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26. Mai 2013

Kleinste Kunst am venezianischen Bau

 
Zwei Pfauen, (naxischer?) Marmor, Castello, Fond. della Tana/Ponte della Tana

Bevor ab dem kommenden Wochenende die große Masse zeitgenössischer Kunst über Venedig ausgeschüttet wird - die Eröffnungen von Biennale, Pinault-Ausstellungen im Palazzo Grassi und der Dogana, der Prada-Ausstellung im Palazzo Corner della Regina, diverse Neben- und Satellitenereignisse der Biennale...

Ähnliches Motiv - Vögel mit Weinstock, Dorsoduro, Dietro gli incurabili
  ...will ich einen Eintrag schreiben über die kleine, alte, unspektakuläre Kunst am Bau, die überall in Venedig präsent ist: die Patera. Ein kleines Relief, 20-80 cm im Durchmesser, bis zu 10 cm dick, entscheidendes Merkmal: rund! Denn Reliefs an Gebäuden in allen Größen und Formen finden sich massen-
haft in Venedig (darüber ein anderes Mal), Patere sind nur die runden. 


Kampf zwischen Schlange und ?, Cannaregio
 Ursprünglich ein flaches tellerförmiges Kultgefäß in der griechischen und römischen Antike, weiter entwickelt in der byzantinischen Kunst, meist aus Ton, aber auch luxuriös in Silber, verziert mit Darstellungen nur auf der Oberseite, wurden Patere für Opferrituale verwendet.
Unter der Bezeichnung Patene gibt es ein ähnliches Gefäß noch immer im christlichen Opferkult (Kommunion, Abendmahl). 


2 Bären (?), Cannaregio
 Die künstlerisch-magische Verwendung  am Bau im byzan-
tinischen Venedig fanden Patere vom Ende des 10. bis zum 12. Jahrhundert, aber auch in folgenden Zeiten hat sich die kleine runde Form behauptet, und auch auf ägägischen Inseln  habe ich mit Patere geschmückte ältere Häuser (und stylische neue!) gefunden. Schöne Teller auf die Fassaden zu pappen hat sich als nachhaltige Idee erwiesen. 


Kirche S. Sebastiano, Eingang, Dorsoduro
In Venedig gibt es Patere in allen Stadtteilen, auch Touristen im Schnelldurchlauf können sie an der Basilika S. Marco bewundern. Hergestellt sind sie meist aus istrischem Stein, allenfalls griechischem Marmor, der weiße Carraramarmor ist zu empfindlich. Man kann ggfs. an ihrem Zustand erkennen ob es sich um alte Patere oder neue handelt (die man zur Haus- oder Gartendekoration vor allem in den Steinmetz-
geschäften in Cannaregio kaufen kann). Wenige alte Patere sind aus Metall. Manche der neuen sind aus Beton gegossen, was immer man sich dabei denkt. 


Dogenwappen, S. Marco, Innenhof Ca' del Duca
  Häufig sind Tiere dargestellt, auf alten verwitterten Patere sind sie manchmal kaum zu erkennen. Ist aber eigentlich egal, denn alle Tierdarstellungen haben Symbolcharakter und die Tiersymbolik wurde schon in der Antike geschickterweise so breit angelegt, dass sich im Prinzip jede/r aussuchen kann, was gemeint ist bzw. was er/sie passend findet.
Ein Löwe (wir sind in Venedig!) kann außer S. Marco auch Christus, Daniel, Hieronymus, sogar den Teufel, Beharrlichkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit, Stolz, Überlegenheit, Auferstehung symbolisieren. 


Familienwappen, S. Polo, Calle Orsetti
Der Adler ist ein Symbol für Grechtigkeit und Stolz, der Biber für Keuschheit, der Bär für Unkeuschheit, das Einhorn für Jungfräulichkeit, der Hund für Treue, Neid und Zorn, die Taube für Demut, die Elster für Eitelkeit, der Pfau für Unsterblichkeit, der Drache für den Teufel und das Böse schlechthin, der Hase für Fruchtbarkeit... undsoweiter. Entscheidend für die ursprünglichen Patere ist die erhoffte magische Funktion: das symbolisierte Gute rein, das symbolisierte Böse raus.

