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4. Juni 2020

Statt Architekturbiennale - Alternatives



Keine Architekturbiennale in diesem Jahr, nach der ersten Terminverschiebung von Mai auf August 2020 und mit verkürzter Dauer wird die 17. Architekturbiennale  2021 nun die längste Ausgabe bisher. Auch die Website wurde umgehend angepasst, die Informationen für 2020 wurden ersetzt. Einige Kommentare dazu finden sich in meiner Vorschau vom 21.2. mit fortlaufenden Ergänzungen, die so bleibt wie sie ist. Die Arbeit ist gemacht und zu den vielen unerwarteten Ereignissen des Jahres 2020 trägt sie als Dokumentation weiter bei. 

Gehen wir zur Tagesordnung über, 2021 sehen wir weiter. 
Die FAZ macht sich hinter einer Paywall Gedanken zum deutschen Pavillon "Wird alles gerade noch mal gut gegangen sein?". 
Seit Wochen steht der russische Pavillon online, die Idee, über die perspektivisch nachgedacht werden könnte: 
24.3. World Architecture Russian Pavilion's Open! Exhibition Goes Online 
8.5. archdaily Open! The Russian Pavilion Goes Completely Digital
1.6. Flash Art 17. Biennale di Venezia: il Padiglione russo sarà esclusivamente online
Dagegen hat Australien leider nach einer spannenden Ankündigung den Rückzug angetreten: 14.4. designboom Australia withdraws from 2020 Architecture Biennale.

Die Biennaletermine für Tanz, Film, Musik und Theater gelten weiter, ggfs. mit Programmänderungen oder angepassten Veranstaltungsorten. Und interessante Veranstaltungen kommen dazu:
Derzeit läuft für 10 Tage das Filmfestival "We Are One" ein wirklich historisches Ereignis der Filmkunst. Global und kostenlos zeigen auf Youtube 19 internatione Filmfestivals, auch das venezianische, eigens für diese Veranstaltung kuratierte Programmsparten. 

Zum vorgesehenen (verschobenen) Architekturtermin 29.8.-27.11. wird ein Alternativprogramm im Zentralpavillon der Giardini und des Arsenale bis Ende des Jahres organisiert. Verantwortlich für das Programm zur Geschichte der Biennale di Venezia sind die derzeit aktiven künstlerischen Leiter*innen verantwortlich: 
Cecilia Alemani (Kunst)
Alberto Barbera (Film)
Marie Chouinard (Tanz)
Ivan Fedele (Musik)
Antonio Latella (Theater)
Hashim Sarkis (Architektur)
Für das Programm steht Material aus dem Archiv der Biennale (und anderen Archiven) zur Verfügung, es wird neben Ausstellungen Performances und Aufführungen von Tanz, Musik und Theater geben und Filmvorführungen, auch im Rahmen der jeweiligen offiziellen Biennaleereignisse.
Darüberhinaus werden - sehr interessant, neu und sehr zu empfehlen - Führungen mit Schwerpunkt Geschichte und Architektur in den Giardini und im Arsenale angeboten. Wenn ich es richtig verstehe, ist das Angebot kostenlos, zumindest gibt es bisher keine Ticketankündigungen (und das ist normalerweise der erste Schritt). Das Programm mit konkreten Terminen wird noch veröffentlicht und natürlich an dieser Stelle ergänzt. 

Mehr Informationen dazu:
20.5. Venezia today Biennale rimandata ma Giardini e Arsenale aperti e attivi tutto l'anno
20.5. Cinecittà News Un'arena all'aperto per Venezia
21.5. Metropolitana Covid unisce le arti: a Venezia una nuova Biennale
22.5. Artribune Rinviate la mostra d'Architettura, la Biennale di Venezia lancia un Biennale alternativa
30.6. Venezia Today Visite guidate gratuite all'Arsenale e ai Giardini di Venezia.
30.6. artemagazine Estate alla Biennale di Venezia
15.7.  La Biennale Le muse inquiete 
15.7. Artribune Le Muse inquiete: storia della Biennale di Venezia 
15.7. Artnet New Unable to Proceed as Usual, the Venice Biennale Has Summoned a Curatorial Supergroup...
17.7. The Art Newspaper New Biennale show reveals fraught episodes in it's 125-years history
13.8. Financial Times Venice Biennale seizes the moment by celebrating its past
8.9. Wallpaper Venice Biennale looks back on 125 years of exhibitions


