10. Juni 2015

Der Musikturm? Palazzo Pisani!

Conservatorio Benedetto Marcello, Nebeneingang,
hinten Treppenhausturm
Ein Trüppchen junger männlicher Touristen fragte mich auf dem Campo Santo Stefano, ob ich wüsste, wo der Musikturm hier in der Nähe sei? Kann man so nennen.
Die Nebenausstellung "The Sound of Creation" von Brian Eno und Beezy Bailey ist im Treppenhaus des Palazzo Pisani instal-
liert, das wie ein Turm an der Südwestecke das Conservatorio Marcello Benedetto überragt.


Den Titel finde ich ziemlich pompös, den Untertitel "Sound-
paintings" schon bescheidener 
und er sagt, worum es geht: 6 Treppen, auf jedem Absatz warten Bilder und Kopfhörer. Die Verbindung zwischen dem, was zu sehen ist und dem, was man auf die Ohren kriegt, ist für mich nicht erkennbar, aber ich muss nicht alles verstehen. 

Es ist immer schön, eine venezianische Treppe des (ungefähren) palladianischen Maßes auf- oder abzusteigen, deren Stufen flacher und tiefer sind als wir sie gewöhnt sind. Sie sind dem menschlichen Körpermaß angepasster und deshalb laut Palladio "bequem". Man hebt die Beine in einem anderen Winkel, geht entspannt sehr aufgerichtet und knickt nicht mit dem Oberkörper nach vorne. Man findet dieses Treppenmaß nicht nur in Venedig, sondern auch in den Kolonien, z. B. bei der Treppe, die zur venezianischen Festung Akronauplia (Argolis, Peloponnes) führt.



Und diese Treppe führt also bequem immer höher, ein Bild, ein Musikstück, immer wieder lange Blicke aus den Fenstern. Die Aussicht wird immer prächtiger, am Ende landet man in einem kleinen Zimmerchen mit (fast) Rundumblick, raus auf die Altana darf man nicht, abgesperrt. Der Versuch von hier zu fliegen hätte lethale Folgen.

Phantastischer Blick über die Dächer und Altane, über Canal Grande, Canale della Guidecca und die Kreuzfahrtriesen im Hafen, zum Greifen nah ist alles, was auf den Campanili von S. Marco und S. Giorgio Maggiore sehr weit weg zu sein scheint. Der Weg nach oben lohnt sich unbedingt, und die Kunst ist eine nette Begleitung dabei.

Haltestelle Accademia oder Giglio, am Palazzo Pisani vorbei gehen, Haupteingang links liegen lassen, Nebeneingang ebenso, dann links abbiegen und durch den hinteren Innenhof ins Treppenhaus eintreten. Sonntags geschlossen. 


Blick über Dorsoduro auf die Giudecca mit dem Junghans-Viertel



Bisherige Einträge Palazzo Pisani


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9. Juni 2015

Verstreute Verse in Venedig

Schon Anfang April sah ich ein Video über Doug Argue und die Ausstellung, die er für einen eigens ausgewählten Raum für die Biennale vorbereitet. Spannend. Seine Ausstellung "Scattered Verses" war folglich die erste, die ich im Mai besuchte.


Artists at Mana: Doug Argue from Mana Contemporary on Vimeo.

Perfekt. Morgens um 10, die Morgensonnne schickt durch das einzige Fenster, überwuchert von wildem Wein, grünes bewegtes Licht und das Zusammenspiel von Kunst und Raum ist magisch. Ziegelsteinwände, neu gelegte Holzdielen, alte dunkle Balken, der Rest eines Kamins. Angrenzend an den Innenhof des Palazzo Contarini dal Zaffo bei der Carità (den Zunamen Polignac gibt es erst seit 100 Jährchen) und nur wenige Schritte von dessen Wassertor am Canal Grande entfernt, wurden hier früher vielleicht ungenutzte Boote oder Ähnliches aufbewahrt. 