Das geniale Familienwappen Malipiero,
Cannaregio, Calle Boldo
Der praktische Zusatznutzen trat später ein in Form von Selbstdarstellung: die Familiensymbolik der Wappen, die soziale Symbolik von Gruppen wie der venezianischen Scuole u. ä.. In Einzelfällen trifft heute wohl auch rein der persönliche Geschmack den Kern der Sache.

Symbol der ehem. Scuola del Volto Santo der Seidenhändler aus Lucca,
Cannaregio, bei S. Maddalena
(siehe auch Eintrag "Vom Finden verschwundener Kirchen" )
Patere sind schwer zu fotografieren, finde ich, denn sie hängen in der Regel hoch, man hat die Wahl zwischen Zoom und extrem schräger Untersicht, in beiden Fällen habe ich schon jede Menge Wackler produziert. Unbedingt sind Patere einer der Gründe, in Venedig nie den regelmäßigen Blick nach oben zu vergessen. Damit einem nicht die wunderschöne kleinste Kunst entgeht.

 
















Haus gespickt
mit Patere und Spolien, Cannaregio, Rio di Ca' Widmann bei der Kirche der Miracoli

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9. Juli 2011

Hütten und Paläste


Treppenhausportal im Palazzo Giustinian-Recanati

In diesem Eintrag möchte ich hinweisen auf einige Austellungen, die einerseits in interessanten venezianischen Räumen stattfinden - Hütten und Palästen - andererseits NICHT bis zum Ende der Biennale am 27.11. laufen, sondern bereits früher enden, also Terminsachen!

Ich fange mit den Palästen an und weise nochmals auf die Ausstellung im Palazzo Donà hin, über die ich schon einen Eintrag geschrieben habe, deren Besuch bis zum 25. September ich aber nochmals empfehlen möchte. Jeder, der sowieso an die Fondamente Nove kommt um nach Murano/Burano/Torcello zu fahren, sollte einfach 1/2 Stunde früher antrudeln um die Gelegenheit wahrzunehmen, dieses Haus zu sehen. Wer weiss, wann das wieder möglich sein wird, und ob die Dylan-Bilder von Maria Zerres für ihn/sie wieder so leicht erreichbar sein werden.

Bis zum 15. September zu sehen ist der Palazzo Giustinian Recanati in Dorsoduro, der der Universität Ca'Foscari gehört und eine Kunstschule beherbegt. ES gibt ein beeindruckendes Treppenhausportal aus rosa Marmor im Piano Nobile, schöne Stuckarbeiten in den Sälen der Ausstellung "Cracked Culture", den offen stehenden Unterrichtsräumen (die natürlich nicht zur Ausstellung gehören, aber offene Tür ist offene Tür und eine Universität ein quasi öffentliches Gebäude). In der obersten Etage gibt es am Ende des Saales rechts in mehreren Räumen eine gute Ausstellung mit Werken der StudentInnen.


Kunst auf der Tapisserie des Palazzo Papadópoli

Nach hinten eine sc
höner großer Garten, in dem man zwecks Entspannung lagern kann und weitere Exponate zu sehen sind.
Die Ausstellung, die ein Collaterales Event' der Biennale ist, zursätzlich zur nationalen Ausstellung Chinas im Arsenale, ist groß und interessant und beeindruckt mich mehr als die offizielle Präsentation Chinas.
Vaporetto Linie 2 Zattere und dann zu Fuss, siehe Karte im Link oben.

Der Palazzo Papadópoli war zur Biennale 2009 ein Reinfall für mich persönlich, aber in diesem Jahr mit der Ausstellung "Future Generation Art Price" eine sehr schöne Kunst- und Palasterfahrung.

