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6. Oktober 2018

Tintoretto - die große Geburtstagsshow 2018


Sie läuft bereits seit 4 Wochen, die große Tintoretto-Show, und ist riesig, sehr beeindruckend, und entsprechend insgesamt ein bisschen unübersichtlich. 
Das kann daran liegen, dass an der Organisation der Ausstellungen sowohl italienische Institutionen - für den Dogenpalast die städtischen Museen (MUVE), für die Accademia das italienische Ministerium für Kulturgüter und Tourismus (MIBACT), für die Scuola Grande San Marco quasi das Ospedale Civile, also die Region Veneto, zuständig sind, und darüber hinaus die U.S. Partner National Gallery of Art Washington (Kooperation bei der Ausstellung im Dogenpalast) und Save Venice, dessen Beteiligung an der Verantwortung für die Ausstellungen, an allen Begleitbüchern der Tintoretto-Ausstellungen, und die seit Jahrzehnten herausragenden Restaurationsprojekte von Tintorettowerken in Venedig unter dem Link nachzulesen sind. Viele Menschen, viel Bürokratie und ein riesiges Projekt, das hier gestemmt wird.

Wer genug Zeit in Venedig hat, muss wohl kaum überzeugt werden, dieses einzigartige Angebot komplett wahrzunehmen, und schon am 2. Oktober wurden 25.000 Besucher*innen  im Ausstellungsteil des Dogenpalastes gemeldet. Auf lange Zeit wird es eine solche Ansammlung von Tintorettowerken, zusammengetragen aus internationalen Museen und Privatsammlungen, nicht mehr geben, ganz abgesehen von der Tintoretto-Gesamtausstattung, die die Stadt Venedig seit 500 Jahren schmückt. 
Dazu mehr weiter unten und zur Einstimmung ein Trailer des 30minütigen Films, hergestellt von der National Gallery of Art Washington (italienisch mit englischen Untertiteln), der in den beiden Hauptausstellungen zu sehen ist und kostenlos für die Bevölkerung in venezianischen Kinos aufgeführt wurde. Die Zeit, ihn anzusehen, sollte man sich nehmen und entweder im Dogenpalast oder der Accademia einkalkulieren. Nach dem Blogeintrag zum Kölner Tintoretto will ich hier einen kleinen Überblick, keine Bewertung, der venezianischen raumgreifenden Geburtstagsveranstaltung geben.


Teil 1 der beiden Hauptausstellungen "Il Giovane Tintoretto" ist zu sehen in den Gallerie dell' Accademia, deren Website seit geraumer Zeit 'in Arbeit' ist und immer noch nur so halbwegs funktioniert. Damit kann man leben. In den Erdgeschossräumen, die Wechselausstellungen zur Verfügung stehen, wird hier die Entwicklung des jungen Tintoretto gezeigt. 
Werke der Künstlerkollegen wie Tizian, Pordenone, Bonifacio de' Piati, Paris Bordon, Francesco Salviati führen zunächst in die Kunst seiner Zeit ein. Dann folgen Tintorettos Frühwerke, zum Teil in der Kölner Ausstellung gesehen, bis hin zu seinem Durchbruch mit dem Zyklus, den er für die Scuole Grande di San Marco schuf, dessen größter Teil seit der Schließung Scuola hier in der Accademia ausgestellt wird. Der Rundgang endet mit dem "Sklavenwunder", oft in der oberen Etage bewundert, aber nach der Hinführung durch die Ausstellung, die gute Präsentation und Ausleuchtung ist das Bild ein Hammer, vor dem nicht nur ich außer Fassung war. Überwältigend.


Fliegendes Baby, entspannte junge Mutter.
Umgeben von bewegten Heiligen: Jakob, Elisabeth, dem kleinen
Johannes, Zacharias und Caterina von Alexandrien
des jungen Tintoretto 1540. Aus einer privaten Sammlung entliehen.

Dieses erste große Werk des jungen Robusti und die spätere Kooperation mit seinem Sohn Domenico wird in der Ausstellung "Arte, Fede e Medicina nella Venezia di Tintoretto" (Kunst, Glaube und Medizin in Tintorettos Venedig) historisch und künstlerisch gut nachvollziehbar. Diese Ausstellung in der Scuola Grande di San Marco geht in der venezianischen Gesamtshow etwas unter, ist eher 'klein' im Kapitolarsaal der Scuola und der Eintritt ist mit 5 € vergleichsweise bescheiden (wie schön), zeigt aber einen wichtigen Teilaspekt aus dem Leben und Gesamtwerk Tintorettos.  

In der Kappelle des Kapitolarsaals der Scuola hängen bis heute drei Werke des Zyklus, die von der Hand des Sohnes Domenico stammen (S. Marco segnet die Laguneninseln, Der Körper S. Marcos wird zum Schiff getragen, Der Körper S. Marcos wird in Venedig empfangen), und ein wunderbares Altarbild von Palma Giovane. (Ich empfehle die Mitnahme eines Opernguckers/kleinen Fernglases, die Bilder hängen am Originalplatz, da ist eine Sehhilfe für die Details ratsam.) 
Aber vor allem die frühere Hängung des gesamten Zyklus (z. B. des "Sklavenwunders" an der Kopfseite des Saales im fast ganztägigen Gegenlicht!) wird in einem kurzen Film verständlich, ebenso Details zur Entstehung und Bedeutung der Bilder. Der Film ist quasi Teil des Films, der im Dogenpalast und in der Accademia gezeigt wird, hergestellt vom gleichen Team, ist aber nur hier zu sehen.
Dazu muss man allerdings (und darauf wird nirgends hingewiesen) durch die Sala dell'Albergo (mit Reproduktionen des beeindruckenden Bilderzyklus des 'Martyrium S. Marcos' der Bellinis und Mansueti, Originale in der Accademia) bis in ein Hinterzimmerchen vordringen, in dem dieser Film auf italienisch mit englischen Untertexten in Dauervorführung gezeigt wird. Linke Tür hinten in der Sala dell'Albergo, normalerweise verschlossen. Kleiner Film, große Wirkung.
Darüberhinaus ist die Ausstellung im Kapitorlarsaal höchst interessant, einerseits wegen historischer medizinischer Details aber vor allem wegen der ausgestellten Originaldokumente der Scuola, Werksvereinbarungen mit Tintoretto, Rechnungen etc..  

