28. Juni 2009

Palazzo Grimani bei S. Maria Formosa

Palazzo Grimani

(Quelle Bing Maps) Oben rechts der Campo S. Maria Formosa.
Der Raum der Tribuna ist zu erkennen am Glastürmchen im linken Gebäudeteil. Der Bildausschnitt ist beweglich.
Ich habe am 23.12.08 über die Eröffnung des neuen Museums Palazzo Grimani berichtet.

Eingang Landseite, alles was vom Palazzo von der Landseite zu sehen ist.

Ich habe den Palazzo jetzt besucht: schon der erste Eindruck beim Betreten des Innenhofes ist überwältigend, weil von der Landseite nur die
bescheidene Breite des Eingangstores zu sehen ist und um die Wasserseite zu sehen, muss man wissen, wo man zu suchen hat. Stadtplan!

Der riesige Kasten wurde nach dem Erlöschen der Familie Grimani 1865 völlig gefleddert und leergeramscht, alles, was nicht niet- und nagelfest war, verkauft, inklusive des Pozzo (Brunnenkopfes) an dessen Stelle der Boden mit einer Metallplatte versiegelt ist.
Etwas verklemmter Blick auf die Wasserseite des Palazzo Grimani, von der Brücke über den Rio di San Servero/Calle dell'Ospedale
Die wertvolle Sammlung antiker Marmorstatuen des Kardinals Dom
enico Grimani, bei seinem Tod 1523 der Republik Venedig vermacht, wurde zunächst in 28 Holzkisten im Dogenpalast aufbewahrt, aber bei einer Überprüfung 1586 waren es nur noch 16. (Fledder also auch hier.) Die Marmorstatuen wurden dann bis auf Weiteres in der "Stanza delle Teste" aufgestellt und Künstlern zugänglich gemacht.
Portal mit "Museumsschild"

Der Neffe des Kardinals, der Patriarch Giovanni Grimani, war Besitzer einer noch größeren Sammlung und ließ vor allem für die Präsentation seiner Antiken den Palazzo umbauen und ausschmücken, ein Lebensprojekt. Auch er bot 1587 der Republik seine Schätze als Schenkung an, unter der Bedingung, dass sie in einem würdigen Rahmen der Öffentlichkeit zur Verfügung stünden. Der Vorsaal der Bibliothek von San Marco wurde als Skulpturengalerie umgebaut und die Antiken komplett ab 1596 im Statuario Publico der Serenissima, die zum Archäologischen Nationalmuseum wurde, ausgestellt.
Der Palast stand nach seiner völligen Plünderung leer und moderte entsprechend vor sich hin, die Restaurierungsarbeiten dauerten 27 Jahre und sind bisher nicht abgeschlossen. Zu besichtigen ist bisher "nur" das erste Stockwerk, das zweite ist in Arbeit.

Die Renovierung läßt mich sprachlos bewundern: Fresken und Stuck der Treppe und einzelnen Räume nach Themen der griechischen Mythologie sind von überwältigender Frische und Schönheit. Bereiche, die völlig zerstört waren, wurden nicht ergänzt. Es gibt einen Raum mit einer Voher-Nachher-Präsentation, die ansatzweise die Leistung der Restauratoren nachvollziehen lässt.

Ecke des Innenhofes

Ich hatte gehofft, dass die Tribuna, ähnlich wie in der Ausstellung "Venezia!" in Bonn 2002 mit den Originalexponaten aus dem Archäologischen Nationalmuseum ausgestattet sein würde, ist aber leider nicht der Fall. Nur die Statue des Ganymed, der von einem Adler geraubt wird (Duplikat in der Accademia) hängt wie ursprünglich an einem Drahtseil in der Kuppel der wunderbaren sonnenhellen Tribuna, dass einem der Atem stockt. Aber die Nischen, in denen (nach Inventarlisten des 16. Jahrhunderts) einst 126 Skulpturen (!!) ausgestellt waren, sind leer.
In einigen Räumen sind einzelne Skulpturen aufgestellt, an denen während der Führung die Restaurierungen und Ergänzungen die im 16. Jahrhundert oder später vorgenommen wurden (Kopf passt nicht, Ersatzarm hat eine zur Statue nicht passende Haltung etc.) schön erläutert werden.


Wobei wir bei der Führung wären. Ich war die einzige Besucherin dieser Führung (Sonntagmorgen 9:30 Uhr). Eine junge Kunsthistorikerin hat mir also eine über einstündige Privatführung geboten. Zwar auf italienisch (keine weitere Sprache), aber da ich vorbereitet war, schätze ich, dass ich immerhin gut die Hälfte verstanden habe. So gesehen war es auch noch eine Italienischlektion in qualifiziertem Vokabular.

Aber trotz (obligatorischer) Internetanmeldung wurde mir die Tür erst geöffnet
, als ich nach einigem Warten entschlossen eine popelige Türklingel gedrückt habe, die ganz versteckt an der Seite des Eingangsportals angefrickelt war. Vier weitere Interessenten, die sich meiner Warterei spontan (ohne Internet-Anmeldung) angeschlossen hatten, wurden abgewiesen. Nirgends in der Stadt wird für den Besuch des Museums geworben, auf der Website der Comune Venezia habe ich bisher keinen Hinweis gefunden.

Ich habe den leisen Verdacht, dass man an "Normal"-
Besuchern nicht wirklich interessiert ist. Vielleicht an "Fach"-Publikum wie Kunsthistorikern, Restauratoren, Architekten, Archäologen, Fachhandwerkern, und -innen, und Studierenden aus diesen Bereichen? Hat das Projekt nur offiziell den Titel "Museum", um damit einen bestimmten Status herzustellen, der Mittel sichern und im Wesentlichen den Fortgang der Restaurierung garantieren soll?
Denn die Einnahmen der Eintrittsgelder können sich nicht rechnen, nach meiner Privatführung geschätzt. Ich weiss es nicht!
Ecke des Innenhofes mit Aufgang zum Museums-Rundgang, Stuckverzierung (Obstkörbe!) oberhalb der Säulen
Besuchens- und sehenswert ist der Palast unbedingt, auch wenn er nicht so "bewohnt" und kuschlig bürgerlich wirkt wie z. B. der Palazzo Querini-Stampalia direkt um die Ecke. Das Haus ist völlig unmöbliert, es gibt auch nur wenige zurückgekehrte Gemälde (herausragend das Bosch-Triptychon, irritierend und faszinierend). Man kann hier auch nicht, wie dort, unbehelligt herumschlendern, sondern ist auf den Rahmen einer anspruchsvollen und hochinterssanten Führung angewiesen.

Schlussfolgerung: hingehen und falls nötig gleich am Eingang sagen, dass man nicht gut italienisch kann (wie ich). Mit der Nachfrage das Angebot fördern. Und vor allem mit der Nachfrage das Interesse an schön und wissenschaftlich restaurierten Palästen beweisen, im Gegensatz zur profitorientierten Restaurierung zu Hotelzwecken!

.

15. Juni 2009

Neue Vaporetto Linie Parco della Laguna Nord

Campanile der Assunta von Torcello

Die expe-
rimentier-
freudigen veneziani-
schen Ver-
kehrsbe-
triebe ACTV haben
seit vorgestern eine neue Linie gestartet: Linea Parco della Laguna Nord.

Sie wird nur Samstag, Sonntag un
d an Feiertagen bedient zwischen dem 13.6. und dem 25.10.09. Angefahren werden ab der Haltestelle Giardini Biennale die Inseln Certosa (im Wesentlichen eine Marina mit Bewirtung, ich selbst war bisher noch nicht da) , S. Erasmo Forte Massimiliano (die Haltestelle am von mir wärmstens empfohlenen Strand und Biergarten, die man bisher nur mit Vaporetto vom Lido aus und auch nur in den Mittagsstunden Sa/So erreichen kann) und Torcello (diverse Einträge hier im Blog, abzurufen unter dem Stichwort 'Insel').