Besprechungen der Ausstellung 'Le muse inquiete' im Zentralpavillon der Giardini:
31.8. https://venetiancat.blogspot.com/2020/08/the-disquieted-muses-grapple-with-world.html
1.9. https://www.designboom.com/design/disquieted-muses-la-biennale-di-venezia-exhibition-formafantasma-09-01-2020/
8.9. Universes in Univers Wenn die Biennale auf Geschichte trifft
17.9. Weltkunst Die Biennale blickt zurück


Ergänzung 30.6.
Ab 15.7 laufen für Einheimische und Besucher*innen Bildungsangebote der Biennale, die Ausstellung "La Biennale all'Arsenale 1998/2020" in den beiden zentralen Ausstellungsbereichen Arsenale und Giardini sowie Führungen mit Schwerpunkt zu Geschichte und Architektur in den Biennale-Geländen. (Ich nehme an, dass es in Kürze eine englische Version dieser Hinweise geben wird.)

Die Führungen werden auf englisch und italienisch angeboten, bei entsprechender Nachfrage auch in weiteren Sprachen.
Die Führung in den Giardini gilt den nationalen Pavillons besucht, alle außerordentliche Bauten bekannter nationaler Architekten, und der architektonischen Entwicklung des Ausstellungsgeländes der Giardini.
Bei der Führung im Arsenale geht es um das historische mittelalterliche Industriegelände und seine Entwicklung durch die Jahrhunderte, und die Restaurationen der Bauten in den letzten Jahren zur Nutzung als Ausstellungsräumlichkeiten.

15.7.-25.10. Die Fotoausstellung "La Biennale all'arsenale 1998/2020. Gli interventi die restauro e riqualificazione" zeigt die (beeindruckende) Restaurierung und Vergrößerung der sehr verschiedenen Ausstellungsräume und der Biennale-Infrastruktur.
5.7. 14:30 Uhr Live Streaming der Ausstellungseröffnung 

Für Eltern und Kinder gibt es ein Bildungskursangebot und Wanderpfaden in den Ausstellungsgeländen zu den verschiedenen Aspekten der Biennale. Nur auf italienisch.Detailliertes Programm dazu folgt in Kürze.

Ergänzung 27.7.
Der Venedig-Pavillon in den Giardini zeigt vom 29.7.-31.12. eine "Apertura Straordinaria" eine außergewöhnliche Öffnung. Zu sehen sind handwerkliche und kunsthandwerkliche venezianische Produkte. (Siehe auch Eintrag 16.4.20 "Handwerk und Kunsthandwerk in Venedig".


Wer in diesem Jahr noch in die schönste Stadt kommt, findet weitere Veranstaltungshinweise unter 
6.1. Venedig Kulturkalender 2020 Januar-Juni (Juli-Dezember folgt in Kürze)
3.5. Termine der Öffnungen unter Covid 19





Ich empehle hier noch ausdrücklich ein unabhängiges Kunst- und Wissenschaftsangebot (auch im Kulturkalender enthalten), das nicht im Chaos von Covid und Biennaleabsage untergehen sollte: 

22.3.-27.9. TBA21-Academy, Ex-Kirche S. Lorenzo: "Territorial Agency: Oceans in Transformation". 

Veranstaltungen des Projekts:
26.6. und alle Freitage im Juli 18:30-20:00 Uhr Lagunengespräche während geführter Wanderungen "Lagoon, Coastal Ecosystems and Impact of Shhip Traffic with Gian Marco Scarpa - Walking (The) Trajectories: Venezia come modello per il futuro?" Teilnahme kostenlos, Anmeldung erforderlich (siehe Link), Treffpunkt Campo San Lorenzo

Artikel zum Projekt:
* e-flux TBA21-Academy
* ARTcritique "Venice to host 'Oceans in Transformation - an exhibion on the mystery and troubles around our oceans"
* exibart "Ocean Space, Venezia: al via i progetti online die 'La Città Riflessa'
* Artribune Un'installazione luminosa ci parla dall'innalzamento dei mari. Il programma di eventi
* e-flux "When above"
* CLOT Magazin TBA21 Tag
* Ocean-Archive The Ocean's Many Waters
* NYTimes 'More Blue': An Artwork Shows the Sea Changing during Lockdown
* APT Diary Territorian Agency: Oceans in Transformation - Ocean Space
* Institut Kunst Phenomenal Ocean (Podcasts)
* Arte.it Territorial Agency: Oceans in Transformation
* sky arte Il futuro di Venezia tra emergenza climatica e post-pandemia.
* intime (Flughafenmagazin Venedig Jun-Aug 2020) A Time for Ocean Imagination and Ocean Action
* e-flux Infrastructural Snare
* e-flux Forest Gardens Beneath the Anthropocene Seas
* e-flux Revaluing the Oceans

29.11.-31.12. Ocean Space "Nowtilus". Virtuelles Angebot, das das Jahresprogramm der TBA21-Academy in der ehemaligen Klosterkirche S. Lorenzo ergänzt. 
Zum Ausstellungsort siehe auch Einträge im Label S. Lorenzo. Haltestelle S. Zaccaria.



