10. März 2017

Biennale 2017 - Nebenausstellungen in der Stadt

2013, Nebenausstellung im Palazzo Contarini-Polignac
Einer der beiden Landeingänge des Palazzo
"Eventi collaterali", Nebenausstellungen, sind der Biennale angegliederte, ebenfalls temporäre Ausstellungen. Man erkennt sie am roten Biennale-Logo vor der Tür, so oder so ähnlich, etwas variabel für jede Biennale: 



Nicht alle temporären Ausstellungen in der Stadt zwischen dem 13.5. und dem 26.11. sind  offizielle Nebenausstellungen. Was dem Kunstgenuss aus meiner Sicht keinen Abbruch tut.  Aber Nichtoffizielle, also quasi Unabhängige, führen kein rotes Logo in ihrem Werbematerial, haben kein rotes Biennale-Hinweisschild vor der Tür und werden vor allem nicht im offiziellen Werbe- und Informationmaterial der Biennale aufgeführt werden. Ihre Laufzeit kann kurz sein, wenige Wochen oder Monate, und hier ausdrücklich erwähnt.  

Nebenausstellungen in der Stadt finden häufig in Gebäuden und Räumen statt, die an sich schon interessant sind, weil sie nur anlässlich einer solchen Vermietung für eine Ausstellung für das Publikum zugänglich sind und danach möglicherweise jahrelang oder überhaupt nicht mehr. Besispiele sind der Palazzo Soranzo van Axel, der Palazzo Papadopoli,  die Kirche San Lorenzo, der Palazzo Barbaro


2013, Nebenausstellung im damaligen Sitz der Fondazione Gervasuti
Handwerkerhof beim ponte S. Gioacchino in Castello
Weitere, noch unbekannte venezianische Gebäude kennenzulernen ist EIN Reiz für Venedig-Appassionati, das Zusammenspiel der alten Räume mit der ausgestellten Gegenwartskunst, teilweise spezifisch konzipiert, ist ein anderer. Diese Kombinationen sind nur einmal und unwiederholbar zu sehen. 

Aber auch offene Räume der Stadt erhalten durch Nebenausstellungen einen speziellen und einzigartigen neuen Aspekt, wie z. B. anlässlich der Archtikturbiennale 2014 der Campo vor S. Giorgio Maggiore durch "The sky over 9 columns" von Heinz Mack.


2013, Nebenausstellung an der Marina von S. Giorgio Maggiore

Im Stadtbild von 2017 erwarten wir "The Golden Tower", eine ca. 20 m hohe goldene Säule von James Lee Byars auf dem Campo S. Vio. Der Campo liegt vor dem Palazzo Cini der Nähe des Palazzo von Peggy Guggenheim und ist auch während der Vorbeifahrt auf dem Vaporetto gut vom Canal Grande aus zu sehen. 2.5.: ...daran kann kein Zweifel sein...! Haltestelle Accademia.

Lorenzo Quinn beteiligt sich wieder einmal mit Händen am Stadtbild, diesmal am Palazzo Sagredo, an der Haltestelle Ca' d'Oro. (Siehe auch Biennale 2011 "This is not a Game" vor S. Servolo.)

Carole Feuerman zeigt vom 13.5.-5.12. Bronzeskulpturen im kleinen (und leider übersehenen) Giardino della Marinaressa (der öffentliche Park links der Marinaressa-Gebäude) an der Riva dei 7 martiri. Über die Ausstellungsdauer an der zweiten Location, Restaurant/Hotel und Garten Venissa auf Mazzorbo gibt es keine Information und die Website der Venissa funktioniert derzeit nicht. Details werden nachgeliefert. Website der Künstlerin. Haltestellen: Arsenale/ Giardini, Mazzorbo (Garten der Venissa durch das kleine Mauertor direkt an der Haltestelle).

An der Fondamente Zattere, auf Höhe der Denkmaltafel für Joseph Brodsky, wird im Sommer eine Art Replik des Lenin-Mausoleums vom Mokauer roten Platz am Ufer schwimmen, Erinnung an die russische Revolution 1917. (Ich weiss nicht, ob Brodsky dieser Gebrauch seiner Lieblingsstätte begeistert hätte, aber ich denke, die Installation wird beeindruckend sein.) Haltestellen Zattere und Spirito Santo. (Nachtrag 8.4.: dieses Projekt wurde mittlerweile abgesagt mit der Absicht, es in den nächsten Jahren zu realisieren.)


