber es bleibt sicher ein guter Gewinn für Veritas übrig. Wieso investiert niemand in alte Gebäude, die sich NICHT mehr als Wohnräume eignen (oder Hotels oder Department Stores etc.) und baut die Infrastruktur für sehr ordentliche Sanitärservices auf? (Denn von der Qualität der existierenden öffentlichen Toiletten ist in diesem Blog nicht die Rede, hier geht es um Quantität angesichts des Gassenpinklerproblems.) Mit qualifizierten Kläranlagen und vielleicht entlang der Routen des ÖPNV? Müsste sich doch längerfristig als Dienstleistungsgeschäft rechnen...


Bis es soweit wäre/sein könnte, hier einige Tipps für derzeitige Notmaßnahmen:


  • Rechne in Venedig grundsätzlich für jeden Toilettengang außerhalb des Hotels mindestens 1,50 € ein. Die meisten Bars, von denen es viele gibt, haben einen Espresso oder ein Wasser zu diesem Preis. Ob du das trinkst oder nicht - das ist der Preis für die Nutzung der Toilette. Man kann dabei reinfallen und eine unappetitliche Toilette finden, kein Papier etc. - deshalb ist eine genügende Menge Zellstoff in der Tasche in Venedig unabdingbar. Falls man nicht die Zeit hat, die Bar zu wechseln.
  • Öffentliche Gebäude mit Publikumsverkehr verfügen über kostenlose Sanitärräume. Während der Geschäftszeiten. Wenn dir das neu ist, probiere es in deiner Stadt aus - Rathäuser, Behörden aller Art, Universitäten, Volkshochschulen, Bibliotheken... selten wird dich jemand aufhalten. Einfacher Standard, keine unangenehmen Überraschungen. Solche Gebäude sind leicht an den entsprechenden Schildern (Kraftfahrzeugamt, Amtsgericht etc.) zu erkennen. Das geht genauso woanders, z. B. in der schönsten Stadt.
  • Ebenso verfügen alle Museen (auch davon gibt es viele in Venedig) natürlich über Toiletten, auch hier einfacher Standard, keine Überraschungen. In einigen Museen liegen sie sogar VOR dem Bereich, für den man Eintritt bezahlt (wenn ich mich recht erinnere, z. B. Ca' Rezzonico, Ca' Pesaro, Museo Palazzo Grimani). Wenn Du eine Sammelkarte hast (z. B. für die städtischen Museen), noch besser eine "Friends"-Karte (kommt nur in Frage für häufige Venedigbesuche), kommst du sowieso kostenlos in den Eintrittsbereich und kannst die Toiletten nutzen. Wenn du ohnehin ins Museum willst, gut. Es kann aber auch sein, dass die gesammelten Ermäßungen für eine Gruppe/Familie für ein Museum, das ganz zu sehen du/ihr gar nicht plant, sich als günstige Sanitär- und Erfrischungspause für eine ganze Gruppe/Familie rechnet. Das ist die gleiche Kosten-/Nutzenrechnung wie bei der Bar.
  • Es gibt auch Ausstellungsräumlichkeiten mit guten Toiletten, sogar kostenlos (z. B. Stanze del Vetro auf S. Giorgio Maggiore, Spazio Luis Vuitton, Scuola Grande della Misericordia). Und es gibt die Biennale-Venues in der Stadt, die längst nicht alle Toiletten anbieten, dafür aber manchmal ungewöhnliche oder gepflegte oder duftende - wer auf der Suche ist, kann hier fündig werden plus Überraschungen erleben.
  • Vorsicht ist geboten, wenn man auf die (kostenlosen) Toiletten in der Tesa 5 des Arsenale Novissimo (Haltestelle Bacini) in der Nähe der dort angesiedelten Bar spekuliert. Die sind häufiger defekt als intakt. Wenn nicht in einer der benachbarten Tese oder in der Torre della porta nova eine Ausstellung läuft und die dortigen Toiletten benutzbar sind, ist nur per Vaporetto eine Alternative zu erreichen, z. B. an den Fondamente Nove oder am Lido. Oder ganz schnell ein Baum/ein Gebüsch im Gelände. Oder die Lagune.



Toilettenstimmung unterm Dach  für eine Biennale-Nebenausstellung
Nachtrag 30.8.:
Am 28.8. inszenierten StudentInnen der Universität Padova einen ironischen Flashmob zum venezianischen Toilettenmangel und den stolzen Preisen. Aha! Auslöser dafür waren auch die einseitigen Medienäußerungen, die TouristInnen pauschal als unzivilisiert und primitiv bewerten. Die Firma Veritas veröffentliche eine Pressemitteilung mit Gejammer über die Schwierigkeiten, öffentliche Toiletten zu betreiben und neu einzurichten in einer heiklen und besonderen Stadt (delicata e particolare).
Ich finde, das lässt hoffen. Wir haben immerhin schon mal darüber gesprochen...