Ich habe auf der ACTV-Site keine Verlinkungsmöglichkeit für den Fahrplan gefunden, deshalb tippe ich ihn hier rein:



Wassergraben um das Fort Massimiliano




Giardini Biennale 11:30 13:30 15:30 17:30

Certosa 11:40 13:40 15:40 17:40
S.
Erasmo Forte Mass. 11:55 13:55 15:55 17:55

Torcello 12:30 14:30 16:30 18:30


Torcello 12:30 14:30 16:30 18:30
S. Erasmo Forte Mass. 13:05 15:05 17:05 19:05

Certosa 13:20 15:20 17:20 19:20

Giardini Biennale 13:30 15:30 17:30 19:30



An der Vaporetto-
station S. Erasmo Forte Massimiliano


Wenn man das erste Boot an den Giardini nimmt und das letzte von Torcello zurück, kann man immerhin ganze 8 Stunden in der Laguna Nord verbringen, ich finde das ist ein gutes Angebot. Tickets können auch an Bord gekauft werden, ein Hop on/Hop off ticket kostet 6,50, mit Ermäßigung der Carta Venezia 1,50.

Eingefügt im Juni 2011:
Achtung! Dieser Eintrag bezieht sich auf das Jahr 2009. Diese Linie gibt es mittlerweile nicht mehr.

.

6. Juni 2009

Biennale Führer

Die 53. Biennale wird morgen eröffnet, die Medien sind seit gestern unterwegs in Venedig zu den Präsentationen im Biennale-Gelände, in den Lokalitäten in der Stadt, auf den Inseln, und jenseits der Biennale in den neuen Pinault-Ausstellungsräumen der Dogana.
Es gab bereits erste interessante Berichte in der Presse und im Fernsehen (TAZ, SZ, Aspekte).

Der Anlass dieses Eintrags ist die Ausgabe 6/09 der venezianischen Monatszeitschrift VeneziaNews, bereits im vorhergehenden Eintrag erwähnt. Trotz der überschwappenden Werbung ist diese Ausgabe unverzichtbar, will man das Angebot der Biennale halbwegs gezielt wahrnehmen.
Die Ausgabe steht als PDF im Internet, inklusive Stadtplan mit allen Kollateralen/Events/Länderpavillons.
Audrucken und mitnehmen, falls man erst später im Sommer nach Venedig kommt und die Juni-Ausgabe nicht mehr zu kaufen ist!


31. Mai 2009

Biennale eröffnet in einer Woche

Ausstellungsgelände Giardini 2007

Heute in einer Woche eröffnet die 53. Kunstbiennale. Es wird "meine" dritte, heißt, ich kann auf zwei Erfahrungen zurück greifen.
(Siehe auch Eintrag vom 5.10 2007)

2005 war ich einfach überwältigt von der Masse und Vielfalt aktueller Kunst, die sich in den "kostenpflichtigen" Ausstellungsräumen der Giardini und des Arsenale bot. Vom Ideenreichtum bis zur Banalität reproduzierter Ideen, von erschreckender Aggression zur künstlerischen Kontemplation. Dazu das ganze Gewurschtel der internationalen Besucher - eine tolle Erfahrung!

Links oben und unten: Ausstellungen im Arsenale-Gelände 2007

Die Ausstellungen im ganzen Stadtgebiet nahm ich nur am Rande wahr, hatte auch nicht genug Zeit eingeplant. 2007 war ich schon etwas gewiefter, mehr Zeit, Vorbereitung per Internet, und dadurch mehr Informationen über die zusätzlichen - kostenlosen! - Ausstellungen in der Stadt, die ich teils gezielt, teils zufällig fast alle besuchte. (Dazu gehört, dass man sich mit dem Stadtplan und dem ÖPNV vertraut macht, damit man ungefähre Wanderrouten entwerfen kann um nicht unnötige Wege bei diesem Kunstmarathon zu latschen.)

Hilfreich war, dass ein Freund eine Ausgabe der Monatszeitschrift
VeneziaNews aufbewahrt hatte, die in ihrer Juni-Ausgabe einen Stadtplan mit den Ausstellungsorten veröffentlichte, was sie hoffentlich auch in diesem Jahr tun wird.

Da längst nicht mehr alle Aussteller in den Ausstellungsgeländen unterkommen, haben einzelne Länder feste Räume im Stadtgebiet (z. B. Schweiz - die Kirche S. Stae, z. B. Luxemburg - das Wassergeschoß der Ca' del Duca, beide am Canal Grande, letztere mit der schönen hohen Treppe zum Kanal). Andere Aussteller mieten Räumlichkeiten für 6 Monate an, und man hat die unschätzbare Gelegenheit Häuser/Palazzi zu betreten, die normalerweise nicht zugänglich sind, wie z. B. regelmäßig der Palazzo Zenobio - das armenische "Priesterseminar", oder überraschenderweise 2007 der Palazzo Soranzo-van Axel, der diversen Venedig-Filmen als Location diente, oder in diesem Jahr die Scuola Grande della Misericordia, deren lange Renovierung abgeschlossen zu sein scheint. Neben den Überraschungen die die Kunst bietet, gibt es zu jeder Biennale auch die spannende Frage, in welchen Häusern die Kunst zu bewundern sein wird.

Ausstellungsort Palazzo Zenobio 2007: Lateinamerikanische Länder

Ich möchte gerade auch den Venedi
gbesuchern die Biennale ans Herz legen, die eher weniger mit aktueller Kunst zu schaffen haben. Denn hier können sie sich ungeniert und unbeeinträchtigt von musealen Klugscheißereien Unmengen von Kunstbeispielen nähern und herausfinden, was ihrem eigenen Geschmack und Interesse entspricht und was überhaupt nicht, was sie berührt und vielleicht sogar erschüttert, was sie belustigt und animiert... fotografieren, sich treiben lassen, mit anderen Besuchern ins (internationale) Gespräch kommen.

Auch gerade mit Kindern (auch seh
r jungen) ist der Biennalebesuch sehr zu empfehlen. Abwechslungsreiche Kunst in Verbindung mit viel Bewegung, mit ungeniertem Austausch, ohne argusäugige fingerwackelnde "Kunstwächter", z. T. anfassbar und interaktiv, dazu noch preiswert bzw. in den Ausstellungsräumen im Stadtgebiet kostenlos! Das zeigt dem Kind, dass Kunst spannend, witzig, erstaunlich und erschreckend ist, also zum täglichen Leben gehört.

Man muss keine Karten vorbestellen, kann aber. Die Infrastruktur auf dem Biennalegelände (Essen/Trinken, Toiletten) ist ok und normalpreisig.
Achtung: Giardini haben am Montag, das Arsenale am Dienstag Ruhetag, nicht gleichzeitig.

Die "Kollateralen" erkennt man grundsätzlich an ihrem großen roten "Biennale"-Schild vor der Tür. Manche haben gute Erfrischungsmöglichkeiten (z. B. Palazzo Zenobio: Getränkeautomaten, gute Toiletten), andere nichts dergleichen.



Ausstellungsort Palazzo Benzon am Canal Grande, Wassergeschoss


A
lle Öffnungszeiten sind von 10-18:00 Uhr, was ich im Sommer knapp finde solange es draussen hell ist. Besucht man die Biennale erst im November, ist es für manche Aussenpräsentationen spätnachmittags schon zu dunkel.

Ein paar aktuelle Links, die nach Eröffnung der Biennale erheblich mehr werden:

Offizielle Seite, mit allen Informationen, Preisen etc.:

http://www.labiennale.org

"Kollaterale" Ausstellungsräume, auch innerhalb der Stadt (noch nicht vollständig) http://universes-in-universe.org/deu/bien/biennale_venedig/2009

Einstimmung http://www.medienhandbuch.de/news/das-erste-ttt-extra-von-der-53-kunstbiennale-in-venedig-am-sonntag-7-juni-2009-um-000-uhr-im-ersten-24385.html

Beispiele für "Kollaterale" innerhalb der Stadt 2009 (nicht von fetten Marketingsprüchen einschüchtern lassen!)
http://www.prpress.de/-biennale-venedig-eventi-collaterali-pr21588.html http://www.giudecca795.com/en/p/liu_zhong_biennale.html
http://www.culturaspettacolovenezia.it/index.php?iddoc=11107
http://www.culturaspettacolovenezia.it/index.php?iddoc=11027


.