Es gibt im Kapitolarsaal einen Bücherverkaufstisch. Ich empfehle den ausgezeichneten wissenschaftlichen Katalog/Begleitband "Art, Faith and Medicine in Tintoretto's Venice" von Gabriele Matino und Cynthia Klestinec, in englischer Sprache und als italienische Übersetzung, 136 S., jeweils 21 €. Empfehlenswert ist auch die handliche zweisprachige Broschüre "La Scuola Grande di San Marco a Venezia" aus der Reihe "Mirabilia Italiae Guide", 103 S., 10 €. Geschichte der Scuola Grande und Beschreibung des Gebäudes und seiner künstlerischen Ausstattung. Auf dem Markt seit 2017, mir bisher leider nicht bekannt, im www auch auf der Seite des Verlages Franco Cosimo Panini nicht auffindbar. Also eine echte Gelegenheit!    
Jeweils Mittwoch um 15:45 und 16:45 Uhr werden kostenlose Führungen durch die Ausstellung von Experten der Scuola Grande di San Marco angeboten. Eintrittskarte vorausgesetzt, Anmeldung empfehlenswert unter scuolagrandesanmarco@aulss3.veneto.it.
Ein lesenswerter Artikel zu dieser Ausstellung (der Reiseagentur Walks Inside Italy) und Details in italienischer Sprache von der Ausstellungswebsite.


Ehem. Ausgestaltung des Kapitularsaals der
Scuola Grande di San Marco

Teil 2 der beiden Hauptausstellungen "Tintoretto 1519-1594" im Dogenpalast findet vermutlich die meiste Aufmerksamkeit und ist, wie "Der junge Tintoretto" solide kuratiert, mit einem (mich) beeindruckenden Schwerpunkt auf der Arbeitsweise Tintorettos, seiner künstlerischen Entwicklung und natürlich auch Karriere.

Obwohl im Dogenpalast mittlerweile Fotos ohne Blitz erlaubt sind, ist hier knipsen verboten (in der Accademia und Scuola Grande di San Marco darf man), trotzdem konnte ich mir als Gedächtnisstütze ein Foto nicht verkneifen: Die Entführung der Helena von Troja - die brutale Szene ist eine venezianisch-osmanische Seeschlacht, originell konzipiert und aktuell im Zusammenhang mit der Seeschlacht von Lepanto 5 Jahre zuvor.  Ein Wahnsinnsgemälde, zum Glück mit einer Sitzbank davor, um die Szene eingehend zu studieren. Im Ausstellungskatalog unter Fig. 179 zu sehen und in der chronologischen Liste der Exponate (der akribisch und kompetent arbeitenden Susannah Rutherglen) auf S. 257 als "The Abduction of Helen", c. 1576/1577 als möglicher Auftrag des Herzogs von Mantua Guglielmo Gonzaga aufgeführt, inkl. weiterer Details zur Entstehungsgeschichte des Werkes. Ausgeliehen vom Prado, von dessen Seite dieses Foto stammt, denn ich kann schlecht das Ergebnis meiner Übertretung hier veröffentlichen.
Könnte man die Entführung der Helena im Rahmen einer Kampfszene des heutigen nahen Ostens darstellen? Entführung und Missbrauch von Zivilistinnen? Nach der gestrigen Preisverleihung des Friedensnobelpreises an die Jesidin Nadia Murad?  


Ich verlinke hier einige Beiträge des Feuilletons, die z. T.  nicht kostenlos sind:

Weltkunst Tintoretto: Die Zeit steht still, weil der Maler es will
FAZ  Sturz ins tiefste Tintorettorot
SZ    Strahlende Schatten

ZDF Aspekte  Venedig feiert Tintoretto
ARD ttt  Tintoretto
Deutschlandfunk  Jacopo Tintoretto
Apollo  The Triumph of Tintoretto (Artikel von Frederich Ilchmann, Save Venice-Vorsitzender und Ko-Kurator von "Tintoretto 1519-1594")
The Art Newspaper  Tintoretto's 500th anniversary
ytali.  A Venezia tutto il genio di Tintoretto
ArtsLife  Tutto il genio di Tintoretto
La Nuova  Ritrovati i colori di Tintoretto
Artribune  500 volte Tintoretto
Stuttgarter Zeitung  Gemälde wie ein Kinofilm
The Times Every Kind of Picture

Es wundert niemanden, dass sich viele ein Stück von der Geburtagstorte 'Tintoretto 500' abschneiden wollen. Die Eintritte in Accademia (ohne reguläre Ermäßigungsangebote) und Dogenpalast (zusätzliches Extraticket für Tintoretto) sind happig, aber bei Vorlage der Tickets der jeweils anderen Ausstellung geben beide eine Ermäßigung. Und beide Ausstellungen publizieren natürlich eigene Kataloge/Begleitbücher, in den Museumsshop mit einer kleinen Ermäßigung. Von hoher Qualität, hohem Preis und hohem Gewicht (ganz schlecht für Flugreisende). Für Venedigappassionati, die über die Mittel und Sprachkenntnisse verfügen und Platz in Koffer und Bücherregal haben, empfehle ich den Kauf dieser Bücher:

"Il giovane Tintoretto", nur in italienisch, 35 €, in der Ausstellung 30 €
"Tintoretto 1519-1594" italienische und englische Ausgabe, je 53 €, in der Ausstellung 45 €
"Arte, fede e medicina nella Venezia di Tintoretto" italienische und englische Ausgabe, jeweils 21 €, keine Ermäßigung
"Tintoretto à Venezia. Itinerari" italienische und englische Ausgabe, je 15 €, keine Ermäßigung

Das letzte Buch ist der lang angekündigte Führer zu allen Tintorettowerken in Venedig, herausgegeben von Thomas Dalla Costa und den Kuratoren von 'Tintoretto 1519-1594' Frederick Ilchmann und Robert Echols, alle sind in Funktionen bei 'Save Venice' (s. oben).  
Der engagierte kleine Führer "Itinerario tra le chiese veneziane alla scoperta di Tintoretto" der Associazione Chiostro Tintorettiano hat bisher seinen Dienst getan und wird es auch weiterhin. Ist aber schwer zu finden (Verkauf z. B. in Madonna dell' Orto z. B.), ist eine dieser schlecht hergestellten zusammengepappten Broschüren, bei denen die einzelnen Seiten nach kurzem Gebrauch blöderweise einfach herausfallen (alle in diesem Blogeintrag genannten Bücher sind ordentlich stabil geheftete Broschuren!) und die zusätzliche englischsprachige Ausgabe ist schon ein Vorteil. Achtung: einige der Werke, zu denen "Tintoretto in Venice" führt, befinden sich bis Anfang Januar in der Accademia und im Dogenpalast.


Vereinbarung zur kostenlosen Ausgestaltung
der Kappelle der Scuola Grande di San Marco
gegen die Mitgliedschaft in der Scuola

Es gibt weitere Wegweiser, die KOSTENLOS zur Geburtstagsshow und vor allem den Werken führen, die auch danach wie vorher in Venedig zu bewundern sein werden:
Auf der Website der städtischen Museen gibt es einen ausgezeichneten Tintoretto-Online-Wegweiser durch die Stadt, dem man auch entnehmen kann, wann Werke aus Kirchen sich in welchen Ausstellungen (Accademia, Dogenpalast, Folgeausstellung Washington) befinden und deshalb nicht an ihrer eigentlichen Location zu finden sind.

Venezia Unica hat ebenfalls einen Tintoretto-Führer, sortiert nach den Sestieri, online gestellt.

Bei der Venedig-Reiseplanung ist auch ein Blick auf die Website von CHORUS zu empfehlen, hier werden öfter kostenlose Führungen angekündigt, die auch Tintoretto-Kirchen betreffen können (hier die Termine vom 19.10-9.11.).

Und wer eine der drei Ausstellungen besucht, findet dort als praktischen Service Blöcke, etwas größer als Din A 3, von denen man sich eine Seite abreissen kann: Vorderseite Stadtplan mit 30 durchnummerierten Standorten von Tintoretto-Werken (wer sich in Venedig nicht auskennt, braucht zusätzlich einen exakten Stadtplan) und der vaproettotechnischen Anbindung fast aller Locations; auf der Rückseite (hier wäre auf die gewünschte Sprache zu achten, wahlweise italienisch und englisch) die durchnummerierte Auflistung der Werke, die an den einzelnen Standorten zu sehen sind. Zusätzliche Informationen zu Öffnungszeiten (wichtig vor allem bei den Kirchen!), derzeitigen Führungsangeboten an den Standorten und Informationen, welche der Einzelwerke ggfs. 'unterwegs' in den Ausstellungen sind. 

Dieser Druck ist das Praktischste, was sich jemand ausdenken konnte und tut für regelmäßige Venedigbesucher*innen, wenn nachträglich ordentlich mit Plastikfolie präpariert (Copyshop), jahre- wenn nicht jahrzehntelang einen sicher hoch geschätzten Dienst. Eine freundliche nachhaltige Wirkung des Geburtstagsparty-giveaways.  


Tintorettos Unterzeichnung des o. g. Vertrages
(man beachte das wunderbare geschöpfte Papier)



Ergänzung 28.10.
Parallel zu den Tintoretto-Ausstellungen zeigt die Ca' d'Oro vom 20.10.-7.1.2019 "Contemporary Dialogues with Tintoretto" mit Werken von 12 Gegenwartskünstler*innen. Solche Begegnungen finde ich selber immer sehr spannend und inspirierend. Mehr dazu, inklusive einigen Bildern. 

Ergänzung 7.11.
8.-9.-10.11. Dogenpalast, Salone del Piovego "Studientage im Tintorettojahr" (in italienischer Sprache) des italienischen Kulturministeriums. Leider mal wieder eine sehr kurzfristige Information, aber für Interessierte sicher ein hohinteressantes Angebot unter Beteiligung aller wichtiger Fachkräfte des Tintorettojahrs, mit Vorträgen und geführten Besichtigungen. Weitere InformationenProgramm. Für den 8. und 9.11. ist eine Anmeldung erforderlich, ansonsten ist die Beteiligung an den Studientagen frei und kostenlos.