Nachtrag 12.1.2017:
Die seit 2015 geschlossenen Sanitärräume im Uferpark Pineta S. Elena sind seit heute wieder geöffnet. Das ist toll, vor allem für Kinder und Freizeitsportler*innen. Haltestelle S. Elena.

Nachtrag 13.4.2017:
Auf der neuen Website der Versorgungstechnikfirma Veritas von wurde ein Informationsmedium für die öffentlichen Toiletten, luxuriös mit Fotos und zweisprachig italienisch-englisch, eingerichtet. Als Beispiel hier die Seite für die neu eröffneten Toiletten am Campo della Bragora. Ein guter Service, Internetverbindung vorausgesetzt.


Diese Karte kann auf der o. g. Website heruntergeladen werden.
Ein übersichtliches Angebot - 12 öffentliche Veritas-Sanitärräume
inkl. Inseln. Für ca. 50.000 Besucher*innen täglich.



Nachtrag 30.1.2019
In dieser Woche wurde neben der ehemaligen Kirche S. Leonardo eine weitere Sanitätsanlage eröffnet. Geöffnet täglich von 10-18 Uhr, nicht von 9-19 wie auf der Website angegeben.

Nachtrag 5.6.20
Aktuelle Website von VERITAS mit Details zu öffentlichen Sanitäranlagen in Venedig und auf den Inseln inkl. Details wie Öffnungszeiten, Anzahl der Einheiten etc..App Führer zu den Sanitäranlagen
Online-Suche der nächst gelegenen Sanitäranlage.
PDF zu den Preisen.

Nachtrag 22.3.2021
Venedig ist "rote Zone" und zum wiederholten Mal im kompletten Lockdown (nicht zur vergleichen mit dem sogenannten Lockdown Deutschlands). Bars, Restaurants, Museen, Toiletten geschlossen. Die hygienische Versorgung also notdürftiger denn je. 3 öffentliche Toiletten sind nun vom 20.3.-10.4. geöffnet: die an der Anlagestelle des Lido 8-18 Uhr), am Piazzale Roma 8-18 Uhr, am Rialto (9:30-12:30 Uhr) . 



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17. Oktober 2014

Marathonbrücke in Venedig

Schon am Montag startet der Bau der mobilen Marathonbrücke
Venedig hat seit Jahrhunderten zwei berühmte mobile Brücken: die Redentorebrücke und die Salutebrücke.
Die Brücke über den Canale della Giudecca zwischen der Reden-
torekirche auf der Giudecca und der Kirche Santo Spirito in Dorsoduro wird zum Redentorefest am 3. Wochenende im Juli errichtet, die Brücke zum Salutefest am 21. November über den Canal Grande zwischen S. Gregorio in Dorsoduro und der Haltestelle Madonna del Giglio. 


Brücke am Mittwoch halb fertig, erst am Freitagabend wird das Werk vollendet

Hier geht es um die Marathonbrücke. Der Venicemarathon findet seit 1986 statt, seit 1987 am letzten Wochenende im Oktober, dem Ende der Sommerzeit. Sie führt über eine beeindruckende Strecke von der Villa Pisani in Stra entlang der Brenta durch Fiesso d'Artico, Dolo und Mira, vorbei an der Villa Foscari, durch Marghera und Mestre über die Ponte della Libertá ins Centro Storico von Venedig. Dort am Südufer entlang, den Zattere, bis zur Punta Dogana, über die mobile Marathonbrücke zum Ufer von San Marco, entlang der Riva degli Schiavoni zum Ziel an der Riva dei VII Martiri. 


Samstag Nachmittag
Ursprünglich endete der Marathon am Campo S. Agnese zwi-
schen Zattere und Accademia, 1989 bekam ich das, ahnunglos, mit. Erst seitdem die mobile Brücke an der Punta Dogana zum Einsatz kommt, wird auch an der Piazetta und am Dogenpalast vorbei gelaufen und über die letzten Brücken, ächz, an der Riva. 

Die Ausstattung der Brücken an den Zattere und der Riva mit Rampen ist letztlich dem Marathon zu danken. Zunächst nur für den Lauf installiert und danach sofort wieder abgebaut, dann zugunsten von Barrierefreiheit und testweise einige Jahre über den Winter stehen gelassen. Mittlerweile bleiben sie ganzjährig, bekommen ab und zu einen neuen Anstrich und erfreuen Fuß-
kranke und alle, die rollend vorankommen vom Kinderwagen über den Rollstuhl bis zur Sack- und Müllkarre.



Rampe bei S. Spirito
Auch die Marathonbrücke war in den ersten Jahren einge-
schränkt in ihrer Nutzung und stand nur am Sonntag des Laufs den LäuferInnen zur Verfügung. 

