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12. Mai 2016

Venezia Nativa - Die Wiege Venedigs

Ausstellung "Premio Burano" lokaler KünstlerInnen in der Bibliothek Burano
Peyazzetta 2011

Seit 4 Jahren gibt es den "Verband  'Venezia Nativa' zur Aufwertung von Burano, Mazzorbo und Torcello". Sein Ziel ist die ökonomische, touristische und soziale Entwicklung dieser Inseln. Ich gestehe, dass diese Organisation bisher meiner Aufmerksamkeit entgangen ist. Und da ich die Inseln der nördlichen Lagune sehr schätze und regelmäßig besuche, überrascht mich der Aufwertungsbedarf. Auch gemessen an den überfüllten großen Vaporetti und den Fahrgästen, die stehend von Fondamente Nove nach Burano fahren, den rappelvollen Gassen und Lokalen auf Burano und der Ganztagskarawane vom Vaporettohalt zur Piazza und den Kirchen Torcellos scheinen ungenügende Wertschätzung und BesucherInnenzahlen eigentlich nicht das Problem zu sein. Aber das hängt vielleicht vom Gesichtspunkt ab. Oder vielleicht geht es auch um die Aufwertung der BesucherInnen, nicht der Inseln. Weitergehend interessierte Gäste lädt  man mit Angeboten ein, die gleichermaßen über den reinen Tourismuskonsum hinaus gehen. Das jetzt auf der Website von Venezia Nativa aufgelegte Festprogramm für den Frühsommer 



jedenfalls scheint darauf ausgelegt, den Inselgästen mehr vom Alltag, der Geschichte, der Kultur und natürlich den Menschen der nördlichen Lagune zu vermitteln. 
Ich finde das Programm interessant und beeindruckend zusammengestellt, viele engagierte Personen arbeiten offensichtlich daran mit und deshalb fände ich es schade, wenn diese (vorläufig?) beiden Termine 28.5. und 18.6. in meinem mittlerweile langen Kulturterminkalender des 1. Halbjahres ein bisschen untergingen.   

Die Schiffsverbindung nach S. Francesco del Deserto ist ein schönes Angebot, das vielleicht regelmäßig stattfinden sollte analog den Führungen auf S. Lazzaro d. Armeni (nicht täglich, aber vielleicht einmal wöchentlich während der hellen Monate?). Auch die Schiffsverbindung nach Altino zum Museum ist wunderbar, wobei es eine Option für Alleinreisende geben sollte, sich zur geforderten Mindestzahl von 4 Personen zusammenzutun. 

Die 17 Veranstaltungen auf den Inseln haben durchweg Unterhaltungs- bis Informationswert vom Singen auf öffentlichen Plätzen Buranos (Angebot Nr. 1) über die Führung in der Casa d'Artista durch Paolo Andrich auf Torcello (Angebot Nr. 3), in Handwerksbetrieben Buranos (Angebote Nr. 5, 6, 9, 10) und verschiedenen Ausstellungen und Museen der Inseln (Angebote Nr. 4, 11, 14) bis zur "Frittura in Piazza" (Angebot Nr. 16), und auch für Venedig-Passionati sind ganz neue Erfahrungen im Paket. 
Für die meisten Veranstaltungen ist ein Beitrag zu zahlen (sehr gerne aus meiner Sicht), für alle muss man sich telefonisch oder per Mail anmelden. Die Exkursion mit dem Fischerboot der Kooperative S. Marco (Angebot Nr. 9) fällt bei schlechtem Wetter natürlich aus.
Die Informationen auf der PDF-Liste zum Programm beider Tage lassen kaum Fragen offen und sind gut verlinkt, Kontaktaufnahme mit den AnbieterInnen kein Problem. Die Angebote 18 und 19 auf der Liste nur für Kinder (Kickerturnier und Schatzsuche) sind gebühren- und voranmeldefrei.  
Ich hoffe sehr, das Engagement des Verbandes und der einzelnen VeranstalterInnen wird durch viele interessierte TeilnehmerInnen belohnt. Vielleicht könnte es eine Art Nachfolgeprogramm für die erfolgreichen aber gekippten früheren 'Isole in Rete' werden.


Aprilwiese auf Burano. S. Francesco del Deserto im Hintergrund

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13. Juli 2012

Die Pracht eines Nutzgartens auf Mazzorbo...