Ergänzung 13.11.
20.11.-14.12. werden in der Accademia Führungen durch 'Il Giovane Tintoretto' angeboten, in italienischer Sprache durch Kunstwissenschaftler*innen und Kurator*innen der Ausstellung; im Entrittspreis enthalten ohne Zusatzkosten:


Incontri attorno alla mostra Il giovane Tintoretto
In occasione della mostra Il giovane Tintoretto (fino al 6 gennaio 2019), le Gallerie dell’Accademia di Venezia presentano un ciclo di incontri con importanti studiosi, storici dell’arte e dello spettacolo in dialogo con le curatrici, volto ad approfondire temi e aspetti legati alla formazione e all’opera di Tintoretto.
Tutti gli incontri a ingresso libero saranno preceduti da una visita guidata, inclusa nel costo del biglietto d’ingresso, ad eccezione del racconto di Luca Scarlini che procederà attraverso le sale delle Gallerie.

Chiuderà la rassegna un brindisi, in occasione delle festività natalizie, con la degustazione di prodotti della Distilleria Bortolo Nardini 1779.


Programma
Giovedì 20. 11
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Incontro con: Stefania Mason, docente di Storia dell’arte moderna all’Università di Udine
Tintoretto “veneziano”. L’uomo, l’artista e il suo pubblico nella Venezia del Cinquecento

Viene ripercorsa la biografia di Tintoretto, unico autentico veneziano tra i pittori del suo tempo, nel vivace contesto sociale, economico e culturale in cui si trova a operare, seguendo la sfida continua del figlio del tintore, orgoglioso di tale origine. Si tenta di ricostruire la sua fisionomia di uomo: dal giovane competitivo alla ricerca di un proprio spazio in città, al padre di una numerosa famiglia da mantenere, all’artista sempre più ambizioso, alle relazioni con i circoli intellettuali e ai rapporti sociali  utili alla carriera, alla politica disinvolta dei prezzi, alla creazione di una grande bottega.

***
Giovedì 29. 11
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Incontro con: Melania Mazzucco, scrittrice
Tintoretto un personaggio “letterario”
Melania Mazzucco ha dedicato anni di studi e ricerche a delineare la fisionomia di Tintoretto, passando dall'indagine appassionata della verità storica alla libera interpretazione dei fatti e alla dimensione fantastica dei personaggi,  presentando un artista complesso - un artista ambizioso e discusso, scorretto e devoto, colto e popolare, eccentrico e conformista, incalzato da un perenne furore creativo. In un dialogo continuo e attraverso un confronto serrato con le sue opere, Melania Mazzucco ricostruisce minuziosamente la vita del "più terribile cervello che abbia avuto mai la pittura". 
***
Venerdì 30.11
Ore 16.30 Incontro con: Luca Scarlini, saggista, drammaturgo e scrittore
Una vita da romanzo: Tintoretto raccontato
Una narrazione su Tintoretto che procederà attraverso le sale della Galleria dell'Accademia, soffermandosi su diverse opere del percorso espositivo. Tintoretto è stato raccontato da scrittori, romanzieri e narratori di tutto il mondo, giovane, maturo e anziano secondo le penne di  Maurice Barrès. Theodor Fontane, Iris Murdoch, Thomas Bernhard, Neri Pozza, Melania Mazzucco e numerosi altri. Un artista che suscita trame narrative, spunti di riflessione, derivazioni poetiche, folgorazioni di senso. 
***
Giovedì 6.12 
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 incontro con: Vittoria Romani, co-curatrice della mostra, docente di Storia dell'arte moderna all’Università di Padova
Il percorso del giovane Tintoretto

Vittoria Romani, co-curatrice della mostra Il Giovane Tintoretto ci guida in un viaggio nella cultura figurativa veneziana durante gli anni dell’affermazione di Jacopo Tintoretto alla ricerca di un percorso di formazione molto sperimentale, condotto all’insegna del dialogo tra le arti.

***
Venerdì 14.12
Ore 16.30 visita guidata
Ore 17.30 Brindisi di Natale con: Distilleria Nardini 1779

Dopo la visita guidata in mostra il pubblico è invitato a una degustazione prodotti Distilleria Bortolo Nardini in occasione delle festività natalizie.

Informazioni: 

Visita Guidata gratuita compresa nel biglietto di ingresso
Incontro o aperitivo ad ingresso libero
Si consiglia la prenotazione a info@civitatrevenezie.it fino a esaurimento posti disponibili

www.mostratintoretto.it



Ergänzung 19.11.
Artikel in Artnet news zu internationalen Tintoretto 500-Ausstellungen "A Haunting Virtuoso of the Renaissance, Tintoretto's Personal Side Has Remained a Mistery"

Ergänzung 20.11.
Ein sehr lesenswerter Artikel der NYT vom 15.11.: 3 Days, 150 Paintings: A Whirlwind Tintoretto Tour

Ergänzung 21.11.
Der 2. Band der Tintoretto-Myzelien von Erasmus Weddigen ist für Anfang Dezember angekündigt und kann vorbestellt werden (oder im Buchhandel gekauft, wenn er da ist): 
Jacomo Tentor F. Myzelien II zur Tintoretto-Forschung; Rückblicke, Einblicke, Exkurse, Exkursionen.
(Empfehlung für den 1. Band im Eintrag "2018 ist Tintoretto 500" vom 30.12.2017)






Ergänzung 1.12.
Die Scuola Grande di San Rocco hat nach der Lichtinstallation in der Eingangshalle des Jahres 2011 aus Anlass des Geburtstags eine neue Beleuchtung im Kapitelsaal installieren lassen. Was für eine gute Idee. Die Beleuchtung war sowohl für die großen Leinwände Tintorettos wie auch die Schnitzeren immer etwas funzelig, wenn man sich auch nach einer Weile an die Lichtverhältnisse gewöhnte. Sponsor der Lichtpracht ist iGuzzini, die auch schon andere Kunstwerke beleuchtet haben.