Ergänzungen weiterer Veranstaltungen und Programmtermine folgen hier.



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12. Oktober 2019

Litauens Biennale-Strand und das Blaue Jahrhundert



9:45 Uhr: Ensemble singt sich für den Start der Performance ein

Wegen der vielen Biennale-Pilger*innen auf der sonst wenig frequentierten Strecke zwischen der Riva beim Arsenale und der Celestia (die kürzeste Verbindung zwischen Süd und Nord in Venedig) ist noch mal Aufmerksamkeit geboten für den Pavillon von Litauen, Goldener Löwe 2019, siehe Eintrag vom 16.6.19 "Sun + Sea + Marina + Litauen". 

Um auf 2 Besonderheiten hinzuweisen, damit niemand enttäuscht vor verschlossener Arsenalemauer an der Celestia steht:

  • Der Pavillon spielt nicht die ganze Biennalelaufzeit, 24.11., sondern schließt bereits am 31.10.! Es wird einfach zu kalt für das künstlerische Strandleben im ungeheizten Pavillon. Schon im Juni gab es ein paar ausgesprochen kühle Tage, an denen Ensemble und Freiwillige im Sand vor Kälte schnatterten und notgedrungen Tshirts überziehen mussten. 
  • Zusätzlich wird der Pavillon in der nächsten Woche vom 15.-18.10. geschlossen, weil eine Marine-Tagung im Arsenale stattfindet. In den 4 Tagen ist 1 Performancetag enthalten, Mittwoch 16.10. 


Natürlich will man wissen, was Wichtiges in diesen Tagen passiert und findet im www:
12. Regional Seapower Symposium 2019 - Navies for the Blue Century.

Begriffe wie "Blue Century" und "Seablindness" werden benutzt als seien sie Allgemeingut, mir sind sie aber neu. Ich suche und finde: 



Das Problem der Folgen von Warentransport und -umschlag auf dem internationalen Seeweg steht, wie man an den Daten sehen kann, seit Jahren an, ist aber leider an mir vorbeimarschiert. Ein beispielhafter Fall von Seeblindheit!

Seit Jahren allerdings registriere ich die Entwicklung der BRI - Belt and Road Initiative, die erst vor wenigen Monaten eindeutig als "Neue Seidenstraße" in unseren TV-Nachrichten angekommen ist. 
Wer regelmäßig in Venedig ist, erlebt mit Staunen die Übernahme diverser Wirtschaftsbereiche der Stadt durch 'Chinesen' einerseits und die wachsende Menge chinesischer Tourist*innen andererseits. 
Aber das scheinen Kinkerlitzchen zu sein verglichen mit der chinesischen Übernahme von griechischen Häfen und ihrem massiven Ausbau schon vor, aber vor allem in Folge der 'Krise'. Der Hafen von Piräus wird seit Jahren betrieben von der chinesischen Firma COSCO. Wenn das mir als normaler Touristin auf Reisen in Griechenland und Italien auffällt, muss die wirtschaftliche Verflechtung Chinas mit Europa weit vorgeschritten sein, und das natürlich auf dem Seeweg.  

Einige informative Artikel dazu: 


Golf von Piräus 2018, Hafeneinfahrt im Hintergrund
(von 'meiner' geliehenen Terrasse)
Wegen des Seapower Symposiums können 2 Schiffe im Bacino besichtigt werden: das Schulschiff Amerigo Vespucci am Donnerstag 17.10. 9:30-12:30 Uhr und am Freitag 18.10. 9:30-12:30 und 15:30-20:30 Uhr; und das Amphibienfahrzeug San Giorgio am Freitag 18.10 10-12 und 15-18 Uhr, am Samstag 19.10. und Sonntag 20.10. 10-12 und 15-19 Uhr. (Siehe auch PressMare vom 11.10.19)Viel Interesse bei Venezianer*innen wie Tourist*innen - man muss sich auf lange Warteschlangen einrichten, keine Voranmeldung. 
Am 14., 16. und 17.10. ist auch der Padiglione delle Navi geschlossen (Eingang neben der hölzernen Arsenalebrücke). Den Eintritt ins Museo Storico Navale, zu dem der Schiffspavillon gehört, ist in diesen Tagen ermäßigt. 
Ergänzung 16.10.: 
Il secolo blue, la sicurezza dei mari per garantire il progresso (La Stampa).


