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25. Januar 2010

Griechisches Institut Venedig bedroht?


Durch die einschlägigen Webseiten und Blogs verbreitet sich derzeit das Gerücht und die Sorge, das Griechische Institut für byzantinische und postbyzantinische Studien Venedig,
siehe auch Eintrag vom 5.5.2007,
solle staatlicherseits umgewandelt werden in ein "Kulturzentrum".

Wenn man davon ausgeht, dass eine griechisch-orthodoxe Renaissancekirche, ein historisches Archiv, eine ura
lte reiche wissenschaftliche Bibliothek und eine einmalige Ikonensammlung gemeinsam auf engstem Raum mitten in Venedig eine unschlagbare Menge Kultur darstellen, weckt der Begriff "griechisches Kulturzentrum" wilde Phantasien von Lamm am Grill, Bouzouki und Raki, Volkstänzen, katholischen und orthodoxen Bischöfen Arm in Arm und Gipsadrucken des Parthenonfrieses im Treppenhaus.


Die Idee enspringt, vermute ich, dem Marketing der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr, die einerseits aus bekannten politischen bzw. wirtschaftlichen Gründen massiv Personal abspecken, andererseits den darnieder liegenden Tourismus in Griechenland ankurbeln muss, um Griechenland aus seinem bedauernswerten Jammertal zu helfen. Da bietet sich vermutlich San Giorgio dei Greci, wo die Zielgruppe der potenziellen Griechenlandbesucher täglich und ganzjährig rein und raus marschiert, als ideales Werbe- und Selbstdarstellungsmedium der Tourismusindustrie an.

Hilfe!!

Wer die Kirche und den sie umgebenden Campo kennt, mit Olivenbäumen, Oleandersträuchern und wildem Wein über der Mauer zum Rio dei Greci, seiner Ruhe trotz der Nähe der Riva und seiner blühenden warmen me
diterranen Atmosphäre, mag sich gar nichts anderes vorstellen.

Und wer die Ikonenausstellung genossen oder sogar von der Bibliothek profitiert hat, wünscht sich, dass das für immer so bleibt. Zu meinen festen Plänen nach dem Berufleben gehört neben den Bibliotheken der Fondazione Cini auf S. Giorgio Maggiore, der Fondazione Querini-Stampalia und dem Nationalarchiv bei den Frari die Bibliothek und das Archiv des Istituto Ellenico an erster Stelle.

Obwohl die Räume längst nicht so "schön" sind wie die Bibliothek auf S. Giorgio Maggiore, die mittlerweile jedem einzelnen Venedig-Spielfilm als Location dient.
Es ist hier überaus eng, es gibt keine Fenster im Gewölberaum, nur Luftklappen zu den heftig frequentierten Gassen hinter der Riva zwischen S. Zaccaria und S. Giovanni in Bragora. Wie überall in Venedig versteht man drinnen jedes Wort und hört alle Geräusche, die auf der Gas
se geäußert werden, besonders quirlig um die Mittagszeit, wenn die Konzentration ohnehin langsam schlapp macht. Und die Leiterin der Bibliothek führt vor versammelten Ohren lautstarke private Telefongespräche nach Griechenland - Papa, wie gehts dir heute morgen, hast du deinen Kaffee getrunken und dein Ei gegessen...?















A
ber egal - es nimmt der Bedeutung des Instituts und seines Angebots nichts! Das Institut ist ein wahrer Schatz, un tresor, a treasury, und muss um seiner selbst und für BesucherInnen und WissenschaftlerInnen aus aller Welt behütet und erhalten werden.

Wer sich betroffen genug fühlt um seine Sympathie zu bekunden und sich den vielen internationalen Protestschreiben anzuschließen, kopiert bitte den unten angefügten Aufruf (in beiden Sprachen, der griechische Text ist übernommen, die Übertragung von mir), unterzeichnet mit vollem Namen und Adresse und schickt ihn per Mail an:


info@istitutoellenico.org, Betreff: Giorgos Violidakis

Aufruf zur Unterstützung des Griechischen Instituts für byzantinische und postbyzantinische Studien Venedig