... muss man gesehen haben, egal ob GärtnerIn aus Profession oder aus Passion. Es geht einem das Herz auf. Ich habe diesen Garten schon einmal erwähnt (am 29.1.2011, anklicken empfiehlt sich wegen der Vergleichsfotos), nicht ahnend, wie er sich weiter entwickeln würde. Allein um zu sehen wie dieser Garten weiterkommt werde ich künftig jede Gelegenheit nutzen in die Laguna Nord zu fahren.

Scarpa-Volo, Weg durch den Weingarten

Es geht um das Landgut Scarpa-Volo auf den 30.000 m2 eines Klosterweingartens aus dem 15. Jahrhundert innerhalb einer ebenso alten Ummauerung, die 1727 erneuert wurde. Das Herrenhaus, mit regionalen und EU-Mitteln renoviert, stammt mit seinen Weinkellern aus dem 16. Jahrhundert. Es beherbergt das Ostello (Jugendherberge) Mazzorbetto als Teil der gesamten Anlage "Venissa". 

Der ummauerte Garten lag viele Jahre brach und war verschlossen. Die Stadt Venedig als Eigentümerin schrieb 2006 die Neubewirtschaftung des Geländes aus und Vento di Venezia, Betreiber der Wiederbelebung der Insel Certosa, übernahm Scarpa-Volo, unterstützt von vielen lokalen und regionalen Organisationen und Betrieben. Siehe "Das Projekt Venissa".

Fischteich, Restaurant Venissa (links mit Sonnenschirmen),
Ostello Venissa (rechts mit Vordach)

Der Garten ist im größten Teil der Fläche wieder Weingarten, im kleineren Teil jedoch ein Nutzgarten, der für mich überwältigend vollständig ist. Sowohl in der Anpflanzung  von Obstgehölzen die noch jung sind und also durch ihr Wachstum in der Zukunft den Gesamteindruck verändern werden, als auch von einjährigen Gemüsen und mehrjärigen Kräutern. 

Junge Giuggiolo, Feige vorne, Artischocken, Kartoffeln,
Bohnen etc., weitere Bäume und Wein im Hintergrund
Es ist einfach alles da: Äpfel, Birnen, Kirschen, Pfirsiche, Apriko-
sen, Feigen, Mandeln, Granat-
äpfel, Pflaumen, Giuggiole, Salbei, Thymian, Rosmarin, Knoblauch, Zwiebeln, Artischocken, Bohnenarten, Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen, Blattsalatarten...
z. T. im Mai bei meinem Besuch noch im jungen Wachstum, aber bestens gepflegt und versorgt.



Junger Granatapfel, Salbei, Artischicken, Bohnen...

Fische und Frösche im alten und reaktivier-
ten Fisch-
teich, per Kanal an die Lagune angeschlossen, im Garten sonnen sich Eidechsen, an altem (aber leider auch jungem Holz) 'wachsen' reichlich kleine Schnecken, die man im Sommer ernten kann, für die Besucher sind Schilder mit Erläuterungen in 4 Sprachen aufgestellt, es gibt einfache Bänke auf denen man die Pracht genießen und den Gärtner beim Arbeiten beobachten kann, aber man kann auch auf einem Weg und schmalen Pfaden zwischen den Gartenbereichen hergehen (überflüssig zu sagen, dass angepasstes Benehmen = nichts abrupfen, futtern, trampeln etc., außer Frage stehen sollte).


Der Garten wird zwar privat bewirtschaftet und seine Früchte sind nicht öffentlich, trotzdem ist er als Park der Stadt Venedig geöffnet für Besucher, es gibt umweltpädagogische Ideen und Ansätze die sich sicher weiterentwickeln werden. Es gibt zwei Eingänge: an der Vaporettohaltestelle Mazzorbo nach links gehen und einfach durch das Tor treten zwischen dem letzten Haus (in dem sich das Ostello befindet) und der Mauer, die dort beginnt. Der zweite Eingang liegt schrägt gegenüber, schneidet sozusagen diagonal durch die Ecke, die die Insel an dieser Stelle bildet. Der zweite Eingang liegt direkt an der Holzbrücke, die hinüber nach Burano führt. 