Ergänzung 29.12.
Ein neuer Tintoretto-Dokufilm: "Tintoretto - Ein Rebell inn Venedig". In italienischen Kinos am 25., 26., 27.2.2019. Mehr dazu.

Ergänzung 2.4.2021
Eine neue Broschüre zu Tintoretto-Werken in Venedig ist herausgekommen, online zu lesen. Da gibt es weitere Artikel zum Thema. Herausgeber scheint das Ateneo Veneto zu sein.



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30. Dezember 2017

2018 ist Tintoretto 500 - erst mal Köln

Selbstprotrait 1547
(Foto: Vangelis Tsoumenis)

2018 ist das internationale Tintoretto 500 - Jahr, und da wegen eines schlecht leserlichen und deshalb interpretationsfähigen Dokuments nicht klar ist, ob Jacopo Robusti Jahrgang 1518 oder 1519 ist, kann sich das Jahr auch etwas hinziehen.

Tatsächlich haben die Feierlichkeiten ja bereits ein Jahr vor dem Geburtstag begonnen, und zwar am 6.10.2017 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum mit der Ausstellung "A Star was Born", die noch einen Monat zu sehen ist und dann in Paris weiter den Meister feiern wird. Auch, bzw. gerade für Venedigfreund*innen, die viele Werke Tintorettos mehr als einmal bewunderten in S. Giorgio Maggiore, San Silvestro, S. Marcuola, S. Trovaso, im Redentore, in der Madonna dell'Orto, um nur einige der 21 venezianischen Tintoretto-Kirchen zu nennen, ganz zu schweigen von S. Rocco und der Scuola Grande San Rocco, will ich diese Ausstellung wärmstens empfehlen. Genauer: man darf sie nicht verpassen.

Denn hier gibt es Tintoretto auf Augenhöhe. Mit der Nasenspitze fast an der Leinwand kann jedes Detail, jeder Pinselstrich geprüft und nachvollzogen werden. Mit nacktem Auge ohne Operngucker, der ja bei den weit entfernten riesigen Leinwänden Tintorettos an venezianischen Kirchenwänden und Altären unerlässlich ist, kann man Gesamteindruck und Kleinstteiliges auf sich wirken lassen. Perfekt ausgeleuchtet hängt hier das Frühwerk Tintorettos und ist also unbeschwert vom seltsamen Medium unhandlicher Spiegel wie in der lichtgedimmten Scuola Grande di San Rocco zu genießen. In hochinteressanten "Dialogen" (wie das der Museumssprech regulär nennt) mit Zeitgenossen, Vorgängern, Kollegen, Kindern, Werkstattmitarbeitern. 

Die Ausstellung wird medienmäßig mit lauten Adjektiven ("spektakulär") bedacht, aber eigentlich lädt sie zur Kontemplation ein, zum genauen Hinschauen, zur bewußten Wahrnehmung des kleineren Formats, das Jakopo Robusti in jungen Jahren übte in seiner Werkstatt bei S. Cassian auf der 'schäl Sick' des Canal Grande. Die Riesenformate, die nie in Ausstellungen, sondern immer nur in situ zu sehen sein werden, konnten er und seine Familienmitglieder/Werkstattmitarbeiter erst in der Werkstatt an der Fodamenta dei Mori (und der heutigen Calle Tintoretto) bei der Madonna dell'Orto verwirklichen. 

Ich verlinke hier lokale/regionale/überregionale Berichte sehr unterschiedlicher journalistischer und fachlicher Qualität und sortiere auch Textschwurbel (z. B. der ZEIT) nicht aus oder die hyperaktive Selbstinszenierung der WDR-Reporterin. Insgesamt enthalten die Berichte Kommentare, Informationen, Erläuterungen und viele Fotos, die ein gutes Bild dieser Ausstellung vermitteln, die sicher bemerkenswert zum Gesamteindruck des Tintorettojahrs beiträgt. Oder besser: zum Gesamteindruck, auf den wir hoffen und auf den wir gepannt sind. 

NRW-Tourismus   Tintoretto - A Star Was Born
SWR2   Der malende Subunternehmer
Kölnische Rundschau   Tintoretto in Köln
WDR   Tintoretto in Köln
WDR   Brodelnde Kunstszene: Tintoretto-Ausstellung in Köln
Koeln.de  Wallraf-Richartz-Museum zeigt Werke von Tintoretto
Welt   Epen für die große Leinwand
ZEIT  Himmel, Erde, Kunst
Westdeutsche Zeitung   Der junge Tintoretto als Star von Venedig
Aachener Zeitung   "Ein Wilder, ein Revoluzzer"
Stuttgarter Nachrichten   Der Anti-Tizian
General-Anzeiger Bonn   Wallraf-Richartz-Museum zeigt spektakuläre Tintoretto-Schau
Die Rheinische Kulturraumverdichtung   "Der unheimlichste Kopf der Malerei"
FAZ   Alles in Bewegung
Südwest Presse   Wallraf-Richartz zeigt Tintoretto, den Netzwerker
Osnabrücker Zeitung   Köln zeigt Malergenie als Shootingstar
Art in Words   Tintoretto - A Star Was Born
WA   Das Frühwerk Tintorettos im Kölner Wallraf-Richartz-Museum
Retrospektiven   'Tintoretto -A Star Was Born' im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Köln-Magazin   Tintoretto-Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum
rheinische Art   Der dreiste Maler
Kunstwelten   'Tintoretto - A Star Was Born' im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Royal Collection Trust   The Young Tintoretto at Wallraf-Richartz-Museum (Cologne)
Badische Zeitung   Tintoretto in Köln zu sehen
Boesner Kunstportal   Kometenhafter Aufstieg
Deutschlandfunk   Religion im Werk Tintorettos
BlouinArtinfo   Jacopo Tintoretto at Wallraf-Richartz-Museum, Cologne