Mit diesem Schreiben möchten die Unterzeichnenden unsere Sorge ausdrücken über die Zukunft des Griechischen Instituts für byzantinische und postbyzantinische Studien Venedig, der einzigen wissenschaftlichen Einrichtung Griechenlands im Ausland, das in Venedig bereits seit den 1950er Jahren arbeitet.
Es gibt in letzter Zeit Hinweise auf sich steigernde Angriffe gegen die Spitze dieses Forschungszentrums mittels Veröffentlichungen in der Presse, aber auch durch verschiedene Verlautbarungen, die ein alarmiertes Klima verursachen und verschärfen.
Wir möchten die tiefe Überzeugung der wissenschaftlichen Welt unterstreichen, dass das Griechische Institut als eine der bedeutendsten wissenschaftlichen, international anerkannten Kräfte des Landes einen maßgeblichen Beitrag leistete und leistet für die Förderung der griechischen Wissenschaft.
Eine große Zahl griechischer und nichtgriechischer WissenschaftlerInnen genossen und genießen hier seit Jahrzehnten sowohl geistige Heimat als auch materielle Stipendien, unterstützt durch Lehrende und Forschende aus Universitäten und Forschungszentren in Griechenland und im Ausland.
Besonders in den letzten Jahren hat die jetzige Direktorin des Griechischen Instituts, Frau Prof. em. Universität Athen, Chrysa Maltezou, die glänzende Tradition ihrer VorgängerInnen Sofia Antoniadi, Manousos Manousakas und Nikolaos Panagiotakis fortgesetzt und erfolgreich das Griechische Institut als Studienzentrum der griechisch-venezianischen Welt etabliert und ein reiches wissenschaftliches Werk geschaffen.
Dieses Werk besteht insbesondere aus der Betreuung einer enormen Anzahl bedeutender wissenschaftlicher Arbeiten, der Veranstaltung vieler erfolgreicher internationaler Tagungen, der Publikation hervorragender wissenschaftlicher Monographien, auch in anerkannten Editionsreihen, und der Herausgabe der internationalen Zeitschrift des Instituts "Thesaurismata".
Deshalb fordern wir vom griechischen Staat die ungehinderte Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit des Griechischen Instituts für byzantinische und postbyzantinische Studien Venedig zum Nutzen der griechischen Wissenschaft. Wir bitten die griechische Regierung, dieser bedeutenden wissenschaftlichen und kulturellen nationalen Aufgabe tatkräftige Unterstützung anzubieten, damit das Institut seine bisherige Arbeit unter seiner derzeitigen Leitung erfolgreich fortsetzen kann.

Αθήνα, 19 Ιανουαρίου 2010
ΚΕΙΜΕΝΟ ΥΠΟΣΤΗΡΙΞΗΣ ΤΟΥ ΕΡΓΟΥ ΤΟΥ ΕΛΛΗΝΙΚΟΥ ΙΝΣΤΙΤΟΥΤΟΥ ΒΥΖΑΝΤΙΝΩΝ ΚΑΙ ΜΕΤΑΒΥΖΑΝΤΙΝΩΝ ΣΠΟΥΔΩΝ ΒΕΝΕΤΙΑΣ