Der Künstler hatte wohl einige (edlere) Raumangebote abge-
lehnt und sich dann für diesen Platz entschieden, der ungeöffnet bis unters Dach vollgestopft mit Krempel von Jahrhunderten war und leergeräumt und für die Ausstellung hergerichtet werden musste. Erst nach der Entscheidung für den Raum entstanden die Bilder, die nicht nur sitespezifisch, sondern sehr venedig-
spezifisch sind.




Das erzählten mir die beiden Aufpasserinnen von Save Venice, eine amerikanische Institution die Restaurationen in Venedig finanziert und durchführt. Mit dieser Ausstellung gibt Save Venice zum ersten Mal Gegenwartskunst in Auftrag und hat mit Doug Argue eine wunderbare Wahl getroffen.

Das Bild an der linken Wand, "Calle" ist inspiriert von einer nächtlichen venezianischen Gasse, an der rechten Wand "Cosa Mentale" von einer Ziegelwand. Begleitet von Texten, die "atomisiert" als Buchstaben flirren. An der Rückseite "Mother Tongue", inspiriert von (venezianischer und jeder) Mutter-
sprache und Wasser, beide in Bewegung und bewegend. Gegenüber dem Eingang "Time and time again", dem die "Pietà" Tizians, dessen letztes Werk, unterlegt ist. Ein Palimpsest, eine Übermalung, von der Doug Argue im Video sagt, dass die Untermalung vielleicht nicht jeder sieht.


4 Bilder in einer wunderbar schlichten Präsentation. Überzeugend. Bewegend.

Haltestelle Accademia. Richtung Zattere, auf halber Strecke vor der ersten Querstraße links (Achtung Hinweisschild: Doug Argue - Rime Sparse - Scattered Rhymes)  in die kleine dunkle Gasse einbiegen, die aussieht, als führe sie nur zu ein paar unbenutz-
ten Hintertüren. Hier die 1. Tür links. Nur bis 30. September!







Ich begleite und führe zu Nationenausstellungen und Nebenausstellungen in interessanten Gebäuden in der Stadt. Auch themen- oder personenorientierte Begleitungen können auf Anfrage abgestimmt werden über einen Klick ganz oben rechts in der dunkelgrünen Spalte.



8. Juni 2015

Opera alla veneziana - HALKA/HAITI 18°48’05”N 72°23’01”W


Geh morgens zeitig in die Giardini, damit du Zeit hast für die Kunst in den Pavillons und die freiwillige und unfreiwillige dazwischen. Und wenn dir nach 6 Stunden deine Füsse ordentlich weh tun, du durstig und hungrig bist, genieße im polnischen Pavillon ein Opernerlebnis alla veneziana, bevor um 18 Uhr die Biennale schließt. Du hast Essen und Trinken dabei und vielleicht auch jemanden, den/die du gern küsst - üblich in venezianischen Opern des 17. und 18. JH, als der Opernbesuch zum täglichen Entertainment gehörte und man bei der Musik aß, trank, verhandelte, küsste und Venedig mit vielen guten und schlechten Opernhäusern gesegnet war.

Cazale, der Ort auf Haiti, in dem die Oper gegeben wird, hat kein Opernhaus, gespielt wird auf der Dorfstraße, die BewohnerInnen haben sich an verschiedenen Ecken gruppiert, damit Gäste (also wir) Platz haben und alles gut überblicken. Gesungen wird mitten auf der Straße, das Orchester sitzt rechts, das Keybord für Gesangsbegleitung links, der Dirigent saust über die Straße, wenn er von Gesangsbegleitung zur Orchesterleitung wechseln muss. Die SängerInnen treten kurz zur Seite, wenn ein vorbei fahrendes Moped die Bühne kreuzt, aber nicht, wenn Kinder durchrennen oder Hunde. 