27. Mai 2009

Nachrichten von der Brücke

Fotos Rita und Sigi Wischnewski

Schon nach einem Tag neue Nachrichten von Rita und Sigi vom Rio delle Vergini:


"Wir beobachten den Baufortschritt mit Staunen. Heute morgen wurde die Stahlkonstruktion montiert, und abends hat man schon einen Eindruck, wie die Brücke am Ende aussehen wird.

Eine ältere Nachbarin in der Salizada Streta hat uns erzählt, dass da früher schon eine Brücke war.


Saluti
Rita"




Gestern hätte ich ja noch keine Wette abgeschlossen, aber heute vielleicht doch?







(Siehe auch Eintrag vom 1. Mai.)

26. Mai 2009

Biennale Venezia - betrifft Brücke

Foto Rita und Sigi Wischnewski


Im Eintrag vom 1. Mai
hatte ich um ein Foto der neuen Brücke am Rio delle Vergini gebeten.

Rita und Sigi Wischnewski aus Castello haben gestern freundlicherweise ein aktuelles Foto der Baustelle gemailt und mitgeteilt, dass die Arbeiten (erst! schon!) am 11.5. offiziell in Angriff genommen wurden.

Immerhin knapp einen Monat vor der geplanten Eröffnung...


Und kommentieren: "Wenn diese Brücke bis Anfang Juni wirklich fertig wird, verdient sie einen Eintrag ins Guinness Buch. Es sei denn, man hat eine Stahlkonstruktion auf dem Festland vorbereitet und braucht nur noch die Stützpfeiler."

Ich sehe bei dieser schmalen Öffnung in der Mauer auch noch nicht, wie die Brücke am Samstag in einer Woche in Betrieb genommen werden soll. Vielleicht wird es DIE Überraschung der 53. Biennale!


.

8. Mai 2009

Start in die venezianische Regattasaison


Ruderclub an den Salzmaga-
zinen der Dogana, Auslauf früh am Morgen zum winterlichen Training






In Venedig wird venezianisch gerudert (Links zum venezianischen Rudern und Booten auf meiner Linkliste!), und auch im Winter sieht man pudelmützige Rudercrews beim Training auf den Kanälen. Die Wettkämpfe der Ruderclubs finden aber nur in den Sommermonaten Mai bis September statt und wer zu einem entsprechenden Termin zu Gast in Venedig ist, sollte sich dieses urvenezianische Sportereignis nicht entgehen lassen.


Hier sind die Termine der diesjährigen Regatten:

10.05. Mestre, 16:30 Uhr

24.05. Sensa, 11:00 Uhr, Bacino San Marco - Lido, zu beobachten von den anliegenden Ufern, Informationen dazu in allen Reiseführern

31.05. Voga Longa, Regatta für jedermann/jedefrau unabhängig von Ruderclub-, Stadt-, Nationen- oder sonstiger Mitgliedschaft durch die Laguna Nord, Ziel im Canale di Cannaregio
Vogalonga (last Sunday of May). Any row boat is admitted. It is the most colourful and cheerful "regatta": it is better to call it a non competitive 32 km "sea marathon": about one thousand boats amd 3 thousand rowers from all over the world take part to it every year. The meeting point is the St.mark's Basin in the morning. (Aus www.veniceword.com)

02.06. Sant' Erasmo, 16:30, 17:15, 18:00 Uhr, rund um die Insel Sant' Erasmo, zu beobachten von den Ufern (Linie 42+52 bis Fondamente Nove, weiter mit Linie 13 bis Sant' Erasmo)
Regata di Sant'Erasmo (2nd Sunday of June). Mascarete a due remi (2 rows mascarete) for women, pupparini a due remi (2 rows pupparini) for men and youngsters 13-18. The route is around the island of Sant'Erasmo.

21.06. Ss. Giovanni e Paolo, 17:00, 17:45 Uhr, Murano- Rio dei Mendicanti, zu beobachten an den Fondamente Nove und Ponte/Ufer des Rio dei Mendicanti
Regata di SS. Giovanni e Paolo (last Sunday of June) Pupparini a due remi (men) and gondole a un remo (13-18). The rowing technique with one row is difficult and challenging, and this regatta was created to have young people get fond of rowing. The route: Murano, Fondamenta Nuove, Ponte dei Mendicanti

05.07. Murano, 16:30, 17:15, 18:00 Uhr, zu beobachten vom Canal Grande in Murano (Linie 42)
Regata di Murano (1st Sunday of July). Pupparini a un remo" for women and youngsters 13-18, gondolas "a un remo" for men. The Murano Regatta is the most difficult regatta because it is reserved to boats with one row (remo). Rowers must be very skilled. The regatta takes place between Murano and Venice, and in the Murano canals. The rowers must wear the traditional shirt with white and blue stripes and blue trousers for men, white shirt and white skirt for women, plus belt and scarf in the colour of their boat. Prizes are in money for the first 9 boats plus special traditional flags (triangle shape) for the first 4 boats of each category (women, giovanissimi, men): red flag (1st), white (2nd), green (3rd) and light blue (4th)

12.07. Malamocco, 17:15, 18:00 Uhr, zu beobachten am Ufer Malamocco-Alberoni (Buslinie 11, Lido)
Regata di Malamocco (2nd Sunday of July - Festa della Madonna Marina). Caorline a sei remi (6 rows caorline). Women were admitted to this regatta only in 2002, rowing mascarete with 2 rows.

19.07. Redentore, 16:00, 16:45 Uhr, Insel Giudecca-Bacino San Marco, zu beobachten von den Ufern der Giudecca und des San Marco-Beckens, Informationen in allen Reiseführern

02.08. Pellestrina, 16:30, 17:15, 18:00 Uhr, Insel Pellestrina ab Cantiere Menotto entlang des Canale di Pellestrina, zu beobachten am besten vom Wasser aus, aber (bei entsprechendem Gedränge) auch vom Ufer. (Buslinie 11 ab Lido)
Regata di Pellestrina (1st Sunday of August). Mascarete a due remi (women), Pupparini a due remi (13-18), Pupparini a due remi (men). The Pellestrina regatta wants to celebrate the religious feast of Madonna dell'Apparizione, along the coast of Pellestrina island. (By the way, great food!)

06.09. Regata Storica, 16:50, 17:05, 17:55 Uhr (jeder Reiseführer schreibt ausführlich darüber)

20.09. Burano, 15:30, 16:15, 17:00 Uhr, zu beobachten von den Ufern, z. B. am Ufer der Anlegestellen der ACTV-Linien. (Linien 42/52 bis Fondamente Nove, Linie N bis Burano)
Mit dieser sportlich sehr anspruchsvollen Regatta schließt die Saison, mit gutem Grund, denn das Wetter ist dann bereits unzuverlässig. Ich habe bereits zweimal wegen Granatengewitters auf das Ereignis verzichtet und hoffe, dass ich in diesem Jahr endlich in den Genuss als Zuschauerin komme!



1. Mai 2009

Mehr über die neue Biennale-Brücke


Die Stadt Venedig hat Informationen zur neuen Biennale-Brücke veröffent-
licht.

(Siehe Eintrag zum Thema vom 25.2.09, Brücken in Arbeit.)



La Giunta comunale, nella seduta odierna, ha approvato, su proposta del sindaco, lo schema di protocollo tra Magistrato alle Acque, Fondazione La Biennale, Comune, per la costruzione e la gestione di un nuovo ponte tra il Giardino delle Vergini nell'Arsenale e l'area di Campo Ruga a Castello, con accesso in Salizada Streta.

Il ponte, lungo 13 metri e largo 1,50, con gradini agevolati e una pendenza del 14%, sarà costruito nella stessa posizione di un antico ponte, demolito nell'Ottocento, e avrà lo scopo - è detto in delibera - di facilitare l'accessibilità del pubblico alle sedi della Biennale (Arsenale e Giardini di Castello), di rendere più funzionale il percorso negli spazi della Biennale interni a
ll'Arsenale, di offrire un collegamento tra le due sedi alternativo all'attuale nell'area urbana di Castello Est; per l'entrata all'Arsenale sarà aperto un varco nelle mura. Progetto architettonico, strutturale, impiantistico sono dell'ing. Enzo Magris, con l'arch. Arianna Laurenzi per il progetto architettonico e con l'ing. Marco Rossetto per il progetto strutturale; coordinatrice del progetto è l'arch. Pina Maugeri.
...