Bei der Kunst gab es z. B: eine Idee eines wohlriechenden Holzschiffes mitten im Saal des Piano Nobile und interessante Videos, und das Haus haut einen schon ziemlich um.
Treppenhäuser, Fresken, Stuck, Spiegel, Gold, Licht, geöffnete Fenster, Canale Grande! Wow! Aussicht auf eine Hochzeitsgesellschaft am gegenüberliegenden Ufer vor dem Standesamt! Ich persönlich habe es gerne schlichter, aber man sollte dieses Haus unbedingt besuchen und sich auch die Zeit nehmen, es in Ruhe anzusehen. Z. B. ein bezaubernd ausgestalteter 'chinesischer Raum' oder die Bibliothek in der obersten Etage, leider schlecht zu sehen wegen der videotechnischen Verdunkelung.

Der Palazzo scheint zu jeder Biennale gebucht zu sein, so dass es wohl in den nächsten Jahren weitere Gelegenheiten geben wird, in wieder zu besichtigen, in anderen künstlerischen Ausstattungen.

Diese Ausstellung endet bereits am 7. August.
Vaporetto 1 San Silvestro und dann weiter zu Fuss, siehe Beschrei-
bung im Link o
ben.

Androne des Palazzo Ca' Corner della Regina mit Blick zum mittleren Wassertor (zum Canale Grande)

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder zu besichtigen und das auch nur bis zum 2. Oktober ist der Palazzo Ca' Corner della Regina.
Der
Stiftung Prada wurde das Haus zur Nutzung = Renovierung überlassen, im Winter gehen die Renovierungen weiter und möglicherweise gibt es über den nächsten Sommer wieder eine Öffnung für eine Ausstellung, aber man weiss es nicht (ich habe gefragt).
Im abgerissenen gotischen Vorgängergebäude dieses Hauses wurde Caterina Corner (Cornaro) geboren, die als "Tochter Venedigs" Königin von Cypern werden sollte und nach dem vorzeitigen Tod ihres Mannes und Kindes ihr Königreich der Serenissima schenkte (die damit eine schöne Kolonie gewann bis 1571), gegen ein hoffentlich schönes Leben auf einem Gut in Asolo und ein Ehrengrab in San Salvador in Venedig. Das Leben Caterinas ist dargestellt in riesigen Fresken, die die Wände des Saals im Piano Nobile schmücken. Beeindruckend.

Ca' Corner und der unvermeidliche Koons
Die Ausstellung der Fonda
zione Prada ist ziemlich riesig, eine spannende Mischung zeitgenössischer Kunst und einzelner Leihgaben aus Museen, z. B. dem Museo Correr am Markusplatz. Es gibt natürlich einige nervende Exponate die in keiner teuer bestückten Ausstellung fehlen, z. B. Koons, Hirst, was ich freundlich entschuldige beim ersten Besuch in diesem Haus (ich habe ja sowieso keine Wahl und immerhin haben sie keine Chapmans reingestellt).

Die Repräsentationsräume sind riesig, es gibt ungeheure Perspektiven in denen man 4-5 Portale gleichzeitig fotgrafieren kann, 3 Wassertore zum enorm großen Androne, eine ungewöhnliche Treppenlösung von diesem in das Mezzanin, das sich zwischen Androne und Piano Nobile befindet. Diese drei Eta
gen sind in die Ausstellung einbezogen, man kann unterschiedliche Stadien der Restaurierung erkennen und darf gespannt sein, wie es mit den anderen Stockwerken weitergehen wird.

Die Möglichkeit, dieses Haus und die aktuelle Ausstellung darin zu sehen, sollte man wirklich nicht verpassen.
Achtung: die Ausstellung schmückt sich mit dem Biennale-Logo, ist aber NICHT kostenlos, es wird ein Eintritt von 10 € erhoben (dafür wimmelt es vor allem im Parterre von Security, diese Leute müssen schließlich auch bezahlt werden). Es lohnt aber die Ausgabe.
Vaporetto San Stae, dann zu Fuss weiter der Ausschilderung Ca'Pesaro nach und von dort rechts-links-links noch ein paar Gässchen weiter.