Bevor die Sonne aufgeht, kippt eine Nachbarin ein paar Eimer Wasser auf die Straße gegen den Staub und bindet ihre Ziege fest, wo später gespielt wird. Langsam trudeln die Akteure ein: BewohnerInnen, Mitglieder der Oper Poznan, das Holy Trinity Philharmonic Orchestra Port-au-Prince, die örtliche Tanzgruppe, das Filmteam. 
Die BewohnerInnen sind Nachkommen der polnischen Soldaten, die 1802 mit napoleonischen Truppen Haiti erreichten, um die Sklavenrevolte niederzumachen, und prompt die Seite wechselten. 
Die Oper Poznan spielt mit lokaler Unterstützung die Oper Halka, mir bisher unbekannt, ich höre gerne, aber nicht häufig Opern. Das Projekt wurde inspiriert durch Werner Herzogs Fitzcarraldo - aus meiner Sicht keine Empfehlung. Fragen wie Kulturkolonia-
lismus und Nationalbewußtsein bzw. nationaler Selbstdarstellung wurden laut dem kleinen Begleitflyer im Projektkonzept und in der laufenden Arbeit nicht ausgeklammert. Ein wichtiger Punkt.


Der Film ist toll. Eine ca. 10 m breite leicht gebogene Leinwand, 4 (oder 5?) fest stehende Kameras, die nie bewegt werden, kein künstliches Licht, sehr guter Ton, das haitianische und das vene-
zianische Publikum in einem Raum. Anfangs kommen Bewohner mit einem Tablet zu einer Kamera, um sie aufzunehmen: man fühlt sich sofort gefilmt. Wir stehen und sitzen uns gegenüber oder liegen auf dem Teppichboden des Pavillons. In der Mitte spielt die Musik. Die ganze wunderbare Aufführung. 

Viel Vergnügen!  



Vor Beginn der Aufführung wird die Geschichte von Halka erzählt - auf polnisch, mit
haitianischem Dolmetsch.



Weitere Ausschnitte des polnisch-haitianschen Opernevents


Polish Legions
Casale
Les Polonais 1
Les Polonais 2
Les Polonais 3
Les Polonais 4

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7. Juni 2015

Sotheby's im Kreuzgang Madonna dell'Orto


Im Kreuzgang neben der Kirche Madonna dell'Orto stellt wäh-
rend der ganzen Laufzeit der Biennale Sotheby's die Künstlerin Emily Young aus. Natürlich ist das eine Verkaufsausstellung, die Preisliste jenseits des durchschnittlichen Budgets ist bei der freundlichen Dame am Eingang erhältlich; für bescheideneres Geld sind Bildbände mit Werken der Künstlerin vorrätig. Falls man überhaupt Geld ausgeben möchte.


Die Problem- und Politiklastigkeit der diesjährigen Biennale wird von der Kritik allgemein festgestellt, teils beklagt, (von mir bestätigt und begrüßt), diese Nebenausstellung öffnet einerseits den normalerweise verschlossenen Raum des Kreuzgangs und erfreut andererseits mit rein ästhetischer Kunst, politik- und problemfrei. Darf und muss auch sein. Die Skulpturen Emily Youngs ('From rock muse to stone sculptor') aus ausgesucht schönen Steinen, deren Struktur in den Entwurf ein- und über-
geht, sind im Entwurf und in der Bearbeitung eine Augenweide. 


In der Einladung zu "Call and Response" kann man die Arbeit gut nachvollziehen, gleichzeitig ist dies der Gesamtkatalog  der Ausstellung, what you see is what you get. Es kommt hinzu die einzigartige Atmosphäre des Kreuzgangs, die Ruhe dieses Raums am Rande der nördlichen Lagune, der Duft der Zitronen-
bäume und die kontemplative Stille, der man sich hier hingeben kann solange man möchte. 


Unbedingt einen Besuch wert!
Haltestelle Madonna dell'Orto 4-er und 5-er Linien.  

Siehe auch Label Madonna dell'Orto



Ich begleite und führe zu Nationenausstellungen und Nebenausstellungen in interessanten Gebäuden in der Stadt. Auch themen- oder personenorientierte Begleitungen können auf Anfrage abgestimmt werden über einen Klick ganz oben rechts in der dunkelgrünen Spalte.

