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11. Juli 2017

Eine Runde um den Campo S. Stefano...

Body and Soul, Palazzo Pisani 

... heißt 5 sehr verschiedene tolle Ausstellungen in 4 interessanten Gebäuden, und die Rede ist nicht von einer schnellen Runde. Aufmerksamkeit will Zeit. 

Nicht zu dieser Runde zählt "Glasstress 2017" im Palazzo Franchetti, einem der beiden Gebäude des Istituto Veneto di Scienze Lettere ed Arti am Campo Santo Stefano. Die Institution wurde während der napoleonischen Zeit gegründet analog der Accademie Francaise, das Gebäude rechts der Accademiabrücke zeigt praktisch immer Kunst- oder Wissenschaftsausstellungen
Aber: ich habe die aktuelle Ausstellung noch nicht gesehen, sondern war in den Eröffnungswochen im Mai nur auf Murano, um die neue Dependance von Glasstress zu besichtigen, bzw. das Projekt "The Unplayed Notes Factory". Leider erfolglos. Ist nur Sa-So-Mo von 13-16 Uhr aktiv, quasi während der mediterranen Mittagspause. Wer kann damit rechnen!? Beide Ausstellungen laufen bis zum Ende der Biennale am 26.11., real also kein Stress...

Darüber hinaus im Palazzo Franchetti und ebenfalls noch nicht gesehen: der Pavillon des Irak mit einem ungewöhnlichen, sehr speziellen Programm, das auch Menschen anzieht, die sich eher weniger für Gegenwartskunst interessieren. "Archaic": 40 Exponate aus dem Nationalmuseum, die großenteils noch nie das Land verlassen haben, werden 8 modernen oder zeitgenössischen Künstler*innen gegenüber gestellt.  Dazu einige Pressestimmen: NY TimesThe GuardianArtDailyInterview mit den Kuratoren der Ausstellung. 

Der Plan des Campo Santo Stefano von J.-C. Rössler zeigt die reusenartig zulaufende Form des Platzes, von der Accademiabrücke Richtung Kirche S. Stefano gesehen, bzw. die Gebäude, die diese Form bestimmen. 


Linda Condes, Extraterrestrial Odyssey, Palazzo Pisani

Der Palazzo Pisani, rechte Seite, heute Sitz des Conservatorio Benedetto Marcello, steht dem Publikum ausschließlich für Musikveranstaltungen (z. B. Eintrag 'Giuseppe hatte Geburtstag') und nationale und kollaterale Biennaleausstellungen (z. B. Eintrag 'Musikturm') offen.

In diesem Jahr gibt es Ausstellungen in den beiden Innenhöfen und im Piano Nobile. In den Innenhöfen sind Linda Condes und David Lismore mit sehr verschiedenen Skulpturen, deren Zusammenhang sich mir nicht erklärt - vielleicht gibt es keinen. Aber es gibt die Gelegenheit, die Innenhöfe zu bewundern und die Brücken, mit deren Hilfe sie sogar auf zwei oberen Etagen überquert werden können.  
 
David Lismore, Lismorial Alien 2, Palazzo Pisani


Die Performances 'Body and Soul' im Piano nobile, eine Biennale-Nebenveranstaltung der Rush Philantropic Foundation, fanden/finden live nur an wenigen Terminen im Mai und September statt. Aber zusätzlich in beeindruckenden Fotoreihen und auf Bildschirmen. Noch beeindruckender (für mich) ist die reiche Dekoration und die Atmosphäre des Portego, vor allem die Fresken von Jacopo Guarana. Sehr sehenswert. Man erreicht den Piano nobile über ein ungewöhnliches Treppenhaus, das durch einen Mezzanin führt. Ich kenne (neben diesem und dem hohen Treppenturm) noch zwei weitere Treppenaufgänge in diesem riesigen Haus, deren Zahl vermutlich auf die Bau- und Umbaugeschichte des Hauses zurückgeht. 

Vom 12.5.-18.6. zeigte in 2 der Seitenräume des Piano nobile die K11 Art Foundation (ohne Biennale-Anbindung) eine Einzelausstellung Lian Yuanweis:  Behind the Curtain. Besonders ihre Projektion alter venezianischer Stoffmuster in kompliziert ausgearbeiteter Ölmalerei gefiel mir sehr. Leider schon vorbei! 

(Das neu eingerichtete Musikmuseum, noch im Aufbau begriffen, kann Mo-Fr 14-16 Uhr besucht werden. Am Empfang des Konservatoriums fragen. Zu sehen sind historische Musikinstrumente und musikgeschichtliche Erklärungen. Bei der Restaurierung der Räume wurden Hinweise darauf gefunden, dass sie einst als Freimaurertempel (Tempel = Versammlungsort) genutzt wurden. Die Studien dazu dauern an.)

Achtung, die Ausstellungen im Palazzo Pisani sind im Gegensatz zu anderen Biennaleveranstaltungen sonntags geschlossen und montags offen!


4 Fotos des selben Kunstwerks
Azerbaijan, Palazzo Lezze

Der Pavillon von Azerbaijan belegt zum wiederholten Mal Erdgeschoss und Piano nobile des Palazzo Lezze. J.-C. Rössler (siehe Plan, Link oben) bescheinigt dem Gebäude "architekturgeschichtlichen Wert", den ich Laiin in den streng renovierten Innenräumen nicht erkenne. Details dazu in Literatur und www finde ich nicht - außer dem Immobilienangebot (Sotheby's) der oberen Etage vom Februar 2017, da gibt es dann allerdings Details und informative Fotos. 