Soweit die Links zu "Blue Century" und den ökonomischen Aspekten der Seefahrt (die ökologischen Folgen scheinen nicht ausdrücklich auf der Agenda des Seapower Symposiums zu stehen), dem Thema, das ungestört im Arsenale am 15.-18.10. besprochen wird und deshalb der Pavillon von Litauen pausieren muss.


Ergänzend zum Eintrag vom 16.6.19 "Sun + Sea + Marina + Litauen" kann ich noch berichten, dass ich im September meinen litauischen Strandtag absolviert habe. Morgens wie bestellt um 9:30 Uhr an der Warteschlange vorbei marschiert, in einer winzigen Umkleide gleichzeitig mit ca. 15 Ensemblemitgliedern in meinen Badeanzug gestiegen (umgeben von ca. 30.000 Paaren Flipflops aller Größen, die sich dort seit Mai rundum stapeln), und einen zugewiesenen Platz am Strand eingenommen (die freiwilligen "Beachgoer" liegen rund um das singende Ensemble eher unter der Galerie herum). Ich war zu Beginn die einzige Freiwillige und erlebte das Einsingen von Chor (Studierende des Conservatorio Benedetto Marcello) und Solist*innen, danach noch eine kurze Probe mit Chorleiterin (die Vorstellungen laufen komplett ohne Dirigat), dann wurden 5 Minuten heruntergezählt und Punkt 10 Uhr startete die Performance und das Publikum erschien auf der Empore. 

Eine Performance dauert 70 Minuten und läuft durchgehend als Schleife weiter, das Ensemble singt (abwechselnd und auch gemeinsam der Chor und die Solist*innen) 8 Stunden durch, eine bewundernswerte Leistung, und spielt zwischendurch auch mal Badminton oder Boule. Die Kinder (teils zum Emsemble, teils zu den Freiwilligen gehörig) machen, was sie wollen, das wechselnde Hundchen wird an der Leine herum- (damit man es sieht), und hinausgeführt, wenn es an einzelnen Arienstellen anfängt, mitzusingen. Oder wenn es mal Gassi muss (für Menschen gibt es eine Chemietoilette).
Freiwillige werden vorher per Mail gebeten, Getränke und Essen mitzubringen, nicht laut zu rufen oder während einer Arie den Strand zu verlassen, nicht ins Publikum zu blicken oder winken. Woran sich das sonnige Krabbelkind des Paars neben mir, das mich auf meiner Decke besuchte und zu einem Keks eingeladen wurde, nicht hielt - es zeigte den Keks fröhlich einladend hoch ins Publikum, bevor es reinbiss.
Es war ein warmer Septembertag, ich lag direkt neben einem geöffneten Fenster, durch das eine milde Brise angenehm in den Pavillon wehte - wie man das am Strand erwarten sollte. Ich habe 5 x die ganze schöne melancholische Oper gehört und außerden gelesen, Rätsel gelöst, gegessen und ein Nickerchen gemacht und hätte eigentlich ganz gerne manchmal mitgesungen...

Die Musik kann man im Pavillon und in den beiden Biennale-Bookshops kaufen, leider nur als Schallplatte. Mehrfach nachgefragt: eine CD ist auch weiterhin leider nicht geplant. Schade. Einen Plattenspieler kaufe ich mir deshalb dann doch nicht, aber SCHADE.





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16. Juni 2019

Sun + Sea + Marina + Litauen


Auf der Galerie des Pavillons Litauen "Sun and Sea"

Der Überraschungssieger der nationalen Präsentationen dieser Biennale ist Litauen mit der Performance "Sun and Sea (Marina)", die Siegerinnen heißen Rugilé Barzdziukaité (Filmemacherin und Projektleiterin), Vaiva Grainyté (Autorin und Dichterin) und Lina Lapelyté (Komponistin, Musikerin, Performancekünstlerin). Es ist ein Projekt, dessen Performance und Musik sich magisch kunstvoll, melancholisch, harmonisch und mit sanften Farben der drohenden Umweltkatastrophe nähert, die wir unbedacht im Alltag ausblenden. 