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6. Juni 2015

Palazzo Contarini Corfu und Telluria

Calle Contarini Corfu - Vor der Mauer
Der Palazzo Contarini Corfu steht an der Mündung des Rio di S. Trovaso in den Canal Grande und wird über eine Werbeagentur für Veranstaltungen angeboten, ich hatte jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, ihn zu sehen, und war überrascht: ein torver-
sperrter. separater Weg (Calle Contarini Corfu) entlang des Rio, eine hohe Mauer, darin noch einmal ein sehr großes Tor, ein Turm (zusätzliches Treppenhaus?) an der Südwestecke des Hauses und der kleine krönende Turm über der Dachterasse, den man auch vom Vaporetto aus sieht: eigentlich hat das Haus vom Ende des 15. JHs die Form einer Burg. 


Hinter dem Tor in der Mauer: ein schöner schattiger Innenhof mit einem kleinen Garten (Zitronen-, Mandarinen- und Mispel-
bäume, Gras, Glyzinien an der Mauer), umgeben von bis zu 4 Stockwerken und möbliert mit einer vollständigen Vera da pozzo, Skulpturen und einem riesigen korinthischen Säulenkapitell, ausgehöhlt als Pflanzenbehälter. Reliefs und Spolien an den Wänden, Reste von Fresken des 18. JHs an der Hauswand, zum Teil farbiges Glas im 3teiligen Landeingang zum Androne.



Hinter der Mauer - Teil des Innenhofs (C) mm
Im Moment hat im Piano nobile die fiktive Demokratische Republik Telluria ihren nationalen Pavillon. Eine schräge Sache aus großformatigen Gemälden die weitgehend aus Zitaten bestehen, und einer Art von graphischem Tagebuch (Comic?) auf russisch und deutsch, zusammengesetzt aus sehr vielen kleinformatigen Kacheln, und einem Rieseninsekt. Letzteres hängt blau-schwarz von der Decke eines leer geräumten Raums, der, jetzt leider abgetrennt, früher Teil des Portego (langen Hauptraums zum Canal Grande) war. Alle anderen Räume sind erstaunlich möbliert - von Muranolüstern plus dazugehörigen blinden Riesenspiegeln über chinesische Sekretäre (Chippen-
dale?) Teppichen und Wandteppichen, einer Minibliothek bis zu Polstermöbeln unterschiedlichen Alters ist ziemlich alles da. Portego wie üblich schön leer, Seitenräume eher gut gefüllt. Alte Waffen, Helm und Harnisch, ein Tierfell (Wolf?) auf einem Tisch gehören nicht zum Palazzo, sondern zur Ausstellung Telluria.


Fotos sind leider verboten, auch im schönen gotische Androne. Die Werbeagentur hat eigene Fotos im www, die einen einheitlich gediegenen Eindruck machen und auch die oberen Stockwerke einbeziehen. Es gibt auch einen interessanten Bericht vom März 2015 über eine Sanierung des Gebäudefundaments.

Laut Plakat wird die Ausstellung Telluria gefördert vom Mikhail Prokhorov Fund und vom Generalkonsulat Mailand der Bundesrepublik Deutschland. Kein Hinweis auf der offiziellen Website, also recherchiere ich Vladimir Sorokin, der auf dem Plakat an erster Stelle steht und finde einen Artikel der ZEIT vom November 2014, den ich damals zur Kenntnis genommen, aber nur flüchtig gelesen habe. Es gibt ein Deutschlandfunk-Interview vom Januar und auch der Perlentaucher äußert sich. 
Sieh an. Ich bin keine Leserin von Science Fiction, sei sie noch so genial, und werde Sorokin bei allem Respekt auch nicht lesen bloß wegen der politischen Rolle, die sein Werk zu spielen scheint. Aber darf ich unabhängig von meiner Banausigkeit fragen, wieso das Auswärtige Amt mit Steuermitteln diese Ausstellung (mit)-
finanziert, die eigentlich eine Marketingmaßnahme für das schriftstellerische Werk Vladimir Sorokins ist? Vor dem Hinter-
grund, dass die deutsche Ausgabe von "Telluria", erarbeitet von 8 ÜbersetzerInnen, im August veröffentlicht wird? 