2013, Nebenausstellung Marc Quinn im Squero auf  S. Giorgio Maggiore,
heute Auditorio "Lo Squero"

Schottland zeigt "Spite Your Face" der Filmkünstlerin Rachel Maclean in der ehemaligen Klosterkirche Santa Catarina. Die Kirche ist Teil einer Mädchenschule und war viele Jahre nicht zugänglich, zur Kunstbiennale 2015 wurde sie zum ersten Mal für eine quasi unbeleuchtete Ausstellung vermietet, zur Architekturbiennale 2016 wieder, ein bisschen aufpoliert (aber keineswegs renoviert) und mit etwas Licht versehen. Maclean schafft Werke eigens für diesen Raum. Der dunkle Kirchenraum hat eine ungewöhnliche und sehr spezifische Stimmung. Man sollte jede Gelegenheit nutzen, sie zu erfahren.
Und: es gibt wieder schottische Student*innen/Praktikant*innen, die immer mit großer Freundlichkeit zu Gesprächen über Kunst, Gott und die Welt aufgelegt sind. Mehr zu den 3 britischen Ausstellungen. Haltestelle Fondamente Nove und Ca' d'Oro.


Der Künstler James Richards vertritt Wales, das wieder in der ehemaligen Kirche S. Maria Ausiliatrice ausstellt. Mehr dazu. Wales neigt zu Filmbeiträgen, weshalb der sehr schöne Altar, vor allem das Relief unter dem Altartisch, normalerweise im Dunkeln nicht zu sehen ist. Dem wird hier abgeholfen (und die folgenden Filme der letzten Ausstellungen sind ebenfalls interessant zu sehen). Die Kirche ist Teil eines ehemaligen Klosters, das heute als Wohnheim für Studierende (nicht zugänglich) und als Ludothek genutzt wird und stark umgestaltet wurde. Einen Teil des 2. Kreuzgangs kann man 'hintenrum' durch den Eingang zur Ludothek sehen. Mehr zu den 3 britischen Ausstellungen. Haltestelle Arsenale und Giardini.

Nur über die Brücke, an der Fondamenta S. Ana, wird es ganz kurz ein poetisches kleines Projekt geben, wer es erfahren will, muss früh dabei sein: "Univers" vom 8.-14.5., täglich 12-22 Uhr. Flavio Favelli macht einen schönen kleinen Laden um des Ladens willen, und verkauft ein paar Dinge... mehr zum Künstler.

Im von mir hochgeschätzten Palazzo Grimani wird während der gesamten Biennaledauer eine biennaleunabhängige Ausstellung "Evocative Surfaces" der Künstlerin Beverly Barkat zu sehen sein. Mehr dazu. Der Palazzo Grimani ist immer jeden wiederholten Besuch wert, und kann immer jederzeit besucht werden. Was kann ich noch sagen! Diese Ausstellung ist quasi eine Zugabe zum geringen Museumseintritt von 4 €. Haltestelle S. Zaccaria.

Die Fondazione Querini Stampalia, direkt um die Ecke, zeigt zwei offizielle Nebenausstellungen. Im Wassergeschoss (Bereich Scarpa) und im Piano nobile gibt es vom 10.5.-24.10. Einzelausstellungen von Giovanni Anselmo und Elisabetta di Maggio. Mehr dazu. Im Museumseintritt enthalten. Haltestelle S. Zaccaria.


2013, Nebenausstellung Ai Wei Wei "Disposition"
in Gebäude der Zitelle, Giudecca

Ein sehr beeindruckender Ausstellungsraum ist der Palazzo delle Prigioni (die neuen Gefängnisse), der durch die "Seufzerbrücke" mit dem Palazzo Ducale verbunden ist. Hier stellt Taiwan aus, von 1995-2000 als Nation, durch den neuen Status in Bezug auf die VR China wurde der nationale Pavillon 'herabgestuft' auf eine Nebenausstellung, was bisher weder die Qualität der Kunst noch die der Location gemindert hat. Taiwan zeigt unter dem Titel "Doing Time" Werke von Tehching Hsieh. Mehr dazu. Noch mehr dazu.
Die Ausstellungsräume befinden sich im Obergeschoss, in den ehemaligen Amtsräumen der "Signori di notte", mit mächtigen und hohen Mauern, Wappen und Ritzgraffitti. Aus dem Treppenhof Ausblick in den Innenhof der neuen Gefängnisse. Die Zellen im Wassergeschoss kann man nur mit dem Rundgang durch den Dogenpalast, nach der Überquerung der 'Seufzerbrücke', besuchen. Unbedingt sehenswert. Haltestelle San Marco/San Zaccaria.


Der Piano nobile des Palazzo Michiel del brusà am Canal Grande wird vermietet an die Ausstellung Venice Design 2017. Mehr zum Palazzo, 1774 abgebrannt (daher der Name del brusà), Stammsitz der Familie Michiel, die der Serenissima 3 Dogen schenkte: Vitale I, Domenico und Vitale II. Räume und Balkonaussicht der Ausstellung sind sehenswert, aber besonders gefällt mir die Atmosphäre und Aussicht in der niedrigen Halle im Parterre zum Canal Grande mit ihrem schönen Brunnenkopf. Ideal für eine kontemplative Pause. Eingang von der Strada nova. Haltestelle Ca' d'Oro.