Venezia, 28 aprile 2009 / lp

Vom Campo Ruga über die Salizada Streta führt die neue Brücke durch einen zu schlagenden Durchgang in der Mauer direkt in den Garten der Vergini, an der Stelle einer ehemaligen Brücke, die im 18. Jahrhundert abgerissen wurde. Die Brücke wird 13 m lang und 1,5 m breit und bietet einen zusätzlichen Eingang "hintenrum" und eine bequemere Verbindung der Biennaleausstellungen in den Giardini mit den Ausstellungen im Arsenale. Vermutlich wird diese schöne stille Ecke von Castello während Biennalezeiten dann deutlich lebhafter, und es verstärkt sich mein etwas peinliches Gefühl, im Privatleben der Anwohner herumzulatschen.









Im (leider etwas blässlichen) Screenshot von Live Search sieht man die Stelle der neuen Brücke (Pfeil, bitte Bild vergrößern!), eingekringelt habe ich den einzig erhaltenen Rest des verlorenen Klosters Santa Maria delle Vergini in der Mauer (Eintrag vom 25.2.!). Darüber erkennt man im bisher schon für die Biennale genutzten Teil einzelne Exponate der Biennale von 2005, z. B. das riesige Bambusgerüst des chinesischen Künstlers, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnere.

Besser kann man es hier sehen:

http://maps.live.de/LiveSearch.LocalLive?cp=45.435246358621725~12.357517300901918&scene=10969102&style=b&lvl=2&dir=0&tilt=-90&alt=-1000


Ein Auszug aus Mary Laven "Virgins of Venice"

(Siehe Buchempfehlung im Eintrag vom 25.2.09)


Die Brücke soll mit der Biennale am 7. Juni eröffnet werden und müßte derzeit im Bau befindlich sein. Für ein Foto zum Veröffentlichen wäre ich dankbar, da ich erst Mitte Juni in Venedig sein werde.


.


18. April 2009

Atlante della laguna


Venedig ist nicht nur Geschichte, Architektur und Kunst, es ist auch ein Raum einzigartiger Natur und Ökologie zwischen Land und Meer. Wer sich für das Thema interessiert, findet sehr viel Material auf italienisch, verteilt auf Fachbücher, die man sich als Normalverbraucher nicht antut.

2006 wurde von der Comune Venezia bei Marsilio Editioni (ISBN 88-317-8764-0) "Atlante della laguna. Venezia tra terra e mare" herausgegeben. Informationen und Daten, von der Universität und anderen Forschungsinstituten und Behörden Venedigs, jeweils hochspezialisiert in ihren Fachbereichen, wurden gesammelt und zu einer informativen und anschaulichen Gesamtsicht des komplexen Ökosystems der Lagune Venedigs zusammengestellt. Sehr spannend, aber italienisch. Die einzelnen Texte gibt es als gedruckte Beilage auch auf englisch. Das Buch ist fast 3 kg schwer und so unförmig, dass es nur mit Mühe zu transportieren ist, weshalb ich mir die Anschaffung dreimal überlegt und dann (auch dank Preisermäßigung durch Beziehung...) trotzdem zugelangt habe. Es gibt als weitere Beilage immerhin eine CD-ROM, die einem die Handhabung erleichtert, man kann so das Buch im Regal deponieren.

In dieser Woche hat die Comune
Venezia den Atlante della Laguna online gestellt, auf italienisch UND englisch, was ich großartig finde und deshalb die Nutzung der Website sehr empfehle. Der Atlas ist gegliedert in die Bereiche Geosphäre (Klima, Geologie und Hydrologie), Biosphäre (Fauna und Flora), Anthroposphäre (Verschmutzung, Flächennutzung), Schutzbereiche und Analysen.
Es gibt einen guten Guide zur Nutzung der Website. Alle Anhänge (Glossar, Autoren etc.) sind vorhanden.

Die Texte zu den einzelnen Bereichen aus dem Buch sind über Info abrufbar, das Kartenmaterial ist online natürlich ausführlicher und besser zu verwerten als in der Printausgabe. Mit ein bisschen Gefummle kommt man schnell in den Karten zurecht und in den Genuss der überaus fleißig und akribisch zusammengetragenen Informationen.

Ein tolles Angebot, finde ich, das auch eher kunst- und geschichtsorientierte Venedig-LiebhaberInnen ein Stück weit in die Naturwissenschaften locken kann!

12. April 2009

IMOB schon hinüber?


Ich kanns kaum glauben.
IMOB soll schon veraltet sein?
Diese praktische Erfindung, die allen mir bekannten ÖPNV-Systemen voraus ist?
Ein Opfer der rasend voran schreitenden Informationstechnik?

Das Gerücht findet sich im aktuellen Newsletter von Buongiorno Venezia.


10. April 2009

Venedig ist kein Hotel


Im letzten Herbst betrat eine elegante Dame mittleren Alters ein Boot der damaligen Vaporettoline 3 (nur für Einheimische und Inhaber einer Carta Venezia für Nonresidenti), richtete eine feurige Rede an die Passagiere, forderte zum Kampf gegen den Ausverkauf der Stadt auf und verteilte Flugblätter an alle "Diese Stadt ist kein Hotel", "Venezia ist kein Spiel".

40xVenezia ist eine Bewegung von VenezianerInnen, geboren in den 60er und 70er Jahren, die ohne finanzielle Interessen eigene Visionen und zukunftsorientierte/nachhaltige Vorschläge in die Entwicklung der Stadt einbringen wollen.

Es ging in diesem konkreten Fall um ein Gesetz, das die Umnutzung von Wohnraum zur Vermietung an Touristen noch einmal bedeutend erleichtern sollte. Natürlich mische ich mich als Touristin und Gast nicht in kommunalpolitische Fragen ein. Aber schon wenn man ein paar Jahre öfter nach Venedig kommt, erschrickt man über die steigende Zahl der neuen Hotels, den zunehmenden Luxus der Angebote, und die rasant wachsende Menge von 'Ferienwohnungen'. Und parallel dazu den Auszug der Venezi
aner aus ihrer Stadt, was mittlerweile jeder noch so schlichte Reiseführer als Problem benennt.


Für das Stadtbild ist die wachsende Zahl restaurierter Gebäude positiv, dass bei den Restaurationen aber weitgehend Hotels herauskommen, weniger.
Immer mehr Palazzi, z. B. am Canal Grande, sind nach Entfernung der Gerüste Luxusschuppen. Die ehemalige Stucky Mühle auf der Guidecca, deren Brand am 15. April 2003 ich zufällig auf auf dem Weg nach Griechenland entsetzt miterlebte, ist jetzt ein protziges Riesen-Hilton. Die Hauptpost an der Rialtobrücke wurde verkauft und ich befürchte Schlimmes.
Auf der anderen Seite wurden gute Pläne bisher nicht umgesetzt. Wie z. B.
das große ehemalige Jesuitenkloster (an der Gesuite-Kirche in Cannaregio), das zuletzt als Kaserne genutzt wurde und jetzt bis auf eine Polizeistation leer steht, als modernes Studentenwohnheim herzurichten.

Mich irritiert dabei auch die Diskrepanz zwischen der Genervtheit der EinwohnerInnen ("Venedig verkommt zum Disneyland") und der offensichtlichen Gier, mit der die Venezianer selbst den Wohnraum ihrer Stadt nicht mehr an Mitbürger vermieten, sondern entschieden profitabler an Touristen. Wer nur ein einziges 50 qm großes, von der Großtante geerbtes Appartment einrichtet, mit einem kleinen Bad ausstattet und für (billige!) 100 €/Nacht vermietet, angeblich in der Regel an der Steuer vorbei, kann damit schon einen kleinen Lebensunterhalt finanzieren. Vorausgesetzt, er muss nicht selbst Miete zahlen!