Die Performance findet statt im Arsenale, aber im MILITÄRISCH genutzten Bereich, also niemals zugänglich für Besucher. Jenseits der Ausstellungshallen der Biennale, jenseits auch der Bereiche, die Besucher bei öffentlichen Gelegenheiten wie "offenen Türen" oder dem jetzt wieder anstehenden "Salone Nautico" betreten dürfen . Man kann sich nur über diesen Standort wundern, und es bedurfte wohl einiger Verhandlungen, damit die Anmietung dieses Gebäudes zustande kam. 

Die Anforderungen an einen Raum für das Performanceprojekt sind außergewöhnlich an Größe, Ton- und Lichtinstallation, einer begehbaren Galerie um den Strand von oben beobachten zu können, musiktolerante Nachbarschaft (der Film/die Musikperformance des isländischen Pavillons im Gartenhaus des Palazzo Zenobio musste vor einigen Jahren auf Beschwerden der Nachbarn - tagsüber! -  so leise vorgeführt werden, dass quasi ein Stummfilm daraus wurde). Aber für solche Dinge hat Venedig Locationscouts: die Location ist perfekt, sogar die Galerie war komplett vorhanden und ist kein Einbau. Besucher*innen betreten einen großen Dachboden, über sich die Dachpfannen, unter sich ein einen schlichten Bretterboden aus dessen Ritzen die Strahlen des lichtdurchfluteten Strands eine Etage tiefer scheinen. 
Draußen steht alle paar Meter ein Aufpasser, oder ein kleines Grüppchen im Gespräch, alle in Zivil aber wachsam, damit niemand im militärischen Sperrgebiet fehl tritt und alle Gäste das Gelände wieder verlassen.

Der Eingang ist nicht leicht zu finden und ein einziges schlichtes Aufstellschild auf dem Campo della Celestia spiegelt die Bescheidenheit, aber auch das Selbstbewußtsein der Künstlerinnen: sie werden uns schon finden! 
Und tatsächlich laufen plötzlich die Leute herum in diesem stillen Winkel von Castello, nix los hier an der Nordwestecke des Arsenale, wirklich nur Wohnungen (und Ferienwohnungen), ein Universitätsnebengebäude und ein Ruderclub. Und an den Performancetagen steht eine Warteschlange. So kommt man hin: Haltestelle Celestia, dann links aber nicht über die Brücke, sondern am Kanal entlang geradeaus, zwischen den Wohnhäusern durch zur Calle de la Celestia, dort links, am Eingang des Universitätsgebäudes vorbei Richtung Arsenalemauer. Am kleinen Tor zum Arsenale sitzt gut sichtbar eine Empfangsperson.

Die Veranstaltung ist kostenintensiv (3 €/Minute wurden ausgerechnet), deshalb war die 8-Stunden-Performance zunächst für die Eröffnungstage und dann nur an Samstagen geplant und durch Crowdfundig vorläufig finanziert. Mit dem Goldenen Löwen und dem Publikumserfolg kamen zusätzliche Mittel (vom Staat Litauen, der Stiftung Laurenz Basel, weiteren Stiftungen und Personen), und nun wird erfreulicherweise auch am Mittwoch indoor gesonnt und gesungen und die Finanzierung bis zum Ende am 31.1. ist gesichert.

Dazu schreib die New York Times: Their Beach Opera Won at the Biennale. But They can hardly afford it

Es gibt Bedarf an Freiwilligen, die sogenannten Beach-goers, die neben dem festen Cast an Sänger*innen und Performer*innen den Strand bevölkern. Großartig! Man sich sich auf die Liste setzen und die Perspektive vom Kunstkonsumierenden zur Beteiligten wechseln. Ich habe mich für je einen Samstag im Juni und September angemeldet und wurde für beide Termine eingeladen. Leider kam ich dank technischer Probleme von Eurowings (mal wieder!) am Juni-Samstag nicht um 12, sondern erst nach 19 Uhr in Venedig an und musste ärgerlichweise per Mail meine Teilnahme am Nachmittag absagen. Zum Glück gibt es den 2. Termin, für den ich Strandlaken, Badeanzug und Sonnenhut gar nicht erst wieder auspacke.  