Die Hütten befinden sich da, wo ich sie schon zur Biennale 2009 beschrieben habe, an der Fondamenta S. Ana.


Es gibt mehr und größere Ausstellungen als 2009, und ich kann mir vorstellen, dass sich diese schlichte Wohngegend biennalemäßig noch weiter entwickelt, da sie auf dem Fussweg von den Giardini zum neuen Eingang an der Vergini-Brücke liegt, die 2009 eröffnet wurde.

Detail der Installation "The Third Realm"

Es wurde ein bisschen renovie
rt, weniger aus optischen als aus Sicherheitsgründen vermute ich, z. B. eine sehr glitschige Steintreppe durch eine schöne neue Holztreppe ersetzt und schadhaftes Holz ausgebessert, an dem man sich verletzen könnte.
Im Nachbargarten, vor 2 Jahren noch eine Art Lagerplatz für Handwerksmaterial ist ein großer Kindergarten unter alten Bäumen entstanden. Wie schön.


In diesem Jahr stellt Wales aus in der Kirche S. Maria Ausiliatrice (leider kein Zugang zum Kreuzgang, schade), was noch nicht die Hütten sind, aber nicht ausgelassen werden sollte, ich ja direkt auf der gegenüberliegenden Kanalseite und die Brücke genau daneben.

In den ruinösen (aber stabilen) Arbeiterhäusern, die der Fondazione Gervasuti gehören, gibt es in diesem Jahr zwei nationale Ausstellungen, die bis zum 27.11. laufen.

Eines der Zimmerchen der Ausstellung Bangladesh

Das sind Irak mit sehr berührenden Exponaten, die in diesem unaufwändigen Umfeld sicher noch dazu gewonnen haben und Bangladesh, dessen Ausstellung mir ebenfalls gut gefiel (Texte lesen, gehören unbedingt dazu).

Ausserdem gibt es noch die Ein-Raum-Einzelausstellung 'Memory of Books', die ich ganz witzig finde. Nur bis zum 10. September.


Und das Biennale-Projekt "The Knowledge" nur bis 15. September, mit Installationen unter Einbezug einer originalen Schreinerwerkstatt, mit einem kleinen Bookshop und einem großartigen kleinen Hinterhofcafé, in dem man in einer Hängematte liegen, lesen, die Füsse hochlegen, Bekanntschaften schließen... kann, toll! Was man alles nicht weiß, wenn man vorne vor dem armseligen Häuschen auf der Fondamenta steht.

Was eher auffällt, ist eine weitere ungewöhnliche Ausstellung mit dem Titel "The Third Realm". Allerdings muss man an den ersten Exponaten vorbei in das Hinterhaus hineingehen, um die Sache richtig sehen und würdigen zu können. Witzig und sehr sehenswert, nur bis 29. September.



Weitere Einträge zur Biennale folgen in den nächsten Wochen und Monaten.

Hinterhofcafé des Biennale-Projekts "The Knowledge"





















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26. Februar 2011

Fischmarkt aufs Festland oder?


Anfang Februar gab es eine kleine Medien- und Bloggererregung, ausgelöst von einem Artikel vom 4.2. in La Nuova Venezia. Es geht um Planungen, den Großmarkt von der Insel Tronchetto, hinter dem Piazzale Roma liegend, zu verlagern nach Fusina, auf das ehemalige Industriegelände Alumix, 5,5 km südwestlich.

Befürchtet werden gravierende Folgen für den
Markt am Rialto. Die in der Lagune produzierten Lebensmittel (z. B. Grünzeug aus S. Erasmo, Meeresfrüchte aus Burano) werden nachts zum Großmarkt Tronchetto gebracht, dort verkauft und direkt weiter transportiert auf den Rialtomarkt und die weiteren Einzelhändler.

