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29. Juni 2020

Lagune aus der Ferne - ein neues Konzept für Venedig-Führungen

Bilder: bei Torcello, September 2017/ Oktober 2018

Gestern war ich mit einer schönen Führung in der venezianischen Lagune. Obwohl ich mich derzeit und für den Rest des Jahres in keinen Flieger oder Zug setzen würde und auf Reisen verzichte. 
Meine Regale sind voller Venedig-Material vor allem zu Kunst, Kunstgeschichte, venezianische Geschichte aller Themenbereiche, besonders der Kolonien oltre mare. Ein guter Teil davon noch ungelesen, da in Griechenland oder Venedig gekauft, sehr speziell und zeitaufwändig zu lesen - ideal für eine lange (soziale) Distanz. Das passt also.

Darüber hinaus gibt erfreulich erfinderische Leute, die mit genialen Ideen in die Situation eingreifen: z. B. Luisella Romeo mit ihrem Angebot von Führungen, Spaziergängen und Exkursionen - ONLINE! Sie nennt es 'virtual tour' und 'webinar', es handelt sich um eine Zoom Konferenzschaltung, für die man die Software herunterladen muss. Kostenlos, aber dass wir für solche Anwendungen mit unseren Daten bezahlen, wissen wir. Während der jetzt 4 1/2 monatigen Distanz habe ich mich nach Skype und Googlechats auch an die Zoom Konferenzen gewöhnt. 

Die virtuellen Venedigführungen Luisella Romeos sind einerseits eine erfolgreiche Reaktion auf die Reisesperre, es gibt immer mehr Termine und Themen im Angebot. Andererseits gefällt ihr die neue Form, ihren Job auszuüben, so gut, dass sie es als Angebot beibehalten will. Für Venedigfreund*innen, die nicht reisen können, die über Pauschalwissen und Venedigklischees hinaus wollen, die mehr differnzierte Details über Venedig erfahren möchten, die sich auf eine Venedigreise vorbereiten (und nach einer ersten virtuellen Tour vermutlich gerne eine reale persönliche Führung in Venedig geniessen wollen).




Meine gestrige Tour hatte 7 Teilnehmerinnen aus NL, UK, US, DE, in englischer Sprache, dauerte knapp 2 Stunden. Details siehe:


The Venetian lagoon: landscape, birds and boats

Next Dates of this virtual tour:
June 28th at 7pm CET time and July 11th at 7pm CET time and July 26th at 7pm CET time
About this webinarUnlike other marshland areas along the coasts of the Mediterranean sea, the Venetian lagoon has its own uniqueness. With the help of Luisella Romeo, licensed tourist guide in Venice, during this webinar you will discover what makes this landscape so special and learn about the variety of the fauna, in particular its birds. You will see how man designed specific boats to move around the shallow water and pursue an economy based on fishing, hunting and more.
Duration
The duration of the whole event is around 1,5 hours total including a Q&A session
Cost
Cost per webinar is 35euro per user — you can be as many as you want in front of your computer screen


Lusiella Romeo arbeitet auch in deutscher Sprache, bei entsprechenden Teilnehmer*innen - oder wenn sich eine Gruppe von unter 10 Personen gemeinsam für eine deutschsprachige Tour zu einem Wunschthema anmeldet. 

Dieses Webinar drehte sich NICHT um die bekannten Inseln, sondern ausschließlich um Themen der Lagune: die seit Jahrhunderten menschengemachte Landschaft, Fauna (vor allem Vögel), Flora, die historische Entwicklung der Lagune, ihre Nutzung und Ausbeutung durch Fischer, Jäger, Landwirtschaft, Industrie, Tourismus; die ökologischen Perspektiven der Lagune und die Unmöglichkeit, wirksame Naturschutzgebiete einzurichten; um die Architektur der Lagune, die Mobilität der Lagunenbewohner*innen durch Nutzung verschiedener Boote; die Bedrohung der Lagune durch Kreuzfahrtschiffe und petrochemische Industrie; die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf mögliche Entwicklungen in kürzeren oder längeren Zeiträumen. 