Im letzten Oktober wurde die Brücke allerdings schon am Samstag 11:30 Uhr eröffnet und dem Publikum zur Verfügung gestellt, welch ein grandioser Erfolg! Den ganzen Tag wurde der bequeme Weg zwischen Dogana und S. Marco genutzt und zum Abendspaziergang der VenezianerInnen mit Kind, Kegel, Kin-
derwagen und allen diesen venezianischen Minihundchen an der Leine war die Brücke rappelvoll. Vor allem wurden viele alte Menschen in Rollstühlen über die Brücke geschoben, das fand ich sehr rührend, und alle konnten den Sonnenuntergang über dem Canal Grande, die einbrechende Dunkelheit und das langsame Aufleuchten der vielen Lichter entlang der Ufer rundum bewundern.



Letzte Rampe vor dem Ziel
Es war ein diesiger Tag und Abend, Dunst lag über dem Becken von S. Marco, aber eine wunderbar fröhliche Stimmung der SpaziergängerInnen erhöhte den Genuss einer ungewohnten Perspektive "im Bacino" und ohne Frage auch eines poetischen Erlebnisses.


Blick von der Marathonbrücke in den Canal Grande am späten Samstagnachmittag
Wenn in der nächsten Woche wieder die Brücke für den Mara-
thon am Sonntag, 26.10. gebaut wird hoffe ich, dass sie am Samstag wieder fürs Volk, venezianisch und touristisch, geöffnet wird. 

Auch eine Wanderung entlang der innerstädtischen Strecke am Morgen, bevor die ersten LäuferInnen ankommen, ist reizvoll, oder im Laufe des Nachmittags, wenn die sehr Sportlichen und das Hauptfeld durch sind. Im letzten Jahr wurde das Ziel kurz vor den Giardini um 16 Uhr geschlossen. 
Auf diesem Spaziergang (mit Unterbrechungen!) auf der langen Uferstrecke kamen mir übrigens 6 Kreuzfahrtschiffe entgegen und 7 fuhren auswärts. Eines davon mittags rein und abends wieder raus, man kann es kaum glauben. Stopp in Venedig für ein paar Stunden! Aber das ist eine andere Geschichte.


...und zu Beginn der Dämmerung
Meteo Webcam zur Dogana, Verfolgen des Brückenbaus möglich.
Siehe auch Eintrag Termine Sport und Tradition 2014

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26. Dezember 2013

Accademia - Renovierung vollendet

S. Maria della Carità Oktober 2012 frei von Einrüstung
Fast 3 Wochen ernsthaft stillgelegt durch eine Infektions-
krankheit, kann ich diese hocherfreuliche Nachricht erst mit Verspätung melden. Am 18. Dezember wurden die neuen Ausstellungsräume der Accademia und die Ergebnisse der 6 Jahre dauernden Renovierung vorgestellt. Bisher anscheinend nur von den lokalen und regionalen Medien zur Kenntnis genommen (venezia net; La Nuova); nicht einmal auf der Website der Accademia findet sich das Ereignis bisher.


Die Vergrößerung der Ausstellungsflächen ist vor allem zu danken dem Umzug der Kunsthochschule 2004 in den Komplex des ehemaligen Klosters und Hospitals der Incurabili an den Zattere (Haltestelle Santo Spirito, Linie 6; Zutritt nur gestattet anlässlich der ArtNight am Mittsommersamstag).
Dadurch wurden Räume im ehemaligen Kloster S. Maria della Carità frei, einem Werk Andrea Palladios, das nun nach der 6 Jahre dauernden Renovierung wieder zu bewundern ist.

Goethe lässt in seiner "Italienischen Reise" seiner Begeisterung für dieses Gebäude freien Lauf:

" Den 2. Oktober 1786.
Vor allem eilte ich in die Carità: ich hatte in des Palladio Werken gefunden, dass er hier ein Klostergebäude angegeben, in welchem er die Privatwohnung der reichen und gastfreien Alten darzustellen gedachte. Der sowohl im Ganzen als in seinen einzelnen Teilen trefflich gezeichnete Plan machte mir unendliche Freude, und ich hoffte ein Wunderwerk zu finden; aber ach! es ist kaum der zehnte Teil ausgeführt; doch auch dieser Teil seines himmlischen Genius würdig, eine Vollkommenheit in der Anlage und eine Genauigkeit in der Ausführung, die ich noch nicht kannte. Jahrelang sollte man in Betrachtung so eines Werks zubringen. Mich dünkt, ich habe nichts Höheres, nichts Vollkommeneres gesehen, und glaube, daß ich mich nicht irre. Denke man sich aber auch den trefflichen Künstler, mit dem innern Sinn fürs Große und Gefällige geboren, der erst mit unglaublicher Mühe sich an den Alten heranbildet, um sie alsdann durch sich wiederherzustellen. Dieser findet Gelegenheit, einen Lieblingsgedanken auszuführen, ein Kloster, so vielen Mönchen zur Wohnung, so vielen Fremden zur Herberge bestimmt, nach der Form eines antiken Privatgebäudes aufzurichten.