Das Libretto mit den Liedtexten hängt in einigen Exemplaren an der Balustrade der Galerie aus. Hier kann man die Texte herunterladen.
Katalog und Vinyl gibt es am Empfang der Location oder online zu bestellen.

Eine kleine Ergänzung zwischendurch 12.9.19:
Der Pavillon ist der Renner. Ich weiß von Korrespondent*innen, die bei der Information, dass die Schlange mehrfach um den Campo della Celestia herum 2 Stunden Wartezeit bedeutet, wieder gingen. Verständlich.
Heute war ich dort und habe von den Frauen erfahren, dass Leute bisher teilweise 3,5 Stunden Schlange standen. Trotzdem will ich ermutigen, nicht auf den Besuch zu verzichten. Sun + Sea ist das Highlight der Biennale, die insgesamt nicht gaaanz so aufregend ist, aus meiner Sicht.
Aber: 2 Stunden Schlangestehen ist eine der genialen Gelegenheiten, neue interessante Leute kennen zu lernen. Proviant und Wasserflaschen mitnehmen! Am besten genug, um jemanden einzuladen!  (Auch wir ehrenamtlichen "Beachgoer" müssen für die Stunden unseres Einsatzes genügend Futter einpacken, wie das nun mal so ist am Strand...) 

Eine weitere kleine Ergänzung zwischendurch 19.9.19:
Siehe Eintrag "Die Bäume in der Lagune"
Bis die Haltestelle am 24.9. wieder eingerichtet ist, empfiehlt sich der Fußweg von der Riva: 
genau gegenüber der Haltestelle Arsenale die kleine Calle dei Forni (neben dem eingerüsteten Bau der Ca' di Dio), erste Abzweigung links, an San Martino vorbei über die größere Brücke und über den Campo delle gorne am Kanal entlang bis zum Ende. Links, rechts, dem Weg folgen bis zur Brücke links. Nach der Brücke auf dem Campo della Ternità steht das erste Schild (nicht rot, sondern weiß-gold!) von da noch 1 Brücke und der Campo della Celestia, dort Schild und rechts. 

Noch eine Ergänzung 8.10.19:
Eine Konferenz hochrangiger Marineoffiziere findet im Marinestandort Arsenale statt vom 15.-18.10. - der Pavillon Litauen muss in dieser Zeit geschlossen bleiben. Es ist (zum Glück) nur eine der 2 wöchentlichen Performances betroffen, Mittwoch 16.10.

Ergänzung 19.10.19:
Es wurde ein Onlineshop mit 3 "Souvenirs" eröffnet. Hab sie gesehen, sind von guter Qualität, die Musik sowieso. (Achtung Geschenkezeit im Anmarsch!)


Einige Medienkommentare zum litauischen Pavillon:

Bisherige Einträge zur Biennale 2019:

25.4.19 Kunstbiennale 2019 - Medienspiegel 
23.4.19 Biennale 2019 - Die Synchronen
11.4.19 TBA21 öffnet San Lorenzo
10.3.19 Biennale 2019 - Die Kollateralen
27.2.19 58. Kunstbiennale Venedig - Vorschau der Länderpavillons



Folgeeintrag:
12.10.10 Litauens Biennale-Strand und das Blaue Jahrhundert 



Abschiedsmail des Teams  am 28.9.

Only three days are left until the “Sun and Sea (Marina)” finish
at the 58th International Art Exhibition of La Biennale di Venezia
and only one live opera performance on 30th of October.
 Having started on 11th of May, the Lithuanian Pavilion closes its doors
on 31st of October, yet we encourage you to follow the news about the
Golden Lion winner tour on our websiteFacebook, and Instagram.

We are delighted that almost 80,000 people saw and heard the

opera-performance in six months, and more than 2,000 volunteers
were sunbathing under the artificial sun on our beach.

Live performances would not have been possible without the support

 of the Lithuanian Council for Culture and Ministry of Culture of the
Republic of Lithuania, the Laurenz Foundation, Vilnius City Municipality,
and everyone who contributed to the crowdfunding campaign through
the Indiegogo platform. We are grateful to the first sponsors of the project:
the Lewben Art Foundation, JCDecaux Lietuva, The Momentary, and
private individuals who had supported us before the Venice Biennale began.

It is all of you who have made this art piece even brighter and wavier.

We are grateful for this wonderful trip!


Noch ein kleiner Nachtrag: im März 2020 hochgeladenes Video mit Texten.