Alles sehr interessant, professionell gut vorbereitet unter Nutzung der Multimediaanwendungen, die Zoom bietet. Und obwohl nicht am Ende der "Tour" eine Frage-Anwort-Runde stattfand, sondern die ganze Zeit von uns Teilnehmerinnen dazwischengefragt und Themenschleifen gedreht wurden, liess sich Luisella nicht aus dem Konzept ihrer Tour bringen. Sie blieb 2 Stunden lang entspannt, fokussiert, zugewandt und charmant (wenn die letzte Bewertung erlaubt ist). Es wurde viel gelacht in der Gruppe, deren Teilnehmerinnen alle Venedigkennerinnen waren, einige einen venezianischen Zweitwohnsitz haben.

Für heute hatte Luisella Romeo ein Mail zur 'Nachbereitung' angekündigt, das ich morgens prompt in der Mailbox fand, Links zu Einträgen in ihrem Blog (also öffentlich!), ich kann sie deshalb hier ungeniert einfügen:

The Birds of the Lagoon of Venice
Wine and vinyards in Venice and its islands
A boat that helped create a mircle called Venice, the trabacolo
Gesamtinhaltsverzeichnis des Blogs, lesenswert und informativ.
Und ein Link zu weiteren experimentellen Venedig-Angeboten dieser bewundernswert kreativen Dame: Unique experiences in Venice.

Ob aus der Distanz oder in Venedig selbst: ich rate, eine Führung Luisellas auszuprobieren. Ich hatte, wie bei den anderen Führungen, die ich getestet und hier empfohlen habe, zwei sehr lehrreiche und angenehme Stunden. Sehr empfehlenswert. Kontaktangaben auf ihrem Blog/ihrer Website.


Siehe auch Eintrag 17.2.20 "Lagunengesang"
Siehe auch Marco Zecchin 30.6.20 Venice Tours in the time of COVID
Siehe auch Doku Deutsche Welle 22.8.20 mit Luisella Romeo






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5. August 2011

Ausflug nach Malamocco


Schöne dicke Madonna in einem Sottoportego des Borgo von Malamocco






Ich war in
Malamocco, und zwar ausschließlich eines Freundschaftsdienstes wegen, nämlich ein Foto der Dorfkirche S. Maria Assunta für die Website Churches of Venice zu machen.

Denn der Lido, auf dem Malamocco liegt, ist aus meiner Sicht irgendwie jenseits von allem: ä
hnlich weder Venedig, noch den einfachen Laguneninseln, er ist ein vergleichsweise neu bebautes Wohngebiet von Bessergestellten mit Autoverkehr, eine Ansammlung von Hotels, die 3 Monate im Sommer brummen und dann wieder schlafen gehen... Überraschung, Malamocco ist nicht der Lido!
Piazza Maggiore von Malamocco

Vom Vaporetto in den Bus A (B geht auch), raus nach 15 Minuten an der Riva G. Diacono, 150 m bis zur Piazza und schon bin ich in einem anderen Kosmos.

Ein kleines, altes Dorf, Morgensonne, Leere, Ruhe, Kinder sind in der Schule, 2 Männer die auf der Straße Handwerkliches treiben, 2 Frauen mit Einkaufstaschen hängend an Fahrrädern unterwegs, erste
vormittägliche Düfte aus italienischen Küchen, Dudelradio in einer offenen Haustür.
Südeuropäisches Sommeridyll, ich schalte sofort einen Gang runter. Mache Fotos, finde ein kleines Café in dem ich
einen Espresso und ein hervorragendes Brioche frühstücke um mich über meine Vorurteile zu trösten.
Blick auf Borgo und Campanile S. Maria Assunta

Malamocco war vor gut 100 Jahren überhaupt die einzige Gemeinde auf dem Lido, viel mehr war da nicht, außer den alten Strukturen im Norden der Insel, die Kirche S. Niccoló und das dazugehörige Kloster, der alte jüdische Friedhof.