Der Umzug nach Fusina, befürchten die 15 Einzelhandelsfirmen des Fischmarktes, wäre das Ende des Frischfischs auf dem Rialto. Der Transport von Burano nach Fusina, 16 km, dort per LKW zum Großmarktgelände und nach dem Verkauf der LKW- und Bootstransport zurück in die Stadt sei so zeit- und kostenaufwändi
g, je nach Wind und Wetter sogar unzumutbar, dass die Versorgung des Einzelhandels nicht mehr funktionieren könne.



Ich weiss nicht, wie seriös 'La Nuova
Venezia' ist und kann die Argumente der Fisch-
markt-
unterneh-
men nicht gut genug beurteilen. Ich sehe aber mit geringem Sachver-
stand bei einem kurzen R
undgang durch den Fischmarkt, dass der größte Teil der Ware natürlich nicht aus der Lagune stammt, was man sogar vielen Ausschilderungen entnehmen kann, da die Herkunft der Fische ausgezeichnet werden muss. Viele stammen nicht mal aus dem Mittelmeer, woher denn auch. (Und was aus der Lagune stammt, z. B. die Muscheln aus der südlichen Lagune, den Industrieabwässern, würde ich nicht essen wollen.) Ein Teil der Ware auf dem Rialto Fischmarkt ist auch heute schon tiefgekühlt, wie überall rund um das Mittelmeer, warum so tun als sei das in Venedig anders.
Der Transport und Verkauf der Lagunenwaren ließen sich wirklich organisieren, seien sie denn gewollt.



Ich denke, es geht um eine ganz andere Größenordnung, nämlich das Kreuzfahrtbusiness, dem der Großmarkt auf dem Tronchetto weichen soll. Die Zahl der Riesenpötte wird noch weiter zunehmen, dafür wurde bereits die bisher fehlende Verkehrsinfrastruktur hergestellt mit dem People Mover. Siehe auch Einträge vom
4.7.2010 und 18.5.2010


Auf dem Tronchetto möchte man ein "Panorama Riesenrad" aufstellen (von dem man die Industrieanlagen gut bewundern kann, besser jedenfalls als vom Campanile S. Marco?). Vielleicht denkt man auch an einen Ableger des Casino, damit sich die Kreuzfahrtgäste während ihres kurzen Aufenthaltes nicht auf den Lido bemühen müssen?

Es gibt sicher weitere kreative Pläne, aus der Tourismus-/ Kreuzfahrtindustrie das Lukrativste für die Stadt zu machen.


Die mehr als 1000jährige Tradition des Rialto Marktes ist ein sehr wichtiges Argument , aber traditionelles Kleinbusiness wird vom globalen Großbusiness aus dem Feld geschlagen, fürchte ich.


Hier kann man eine
Online-Petition unterzeichnen, wenn man hofft, dass es hilft. Ich habe, hoffnungslos, aber schaden wird es nicht :-) ...


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30. Oktober 2010

Löwen

Ich sammle KEINE Löwen, wie viele von uns Venedig-LiebhaberInnen. Ich denke, es gibt auf diesem Planeten keine Stadt in der man mehr Löwen findet, und man hat keine ruhige Minute in Venedig, wenn man damit anfängt.

Es gibt allerdings Löwen, die ich mir nicht verkneifen kann zu fotografieren, weil sie auf eine besondere Art grinsen, oder besonders gelungen oder gerupft aussehen, oder sich an einem besonderen Ort befinden.

Ich werde ein paar Tage Urlaub in 'oltre mare' machen, und sicher einige koloniale Löwen fotografieren an venezianischen Portalen, Festungen etc. in der Argolis. Einstweilen stelle ich hier einen besonders schönen Löwen ein, obwohl er aussieht, als würde er gerade in eine Steckdose fassen. Er ist "versteckt" im Gebäudekomplex Archivio di stato/Kreuzgänge der Frari.




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2. August 2009

Pavillon Ukraine - das war wohl nix!