Nachtrag 5.8. 
Heute im Perlentaucher: Telluria.


Ich lese, dass 1838 Girolamo Contarini nicht nur das Haus (an Matilde Berthold) verkaufte, sondern auch die berühmte Kunst-
sammlung des Hauses der Stadt Venedig schenkte, die sich bis heute in der Accademia befindet. Gleichzeitig. 

Ich lese, dass der nächste Eigentümer ein amerikanischer Kunsthändler namens George Peabody Russell gewesen sei, der noch im 19. JH den Palazzo und den angebauten und verbunde-
nen Palazzo Contarini degli Scrigni abreissen und neu bauen lassen wollte. (Henry James soll in einem Brief getratscht haben, dass die Ausführung verhindert werden konnte - ich habe mir seine Briefe als Ebook besorgt und lese derzeit sehr gespannt...)   

Und ich finde die wunderbare Website von Ole Pein über den englischen Kleriker John Davies Mereweather, 1816-1896, der von 1855 bis 1887, also mehr als 30 Jahre, als anglikanischer Pfarrer in Venedig in seiner gemieteten Privatwohnung im obersten Stockwerk des Palazzo Contarini Corfu seine Sonntags-
gottestdienste hielt. (Die anglikanische Kirche St. George am Campo S. Vio wurde erst unter seinem Nachfolger eingerichet.)
Ole Pein hat Leben und Werk von Pfarrer John Davies Mere-
weather hervorragend recherchiert, es ist eine Freude, die Website nicht nur zu durchstöbern, sondern mit Muße zu erfor-
schen. Es findet sich unter anderem im Menü unter Semele die Beschreibung des gleichnamigen Buches von Davies Mereweather, dekoriert mit alten Fotos Venedigs und der Lagune. Unter dem Menüpunkt Venice Map eine vergrößerbare Karte Venedigs vom Ende des 19. JHs, und hinter dem Foto des Palazzo Contarini Corfu Beschreibungen und diverse, auch künstlerische, Darstellungen des Hauses. 

Ein sehr schöner und überraschender Blick auf ein Detail Venedigs der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.


Haltestellen: Accademia (L. 1), Zattere (L. 2, 5.1, 5.2.)
Palazzo Contarini Corfu mit Telluria-Banner


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31. Mai 2015

Biennale 2015 - die praktischen Tipps

Neu anstelle der Boxoffices am Arsenale:
Biglietteria hinter der Mauer, Innenhof mit Sitzgelegenheiten
Die praktischen Tipps der letzten Kunstbiennale 2013 gelten im Wesentlichen noch.  

Aber es gibt Aktuelles. 

Die Preise des öffentlichen Verkehrs des ACTV steigen zum 1.7.2015

Meine wiederholten Empfehlungen für den Bereich des Arsenale Novissimo, Nordeingang über die Haltestelle Bacini (Linien 4. und 5.) oder über Celestia - Arsenalemauer, die sich auf interessante Kunst und kostenlosen Eintritt bezogen, gelten in diesem Jahr (leider) NICHT.
Im Mai gab es hier nur die nationale Ausstellung von Lettland in 'kollateraler' Form, soll man sie bedauern wegen ihrer Isolation oder ihrer Präsentation? Möglicherweise finden im Laufe des Sommers hier noch ausgegliederte Veranstaltungen der Expo in Marghera statt, was vielleicht mehr BesucherInnen hier hin führen würde? 
Außerdem wird in der Tesa (Halle) 94 Teil 1 'Plessi' ausgestellt, Eintritt 5 € (Teil 2 zum wiederholten Male im Androne der Ca' d'Oro). Letztere habe ich 2013 gesehen, erstere besteht aus mallorquinischen Fischerbooten umspült von blauem Licht und einer ungeheueren Geräuschkulisse pathetischer Musik. Ich fragte die beiden freundlichen Aufpasser, ob sie abends noch wüssten, wo ihre Ohren sitzen, sie meinten, kein Problem. Sie schalten den Ton nur für BesucherInnen ein, und ich vermute, die bringen sich wie ich jeweils schnell wieder in Sicherheit. 