Malamocco gehörte zu den ersten Ansiedlungen in der Lagune vor dem ersten Jahrtausendwechsel, war vorübergehend Dogen- und sehr
lange Bischofssitz, wurde nach seiner Zerstörung im 12. Jahrhundert durch ein Erdbeben plus Sturmfluten wieder neu aufgebaut und blieb ein wichtiger Vorposten Venedigs beim Schutz vor Feinden und dem Meer.
Im Borgo von Malamocco

Der alte Ort, der "Borgo" genannt wird (wie die Ortsteile griechischer Ansiedlungen um eine koloniale venezianische Festung) ist heute eine Insel, umgeben von zwei Kanälen, in der Mitte des Ortes die große Piazza um die Kirche und viele kleine Häuschen drumherum, von denen einige sicher nicht mehr aus dem Mittelalter stammen, aber manche schon. Der Eindruck ist eher ländlich im Vergleich zu deutlich insularen Orten wie Burano.
Es gibt eine große Gartentrattoria und in einer kleinen Gasse ein Lokal mit rustikalen Tischen vor der Tür, das jedes gebildete Kind sofort als Piratenkaschemme identifiziert und in dem die Einheimischen eine Sprache sprechen, die auch ein Romanist nicht als italienisch erkennt.
Festungs-
graben mit Festungs-
teil im Hinter-
grund


Mitten im Borgo liegt ein gepflegter
Boots-
hafen, in dem auch die beliebten
Lagunen-Hausboote anlegen können, dahinter die ziemlich neuzeitliche Festung Forte Malamocco, von einem Wassergraben umgeben wie auch z. B. das Fort Massimiliano auf S. Erasmo. Offensichtlich nicht an die Gezeiten angeschlossen.
Das Fort ist leider nicht zugänglich, Schilder an der Mauer besagen, dass hier ein Wellness Center entstehen soll, und die Website www.marcopolo.it, die auf den Schildern zur weiteren Information lädt, ist zwar sehr interessant, die "News" sind aber aus dem Jahr 2005. Naja, vielleicht wieder mal ein Projekt mit einem stillen Abgang, oder eins, das nur zwecks Fundraising gegründet wurde?






Weg auf die Murazzi von Malamocco, Großfamilie im Großfahrrad auf der Mauer


Hinter d
em Fort gibt es einen Fussweg durch Felder, Wiesen und Schilf ans Meer, auf die Murazzi. Sie sind hier ein fester Deich auf dem viel Fahrrad gefahren wird, die Strecke Lido-Alberoni (und von dort, wenn man will, mit der Fähre übersetzen nach Pellestrina).
Im Gespräch mit einer 6köpfigen Dreigenerationenfamilie auf einem großen überdachten Fahrrad erfuhr ich, dass die Stundenmiete 18 €, die Tagesmiete 50 € kostet und das ziemlich große Gefährt auch im Straßenverkehr problemlos sei. (Siehe Link unten: Fahrradvermietung.)

Kanal in Malamocco

In Malamocco gibt es kleine Hotels,
B & Bs, Ferien-
wohnun-
gen, innerhalb und ausserhalb des Borgo, im Internet zu finden. Vielleicht ein guter Vorschlag für Familien mit Kindern, die ländlich und am Meer, aber auch sehr nah an Venedig Ferien machen wollen. Oder für Liebhaber venezianischer Kultur, denen die Nähe zum Meer und den Naturschutzgebieten von Alberoni und Ca'Roman wichtig ist.


Das örtliche Fest der Madonna di Marina findet jährlich in der zweiten Juliwoche statt und ist eine Mischung aus ernst genommener religiöser Tradition und krachender Dorfkirmes (schätze ich mal anhand des
Programms vom 2011, ich habe es leider um 3 Tage verpasst).