Eine der Hinweistafeln zur lagunaren Pflanzenanbau

Es gibt innerhalb des Gartengeländes das Restaurant Venissa, in dem wohl den Großteil der Ernte verspeist wird, das einen hohen Anspruch hat im Sinne von 'Slow Food' und dessen  Preise dem angemessen sind, vermute ich. Nach Einblick in die Speisekarte bat ich den sehr freundlichen Kellner um Verständnis dafür, dass mein Budget leider nicht seinem schönen Angebot standhält und habe, wie immer auf Mazzorbo, bei 'Maddalena' am Vaporettohalt gut gegessen, das Menu zum Preis der Vorspeise im 'Venissa'. Bei Maddalena wurde investiert, bauliche Erweiterung und sehr geräumige ordentliche Toiletten (früher nur ein sehr bescheidenes einzelnes Naja), bei gleich gebliebener familiärer Freundlichkeit der Inhaberin.


Parco Laguna Nord - Scarpa-Volo
Winterliche Fotoserie Scarpa Volo von Lenore Horowitz

Schneckenbrut, für den mediterranen Kochtopf?


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10. September 2011

Laguna Nord - Das Wochenende!



Die Glücklichen, die am nächsten Wochenende in Venedig sein werden, haben das Privileg, am ersten Festival des Inselnetzes der Laguna Nord teilnehmen zu können.Unter dem Titel "Isole in Rete - Festival delle Isole della Laguna Nord di Venezia" gibt es am 17. und 18. September ein so schön zusammen gestelltes Programm dass ich in meine Tastatur beiße, weil ich darauf verzichten muss.
Ein Zusammenschluss vieler Organisationen + Lagunen-ÖPNV + zusätzlicher Vaporetto Parco dell Laguna ermöglichen den Besuch der Veranstaltungen auf:La Certosa: Inselführungen zu Fuß und mit Bootstransfer zum Forte Sant'Andrea
Sant'Erasmo, Torre Massimiliana
Sa
nt'Erasmo: verschieden Radtouren, Einkaufsmöglichkeit der Inselprodukte, Lagunentour im Drachenboot, Ausstellungseröffnung in der Torre Massimiliana und auf dem Geländer der Torre Massimilana (am Samstag um 18:30 Uhr) die unvergleichlichen venezianischen Ska-J! (Siehe Video am Ende des Eintrags und auch unter dem Label Ska-J)
Lazzaretto Nuovo: historisch-archäologische Inselführung, Ausstellung 'Venedig und die Pest'

San Giacomo in Paludo:
'offene Insel' mit Führungen

Burano:
Fischereiexkursion mit Besuch auf S. Giacomo in Paludo

Torcello:
offene Tür und Führungen in der 'Casa d'Artista' (über die ich schon mehrfach berichtet habe, einsehbar unter dem Label 'Torcello')
Inseln der Laguna Nord Juni 2011: von links Torcello, Burano, Mazzorbo, Mazzorbetto; dahinter San Francesco del deserto, Sant'Erasmo; dahinter die Porta del Lido zur Adria

Mazzorbo: Führungen im Weinberg und in der Gärten des 'Venissa'; Tour zu verlassenen Inseln im Bragozzo

Mazzorbetto:
Führung durch die ehemaligen Befestigungsanlagen.



Für einzelne Veranstaltungen gibt es genaue Uhrzeiten und/oder Kostenbeteiligungen, die unter den Tages-Menüpunkten eingesehen werden können, deshalb nochmals der Link zum Programm.






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7. Juni 2011

Madonna del Monte

Madonna del Monte, beide Inselteile, November 2007 von Norden

Direkt am Kanal der von Murano nach Mazzorbo/Burano führt (Canale Scomenzera S. Giacomo) liegt zwischen
S. Giacomo in Paludo
und Mazzorbo eine weiter
e sehr kleine Insel, Madonna del Monte.

Pittureske Klosterruine, zuletzt kein Anzeichen das auf Wiederaufbau deutet, ist auch alles zu winzig um auf Hotelgedanken zu kommen.
Gegründet wurde das Kloster 1303 als San Nicolò della Cavana für 4 (!) Benediktinerinnen, die starben bevor Nachfolgerinnen gefunden werden konnten.

September 2009 von Süden, im Hintergrund Mazzorbo, Torcello und Burano (schiefer Kirchturm!)