Die Kirche stand schon, aus ihr tritt man in ein Atrium von korinthischen Säulen, man ist entzückt und vergißt auf einmal alles Pfaffentum. An der einen Seite findet man die Sakristei, an der anderen ein Kapitelzimmer, daneben die schönste Wendeltreppe von der Welt, mit offener, weiter Spindel, die steinernen Stufen in die Wand gemauert und so geschichtet, dass eine die andere trägt; man wird nicht müde, sie auf- und abzusteigen; wie schön sie geraten sei, kann man daraus annehmen, dass sie Palladio selbst für wohlgeraten angibt. Aus dem Vorhof tritt man in den innern großen Hof. Von dem Gebäude, das ihn umgeben sollte, ist leider nur die linke Seite aufgeführt, drei Säulenordnungen übereinander, auf der Erde Hallen, im ersten Stock ein Bogengang vor den Zellen hin, der obere Stock Mauer mit Fenstern. Doch diese Beschreibung muß durch den Anblick der Risse gestärkt werden. Nun ein Wort von der Ausführung.

Nur die Häupter und Füße der Säulen und die Schlußsteine der Bogen sind von gehauenem Stein, das übrige alles, ich darf nicht sagen von Backsteinen, sondern bon gebranntem Ton. Solche Ziegeln kenne ich gar nicht. Fries und Karnies sind auch daraus, die Gleider der Bogen gleichfalls, alles teilweise gebrannt, und das Gebäude zuletzt nur mit wenig Kalk zusammengesetzt. Es steht wie aus  e i n e m  Guß. Wäre das Ganze fertig geworden, um man sähe es reinlich abgerieben und gefärbt, es müßte ein himmlischer Anblick sein.

Jedoch die Anlage war zu groß, wie bei so manchem Gebäude der neuern Zeit. Der Künstler hatte nicht nur vorausgesetzt, daß man das jetzige Kloster abreißen, sondern auch anstoßende Nachbarshäuser kaufen werde, und da mögen Geld und Lust ausgegangen sein. Du liebes Schicksal, daß du so manche Dummheit begünstigst und verewigt hast, warum ließest du dieses Werk nicht zustande kommen!"

30 neue Ausstellungsräume machen aus der erweiterten Accademia das größte staatliche Kunstmuseum Italiens. Die architektonische Restaurierung  ist vollendet, an der internen Technik wird 2014 noch weiter gearbeitet. Immerhin konnte ich im Oktober schon ein großräumiges neues Treppenhaus, zeitgemäße Sanitärräume und insgesamt die bisher in der Accademia vermisste Barrierefreiheit zur Kenntnis nehmen. Die Räume werden nun Schritt für Schritt kuratorisch bearbeitet und ausgestattet, das wird dauern. Der Kreuzgang wird für termporäre Ausstellungen und Konferenzen zur Verfügung stehen.

Für Venedig-LiebhaberInnen der erste Gang beim nächsten Besuch, wie auch der zur wieder eröffneten Scuola Grande di San Marco. Kompliment und Glückwünsche an die schönste Stadt, die es versteht, ihre Schätze zu pflegen und uns BesucherInnen immer wieder zu beglücken.

Artribune 12.12.2013

Blogeinträge zum Thema Palladio

Anekdote aus der Renovierungszeit: S. Maria della Carità Juni 2009






26. Juni 2013

Biennale - ein paar praktische Tipps

Eingang Arsenale Nord - Fenster an der Arsenalemauer


Verkehr
Der Verkehr auf der Festlandsbrücke ist wegen des Baus der Tram noch eingeschränkt. Daraus kann jeder den geeigneten Schluss ziehen. Andererseits gibt es derzeit (aktuell 26.-30.6.) Tarifverhandlungen, die ACTV hat diplomatisch zu Wasser und zu Land 'nicht garantierten Service' angekündigt. Wer zum Flughafen muss, benötigt ggfs. die Dienste der Alilaguna oder Taxis. (Weitere Links unter dem Label ÖPNV.)

Für einen mehrtägigen Biennalebesuch mit endloser Latscherei, wenn man die Ausstellungen überall in der Stadt nicht auslassen will (und nicht auslassen sollte!) möchte ich wieder einmal auf die preiswerte IMOB für Nonresidenti hinweisen. Meine lief im Mai nach 5 Jahren ab, vor ein paar Tagen habe ich eine neue geholt und kann also brühwarm erklären: in der ACTV-Stelle am Piazzale Roma füllt man ein Antragsformular aus (Name, Adresse, Ausweisnummer), lächelt in die Webcam der freundlichen Dame hinter dem Glasschalter, die unkompliziert das erforderliche Fahrkartenfoto macht, zückt Ausweis und 40 € (+ 11 € für die Erstausstattung mit 10 Vaporettofahrten à 1,10 für die Dauer von jeweils 75 Minuten egal wohin) und bekommt sofort die IMOB. Das dauert keine 5 Minuten, je nach Tageszeit dauert das Warten mit dem Nummernzettelchen in der Hand länger als die Herstellung der Fahrkarte. 
(Zur Kostenersparnis: eine 60-Minuten-Fahrt kostet mit dem Einzelticket 7 €, eine 72-Stunden-Touristenkarte 35 €). Mit einer 5 Jahre gültigen IMOB kann man auch die Kunstbiennalen von 2015 und 2017 kostengünstig bestreiten.