Οι υπογραφόμενοι με την επιστολή μας αυτή θα θέλαμε να εκφράσουμε την ανησυχία μας για την τύχη του Ελληνικού Ινστιτούτου Βυζαντινών και Μεταβυζαντινών Σπουδών Βενετίας, του μοναδικού επιστημονικού ιδρύματος της Ελλάδας στο εξωτερικό, το οποίο λειτουργεί στην πόλη της Βενετίας από τη δεκαετία του 1950. Το τελευταίο διάστημα παρατηρείται μια κλιμακούμενη επίθεση εναντίον του εξέχοντος αυτού ερευνητικού κέντρου μέσω δημοσιευμάτων στον Τύπο αλλά και διαφόρων διαρροών που διαμορφώνουν κλίμα αναστάτωσης και έντασης. Από την πλευρά μας επιθυμούμε να υπογραμμίσουμε την εμπεδωμένη στον επιστημονικό κόσμο πεποίθηση ότι το Ελληνικό Ινστιτούτο, στο οποίο επί δεκαετίες βρίσκουν φιλόξενη πνευματική στέγη ως υπότροφοι ή απλοί ερευνητές πολυάριθμοι Έλληνες και ξένοι επιστήμονες, μέλη του διδακτικού-επιστημονικού προσωπικού Πανεπιστημίων και Ερευνητικών Κέντρων στην Ελλάδα και στο εξωτερικό, αποτελεί έναν από τους σημαντικότερους ερευνητικούς φορείς της χώρας με διεθνή απήχηση, που συνέβαλε και συμβάλλει τα μέγιστα στην προαγωγή της ελληνικής επιστήμης. Ειδικότερα κατά τα τελευταία έτη, η νυν Διευθύντρια του Ελληνικού Ινστιτούτου Ομότιμη Καθηγήτρια του Πανεπιστημίου Αθηνών Κυρία Χρύσα Μαλτέζου, συνεχίζοντας τη λαμπρή παράδοση των προγενέστερων Διευθυντών αυτού Σοφίας Αντωνιάδη, Μανούσου Μανούσακα και Νικολάου Παναγιωτάκη, έχει επιτύχει την εδραίωση του Ελληνικού Ινστιτούτου ως κέντρου σπουδών του ελληνοβενετικού κόσμου και έχει παραγάγει πλούσιο επιστημονικό έργο, στο οποίο, μεταξύ άλλων, περιλαμβάνονται η εποπτεία πλήθους αξιόλογων επιστημονικών μελετών, η διοργάνωση πολλών επιτυχημένων διεθνών συνεδρίων, η δυναμική εκδοτική δραστηριότητα, με την έκδοση, εκτός από το διεθνές επιστημονικό περιοδικό του Ιδρύματος, τα «Θησαυρίσματα», αξιόλογων επιστημονικών μονογραφιών, ενταγμένων σε αναγνωρισμένες πλέον εκδοτικές σειρές. Κατόπιν αυτών ζητούμε από την Ελληνική Πολιτεία να συμβάλει στην απρόσκοπτη συνέχιση της επιστημονικής λειτουργίας του Ελληνικού Ινστιτούτου Βυζαντινών και Μεταβυζαντινών Σπουδών Βενετίας προς όφελος της ελληνικής επιστήμης και να προσφέρει την ενεργό υποστήριξή της στο σημαντικό ερευνητικό, πολιτισμικό και ευρύτερα εθνικό έργο που το Ίδρυμα έχει επιτελέσει και συνεχίζει να επιτελεί υπό τη σημερινή Διεύθυνση.
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5. Mai 2007

San Giorgio dei Greci - die Kirche der Griechen in Venedig




Der schiefste Turm der Stadt, seit Jahren unter Kontrolle von elektronischen Messgeräten und in diesem Frühling renoviert, gehört zu S. Giorgio dei Greci. Dramatisch schräg nach links gebeugt sieht man ihn von der Riva degli Schiavioni und von der Marina der S. Giorgio-Insel gegenüber, die Kirche liegt eher versteckt in der '2. Reihe'.
Man findet sie, wenn man rechts der 'Vivaldi-Kirche' S. Maria della Visitazione die Calle della Pietà nimmt, an der Salizzada dei Greci links, an der Calle della Madonna wieder links und dann VOR! der Brücke Ponte dei Greci scharf links einbiegt. Wenn man den wunderbar grünen stillen Innenhof des Ensembles von Kirche und ehemaligen Bruderschaftsgebäuden betritt, scheint der Trubel der Riva degli Schiavoni meilenweit entfernt.


Der Bau der Kirche wurde erst nach
wiederholten Anläufen der griechischen Gemeinde und mit deren eigenen Mitteln (im wesentlichen der in Venedig lebenden und arbeitenden griechischen Intellek-
tuellen, Künstler, Söldner zur See und wirtschaftlich besonders erfolgreichen Drucker) von 1539-
1573 erbaut. Zu diesem Zeitpunkt waren die wechselhaften Beziehungen Venedigs zu Byzanz durch die ottomanische Eroberung 1453 bereits beendet.
Venedig hatte zu diesem Fall seinen schlimmen eigenen Teil beigesteuert durch die Eroberung Konstantinopels mithilfe des Kreuzzuges 1204 unter Anführung des Dogen Enrico Dandolo.

In den historischen Entwicklungsjahren war das Veneto und damit das künftige Venedig als Teil von Westrom an Ostrom übergangen und wurde Teil des byzantinischen Kaiserreiches, als Exarchat am westlichen Rand. Byzantinische Architektur und
Kultur ist bis heute nachzuvollziehen z. B. in einigen Kirchen (siehe Torcello), in den alten Teilen von einzelnen Palästen entlang des Canal Grande (siehe Foto Ca da Mosto) und in Museen (z. B. Museo Correr).

Das sich langsam entwickelnde Venedig wurde aus der Ferne mittels Statthaltern, den Vorläufern der Dogen, verwaltet. Es diente politisch aus byzantinischer Sicht als Puffer nach Westen, handelte auch Verträge mit den Karolingern aus, mit dem Ziel, das deutsche Kaiserreich auf Abstand und Venedig den Rücken frei zu halten und damit auch Byzanz/Konstantinopel.