Der Palazzo Papadopoli am Canal Grande nahe der Haltestelle S. Silvestro stand zwar schon 2007 als Aus-
stellungs-
ort für die Biennale zur Verfü-
gung, aber ich war trotzdem noch nicht drin.

Ich bin umso ges
pannter, als der Kurator für die Ausstellung im ukrainischen Pavillon Wladimir Klitschko ist, was ich für ein Zeichen von Humor nehme. Ich liebe neben ernster und pathetischer Kunst sehr die, die uns mit der Leichtigkeit des Daseins tröstet.


Landeingang Palazzo Papadopolo - hier beginnt der Strand!

Ist nicht ganz leicht zu finden. Ich komme vom Campo dei Frari, wo ich die
Kurzzeitausstellung von Bronzeplastiken im Archivio Nazionale besucht habe, wandere über den Campo S. Polo und biege nach der Brücke rechts in eine der sehr kleinen Gäßchen ab. Ein Garten mit hohen Bäumen weist den Eingang, an dem im Freien an einem Tisch einer der typischen freundlichen Aufpasser sitzt, aber kein venezianischer Student sondern ein echter Ukrainer (Akzent).

Die weit offene Palasttür führt in eine Sanddüne, tatsächlich, 20 cm tiefer feinster, fast pudriger, Meersand. Im Hintergrund stehen im sandigen Androne die Gittertüren zum Canal Grande offen, die Sicht wird aber dank einer Nebelmaschine in Abständen schlecht und wieder besser. Ich habe gelesen, dass im piano nobile Rollschuh gefahren werden soll...?? Im Sand??


Ich nicht jedenfalls, denn ich trage für drei Monate ein medizinisches Hilfsmittel namens Walker zur Behandlung eines schlappen Sprunggelenks. Der Walker hat seinerseits ein Gelenk zur Einstellung seiner Beweglichkeit, und es ist ausgeschlossen, dass ich diesem Gelenk ukrainischen Strandsand zumute, je feiner, desto gefährlicher.

Da stehe ich, ausgeschlossen von ukrainischer Kunst durch die dämliche Idee, einen venezianischen Palazzo mit Sand aufzufüllen.
Der Aufpasser lächelt, sagt, "das dachte ich mir schon..." und "das tut mir leid...".

Parterre, Sanddüne. Im Hintergrund Canal Grande

Na gut. Ich
versuche es im Herbst wieder, ohne Walker. Und frage mich, wie das die anderen Besucher machen?
Schuhe
hinterher genervt ausschütteln? Oder gleich ausziehen und den Strand genießen, den trockenen Sand wunderbar samtig zwischen den Zehen?
Dürfchen die Kinder Eimerchen und Schippchen mitbringen?
Darf man sich eine Tüte abfüllen als Erinnerung?


WER PUTZT DEN SCHEIß, der sich im ganzen Haus breit getreten hat, im November?


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25. Oktober 2008

(Nicht geheime) Gärten in Venedig

Hortensie im Vorgarten des Palazzo Cavalli-Franchetti an der Accade-
mia-Brücke/
Campo S. Stefano. Der Gartenteil zum Canal Grande ist nicht öffentlich, der Palazzo ist bei Ausstellungen zu besichtigen.


Unterwegs in Venedig überfällt mich spätestens am dritten Tag ein gewisser Grünentzug. Die komplette und dichte Bebauung. Die über Jahrhunderte gewachsene bewunderungswürdige architektonische Gestaltung der Stadt (zusätzlich zu allem, was innerhalb der Gebäude an Kunst und Gestaltung geboten wird). Steine und Wasser - der Mensch braucht mal kurz einen Baum und ein Stück Wiese. Leicht zu finden auf den meisten Laguneninseln, aber darauf will ich hier nicht hinaus. Denn auch in der Stadt gibt es kleinste bis überraschend große Grüninseln, die mehr oder weniger frei zugänglich sind.