Unbehinderte Zugänge
Die Rampen des Venice Marathons entlang der Zattere und der Riva wurden nicht abgebaut, ich vermute, dass sie (auch entsprechend den betreffenden EU-Gesetzen) jetzt ganzjährig stehen bleiben. 


Unbehinderter Zugang zu Giardini und Arsenale wird hier erläutert:
http://www.labiennale.org/doc_files/accessibility-55thVB.pdf
Wer Ausstellungen in der Stadt besuchen will, findet hier nach Stadtteilen sortiert Wegbeschreibungen: Venezia accessibile.

Eingang Arsenale Nord zwischen den kleinen Wohnhäusern am Ufer

Die Eingänge in die Ausstellungen des Arsenale Novissimo (ohne Biennale-Ticket!) habe ich schon öfter beschrieben, trotzdem nochmal: Haltestelle Bacini der Linien 4.1, 4.2., 5.1, 5.2, weiter entweder geradeaus (man kommt am Arsenaleturm Porta Nuova heraus) oder rechts (man kann dann links am blauen Büdchen mit Glastür durch den Eingang und Park der Firma Thetis auf das Arsenalegelände) oder noch ein kleines Stückchen weiter und dann links durch den ausgeschilderten Eingang der Tesa 105 (zwischen den kleinen Wohnhäusern). Haltestelle Bacini
Oder Haltestelle Celestia der gleichen Linien: über die Metallbrücke an der Haltestelle auf der Metallrampe entlang der Arsenalemauer gehen bis zum offenen Fenster, vor dem ein kleiner Tritt steht, damit man bequem einsteigen kann. (Innen führt eine Rampe in den tiefer gelegenen Ausstellungsraum der Tesa S. Cristoforo). Haltestelle Celestia
Von beiden Haltestellen aus ist der Weg ca. 200 m weit.

Sanitäre Einrichtungen
In den Giardini und im Arsenale gibt es sanitäre Einrichtungen (deren Qualität so unterschiedlich sein kann, dass ich sie nicht kommentiere), aber die 'Außenstellen' überall in der Stadt bieten in der Regel keine. Ausnahmen bei den derzeitigen Ausstellungsorten, die mir bekannt sind (aber ich weiß sicher nicht alle): Inseln San Lazzaro und San Servolo, Instituto Don Orione, S. Maria della Pieta (Instituto per l'infanzia), Palazzo Loredan, Palazzo Zenobio, alle regulären Museen in denen Biennale-Ausstellungen zu Gast sind, Biblioteca San Marco, S. Maria Ausiliatrice, Palazzo Cavalli Franchetti, Universitäten, Serra, Fondazione Gervasuti.

Warteschlangen
Die KuratorInnen der Pavillons wurden gebeten, bei der Gestaltung ihrer Ausstellungen Schlangen zu vermeiden. Es gibt also nur wenige, die die Besucherzahlen kontingentieren und ggfs. Schlangen bewirken. Am Eingang allerdings haben alle Kassen vormittags lange Warteschlangen. Wer die Zeit hat, sollte nachmittags die Karte besorgen und kann dann entspannt morgens ohne Warterei in den Biennaletag starten.


Verpflegung
In Giardini und Arsenale ist die Versorgung teuer (im Laufe des Tages nimmt die Qualität ab) und es kommt die endlose Warterei hinzu (1. Schlange an der jeweils einzigen Kasse, 2. Schlange, um mit dem Bon das Gekaufte abzuholen). Und dann noch die grauenvolle Rehberger-Kantine im Zentralpavillon der Giardini, die (mir) einfach alles abwürgt, Appetit, Gespräch, Blick. Empfehlenswert ist mitgeschleppte Selbstversorgung, soweit möglich, und sei es eine Großpackung Müsliriegel, im Grünen oder am Wasser gefuttert. Zwischen Arsenale und Giardini gibt es an der breiten Via Garibaldi einen kleinen Supermarkt, Bäckereien, ein Gemüseboot, wo man sich vor 10 Uhr für einen Biennaletag rüsten kann.

Eingang Arsenale Nord - Pfad durch den "Hintergarten" zur Tesa 105,
die zu den Ausstellungs-/bürogebäuden im Arsenale novissimo gehört



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12. August 2012

Tram Mestre-Venezia

Finale Ergänzung des Themas:
Heute, 16.9. wurde die Tram in Betrieb genommen. Jahre der Verspätung und vielseitige Kostensteigerungen sind bekannte Themen bei derartigen Projekten, warum nicht auch in Venedig... :-) ... im Vergleich zu M.O.S.E. alles Peanuts.
Siehe auch Fahrpläne 2015.