Auch auf San Servolo (Linie 20 ab S. Zaccaria) gibt es 2015 nur 2 Ausstellungen. Einen Teil der nationalen Ausstellung Syrien, dominiert von den spiegelnden Werken Helidon Xhixhas (der andere Teil auf der Giudecca, im ehemaligen Kino rechts neben der Redentorekirche, mit beeindruckenden Werken des chinesi-
schen Künstlers Liu Shuishi). Und den Pavillon von Cuba, ärger-
lich, in 3 Räumen eine Menge z. T. sehr kleiner Videoscreens, vor denen man jeweils schon eine Weile stehen muss, um einen Einstieg zu finden. Kein Stuhl weit und breit. Wie kommen KuratorInnen auf die Idee, wir Kunstinteressierte würden vor 20 Minibildschirmchen jeweils 10 Minuten oder länger stehen? 

Aber die Empfehlung: schöne Pause im Grünen, günstiges Mittagessen (11 € für 3 Gänge, ein bisschen Schlange stehen)  in der Mensa (Ristorante) auf San Servolo besteht unverändert.


Detail der ehemaligen Klosterdruckerei S. Lazzaro degli Armeni
Die nationale Ausstellung Armeniens, Armenity, ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen, findet auf S. Lazzaro degli Armeni statt, das man normalerweise nur im Zusammenhang mit den täglichen Führungen am Nachmittag zu besuchen kann. Jetzt und nur bis 18.10. (nicht bis zum Ende der Biennale am 22.11.!) ist die Insel geöffnet von 13-17:30 Uhr, und neben der Linie 20 ab S. Zaccaria gibt es bis Ende Juni einen zusätzlichen Transfer von der Haltestelle Giardini nach S. Lazzaro. Eintrittspreis 6 €, wer sein Biennale-Ticket vorlegt, zahlt reduzierte 3 €.
Inhaltlich erhält die Ausstellung viel Lob, betont wird auch die Zurückhaltung, mit der der Völkermord vor 100 Jahren von "Diaspora"-armenischen KünstlerInnen reflektiert wird. Ich finde die Integration der Kunstwerke in die Räume des Klosterkomple-
xes beeindruckend, und noch mehr, dass Räume einbezogen werden, die nicht Teil der normalen Führung sind, z. B. die der ehemaligen Druckerei. Auch das ist ein Grund, die Ausstellung nicht zu verpassen. Man kann sich darrüber hinaus in der Kirche, im Museum, im Kreuzgang etc. frei bewegen und in Muße alles ansehen, wozu während einer Führung die Zeit nicht reicht. Auch Fotografieren war während meines Besuches nicht eingeschränkt. 



Detail eines Wandteppichs, Museum Kloster S. Lazzaro degli Armeni
Der Pavillon der Niederlande mit der Ausstellung von Hermann de Vries macht glücklich, und wer das Glück krönen will mit einem Besuch seines Kultplatzes auf der Insel Lazzaretto Nuovo muss im Pavillon die Aufpasserin um ein Bootsticket bitten. Es fährt täglich um 15 Uhr kostenlos ein Boot mit ca. 20 Plätzen ab der 1. Brücke zwischen Arsenale und Sant'Elena, Dauer ca. 2 Stunden. Fällt aus bei Regen oder zuviel Wind. Ich hatte am 20.5. einen Platz im Boot am 22. bekommen, an dem es leider heftig regnete. Vielleicht bekomme ich im Herbst eine 2. Chance...