© Vangelis Tsoumenis


Die vorläufige VORschau der weiteren Sonderveranstaltungen, soweit ich bisher Daten zusammentragen konnte:

Die Scuola Grande San Marco, Besitzerin mehrerer Werke Tintorettos, plant für 2018 eine Sonderausstellung unter dem Titel 'Kunst, Glaube und Gesundheit im Venedig Tintorettos'. Genauere Daten sind mir noch nicht bekannt, aber allein aufgrund des Titels gehe ich davon aus, dass die venezianische Medizinhistorikerin Nelli-Elena Vanzan Marchini an der Erarbeitung zumindest beteiligt ist. Der Name ist eine Empfehlung.

Die Accademia plant eine Sonderausstellung zu Jugendwerken Tintorettos aus ihrem Besitz. Bisher noch keine konkreten Daten, werden nachgeliefert als Ergänzungen zu diesem Eintrag.

Geplant ist für 2018 die Veröffentlichung eines neuen Führers zu Tintorettos in Kirchen, Museen und Scuole Venedigs. 

8.9.-6.1.2019 ist die Hauptausstellung "Tintoretto 500" im Dogenpalast zu sehen (der ja ohnehin voller Tintoretti steckt) in Zusammenarbeit mit der Accademia und der National Gallery Washington. 50 Gemälde und über ein Dutzend Zeichnungen aus Tintorettos gesamter Schaffenszeit werden zusammengetragen, es wird staunenswerterweise einen zweisprachigen Katalog geben (natürlich wegen der Kooperation mit Washington, aber vielleicht regt das ja in Venedig zu weiteren zweisprachigen Katalogen an).  
dazu:
7.12.17 VeneziaToday Una ponte tra Venezia e Washington...
8.12.17 Artribune Tintoretto superstar...
8.12. La Nuova Tintoretto festeggia 500 anni a Venezia

Diese Ausstellung wandert aus dem Dogenpalast weiter nach Washington und ist vom 3.3.-30.6.2019  in der National Gallery zu sehen. Gleichzeitig gibt es dort "Drawing in Tintoretto's Venice" (zuvor im Morgan Library Museum 12.10.-6.1.2019) und vom 3.3.-26.5. "Venetian Prints in the Time of Tintoretto". Für einige von uns sind das sicher auch Optionen. 

Zur Kunstbiennale 2019 wird das Werk "Engel verkündet der Hl. Katharina von Alexandria ihr Martyrium" aus dem ehemaligen Besitz von David Bowie nach Venedig zurückkehren. Tintoretto malte das Altarbild zwischen 1560 und 1570 für die Kirche S. Geminiano am Markusplatz, die 1807 für den Bau des Napoleonpalastes abgerissen wurde.

Zu den Werken Tintorettos, die fest in Venedig installiert sind, gibt es im Laufe dieses Jahres qualifizierte Führungen. Das erste Angebot kommt von Venezia Arte, je eine monatliche Führung in italienischer Sprache in der Scuola Grande di San Rocco, Anmeldung erforderlich, Kosten 12 €.  Mehr folgt.     



Eine Empfehlung für Venedigbesucher*innen mit künstlerischen Ambitionen ist die Werkstatt neben Tintorettos Haus an der Fondamente dei Mori, in dem er mit seiner Familie lebte (und auch starb). Es gibt Möglichkeiten der Beteiligung wie Kunstkurse bei einem sehr freundlichen Team. 
(Siehe auch Eintrag vom 14.1.2010 "Bei Tintoretto".)



Der Katalog zur Kölner Ausstellung ist schön und wie immer empfiehlt es sich, ein halbes Jahr zu warten und dann bei Bedarf im antiquarischen Versand fürs Bücherregal 50 % (oder so) ermäßigt zu kaufen.




Für Tintoretto-Einsteiger*innen ist die beste deutschsprachige Empfehlung die kompakte, kompetente Broschüre "Tintoretto" von Roland Krischel (Kurator der Kölner Ausstellung). 



Für die intensivere Beschäftigung mit dem Hauptwerk Tintorettos in der Scuola Grandi di San Rocco empfehle ich die Dissertation von Astrid Zenkert "Tintoretto in der Scuola di San Rocco". Vom Format und Gewicht her nicht geeignet, nach Venedig geschleppt zu werden - vor und nach dem Besuch der Scuola zu lesen. Das Buch gibt es derzeit preisgünstig bei Fröhlich und Kaufmann.  



Für Fortgeschrittene mit angemessenem Budget empfehle ich die Sammlung von Texten zur Tintorettoforschung von Erasmus Weddigen, die auch ich  u. a. zur Zeit beackere:



(Ich merke wiederholt an, dass die Amazon-Links keine Werbung nur für dieses Unternehmen sind, obwohl mir durch Bestellungen über diese Links jeweils ein kleiner Betrag zufließt. Ich verwende sie, weil sie die wichtigsten Informationen beinhalten: ISBN, Preis, Angebote gebrauchter Exemplare. Ansonsten gibt es den lokalen Buchhandel, lokale Antiquariate, und leistungsfähige große online-Antiquariate wie Booklooker und Abebooks.)