Das unabhängige Projekt "NSK State Pavilion" sitzt in der Ca' Tron am Canal Grande, einem der Gebäude der Universität IUAV. NSK ist die Abkürzung für 'Neue Slovenische Kunst' und steht für einen fiktiven Staat, gegründet von Künstler*innen 1992 mit derzeit rund 15.000 Bürger*innen. Das Biennaleprojekt wird von ca. 200 Beteiligten betrieben und bietet u. a. ein Kunstseminar für venezianische Student*innen. Die öffentliche eine Einführungsvorlesung "The Final Countdown: Europe in the Valley of Decision" hält Slavoj Zizek am 11.5. um 17 Uhr in der Aula Magna der IUAV Tolentini. 3.5.: Interview mit Ahmet Ögüt. Die Ca' Tron hat einen sehenswerten alten Garten, um den sich leider nicht genug gekümmert wird. Haltestelle Ca' Tron: San Stae. Haltestelle Tolentini: Piazzale Roma, Ferrovia.  


Glasstress ist seit über 10 Jahren eine der sehr beeindruckenden Nebenausstellungen der Biennale und findet regulär im Palazzo Cavalli Franchetti am S. Marco-Ufer der Accademiabrücke statt. Details zur Ausstellung 2017.
Als Nebenevent zeigt Glasstress das Projekt "The Unplayed Notes Factory" auf der Insel Murano, auf dem Campiello della pescheria. Ein seit 60 Jahren geschlossener Glasofen wird reaktiviert, quasi die Produktion als Performance wieder aufgenommen. 27 Künstler*innen und (wie viele?) Glasfacharbeiter kooperieren in diesem Projekt. 24.4. mehr zu Glashandwerk und -kunst auf Murano. Haltestellen Murano Colonna, Murano Da Mula.

2013, Oratorio S. Ludovico
Vom Oratorio San Ludovico stehen nur noch die Außenmauern und das Dach. Der Raum enthält nichts mehr von seiner ehemaligen Ausstattung (na gut, ein Altarrahmen!) und ist eigentlich so schlicht, dass man fast erschrickt. Trotzdem ist das ehemalige Oratorio geeignet für kleine Ausstellungen und wird jährlich genutzt. Vom 13.5.-1.8. findet hier eine Phase des Langzeitprojekts "One Million Years" des Künstlers On Kawara statt. Ergänzung 29.3.: man kann sich als Vorleser*in eines 1-2 Stunden Abschnitts bewerben, die Sache ist allerdings nicht ohne: Siebenhundertachtundvierzigtausendzweihundertachtundneunzig vor Christus... auf englisch...
(Das Oratorio San Ludovico ist einer der Schauplätze des Venedig-Romans von Salley Vickers "Miss Garnet und der Engel von Venedig.)
Haltestelle S. Basilio, in einer Sackgasse, die rechts von der Fondamenta S. Sebastiano abgeht.

Die Schneckentreppe des gleichnamigen Palazzo Contarini del Bovolo ist Ausstellungsort von "Magnetfeld - Werke 1977-2017" von Pablo Echaurren. Achtung: Eintrittskarte für die Treppe muss gekauft, Mittagspause beachtet werden (Öffnungszeiten 10-13:30, 14-18 Uhr). Haltestelle Rialto.

Ein unabhängies Projekt - die Videoinstallation "Rio Grande" von Yuri Ancarani ist im Caffè Florian vom 11.5.-10.9. zu sehen. Das Florian ist zwar immer ein gastfreundlicher Ort und auch von außen gut zu besichtigen, aber vielleicht will man sich zu solcher Gelegenheit mal einen richtig teuren Kaffee gönnen. Mehr zum Künstler und seinen Filmen.


2013, Nebenausstellung "Alice Lapper Pregnant" von Marc Quinn
Campo S. Giorgio Maggiore
Der Future Generation Art Prize ist kein Teil der Biennale, die Gewinner*innen des jährlichen Wettbewerbs des PinchukArtCenters und der Victor Pinchuk Foundation werden aber jeweils als offizielle Nebenausstellung in einem exquisiten Palazzo am Canal Grande ausgestellt.
In diesem Jahr ist dies wieder der Palazzo Contarini Polignac neben der Accademiabrücke, ein unbedingt sehenswerter Bau der Frührenaissance mit Innenhof und schönen Details wie z. B. einem Halbmezzanin in der rechten Gebäudehälfte. Mehr zum Palazzo und seiner ehemaligen Bewohnerin Winetta Singer.
Das Gebäude ist z. T. bewohnt, aber auch venezianisches Büro von SAVE VENICE und der Rosand Bibliothek und wird jeweils nur kurzfristig für Ausstellungen und Veranstaltungen vermietet.
Eine interessante politische Meinung zu Victor Pinchuk aus der SZ vom 4.1.17.
Ergänzung 18.3.: Gewinner des Future Generation Art Prize 2017. Ergänzung 20.4. aktuelle Pressemitteilung.