Ich fange mit einem einmalig schönen Garten an: der der Peggy Guggenheim Collection. Er liegt zwischen dem Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande (dem Hauptausstellungs-
gebäude) und dem dazu erworbenen Gebäudetrakt an der Fondamenta Venier südlich davon. Inmitten des großen alten Baumb
estands, Gebüschen und Blütenpflanzen finden sich Skulpturen, Sitzgelegenheiten und natürlich Peggy Guggenheims Grab (und das ihrer Hunde). Zwischen den Baumkronen blitzt die Kuppel der Salute. Die Geräusche vom Canal werden durch den Palazzo abgeschirmt, und wie in allen grünen Oasen Venedigs herrscht lautes
Olivenbaum am Grab von Peggy Guggenheim, gepflanzt von Yoko Ono 2003

Vogelzwitschern, natürlich am schön
sten direkt morgens früh oder nachmittags kurz vor der Schließung. Tagsüber hat der Garten (und die Terasse am Canal Grande) oft ziemlich viele Besucher.



Zwei öffentliche Gärten gibt es in direkter Bahnhofsnähe: den Giardino Papadópoli kennt jeder, denn auf dem Weg vom Piazzale Roma zur Scalzibrücke musste man bisher an seiner mit Plakaten beklebten Mauer vorbei oder man hat dort die Wartezeit auf den Bus verbracht. Jetzt auf dem Weg über die neue Brücke hat man auch einen guten Ausblick auf die hohen alten Bäume und den kleinen Kinderspielplatz in der Mitte des Gartens. Mir ist diese Anlage tagsüber zu ungemütlich und hektisch in der Nähe des Bahnhofs und des Piazzale Roma.


Ganz anders der zweite Garten, der Parco Savorgnàn, der fast ausschließlich von Venezianern besucht wird, die den Hund ausführen oder ein paar Schritte gehen wollen: vom Bahnof aus bis zur Gugliebrücke, vor der Brücke links am Canal di Cannaregio abbiegen und bei der ersten Möglichkeit wieder links durch ein Eisentor, das tagsüber offen steht und abends verschlossen wird, in den Park eintreten. Stille, Vogelgezwitscher, hohe alte Bäume (Buchen, Platanen, Lorbeer), Rasen, einfache alte Springbrunnen, Bänke und die schlichten Rückseiten der umgebenden Gebäude, auch die der Palazzi Venier und Savorgnàn. Der Park ist leer und groß genug, dass man dort sowohl umgestört ein paar Runden laufen als auch eine Mediationspause auf dem Rasen einlegen kann.

Auf der Südseite d
es Canal Grande (in den Sestieri Santa Croce, San Polo und Dorsoduro) gibt es eine ganze Reihe von Universitätsgebäuden, die zwar Universitätgelände, aber quasi öffentlich sind, wo mich jedenfalls noch nie ein Pförtner aufgehalten hat. Wenn man den Eingangsbereich durchquert hat, landet man in kleinen oder größeren einfachen aber stimmungsvollen Gärten mit Schatten und Sitzgelegenheiten, während der Unter-
richtszei-
ten leer und unbenutzt.

Ein Beispiel aus San Polo (Fotos oben und unten):
den Innenhof der Scuola Grande di San Giovanni Evangelista durchque-
rend, die Scuola rechter Hand, hinter dem Durchgang der erste Eingang links ist ein solches Unigebäude, einen kleinen
Teil des Gartens kann man schon vom Eingang sehen.
Im Eingangsbereich gibt es
Toiletten und einen Getränkeautomat, so dass man sich für ein ruhiges halbes Stündchen im Garten versorgen kann.