Heiraten im Palazzo del Podestá auf/in Malamocco
Besuch des mittelalterlichen Borgo von Malamocco
Fahrradwege - Fahrradvermietung

Ergänzung vom 30.8.2011
Ein freundliches Mail von Andreas Götz, Venedigkenner und Anbieter von Unterricht im venezianischen Rudern, erreicht mich mit wichtigen Hinweisen zum Fahrradfahren auf dem Lido und den folgenden Inseln. Die Information ist so wichtig, dass ich den Text hier anhänge und nicht in einem Kommentar, wo sie übersehen werden könnte.

In deinem Bericht über den Ausflug nach Malamocco schreibst du nebenbei, man könne dann auch noch nach Pellestrina fahren. Was nicht nur richtig ist, sondern sehr schön. Es kann aber auch teuer sein.
Vor etwa zwei Jahren bin ich zum Lido, habe mir ein Fahrrad gemietet und bin über Pellestrina bis nach Chioggia gefahren. Mit dem abonnamento lagunare habe ich damals nur je ein Euro für das Fahrrad auf den Fähren hin und zurück bezahlt, also insgesamt 4 Euro. Auf der Fähre nach Pellestrina war auch eine Familie (zwei Erwachsene, zwei größere Kinder). Die hatten auch irgendwo gelesen, man könne ja mit dem Fahrrad nach Pellestrina, und waren mit Einzelfahrausweisen zum Lido gefahren und hatten sich Fahrräder gemietet. Auf der Fähre erfuhren sie nun wieder, daß sie Einzelfahrausweise (damals 6 Euro) lösen müssen (keine Tageskarten an Bord) sowie einen Fahrschein fürs Fahrrad (damals ebenfalls 6 Euro). Als die Frau das realisiert hat, wurde sie ziemlich blass. Da ist ja einiges zusammen gekommen, was einen als glücklichen I-Mobber nicht ereilen kann: ab Tronchetto pro Person vier Einzelfahrausweise plus zwei mal Fahrrad, also 24 Euro mal vier Personen, macht 96 Euro plus die Miete der Fahrräder.
Mit dem 24 Stunden-Ticket in jedem Fall schon mal billiger, sollte also jedem, der sich nicht mit den Tarifen des ACTV auskennt, wärmstens empfohlen werden.


.

5. Juli 2008

In Venedig am Strand


In einer Stadt umgeben von Wasser hat man, zumindest im Sommer, die Vorstel-
lung, nichts könnte
leichter sein als bei Bedarf die Füsse ins Wasser zu stellen für eine angenehme Abkühlung.

Dem ist nicht so. Weder ist das Wasser in den Kanälen sauber, noch sind die vielen Bootsanlegestellen wirklich für solche Zwecke nutzbar, da die grün bewachsenen Stufen für nackte Füsse einfach zu glitschig scheinen. Außerdem: wer will schon möglichen Einparkern ihren Platz streitig machen?

Man geht also an den dafür vorgese
henen Strand. Jeder hat dazu das Bild des Lido-Strandes vor Augen, am Hotel des Bains, sei es nach der Lektüre von Thomas Mann, nach dem Film von Luchino Visconti oder einfach nach Durchsicht eines Reiseführers/Bildbandes. Diese venedig-typische Art von "Privacy" der Capanne, die genauso wenig 'privat' ist wie das Alltagsleben in den Nachbarschaften der Stadt, wo man einfach ignoriert, dass das Umfeld alles sieht und jedes Wort hört. Darüber hinaus eine elitäre Angelegenheit, die nicht jedem zur Verfügung steht, es muss also ein öffentlicher Strand sein!