Ergänzung 12.1.14 zur Inbetriebnahme der Linie siehe unten am Ende des Eintrags.

Es geht voran mit der venezianischen Verkehrsplanung und es ist (noch) nicht die (gefürchtete) Flughafen-UBahn (siehe Eintrag vom 18.5.2010). Aber auch die wird kommen. 



Vorläufig ist es die Tram des Translohr-Systems, die schon seit Dezember die 14 km-Strecke Favaro-Mestre fährt und (nach 2015) von Favaro zum Flughafen Marco Polo verlängert werden wird. Die 6 km-Strecke zwischen Mestre und Marghera ist auch schon fertig. Zur Zeit wird seit Anfang Juni an der Verlängerung in Richtung  Venedig gearbeitet, also die beiden Schienen auf der Ponte della Libertà gelegt, teils in Nacht-
schichten, teils aber auch mit Staufolgen tagsüber. 

Im Sommer 2013 soll die Strecke über die Brücke fertig sein, naja, man wird sehen. Im 5-Minuten-Takt werden bis zu 170 Leute transportiert werden (32-48 Sitzplätze, viel Platz für Gepäck). Venedig-Besucher und "Kreuzfahrer" können sinnvoll und günstig in Mestre parken, erstere fahren mit dem Vapo-
retto weiter entweder ab S. Giuliano mit der Linie 25 zu den Fondamente Nove (und per Umsteigen weiter) oder ab Pia-
zzale Roma mit allen anderen Linien; letztere haben direkten Anschluss zum People Mover, der sie zu den Schiffen der Stazione Marittima bringt. 

Quelle: Twitter Comune Venezia
Blau eingezeichnete Spur: Verkehr zum Piazzale Roma
Grün eingezeichnete Spur: People Mover
Gelb eingezeichnete Spur: Tram nach S. Basilio; Endhalte gelbgrün
 
Anfang Juli beschloss der Stadtrat die Verlängerung der Tram über den Piazzale Roma hinaus (auch die Mittel in Höhe von 14 Mio.) bis San Basilio. Eröffnung im Sommer 2015. In Schönrede soll damit die Verbindung Land-Venedig-Meer gefestigt werden, ein zweites Tor in die Stadt geschaffen und das erste, der Piazzale Roma, entlastet werden. 


S. Marta auf dem De'
Barbari Stadtplan von 1500. Das arme Fischerviertel steht auf sichtbaren Pfählen, die heutige Beabau-
ung und das Hafenviertel sind noch Lagune

Aber eigentlich geht es wohl um die Kreuzfahrtindustrie, näm-
lich die Einbindung der beiden älteren, kleineren Anlegestellen S. Marta und S. Basilio. Die Riesenschiffe werden sehr effizient an der großen Stazione Marittima abgewickelt. Kleinere "Kreuzfahrer", Katamarane und sehr große Segler, sprich die exklusivere Sparte, mussten bisher auf eine Anbindung vergleichbar dem People Mover verzichten.

Profitieren könnten von diesem Anschluss auch die Studieren-
den der Universität IUAV, die sich mit den Fakultäten Architek-
tur, Stadtplanung, Kunst & Design und dem Großteil ihrer Gebäude in der Südwestecke Venedigs angesiedelt hat. Könnte aber auch dazu führen, dass mehr Studierende dadurch auf das teure Wohnen in Venedig verzichten und nach Mestre ziehen. Kontraproduktiv für die sinkenden Einwohnerzahlen, schlecht für Altersstatistik Venedigs, förderlich dem weiteren Ausbau der Gästebetten, sei es als Hotels oder 'Ferienwohnungen'. 

Nächtliches Kirchweihfest S. Marta, 17. JH

Entlastet vom extremen Tagestourismus wird sicher auch der Trampelpfad Piazzale Roma-Bahnhof-Rialtobrücke-Markusplatz. TouristInnen können vom Festland kommend in S. Basilio auf die Linie 2 umsteigen und nach ein par Minuten direkt vor dem Dogenpalast landen oder völlig ungebremst auf dem Lido. Die 3 Stadtteile rechts des Canal Grande die sich gerne besucher- und verdienstmäßig benachteiligt fühlen (abgesehen vom Zentrum um den Rialto) bekommen einen Verkehrsknotenpunkt wie Canareggio an den Fondamente Nove. 