Die azerbaijanische Ausstellung "Unter einer Sonne - die Kunst des Zusammenlebens" gefördert von der Heydar-Aliyev-Stiftung, schlug im Vorfeld ziemliche Wellen, ideologischer moto ondoso sozusagen, des deutsch- und auch englischsprachigen Feuilletons. Kritisiert wurde die Kooperation des Kurators Martin Roth mit der autokratischen Regierung Azerbaijans. Aus meiner Sicht haben einige Kulturjournalisti die Gelegenheit genutzt, sehr laut zu quaken. 



Von den vielen Beiträgen zum Thema Martin Roth sind hier einige deutschsprachige Artikel:

Tagesspiegel 3.5. Lernen von Aserbaidschan

BZ 9.5. "Was ich in meinem Leben nicht akzeptiere, sind Redeverbote"

FAZ 11.5. Keine Kunst für England, aber für Aserbaidschan?

Deutschlandfunk 11.5. "Ich stehe ja schon beinahe für diese Art Dialog"

Tagesspiegel 12.5. Aufregung um Aserbaidschan-Pavillon

Deutsche Welle 12.5. Kurator Martin Roth verteidigt Biennale-Auftritt für Aserbaidschan




Der Anspruch, die unterschiedlichsten Azerbaijaner*innen über ihr Leben in ihrer jeweils eigenen Sprache berichten zu lassen, scheint tatsächlich zunächst in der medialen Darstellung des Eingangsbereichs nicht eingelöst zu werden, da man die Texte nur schwer lesen und kaum hören kann. Über alle diese Personen gibt es aber in Piano nobile Filme zu sehen (mit sehr gut lesbaren englischen Untertiteln), so einfach und gleichzeitig fesselnd, dass mir meine Tagesplanung völlig verrutschte. Ich sass und war hingerissen. 
Die weiteren Ausstellungsräume enthalten Musikinstrumente in wunderbarer physischer Komposition. Teilweise unbekannt, oder zumindest ohne Vorstellung ihres Klangs. Zur Ergänzung der optischen Ästhetik hätte es mir gut gefallen, auf ein paar Kopfhörern auch akkustische Kompositionen zu hören. 



Natürlich muss ich davon ausgehen, dass regimekritische Künstler*innen nicht zu denen gehören, die per Biennaleauftritt Förderung durch die Staatskultur genießen. Dass ich hier vermutlich die Werke angepasster Künstler*innen sehe und ziemlich sicher sein kann, dass die Mehrzahl der unangepassten keine Chancen hat. In nicht autokratischen Ländern bestimmt "der Markt" die Chancen von Künstler*innen - weniger rigide? Also freue ich mich am Kunsterlebnis im Pavillon der Azerbaijaner*innen, nehme einen Kaffee auf dem Campo und ziehe ein Haus weiter in die Ausstellung eines Landes, das auf Basis einer anderen Weltanschauung ebenfalls "Staatskultur" betreibt.


Abel Barroso, Kuba, Palazzo Loredan

Kubas "Tiempo de la Intuiciòn" (nicht zu verwechseln mit der Axel Verwoordt-Ausstellung "Intuition" im Palazzo Fortuny!) zeigt 15 überwiegend männliche Künstler und ihre Variationen von berauschender Kreativität im eher gesetzten Bibliotheksambiente des Palazzo Loredan, des zweiten Gebäudes des Istituto Veneto di Scienze Lettere ed Arti am Campo Santo Stefano.

In der Eingangshalle (ein Androne mit einem für ein venezianisches Haus ungewöhnlichen Grundriss) steht man zunächst im "Panteon Veneto" und darf nicht die kubanischen Ausstellungsteile im Archivbereich rechts der Monumentaltreppe übersehen. Hier ist es eng und niedrig, hier sieht man Fotos von René Pena und Filme (eine Performance bei Ausstellungseröffnung) von Carlos Martiel, die enorm witzigen Holzcomputer von Abel Barroso, die geheimnisvoll im Dunkeln präsentierten gläsernen Waffen von Reynier Leyva Novo und weiter Werke von Ivan Capote, Roberto DiagoRoberto Fabelo und Jose Manuel Fors   


Roberto Diago, Kuba, Palazzo Loredan

Im Obergeschoss, flankiert von den wunderschönen alten Bücherregalen, der Massenaufmarsch von Madonnen aller Art von Meira Marrero und und Jose Angel Toirac, Arbeiten von Aimée GarciaMabel PobletEsterio SeguraJose Yaque und Wilfredo Prieto, alles toll und vielleicht revolutionsmäßig fidel angepasst, aber frischer, lebendiger und überraschender als manches, was bei "Viva Arte Viva" präsentiert wird. Es gefiel mir enorm. 
Ein junger Aufpasser steht auf dem Winzbalkon zum Rio S. Vidal und raucht, winkt und wedelt, wirft die dann Kippe in den Kanal und kommt rein: "Sie haben doch sicher Fragen?" Es schließen sich dem Gespräch noch ein paar Besucher*innen an und es entsteht eine lebhafte Diskussionsrunde. Gefällt mir.