20.04.20
The Quietus: A Beach In A Box: Sun And Sea In Bergen

15.11.2020

27. Februar 2019

58. Kunstbiennale Venedig - Vorschau der Länderpavillons



Biennale 2017, Pavillon China

Dieser Eintrag wurde vom 27.2. bis einschließlich 7.5.19 laufend ergänzt. Er enthält Informationen, die weiterhin lesenswert sind und massenhaft Links, auf die man weiterhin zugreifen kann.
Mit der heutigen Eröffnung der Biennale ist aber Schluss mit 'Vorschau'. Alle weiteren Artikel zur Biennale erscheinen chronologisch im Eintrag 



In 10 Wochen startet ein langer Biennalesommer in den Pavillons der Giardini und des Arsenale, das in den letzten Jahren dank weiterer Ausbauten der alten Bausubstanz immer mehr Platz für nationale Pavillons bieten kann. 
Dadurch nehmen Länderpavillons dauerhafte Ausstellungsräume im Arsenale ein, die vorher feste oder wechselnde Räume in der Stadt angemietet hatten, wie z. B. jetzt Luxemburg, das seinen 'Kunstsitz' im Parterre der Ca' del Duca nach vielen Jahren zugunsten des Arsenale aufgibt. Trotzdem - es werden, wenn auch teilweise nur kurzfristig, sicher wieder Ausstellungen in interessanten Locations in der Stadt geboten. Darauf werde ich in einem der nächsten Einträge eingehen, das bedarf der Recherche.

Dieser Eintrag ist die bisherige Sammlung von Länderauftritten, die OHNE Recherche in den letzten 12 oder mehr Monaten in meinem Computer gelandet sind. Sie kommen per Newsletter oder über Alertaufträge, die ich gesetzt habe und werden erstmal einfach nur im Ordner 'Biennale 2019' abgespeichert. Jetzt habe ich den Ordner ausgewertet, sortiert, Uninteressantes und bereits nicht mehr funktionierende Links rausgeworfen. Die unterschiedliche Anzahl von Links zu den einzelnen Ländern beruht nicht auf meiner Bewertung, sondern liegt an der Rührigkeit der Medienverantwortlichen und/oder/vielmehr den Marketingbudgets. Und sicher auch an der Einschätzung der Wichtigkeit einzelner Biennaleauftritte durch die Journalist*innen - welche Kriterien auch immer dabei eine Rolle spielen.
Ich denke, diese Linksammlung eine interessante Informationsquelle für Kunstinteressierte zu dem, was von den beteiligten Ländern in diesem Biennalejahr vorgestellt wird. 


Sortierung: 
1. Einige Links zu Berichten und Kommentaren im Vorfeld der Biennale
2. Länderauftritte alphabetisch ohne weitere Sortierung wie Datum etc..

Die Sammlung wird bis zum Biennalestart weiter ergänzt durch Posteingang, aber auch gezielte Recherchen in den nächsten Wochen, denn es fehlen hier noch diverse Länder in der Liste, wie man sehen kann. Die Ergänzungen ab dem 1.3. sind an der Textfarbe zu erkennen.


Biennale 2017, Pavillon Italien


Website Biennale Arte 2019

Wikipedia "Mögest du in interessanten Zeiten leben"

The Art Newspaper 'Pleasure and critical thinking': Ralph Rugoff unveils...
Art Net News 'We Can All Be in Different Worlds' Ralph Rugoff's Venice Biennale...
Deutsche Welle Ralph Rugoff kuratiert die Venedig-Biennale 2019
NZZ Ralph Rugoff kuratiert die Biennale von Venedig 2019

monopol Interview "Ein problematisches Format"

Hyperallergic 20 Alternative Curses for the 2019 Biennale

Hochschule Hannover Informationsmanagement für die Venedig-Biennale (App)


Vorschau der Biennaleleitung Paolo Baratta/Ralph Rugoff am 7.3.2019 auf die 58. Kunstbiennale und die teilnehmenden Länder, Künstler*innen und kollateralen Projekte.

Kunstforum: 58. Biennale Venedig: Künstlerliste steht fest

artnet news: The 2019 Venice Biennale List is Out

ArtNews: Here's the 2019 Venice Biennale Artist List 

Biennale: Pressekonferenz 7.3.19

artnet news: This Year's Venice Biennale Will 'Articulate a Counter Offer' to Donald Trump's Vision of the World

Monopol: Venedig-Biennale will offen und grenzenlos sein

artnet news: What Can We Expect from Ralph Rugoff's Venice Biennale?

artnet news: Biennials Are Proliferating Worldwide. There's Just One Problem...