Aus der Sicht der Denkmalschützer ist die Nutzung in der ursprünglich vorgesehen Art als bürgerlicher Wohnraum dem Umbau in Hotels vorzuziehen. Die E
ntkernung eines Palazzo zwecks Neuaufteilung der Räume, und z. B. dem Einbau um vieler Nasszellen schadet natürlich mehr als der Erhalt (und die Restaurierung) einzelner Wohnungen, die als 'Ferienwohnungen' verkauft oder vermietet werden.

Haus mit Etagen-
Ferienwohnungen in Castello


Ich selbst gehe mittlerweile nur noch dann ins Hotel, wenn ich nur 1-2 Tage in Venedig sein kann. Eine Ferienwohnung hat keinen Service (den ich nicht brauche), aber wesentlich mehr Platz und Ruhe als ein Hotelzimmer. Und dem venezianischen Hotelfrühstück ziehe ich immer ein Croissant und einen Espresso in der nächsten Bar vor.
Auch bei Ferienwohnungen gilt: je kleiner die Einheit, umso teurer. Allein Reisende zahlen für ein kleines Appartment ab 100 €/Nacht, mietet man Raum für vier Personen, zahlt jeder ca. 50 € (oder sogar weniger). Aber solche für Einheimische unerschwinglichen Preise sind gerade für reisende Familien, verglichen mit Hotelpreisen, ziemlich günstig.

Ich habe bisher drei verschiedene Anbieter von Ferienwohnungen ausprobiert, die Preise nehmen sich nichts und die Abwicklung war jeweils professionell.
Luxrest Venice
Mitwohnzentrale Venezia
FeWo direkt
Ich will für diese Anbieter keine Werbung treiben. Wer mit einem Stichwort wie 'Venice Apartments' o. ä. googlet, findet Mengen von vergleichbaren Ergebnissen, und vermutlich auch den einen oder anderen Abzocker.

Wer eine Wohnung sucht, sollte Kriterien wie Entfernung zur Vaporettostation und Versorgung mit Lebensmitteln nicht zu gering bewerten. Im Norden der Sestieri Cannaregio und Castello gibt es relativ viele Lebensmittelgeschäfte, auch wenn Supermärkte nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Die Verkehrsanbindung über die Fondamente Nove ist gut und man kommt teilweise auch schnell zu Fuss an den Canal Grande bzw. an die Stationen am Becken von San Marco.

28. März 2009

Koloniale Mitbringsel 2 - die Mesopandítissa in Santa Maria della Salute


Venedigs zweite "nicht von (Menschen-)
hand gemachte", sprich "vom Hl. Lukas gemach-
te", ist die
Mesopandítissa in der Salute Kirche.

Sie ist nicht "schwarz", wie gerne behauptet wird, sondern einfach alt, wie auch die Nikopió in San Marco (siehe vorherigen Eintrag).
Auch sie stammt ursprünglich aus Konstantinoupolis und wurde während des Bilderstreits und vor der Eroberung der Stadt durch die Kreuzfahrer nach Kreta, damals Chandaka, gerettet. Sie wurde dort, wie die Odigítria in Konstantinoupolis, die zentral verehrte Ikone und hatte ihren Sitz in der Hauptkirche Agios Titus, in Wohngemeinschaft mit den Reliquien eben dieses Heiligen.


Ihr Name ist nicht so sinnfällig wie der der Nikopió/Siegbringerin. Im Prinzip tragen viele orthodoxe Marienikonen einen persönlichen Namen wie du und ich, und die, die keinen Eigennamen haben, gehören zu einer inhaltlichen "Gattung", der man sie zuordnen kann. (Die Mesopandítissa ist eine Odigítria, eine Wegweiserin.) Auf der Website der Pfarrgemeinde im heutigen Iraklion, zu der sie ursprünglich gehörte, wird der Name pragmatisch definiert als "Die zwischen Lichtmess und Fastenbeginn (ihren Feiertag hat)". Älter ist die Übertragung "Die zwischen den Parteien Vermittelnde, die Mediatorin". Die Wunderwirkung der Ikone der Mesopandítissa liegt nicht im Militärischen , wie die der Nikopió, sondern in der Aussöhnung Verfeindeter, mit legendären Belegen.
Besonders während des heiklen Agios-Minas-Aufstandes 1264 der anfänglich permanent gegen die venezianische Kolonisierung rebellierenden Kreter kam es zum Friedensschluss durch die aktive Intervention der Ikone.


Die Venezianer übernahmen die Verehrung der Kreter für die Ikone, deren dienstägliche und feiertägliche Prozessionen (die den Riten in Konstantinopel entsprachen) ausgedehnt wurden. Die Ikone wurde nicht mehr nur zwischen den orthodoxen Kirchen paradiert, sondern vor allem auch zu den lateinischen Kirchen und Klöstern innerhalb der Befestigungsmauern der Hauptstadt Candia.
Zur Teilnahme verpflichtet war nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der orthodoxe und der lateinische Klerus (letzterer sogar bei Strafandrohung). Die Prozession der Ikone wurde so zum wöchentlichen Hauptevent in Candia und wichtigen sozialen und religiösen Bindeglied zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Venezianer - Kreter. Die Mesopandítissa spielte sozusagen die Rolle der Garantin kolonialen Friedens und Harmonie auf der Insel Candia.


Als die Venezianer unter Francesco Morosini (siehe auch Eintrag vom 20.4.2008) nach langer Belagerung durch die Osmanen Candia 1669 aufgeben mussten und die Insel damit komplett in Feindeshände fiel, wurde die Mesopandítissa neben Menschen, Archiven und anderen Werten als Bestandteil des kolonialen Erbes nach Venedig gerettet. Ihre neue Kirche wartete bereits, Santa Maria della Salute.
Sie blieb und bleibt in Venedig, als Versicherung gegen die Pest, während die ebenfalls "geretteten" Reliquien des Hl. Titus immerhin 1966 zurück reisen durften.

Die Ikone wird, wie die Nikopió von San Marco, nicht mehr herumgeschleppt. Statt dessen kommt jährlich am 21. November die ganze Stadt - Bevölkerung, Honorationen, Ruderclubs, der Patriarch... zu Besuch, man hängt ihr ihren gesamten Gold- und Silberschmuck um, eine Brücke wird für drei Tage über den Canal Grande gebaut. (Siehe auch Eintrag vom 12.1.2008).

Ein verbindendes Fest,
ein ziemlicher Rummel. Aber vielleicht war das nicht viel anders, früher auf Kreta.


.

15. März 2009

Koloniale Mitbringsel 1 - die Nikopió in San Marco

Venedig ist voller "Beutekunst" - jahrhundertelang schleppten die Venezianer aus den Gegenden um das östliche Mittelmeer alles heran, was der Zierde und dem höheren Lob ihrer Stadt diente. Besonders in und um San Marco herum kann man großartige Funde und Einzelstücke bewundern, am besten mit Hilfe eines Opernguckers um Einzelheiten zu erkennen.


Die Ikone der Nikopió, (Παναγια Νικοποιο), die Venezianer nennen sie Nikopea wegen der weiblichen Endung, wird seit Jahrhun-
derten in Venedig unter den Schätzen von San Marco besonders verehrt.

Auf dem allgemeinen Rundgang durch San Marco vom Eingangsportal an der Westseite aus kann man sie kaum richtig wahrnehmen. Deshalb tritt man besser durch das Nordportal (das Gottesdienstportal) ein und ist in der Nordecke des Querschiffs direkt neben der Capella San Isidoro. Hier ist sie auf dem Altar die Ikone ausgestellt.
Samstags, wenn in San Marco geheiratet wird, machen die Bräute beim Auszug aus der Kirche alleine einen kleinen Schlenker und legen ihren Strauss (heutzutage eine für die Nikopió zusätzliche besorgte Version, der echte Brautstrauss muss natürlich mit zum Fotografen) auf den Altar.