Achtung: der Palazzo Loredan hat etwas unangepasste Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-17 Uhr, So geschlossen!

Ergänzung 18 Stunden später: ein Artikel zu kubanischer Kunst aus "Hyperallergic", soeben veröffentlicht, passt zu meinem Loblied auf die kubanische Kreativität.


Jose Yaque, Kuba, Palazzo Loredan

Zurück zur Accademiabrücke (und vorbei an den Nervensägen, die "Unterschriften gegen Drogen" sammeln - eigentlich sammeln sie dumme Tourist*innen). 
Dort versteckt sich rechts an der Ecke, über eine der kleinen Brücken am Rio S. Vidal in einem kleinen Häuschen mit Garten zum Canal Grande der diesjährige Pavilion of Humanity mit dem Projekt "Objection" von Michal Cole und Ekin Ornat. Zwei unangepasste Frauen aus der Türkei und Israel, die ihren Widerspruch als Künstlerinnen ausdrücken gegen die klaustrophische und uniformierte Männerwelt und die blasse Schlafzimmerwelt der Frauen. Sehenswert und doch gruselig in diesen winzigen Zimmerchen, die wie ein deutsches Einfamilienhaus der Nachkriegsjahre wirken -  aber immer schön mit Blick und Ohr auf die Menschenmassen, die sich die Accademiebrücke rauf- und runterschieben sowie den lieblichen, aber dem Publikum verbotenen, Garten am Canal Grande. Ach. Die Realität.


Objection, Machal Cole

Das kleine Häuschen wird im Informationsmaterial "Casetta Rosa" genannt, und das mag dazu verleiten, es für das rote Haus D'Annunzios zu halten, aber das ist ein bisschen weiter rauf den Canal Grande, gegenüber der Sammlung Guggenheim. Das kleine Haus gehört zum Palazzo Civran Badoer Barozzi, der auch an diesen Garten grenzt. Da hinein ist die Signora gezogen, die bisher diese kleine Welt bewohnte, und ihr Sohn wird das Häuschen übernehmen, wenn die Biennale vorbei ist. Habe ich mir von der freundlichen Aufpasserin erzählen lassen. 
Manchmal passt alles zusammen, die Kunst und das Leben, und die Widersprüche muss man sich dazu denken. 

Objection, Ekin Ornat


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2. Juni 2017

Ganzkörperfoto auf Goldgrund?







Kann man haben, in diesem Sommer und Herbst in Venedig. Auch ein luxuriöses Selfy geht oder fotografische Experimente, einschließlich wechselnder Lichtbedingungen, kreativen Leuten fällt hier sicher eine Menge ein.

Goldgrund - Fondo oro - gibt es viel in der Kunst und der reichen Ausgestaltung Venedigs. Wo kann man besser als in S. Marco den Zauber erfahren, den geringstes Licht im Dunkeln auf Goldmosaiksteinchen entwickelt und, durch seine Glasauflage reflektiert, die starren Heiligen scheinbar zum Leben erweckt?
Das war jahrhundertelang die Theatralik byzantinischer Kirchen.

Die riesige Goldfläche, von der ich spreche, bedeckt den "Golden Tower" ein Skulpturenprojekt von James Lee Byars, entwickelt in Berlin in den 70er Jahren. Ich bin nicht die Letzte, die grinst, wenn mal wieder ein Mann - Architekt oder Künstler - ein reißerisches Symbol in ein Stadt- oder Landschaftsbild stellt, und dieses am Campo S. Vio ist wirklich enorm. Es verändert temporär nicht nur den Campo entscheidend, sondern den Gesamteindruck eines Abschnitts des Canal Grande. Das Symbol von Luxus, Macht und Erektion wird nicht nur Biennalebesucher*innen präsentiert, sondern allen Fahrgästen vorbeifahrender Vaporetti wie auch vielen Bewohner*innen oberer Etagen im weiten Umfeld, wer bleibt da unbeeindruckt? Trotzdem darf ich grinsen, denn hier beeindruckt nicht nur ein rein künstlerisches Bedürfnis.

Dennoch: mein persönlich erstes Gold war Blattgold. Ein Freund meines Großvaters war Steinmetz, hauptsächlich von Grabsteinen, und ich Vorschulkind hielt die Luft an, wenn er das kleine aber dicke Buch mit den Goldblättern öffnete, unter ein Blatt blies, das daraufhin zart flatterte, und es mit ruhiger Hand und einem Pinsel in gemeißelte Buchstabenkerben eines Namens setzte. Kein Kleben, kein Drücken, alles ruhig, weich, elegant mit den dicken Steinmetzhänden. Warmer Goldglanz auf Granit oder Marmor! Kostbar! Teuer!
Nie hätte ich von einer derartigen Masse und Fläche von applizierten Goldblättern geträumt. Im Film von designboom kann man (auch) die faszinierende Arbeit des Vergolders Lino Reduzzi beobachten. 