Ein Beispiel aus Dorsoduro:

auf dem Weg vom Museum Ca' Rezzonico Richtung Frari-Kirche gibt es direkt nach der Überquerung des Rio di Ca' Foscari (an der Feuerwehrstation) links eine Gartenpforte, die normalerweise offen steht. Den kleinen romantischen Garten sieht man schon von vor der Brücke aus. Zu Pausen-
zeite
n ist der Garten bevölkert von Student-
Innen und Angestell-
ten der
Uni und umlie-
gender Behörden.
Ansonsten ist er ein Idyll, um eine kleine Wanderpause ein- und die Füße hochzulegen.
Ich kann nur ermutigen, solche Gärten zu entdecken und zu betreten. Solange man nicht die Privatspäre von Einzelpersonen oder den Hausfrieden verletzt, sehe ich darin kein Problem.





Über Gärten verfügen natürlich eine ganze Reihe von Hotels die ausserhalb meines Budgets und meines Zutritts liegen. Das kleine Hotel, das ich seit vielen Jahren nutze wenn ich nur ein paar Tage in Venedig bin (eine 'Ferienwohnung' rechnet sich ab 5 Tagen) hat einen sehr kleinen, aber geradezu intimen und wunderschönen Garten mit Mosaikbrunnen, in dem man herrlich im Schatten entspannen kann und der abends mit Kerzenfackeln erleuchtet ist. Ich habe schon in allen 12 Zimmern geschlafen, aber den 'Zuhausefaktor' hat hier für mich der Garten.
Innenhofgarten des Hotels Boccassini in Cannaregio


Die größte Parkanlage Venedigs sind die Giardini di Castello. An der Stelle gab es früher Spitäler und Pflegeeinrichtungen für verletzte und kranke Seeleute, Napoleon hat die Gegend in eine Parkanlage umgestalten lassen. Der Teil des Parkes zwischen den Haltestellen Giardini und S. Elena mit Kiefern, Pinien und Rasen und mit weitem Blick auf die Wasserfläche ist ganzjährig nutzbar.


Der größte Teil der Giardini ist allerdings nur für Biennale-Ausstellungen geöffnet, d. h. in Jahren mit gerader Zahl von September bis November für die Architektur-Biennale, in Jahren mit ungerader Zahl von Juni bis November für die Kunst-Biennale. Dann allerdings ist er, im Zusammenklang mit den Ausstellungen, ein ganz wunderbarer mediterraner Garten. Ein Teil der Giardini (der historische Pavillon Italia) soll künftig ganzjährig für Kunstprojekte zur Verfügung stehen. Ich lasse mich überraschen, wie die Abgrenzung funktionieren soll.



Es gibt einen weiteren Park in Cannaregio, in dem ich noch nie einen Touristen gesehen habe: der Parco Groggia an der Nordwestspitze von Vendig.

Er ist leicht zu finden in unmittelbarer Nähe der Haltestelle S. Alvise der Linien 41/42/51/52 und bietet sich auch als 'Mitnehmer' an, wenn man die Kirchen Madonna dell'Orto und S. Alvise besucht. (Ein paar Meter entfernt steht auch der Garten eines eher edlen Altenheimes zur Besichtigung, Sonntag von 11-13 Uhr, ich habe es noch nie pünktlich dorthin geschafft.)

Der Parco Groggia besteht aus Dattelpalmen, Lorbeergebüschen, Buchen, Rasen und überaus romantischen Ruinenresten.
Dazu gehört ein städtisches Kulturzentrum, das Teatrino Groggia, wo man (wenn man rechtzeitig das Programm erfährt), Theater- und Musikaufführungen erleben kann.









Der Campo S. Pietro am ganz anderen Ende von Venedig, auf der Insel S. Pietro ist eine andere grüne Oase, vor der Kirche San Pietro mit Palladio-Fassade und dem ehemaligen Patriachenpalast, zu Füßen der des wunderschönen schiefen Campanile von Codussi. Hohe alte Buchen, gemütliche Sitzbänke, Blick auf den Canale di S. Pietro und das Arsenale, Hunde, Katzen und (so selten in Venedig zu sehen!) auf dem Rasen Fussball spielende Kinder.

Sch
uhe aus, Füsse ins Gras und den Kopf in den Nacken gelegt, die ideale meditative Pause unterwegs in Venedig.