Der Bischof von Torcello schlug das Kloster dem Kloster S. Caterina auf Mazzorbo zu, es blieb trotzdem über 200 Jahre unbewohnt, während die Gebäude vermutlich schadhaft wurden und die Insel zu einem natürlichen Zustand zurück fand.

Dann zogen zwei Einsiedler ein, die aber auch mit der Einsamkeit und bitteren Armut des Insellebens nicht klar kamen, nach ihrem Rückzug folgte ein weiteres Eremitenpaar... diese Insel scheint tapfere Aussteiger angezogen zu haben.


Der kleinere abgetrennte Teil der Insel

1708 schließlich, am Allerseelenabend auf dem Weg von Torcello in einem leichten Boot die unbewohnte Insel passierend, hörte ein gewisser Piero Tabacco eine Glocke langsam und feierlich schlagen und beschloss, dort seine künftige ewige Ruhe zu verbringen.
Dazu rang er den Benediktinerinnen von S. Caterina, denen die Insel ja seit dem 14. Jahrhundert gehörte, eine Pacht ab (per Besc
hluss des Senats vom 11.6.1712, also vor genau 299 Jahren) und erhielt auch die Erlaubnis, in den Ruinen des ehemaligen Klosters eine neue Kirche zu errichten, geweiht im Oktober 1713 der Madonna des Rosenkranzes.

Stich von Tironi aus dem Jahr 1779. Der nicht den Zustand der Insel und ihrer Bauten im Jahr 1779 darstellen muss. Aber kann. Es muss stabile Gebäude gegeben haben, da die Insel, wie auch S. Giacomo, kurze Zeit später als Militärlager verwendet wurde.

Die alten Darstellungen der Insel finde ich mehr als erstaunlich, denn obwohl die Insel in 700 Jahren nur wenig besiedelt war, muss sie doch zumindest kurze Zeit prosperierend und voll bebaut und bewohnt gewesen sein.

Die Insel ist Privatbesitz und kann nicht besucht werden. Aber im Vorbeifahren kann man seine Augen daran weiden...



Größere Kartenansicht

Madonna del Monte ist die kleinste Insel in der Mitte des Ausschnitts. Unten links S. Giacomo. In der Vergrößerung der Googlemap kann man gut die zusammenhängenden 2 Teile der Insel erkennen.


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29. Januar 2011

Mazzorbo - Hotel/Herberge

Innerhalb des ummauerten Felds im Norden von Mazzorbo - Inselgemüse



Mein
Eintrag über Mazzorbo vom 24.4.2010 endete:

Es gibt auf Mazzorbo kein Hotel, wie auch nicht auf Burano, aber seit letztem Jahr soll es eine Jugendherberge mit ca. 25 Betten geben, die ich allerdings selbst noch nicht gesehen habe. Bei meinem nächsten Besuch prüfe ich die Information.
* * *

Also - die Sache ist mittlerweile klar, ich habe im letzten Mai das neu eröffnete Ostello-Ristorante Venissa übersehen, weil ich von der Vaporetto-Haltestelle rechtsum und grob gesagt einmal um Mazzorbo herumgegangen bin, bis zum kleinen Park neben dem Campanile mitten im eingemauerten Garten/Feld/Weingarten. Zwischen diesem kleinen Park an der Nordwestecke von Mazzorbo und der Vaporetto-Station befindet sich das Venissa, ich bin aber zurück gegangen Richtung Osten, sprich Burano und habe dieses kleine Stück Mazzorbo bei meinem Rundgang ausgespart. Hätte ich das Boot ab Mazzorbo zurück nach Venedig genommen...!

Die Informationen und Fotos der Website des Venissa finde ich ansprechend, die Preise für venezianische Verhältnisse günstig, und die Wahl zwischen Zimmer und Herberge durch variablen Service eine sehr gute Idee. Wohlgemerkt, ich habe das Angebot noch nicht ausprobiert, werde es mir im Sommer aber ansehen.
Es ist neben dem
Lato Azzuro auf S. Erasmo, das ich bereits empfohlen habe, eine weitere anscheinend angenehme Übernachtungsmöglichkeit mit Restauration in der Laguna Nord. Wenn man mal von den Häusern auf Torcello absieht, die Casa d'Artista (über die ich unter dem Label 'Torcello' schon mehrere Einträge habe) und dem Cipriani (das nicht meine persönliche Liga und deshalb bisher unerwähnt geblieben ist).