Scoletta dei Battioro e Tiraoro neben S. Stae

Die Bati e Tiraori, Goldschläger von Blattgold und Goldzieher von feinstem Golddraht bis hin zu Goldfäden zur Textiliengestaltung waren wichtige Hand- und Kunsthandwerker in der Republik Venedig, noch heute gibt es Goldschläger in Cannaregio. Die venezianischen Bati e Tiraori, auch die Silberschläger und -zieher (1773 32 Mitglieder, die in 9 Werkstätten arbeiteten) hatten ihre Scuola bzw. ihr Bruderschaftsgebäude neben der Kirche S. Stae. (Es gab auch eine Scuola der Bati e Tiraori Alemanni in S. Francesco della Vigna, 1773 104 Mitglieder aus 34 Werkstätten, unter ihnen übrigens viele Kölner.) 
Das barocke Gebäude in privater Hand ist gut erhalten und sehenswert und steht erfreulicherweise für Veranstaltungen zur Verfügung. Zur Zeit präsentiert sich dort zum ersten Mal Nigeria mit einem beeindruckenden Biennaleauftritt. Nicht alle Räume der Scoletta werden bespielt, die interessante Lösung offener Architektur auf quasi 3 Etagen ist trotzdem sichtbar.

Alle Berichte/Interviews zur Ausstellung Nigerias sind in englischer Sprache und lesenswert, die Ausstellung unbedingt sehenswert, vor allem die Filme (Zeit einplanen!):

Hyperallergic 29.05.
Nigeria's First-Ever Biennale Pavilion Challenges Colonial Narratives
Artsy 24.05.
Despite Obstacles, African Countries shine at the Venice Biennale
The Guardian 18.05.
Nigeria unveils first national pavilion at Venice art exhibition

CNN 12.05.
First Ever Nigerian Pavilian opens at the Venice Biennale
Contemporary and 11.05.
'How about now?'


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Zurück zum metallischen Leuchten und aufgerichteten Symbolen, nun jenseits von Luxus-, Macht- und sonstigen Gelüsten und jenseits des Canal Grande:

Die dunkle Seite des goldenen Strahlens kann man beim Besuch des nationalen Pavillons des Libanon "SamaS, Sonne schwarze Sonne" von Zad Moultaka im Arsenale Nord (also in eintrittsfreien Bereich des Arsenale) erahnen, kaum sehen, inklusive einer wunderbaren musikalischen Erfahrung. Daran wird man nicht vorbeigeschippert, man muss hingehen, und man sollte es  keinesfalls verpassen.
Die Installation in der stockdunklen Tesa 100 besteht aus 32 hochsensiblen Lautsprechern, einem gemischten a capella Chor, einem Mosaik aus Kupfermünzen und einem aufgerichteten Flugzeugmotor. Mehr wird hier nicht berichtet um nichts vorwegzunehmen, technische Details gibt es im Handzettel für Pavillonbesucher*innen.

Ein Link zum mythologischen Hintergrund: Samas, babylonischer Sonnengott.
Ein Link zu einer deutschsprachigen wissenschaftlichen Arbeit von Mathieu Ossendrijver zu Samas, inklusive eines Hymnus, wie er in der Ausstellung zu hören ist.

Die Vorstellung dauert 12 Minuten und läuft als Schleife. Entsprechend sollte man Zeit einplanen. Und sich auf ein einmaliges und überwältigendes Kunsterlebnis einstellen.


SamaS Sonne schwarze Sonne
von Zad Moultaka


Golden Tower: wer nahe ran will steigt  Haltestelle Accademia (Linien 1 und 2).
Pavillon Nigeria: Haltestelle S. Stae (nur Linie 1).
Pavillon Libanon: Haltestelle Bacini Linien 4.1, 4.2, 5.1, 5.2 und mit der kostenlosen Navetta, die zwischen Giardino delle Vergini und Arsenale Nord oder Novissimo (auch für Menschen ohne Biennaleticket) pendelt. Fährt alle 20 Minuten, Fahrplan siehe unten.



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31. März 2017

Noch eine venezianische Restaurierung





Es geht in diesem 35-Minuten-Film um die Restaurierung des Palazzo Papadópoli am Canal Grande. Ich fand ihn zufällig bei einer Recherche und da wir uns gerade über die schöne Restaurierung des Teatro Italia freuen, ist er sicher ein Genuss für Venedig-Appassionati - italienischer Text, englische Untertitel egal - allein schon die Aufnahmen von den Arbeiten sind hoch beeindruckend.
Der Film wurde veröffentlicht von der ausführenden Firma Dottor Group, damit ist keine Werbung auf diesem werbefreien Blog beabsichtigt, auch nicht für das Hotel, das seit der Restaurierung dort seinen Sitz hat. Beides gehört zur Information. Wir wissen, in Venedig wird restauriert mit der Absicht, Geld zu verdienen. Ausnahmen davon sind die Stiftungen (aufgelistet im Eintrag zum 50. Jahrestag des Hochwassers von 1966).

Ich konnte das Haus komplett besichtigen während der Kunstbiennale 2011, die Ausstellungen des Future Generation Art Prize belegten alle Räume vom Androne bis in die Bibliothek und die Nebenräume im obersten Geschoß. Direkt anschließend begannen die Restaurationsarbeiten. Heute kann jeder in diesem Haus übernachten, sofern er/sie über ein angemessen stattliches Budget verfügt. 

Zu Beginn des Films spricht der Eigentümer des Palazzo, Giberto Arrivabene, von einem Gemälde Paolo Veroneses, der "Madonna der Familien Coccina", das in der Gemäldegalerie in Dresden hängt. In der rechten Ecke unteren Ecke ist der Palazzo zu sehen, um den es hier geht.  