Öffentliche Adriastrände gibt es an den Lidi von Nord nach Süd:
1. Cavallino/Treporti, langer breiter Sandstrand, den man von Venedig mit dem ÖPNV (Linea 17) nach Punta Sabbioni erreichen kann. Der Verkehr geht allerdings eher umgekehrt: die Urlauber auf
den vielen Campingplätzen bis hinauf nach Jesolo nutzen das Boot für einen Tagesausflug nach Venedig. Ich jedenfalls war da noch nie.

2. die Nordspitze des Lidos, sprich S. Niccolò. Man kommt mit de
m Bus vom Verkehrsknotenpunkt Piazzale S. M. Elisabetta dorthin, bis zum Wende-
pu
nkt. Dort in der Nähe der M.O.S.E. Baustelle gibt es auch ein paar Dünen. Oder die Nord-Süd-Straße Gran Viale S. M. Elisabetta bis zum Ende, Piazzale Bucintoro, und dort direkt an den Strand. Diese beiden Empfehlungen sind vom Insider meines Vertrauens, selbst habe ich sie noch nicht ausprobieren können.

3. Mit dem Bus
(Nr. 11) vom Lido nach Pellestrina, die Privatstrände auslassend, an die öffentlichen Strände von Malamocco und Alberoni, oder am besten ein bisschen weiter bis zur End-
haltestelle (Fahrt-
dauer mit Fähren-
ü
berfahrt über den Porto di Malamocco ein gutes Stündchen).

Auf der Mauer bei Pellestrina


Hier findet man überall hinter den Murazzi (Hochwassermauern aus dem 18. Jahrhundert als Schutz gegen die Adria) schöne Sandstrände, lange gemauerte Wellenbrecher und keine Hütten, Liegebetten oder sonstige Scherze, aber auch wenig Schatten und wenig Service (Lokale + Toiletten).
Einsame Pietà in einem Garten auf Pellestrina

An der Busendhaltestelle in Pellestrina gibt es eine kleine mobile Café-Bude (in den letzten Jahren ist sie etwas modernisiert, vergrößert und festgezurrt worden) direkt am Wasser, hier ist auch die Anlegestelle des Linienschiffes nach Chioggia. Der Blick über die südliche Lagune ist wunderbar und zusammen mit dem herrlich schmonzigen Italo-Pop, der dort ganztags läuft, und der untergehenden Sonne nach einem Besuch am Strand empfinde ich diesen eher prosaischen Ort als ausgesprochen romantisch...

Düne auf der Oasi Ca'Roman
4. Der Strand der Oasi Ca'Roman schließt sich hier im Süden an, wenn man zu Fuss (oder mit dem Fahrrad, aber nicht mit dem Auto) das etwa 1 km lange Murazzi-Teil, das ins Wasser gebaut wurde, hinter sich hat. Man kann auf dem Weg oder oben auf der Mauer laufen. Direkt am Ende der Mauer kann man sich auch an einer Kaffee-Imbiss-Bude mit dem Nötigsten versorgen.Ca'Roman steht unter Naturschutz, im Frühling ist das Betreten der Dünen wegen der brütenden Vögel verboten. Es gibt auch einen schönen Wald auf dieser Landspitze vor dem Porto di Chioggia, den ich aber fluchtartig nach ein paar hundert Metern wieder verließ, wegen der Schwärme von Stechmücken.

Diese vier sind, wie gesagt, Adriastrände, am offenen Meer, mit weitem Blick, Muscheln am Strand, tiefer werdendem Wasser und viel Platz. Allerdings hat man von den Stränden aus auch immer gute Sicht auf die Industriebaustellen der M.O.S.E.-Anlagen, heißt Spezialkräne und sonstiges Getüm.
Strand auf Ca'Roman in Sichtweite der M.O.S.E. Baustelle Porto di Chioggia



Grüner Sandstrand auf S. Erasmo
Dann gibt es noch einen 'Binnen'-
strand,
innerhalb der Lagune auf der Südspitze der Insel S. Erasmo (siehe auch Eintrag vom 15.4.07, Venedig mit Kindern V.). Man kommt nach S. Erasmo ganzjährig mit der Linea 13 ab Fondamente Nove, und während der Sommermonate direkt an die dafür eingerichtete Strandhaltestelle ab Lido mit der Linie 18 (mit einem zweckorientierten Fahrplan nur morgens und abends, und nur stündlich.) Fahrtdauer jeweils unter 30 Minuten.