Noch ein letzter praktischer Insel-Tipp: noch bis 7.6. gibt es 2 Ausstellungen auf S. Giorgio Maggiore, die das eingeschränkte Betreten der Gebäude der Fondazione Cini ermöglichen, jenseits von Führung oder Bibliotheksbesuch.  Es ist dies einmal die Ausstellung 'Das Meisterstück' von Matthias Schaller im Cenacolo (Speisesaal) des Klosters von Palladio. Cenacolo mit Veronese-Replika der "Hochzeit zu Kana" und kurzen Gang durch den Zypressen-Kreuzgang ist unbedingt sehenswert, die Ausstellung von Schaller fand ich sehr beeindruckend. 
Die zweite Ausstellung ist 'Stabat Mater Dolorosa' von Giovanni Manfredini, Musik Ennio Morricone, eine sehr pathetische Sache (und nicht mein Ding) in einem völlig dunklen Raum, vor dem eine Schlange auf Einzelbesichtigung wartet. Aber man geht aus diesem Anlass über das Longhena-Treppenhaus und hat einen schönen Blick von oben auf den Palladio-Kreuzgang (den vorderen der beiden Kreuzgänge).
Die Tür zur Fondazione Cini ist geöffnet, dahinter steht ein Tisch, an dem AusstellungsbesucherInnen einen Spezialanstecker bekommen (ohne Anstecker=Badge kein Eintritt bei Cini auf S. Giorgio). 


Longhena-Treppenaus auf S. Giorgio Maggiore, Fond, Cini
Arsenale:
Die Box-Offices vor dem Arsenale, die a. im Weg und b. in der prallen Sonne standen, sind umgezogen in einen schönen Informationsbereich hinter die Arsenalemauer mit Sitzgele-
genheiten im Freien, Bäumen und direktem Zugang in den Bookshop und das Café des Arsenale-Eingangs. Hinten in der Ecke rechts vom Arsenaleeingang, man sieht es nicht unbedingt auf den ersten Blick. Danke, gute Idee. 

Die Vergini-Gärten des Arsenale sind jetzt als öffentlicher Park der Bevölkerung (und dem Tourismus) kostenlos zugänglich durch die "Hintertür" an der Calle stretta, auch eine gute Idee, nochmal danke. Man kann von da aus aber NICHT aufs Biennale-Gelände des Arsenale, dennoch haben in diesem Bereich erfreulicherweise einige Ausstellungen Platz gefunden. Z. B. Sarah Szes Installationen zwischen Flora und Ruinen oder "Das Lied der Deutschen" (ja!) in vielen afrikanischen Sprachen, das im kleinenTurm an der Ecke der Porta Nuova schon von weitem zu hören ist. Vielmehr bekommen Biennale-BesucherInnen, die von innen kommend auch den Vergini-Bereich durchstreifen wollen, ein rotes numeriertes Armbändchen verpasst und dürfen in den öffentlichen Bereich. Wer in den Biennalebereich (zurück-) will, muss ein unversehrtes rotes Armbändchen vorweisen. Ich habe vergessen, mich nach den Öffnungszeiten dieses kleinen schönen Parks zu erkundigen, aber nehme an, mindestens während der Biennale-Öffnungszeiten 10-18 Uhr.


Lied der Deutschen, gedruckt und gesungen auf Lingala
Zattere:
Ein kleines Biennale-Projekt findet bisher nicht so viel Beach-
tung, aber abends bei Sonnenuntergang an den Zattere statt, am Fuß des Ponte lungo, "The Laguna's Tribute": projektmäßig ausgewählte Gedichte, die monatlich wechseln, werden der Sonne hinterher gerufen. Von einem Schauspieler, der auf einer eigens installieren Apfelkiste aus Bronze steht und es teilweise gar nicht leicht hat, den Wasserverkehrslärm und den Wind zu übertönen. Und danach kann man, poetisch animiert, den Tag am Ufer der Zattere bei einem Glas und manchmal auch Live-Musik ausklingen lassen...