Nur vom 8.-28.6. gibt es im Palazzo Ca' Nova (den ich bisher nicht kenne) eine Einzelausstellung ausem Archiv der amerikanischen Künstlerin Carol Rama: "Spazio anche più che tempo" - Raum sogar mehr als Zeit. Ich habe keine Vorstellung, ob die Räume dieses Gebäudes interessant sind, ausprobieren! Corte Barozzi zwischen den vielen Hotels am Ausgang des Canal Grande, Haltestelle Vallaresso und dann links halten.

Nicht weit entfernt zeigt der Kunstraum Louis Vuitton Pierre Huyghe mit der künstlerischen Bearbeitung einer Antarktisreise. Mehr dazu. Kostenlos. Dem Kunstraum (Fahrstuhl in die 3. Etage unter Umgehung der Verkaufsräume) ist ein Bookshop mit extrem bequemen Sitzgelegenheiten angeschlossen. Siehe auch Eintrag "Eine Dosis Kunst en passant." Haltestelle Vallaresso.

Unbedingt interessant ist der Palazzo Pisani am Campo S. Stefano, Sitz des Konservatoriums Benedetto Marcello. Verschiedene Räume des Komplexes mit den beiden Innenhöfen werden seit Jahren der Biennale für National- und Nebenausstellungen vermietet. In diesem Jahr die Nebenausstellung "Body and Soul. Performance Art - Past and Present". Es gibt an den Previewtagen (also vor der Eröffnung für das Publikum) Live Performances. Am 10.5. 17-19 Uhr, am 11. und 12. 5. 14-19 Uhr, keine Informationen über die Räume. 
Ergänzung 9.5.: "Behind the Curtain" von Liang Yuanwei ist eine unabhängige Ausstellung im Palazzo Pisani, 1. Etage. Nur vom 12.5.-18.8.
Während der ganzen Biennalelaufzeit, aber ebenfalls unabhängig, sind Werke von Lina Condes mit Titel "Extraterrestial Odyssey" zu sehen.
Haltestelle Accademia.




2013, Nebenausstellungsräume im Palazzo Michiel del brusà am Canal Grande
Nebenausstellungen im Bereich des Arsenale Nord sind zwar nicht das, was ich eigentlich mit "in der Stadt" meine, aber sie liegen außerhalb des Biennalegeländes und sind auch nicht vom offiziellen kostenpflichtigen Biennalegelände aus zu erreichen. Und sie sind kostenlos. 
Im HyperPavilion in einer der Hallen des Arsenale Novissimo werden auf 3000 m2 Kurzfilme digitaler Kunst gezeigt. Das kann sehr beeindruckend sein (aber auch öde). WebsiteMehr und noch mehr dazu. Und Haltestelle Bacini Linien 4.1-2, 5.1-2.

Wenige Schritte entfernt, im Skupturengarten der Firma Thetis, findet ein Ausstellungsprojekt der "School for Curatorial Studies Venice" extrem kurzfristig nur vom 6.-13.5. statt. "Command Alternative Escape" ist quasi die Abschlussarbeit eines Kurator*innenkurses. Mehr dazu. Und noch mehr. Der Besuch des Thetis-Gartens (der grün und rot gepunktete Bereich auf der Karte) ist sehr zu empfehlen, im Eingangsbereich gibt es eine Informationstafel zu den dauerhaft dort ausgestellten Kunstwerken und der Flora des Gartens. Haltestelle Bacini. 

Im Palazzo Mora an der Strada Nova in Cannaregio findet wieder die Nebenausstellung "Personal Structures" der niederländischen GAA Foundation statt. (Vorsicht mit der offiziellen Website: die Fotos zeigen nicht den Palazzo Mora.) GAA organisiert jährliche Gruppenausstellungen unter Kostenbeteiligung (12.000 €) der ausstellenden Künstler*innen.
Das mehrstöckige Doppelgebäude ist unbewohnt und wird vom Vorgarten bis unters Ziegeldach für Ausstellungen genutzt, die Verschiedenartigkeit der Räumlichkeiten sind an sich schon ein Abenteuer.
Über einzelne Teilnehmer*innen der Sammelausstellung habe ich bisher foglende Informationen:
Sara AL Haddad und Anna Friemoth
Manfred Kielnhofer KILI und nochmal 20.3.
Jane Fulton Alt
Susanna Andreini
Marcello Martinez-Vega
Anna Friemoth
Roger Andrews
Ariela Wertheimer
Carla Bordini Bellandi
Patricia McKenna
Chu Chih-Khan
Ulrich Schweiger