Und die Ecke zwischen S. Marta und S. Basilio bekommt vielleicht mehr BesucherInnenaufmerksamkeit. Dies war einmal eine extrem arme Gegend Venedigs, ganz früher bewohnt von Fischern (jeder Reiseführer erwähnt die Feindschaft zwischen Nicolotti, die hier wohnten, und Castellani (von S. Pietro di Castello), die für venezianische Verhältnisse in zwei Welten lebten und sich jährlich auf dem Ponte dei Pugni verprügel-
ten), später von den Arbeiterfamilien der dort angesiedelten Fabriken. Heute befindet sich hier neben den Hafenanlagen mit einem großen Parkplatz u. a. die Hafenverwaltung, aber auch das Männergefängnis im ehemaligen Kloster S. Maria Maggiore.

Auditorium in S. Marta, darunter und
links
und rechts davon die
technische

Konferenzinfratruktur
Die ehemalige Kirche S. Marta an der äußersten Landspitze ist nur öffentlich zugänglich bei Ausstellungen, Konzerten, sonst geschlossene Veranstaltungen. Sie wurde völlig entkernt und im leeren Raum zwischen Boden und Dach eine komplette Tagungsinfrastruktur installiert. Im 'Parterre' sind sanitäre Anlagen, die Versorgungstechnik, Büroräume und ein Fahrstuhl integriert, in der Mitte des Raumes ansteigend das Auditorium, zu dessen oberen Rängen der Fahrstuhl barrierefrei führt. Der Blick geht in allen Bereichen frei in den Dachstuhl, Ausstellungsflächen sind die Innenseiten aller Aussenwände und das komplett holzverkleidete Auditorium. Das Podium befindet sich vor dem gläsernen Seiteneingang, der natürlichen Lichteinfall ins Auditorium erlaubt, alle Fenster bis auf die beiden der Apsis sind vermauert. Mich hat die intelligente und großzügige Nutzung des geleerten Raumes sehr beeindruckt. Man erlebt einerseits durchaus den ehemals großen Kirchenraum und andererseits wirkte der Einbau auf mich als neue funktionale Einheit ohne dass ich ihn als Fremdkörper empfunden hätte. Gehört aber sicher in den Bereich der Geschmacksfragen.

Über die weiteren Kirchen der Nachbarschaft finden sich Beschreibungen in allen guten Reiseführern: die sehr alte wunderschöne Kirche S. Nicolò dei Mendicoli, deren Reno-
vierung der 70er Jahre wir alle aus dem Film "Wenn die Gondeln Trauer tragen" kennen.
Die Veronese-Kirche S. Sebastiano (eine Chorus-Kirche), kürzliche Restaurierung des Deckengemäldes durch Save Venice, interessante Details dazu.
S. Angelo Raffaele
mit wunderschönen Details und der Sakristei, die besucht werden darf. (Hinter der Mauer auf der anderen Seite des Kanals befindet sich die große Anlage der sozialen Gärten für alte VenezianerInnen.)

Links S. Nicolò dei Mendicoli, rechts eines der
IUAV-Universitätsgebäude
Das ehemalige Kloster S. Terese schräg über den Kanal bei S. Nicolò gehört ebenfalls zur IUAV, die Kirche ist geschlossen, der Kreuzgang kann besichtigt werden, ebenso wie der Kreuzgang des Universitätsgebäudes der Tolentini-Kirche, die nicht direkt zu dieser Gegend im Abseits gehören.    

Es gab am 28./29. Juli die erste lokale Sagra am Fest von Santa Marta, ein Nachbarschaftsfest anstelle des traditionellen Kirchweihfestes, die lokalen Blogs berichteten Hochstimmung und ausdrücklich die Tatsache, dass kein/e einzige/r TouristIn aufgekreuzt wäre. (Dem kann man abhelfen, im nächsten Jahr.)
Selbstverständlich traten Ska-j auf mit der Lokalhymne 'Santa Marta' (ich verlinke das Video mal WIEDER, denn ich liebe es!)

S. Basilio. Universitätsgebäude, Großsegler

Ergänzung am 24.08.: Hinweis zu Verkehrsregelungen auf der Brücke Mestre-Venedig während der aktuellen Phase der Bauarbeiten. Siehe unten.
(Hier noch der Link: Tram, obiettivo Venezia)

Außerdem ein Kommentar mit einem kulinarischen Hinweis zur Nachbarschaft S. Basilio.


ERGÄNZUNG 12.1.2014
Kurz vor Weihnachten 2013 wurde die Tram-Linie 19 zum Piazzale Roma in Betrieb genommen.Der nächste Schritt ist die Weiterführung vom Piazzale Roma bis San Basilio über Santa Marta.

Fahrplan Winter 2013/2014

Tram-Netz der ACTV
Informationen der Comune Venezia


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13. Juli 2012

Die Pracht eines Nutzgartens auf Mazzorbo...

... muss man gesehen haben, egal ob GärtnerIn aus Profession oder aus Passion. Es geht einem das Herz auf. Ich habe diesen Garten schon einmal erwähnt (am 29.1.2011, anklicken empfiehlt sich wegen der Vergleichsfotos), nicht ahnend, wie er sich weiter entwickeln würde. Allein um zu sehen wie dieser Garten weiterkommt werde ich künftig jede Gelegenheit nutzen in die Laguna Nord zu fahren.