Die Nikopió ist eines der vielen Beutestücke des 4. Kreuzzuges, bei dem Konstantinoupolis, die Hauptstadt des byzantinischen Kaiserreiches, von den Kreuzfahrern, angeführt von den Venezianern, erobert wurde. Sie war dort neben der berühmten Ikone der Odigitria die "wichtigste" Ikone, weil militärisch wundertätig gemäß ihres Namens "Siegmacherin", Siegbringerin. Die byzantinischen Kaiser ließen sie in Kriegen den Truppen voraustragen, die auf die Wunderkraft der Ikone vertrauend in den Kampf zogen, was sollten sie auch tun...
Da die Siegmacherin noch während der Belagerung Konstantinopels als "Geschenk" des künftigen Kaisers Alexius V. eingesackt werden konnte, waren die Venezianer wohl guter Hoffnung, wem mit Hilfe der Ikone die Siege künftig zufallen würden.

Die Ikone stammt aus dem 11. Jahrhundert und gehört zu den sogenannten "nicht von (Menschen-)hand gemachten" Ikonen, d. h. sie wird legendenmäßig der Künstlerhand des Apostels Lukas zugeschrieben. Rechnerisch ist das nicht drin, und die 'Beweisketten' aus späteren Jahrhunderten zur Unterstützung solcher Legenden beweisen vor allem die Bedeutung ihrer Funktion in den christlichen Kirchen dieser Zeit. Es gibt noch eine "Lukas"-Ikone in Venedig, über die ich ein anderes Mal berichten werde.

Die Ikone erreichte Venedig Anfang des 13. Jahrhunderts zusammen mit vielen anderen Schätzen aus Konstantinopel, wurde aber nie in der Schatzkammer von San Marco verstaut, sondern zunächst in der Sakristei ausgestellt, später zu besonderen Festen auf dem Hauptalter und sehr viel später fest installiert im Norden des Querschiffs. Weitere ungewöhnliche Hochachtung wurde ihr gezollt, in dem der Doge sie anläßlich von Festen speziell zum Gebet aufsuchte.

Die Venezianer übernahmen mit der Errichtung Ihrer Überseekolonien u. a. auch neue religiöse Rituale, als innen- und außenpolitsche Machtbelege. Die wöchentlichen Dienstagsprozessionen in Konstantinopel der Ikone der Odigitria, der berühmtesten "nicht von (Menschen-)hand" der orthodoxen Kirche, wurden umgesetzt in Prozessionen der Nikopió auf dem Markusplatz an Marienfeiertagen (z. B. 25.3. Verkündigung und Gründungstag der Republik Venedig, 15.8. Himmelfahrt der Maria) und Weihnachten.
Sie wurde aber auch zu anderen wichtigen Anlässen durch die Stadt paradiert, z. B. in Bittprozessionen gegen die häufigen Pestepidemien (z. B. 1630 an 15 aufeinander folgenden Samstagen), und sogar zur Baustelle der Salutekirche anläßlich der Grundsteinlegung dort.

Heute wird die Nikopió nicht mehr herumgetragen. Es gibt aber trotzdem, nach 800 Jahren, weiter jeden Sonntag eine Prozession zu ihren Ehren innerhalb San Marco. Zum Ende der Marienvesper, die im Hauptschiff gesungen wird, ziehen Priester und Gemeinde durch die Kathedrale mit Weihrauch und Gesang und beenden die Vesper in der Cappella San Isidoro vor der Ikone.
Auch für nicht Katholische oder sogar nicht Religiöse ist die Teilnahme ein beeindruckender Einblick in die religiösen Traditionen der Venezianer.


Zu diesem Thema gibt es ein hervorragendes, aber teures Buch: Maria Georgopoulou, Venice's Mediterranean Colonies. Immerhin gibt es davon eine 28seitige Leseprobe im Internet.






6. März 2009

Venedig im Coca Cola Stress?


Konzernfrei -
ästhetisch -
hoffentlich wirksam -
private Werbung in Venedig



Eigentlich wollte ich mich aus dem Coca Cola-Streit raushalten. Oder doch zumindest mit griechischer Gelassenheit abwarten, wie sich die Sache entwickelt.

Eine kleine Korrespondenz mit Peter Krakowizer von heute will ich reinstellen, damit das heiß umkämpfte Thema hier nicht übergangen wird:


Ich hätte da wieder einmal einen Beitrag für den Venedig-Blog, falls nicht eh schon bekannt:

Kein Ausverkauf Venedigs an Coca-Cola

Unter dem Druck heftiger Proteste beschloss Bürgermeister Massimo Cacciari, auf ein Angebot des Getränkeherstellers Coca Cola nun doch zu verzichten. Coca Cola hätt der Stadt in den nächsten fünf Jahren 2,1 Mill. an „Sponsorgeldern“ ausbezahlt. Im Gegenzug wollte der US-Konzern im gesamten Stadtgebiet Getränke- und Imbissaustomaten aufstellen. Nun meint Cacciari, das Angebot sei „als unzulänglich bewertet worden“. Nunmehr soll eine Ausschreibung folgen, die bessere Sponsorangebote bringen soll.

Die Stadtverwaltung hatte versichert, dass diese Automaten nur an jenen Orten aufgestellt werden hätten sollen, wo sie nicht allzu stark auffielen: etwa an Anlegestellen der Vaporetti. Auslöser des Protests waren Vertreter der Gastronomie, die um ihre eigenen Pfründe fürchteten.

Quelle: printmedium Salzburger Nachrichten 4. März 2009

Schöne Grüße
Peter

Guten Morgen Peter,
vielen Dank!

Ich habe das Coca-Cola-Trara verfolgt und noch nix dazu geschrieben, weil ich mir dachte, abwarten! Zuviel Geplärre! Es war sehr früh klar, dass die Coca-Cola-"Gegner" nicht gegen Coca-Cola-Automaten waren, sondern gegen die Verschleuderung der guten Geldquelle, es war von mindestes dem Doppelten die Rede, das Cacciari hätte rausschlagen sollen.

Es ist ausserdem so, dass ich zwar Venedig-Liebhaberin bin, aber keine Venedig-Romantikerin.
Heißt, die Stadt muss doch an der Zeit partizipieren und ihre Bürger und Besucher im notwendigen Umfang normal versorgen, solange Überflüssiges rausgelassen wird. Sonst gäbe es weder Vaporetti noch Strassenbeleuchtung. Und unter "Überflüssiges" würde ich noch nicht mal die potthässlichen Gerüstverkleidungen verstehen, die in den letzten Jahren überall zu sehen sind, denn die hängen da ein paar Jahre und sind dann wieder weg. Auf die lange venezianische Geschichte gesehen ein Nadelstich.

Die Cola-Automaten hätten angeblich keine Cola-Aufmachung gehabt (ich stelle mir vor: nicht dieses aggressive Rot mit dem Schriftzug), und wären nicht "überall in der Stadt", sondern da aufgestellt worden wo VIELE Leute sind, sonst rechnet sich die Sache ja nicht. Also an den Stellen, an denen es sowieso wimmelt von Touristenläden, Fressis etc., die ebenfalls als Geldquelle akzeptiert sind.
Ich bin die Letzte, die einem amerikanischen Großkonzern ein Ticket nach Venedig kaufen würde, (und trinke San Benedetto), aber wenn der sich ordentlich an der Finanzierung der Erhaltung dieser wunderbaren Stadt beteiligt ... und auf protzige Selbstdarstellung und Imagewerbung verzichtet!
Die Benachteiligung der lokalen kleinen Händler ist zwar problematisch, aber man sollte die erstmal hören, wenn die Steuer erhöht würde, um solche Sponsorverträge zu vermeiden.

Bist Du einverstanden, wenn ich diese kleine Korrespondenz unter Verlinkung auf Deine Website in mein Blog setze?

Zu ergänzen ist vielleicht noch, dass die Marketingagentur, die den Vertrag zwischen Coca Cola und der Comune Venezia eingefädelt hatte, dafür mit 400.000 € entlohnt werden sollte. Bei dem Preis ist der Vertrag von zweieinhalb Millionen dann wirklich kein Schnäppchen!

Entscheidend ist, die Kulturschätze zu erhalten, die bisher in Venedig die Zeit überdauert haben, mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Und sich für dieses Ziel Zimperlichkeiten und eitle Streitereien zu verkneifen.

Ich trauere um den Verlust des Historischen Archivs der Stadt Köln.