Während Venedig sich politisch un
d wirtschaftlich etablierte, stand Emanzipation von der "Mutter" auf der Agenda, Handel wurde zum Schwerpunkt der Beziehungen zwischen Venedig und Konstantinopel.
Griechen lebten und arbeiteten in Venedig als Handwerker, Künstler, in der Seefahrt, als Intellektuelle mit reichem historischen Hintergrund. Venedig führte ein ganzes Handelsviertel in Konstantinopel mit einer großen Zahl venezianischer Kaufleute, die sich dort niedergelassen hatten, und einer entsprechenden Infrastruktur, die den Handel im östlichen Mittelmeer und weit über das Schwarze Meer und über die Seidenstrasse hinaus ermöglichte.

Der Überfall des Kreuzzuges 1204, die Massaker und Plünderungen, und die darauf folgende Aufteilung des byzantinischen Kaiserreiches unter die führenden Kreuzzugsteilnehmer waren ein erschütternder historischer Einschnitt ohne Beispiel. Venezianische Kolonien entstanden in der Ägäis und auf der Peloponnes, ganz Kreta wurde venezianisch, erhielt seinen eigenen von Venedig gesandten Dogen, Großen Rat und eine Aufteilung in Sestiere wie die Serenissima selbst. Die Insel wurde durch von Venedig ausgewählten Auswanderern kolonisiert, die ein Lehen auf dem Land und eine Handvoll einheimische Leibeigene zur dessen Bearbeitung erhielten. Sie mussten im Gegenzug sich und einen weiteren Ritter ausrüsten, d. h. mit Waffen, Rüstung und Pferd und waren verpflichtet, in einer der "Burgen" (heute die regionalen Hauptstädte Kretas) zu residieren, um jederzeit dem Dogen zur Verteidigung zur Verfügung zu stehen. Vor allem die Kolonialisierung Kretas durch Venedig ab 1204 lieferte Vorbild und Erfahrungswerte für alle weiteren Kolonisierungen, die in den kommenden Jahrhunderten ab der Besatzung der Amerikas ab 1492 stattfinden sollten.

Das lateinische Konstantinopel wurde 1453 endgültig von den Osmanen erorbert, nachdem die erbetene Unterstützung durch Venedig ausgeblieben war, und Tausende von Venezianern und Griechen flüchteten nach Vened
ig, eine Bewegung nach Westen, die sich mit dem Fall kolonisierter Inseln wie Zypern und Kreta und der Siedlungen in der Morea (Peloponnes) fortsetzte. Die griechische Bevölkerung in Venedig wuchs an Zahl und Wohlstand, und vervollständigte also Mitte des 16. Jahrhunderts ihre eigene Kirchen, Schule und Sozialversorgung.

Das war allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem Venedig bereits klar zur EHEMALIGEN Weltmacht abgesunken war und der Reichtum der Stadt sich nicht mehr durch umfassenden Handel, sondern durch eine umfassende Blüte der Künste darstellte. Die Griechen verpflichteten für ihreBauten zwei der besten Architekten ihrer Zeit (Longhena, Lombardo) und für die Aus
schmückung der Kirche die berühmtesten (kretischen) Ikonenmaler (Damaskinos u. a., deren Ikonen im Museum neben der Kirche zu bewundern sind.

Longhena-Fassade des Istituto Elleniko. Eingang zur Bibliothek (im Parterre) und zum Ikonenmuseum (1. Etage)


Das Griechische Institut für Byzantinische und Postbyzantinische Studien bietet neben der Bibliothek Studien- und Fördermöglichkeiten für Fachwissenschaftler, die aus aller Welt kommen. Es erfährt Förderung durch verschiedene griechische Stiftungen, vor allem die Alexander Onassis Stiftung und die Stavros Niarchos Stiftung.
Es befindet sich in der ehemaligen Scuola der Griechen links von der Kirche San Giorgio. Im Gebäude rechts der Kirche hat die Verwaltung der gr.-orthodoxen Kirche in Italien ihren Sitz, sowie der gr.-orth. Bischof für Italien.


Ikone im Ikonenmuseum vom Typ "Allheilige des Leidens". In der typischen Darstellung halten Kind und Mutter sich an den Händen, während das Kind den Kopf von der Mutter ab- und seinen künftigen Aufgaben zuwendet, dargestellt durch zwei Engel.