Wenn man den Autor Erasmus Weddigen googelt, finden sich eine spannende Website zu seiner Tintoretto-Arbeit und diverse Texte zu Tintoretto auch als kostenpflichtige PDFs auf entsprechenden Seiten im Internet.
Ich habe auch kostenlose Texte und Studien zu Jacopo Tintoretto im Internet gefunden - Lesestoff für mich und andere Interessierte:
➤1901 Henry Thode Tintoretto. Kritische Studien über des Meisters Werke 
➤1995 Friedrich Polleroß: Bemerkungen zur venezianischen Portraitmalerei anlässlich der Tintoretto-Ausstellungen in Venedig und Wien
➤Kritische Berichte 4/02 Die Grenzen des Sichtbaren. Gespräch mit Victor Stoichita über Licht und Schatten in Tintorettos Abendmahl in S. Giorgio Maggiore


Weitere Einträge und Berichte zu Jacopo Tintoretto und Veranstaltungen in Venedig folgen, allerdings eher in der 2. Jahreshälfte 2018.


Selbstportrait 1588


Auch dazu: 
Tintoretto - die große Geburtstagsshow 2018 vom 6.10.2018


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2. Dezember 2017

S. Lazzaro dei Mendicanti


Canaletto; Rio dei Mendicanti 1724

Portal S. Lazzaro dei Menidanti 2009

Tatsächlich ein Bericht über diese Kirche, zum Ospedale-Komplex gehörig und praktisch immer verschlossen! 
San Lazzaro dei Mendicanti wird nur noch genutzt für katholische Trauergottesdienste; meist für Menschen, die als Patienten des Ospedale verstarben, aber die Nähe zur Friedhofsinsel S. Michele spielt vielleicht auch eine Rolle. 


Guernico, S. Helena betet das Kreuz an


Veronese, Kreuzigung mit Jungfrau und S. Giovanni


Tintoretto, S, Orsola und die 11.000 Jungfrauen

Der Bau ist vergleichsweise jung (1630er Jahre), aber der Name S. Lazzaro wanderte vom ehemaligen Heim für Leprakranke neben der Kirche S. Trovaso, das wegen der Ansteckungsgefahr, aber auch des Anblicks der Kranken 1262 auf eine der nahen Laguneninseln verlegt wurde und dort hängenblieb (seit dem 18. JH S. Lazzaro degli Armeni) an den Rio dei Mendicanti. Die Lepra in ganz Europa im Rückzug und die umständliche und teure Inselversorgung der Kranken in Venedig bei 'nur' noch 42 Patientinnen im Jahr 1595 führte zum Beschluss, das Heim auf S. Lazzaro zu schließen und die Kranken in ein allgemeines Hospital in die Stadt zurückzubringen. 'Allgemein' bedeutete die öffentliche Versorgung von Menschen, die nicht selbst für sich sorgen konnten - Waisen, Alte, Versehrte, chronisch Kranke, 'Vagabunden', Behinderte - die Hospitäler wurden von Orden getragen. Finanziert wurden sie über Spenden, Erbschaften und ähnliches Fundraising, aber auch genialerweise über die Verbindung von Pädagogik (musikalischer Erziehung der Waisenkinder, sprich Waisenmädchen) und vorhandenen Räumlichkeiten (Kirchen) zu enorm beliebten Konzertveranstaltungen, die die Kassen klingeln ließen.  

Herr Goethe hörte ein Konzert in S. Lazzaro dei Mendicanti am 3.10.1786 und schreibt in der "Italienischen Reise":
Den 3. Oktober.

Den Plan in der Hand suchte ich mich durch die wunderlichsten Irrgänge bis zur Kirche der Mendicanti zu finden. Hier ist das Konservatorium, welches gegenwärtig den meisten Beifall hat. Die Frauenzimmer führten ein Oratorium hinter dem Gitter auf, die Kirche war voll Zuhörer, die Musik sehr schön, und herrliche Stimmen. Ein Alt sang den König Saul, die Hauptperson des Gedichtes. Von einer solchen Stimme hatte ich gar keinen Begriff; einige Stellen der Musik waren unendlich schön, der Text vollkommen singbar, so italienisch Latein, daß man an manchen Stellen lachen muß; die Musik aber findet hier ein weites Feld.

Es wäre ein trefflicher Genuß gewesen, wenn nicht der vermaledeite Kapellmeister den Takt mit einer Rolle Noten wider das Gitter und so unverschämt geklappt hätte, als habe er mit Schuljungen zu tun, die er eben unterrichtete; und die Mädchen hatten das Stück oft wiederholt, sein Klatschen war ganz unnötig und zerstörte allen Eindruck, nicht anders als wenn einer, um uns eine schöne Statue begreiflich zu machen, ihr Scharlachläppchen auf die Gelenke klebte. Der fremde Schall hebt alle Harmonie auf. Das ist nun ein Musiker, und er hört es nicht, oder er will vielmehr, daß man seine Gegenwart durch eine Unschicklichkeit vernehmen soll, da es besser wäre, er ließe seinen Wert an der Vollkommenheit der Ausführung erraten. Ich weiß, die Franzosen haben es an der Art, den Italienern hätte ich es nicht zugetraut, und das Publikum scheint daran gewöhnt. Es ist nicht das einzige Mal, daß es sich einbilden läßt, das gerade gehöre zum Genuß, was den Genuß verdirbt.

Mit dem Ende der Serenissima 1797 wurden auch die vier für ihre Musikveranstaltungen berühmten Hospitäler Pieta, Mendicanti, Ospedaletto und Incurabili geschlossen und konvertiert. Das Ospedale der Mendicanti diente zunächst als österreichisches Militärkrankenhaus und entwickelte sich dann zum städtischen Krankenhaus Venedigs, aber das ist eine andere Geschichte.
Hier geht es um die Kirche, die immer geschlossen ist, es sei denn, man kommt während einer Trauerfeier am offenen Portal vorbei. Wer hätte den Nerv... ich jedenfalls nicht. Vor Jahren konnte ich NACH einem Gottesdienst (und nachdem ich gefragt hatte) mal einen viel zu kurzen Blick ins Innere werfen. 