25. Februar 2009

Brücken in Arbeit

Ponte Donà in der Stahlklammer, August 2008 (rosa dahinter: Palazzo Donà)
Foto unbedingt vergößern!
Die große Brücke Ponte Donà über den Rio dei Gesuiti in Cannaregio zwischen den verschiedenen Anlegestellen der Vaporettostation Fondamente Nove ist schon seit 2007 in Reparatur. Die Brücke wurde von aussen geklammert und die ganze Treppe abgetragen und neu aufgebaut.

Ich übernachte normalerweise in dieser Gegend und habe als begeisterte Baustellenguckerin die Bauarbeiten zur Renovierung und Erhöhung der Fondamente beobachtet und fotografiert.

Restau-
rierung der rechten Seite des Ponte Donà, März 2007.

Linkes Foto Blick durch den Bauzaun von unten, rechtes Foto Blick durch den Bauzaun von der anderen Seite oben.

Ponte Donà im August 2008:
linkes Foto: die rechte Hälfte der Brücke ist fertig gestellt.
Rechtes Foto: Blick durch den Bauzaun auf die linke Hälfte, die jetzt in Arbeit ist.

Die Fondamente Nove sind neben Piazzale Roma und den Anlegestellen in der Nähe des Markusplatzes der dritte Hauptverkehrspunkt der Stadt. Hier kommen morgens Massen von Schülern an, alle Friedhofsbesucher, Touristen in die Laguna Nord nach Murano, Burano, Torcello, und Reisende vom und zum Flughafen werden hier durchgeschleust. Es gibt hier einen Ruheraum für die Vaporettofahrer der ACTV-Verkehrsbetriebe und zwei Restaurants direkt am Wasser, nicht zu vergessen die beliebte Pizza- und Eisbude an der Ecke der Calle dei Buranelli. Nach vier?? Jahren mit Engpässen und Staus wird diese schöne Ecke Venedigs in diesem Jahr hoffentlich baustellenfrei und in restaurierter Pracht ungehindert nutzbar für den Trubel an den Anlegestellen, Jogger, Friedhofsbesucher...

Die viel begangene Brücke Ponte dell' Accademia sollte laut Vorschlag der Comune Venezia ab 2007 restauriert werden, wofür zwei Jahre Bauzeit und über 2 Millionen Euro nötig gewesen wären. Zu teuer, wie nun entschieden wurde. Im Newsletter von Venice Word war zu lesen, dass es jetzt Pläne der Stadt gäbe, die Brücke neu bauen zu lassen, und zwar "ohne öffentliche Gelder auszugeben", sprich den Ersatz der Brücke sponsern zu lassen. Der Bau soll 4,5 Millionen kosten, die Bauzeit ebenfalls zwei Jahre dauern. Mehr kann ich darüber momentan nicht in Erfahrung bringen und bin entsprechend skeptisch.

Die Renovierung der beiden Brücken auf Torcello kommt dagegen gut voran. Ich verlinke den Blog Allogi Barbaria (des gleichnamigen kleinen Hotels in Castello), der über den Ponte del Diavolo berichtet (Achtung, englische Computerübersetzung!). Die zweite ist die Brücke kurz vor der Piazza, an der Locanda Cipriani. Von Mitte Januar an war der Weg entlang des Kanals noch einmal für 3 Wochen wegen der Gefahren für Fussgänger gesperrt, sollte inzwischen aber wieder begehbar sein.

Anlässlich der 53. Biennale wird demnächst eine neue Brücke gebaut, wie spannend! Sie soll von Castello in das neue Gelände innerhalb des Arsenales, genannt "Padiglione Italia" führen. Der neue Padiglione Italia, der letztes Jahr eröffnet wurde, wird erweitert um das bisher brach liegende Grüngelände Tese delle Vergini. Der neue Eingang ins Arsenale über die neue Brücke wird nach meiner Einschätzung am Rio delle Vergine liegen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass eine neue Brücke von der Insel San Pietro zum Arsenale geschlagen wird.

Unter Live Search Maps ('Venedig' als Suchadresse eingeben, ein direkter Link ist leider nicht möglich) kann man am östlichen Ausgang des Arsenales (unterhalb der beiden Türme) das Gelände gut einsehen, inkl. links davon die chinesichen Exponate der 51. Biennale 2005 auf der Wiese (Vogelperspektive anklicken!)

Die Tese delle Vergini sind Teile des Gartens des ehemaligen Frauenklosters Santa Maria delle Vergini. Vom Kloster selbst existiert nichts mehr ausser einem Bogen mit Madonna, Kind, S. Marco und S. Augustinus sowie einer Tafel von 1557, eingelassen in die Arsenaleaussenmauer (zu sehen s. o. am linken Ende der Arsenalemauer). Es war eines der Klöster, in denen zur Zeiten der Serenissima Upper-Class-Töchter entsorgt wurden, um die Aussteuer zu sparen und so den Familienbesitz zusammenzuhalten.
Es gibt über die Rolle der venezianischen Klöster ein ganz spannendes Buch, das ich wirklich sehr empfehle: "Die Jungfrauen von Venedig. Gebrochene Gelübde - das wahre Leben hinter Klostermauern". Leider ein überflüssig dämlicher Titel der deutschen Übersetzung für ein informatives Buch.



Der frühere Padiglione Italia (bis zur Biennale 2005) in den Giardini wird übrigens umgewidmet und umbenannt in "Padiglione delle Esposizioni" und soll künftig ganzjährig und nicht mehr nur zur Biennalezeiten für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden.

.

8. Februar 2009

Und wieder Torcello

Pfad zur Casa d'artista Lucio Andrich auf Torcello
Wer (noch) nicht die Casa d'artista Lucio Andrich besucht hat, das kleine Museum im ehemaligen Wohnhaus des Professors für Mosaizistik auf Torcello, kann jetzt im Internet einen Blick auf die Exponate werfen.
Hier gibt es einen Eindruck der wunderschönen Ausstellung "Seta, Terra e Aqua" (Seide, Erde und Wasser) im 2. Halbjahr 2005 in der Torre Massimiliana auf S. Erasmo.



Falls der Link unter Blogger nicht funktioniert, dann evtl. unter YouTube: http://youtu.be/4veaptpKm_Y


Darüber hinaus habe ich die erfreuliche Nachricht aus Torcello, dass das einfache, aber sehr persönliche B&B im Künstlerhaus seit Ende letzten Jahres wieder Gäste aufnimmt.
Paolo Andrich, Landschaftsplaner an der Universität Venedig, nutzt das Haus multifunktionell als Museum, ökologische Lehrfarm und kleines Gästehaus.


Blick vom Campanile auf die Casa d'artista
(Foto Paolo Andrich)

Hier im Künstler-
haus kann man umgeben
von Wasser und Artischockenfeldern einen ganz besonderen persönlichen Eindruck vom Leben in der nördlichen Lagune gewinnen.
Es gibt keine Website der Casa d'artista, Kontakt kann man aufnehmen über pandrich(at)yahoo.com, oder über einen Vermittler buchen.

Siehe auch meine weiteren Einträge zum Thema unter dem Label 'Insel'.

2. Februar 2009

Seit 1.2.09: Venedig online planen...









Ab 1. Februar wird es leichter sein, durch das „Venice Connected" Projekt einen Urlaub in Venedig zu organisieren: von der Webseite www.veniceconnected.com wird es nämlich möglich sein, Tickets der öffentlichen Dienste direkt online zu buchen und sogar günstiger zu kaufen. Hier die Liste der Dienste:


  • Verkehrsmittel in Venedig und Inseln
  • Wasserbote vom/zum Flughafen
  • Buslinie n.5 vom/zum Flughafen
  • Gebühr der Begrenzten Verkehrszonen der Touristenbusse (ZTL)
  • Stadtgarage bei Piazzale Roma
  • die Stadtmuseen
  • Öffentliche Toiletten
  • Ziviltrauungen im Rathaus
Um günstigere Tickets zu kaufen, muss die online Buchung 15 Tage vorher stattfinden und das neue "Venice Connected" Tarifsystem wird ab 16. Februar eingeführt. Es wird verschiedene Preise für Hoch, Mittel oder Vorsaison geben, die auf dem „Venice Connected" Kalender mit roten, blauen und grünen Tagen gekennzeichnet sein werden. Den Gästen, die online buchen werden, wird also einerseits die Möglichkeit gegeben, Geld zu sparen, und anderseits, das Tragbarkeitsniveau des eigenen Urlaubes im voraus zu kennen, um sich eventuell eine Urlaubszeit auszusuchen, wo die Stadt nicht so voll ist.
(Zitat)

Aktuell weit verbreitete schenkelklopfende Medienberichte über die neue venezianische "Pipi-Card" möchte ich mal ein bisschen abwiegeln. Nicht weil
ich den angepassten Urlaub gemütlich und gnadenlos vor- und durchgeplante Trips inspirierend finde. Im Gegenteil. Spontane Entscheidungen sind die Basis auch des gelungenen Venedig-Besuchs. Und Warteschlangen das pure Gift, wenn man nur ein paar Tage hat.