Die zweite Location von "Personal Structures" ist wieder der Piano Nobile des Palazzo Bembo mit seiner wunderbaren Fassade am Rialto. Andere Etagen des Hauses werden als Hotel genutzt, die Ausstellungsräume enthalten leider kaum noch Teile alter Ausstattung (z. B. einen schönen Terrazzoboden). Aber man hat vom Balkon einen interessanten Blick auf das Gewühl und den enormen Verkehr an der Rialtobrücke. Details zum Gebäude
Zu den Teilnehmer*innen der Gruppenausstellungen habe ich bisher folgende Details:
Paul David Redfern
Christine Dixie
Sam Havadtoy
Marcello Martinez-Vega
Francesca Beltran
Es gibt darüber hinaus im Rahmen von "Personal Structures" eine Sammelausstellung lateinamerikanischer Künstler*innen: "New Voices from Latin America". 

2013, Nebenausstellung  von Antonio Nocera "I libri d'acqua"
im Kreuzgang des ehemaligen Klosters S, Nicolò, Lido
Auch im Palazzo Corner Spinelli finden zwei Gruppenausstellungen (vom 9.5.-8.8. und vom 1.9.-8.11. statt, veranstaltet von der Schweizer NGO Kulturinstitution Arte Ponte. Über diese Ausstellungen konnte ich bisher keine Details in Erfahrung bringen. Details zum Palazzo, der Sitz der Seidenmanufaktur Rubelli und im Besitz der Familie Rubelli ist. (Traditionsstoffe von Rubelli liegen zur Besichtigung über den Brüstungen des Fondaco dei Tedeschi.) Ich war noch nie in diesem Haus und bin sehr gespannt. Haltestelle S. Angelo.

Eine weitere Gruppenausstellung gibt es im Palazzo Pisani bei S. Marina (von dessen Fenstern man einen tollen Blick auf den jahrelang renovierten Palazzo Soranzo van Axel hat). Die Sache nennt sich Diaspora Pavilion, ein etwas rätselhafter Titel - Diaspora ist griechisch für "Aufspaltung", und es gibt eine quasi religiöse Bedeutung des Wortes; in diesem Fall scheint es sich um junge Künstler*innen zu handeln, deren Auftritt von Mentoren betreut wird.
Ich habe in diesem Haus schon Ausstellungen in der Eingangshalle gesehen; immer aber wird das oberste Stockwerk vermietet, was eine Menge steiler Treppen bedeutet (und eben den schönen Ausblick), nichts für Menschen mit Gehbehinderung. Eine Gruppenausstellung kann eigentlich nur oben untergebracht sein. Am 30.3.: noch was dazu.  Haltestelle Rialto und Ospedale.

Ein Haus, das zum ersten Mal für eine Ausstellung geöffnet ist: die Palazzina Canonica an der Riva dei sette martiri, dem früheren Sitz des Instituts für Meereswissenschaft (CNR-ISMAR), jetzt im Arsenale. Die Palazzina ließ sich der Künstler Pietro Canonica 1911 als Privathaus bauen. Das Filmprojekt von Shezad Dawood heißt "Leviathan", gezeigt werden 3 Teile einer 10teiligen Filmserie. Mehr dazu. 7.5.: Ausführlicher Artikel dazu im Guardian.


Catalonien hat seine Nebenausstellung wieder auf der Insel S. Pietro di Castello, in den ehemaligen Bootswerften beim Rio di Quintavalle. Ein funktional renoviertes Gebäude, aber in schöner Umgebung, Titel "La Venezia che non si vede" - Das unsichtbare Venedig. Nach der Beschreibung ist eine spannende Sache zu erwarten mit non-viusellen und akkustischen und taktilen Erfahrungen inkl. einer BlindWiki app und (möglicherweise) einer Bootstour. 15.4.: Ausführlich mehr dazu. Haltestelle S. Pietro. 

Auch in den Bootswerften auf S. Pietro di Castello gibt es vom 13.5. bis 25.9. die biennaleunabhängige Ausstellung "Islands in the Stream" im "Alamak! Pavilion". Lassen wir uns überraschen, denn die schwurbelige Beschreibung überlässt uns der Ahnungslosigkeit. Website Alamak! Haltestelle S. Pietro di Castello.


2015, Nebenausstellung Doug Argue
im Palazzo Contarini Polignac
Das Museum Correr am Markusplatz zeigt in der Nebenausstellung "The Home of my Eyes" Fotos und Filme von Shirin Neshat. In der 3. Etage (schöner Blick über die Giardini Reali und das Bacino auf S. Giorgio Maggiore), eine Eintrittskarte für das Museum muss gekauft werden, sonst kommt man da nicht hin. Quasi eine Zugabe zum Besuch des Correr. 