Kreuzfahrtriese im Canale di S. Erasmo, Sandbank vorne
Diesen Strand, genannt "Bacan" finde ich für meine Bedürfnisse ziemlich traumhaft: neben dem immer interessanten italienischen Familienstrandleben mit Schirmen, Tischen, Stühlen, Grill, Spielsachen und allen dazugehörigen Personen gibt es was zu gucken: eine Hauptverkehrs'straße', der Canale di S. Erasmo, führt direkt vorbei mit den üblichen Motor- Ruder- und Segelbooten, Vaporetti, aber auch mit den großen Pötten, die in die Adria wollen. Griechenlandfähren, Kreuzfahrtriesen, 3-5mastige
Segler, alles was zum Porto di Lido strebt fährt in scheinbar greifbarer Nähe vorbei.

'Parking' der veneziani-
schen Badegäste

Die Venezianer kommen im Motorboot zum Strand, 'parken' trotz der kleinen Marina um die Ecke im flachen Wasser und schleppen ihre Strandmöbelierung ans Ufer bzw. auf eine der vielen Sandbänke, die es hier ausserhalb der Fahrrinne des Kanals gibt. Das extrem flache Wasser ist voller Getier, man buddelt Schalen- oder sonstige Tiere aus oder fängt sie, und wenn auch dies kein Adriastrand ist, für einen schönen wassertretenden abkühlenden Spaziergang ist diese Ecke einfach wunderbar.


Canale di S. Erasmo







Die Krö-
nung
der Lokalität
ist ein großer grüner schattiger Biergarten
(!) mit hohen alten Bäumen, frei zur Verfügung stehenden Tischen und Bänken und einer einfachen Restauration.
Wer keine Lust auf
Sandstrand hat, kann sich hier gemütlich aufhalten, lesen, Schwätzchen halten und bei Bedarf ins Wasser gehen.



Biergarten am Strand von S. Erasmo




















Zu besichtigen und besuchen gibt es direkt hinter dem Strand die Torre Massimiliana, auf drei Seiten umgeben von einem Wassergraben, die (zumindest Freitag-So
nntag) mit interessanten kleinen Ausstellungen moderner Kunst geöffnet ist. Ich habe dort die sehr interessanten Ausstellungen von Werken von Lucio Andrich (2005) und Emilio Vedova (2007) gesehen, zur Zeit wird dort eine sehr schöne Fotoausstellung über das Leben der Lagunenbewohner gezeigt.

Blick aus der Torre Massimiliana

Man kann ansonsten auf S. Erasmo durch die Gemüsefelder wandern, Fahrräder aussleihen und über die Insel fahren, und sogar übernachten: ein paar Hundert Meter vom Strand entfernt, direkt neben der kleinen Marina, im Lato Azurro, der "Blauen Seite". Preisgünstig für Einzelreisende und Gruppen. So gesehen, ist S. Erasmo sogar geeignet für einen Strandurlaub.

Wassergraben um die Torre Massimilia



Nachträglich eingefügt am 2.6.2011: eine neue Website zum Lido

Nachträglich eingefügt am 29.6.2011: die Haltestelle S. Erasmo der Linie 18 ist laut Fahrplan "vorübergehend aufgehoben". Was immer das heißt. Die 18 fährt also Lido-Murano und zurück. Nach S. Erasmo an den Strand kommt man zur Zeit nur mit der Linie 13, Haltestelle Capannone, und muss dann 10 Minuten zu Fuß (durch die pralle Sonne) gehen.




Aber wer fährt schon nach VENEDIG, um seine Zeit am STRAND zur verbringen?!?