Aus Sicht der betrofffenen VenezianerInnen sind 12 Millionen Besucher pro Jahr in erster Linie ein Business, das geplant und strukuriert werden muss, und eine ökologische Herausforderung für eine Stadt, die permanent auf der Kante lebt und arbeitet. Also werden in den letzten Jahren Regeln verschärft ("kein Picknick auf dem Markusplatz" etc.), mit dem ÖPNV experimentiert (Linie 3, IMOB, ARGOS-Verkehrs-
überwachung, etc.), und mit Marketingmaßnahmen wie "venice connected" verstärkt die Touristenströme reguliert und verteilt.


Es ist deshalb kein schlechter Vorschlag, sich vor der Reise ein bisschen Zeit zu nehmen, "venice connected" zu prüfen und sich bedarfsweise gut zu informieren über Parkmöglichkeiten und -preise, ÖPNV und Dauerkartenangebote,
Events, Kommunikationsmöglichen und Services in der Stadt (wie eben die öffentlichen Toiletten). Vor allem für Dienste jenseits der Spontaneität kann man während des Urlaubs eine Menge Zeit und auch ein bisschen Geld sparen, wenn man sich vorher entsprechend online versorgt.

Und man schenkt sich manchen Kommunikationsfrust mit den vielen Servicekräften in Venedig, die Fremdsprachen wenn überhaupt nur rudimentär beherrschen, da die schlecht bezahlten Servicearbeitsplätze nun mal nicht mit hochqualifiziert polyglotten Kräften besetzt sind.
Nicht jeder Tourist spricht genügend italienisch, vor allem wenn er nur für ein paar Tage nach Venedig kommt, da hapert es mit der Kommunikation dann auf Gegenseitigkeit.

Ca' Rezzonica gesehen vom Palazzo Grassi







Und wenn wir schon über die "Pipi-Card" reden: falls sie nicht reicht, empfehle ich Museumsbesuche: fast alle Museen wie Rezzonico, Pesaro, Grassi, Guggenheim, Ca D'Oro etc. haben saubere Toiletten ohne lange Warteschlangen ausserhalb des Eintrittskartenbereiches. Heißt, selbst wenn man die Ausstellung eines Museums nicht besucht, kann man in den Eingangs-, Cafeteria-, Museumsshop- und Waschraumbereich, kostenlos.



.

23. Januar 2009

Gedicht



Virgilio Guidi











Venedig im Winter


Hast du Venedig im Winter gesehen?
Ein Flug von Möwen und ein tauber Himmel.
Kein Austausch von Stimmen und Atemzügen
und Tauben, versteckt oder verstört.
Diese Gefangene des Winters
erwartet hochmütig ihre Befreiung.


(Übers. ebb)

.

15. Januar 2009

Neues Jahr - besonderes Buch...


... denn auf meinen letzten Eintrag schickte mir der
marixverlag erfreulicher- und freundlicherweise seine neue Ausgabe "Die vier Bücher zur Architektur" von Andrea Palladio zu. Das Buch, das ich am 31.12. noch nicht in der Hand hatte! Die erste Auflage zur Herbstbuchmesse 08 war schon vor Weihnachten ausverkauft und seit dieser Woche gibt es die frischen Exemplare.




Der Band ist ein wahrer Prachtschinken, 32 x 25 cm, 348 Seiten, das Originalformat der Ausgabe von 1570 mit allen Texten und Holzschnitten, der im Bücherschrank viel Platz braucht und als Geschenk wirklich was hermacht.
Mein Eintrag vom 11.8.08 zum Inhalt der "Vier Bücher...":

Als Laie hält man zunächst respektvoll Abstand zu einem solchen Werk. Ganz falsch!
Ich war überrascht, wie gut sich dieses Buch lesen lässt, dank der schlichten Sprache Palladios, der Wert auf Verständlichkeit und Umsetzbarkeit legt und sehr klare Beobachtungen, Beschreibungen, Analysen,
Empfehlungen und Anweisungen formuliert jenseits jeder Geschwätzigkeit.
Alles wird genauestens mit Zeichnungen, Plänen, Grund- und Aufrissen erläutert und ist für den interessierten Nichtfachmann ohne Weiteres nachzuvollziehen.

Im ersten Buch erklärt Palladio die Grundsätze des Bauens - Materialien, klassische Bauordnungen, Proportionen, Maßstäbe und Geometrie.Im zweiten Buch beschäftigt er sich mit dem Bau von Privathäusern von der Antike bis zu seinen eigenen Bauten (inklusive geplanten Bauten, die nicht realisiert wurden). Das dritte Buch handelt vom Bau der Infrastruktur und von der Raumplanung - Strassen, Brücken, Plätzen.
Das vierte Buch beschreibt die von Palladio studierten antiken Tempel.

Die drei palladianischen Grundsätze, dass ein Gebäude unabdingbar nützlich, dauerhaft und schön sein müsse, lassen sich spannend und überzeugend in Texten und Abbildungen nachvollziehen. Die Lektüre Palladios ist einfach eine sehr angenehme und gleichzeitig lehrreiche Beschäftigung von nachhaltiger Wirkung. Ich jedenfalls kann seitdem kein Gebäude mehr ansehen, ohne seine Proportionen an palladianischen Ansprüchen zu messen und wundere mich über die Mengen unzweckmäßiger und unharmonischer Architektur, die mir begegnet.

Diese neue Ausgabe enthält darüber hinaus eine 11seitige Einleitung von Prof. Hans-Karl Lücke, der auch die neue Übersetzung verantwortet, die einen sozusagen ganzheitlichen Blick auf den Autor Palladio wirft. Lücke betrachtet und vergleicht den Inhalt und vor allem auch die Gestaltung des vierbändigen Werks im Bezug auf das Architektenwerk Palladios, was z. T. nicht ohne Fachbegriffe aus der Numerologie, Mathematik und Geometrie abgeht, die nicht zu meinem normalen Wortschatz und Verständnis gehören. Aber da mich Dergleichen nicht schreckt ist die Lektüre spannend und vertieft die Wahrnehmung dessen, was folgt.

Dank des Originalformats wird die Seitengestaltung erhalten: Text und dazugehörige Abbildungen auf der gleichen bzw. gegenüberliegenden Seite; zunächst das Faksimilie des Originaltextes, dann die zweispaltige Übersetzung, darunter die Grund- und Aufrisse der Gebäude und andere Abbildungen.
Der Originaltext ist nicht 'italienisch' im heutigen Sinne, sondern eher das Venezianische des 16. Jahrhunderts, das sich aber doch etwas 'frei schwebend' gut mit der Übersetzung vergleichen lässt. Zusätzlich zur Freude der Beschäftigung mit der Baukunst Palladios kommt bei dieser Ausgabe noch die Lust, mit seiner Sprache zu spielen. Die ja, wie oben erwähnt, einfach, klar und ungeschwätzig ist. (Die blumigen Lobpreisungen seiner Bauherren gehöre
n zum Geschäft oder zur Höflichkeit der Zeit...)

Die Neu-
veröffent-
lichung der "Vier Bücher" ist immerhin 25 Jahre nach der Beyer/
Schütte- Ausgabe fällig und zum 500. Geburtstag Palladios ein gut getimeter und sehr gelungener Wurf. Auch im für diese Leistung überzeugend günstigen Preis von 29,90.



Il Redentore von Andrea Palladio

.