Eventuelle Erfahrungsberichte/Kritik von LeserInnen sehr willkommen.

Ausserhalb der Mauer - Venissa am linken Bildrand



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24. April 2010

Mazzorbo


Mazzorbo gehörte mit Torcello zu den ersten Inseln, die in der Lagune als Fluchtort besiedelt wurden, lange bevor es Venedig gab.
Und sie war wie Torcello
sehr dicht besiedelt und wohlhabend durch ihren großen Hafen, der fast den gesamten Handel nach Norden (die Route Alemagna) zollmäßig abwickelte.
Vor allem war sie auc
h kirchlich gut aufgestellt mit diversen Pfarrgemeinden (S. Pietro, S. Bartolomeo, S. Angelo, S. Stefano, SS. Cosma e Damiano,) und Klöstern (S. Eufemie, S. M. Valverde, S. Maffio, S. M. delle Grazie, s. Michele Arcangelo und S. Caterina).
Auf alten Karten sticht das heute unscheinbare Mazzorbo durch Größe und Bebauung vor Torcello (siehe mehrere Einträge zu Torcello unter dem Label 'Insel') und Burano hervor.


Ein Haus mit besonderem Geschmack - eher buranisch als mazzorbisch

Burano war dagegen 'nur' die Insel der Fischer und dabei blieb es; dort drängeln sich heute die Tagesausflügler zwischen freundlichen Buranelli.
Während die Leute von Mazzorbo und Torcello schon a
b dem 11. Jahrhundert ihre Häuser abbauten und mitsamt ihrem Baumaterial weiter nach Süden zogen, zum neuen Magneten Rivoalto, dem künftigen Venedig.
Hinterlassenschaften zieren als einzelne Marmorspolien die
Inselhäuser, und werden immer noch dank archäologischer Bemühungen oder Zufallsfunden der Bewohner entdeckt.

Eingang ehemaliges Kloster S. Caterina


Der Kanal zwischen Mazzorbo und Maz-
zorbetto, durch den heute das Vaporetto fährt, war als Canal Grande gesäumt von stattlichen Palazzi, bevor es
den venezianischen Canal Grande gab, man sieht hier und dort noch ein gotisches Fenster, z. B. in der schönen kleinen Casa S. Caterina auf Mazzorbetto. Aber was nicht beim Exodus der Jahrhunderte mitgenommen wurde, hatte wiederum Jahrhunderte Zeit, zu verrotten und Platz zu machen für die heutigen Gemüsegärten, gesäumt von schlichter ländlicher Architektur.

S. Caterina - Kirche
nheizung! Vergitterte Nonnenempore!

In allen Büchern wird der Exodus mit Malaria begründet, aber ich frage mich, ob Burano kein Malariaproblem hatte, während Torcello und Mazzorbo geräumt wurden? Oder konnten sich nur die Wohlhabenden, die Geschäftsleute, Patrizier, InsassInnen reicher Klöster, nicht aber die Fischer, diesen Umzug leistern? Oder war die Malaria nicht die wesentliche Ursache, sondern das Kapital, das umzog, und der Handel, der ein aktiveres Zentrum installiert hatte?
Innenhof S. Caterina

Ich habe
eine Website auf italienisch gefunden, auf der man auch ohne Sprachkenntnisse einen Eindruck vom ehemaligen großen Mazzorbo gewinnen kann ohne seine Vorstellungskraft zu sehr strapazieren zu müssen. Beeindruckend, finde ich!


Die alte Baukunst ist hinüber, wer sich für zeitgenössisches Bauen interessiert, findet auf Mazzorbo eine in Fachkreisen ziemlich bekannte Anlage von Sozialwohnungen des Architekten und Planers Giancarlo De Carlo,
die sich an die Bauweise der Häuser auf Burano anlehnt und auch deren Farbigkeit, ein bisschen zaghaft, andeutet. Es gibt sogar einen kleinen Kanal, aber die Anlage hat trotzdem ihren sehr eigenen Charakter und ist auf keinen Fall "wie Burano", nicht im Draufschauen und nicht im Durchgehen.