Auf der Insel Giudecca gibt es neben (wenigen) Nationalausstellungen auch wieder kollaterale Aktivität im Komplex des ehemaligen Klosters SS. Cosmas e Damiano: den Research Pavillon in Fortsetzung des gleichnamigen Projekts von 2015 mit 3 aufeinander folgenden Kurzausstellungen und weiteren Veranstaltungen, hier mehr dazu

Die Insel S. Giorgio Maggiore wird jährlich mehr zu einem Sammelpunkt von Kunst - bildender Kunst und Musik, aber auch Literatur und darstellender Kunst. Und da es viele Aussen- und Innenräume gibt, können auf der Insel gleichzeitig sehr verschiedene Erfahrungen gemacht werden.
Als Nebenausstellung der Biennale gibt es vom 13.5.-13.8. "Yesterday/ Today/ Tomorrow", Verfolgbarkeit ist Glaubwürdigkeit. Werke von geflüchteten Menschen, besonders Kindern, konzipiert von Bryan McCormack. Diese Ausstellung scheint Eintritt (10,-/8,- €) zu kosten.

Eine Einzelausstellung gilt Alighiero Boetti in einer der vielen Ausstellungsräumlichkeiten der Fondazione Cini: "Minimum/Maximum" 12.5.-12-7.. Mehr dazu
Auch in der Kirche S. Giorgio Maggiore selbst gibt es eine Nebenausstellung, über die ich leider noch keine Details weiss: Michelangelo Pistoletto. Es wäre nicht sein erster Biennaleauftritt und es ist zu hoffen, dass er in S.G.M. nicht das hier macht.
Vom 12.5.-27.8. zeigt die Faurschou Foundation Werke von Robert Rauschenberg und Andy Warhol: "Us Silkscreeners...". Wow. Gelegenheit! Mehr dazu.
Auf S. Giorgio stellt sich vom 12.5.-27.8. ein weiteres Projekt der Farschou Fondation vor: "Khora Contemporary" mit werken von Paul McCarthy und Christian Lemmerz
Im Aussenbereich der Stanze del Vetro, an der Stelle des leider geschlossenen Mondrian Tea House, gibt es eine  neue Installation "Qwalala" von Pae WhiteMehr dazu. Ich bin sehr gespannt.
Haltestelle S. Giorgio.

In der Ca' Dandolo am Canal Grande ist die Einzelausstellung "The Court of Redonda" von Stephen Cambers zu sehen. Gebäude in C-Form aus dem 17. JH mit kleinem Innenhof direkt an der Haltestelle S. Tomà.


2015, Nebenausstellung Sean Scully
im Palazzo Falier
Hong Kong gehört zu den Nebenausstellungen und hat seit Jahren seinen Sitz gegenüber dem Haupteingang des Arsenale. Ein schlichtes Gebäude, unergiebig für site specificity. Hier ist Samson Young, Künstler und Komponist, zu sehen und zu hören mit seinem sehr spezifischen und spannenden Projekt "Songs for Disaster Relief". Noch was dazu. (Und er nimmt auch an der Dokumenta 14 teil.) Haltestelle Arsenale.

Macao stellt, ebenfalls als Nebenausstellung, wie immer in der Etage über Hong Kong aus, aber mit separatem Eingang und Außentreppe in die erste Etage. Gezeigt werden Werke von James Wong Cheng Pou "A Bonsai of my Dreams". Mehr dazu. Offizielles dazu.

Die Schweiz beteiligt sich wieder (neben dem Pavillon in den Giardini) mit Nebenausstellungen und -veranstaltungen unter dem schönen Titel "Ataraxia", griechisch: Gelassenheit. Im Palazzo Trevisan degli Ulivi (Sitz der Stiftung Pro Helvetia und Schweizer Konsulat) am Campo S. Agnese. Termine sind der 11.5., 31.8-2.9., 19.-21.10., 23.-25.11.. Programm habe ich noch nicht, wird gelassen abgewartet und dann ergänzt. Haltestelle Zattere und Accademia. 

Palazzo Bollani, in der Pietà-Nachbarschaft direkt hinter der Riva, füllt seine Räume zu jeder Kunstbiennale mit einer interessanten Ausstellung, in diesem Jahr einer von der Stiftung Starak veranstalteten Einzelausstellung des 2006 verstorbenen Künstlers Riszard Winiarski. Sehenswert neben der Kunst sind nicht nur die Räume und der Blick auf den Rio della Pietà und den gegenüberliegenden gotischen Palazzo, sondern auch auf die Spolien an den Fassaden im kleinen Corte Bollani.