Ein spannender Einblick in das Innenleben einer venezianischen Baustelle, die Details der Arbeit der Restaurierungsspezia-
list*innen von den Ledertapeten, Fresken und Gemälden über Muranoglaslüster bis hin zu den Terrazzoböden und dem Dach. So geht das also - faszinierend zuzugucken.



Die Bloggerin im Glanz des unrestaurierten Palazzo 2011

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21. August 2016

Fondaco dei Tedeschi spielt demnächst auf dieser Bühne

März 2016
Am 30. September soll der neue Luxusmarkt DFS (Mieter des Betreiberkonzerns lvmh) im Fondaco dei Tedeschi eröffnet werden. Die Information ist über 2 Monate alt, sie wurde nicht wiederholt und nicht dementiert, aber meine Hand ins Feuer legen würde ich für die Richtigkeit nicht. Vielleicht wird es auch Oktober...

Ich hüte mich in den letzten Monaten, den Fuss in die Nähe des Baustellenkessels am Rialto setzen. Neben der Renovierung des Fondaco dei Tedeschi (siehe auch Einträge zum Label Fondaco dei Tedeschi) wird auch der Palazzo dei Camerlenghi in diesem Jahr wieder nutzbar sein; die Rialtobrücke selbst (siehe auch Einträge Label Rialto) soll 2017 fertig gestellt werden.  Bis auf Weiteres fahre ich also daran vorbei und nutze je nach Bedarf die Haltestellen Ca' d'Oro, Rialto Mercato, S. Silvestro oder S. Angelo. 

Ich habe wie die meisten von uns das Ergebnis der Umgestaltung zum 'Department Store' (also schlicht das alte Wort 'Kaufhaus'; was ist aus dem Begriff 'Mall' geworden, der einem - plop - aus dem Mund fällt?) bisher nicht mit eigenen Augen gesehen. Dafür erstmal Links für diesen Eintrag gesammelt, denn ohne eigene Anschauung sollte man vorsichtig sein mit Geschmacksäußerungen. Dank der Website des ausführenden Büros OMA und der Ende Mai gestarteten Medienkampgagne gibt es genügend neue Bilder, die offensichtlich zusammen mit einem Pressetext (der gleiche wie auf der Website?) in die Welt gepustet wurden. Sie landeten etwa gleichzeitig in Tages-, Wochen-, und vor allem Fach- und Hochglanzblättern bzw. -netzseiten und die Ergebnisse sind quasi identisch. Überall die gleichen Fotos, überall die gleichen Textbausteine bzw. Stichwörter. 


Markuslöwe über dem Hauptportal des Fondaco dei Tedeschi

Unvollständige Sammlung von Beispielen:
Kann es sein, dass nicht einmal die Fachpublikationen die Chance zu einer kritischen Recherche und Stellungnahme nutzen, sondern ohne Ambitionen frei Haus gelieferte Pressetexte und Fotos veröffentlichen? Ist die Medienkampagne so überzeugend, ist das Büro OMA so einflussreich? Wiegt die Kosteneinsparung schwerer als der redaktionelle Standpunkt?

Es gab aber auch einige Beiträge (und ich habe alle Texte der hier veröffentlichten Links gelesen), die sich nicht allein auf den fertigen Text und den professionellen Eindruck der gelieferten Fotos zu verlassen schienen: 

März 2016

Der Beitrag des Deutschlandradios ist ein Jahre alter Artikel aus dem Archiv, versehen mit einem neuen Datum und ohne aktuellen Bezug. Also bitte!

Der Beitrag von ArchDaily bringt als einziger ein Interview mit einem der verantwortlichen Architekten (Ippolito Pestellini Laparelli), bei dem mich die sachkundigen und kritischen Fragen des Autors Vladimir Gintoff deutlich mehr beeindrucken als die Einlassungen des Interviewten. Denn der liefert wieder die bekannten Textbausteine, die vorgeformten Medienhäppchen, die sprachliche Selbstdarstellung des Architekturbüros OMA. Trotzdem ist das Interview wirklich erhellend, ich empfehle sehr, ihn zu lesen; es beleuchtet außerdem, was an den scheinbar eigenständigeren Beiträgen der AutorInnen in Frame, BauNetz, SZ und FAZ selbst gedacht und was auch nur übernommen wurde. 

Und ich finde: diese Beiträge drücken sich um einen kritischen Standpunkt herum, indem sie den von OMA behaupteten permanenten Wandel durch immer neue bauliche Veränderungen, das sogenannte "Palimpsest", zu einseitig überdenken. Denn dieser 'permanente Wandel' ist das Feigenblatt der Rechtfertigung vor den italienischen Denkmalschutzgesetzen. Und die deutschsprachige quasi akademische Diskussion des angeblich objektiven Mangels von authentischen Strukturen, der jahrhundertelangen permanenten baulichen Eingriffe, der deshalb paradoxen Legalität des Denkmalstatus ist ein Reinfall aufs Marketingkonzept.

Dass die erneuten (und aus dem Interview von ArchDaily zu lesen: nicht revidierbaren) baulichen Eingriffe - trotz Denkmalstatus des Fondaco dei Tedeschi! - die einzig denkbare Bestätigung der historischen wechselnden Bauzustände eines 500 Jahre alten Gebäudes sei, kann man aus meiner Sicht nicht ernsthaft als denkmalorientieres architektonisches Konzept verkaufen, denn welches Gebäude in Venedig wurde in den letzten 1000 Jahren nicht wiederholt verändert, abgerissen, halb abgerissen, der Gotik, Renaissance, dem Barock angepasst, neu gebaut, umgenutzt, aufgestockt, verbrannt, erweitert, verschönert, konvertiert, längerfristig nicht genutzt, aus Ruinen wieder hochgezogen? 