Ich begleite und führe zu Nationenausstellungen und Nebenausstellungen in interessanten Gebäuden in der Stadt. Auch themen- oder personenzentrierte Begleitungen können auf Anfrage abgestimmt werden über einen Klick ganz oben rechts in der dunkelgrünen Spalte.
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15. Mai 2015

Zwei volle Wochenenden in Venedig

Die ersten Ruderer kommen in der Stadt an
An den beiden kommenden Wochenenden werden gebraucht gute Planung, Gelassenheit und die Kunst, über Prioritäten zu entscheiden. Denn neben Biennale, kollateralen Veranstaltungen und der unübertrefflichen Stadt selbst gibt es die Sensa, Isole in Rete und die Vogalonga.


Samstag 16.5. 
Im Vorfeld des Sensa-Festes organisiert das Projekt Fondamenta wieder das Kulturfest Fondamenta 4.0 an der Fondamenta della Misericordia und Ormesini ab 17 Uhr. Haltestellen Ca'd'Oro und Madonna dell'Orto.

Bei S. Nicolò del Lido Mercantino della Sensa 10-21 Uhr und 10-15 Uhr Kunstausstellung.
Mit den Linien 1, 5.1, 5.2, 6, dann umsteigen auf den Bus gegenüber der Vaporettohaltestelle; und der Autofähre ab Tronchetto direkt kommt man hin.

Isole in Rete. Findet im 4. Jahr statt und hat sich von einem bewunderswert kreativen und erfolgreichen kostenlosen Angebot entwickelt zu einer professionalisierten Veranstaltung, ganz schön teuer werden kann, wenn man z. B. mit Kindern unterwegs ist. Trotzdem - eine wunderbare Gelegenheit, die nördliche Lagune besser kennenzulernen und sich hochinteressant führen zu lassen. 
Die Tageskarte für die Inseltouren gibt es mmer noch günstig für 5 €, erhältlich an den Verkaufsstellen und an Bord. Einige der Termine werden nur am Sonntag geboten. Wird an 3 weiteren Terminen 2015 stattfinden, 20./21.6., 25./26.7., 26./27.9.
Programm 16./17.5. 

San Servolo Frühlingsfest ab 16 Uhr mit großem Programm für Kinder, mit Musik, Kunst und Führungen in Museum und Kirche.



Sonntag 17.5.
Feierlicher Festzug zu Wasser ab dem Ufer San Marco zum Lido
9.00 Raduno imbarcazioni in Bacino di San Marco
9.30 Partenza del corteo acqueo per S. Nicolò di Lido
10.30 Cerimonia dello Sposalizio del Mare davanti alla Chiesa di San Nicolò di Lido
11.00 Esibizione del Coro Serenissima sul sagrato della Chiesa di San Nicolò di Lido
11.30 Santa Messa nella chiesa di San Nicolò di Lido


Festregatten der Sensa
17.00 regata delle donne su mascarete a 2 remi
17.45 regata su gondole a 4 remi
Regate della Stagione Remiera del Comune di Venezia
Percorso delle regate: Bacino di San Marco - Riviera San Nicolò al Lido, dove a seguire si svolgeranno le premiazioni


Mercantino und Kunstausstellung bei San Nicolò wie am Samstag

Isole in Rete siehe Samstag


Sonntag 24.5.
Vogalonga 
Eine Riesenveranstaltung, Start des Volksruderns um 9 Uhr im Becken von San Marco, Rückkehr über den Canale di Cannaregio ab Mittag. Erwartet werden 1.800 Ruderboote aller Arten und 8000 Ruderer/innen.
Sie auch die Website der Aktiven, das Tourangebot von Venice Kayak und meinen Bericht von 2012.

Ergänzung vom 22.5.: 
Einschränkungen des ÖPNV am 24.4. Fahrplan.


San Nicolò di Lido mit der Autofähre ab Tronchetto zu erreichen,
natürlich auch als FußgängerIn

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