Frieze: Curator Ralph Rugoff Unveils Plans for 2019 Venice Biennale's Performance Programme
Artnet News: For the First Time, the Venice Biennale is Launching a Performance Art Program...

Artnet News: The Age of Equivocation?

La Biennale: Jimmie Durham Golden Lion for Lifetime Achievement
Artlyst: Jimmie Durham...
Artnews: Jimmie Durham...
Artforum: Jimmie Durham...
Artnet News: Jimmie Durham...

Universes in Univers: Künstlerliste der zentralen internationalen Ausstellung von Ralph Rugoff, Stand 8.4.2019

La Biennale: International Jury of the 58th International Art Exhibition
Tagesspiegel: Gropius-Bau-Chefin Rosenthal leitet Biennale-Jury

Sotheby's Africa in Venice Forum: Representation at La Biennale

Guardian: 'So beautiful I cried' ... on the thrill of the Venice Biennale

Offizielle Broschüre der Biennale mit allen Ausstellungsbereichen: Giardini, Arsenale, Stadt.

Komplette Agenda der Previewtage 6.-10.5. (für Menschen mit Akkreditierung)

Giornale dell' Arte Ausgabe Mai-Nov. 2019, Sommerprogramm Venedig und Veneto.

Venews Ausgabe Mai 2019 Biennale


Biennale 2017, Pavillon Georgien


Länder alphabetisch 

Albanien (Arsenale)


Algerien (Castello, Fondamenta S. Giuseppe)


Antigua und Barbuda (Centro Don Orione Artigianelli)

Argentinien (Arsenale)


Armenien (Palazzo Contarini del Bovolo, evtl. auch? Palazzo Zenobio)

Azerbaidjian (Palazzo Lezze, Campo S. Stefano)


Australien (Giardini)


Bahrein

  • http://www.tradearabia.com/news/LIFE_354329.html



Belgien (Giardini)


Bosnien und Herzegowina (Ca' Bernardo, San Polo)


Brasilien (Giardini)


Bulgarien


Canada (Giardini)


Chile (Arsenale)


Dänemark (Giardini)


Deutschland (Giardini)


Dominikanische Republik


Elfenbeinküste



Estland


Finnland (Giardini)


Frankreich (Giardini)


Georgien (Arsenale)


Ghana (Arsenale)


Grenada (Palazzo Albrizzi, Castello)


Griechenland (Giardini)


Großbritannien (Giardini)


Guatemala


Hongkong (Campo della Tana, Castello)


Indien


Indonesien (Arsenale)


Irak (Ca' del Duca, San Marco)


Iran (Fondaco Marcello)



Irland (Arsenale)




Island (Spazio Punch, Ex-Birreria, Giudecca)


Israel (Giardini)



Italien (Arsenale)

Japan (Giardini)

Korea (Giardini)


Kosovo (Arsenale)

Libanon


Liechtenstein


Litauen


Luxemburg (Arsenale)


Macau


Madagaskar (Arsenale)


Malaysia


Malta (Arsenale)


Mexico (Arsenale)


Mongolei


Neuseeland


Niederlande (Giardini)


Nordischer Pavillon (Giardini)


Österreich (Giardini)



Pakistan (Spazio Tana, Castello)


Portugal



Rumänien (Giardini)

Russland (Giardini)

San Marino

Saudi-Arabien (Arsenale)


Schottland (Arsenale Docks, S. Pietro di Castello)


Schweiz (Giardini)



Seychellen (Palazzo Mora)




Singapore (Arsenale)


Slowenien (Arsenale)


Spanien


Südafrika (Arsenale)

Taiwan (Palazzo delle Prigioni, San Marco) eigentlich eine kollaterale Ausstellung, siehe auch im Eintrag "Biennale 2019 - die Synchronen"

Tschechien (Giardini)


Türkei (Arsenale)


Ukraine



Ungarn (Giardini)


USA (Giardini)


Vereinigte Arabische Emirate UAE (Arsenale


Zimbabwe (Pietà, San Marco)

Zypern (Associazione Culturale Spiazzi, Castello)


Biennale 2017, Pavillon Venezuela


Einträge zu 58. Kunstbiennale:

58. Kunstbiennale Venedig - Vorschau der Länderpavillons
Biennale 2019 - Die Kollateralen
Biennale 2019 - Die Synchronen
Medienspiegel


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