Scarpa-Volo, Weg durch den Weingarten

Es geht um das Landgut Scarpa-Volo auf den 30.000 m2 eines Klosterweingartens aus dem 15. Jahrhundert innerhalb einer ebenso alten Ummauerung, die 1727 erneuert wurde. Das Herrenhaus, mit regionalen und EU-Mitteln renoviert, stammt mit seinen Weinkellern aus dem 16. Jahrhundert. Es beherbergt das Ostello (Jugendherberge) Mazzorbetto als Teil der gesamten Anlage "Venissa". 

Der ummauerte Garten lag viele Jahre brach und war verschlossen. Die Stadt Venedig als Eigentümerin schrieb 2006 die Neubewirtschaftung des Geländes aus und Vento di Venezia, Betreiber der Wiederbelebung der Insel Certosa, übernahm Scarpa-Volo, unterstützt von vielen lokalen und regionalen Organisationen und Betrieben. Siehe "Das Projekt Venissa".

Fischteich, Restaurant Venissa (links mit Sonnenschirmen),
Ostello Venissa (rechts mit Vordach)

Der Garten ist im größten Teil der Fläche wieder Weingarten, im kleineren Teil jedoch ein Nutzgarten, der für mich überwältigend vollständig ist. Sowohl in der Anpflanzung  von Obstgehölzen die noch jung sind und also durch ihr Wachstum in der Zukunft den Gesamteindruck verändern werden, als auch von einjährigen Gemüsen und mehrjärigen Kräutern. 

Junge Giuggiolo, Feige vorne, Artischocken, Kartoffeln,
Bohnen etc., weitere Bäume und Wein im Hintergrund
Es ist einfach alles da: Äpfel, Birnen, Kirschen, Pfirsiche, Apriko-
sen, Feigen, Mandeln, Granat-
äpfel, Pflaumen, Giuggiole, Salbei, Thymian, Rosmarin, Knoblauch, Zwiebeln, Artischocken, Bohnenarten, Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen, Blattsalatarten...
z. T. im Mai bei meinem Besuch noch im jungen Wachstum, aber bestens gepflegt und versorgt.



Junger Granatapfel, Salbei, Artischicken, Bohnen...

Fische und Frösche im alten und reaktivier-
ten Fisch-
teich, per Kanal an die Lagune angeschlossen, im Garten sonnen sich Eidechsen, an altem (aber leider auch jungem Holz) 'wachsen' reichlich kleine Schnecken, die man im Sommer ernten kann, für die Besucher sind Schilder mit Erläuterungen in 4 Sprachen aufgestellt, es gibt einfache Bänke auf denen man die Pracht genießen und den Gärtner beim Arbeiten beobachten kann, aber man kann auch auf einem Weg und schmalen Pfaden zwischen den Gartenbereichen hergehen (überflüssig zu sagen, dass angepasstes Benehmen = nichts abrupfen, futtern, trampeln etc., außer Frage stehen sollte).


Der Garten wird zwar privat bewirtschaftet und seine Früchte sind nicht öffentlich, trotzdem ist er als Park der Stadt Venedig geöffnet für Besucher, es gibt umweltpädagogische Ideen und Ansätze die sich sicher weiterentwickeln werden. Es gibt zwei Eingänge: an der Vaporettohaltestelle Mazzorbo nach links gehen und einfach durch das Tor treten zwischen dem letzten Haus (in dem sich das Ostello befindet) und der Mauer, die dort beginnt. Der zweite Eingang liegt schrägt gegenüber, schneidet sozusagen diagonal durch die Ecke, die die Insel an dieser Stelle bildet. Der zweite Eingang liegt direkt an der Holzbrücke, die hinüber nach Burano führt. 

Eine der Hinweistafeln zur lagunaren Pflanzenanbau

Es gibt innerhalb des Gartengeländes das Restaurant Venissa, in dem wohl den Großteil der Ernte verspeist wird, das einen hohen Anspruch hat im Sinne von 'Slow Food' und dessen  Preise dem angemessen sind, vermute ich. Nach Einblick in die Speisekarte bat ich den sehr freundlichen Kellner um Verständnis dafür, dass mein Budget leider nicht seinem schönen Angebot standhält und habe, wie immer auf Mazzorbo, bei 'Maddalena' am Vaporettohalt gut gegessen, das Menu zum Preis der Vorspeise im 'Venissa'. Bei Maddalena wurde investiert, bauliche Erweiterung und sehr geräumige ordentliche Toiletten (früher nur ein sehr bescheidenes einzelnes Naja), bei gleich gebliebener familiärer Freundlichkeit der Inhaberin.


Parco Laguna Nord - Scarpa-Volo
Winterliche Fotoserie Scarpa Volo von Lenore Horowitz

Schneckenbrut, für den mediterranen Kochtopf?


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