Überraschung im September: im Rahmen eines 2wöchigen Berufserkundungsprojekts venezianischer Gymnasien wurde die Kirche  aufgesperrt und von einem Mädchen und einem Jungen betreut und präsentiert - täglich 3 Stunden, gut vorbereitet, in gutem Englisch bei Bedarf, aufmerksam, motiviert. Eine tolle Sache. Ich bedanke mich nochmals bei den Beiden für ihr ungewöhnliches Erkundungsthema und berichte hier für alle Neugierigen, die das Ereignis verpasst haben.


Fassade S. Lazzaro dei Mendicanti
Denkmal Alvise Mocenigo, Seite zur Vorhalle


Denkmal Alvise Mocenigo, Innenseite
Blick zur Vorhalle

Hinter der palladianischen Fassade zur Fondamenta (von Antonio Sardi und seinem Sohn Giuseppe) befindet sich eine große Vorhalle von der Tiefe der Gebäudezeile am Ufer, dann erst folgt die einschiffige Kirche (Architekt Vincenzo Scamozzi) und rechts und links davon jeweils ein Kreuzgang mit altem Baumbestand und schönen Brunnenköpfen nach Entwürfen von Baldassare Longhena
Die Kirchenfassade in der Vorhalle und ihre Rückseite in der Kirche ist komplett das enorme Denkmal (restauriert mit Mitteln der Stiftung Pro Venezia) für den Admiral Alvise Mocenigo (1584-1654), Procurator von San Marco, Vorbild und Held mehrerer Seeschlachten um Paros, Naxos, Kreta, bestattet ein paar Schritte weiter in SS. Giovanni e Paolo.
In der Vorhalle gestaltet von Giuseppe Sardi mit 8 schwarzen, korinthischen Säulen, 2 Engeln mit dem Wappen des Seehelden und an den Seiten 4 Basreliefs mit den Festungen von Candia (dem venezianischen Kreta, das 1645-69 Festung für Festung von den Osmanen genommen wurde). Auf der Innenseite der Kirche wurde das Denkmal Alvise Mocenigos als Auftrag seines Enkels Alvise IV von Giusto Le Court geschaffen. Zwei großartige Reliefs in weißem Carrara-Marmor zeigen links eine Schlacht um Candia (heute Heraklion) rechts eine Schlacht um Paros. Darunter Skulpturen von 'Gerechtigkeit' und 'Tapferkeit' über allem in der Mitte von Alvise Mocenigo persönlich. 



Denkmal Alvise Mocenigo
Relief Schlacht um Candia


Denkmal Alvise Mocenigo
Relief Schlacht um Paros

Das Kirchenschiff ist eine schlichte rechteckige Box ohne Seitenkapellen, aber mit Seitenaltären, deren Altarbilder Werke von Guercino ( S. Elena betet das Kreuz an), Salviati (Verkündigung), Paolo Veronese (Kreuzigung mit Jungfrau und S. Giovanni) und Iacopo Tintoretto ( S. Orsola und die 11.000 Jungfrauen) sind. Der Guernico und der Salviati wurden mit Mitteln von Save Venice restauriert. Die ursprüngliche Deckenbemalung existiert nicht mehr, aber die optisch sehr nachdrückliche Gestaltung der Seitenwände durch Marmorinkrustation. Und natürlich die eingebaute vergitterte Empore, 1744 erfolgshalber vergrößert, für die Orgel und den Chor der "Putte" der Waisenmädchen, die den Blicken des Publikums nicht dargeboten werden sollten, siehe Goethe oben.  


Kirchenschiff, Apsis (mit eher schlichtem Tafelbild von Bellini di Fino:
Auferweckung des Lazarus, 1857
Kirchenschiff, linke Seite mit Kanzel und vergitterten "Putte"-Räumen

Kirchenschiff, rechte Seite mit Orgelempore und
vergitterten "Putte"-Räumen

In den Kreuzgängen an den Seiten des Kirchenschiffs befindet man sich  im nicht mehr funktionalen Teil des heutigen Ospedale Civile. Es geht mal jemand vom Krankenhauspersonal durch, oder man trifft auf einzelne Patient*innen, die vielleicht abseits ein bisschen Ruhe suchen. Die findet man hier auf den bequemen Bänken wirklich, ohne Sorge, zu stören. Es ist einer der schönsten venezianischen Tagträume, unter der Ruine des Kirchturms im Schatten des Kreuzgangs und in Gesellschaft einer der hier lebenden Katzen eine kleine Ruhe- und Denkpause einzulegen. Die Kreuzgänge und die Vorhalle von S. Lazzaro dei Mendicanti erreicht man auch durch den Haupteingang (wenn man den Weg durch die Ospedalegebäude kennt), aber die Möglichkeit des Kirchenbesuchs dürfte wohl ziemlich einmalig gewesen sein. 


Kreuzgang links der Kirche mit Brunnen und Campanile

Ergänzung 22.12.:
Ab dem 12.1.2018 ist die Kirche San Lazzaro dei Mendicanti geöffnet. Ist das nicht eine Freude! Eingang durch das Portal an der Fondamenta dei Mendicanti, Öffnungszeiten montags und mittwochs von 12-17 Uhr. Ein Eintrittsbetrag (nicht genannter Höhe, er wird es wert sein) wird erhoben.


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