Sozialwohnungsanlage auf Mazzorbo







Auf Mazzorbo findet man nicht die heitere Urlaubskuschlichkeit, die die Buranelli ihren Gästen für ein paar Stunden vorzaubern, und schon gar nicht das kostbare veneto-byzantinische Erbe Torcellos, aber als Teil des Mosaiks der nördlichen Laguneninseln und mit sehr freundlichen Bewohnern ist Mazzorbo unbedingt einen Besuch wert.

Unterwegs nach Mazzorbo - verfallenes Inselkloster Madonna del Monte. Im Hintergrund links Mazzorbo, rechts mit schiefem Campanile Burano

Am besten mit einem frühen Vaporetto (der Linie N z. B. um 8 Uhr ab Fondamen-
te Nove, Haltestelle auf Hö
he der Gesuiti-Kirche), um am Morgen/Vormittag in Ruhe einmal um die Inseln zu wandern. Ab Haltestelle Mazzorbo nach rechts (Süden), immer den Kanal entlang, bis zur einzig übrig gebliebenen Kirche, der des Klosters S. Caterina (ab ca.9 Uhr geöffnet). Im letzten Herbst waren am Seitenkanal Brückenarbeiten im Gange. Die Kirche ist schlicht, aber mit einer Heizung (!) ausgestattet, sieh an! Sie hat eine sehr schöne Schiffskiel-Kassettendecke, eine der früher üblichen Nonnenemporen im restaurierten Zustand und einem stimmungsvollen kleinen Innenhof (kein Kreuzgang).

S. Michele Arcangelo -
zeitgenössische Friedhofskirche im byzanti-
nischen Stil auf Mazzorbo

An der Ostseite der Insel geht man am Fr
iedhof für die Bürger von Mazzorbo, Burano und Torcello vorbei wieder Richtung Norden. Auf dem Friedhof herrscht das blühende Leben, in der heftig bunten Blumenpracht, den Grabfotos und vor allem in den munteren Sozialkontakten der grabpflegenden Bevölkerung. Hier wünscht man sich, die venezianische Sprache zu beherrschen, mehr als in einer Bar in Venedig. Die neu erbaute kleine Friedhofskirche im byzantischen Stil ist nach der ehemaligen Kirche S. Michele Arcangelo benannt und erinnert ein bißchen an peloponnesische Feld- und Wiesenkirchen.

Campanile des alten S. Michele Arcangelo aus dem 11. Jahrhundert

Von der ehemaligen S. Michele Arcangelo-Kirche ist nur ein auffall-
ender Campanile mitten im Weinfeld nebenan erhalten.

Blick von oben auf Mazzorbo (auf Luftbild/Vogelperspektive klicken)

Zur Krönung des Mazzorbo-Ausflugs empfehle ich NICHT, über die Brücke nach Burano zu wandern, sondern an den Sozialbauten vorbei links herum an die Vaporettohaltestelle zurückzukehren und ein gepflegtes Mittagessen Alla Maddalena einzunehmen.

Trattoria Alla Maddalena am Vapo-
retto-Stop Mazzorbo


Diese ländliche Familien-
trattoria ist nur mittags geöffnet und hat Tische im Garten und zum Kanal. Es gibt normalerweise zwei einfache gute Menüs zur Auswahl, tendeziell meeresfruchtig, zu normalen Preisen. Zur Jagdsaison gibt es wohl auch selbst geschossenes Lagunengeflügel. Allgemein geben die Inselbewohner hier im Nor
den gerne mit ihren herbstlichen Jagdgästen an, vom früheren Hemingway bis zum heutigen König Juan Carlos, der jährlich zum Entenschießen kommt, wie man hört. Aber vielleicht wird es auch nur erzählt, weil es die Touristen hören wollen? Jedenfalls essen auch Einheimische hier, sonntags ist der Laden von Venezianern ausgebucht.
Die Ruhe hier am Kanal mit ab und zu vorbei tuckernden Vaporetti und Inselbooten ist einfach wunderbar, nicht zu vergleichen mit dem Rummel auf Burano.


Es gibt auf Mazzorbo kein Hotel, wie auch nicht auf Burano, aber seit letztem Jahr soll es eine Jugendherberge mit ca. 25 Betten geben, die ich allerdings selbst noch nicht gesehen habe. Bei meinem nächsten Besuch prüfe ich die Information.


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