Ganz Venedig ist so gesehen ein 'Palimpsest'. Für mich ist das allerdings kein zulässiger Begriff im Zusammenhang mit einer anderhalbtausendjährigen Stadtentwicklung. Eine sehr schlichte Metapher statt Geschichtsbewusstsein und Respekt vor dem historischen Erbe! 

 Bauentwicklung Rialto 950 bis jetzt  (auf YouTube aufrufen per Klick auf den Text oben links)
Dank an K. H. für den Hinweis auf Venice Time Machine.

Nun, angesichts von 500 Jahren Fondaco dei Tedeschi: auch sein derzeitiger "historischer Bauzustand" wird eines Tages Geschichte sein, es werden neue bauliche Eingriffe kommen. Schon Form und Farbe der Rolltreppen, Ausdruck eines vorübergehenden Geschmacks, werden in wenigen Jahren nicht mehr 'luxuriös' wirken. Für die Dauer der Nutzung als Warenhaus muss im Gewinninteresse der Verkehr im Gebäude beschleunigt werden, gut, und die Dachterasse, angekündigt als offen und frei zugänglich für alle, ist der im Moment wunderbarste Kundenköder in das Gebäude, den man sich denken kann. 

Aber wer weiss, wer oder was nach unserer Zeit kommt;  in 50, 100 oder 150 Jahren dort seinen Raum hat? Eine große europäische, mehrsprachige integrativ-kooperative Universität? Die zentrale europäische Verwaltungsbehörde für Einwanderung oder die Stelle zu Beobachtung und Koordination internationaler Bevölkerungsbewegungen? Im Moment sieht es eher danach aus, als würde in den nächsten 50 Jahren jedes Bett in Venedig ein Gästebett und die Stadt das Traumziel für asiatische Reisegruppen bzw. wohlhabende Familien, mit entsprechenden Versorgungs- und Servicestrukturen. (Auch bei der Rekrutierung für Verkaufs- und BeratungsmitarbeiterInnen für den Fondaco dei Tedeschi gehörte Mehrsprachigkeit zum Profil, neben englisch bevorzugt mandarin, russisch, japanisch, koreanisch.) 
Ich wünsche mir: keine Luxusbude, die kein/e VenezianerIn zum Leben braucht. Und die TouristInnen finden das Warenangebot im neuen Fondaco dei Tedeschi in jedem asiatischen Duty Free Shop. Für die Nutzung eines alten Gebäudes im Interesse der jeweils lebenden und arbeitenden Menschen genügt seine sorgfältige Instandhaltung inklusive aller historischen baulichen Veränderungen zum Besseren oder Schlechteren. Ich hoffe sehr, in 150 Jahren hat Venedig (sprich die Bürgerschaft) genug Humor, um über die OMA Umgestaltung nachträglich zu lachen, und ist so gefestigt in jeder Hinsicht, dass es auf "Transformationen" gegen seine eigenen Interessen entspannt verzichten kann.   

Nachdem schon vor Monaten das Aussengerüst abgebaut wurde, und ein still gehegter Wunschtraum augenscheinlich nicht in Erfüllung ging, kann ich ihn ja jetzt einräumen (im anderen Fall wäre "...genau das hatte ich mir vorgestellt...!" zu prahlerisch gewesen, um damit nachträglich rauszurücken):


Wäre es nicht eine Überlegung wert gewesen, die Süd- und Westfassade wie beim Wiederaufbau mit Malereien zu gestalten? Hat niemand daran gedacht? Nach dem Brand von 1505 beeilte sich bekanntlich die Serenissima, den Handelshof der deutschsprachigen Kaufleute schnell wieder aufzubauen. Schon 1508 war das neue Haus voll funktionsfähig. Zur Wahl sowohl Arbeitszeit sparender wie auch maßvoller Mittel gehörten nicht Verkleidungen aus istrischem Stein oder Marmor, sondern eben Fresken, deren kurze Lebensdauer in der venezianischen Salzluft bewusst in Kauf genommen wurde. Der junge Giorgione und der noch jüngere Tizian übernahmen den Job, ersterer die Südseite zum Canal Grande, letzterer die Westseite zur Gasse mit dem Haupteingang. 


Canaletto, Fondaco dei Tedeschi (Detail)
Auf dem Werk des 18. JHs sind die Fresken Giorgiones
an der Canal Grande-Seite noch schwach sichtbar.