Im Komplex des Palazzo Zenobio (das sind Palazzo, Bibliotheksgebäude, Garten und Waschhaus) gab es in den letzten 10 Jahren viele Ausstellungen verschiedenster Arten. Dann einen Aussetzer, aber jetzt zum Glück wieder! 13.5.-30.9. das Gesamtkunstwerk "Birdman and the New Generation" der Künstler Marco Agostinelli und Emanuel Dimas de Melo Pimenta. Von der Kunst lasse ich mich überraschen, auf viele offene Räume im Haus hoffe ich, der große Garten, normalerweise verschlossen wie das Haus, ist auf jeden Fall eine Gelegenheit und den Besuch wert. 


2015, Nebenausstellung Louise Manzon
im Treppenhaus des ehemaligen Kloster S. Giorgio Maggiore
In der Ca' Faccanon, links neben der Kirche S. Salvador, gibt es die Sammelausstellung "Modus" - keine weiteren Informationen dazu, bisher. Im Wassergeschoss hat die venezianische Hauptpost ihren Sitz seit sie aus dem Fondaco dei Tedeschi auszog. Die Ausstellung müsste also in den oberen Etagen sein, die ich noch nicht kenne. Also auf jeden Fall interessant. 

Nicht weit entfernt vom Campo S. Salvador, aber am Ufer des Canal Grande, gibt eine Einzelausstellung des Künstlers Fernando Zóbel de Ayala "Contrapuntos", veranstaltet von der Stiftung Ayala. Im ehemaligen Warenlager Fondaco Marcello gibt es praktisch zu jeder Biennale eine Ausstellung. Interessant das Dachgestühl und die Aussicht auf die gegenüber liegenden Palazzi. An dieser Stelle gibt es einen der 3 noch erhaltenen Gondeltraghetti über den Canal Grande. Haltestelle S. Angelo.

Der enorm vielseitige Künstler und Selbstvermarkter Jan Fabre stellt immer wieder seine z. T. sehr raumgreifenden Werke kollateral aus, teilweise in spektakulären Räumlichkeiten wie der Scuola Grande della Misericordia. In diesem Jahr zeigt er "Glass and Bone". Skulpturen 1977-2017, ebenfalls am Canal Grande, in der ehemaligen Abbazia S. Gregorio neben der Salute. Das Gebäude stand Jahrzehnte unbewohnt, und wird nach seiner Restaurierung hin und wieder für Ausstellungen genutzt. Ich bin sehr neugierig, 40 Jahre Jan Fabre versammelt zu sehen, das kann gut sein, muss aber nicht. 2.5.: Mehr dazu.
Vielleicht gibt es auch wieder ein Restaurant hier, wie 2015? Der Besuch des Gebäudes/Kreuzgangs wird unbedingt empfohlen, auch wenn bisher nicht jede Ausstellung überzeugt hat. 


Ein etwas rätselhaftes Projekt  Empire II wird es an der Riva dei 7 Martiri, Hausnummer 1610, geben. Filmprojektionen (und Weiteres?) zu Themen, auf die man spontan so richtig Lust hat: 
climate change, politics of attrition, immigration, narcissism, sex, loss, despair, loss of identity, addiction, violence, false economics, digital rape, cyber crime, space travel, pollution, death and consumerism, all coexisting amongst many concurrent themes...
Ächz, aber vielleicht ja auch überwältigend gut? Ich werden hingehen und berichten. Haltestelle Arsenale/Giardini.

Das Haus, auf das ich am meisten gespannt bin, ist der Palazzo Soranzo van Axel. Dort zeigt das Pushkin Museum Moskau eine Gruppenausstellung nicht nur russischer Künstler*innen mit dem Titel "Man as Bird. Images of Journeys". 2.5.: Mehr dazu auf e-flux. Das alleine wäre ja schon enorm interessant. Interessant ist aber auch, dass das Gebäude nach über 5jähriger Renovierung und dem internationalen Verkaufsangebot von Luxusappartments offensichtlich Leerstände hat, sonst gäbe es dort keine Ausstellung. Ich durfte das Haus 2007 unmittelbar vor der Renovierung sehen, als Mexico dort ausstellte - und am spannendsten ist für mich, vielleicht einige Ergebnisse der Renovierung (auch hier) zu sehen. (Siehe auch Eintrag "Wenn das Gerüst fällt..."). Nur 13.5.-5.9.! Haltestellen Fondamente Nove und Rialto.  


2015, Nebenausstellung "Telluria"
im Palazzo Contarini degli Scrigni

Letzte Ergänzungen dieses Eintrags am 9.5.:

In (im Mai) und an (am 12./13.5.) der Ev.Luth. Kirche am Campo SS. Apostoli zeigt Philipp Geist Lichtinstallationen. Seine Arbeit war in der letzten Sylvesternacht auf der Kölner Domplatte zu sehen, quasi als Bannung der bösen Geister der vorletzten Kölner Sylvesternacht. Mehr dazu. Das ist eine biennaleunabhängige Ausstellung.

