Jubiläum
Im Januar 2007 bat ich meinen privaten Berater in Kommunikations- und informationstechnischen Fragen, mich mal zu Nutzungsoptionen von Social Media für meine beruflichen Zwecke rundum zu informieren. Social Media waren das große Thema und professionelle Optimierung immer gut.
Ich bekam keine Erklärungen, sondern die Aufforderung, ALLES auszuprobieren. Social Media seien nur Werkzeuge, jede*r müsse eigene Nutzungsweisen und -möglichkeiten für sich herausfinden und zwar selbsttätig. Und dann entscheiden, ob, wie und in welchem Umfang jedes einzelne Medium ür seine jeweiligen Zwecke geeignet seien.
Habe ich so gemacht. Die Versuchsreihen waren viel Arbeit, nebenbei, privat, aber nach einem halben Jahr war klar, welche Angebote ich für meine Berufstätigkeit nützen würde. Bloggen war ausprobiert, wurde aber aussortiert.
"Fang einen Blog an. Such dir ein Thema, das du spannend findest, in dem du dich auskennst und was zu sagen hast, sonst bleibst du nicht dabei. Jede Woche ein Eintrag, diszipliniert, glaubwürdig, mindestens ein halbes Jahr. Dann weisst du, ob das was ist oder nicht." Hatte der private Berater gesagt. Es war was, aber nicht für den beruflichen Bedarf.
Dem schlichten ersten Eintrag am 21.1.2007 folgten anweisungsgemäß wöchentliche Blogs. Recherchen zu Themen und Kontakte zu Bloggern, Autor*innen und anderen Expert*innen entwickelten sich schnell. Nach dem Probehalbjahr war der Blog ein schönes kleines Privatprojektchen, das Spaß machte und aus meiner Sicht unter jedem Radar im großen www flog.
Nach 10 Jahren und über 550 Einträgen macht es immer noch Spaß. Viele Texte verlieren ihre Aktualität, viele Links ihren Anschluss und sind damit irreparabler Schrott, aber manche Einträge haben über die Jahre ihren Informationsgehalt und ihre Lesbarkeit erhalten, manches Foto hat Dokumentationswert. Und ich fliege nicht mehr unter dem Radar. Es gibt einfach zu wenige deutschsprachige Blogs zu Venedig - aber jede Menge italienische, englische, französische. Jeder Reiseführer empfiehlt mittlerweile "Unterwegs in Venedig", Reiseseiten von Tages- oder Wochenzeitungen auch mal.
Was aber wirklich unschätzbar ist, sind die Antworten auf meine Arbeit und die Kontakte, die beim Bloggen entstehen. Die Freundlichkeit und die Aufmerksamkeit von Korrespondent*innen treffen mich immer wieder überraschend. Die Anfragen zu venezianischen Details von Menschen, die ein Buch oder eine Examensarbeit (Architektur, Geschichte, sogar Philologie!) schreiben und meiner Expertise trauen, sind so eine schöne Herausforderung. Die gemeinsame Leidenschaft für Venedig schenkte wunderbare und unerwartete Begegnungen und Erfahrungen, schuf in 10 Jahren spannende Kooperationen, ja sogar dauerhafte Freundschaften, auch über diverse Arten von Grenzen hinweg und hinüber.
Ich bin für all das dankbarer, als ich ausdrücken kann. Das rettet mich bisher aus meinen Venedigkrisen, wenn mir die Zukunft der schönsten Stadt mal wieder unrettbar erscheint. Herzlichen Dank allen, die auf ihre Weise 10 Jahre mit diesem Blog und mir unterwegs in Venedig waren.