Giorgio Vasari schreibt in seinen Künstlerbiographien ('Lebensläufe der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten') bei der Biographie Giorgiones: 


"Im Jahre 1504 brach zu Venedig im Lagerhaus der Deutschen am Ponte del Rialto ein furchtbares Feuer aus, das jenes und alle Waren zum großen Schaden der Kaufleute zerstörte. Die Signoria von Venedig gab den Befehl, dass man es neu erbaue; es wurde mit bequemeren Wohnungen, mit größerer Würde und Pracht und schöner schleunigst erbaut. Giorgione, da dessen Ruf immer mehr gestiegen war, wurde dabei zu Rate gezogen und erhielt von dem Bauverweser den Auftrag, es in bunten Farben in Fresko zu bemalen, ganz nach eigenem Gefallen, wenn er nur sein Talent dabei kundgebe und an diesem schönsten und am meisten gesehenen Ort der Stadt ein hervorragendes Werk ausführe. Er legte Hand daran und malte, als Beweis seiner Kunst, lauter Phantasiegestalten; und tatsächlich findet man weder eine Folgerichtigkeit von Bildern, noch einzelne Begebenheiten aus dem Leben berühmter Personen des Altertums oder der neueren Zeit; ich für meinen Teil habe es nie verstehen können und auch auf meine Frage nach der Darstellung niemand gefunden, der es verstanden hätte. Denn hier ist ein Mann, dort eine Frau in verschiedenartigen Stellungen; neben dem einen sieht man ein Löwenhaupt, nebem dem anderen einen Engel, dem Cupido ähnlich, aber man weiss nicht, was es sein soll. Über dem Hauptportal nach der Merzeria zu ist eine Frau sitzend abgebildet, zu ihren Füßen ein Riesenhaupt, fast nach Art einer Judith; sie hebt den Kopf mit dem Schwerte empor und spricht zu einem Deutschen, der weiter nach unten steht. Weshalb diese Figur hier dargestellt ist, konnte ich nicht deuten, wenn er nicht eine Germania machen wollte. Im Ganzen erkennt man sehr wohl, dass die Figuren gut beisammen sind und dass Giorgione immer besser wurde, Köpfe und einzelne Teile der Gestalten sind gut gezeichnet und sehr lebendig koloriert, auch mühte er sich überall, die lebendigen Dinge gut aufs Korn zu nehmen ohne irgendwelche Nachahmung einer Manier. Dieses Werk ist in Venedig berühmt, nicht minder wegen der Malereien Giorgiones, als wegen der Bequemlichkeit des Warenlagers und seines öffentlichen Nutzens."

Die Sache ging schnell, das Gebäude hatte ein farbenfrohes, festliches Aussehen, die auftraggebende Signoria profitierte nicht nur bei den günstigen Kosten, sondern auch vom Image der beiden aufstrebenden Künstler. Junge wilde Künstler gefördert, großartige marketingwirksame Kunst am Rialto platziert, wichtige Wirtschaftpartner nachhaltig und großzügig beeindruckt!

Ach! Wie leicht hätte man auch jetzt zwei 20jährige, erfahrene und künstlerisch herausragende Mural-Künstler finden können. Was für eine Pracht wäre es gewesen, zwischen den Fensterreihen lebendige, zeitgenössische Kunstwerke zu sehen, bunt! Im Gegensatz zum öden Weiß, das sich immer weiter auf frisch restaurierten Gebäuden in Venedig ausbreitet. 

Egal, was sie gemacht hätten"...ganz nach eigenem Gefallen, wenn er nur sein Talent dabei kundgebe und an diesem schönsten und am meisten gesehenen Ort der Stadt ein hervorragendes Werk ausführe.

Sagt Vasari, sage ich. 


Mai 2016,  Dachterrasse fertig



Ein schöner und interessanter Artikel aus dem Umfeld des Themas und der Neuen Zürcher Zeitung:
László F. Földényi: Imagination einer Begegnung - Albrecht Dürer und Georgione in Venedig



Nachschlag: Eröffnung am 1.10. 9:30 Uhr

Dazu schreiben:

"Masken und Violinen" - ist das Ironie? "La modernità arriva a Venezia" MUSS sarkastisch sein, oder? Merkt die Autorin des Artikels der NY Times "In Venice, Duty-Free Shopping...", wie entlarvend ihr Artikel ist, aus anderer Perspektive gesehen? Der Moodie Davitt Report ist ein Business-to-Business Informationsmedium und reproduziert ungerührt die DFS-Marketingpoesie. Damit muss es jetzt auch mal gut sein mit der Werbung für den Laden, aus der die meisten Inhalte dieser Artikel bestehen. Sollte noch Kritisches im www auftauchen, wird es nachgereicht. Ebenso meine persönliche Meinung im November, falls ich das Bedürfnis haben sollte. 

Die erste der angekündigten Kulturveranstaltungen ist zur Eröffnung die Ausstellung "Memoria dell' acqua" des venezianischen Künstlers Fabrizio Plessi. Er ist VenedigbesucherInnen bekannt durch regelmäßige Ausstellungen, aber auch z. B. in diesem Sommer in Recklinghausen. Die Ausstellung läuft bis 15.1.2017.



Nachtrag 26.10.2016

Wolfgang Wagener hat per Mail am 24.10.17 seine Eindrücke per Mail gechickt und mir erlaubt, sie zu veröffentlichen. Damit sie nicht im Kommentarbereich übersehen werden, füge ich seinen Text innerhalb des Blogeintrags ein und danke nochmals herzlich für den Bericht:



Der Fondaco hat mich durchaus begeistert. Und zwar wegen des – wie Sie so schön geschrieben haben – „Kundenköders“: der Dachterrasse. Und vielleicht auch, weil ich Schlimmeres befürchtet hatte. Vor diesem Hintergrund finde ich den Bau nicht sehr verunstaltet. So, wie man oft über das Gedränge in den Gassen der Stadt hinwegsehen muss, kann ich problemlos die Luxuswaren ignorieren, und mit etwas Mühe auch die penetrante Dudel-Berieselung (die ist wirklich unpassend). 