Ebenfalls biennaleunabhängig ist "Fatalità" vom Laura Rambelli im Künstlerhaus und -garten Casa Andrich auf Torcello, über das ich schon öfter berichtet habe. Auf dem Weg zum Inselzentrum mitten im Grünen links in den Pfad abbiegen, man kann sich nicht verlaufen. Blog von Paolo Andrich, Besitzer der ererbten Casa d'artista.

Das Antarctica Project ist wieder dabei als offizielle Nebenausstellung vom 12.5.-31.7. im Palazzo Molin an den Zattere. Haltestelle S. Basilio.


9.5.-9.7. und biennaleunabhängig ist "Elements - From Shape to Space" eine Videoausstellung, die im 'Archiv der Misericordia' zu sehen ist. Das ist nach meiner Meinung die alte Scuola della Misercordia, die noch nie für eine Ausstellung geöffnet war und anscheinend renoviert wurde. Obwohl davon erstaunlicherweise nichts zu sehen war (??). Man hätte es bemerken müssen, denn im Zuge der Renovierung und Wiedereröffnung der Scuola Grande della Misericordia und der Biennalenutzung der geschlossenen Kirche Santa Maria Valverde hätte man das eigentlich mitbekommen müssen. Haltestelle Ca' d'Oro.

Die kubanische Künstlerin Susana Pilar Delahanta Martienzo zeigt ihre Arbeit in den Räumen des ICI (auch 'il magazzino del caffè' genannt) unter dem Titel "Un Chino Di Paso Por Venecia, Camino A Cuba". Die Ausstellung interessiert mich, aber die niedrigen Räume selbst, im Parterre einer anscheinend ehemaligen kleinen Werkstatt, sind nicht sehenswert.

Im Palazzo Tiepolo Passi ist "The Beauty and the Beast" von Judy Harvest zu sehen. 2013 stellte Judy Harvest ihr großartiges Bienenprojekt vor, das mich sehr überzeugte. 2015 ihre gläsernen Kuschelkissen. Der Palazzo Tiepolo Passi ist sehenswert. Nicht zu verwechseln mit dem Palazzo Tiepolo daneben! Haltestelle S. Tomà und dann nicht ganz leicht zu finden in den Gassen hinter dem Canal Grande. 

Der Pavillon der Menschheit 'Pavilion of Humanity' stellt in diesem Jahr "Objection" der Künstlerinnen Michal Cole und Ekin Onat aus. Mehr dazu. In der Casetta Rosa am Campo S. Vidal, ein Haus, das ich bisher nicht kenne. Haltestelle Accademia.

Im Kreuzgang von S. Francesco della Vigna (oder vielleicht sogar in beiden?) gibt es quasi eine offizielle Geburtstagsausstellung für den Professore Vittorio Sgarbi. Nur 8.5.-17.6. "Pro Biennale 2017". Ich werde berichten.

Erfreuliche Gelegenheit, vom 10.5.-31.7. den sehr sehenswerten Palazzo Benzon am Canal Grande wieder zu besuchen. Die unabhängige Ausstellung "Woven Forms" zeigt nepalesische und indische Teppiche. Haltestelle S. Angelo.



Alle bisherigen Einträge zur Kunstbiennale 2017



Ich biete BEGLEITUNGEN in Venedig an, auch zu den vielen Einzelausstellungen - national oder kollateral - die ab Mai überall in der Stadt öffnen, teilweise in Gebäuden, die normalerweise keine Besucher*innen empfangen. Für Venedig-Appassionati immer wieder eine spannende Sache. Und ein besonderes Kunsterlebnis: ungewöhnliche alte Strukturen beherbergen neue Kunst, die teilweise sogar eigens für den Ausstellungsraum konzipiert wurde. Wer an meinen Diensten interessiert ist, nimmt bitte Kontakt auf über einen Klick auf "Begleitung in Venedig", Ecke rechts ganz oben.


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3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Super Informationenen - genau das, was ich gesucht habe! Große Hilfe, und so kenntnis und detialreich, dass ich genau weiß, dass ich diese Seite nicht zum letzten Mal besucht habe. Danke.

Anonym hat gesagt…

Ja, herzlichen Dank für die Informationen​. Wirklich großartig, dieser Blog ! Auch zu dieser Biennale 2017 haben wir hier viele Anregungen gefunden. Wir besuchen die Seite öfter und sind immer
gespannt auf neue Einträge. Ihre Art zu schreiben schätzen wir sehr, so kurz und knapp, neugierig-freundlich und kritisch.

ebbonn hat gesagt…

Beiden anonymen Kommenator*innen herzlichen Dank zurück für die Freundlichkeit!