Die Rolltreppen finde ich nicht extrem aufdringlich – es hätte wesentlich schlimmer kommen können. Allerdings sind sie auch nichts Besonderes, eher schon Jugendstil – damit meine ich den Stil aus meiner Jugend, also den 50er und 60er Jahren, wo solche Hölzer auch schon in Mode waren, wie sie hier verwendet wurden. Also zeitlos bieder. Dagegen sind die Treppenhäuser schön schlicht – vielleicht in der ursprünglichen Form?

Die Aussicht von der Dachterrasse ist allerdings grandios. Und kostenlos. Und noch ist es nicht sehr voll. Es wird darauf hingewiesen, dass die Terrasse maximal 80 Personen trägt und man sich daher mit Wartezeit anmelden muss, doch bei drei Anläufen in der letzten Woche hätte ich nur einmal (mittags) 15 Minuten warten müssen. Am Sonntag davor standen allerdings kurze Schlangen vor den Eingängen zum Fondaco – vielleicht wegen der Terrasse. 
Aber dafür lässt die großzügige Warendekoration auch Raum für den offenen Zugang zu den Fenstern auf der Kanalseite. Da kann ich auch über einige Geschmacklosigkeiten (goldene Wände im Dachgeschoss) hinwegsehen.

Ob die Dachterrasse tatsächlich ein Kundenköder sein soll oder kann, wage ich zu bezweifeln. Denn das Sortiment richtet sich offensichtlich nur an Scheichs und russische Oligarchen (Schuhe für 900 €, Weine für 1.000 und 2.000 € usw.). Ich habe dementsprechend oberhalb des Erdgeschosses (wo immerhin die Sonnebrillen-Abteilung umlagert war) kaum Kunden, sehr viele Verkäuferinnen und Verkäufer und ansonsten nur Touristen gesehen. Ich befürchte aber, dass der freie Zugang zu Dach und Fenstern irgendwann eingeschränkt wird. Denn es wird sicher Probleme geben, wenn die Damen aus dem Geldadel Edel-Pumps anprobieren und sich zwischen ihnen kurzbehoste US-Touristen und japanische Reisegruppen mit Fotoapparaten (und deutsche Touristen wie ich) zu den Fenstern drängen, um ein Foto zu machen, und sich gleichzeitig vor den Eingängen die Warteschlangen für die Dachterrasse drängen. Aber momentan ist sie (noch fast) ein (Geheim-)Tipp, ein Ruhepunkt hoch über dem Gewimmel um Rialto. Bis die Terrasse in den ersten Reiseführern auftaucht...


Weiter mit dem Thema:

Fondaco dei Tedeschi - Ansichten, Aussichten vom 14.11.2016


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6. Mai 2016

EIn Blick auf die Sensa? Die Vogalonga?

Direktblick ohne Webcam vor dem Start der Vogalonga 2012

Man muss nicht immer dabei sein.
Der venezianische Carnevale der Gegenwart lockt mich nicht, der Redentore ist für mein Gefühl ein Fest, das den VenezianerInnen gehört, Veranstaltungen wie Sensa und Regata Storica sind vermutlich ein Ereignis für die Aktiven, aber als Zuschauerin in der 8. Reihe ein kurzes unbequemes Vergnügen. Alles nix für mich.

Aber ein bisschen gucken wäre schon interessant. Die Möglichkeiten dazu waren bisher gering. Das Verkehrsüberwachungssystem ARGOS  liefert nur noch Standbilder des Canal Grande (was im Sinne des Datenschutzes korrekt ist - ich fand die Liveüberwachung online für jedermann immer erstaunlich bis fragwürdig). Die frühere Webcam der Biennale am Palazzo Giustiniani wurde anlässlich der Fassadenrenovierung vor Jahren ab- und nicht wieder angeschraubt. Die Webcams der Comune Venezia (mit nur stündlich erneuerten Bildern!) wurden schon immer pünktlich abgeschaltet, sobald es auf der Piazza und Piazetta, dem Canal Grande oder Bacino etwas zu sehen gegeben HÄTTE. 

Mit dem Webcamdienst Skyline hat sich das geändert, es gibt ganz neue Zaunguckeroptionen. Wer also am Sonntagmorgen in aller Ruhe die Parade der Boote zur Vermählung des Dogen mit dem Meer (bzw. des Bürgermeisters Brugnaro mit dem Meer) beobachten möchte, kann das von sogar mehreren Webcamstandorten aus tun. 
Haltestelle Vallaresso und Canal Grande Mündung vor dem Palazzo Giustiniani 
Ufer vor der Piazzetta und Palazzo Ducale
Ufer nahe der Haltestelle S. Zaccaria

Laut Programm der Sensa wird ein Blick ab ca. 9 Uhr interessant.

Etwas später, wenn die Ruderregatten im Gange sind, lohnt ein Klick auf den Canal Grande
Von S. Silvestro Richtung Rialtobrücke
Von S. Silvestro Richtung Ca' Farsetti (Rathaus)

Ähnliches trifft auf die Vogalonga am 15.5. zu: das Becken vor S. Marco füllt sich ab ca. 8 Uhr, Rückkehr durch den Canal Grande Richtung Dogana ab ca. 11 Uhr.


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